Situation in China

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Moderator: Protasius

Stefan
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Protest gegen die Unterdrückung der Kirche in China

Beitrag von Stefan » Sonnabend 2. April 2005, 20:33

zenit.org hat geschrieben: Publikationsdatum: 2005-04-02

Der Heilige Stuhl verurteilt die Festnahme von zwei Bischöfen, einem Priester und einem Laien in China

Erklärung von Pressesprecher Joaquín Navarro-Valls

ROM, 2. April 2005 (ZENIT.org).- Während Papst Johannes Paul II. nach wie vor seine schwerste Prüfung, den Todeskampf, auszufechten hat, verurteilte der Heilige Stuhl am heutigen Samstag die Festnahme von zwei Bischöfen, einem Priester und einem Laien in China.

Der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Joaquín Navarro-Valls, teilte in einer Presseerklärung mit, Rom sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass "am Mittwoch, dem 30. März, der Priester Tommaso Zhao Kexiun aus der Diözese Xuanhua in der Provinz Hebei von der Polizei festgenommen wurde, während er von einem Begräbnis heimkehrte. Man weiß weder, wo er sich befindet, noch kennt man den Grund für seine Verhaftung". Bereits am 3. Januar 2005 sei "der 85-jährige Bischof dieser Diözese, Msgr. Filippo Pietro Zhao Zhendon, verhaftet" worden, so Navarro-Valls. "Er wird in der Stadt Yingkou festgehalten. Am Palmsonntag, dem 20. März, führten die nationalen Sicherheitskräfte den 86-jährigen Bischof von Wenzhou in der Provinz Zhejiang, Msgr. Giacomo Lin Xili, ab. Die Gründe für seine Verhaftung sind nicht bekannt", erklärte er.

Am Dienstag in der Karwoche sei außerdem Gao Xinyou, Mitarbeiter für die Laienpastoral im Bezirk Longgang, ebenfalls in der Diözese Wenzhou auf ähnliche Weise festgenommen worden, endet die Erklärung.

Bischof Lin Xili gehört zu jenen in China inhaftierten oder an der Ausübung ihres Amtes behinderten 19 Bischöfen und 18 Priestern, für die die Nachrichtenagentur des Päpstlichen Instituts für die auswärtigen Missionen, "AsiaNews", im März 2005 eine Befreiungskampagne gestartet hat (vgl. ZENIT am 8. März).

"Es handelt sich um einen jener Bischöfe der Untergrundkirche, die immer wieder gekidnappt und einer Kopfwäsche unterzogen werden, damit sie sich der patriotischen Vereinigung anschließen. Dieses Kontrollorgan der kommunistischen Partei Chinas verfolgt das Ziel, eine vom Papst unabhängige Kirche zu errichten", erklärt Pater Bernardo Cervellera, Leiter von "AsiaNews".

Der chinesische Außenminister Liu Jianchao wünschte auf einer Presskonferenz am Freitag Papst Johannes Paul II. eine "rasche Genesung". Nach "AsiaNews" seien aber alle Berichte über den Gesundheitszustand des Heiligen Vaters am heutigen Samstag von allen Internetseiten, Fernsehstationen und Tageszeitungen in China verschwunden.

Mit der Ausweisung von Erzbischof Antonio Riberi, Apostolischer Nuntius in China, brach Peking 1951 die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl ab. Die Wiederaufnahme macht China von zwei Bedingungen abhängig: Zum einen dürfe sich der Papst nicht in die religiösen Angelegenheiten des Landes einmischen (und somit auch keine Bischöfe ernennen), zum anderen müsse der Heiligen Stuhls die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abbrechen.

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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht » Freitag 15. April 2005, 18:24

Komisch, die Süddeutsche Zeitung wird zum Sprachrohr einer deutschen antikirchlichen Menschengruppe und diese sieht ihn ihrer Ideologie weniger die Unterdrückung der Katholiken in China als viel mehr das katholische Frauen. und Sexbild als dringlichstes Problem
http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/ausla ... 369/51318/

Stefan
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Beitrag von Stefan » Donnerstag 9. Juni 2005, 22:06

radiovatikan hat geschrieben:Ein katholischer Bischof, der über zwanzig Jahre in Gefängnissen und Arbeitslagern verbracht hat, ist Ende Mai mit 79 Jahren gestorben. Das schreibt die Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Der Geistliche aus Hohhot in der Inneren Mongolei sei 1997, nach seiner Freilassung, zum Bischof geweiht worden, so das Vatikanblatt. Das Päpstliche Jahrbuch hat ihn aber nie in seiner Liste von Ortsbischöfen aufgeführt.

