Kurze Fragen - kurze Antworten IV

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taddeo
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von taddeo » Mittwoch 14. November 2012, 10:10

Pilgerer hat geschrieben:Ist die Tradition für Nichtchristen verstehbar?
Freilich, wenn man sich mit etwas gutem Willen damit befaßt, schon.
Das ist nicht anders als mit jeder anderen Sache. Man kann ja auch ein gewisses Verständnis für Mathematik erlernen, oder fürs Autoreparieren, oder für Musik, ohne selber Mathematiker/Automechaniker/Musiker zu sein.

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Raphael
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Raphael » Mittwoch 14. November 2012, 10:35

Pilgerer hat geschrieben:
Taddeo hat geschrieben:Es gibt in der Kirche heute (leider, möchte ich sagen) praktisch keine Geheimnisse mehr, die nicht binnen kürzester Zeit öffentlich rumposaunt werden. Selbst das päpstliche Geheimnis bei Bischofsernennungen etwa ist den Namen schon kaum mehr wert.
Besteht dann nicht die Gefahr, dass die "Perlen vor die Säue" geworfen werden?
Natürlich besteht diese Gefahr!

Auf dem Hintergrund dieser Gefahr wird jedoch manche Grenzziehung, die die Kirche in der Vergangenheit vorgenommen hat, verständlicher; gerade weil die Kirche hierfür von der Welt "Prügel bezogen hat".
Pilgerer hat geschrieben:
Taddeo hat geschrieben:Was "die Tradition" angeht: Wie stellst Du Dir die vor? Sie besteht in der Lehre und der Praxis der Kirche über die Jahrhunderte. Und sie ist in fast allen Details schriftlich festgehalten, einerseits in den amtlichen kirchlichen Dokumenten, die sie erst begründet haben (zB Konzilsdokumente etc.), andererseits in den wissenschaftlichen Werken, die die Äußerungen früherer Zeiten festhalten oder erst wieder zum Vorschein kommen lassen.
Können wir also sagen, dass sich das "mündliche Evangelium" der Apostel im Lauf der Zeit verschriftlicht hat?
In dem Maße, in dem die Kulturtechnik des Schreibens sich immer mehr verbreitet hat, kommt natürlich auch dem Schrifttum innerhalb der Kirche eine immer größere Bedeutung zu.
Nichtsdestoweniger läßt sich der christliche Glauben und die damit verbundene christliche Lebensweise nicht auf ein sola-scriptura-Prinzip reduzieren.
Pilgerer hat geschrieben:
Germanus hat geschrieben:Die Tradition manifestiert sich ja doch offenkundig bei der Feier des Gottesdienstes, im Glaubensleben der Gläubigen und im täglichen Leben. Geheim ist da nichts.
Gruß G.
Für Außenstehende kann es freilich noch sehr mysteriös wirken, wenn sie den Katholiken dabei zusehen. Ist die Tradition für Nichtchristen verstehbar?
Das Verständnis der kultischen Handlungen steigt parallel zum Hineinwachsen in den katholischen Glauben.
Die rechte Mystagogie ist da für Katechumenen und Neophyten schon unbedingt erforderlich.
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Linus
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Linus » Mittwoch 14. November 2012, 11:22

taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Ist die Tradition für Nichtchristen verstehbar?
Freilich, wenn man sich mit etwas gutem Willen damit befaßt, schon.
Das ist nicht anders als mit jeder anderen Sache. Man kann ja auch ein gewisses Verständnis für Mathematik erlernen, oder fürs Autoreparieren, oder für Musik, ohne selber Mathematiker/Automechaniker/Musiker zu sein.

