Hildegard von Bingen

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Peter Panda
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Hildegard von Bingen

Beitrag von Peter Panda » Montag 21. Juni 2004, 12:22

Grüß Gott, erst mal.

Ich bin von einer Bekannten gefragt worden, was denn von der Edelsteintherapie der Hlg. Hildegard von Bingen zu halten ist.
Mir ist zwar bekannt, dass die Esoteriker voll drauf abfahren und würde ihr deshalb eher davon abraten, aber andererseits ist die Hildegard schließlich heiliggesprochen worden und kann doch auch nicht ganz falsch liegen.
Kennt sich jemand von euch damit aus?

Edith
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Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Edith » Montag 21. Juni 2004, 12:55

Peter Panda hat geschrieben:, aber andererseits ist die Hildegard schließlich heiliggesprochen worden und kann doch auch nicht ganz falsch liegen.
Kennt sich jemand von euch damit aus?
http://www.bistum-augsburg.de/ba/opencm ... egard.html

die Frage stellte ich mir auch schon mal. Offenbar muß man genau unterscheiden, was von ihr ist, und was man so in der "Szene" dazuzdichtet und uminterpretiert.....

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Sainty
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Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Sainty » Montag 21. Juni 2004, 16:19

Peter Panda hat geschrieben: aber andererseits ist die Hildegard schließlich heiliggesprochen worden
Hallo,

Hildegard von Bingen ist nicht heiliggesprochen worden.

Liebe Grüsse

Sainty
Herr, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Montag 21. Juni 2004, 16:45

Eine Heiligsprechung würde auch nicht automatisch die Privatoffenbarungen für echt erklären (siehe Brigitta-Gebete).

Marlene
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Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Marlene » Montag 21. Juni 2004, 17:02

Edith hat geschrieben:
Peter Panda hat geschrieben:, aber andererseits ist die Hildegard schließlich heiliggesprochen worden und kann doch auch nicht ganz falsch liegen.
Kennt sich jemand von euch damit aus?
http://www.bistum-augsburg.de/ba/opencm ... egard.html

die Frage stellte ich mir auch schon mal. Offenbar muß man genau unterscheiden, was von ihr ist, und was man so in der "Szene" dazuzdichtet und uminterpretiert.....
Außerdem muss man sich klarmachen, dass Hildegard ein Kind ihrer Zeit war ... und Medizin im Mittellater ist nun mal stark von dem geprägt, was wir heute esoterisch nennen.

Wenn dich das näher interessiert, dann frag doch mal in Eibingen in der Abtei St. Hildegard an. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es auf der dortigen Homepage auch ein Diskussionsforum.

Anastasis

Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Anastasis » Montag 21. Juni 2004, 21:41

Sainty hat geschrieben:
Peter Panda hat geschrieben: aber andererseits ist die Hildegard schließlich heiliggesprochen worden
Hallo,

Hildegard von Bingen ist nicht heiliggesprochen worden.

Liebe Grüsse

Sainty
Zu Hildegards Zeit war die Heiligsprechung im heutigen Sinn auch noch nicht obligatorisch für die Verehrung einer Person als Heilige(r)... Also ist die fehlende Heiligsprechung kein Grund, sie etwa als Heilige "zweiter Klasse" o.ä. zu betrachten.
Umgekehrt wäre auch eine Heiligsprechung kein Grund, alle ihre Schriften als auf ewig gültig und wahr zu betrachten. Da ist einfach vieles sehr zeitbedingt und inzwischen überholt. (Auch z.B. Thomas von Aquin hat oft aus heutiger Sicht nicht recht, wo er sich auf den zeitgenössischen Stand der Wissenschaft stützt.)

Ich persönlich denke, die "Heilkunst" Hildegards können wir getrost und ohne wesentliche Verluste den Esoterikern überlassen.

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Nietenolaf
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Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Nietenolaf » Montag 21. Juni 2004, 22:02

Anastasis hat geschrieben:Zu Hildegards Zeit war die Heiligsprechung im heutigen Sinn auch noch nicht obligatorisch für die Verehrung einer Person als Heilige(r)... Also ist die fehlende Heiligsprechung kein Grund, sie etwa als Heilige "zweiter Klasse" o.ä. zu betrachten.
M.E. ist das heute immer noch so, und Verehrung durch das gläubige Volk ist sogar noch ein Kriterium, das zu einer offiziellen kirchlichen Kanonisierung beiträgt.

