Mißbrauchsanschuldigungen II

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taddeo
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von taddeo » Sonntag 13. Januar 2019, 23:00

Vir Probatus hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 22:17
taddeo hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 14:16
Juergen hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 14:08
In einem großen Teil der Fälle geht es nicht um Pädophilie, sondern um Hebephilie.
Die Opfer sind männliche Jugendlichen; die Täter sind ebenfalls männlich.
Da ist die von S.R.E. Card. aufgestellte These naheliegend.
Naheliegend vielleicht, aber sie greift etwas zu kurz, denke ich.

Man muß einen anderen Aspekt schon auch berücksichtigen: Priester kamen früher (und oft auch noch heute) eher mit männlichen Jugendlichen in Kontakt als mit weiblichen. In Knabenschulen, -seminaren, mit Ministranten, Seminaristen etc. Da auch Gelegenheit Diebe macht, scheint es mir schon nachvollziehbar, daß eben auf die leichter verfügbare "Ware" zurückgegriffen wurde, auch wenn vielleicht keine ausdrückliche homosexuelle Veranlagung oder Neigung vorhanden war. Zumal da die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen wie Schwangerschaften ausgeschlossen war. Es ging ja da immer nur um Triebbefriedigung, nicht um "höhere Werte" wie Liebe. Da konnte man nehmen, was da war.
Umgangssprachlich nennt man das "Notgeil". Sorry für den Ausdruck, aber der beschreibt es eben treffend.
Ja, so kann man das auch nennen.

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Raphael
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Raphael » Montag 14. Januar 2019, 06:41

Es ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben im Werden eines Priesters, seine sexuellen Bedürfnisse zu sublimieren. Erstaunlicherweise schaffen dies die Allermeisten trotzdem und nur eine verschwindend geringe Anzahl wird "notgeil".
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Montag 14. Januar 2019, 09:24

taddeo hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 14:16
Juergen hat geschrieben:
Sonntag 13. Januar 2019, 14:08
In einem großen Teil der Fälle geht es nicht um Pädophilie, sondern um Hebephilie.
Die Opfer sind männliche Jugendlichen; die Täter sind ebenfalls männlich.
Da ist die von S.R.E. Card. aufgestellte These naheliegend.
Naheliegend vielleicht, aber sie greift etwas zu kurz, denke ich.

Man muß einen anderen Aspekt schon auch berücksichtigen: Priester kamen früher (und oft auch noch heute) eher mit männlichen Jugendlichen in Kontakt als mit weiblichen. In Knabenschulen, -seminaren, mit Ministranten, Seminaristen etc. Da auch Gelegenheit Diebe macht, scheint es mir schon nachvollziehbar, daß eben auf die leichter verfügbare "Ware" zurückgegriffen wurde, auch wenn vielleicht keine ausdrückliche homosexuelle Veranlagung oder Neigung vorhanden war. Zumal da die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen wie Schwangerschaften ausgeschlossen war. Es ging ja da immer nur um Triebbefriedigung, nicht um "höhere Werte" wie Liebe. Da konnte man nehmen, was da war.
taddeo:

das hast Du besser gesagt, als ich es jemals hätte sagen können. ich hatte ähnliche Gedanken, konnte sie aber noch nicht ausformulieren.

Ehre, wem Ehre gebührt. danke Dir (auf süddeutsch: gelt's Dir Gott). oder, in dieser neuen Internet-Sprache:

:daumen-rauf:

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Montag 14. Januar 2019, 18:40

Raphael hat geschrieben:
Montag 14. Januar 2019, 06:41
Es ist sicherlich eine der schwierigsten Aufgaben im Werden eines Priesters, seine sexuellen Bedürfnisse zu sublimieren. Erstaunlicherweise schaffen dies die Allermeisten trotzdem und nur eine verschwindend geringe Anzahl wird "notgeil".
Das habe ich nicht bezweifelt. Dennoch sind die Folgen für die Opfer der dennoch notgeil gewordenen oft ein zerstörtes Leben.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Mittwoch 16. Januar 2019, 13:28


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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Donnerstag 17. Januar 2019, 14:15