Tradition - egal welche - versteht man nur, wenn man die mitmacht. Ein kognitives Herumreflektieren wird da nicht reichen.
"Katholizismus ist ein dickes Steak, ein kühles Dunkles und eine gute Zigarre." G. K. Chesterton
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Senensis
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Senensis » Mittwoch 14. November 2012, 18:07

Genau. Die Theater- und Filmwelt versteht man auch erst richtig, wenn man etwas "drin" war. Oder jede andere "Welt für sich".
et nos credidimus caritati

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Linus
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Linus » Mittwoch 14. November 2012, 20:10

Tradition passt ja auch wunderbar mit Luhmanns Autopoiesis zusammen... :blinker: :blinker: :blinker:
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obsculta
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von obsculta » Donnerstag 15. November 2012, 14:43

Der Kölner Dom hat bekannterweise eine Internetseite,
ich finde aber auf der ganzen Seite keinen Hinweis
auf einen Ansprechpartner, sei es via Mail oder Telefon.
Vermutlich bin ich einfach nur blind, aber könnte mir hier eventuell
jemand aus dem Forum weiterhelfen?

Danke

Obsculta

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Raphael » Donnerstag 15. November 2012, 14:53

Vielleicht hier (=> Impressum) unter "E-Mail an die Redaktion"?
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Niels
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Niels » Donnerstag 15. November 2012, 14:58

obsculta hat geschrieben:Der Kölner Dom hat bekannterweise eine Internetseite,
ich finde aber auf der ganzen Seite keinen Hinweis
auf einen Ansprechpartner, sei es via Mail oder Telefon.
Vermutlich bin ich einfach nur blind, aber könnte mir hier eventuell
jemand aus dem Forum weiterhelfen?

Danke

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von obsculta » Donnerstag 15. November 2012, 15:12

Ihr seid ja schneller als der Blitz!
Geht doch nix über den Kreuzgang, hier werden sie geholfen. :daumen-rauf:

Dankeschön Niels & Raphael, das hilft mir weiter! :huhu:

civilisation
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von civilisation » Montag 19. November 2012, 16:56

Und wieder mal ein (kurzes) Video. - Es handelt vom Churer Bischof Christianus Caminada und enthält zwei kurze Szenen.

http://gloria.tv/?media=36963

Dazu gleich eine kleine Frage: Was hat der Bischof da für einen seltsamen Bischofsstab?


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Gamaliel
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Gamaliel » Montag 19. November 2012, 17:41

civilisation hat geschrieben:Dazu gleich eine kleine Frage: Was hat der Bischof da für einen seltsamen Bischofsstab?
Den restaurierten, elfenbeinernen Bischofsstab von Chur.

Genaueres in der "Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte", Heft 3, S. 170ff im Artikel: "Pedum eburneum Curiense : der elfenbeinerne Bischofsstab von Chur".

Daraus (zur fehlenden Krümme):
Eine viel heiklere Angelegenheit war der Ersatz der verlorengegangenen Krümme. Wir dachten zuerst an eine solche aus Elfenbein, und ein Restaurator hatte in Anlehnung an die vorhandene hölzerne bereits einige Modelle gefertigt. Es zeigte sich aber, daß das Neue, trotz bester Arbeit Wertlosere, die alten, wertvolleren Teile übertönt und dem ehrwürdigen Bischofsstab eine unechte Note gegeben hätte. Wir sahen deshalb von einer Lösung auf diesem oder ähnlichem Wege ab und entschlossen uns, auf den Elfenbeinknauf ein schlichtes, silbervergoldetes Kreuz zu setzen, das nicht flächig, sondern nach allen Seiten als Volumen wirkt. Wir waren uns dabei bewußt, daß wir dadurch dem Pedum, dem Krummstab, etwas vorenthielten, was für gewöhnlich dazu gehört, nämlich die Krümme. Aber abgesehen davon, daß es in früheren und frühesten Zeiten Bischofsstäbe ohne Krümmen gegeben hat, war für uns entscheidend, den altehrwürdigen, feinen Elfenbeinstab nicht durch etwas Neues, Wuchtiges zu beeinträchtigen. Sicher ist die getroffene Lösung nicht die einzig mögliche, aber sie dürfte der Absicht, das Pedum in seiner Eleganz und Feinheit ungestört wirken zu lassen, einigermaßen nahegekommen sein.