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Robert Ketelhohn
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Re: Hlg. Hildegard - Edelsteine

Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 21. Juni 2004, 22:10

Nietenolaf hat geschrieben:Verehrung durch das gläubige Volk ist sogar noch ein Kriterium, das zu einer offiziellen kirchlichen Kanonisierung beiträgt.
Das sollte sogar die Voraussetzung sein.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc » Mittwoch 8. September 2004, 22:40

Ich persönlich denke, die "Heilkunst" Hildegards können wir getrost und ohne wesentliche Verluste den Esoterikern überlassen.
Ist das nicht etwas leichtfertig, Anastasis?
Dr. med. Hertzka beschäftigte sich bis kurz vor seinem Tod mit der Erforschung der Heilmedizin von Hildegard von Bingen. In den letzten Jahren hatte er einen Mitarbeiter, Dr. Dr. rer. nat. Wighard Strehlow, der noch heute forscht und eine gutgehende HvB-Praxis in Allensbach bei Konstanz führt. Darüber hinaus gibt er Kurse in der HvB-Medizin für Ärzte und Heilpraktiker.
Daß die Mittel erstaunlich erfolgreich sind, kann ich aus eigener Erfahrung versichern.
Und wenn Sie sich mal die prophylaktischen Behandlungsmaßnahmen der HvB ansehen, so ist sie der heutigen Medizin zumindest ebenbürtig.

Warum ein Gebiet den Esoterikern überlassen, zumal HvB selbst sagte, das nichts von ihr gekommen ist, sondern ihr alles von oben eingegeben wurde?
Unübertreffbar ihre gewaltige Sprache in den überkommenen Büchern.

Auch wenn mit Sicherheit einiges verändern oder hinzugefügt wurde, so ändert dies nichts an der überzeugenden Wirkung ihrer Aussagen.

Gruß, ad_hoc
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roncalli
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Beitrag von roncalli » Mittwoch 8. September 2004, 22:53

Eine Heiligsprechung von Ärzten bedeutet doch nicht, dass die Kirche auch deren (zeitbedingte) Arzneien heiligspricht!
Ähnliches gilt für eine hl. Hildegard.

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc » Mittwoch 8. September 2004, 23:06

@ Roncalli

Hoffentlich mißverstehen wir uns nicht.
Daß Visionen nicht unbedingt stimmen müssen, da zu sehr die persönliche Verfassung des Visionärs Einfluß nehmen könnte, daß, wie bei HvB, die Richtigkeit Ihrer Arzneien für die Heiligsprechung bzw. für die Heiligung nicht notwendige Grundlagen bilden, ist einsehbar.

Daß Hildegard sich nicht als Ärztin oder Naturforscherin gesehen hat (wie es heute gerne angenommen wird) ist auch klar, da sie sagt, daß nichts von ihr kommt, sondern ihr alles von oben mitgeteilt wurde.
Dr. med Hertka, mehr als 40 Jahre Forscher auf diesem Gebiet, weißt ebenfalls eindringlich auf diesen Sachverhalt hin.

Gruß, ad_hoc
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Sr. Franziska OP
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Beitrag von Sr. Franziska OP » Donnerstag 9. September 2004, 13:07

Ich persönlich hab sehr gute Erfahrungen mit Hildegard-Medizin gemacht.
Meine Tante beschäftigt sich seit einigen Jahren sehr intensiv damit (v.a. mit Hildegards Ernährungsratschlägen, aber auch mit den Heilmitteln und Steinen). Ich denke, man sollte das nicht übertreiben; solange man es
nur unterstützend anwendet und nicht für die allein seligmachende Methode hält, ist dagegen nichts einzuwenden. Bei meinem Onkel hat eine "Hildegard-Salbe" eine Knieoperation verhindern können. Ein "Hildegard-Elixier" hat meinen verwirrten Hormonhaushalt wieder ins Lot gebracht; und einem Bekannten hilft ein Hildegardmittel gegen seine Neurodermitis. Das Interessanteste, was ich bisher gesehen hab, war, dass mein Onkel, der jahrzehntelang unter einer schweren Stauballergie litt, überhaupt keine Anfälle mehr hat, seitdem er Rotwein aus einem Buchsbaum-Becher trinkt :kratz: .