Jetzt erreicht die Sache traditionalistische Schulen

https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... -verhaftet

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Protasius
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Protasius » Donnerstag 17. Januar 2019, 20:20

CIC_Fan hat geschrieben:
Donnerstag 17. Januar 2019, 14:15
Jetzt erreicht die Sache traditionalistische Schulen

https://www.katholisch.de/aktuelles/akt ... -verhaftet
Die von staatlicher Seite verfolgten Vorwürfe sind allerdings kein sexueller Mißbrauch, auch wenn das „nur“ hier etwas fehl am Platz ist.
Nach Informationen von Le Monde sind die vier in Liévin verhafteten Ordensleute, darunter zwei Priester, am Donnerstag unter Auflagen wieder aus der Haft entlassen worden. Unter anderem dürfen sie nicht mit Minderjährigen arbeiten. Ihnen werde nur "leichte Gewalt" und kein sexueller Missbrauch vorgeworfen, sagte ihr Anwalt gegenüber der Zeitung.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 18. Januar 2019, 12:10

grade bei Tradi Schulen gibt es immer wieder das Problem daß mittlerweile verbotene Disziplinierungs Methoden angewendet werden und auch das ist Missbrauch natürlich kein sexueller richtig

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Samstag 19. Januar 2019, 08:19

CIC_Fan hat geschrieben:
Freitag 18. Januar 2019, 12:10
grade bei Tradi Schulen gibt es immer wieder das Problem daß mittlerweile verbotene Disziplinierungs Methoden angewendet werden und auch das ist Missbrauch natürlich kein sexueller richtig
Ich frage mich wie das "Bildungsprogramm" solcher Schulen ohne Missbrauch überhaupt vermittelbar wäre.
Da muss man die Kinder schon einsperren (zumindest geistig), wenn sie mit all dem nicht in Kontakt kommen sollen, was seitens der Anstalt unerwünscht ist.
„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Samstag 19. Januar 2019, 12:57

http://betroffen.at/pm-zur-adoption-ged ... das-video/

Man denkt wirklich, man habe nun jede Widerwärtigkeit in der Kirche kennengelernt, aber es gibt immer noch Steigerungen.
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Samstag 19. Januar 2019, 14:06


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Der nächste, bitte:

Beitrag von Petrus » Sonntag 20. Januar 2019, 22:42


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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Montag 21. Januar 2019, 14:35

Graz-Seckau: Priester wegen Missbrauchsvorwürfen angeklagt

Es geht um die "Ausnützung eines Autoritätsverhältnisses" und mehrfache "sexuelle Übergriffe" gegenüber einer Frau.
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Montag 21. Januar 2019, 14:40

Neuigkeiten zum vormaligen Bischof von Oran in Argentinien:

Nacktselfies eines Bischofs – und Vatikan wusste Bescheid
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Sascha B. » Montag 21. Januar 2019, 14:44

HeGe hat geschrieben:
Montag 21. Januar 2019, 14:40
Neuigkeiten zum vormaligen Bischof von Oran in Argentinien:

Nacktselfies eines Bischofs – und Vatikan wusste Bescheid
Er wollte den Seminaristen doch nur seinen "Hirtenstab" zeigen. :pfeif:
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Montag 21. Januar 2019, 14:46

Sascha B. hat geschrieben:
Montag 21. Januar 2019, 14:44
HeGe hat geschrieben:
Montag 21. Januar 2019, 14:40
Neuigkeiten zum vormaligen Bischof von Oran in Argentinien:

Nacktselfies eines Bischofs – und Vatikan wusste Bescheid
Er wollte den Seminaristen doch nur seinen "Hirtenstab" zeigen. :pfeif:
Na, aber sein Handy war doch gehackt worden, der arme Mann konnte dafür doch gar nichts. :unbeteiligttu:
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Dienstag 22. Januar 2019, 08:29

Hier ein neu bekanntgewordener (wohl noch nicht verjährter) Fall aus dem Bistum Limburg (laut Aussage des Opfers wußte das Bistum davon, hatte aber nichts unternommen):

http://kath.net/news/66655

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von CIC_Fan » Dienstag 22. Januar 2019, 10:25


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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 22. Januar 2019, 20:02

Mit Wischi Waschi wird man in drei Sätzen vom "Stellvertretenden Pressesprecher" abgefertigt:
(Meine Lehrer hätten gesagt: Thema verfehlt, 6, setzen!)