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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von civilisation » Montag 19. November 2012, 19:02

Vielen Dank, Gamaliel! :huhu:

Pilgerer
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 21. November 2012, 15:05

Wie geht die Kirche mit jenen um, die von der Gesellschaft "zur Ehe unfähig" gemacht wurden? Wie sollen jene, die unfreiwillig ehelos sind, leben?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Juergen
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Juergen » Mittwoch 21. November 2012, 15:07

Pilgerer hat geschrieben:Wie geht die Kirche mit jenen um, die von der Gesellschaft "zur Ehe unfähig" gemacht wurden? Wie sollen jene, die unfreiwillig ehelos sind, leben?
Verstehe ich nicht.
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.

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Protasius
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Protasius » Mittwoch 21. November 2012, 20:03

Juergen hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Wie geht die Kirche mit jenen um, die von der Gesellschaft "zur Ehe unfähig" gemacht wurden? Wie sollen jene, die unfreiwillig ehelos sind, leben?
Verstehe ich nicht.
Das bezieht sich wohl auf Mt 19, 12:
Allioli-Arndt hat geschrieben:Denn es gibt Verschnittene, welche von Mutterleibe so geboren sind;
Die zur Ehelosigkeit gezwungen oder geneigt sind.
und es gibt Verschnittene, die von Menschen dazu gemacht wurden;
Auch die durch menschliches Gebot zur Ehelosigkeit Verpflichteten.
und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben
Diese Worte sind so wenig von Selbstverstümmelung zu verstehen, wie 5, 29. 30. und 18, 9. Eine physische Unmöglichkeit bringt weder an sich selbst dem Himmel näher, noch unterstützt sie das Apostelamt. Der Heiland spricht also von denen, welche deswegen von aller Sorge für die Familie frei bleiben wollen, um Gott ungehinderter dienen zu können. (Vergl. 1. Kor. 7, 32-36.)
um des Himmelreiches willen.
Diese Worte erklärt der heil. Paulus a. a. O. Die Jünger hatten V. 10 nur auf die irdische Schwierigkeit geschaut, welche die Ehe auferlegt, Christus richtet ihren Blick auf höhere Dinge. Daß der Heiland hier von einem unabänderlichen Stande redet, geht aus dem Worte: sich verschnitten haben - hervor. Aus den Worten: Es gibt Verschnittene, die sich selbst ..., folgt, daß es in der Kirche Gottes stets solche geben wird und daß Christus dies will. Diesen Stand zu erwählen, ruft der Heiland auf, aber nicht jeder ist zu demselben berufen. Wer indeß in sich die nöthige Kraft fühlt, wird Gottes Gnade erlangen, die ihm, wenn er mit derselben mitwirkt, auch in dem Stande erhält. Vergl. auch Isai. 56, 3-5.
Wer es fassen kann, fasse es!
Ich habe die Anmerkungen gleich mit eingefügt, damit die Frage beantwortet wird.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Pilgerer
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten IV

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 22. November 2012, 09:35

Es ging mir vor allem um die langjährigen Jungfrauen/Junggesellen, die keinen Ehepartner bekommen haben, weil sie im Umgang mit dem anderen Geschlecht ungeschickt sind o.ä. Diese sind physisch nicht "verschnitten", aber haben teilweise ähnliche Verhaltensweisen - oft weil sie nicht zu einer klaren geschlechtlichen Identität hin erzogen worden sind.
daß es in der Kirche Gottes stets solche geben wird und daß Christus dies will. Diesen Stand zu erwählen, ruft der Heiland auf, aber nicht jeder ist zu demselben berufen. Wer indeß in sich die nöthige Kraft fühlt, wird Gottes Gnade erlangen, die ihm, wenn er mit derselben mitwirkt, auch in dem Stande erhält
Gilt das auch für diese?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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