Das mag alles sehr seltsam klingen... Ich selbst bin ja auch von Natur aus ein sehr skeptischer Typ... aber wenn's hilft, was soll man dann noch dagegen sagen? Übrigens muss man bei Hildegard-Medizin nicht "dran glauben", damit es funktioniert - das hat in meiner Familie nämlich niemand getan :ja: !

Bedenklich wird es für mich erst dort, wo sich jemand in die Sache zu sehr reinsteigert (wenn die Schulmedizin dann "böse" wird etc.). Ebenfalls bedenklich finde ich das Weltbild, das sich manche Hildegard-Freaks selbst aus ihren Schriften zusammenzimmern (wie die Planeten wirklich zueinander stehen; wie die Schöpfung genau abgelaufen sein soll,...). Da fängt die Esoterik an.

Sr. Franziska

ad_hoc
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Beitrag von ad_hoc » Donnerstag 9. September 2004, 14:58

Bis auf den markierten Text
Ebenfalls bedenklich finde ich das Weltbild, das sich manche Hildegard-Freaks selbst aus ihren Schriften zusammenzimmern (wie die Planeten wirklich zueinander stehen; wie die Schöpfung genau abgelaufen sein soll,...). Da fängt die Esoterik an.
gebe ich Ihnen gerne recht, Sr. Franziska. Die Schau der Ordnung der Dinge bei Hildegard von Bingen ist wirklich beeindruckend und Vergleiche mit der Ordnung im "Kalendarium" des Werkes der Hl. Engel, welches im Nachhinein so sehr verdammt wurde, sind durchaus möglich.
Wenn allerdings Esoteriker, die mit der katholischen Religion nichts im Sinn haben, sich dieser Sache anzunehmen, dann kann wirklich nur Übles dabei herauskommen.

Gruß, ad_hoc
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Fichtel-Wichtel
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Beitrag von Fichtel-Wichtel » Donnerstag 9. September 2004, 18:08

Man muß nicht unbedingt heilig gesprochen worden sein um etwas für die Gesundheit der Menschheit zu tun

Sebastian Kneipp ,der Wasserdoktor von Bad Wörishofen ist wohl jedem ein Begriff.
Kneippkur,
Kneippgüsse,
Ernährung nach kneipp u.v.m.


Gruß,
Elisabeth

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cantus planus
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Film: Hildegard von Bingen

Beitrag von cantus planus » Dienstag 26. Februar 2008, 20:17

Für Kinofans:

kath.net berichtet, dass der Film über die Hl. Hildegard von Bingen 2009 in die Kinos kommt. Ich bin mal gespannt.

(Ein schöner Zufall, wo ich gerade einige ihrer Gesänge einstudiere.)
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overkott
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Beitrag von overkott » Samstag 8. März 2008, 15:58

Wie der Jesus-Film aus dem Iran hat auch dieser Streifen ein tolles Thema.

Aber auch hier stellt sich wieder die Frage nach der Geschichte. Wie lässt sich die Biografie dramatisieren? Was lässt sich auswählen? Wo ist der Hauptkonflikt?

Da weiß ich nicht, was die Biografie hergibt.

Idealerweise muss es sich um den Grundkonflikt Heilige oder Hexe handeln, der mit dem Berufungskonflikt im Elternhaus beginnt, dann: spiritueller und wissenschaftlicher Aufstieg und Fall in der Ordensgemeinschaft, Anklage als Hexe und Erlaubnis zur Gründung eines eigenen Klosters.

Die Vorankündigung lässt so etwas leider noch nicht erkennen, sondern liest sich sehr breiig.

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Raphael
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Re: Film: Hildegard von Bingen

Beitrag von Raphael » Samstag 8. März 2008, 16:19

cantus planus hat geschrieben:Für Kinofans:

kath.net berichtet, dass der Film über die Hl. Hildegard von Bingen 2009 in die Kinos kommt. Ich bin mal gespannt.

(Ein schöner Zufall, wo ich gerade einige ihrer Gesänge einstudiere.)
In der Tat geht es in dem Film um eine der interessantesten Personen des Mittelalters.

Allerdings möchte ich zur Vorsicht raten, denn die genannte "Macherin" des Filmes ist ebenso wie die Hauptdarstellerin nicht durch besondere Christentumsfreundlichkeit bekannt geworden. "Die bleierne Zeit" ist ein wirklich bleierner Film .............

Eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht IMHO dafür, daß Hildegard von Bingen als eine von der patriarchalischen Kirche unterdrückte, sehr stark esoterisch angehauchte Frau gezeigt wird.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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overkott
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Re: Film: Hildegard von Bingen

Beitrag von overkott » Samstag 8. März 2008, 16:31

Raphael hat geschrieben:
cantus planus hat geschrieben:Für Kinofans:

kath.net berichtet, dass der Film über die Hl. Hildegard von Bingen 2009 in die Kinos kommt. Ich bin mal gespannt.

(Ein schöner Zufall, wo ich gerade einige ihrer Gesänge einstudiere.)
In der Tat geht es in dem Film um eine der interessantesten Personen des Mittelalters.

Allerdings möchte ich zur Vorsicht raten, denn die genannte "Macherin" des Filmes ist ebenso wie die Hauptdarstellerin nicht durch besondere Christentumsfreundlichkeit bekannt geworden. "Die bleierne Zeit" ist ein wirklich bleierner Film .............

Eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht IMHO dafür, daß Hildegard von Bingen als eine von der patriarchalischen Kirche unterdrückte, sehr stark esoterisch angehauchte Frau gezeigt wird.
Was ist denn an ihr interessant?

Wie könntest du dir die Geschichte denn vorstellen, ohne dass es ein schön fotografierter 90-Minuten-Brei wird?

Petra
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Beitrag von Petra » Samstag 8. März 2008, 17:35

Eine TV-Zeitschrift schreibt:
Mit Hildegard von Bingen haben sie sich eine der Ikonen des sanften, esoterisch-christlich angehauchten Feminismus vorgenommen: Hildegard von Bingen, Mystikerin, Heilkundige und Komponistin. Sie gründete im zwölften Jahrhundert entgegen vieler Widerstände ein eigenes Kloster und wurde mit ihren Schriften über Medizin und Naturheilkunde sowie ihren Musikkompositionen weltbekannt.

Die deutsch-französische Koproduktion soll 2009 in die Kinos kommen.
Quelle

Gut! Wenn ein weniger bekannter Regisseur den Film drehen würde, käme er evtl. gar nicht in die Kinos. Und Hildegard von Bingen ist eine spannende Person. Dann wird sie noch bekannter. :freude:

Mittlerweile ist man ja bei den Medien so anspruchslos, dass man nur noch wünscht, die entsprechenden Namen würden richtig geschrieben, damit die Interessierten bei Fachleuten nachfragen können, wie's wirklich war.

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overkott
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Beitrag von overkott » Samstag 8. März 2008, 18:10

Petra hat geschrieben:Eine TV-Zeitschrift schreibt:
Mit Hildegard von Bingen haben sie sich eine der Ikonen des sanften, esoterisch-christlich angehauchten Feminismus vorgenommen: Hildegard von Bingen, Mystikerin, Heilkundige und Komponistin. Sie gründete im zwölften Jahrhundert entgegen vieler Widerstände ein eigenes Kloster und wurde mit ihren Schriften über Medizin und Naturheilkunde sowie ihren Musikkompositionen weltbekannt.

Die deutsch-französische Koproduktion soll 2009 in die Kinos kommen.
Quelle

Gut! Wenn ein weniger bekannter Regisseur den Film drehen würde, käme er evtl. gar nicht in die Kinos. Und Hildegard von Bingen ist eine spannende Person. Dann wird sie noch bekannter. :freude:

Mittlerweile ist man ja bei den Medien so anspruchslos, dass man nur noch wünscht, die entsprechenden Namen würden richtig geschrieben, damit die Interessierten bei Fachleuten nachfragen können, wie's wirklich war.
Was ist denn an ihr nun interessant und so spannend? Wo könnte man mitleiden, mitzittern, worüber sich aufregen?

Gerade diese Ankündigung fand ich farblos: weltbekannt, Schriften, Kompositionen. Das ist noch keine Geschichte, noch keine als Handlung dargestellte These, die irgendwie Bedeutung haben könnte.