Antwort des stellvertretenden Pressesprechers:

Sehr geehrter Herr ....
wir bedanken uns für Ihre ausführliche E-Mail vom 16.1.2019. Ein Dank zudem für Ihre Hinweise und Anregungen.

Den wissenschaftlichen Wert der MHG-Studie zu beurteilen, liegt nicht in unserer Kompetenz. Es ist in unseren Augen allerdings durchaus davon auszugehen, dass die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse und Ergebnisse darin veröffentlicht haben.

Die MHG-Studie benennt deutlich die Verbrechen im Raum der Kirche, nennt Zahlen und Fakten, beschönigt nicht. Die Wissenschaftler benennen auch die Schwierigkeiten und Herausforderungen.

Von einem Gefälligkeitsgutachten zu sprechen, wird sicherlich den Wissenschaftlern nicht gerecht. Von Vertuschung und „hinters Licht führen“ kann von unserer Seite nicht die Rede sein, ist es doch gerade das Anliegen von Erzbischof Becker, mit den Gläubigen in einen Dialog zu treten..

Die Kirche steht mit dem Themenbereich Missbrauch Minderjähriger im Fokus der Öffentlichkeit und der Medien und sie stellt sich der damit verbundenen Verantwortung – beispielsweise mit dem Brief des Paderborner Erzbischofs, der nicht die „unrühmliche Vorgeschichte der MHG-Studie“ sollte.

Wir bedanken uns für Ihre Rückmeldung.

Für Sie: Gottes Segen.

Mit freundlichen Grüßen

N.N.

Erzbischöfliches Generalvikariat
Marketing, Kommunikation und Pressestelle
Domplatz 3
33098 Paderborn


Meine Reaktion zum Schreiben des HW Herrn Erzbischofs an alle Katholiken Im Erzbistum:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie wünschen sich über diesen Brief in einen Dialog einzutreten, also muss ich reagieren.

Zunächst zu dem im Internet viel diskutierten Thema Adressierung, Briefgeheimnis und Form des Briefes:

Es hätte sicher die Möglichkeit bestanden, das Adreßfeld mit „Familie N.N.“ zu beschriften, ohne daß dann mehr Briefe hätten erzeugt werden müssen.

Es hätte auch die Möglichkeit bestanden, die Blätter doppelseitig zu bedrucken. Bei 1,5 Millionen Katholiken und 1,5 Personen je Haushalt (Schätzung) wären 1 Million Blatt Papier gespart worden.

Zum Inhalt:

Die Problematik beginnt bereits mit dem Satz „Die Deutschen Bischöfe haben vor Jahren die MHG Studie …. In Auftrag gegeben“

Soll hier vorenthalten werden, daß eine zuvor bei Professor Pfeiffer in Auftrag gegebene Studie storniert wurde ?

Soll damit vorenthalten werden, daß diese Studie deshalb storniert wurde, weil Professor Pfeiffer seine Arbeitsergebnisse nicht von der Kirche zensieren lassen wollte, weil er keinen Sinn darin sah, mit von der Kirche vorselektierten Daten zu arbeiten und dann seine Ergebnisse nochmals selektieren zu lassen ?

Soll unterdrückt werden, daß diese MHG-Studie vermutlich alles das nicht enthält, was Professor Pfeiffer zusätzlich herausgefunden und veröffentlicht hätte, wenn man ihn hätte frei arbeiten lassen ?

Ist nicht die MHG-Studie ein teurer Packen Altpapier mit einer Aufzählung einer kleinen Auswahl nicht namentlich genannter verstorbener Täter und verjährter Taten, und dies auf ausdrückliches Betreiben der Deutschen Bischofskonferenz ?

Bestimmte Bereiche, wie die Orden, hat man gleich aus der Studie ausgenommen: Obwohl seit den Meldungen aus Canisius-Kolleg und anderen Internaten wie z.B. Ettal bekannt ist, daß gerade Ordenspriester sich beim Missbrauch ebenfalls schwerstens an Schutzbefohlenen vergriffen haben.
Wo ist eine plausible Begründung dafür?
Auf der Internetseite der DBK wird als Begründung angegeben, die Bistümer hätten keine Jurisdiktion über die Orden. (Jurisdiktion laut Kathpedia im Kirchenrecht „die geistliche Autorität“)

Das verstehe wer will: Als die evangelische Präses Anette Kurschus im letzten Jahr in der Benediktinerabtei Meschede zum vortragen einer Predigt eingeladen war, wurde das vom Erzbistum Paderborn unterbunden. Ohne Jurisdiktion ?

Ist also nicht dieses Abbestellen der Pfeiffer-Studie ein weiterer Vertuschungsversuch von Mißbrauch?
Wurde die MHG-Studie nicht nur deshalb bestellt, um weiteren Verlust an Glaubwürdigkeit zu vermeiden, nachdem die Öffentlichkeit bereits wusste, daß die Pfeiffer-Studie mit einer nicht nachvollziehbaren Begründung storniert worden war?

Muss nicht jeder, der die Umstände der Abbestellung der Pfeiffer-Studie kennt, davon ausgehen, daß die MHG-Studie in ihren Ergebnissen weit von der Realität entfernt ist?
(In der Studie steht: Die Spitze eines Eisbergs und von einer hohen Dunkelziffer müsse man ausgehen)
Daher muss man annehmen, daß sie ein Gefälligkeitsgutachten ist, von der Kirche bestellt mit einem vorbestimmtem Ergebnis.

Sollen hier wieder einmal Gläubige hinter das Licht geführt oder ruhig gestellt werden ?

Ich denke, wenn der HW Herr Erzbischof Becker die Gläubigen in dieser ihm anscheinend wichtigen Thematik ansprechen will, dann sollte er zunächst selbst ehrlich damit umgehen.
Und dazu gehört auch die unrühmliche Vorgeschichte der MHG-Studie.
Selbst unter der Annahme, beide Studien hätten zum gleichen Resultat geführt: Es ist eine Verzögerung um drei Jahre erreicht worden. Drei Jahre, damit noch mehr Täter und Opfer als tot und noch mehr Taten als „verjährt“ gemeldet werden können ?

Diese Ehrlichkeit lässt der Brief vermissen. Und leider liegt der Herr Erzbischof damit mit seinen Kollegen auf einer Linie.

Die ganzen Aufarbeitungsbemühungen der Kirche, so auch dieser Brief, sind eine einzige Katastrophe, davon gekennzeichnet, daß

a) jeder Bischof macht und machen kann was er will und
b) eine einheitliche Linie nicht erkennbar ist.

Wenn in den Weihnachtspredigten 2018 (von Bischöfen!) noch immer Sätze fallen, wie „Man habe sich das Ausmaß des Missbrauchs ja gar nicht vorstellen können“, dann ist das eine Art Dauerschleife. Solche Sätze fielen schon 2010 vom damaligen DBK-Vorsitzenden Zollitsch. Der Regensburger Bischof schwadroniert wörtlich „vom leidigen Missbrauchsthema“.

Die Herren Bischöfe müssen sich fragen lassen, wie es zu den bekannten Versetzungen aufgefallener Priester gekommen ist.
Diese Versetzungen wurden von ihnen und ihren Generalvikaren verfügt und nicht von irgendwelchen Laien.
Wie kann es sein, daß missbrauchende Priester nicht nur an anderen Enden des eigenen Bistums, sondern in anderen Bistümern und sogar auf anderen Kontinenten wieder auftauchen und da weiter machen können ?

Es passt einfach nicht zusammen, daß heute beteuert wird, man habe das alles nicht gewusst oder sich das Ausmaß nicht vorstellen können.
Gleichzeitig hat man aber eben doch davon gewusst, indem man die Priester versetzt hat und sich in dem Zusammenhang eben doch schon mit deren Taten beschäftigt hat.
Hier hilft es dem Gläubigen auch nicht, wenn man ihm versichert „im Bistum X sei das nicht vorgekommen“, selbst wenn es wahr ist.
Man kann ja nicht mit seinen Kindern in ein angeblich „sicheres Bistum“ ziehen.