Wie könnte die These aussehen? Mystik ist ein theologischer Schutz für aufgeklärtes Denken? (Als Gegenfigur müsste eine Mitschwester eine völlig andersgeartete Mystik vertreten.) Oder: Die Grenzen zwischen Heiligkeit und Hexerei sind schillernd? (Als Beweis müsste eine Mitschwester ähnlich denken, aber doch scheitern.)

Oder wird das ganze eine vor sich hin meandernde episodenhafte Pseudodokumentation, wo man am Ende gar nicht so richtig weiß, was das eigentlich soll?

Petra
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Beitrag von Petra » Samstag 8. März 2008, 18:48

overkott hat geschrieben: Was ist denn an ihr nun interessant und so spannend? Wo könnte man mitleiden, mitzittern, worüber sich aufregen?

Gerade diese Ankündigung fand ich farblos: weltbekannt, Schriften, Kompositionen. Das ist noch keine Geschichte, noch keine als Handlung dargestellte These, die irgendwie Bedeutung haben könnte.

Wie könnte die These aussehen? Mystik ist ein theologischer Schutz für aufgeklärtes Denken? (Als Gegenfigur müsste eine Mitschwester eine völlig andersgeartete Mystik vertreten.) Oder: Die Grenzen zwischen Heiligkeit und Hexerei sind schillernd? (Als Beweis müsste eine Mitschwester ähnlich denken, aber doch scheitern.)

Oder wird das ganze eine vor sich hin meandernde episodenhafte Pseudodokumentation, wo man am Ende gar nicht so richtig weiß, was das eigentlich soll?
Keine Ahnung, was die Produzenten machen werden. Vielleicht wird es sogar ganz gut? Auf jeden Fall wird es den einen gefallen, sie neugierig machen und die andere werden schimpfen. Wie fast immer.
Hauptsache, sie schreiben die Namen richtig.

Franzosen und Italiener haben schon Filme mit religiösem Inhalt gedreht (Heilige, Evangelium). Weiß jemand, wie es in Spanien aussieht? Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius? Oder sind die Spanier immer noch zu sehr damit beschäftigt die Fünziger, Sechziger und Siebziger Jahre nachzuholen?

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overkott
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Beitrag von overkott » Samstag 8. März 2008, 19:04

Petra hat geschrieben:
overkott hat geschrieben: Was ist denn an ihr nun interessant und so spannend? Wo könnte man mitleiden, mitzittern, worüber sich aufregen?

Gerade diese Ankündigung fand ich farblos: weltbekannt, Schriften, Kompositionen. Das ist noch keine Geschichte, noch keine als Handlung dargestellte These, die irgendwie Bedeutung haben könnte.

Wie könnte die These aussehen? Mystik ist ein theologischer Schutz für aufgeklärtes Denken? (Als Gegenfigur müsste eine Mitschwester eine völlig andersgeartete Mystik vertreten.) Oder: Die Grenzen zwischen Heiligkeit und Hexerei sind schillernd? (Als Beweis müsste eine Mitschwester ähnlich denken, aber doch scheitern.)

Oder wird das ganze eine vor sich hin meandernde episodenhafte Pseudodokumentation, wo man am Ende gar nicht so richtig weiß, was das eigentlich soll?
Keine Ahnung, was die Produzenten machen werden. Vielleicht wird es sogar ganz gut? Auf jeden Fall wird es den einen gefallen, sie neugierig machen und die andere werden schimpfen. Wie fast immer.
Hauptsache, sie schreiben die Namen richtig.

Franzosen und Italiener haben schon Filme mit religiösem Inhalt gedreht (Heilige, Evangelium). Weiß jemand, wie es in Spanien aussieht? Avila, Johannes vom Kreuz, Ignatius? Oder sind die Spanier immer noch zu sehr damit beschäftigt die Fünziger, Sechziger und Siebziger Jahre nachzuholen?
Ich wäre eher dafür, die Namen falsch zu schreiben, und zu sagen: nach Motiven von Hildegard von Bingen.

Dann könnte man eine sehenswerte Geschichte zeigen und sich die historischen Nörgeleien schenken.

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Raphael
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Re: Film: Hildegard von Bingen

Beitrag von Raphael » Montag 10. März 2008, 11:05

overkott hat geschrieben:Was ist denn an ihr interessant?
Hildegard von Bingen gehört in eine Reihe von weiblichen Mystikerinnen des Hochmittelalters. Ihre Schriften sind jedoch weiter verbreitet als die von den anderen nicht weniger wichtigen, wie bspw. Gertrud von Helfta oder Mechthild von Magdeburg.
overkott hat geschrieben:Wie könntest du dir die Geschichte denn vorstellen, ohne dass es ein schön fotografierter 90-Minuten-Brei wird?
Der Film sollte sich IMHO stark an den historischen Fakten orientieren. Dramaturgische Spannung kann sich sicherlich beim Aufbau des (eigenen) Klosters oder auch bei der Reise am Ende Ihres Schaffens im Rheinland aufbauen lassen.

Problematisch aus cinematographischer Sicht ist aber eben, daß HvB eine Mystikerin ist!
So etwas läßt sich schwer zeigen, ohne optische Superhelden-Beigaben, wie man sie aus der Traumfabrik Hollywood bis zum Überdruß bereits kennt.
Auch die Darstellung ihres umfangreichen Schriftverkehrs mit führenden Persönlichkeiten der damaligen Kirche ist cinematographisch schwer verwertbar.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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overkott
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Re: Film: Hildegard von Bingen

Beitrag von overkott » Mittwoch 12. März 2008, 10:36

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Was ist denn an ihr interessant?
Hildegard von Bingen gehört in eine Reihe von weiblichen Mystikerinnen des Hochmittelalters. Ihre Schriften sind jedoch weiter verbreitet als die von den anderen nicht weniger wichtigen, wie bspw. Gertrud von Helfta oder Mechthild von Magdeburg.
overkott hat geschrieben:Wie könntest du dir die Geschichte denn vorstellen, ohne dass es ein schön fotografierter 90-Minuten-Brei wird?
Der Film sollte sich IMHO stark an den historischen Fakten orientieren. Dramaturgische Spannung kann sich sicherlich beim Aufbau des (eigenen) Klosters oder auch bei der Reise am Ende Ihres Schaffens im Rheinland aufbauen lassen.

Problematisch aus cinematographischer Sicht ist aber eben, daß HvB eine Mystikerin ist!
So etwas läßt sich schwer zeigen, ohne optische Superhelden-Beigaben, wie man sie aus der Traumfabrik Hollywood bis zum Überdruß bereits kennt.
Auch die Darstellung ihres umfangreichen Schriftverkehrs mit führenden Persönlichkeiten der damaligen Kirche ist cinematographisch schwer verwertbar.
Eine Geschichte wird häufig als Weg und als Suche beschrieben. Damit hat sie meistens einen Auslöser und ein Ziel. Warum macht sich jemand auf den Weg? Was will er eigentlich?

Für eine Geschichte ist also eine Mystikerin nur dann interessant, wenn sie sich auf die Suche nach Gott macht und ihn dann auch findet.

Das bedeutet aber, dass sie am Anfang maximal von ihren Ziel entfernt sein muss.

Ihre Schriften sind nur insoweit interessant, als das sie sich von anderen unterscheiden. Die Leser müssen sich sagen: Mein Gott, was habe ich bisher für belanglose Sachen gelesen.

Und dann darf der Weg der Geschichte kein leichter sein. Ein Dramaturg muss seinem Helden Disteln, Dornen, Steine und Knüppel in den Weg legen und zwischen die Beine werfen.

Erst dann wird der Leser oder Zuschauer am Ende aufatmen und zufrieden das Buch zuklappen oder aus dem Kino gehen und sagen: Uff, das hätten wir geschafft.

Natürlich gibt es innere Konflikte wie die Suche nach Gott. Das kann man in einem Roman sehr gut darstellen, weil man seinen Helden denken lassen kann. Natürlich können sich Gedanken wie im Theater auch in Dialogen äußern. Aber im Film? Ein Film sollte möglichst nicht geschwätzig sein, sondern seine Geschichte in Handlung erzählen. Deshalb eignen sich äußere Konflikte am besten.

Und natürlich braucht man einen Hauptkonflikt. Das kann die Berufungsgeschichte sein. Folgendes wäre möglich: Hildegard lebt als x-tes Kind in einer großen Familie in Armut. Die Eltern wollen Hildegard ins Kloster bringen für das Seelenheil der Familie und für die materielle Absicherung ihrer Tochter, der sie keine Aussteuer mitgeben können. Hildegard geht widerwillig. Sie leidet unter der klösterlichen Strenge. Sie hungert nach Büchern. Sie fängt an zu experimentieren. Ihre Oberen verbieten ihr das. Eine Mitschwester zeigt Verständnis. Auch die Mitschwester bekommt Ärger. Der Konflikt weitet sich aus...