Warum stellt man der Öffentlichkeit einen zum „Missbrauchsbeauftragten ernannten Bischof“ vor, wenn doch allgemein bekannt ist, daß dieser seinen Mitbrüdern weder Weisungen noch gut gemeinte Ratschläge geben darf, ja daß diese sich das schlichtweg verbitten?
Wer die Auseinandersetzungen um den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen zu Zeiten des Herrn Bischof Müller etwas näher verfolgt hat, konnte das gut mitbekommen.

Selbstverständlich muss sich die Kirche daran messen lassen, was als tatsächliche Handlungen (und nicht als rein intellektuelle Diskussion) aus der Studie folgt.

Und da gibt es eben bisher nur diese Diskussion, angeführt von Klerikalisten, die bis heute noch glauben (oder es zumindest sagen) , es habe in der Kirche keinerlei Verfehlungen gegeben, und solchen, die erste Ansätze zu einer Umkehr zeigen. Die aber dann gleich von ihren Oberen „gemaßregelt“ werden, wie bspw. Bischof Wilmer durch Kardinal Woelki.

Eine grobe Auflistung der Mängel der MHG-Studie befindet sich hier:

http://missbrauch-im-bistum-trier.blogs ... tudie.html

Dem Satz im Brief des HW Herrn Erzbischofs, den Erkenntnissen der Studie sei nichts hinzuzufügen, kann ich nicht zustimmen. Vielmehr fehlen der Studie erhebliche Fakten, die hinzuzufügen wären.

Eine einzige Handlungsempfehlung der Studie zu befolgen wäre besser und wirkungsvoller als 2 Millionen Blatt bedrucktes Papier mit Halbwahrheiten zu verschicken.



Mit freundlichen Grüssen
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Mittwoch 23. Januar 2019, 05:16

Respekt :daumen-rauf:

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 23. Januar 2019, 05:49

Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 23. Januar 2019, 05:16
Respekt :daumen-rauf:
Was für eine Lachnummer, so eine Antwort.
Immerhin habe ich jetzt "Gottes Segen" vom stellvertretenden Pressesprecher des Erzbistums.
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Mittwoch 23. Januar 2019, 05:56

Guten Morgen. Auch schon wach? :)

Nachgetragen noch ein Dankeschön Dir für den link, den ich noch nicht kannte. Fast bräuchte ich hier nicht mehr auf weitere Mißbrauchsfälle hinweisen.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Mittwoch 23. Januar 2019, 08:44

und heute haben wir im Angebot

die Schweiz, wo ein Bischof ein mulmiges Gefühl hatte, auf Gutachten vertraute, und einem verurteilten Täter eine zweite Chance geben möchte:

http://kath.net/news/66672

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Mittwoch 23. Januar 2019, 17:52

und dann fällt mir irgendwie nur noch ein, Psalm 58, vertont vom Herrn Heinrich Schütz.

https://www.youtube.com/watch?v=VtpAmelTxyI

(Achtung Vorsicht, Musik).

"wie ich nerv mal wieder bisschen: Ihr Herren, seid Ihr stumm,
dass Ihr kein Recht könnt sprechen "

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Donnerstag 24. Januar 2019, 13:41

Petrus hat geschrieben:
Dienstag 22. Januar 2019, 08:29
Hier ein neu bekanntgewordener (wohl noch nicht verjährter) Fall aus dem Bistum Limburg (laut Aussage des Opfers wußte das Bistum davon, hatte aber nichts unternommen):

http://kath.net/news/66655
Limburg: „Bistum und Bischof Bätzing nehmen die Vorwürfe ernst“
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Donnerstag 24. Januar 2019, 13:42

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Donnerstag 24. Januar 2019, 16:34

https://www.ncronline.org/news/accounta ... gY6GVJ2t3Q
Wagner said that she saw Geissler's continuing in his role as symptomatic.

"For me, in a weird way it's a good thing that he's still there because it's so symbolic of the church's attitude towards perpetrators," said Wagner. "Somebody who has even admitted doing what he has done and is still in that position. It's so ridiculous. It's so unbelievable."

"Of course it is painful for me to watch, because I'm one of his victims," she said. "But that's not the point. The point is that what I find even more appalling ... is the whole situation, that the church itself is not following canon law when it comes to sexual abuse."
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Petrus » Donnerstag 24. Januar 2019, 16:52

HeGe hat geschrieben:
Donnerstag 24. Januar 2019, 13:42
Vatikan plant Task-Force gegen Missbrauch
ja.

"Task force" ist ein netter Begriff, in diesem Zusammenhang.
und stammt aus dem militärischen Bereich. Eine schnelle Eingreiftruppe.

Mit klar umrissenem Auftrag, und mit definierten Kompetenzen(!).

Nichts von dem scheint mir hier der Fall zu sein.

ach ja, im militärischen Bereich gibt es sog. "Nebelwerfer", die sind dazu da, den Feind abzulenken und die eigene Position zu verschleiern.

Vielleicht ist das ja der Einsatzauftrag dieser (noch nicht existierenden) "task force"?

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Donnerstag 24. Januar 2019, 21:02

Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 24. Januar 2019, 16:52
HeGe hat geschrieben:
Donnerstag 24. Januar 2019, 13:42
Vatikan plant Task-Force gegen Missbrauch
ja.

"Task force" ist ein netter Begriff, in diesem Zusammenhang.
und stammt aus dem militärischen Bereich. Eine schnelle Eingreiftruppe.

Mit klar umrissenem Auftrag, und mit definierten Kompetenzen(!).

Nichts von dem scheint mir hier der Fall zu sein.

ach ja, im militärischen Bereich gibt es sog. "Nebelwerfer", die sind dazu da, den Feind abzulenken und die eigene Position zu verschleiern.

Vielleicht ist das ja der Einsatzauftrag dieser (noch nicht existierenden) "task force"?
Ich denke da an umgebaute Kombis oder Privatflugzeuge, mit denen man aufgefallene Geistliche ausser Landes schaffen kann, bevor die Justiz sie zu fassen bekommt. Ich freue mich schon auf den ersten Dokumentarfilm. Oder als Folge im Tatort Münster mit Wilsberg und Overbeck.
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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Juergen » Samstag 26. Januar 2019, 13:58

Vorwürfe gegen Priester und Kirchenmitarbeiter – Schulleiter verurteilt
Missbrauch: drei neue Fälle

Paderborn (WB/mba). Seit dem Abschluss der Missbrauchsstudie 2015 sind dem Erzbistum Paderborn drei neue Missbrauchsfälle bekannt gemacht worden. »Ein Fall ist rechtskräftig abgeschlossen, in den anderen beiden ermittelt die Staatsanwaltschaft«, sagte Thomas Throenle, stellvertretender Sprecher des Erzbistums, dieser Zeitung.

Nach WESTFALEN-BLATT-­Informationen handelt es sich bei dem rechtskräftig abgeschlossenen Fall um den Schulleiter eines katholischen Gymnasiums aus Hagen. Der Mann, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ihn Anfang 2018 vom Erzbistum suspendiert worden war, wurde im August 2018 wegen des Besitzes jugendpornografischer Bilder zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Zudem musste er eine Geldbuße von 10.000 Euro zahlen.

Bei den beiden anderen Fällen, in denen noch die Staatsanwaltschaft ermittle, soll es sich um einen Priester und einen Kirchenmitarbeiter handeln. Aus Gründen des Opferschutzes wolle das Erzbistum keine Details zu den Vorwürfen und auch nicht zu möglichen Tatorten bekanntgeben, sagte Throenle.
Das dürfte vermutlich der Fall aus Hagen sein:
https://www.wr.de/archiv-daten/leiter-v ... 87735.html
https://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgeb ... t-100.html
Gruß
Jürgen
Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von Vir Probatus » Samstag 26. Januar 2019, 17:24

„Die Kirche will herrschen, und da muss sie eine bornierte Masse haben, die sich duckt und die geneigt ist, sich beherrschen zu lassen. Die hohe, reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (J.W. von Goethe)

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Re: Mißbrauchsanschuldigungen II

Beitrag von HeGe » Dienstag 29. Januar 2019, 15:09

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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