Wer kennt die genaue Biografie?

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cantus planus
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Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von cantus planus » Freitag 25. September 2009, 16:51

Der neue Kinofilm über Hildegard von Bingen ist in den Kinos. Hat ihn jemand gesehen?

Ich würde ihn mir gerne anschauen, bin aber etwas skeptisch, weil sich seit Tagen die Verrisse häufen... Und zwar nicht nur in bekanntermaßen antikirchlichen Medien. :hmm:
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von cantus planus » Freitag 25. September 2009, 16:51

Hier übrigens die Homepage zum Film: http://www.vision-derfilm.de/
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von civilisation » Freitag 25. September 2009, 17:08

Da ich auch sonst nicht ins Kino gehe ...

warum sollte ich denn diesmal mir ausgerechnet diesen Film ansehen sollen?

Ich warte ab.

Obwohl ich bislang - 25.09.2009 - nichts gehört habe, was mich an diesem Film interessieren würde.

Ich kenne die Literatur um die Hl. Hildegard v. Bingen einigermaßen. Warum sollte ich mir noch etwas Visuelles antun?

Gruß
der abwartende civilisation

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Kantorin
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von Kantorin » Freitag 25. September 2009, 18:05

Ich werde erst am Montag ins Kino gehen und den Film anschauen - Kinotag! Ich werde euch dann berichten.... :freude:
Mein huldreicher Gott kommt mir entgegen. (Psalm 59)

Petra
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von Petra » Freitag 25. September 2009, 18:19

cantus planus hat geschrieben:Der neue Kinofilm über Hildegard von Bingen ist in den Kinos. Hat ihn jemand gesehen?

Ich würde ihn mir gerne anschauen, bin aber etwas skeptisch, weil sich seit Tagen die Verrisse häufen... Und zwar nicht nur in bekanntermaßen antikirchlichen Medien. :hmm:
Verrisse über einen Film, der sich mit einer Heiligen auseinandersetzt und dazu noch aus Deutschland kommt, waren doch zu erwarten.

Mich würde interessieren, was Frau von Trotta an Hildegard interessiert. Obs eine Emanzen-Geschichte ist, Tenor: kluge, starke Frau setzt sich gegen feindliche und dümmliche Kerle durch? Oder eine Anti-Kirchen-Anklage? Oder evtl. hat sie in letzter Zeit die Spiritualität der Klöster schätzen gelernt?

Welche Art von Verrissen schreiben denn kirchennahe Medien?



@Kantorin

Wenn du wirklich am Montag den Film sehen willst, könnte man dich kurzfristig zur Filmbeauftragten im Kreuzgang ausrufen. ;)

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HeGe
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von HeGe » Freitag 25. September 2009, 18:21

In irgendeinem Artikel hatte ich eine Kommentierung der Schwestern aus St. Hildegard gelesen, die den Film wohl auch schon gesehen haben.

Ihr Fazit war, wenn ich mich richtig erinnere, dass es zwar ein netter Film ist, dass aber die theologischen Aspekte und die Motivation der Heiligen nicht so richtig rüberkommen.
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

Petra
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von Petra » Freitag 25. September 2009, 18:34

Danke, HeGe

Gerade auf der Suche nach Kritiken (war mau) folgendes gefunden:

Ein Interview zum Film (Link)

Daraus
Frage:
Hatten Sie denn auch einen religiösen Grund für diesen Film?

Von Trotta:
Nein. Aber in meiner Generation sind fast alle christlich erzogen worden. Ich habe dann zumindest Kunstgeschichte studiert - ein Fach, das ja ebenfalls eng mit dem Christentum verknüpft ist.
Ähmm. Trotzdem weht der Geist bekanntlich, wo er will. Bzw. Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade.

Paul Heliosch
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Re: Kinofilm: Hildegard von Bingen

Beitrag von Paul Heliosch » Freitag 25. September 2009, 18:45

Petra hat geschrieben:Gott schreibt auf krummen Zeilen gerade.
Das wäre, finde ich, ein schöner Slogan für den Kreuzgang :ja:

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