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Beitrag von Knecht Ruprecht » Montag 1. Mai 2006, 07:36

Gegen den erklärten Widerstand des Vatikans hat die staatliche chinesische Kirche am Sonntag in Kunming in Südchina demonstrativ einen neuen Bischof geweiht. Vergeblich hatte der neue Hongkonger Kardinal Joseph Zen am Vortag noch in einem Schreiben die „Patriotische Vereinigung“ in Peking aufgefordert, von der Ernennung Ma Yinglins zum Bischof abzusehen, „weil er nicht die Zustimmung des Heiligen Stuhls hat“, wie der katholische Nachrichtendienst AsiaNews zitierte.
http://www.dolomiten.it/nachrichten/art ... rtID=76260

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Beitrag von Knecht Ruprecht » Donnerstag 4. Mai 2006, 06:53

Zum zweiten Mal in nur vier Tagen hat Chinas regimehörige "patriotische" katholische Kirche am Mittwoch einen Bischof geweiht, nachdem sich der Hongkonger Kardinal Joseph Zen Ze-kiun am Vortag für den Abbruch der Gespräche zwischen dem Vatikan und Peking ausgesprochen hat.
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefa ... rentpage=0
Der chinesische Staat zeigt dem Vatikan ja mal richtig wo der Hammer hängt.
Ich hoffe nur, der Vatikan ist in der Lage sich zu währen. Oder doch eher nach alter Tradition ans Kreuz nageln lassen?
Der "patriotische" Klerus war von Papst Pius XII. exkommuniziert worden. Die papsttreue Untergrundkirche gilt als "subversive Organisation" und wird verfolgt; mehrere Bischöfe und zahlreiche Priester befinden sich in Arbeitslagern. Sie werden von den Behörden als "vom Ausland gesteuerte feindliche Elemente" eingestuft.
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefa ... rentpage=0

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Beitrag von Knecht Ruprecht » Freitag 12. Mai 2006, 09:10

"Es gibt nur eine einzige katholische Kirche": Klarstellung von Kardinal Zen zur Lage der Kirche in China

Diese schöne Klarstellung gilt auch für den deutschsprachigen Raum, da sie hier besondern gern verleugnet wird.

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Beitrag von Knecht Ruprecht » Sonntag 15. Oktober 2006, 10:34


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Cosimo
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Beitrag von Cosimo » Sonntag 15. Oktober 2006, 12:22

naja, man kann auch die Sorgen und Ängste der dortigen Offiziellen zu verstehen versuchen. Daß man sich etwa jegliche Intervention von auswärtigen Mächten verbittet ist angesichts Chinas Historie durchaus nachvollziehbar. Und solange ja in der patriotischen Kirche die Gläubigen die Sakramente empfangen können bestünde im Prinzip kein Anlass zu übertriebenen Reaktionen. Die Kurie müsste viel kompromissbereiter auftreten, nicht so sehr auf die eigenen reinen Machtansprüche beharren sondern vielmehr als Erster und ohne Hintergedanken die Hand zum Frieden reichen. Doch stellt sich die Frage inwieweit die römische Zentrale mit ihrer heute gängigen Diplomatie überhaupt noch fähig ist mit China einen modus vivendi zu finden, der Peking nicht kompromittiert. Auch der neuliche Empfang des Tibeters in Rom macht die Sache nicht unbedingt weniger difficil.

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Marion
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Situation in China

Beitrag von Marion » Mittwoch 8. Dezember 2010, 12:08

Betreff: Nachrichten aus der Weltkirche II
Berolinensis hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:China: Neue Verhaftungen von Bischöfen - so fordert Peking den Vatikan heraus (ital.)

Vielleicht ist es ja an der Zeit einzusehen, daß die Ostpolitik von Card. Bertone völlig fruchtlos geblieben und gescheitert ist, und hier wieder auf Klarheit zu setzen.
Hier auch noch ein Artikel auf deutsch: http://www.katholisches.info/?p=1348

http://www.piusbruderschaft.de/componen ... g-in-china
daraus:
[...]
Auf der Vollversammlung der Schismatiker soll der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz gewählt werden, der dem kommunistischen Regime treu ergeben sein muss. Der Papst erkennt weder diese Bischofskonferenz noch die „Patriotische Vereinigung“ an.

Der Vatikan hatte die chinesischen Bischöfe bereits im Vorfeld dieser Veranstaltung aufgefordert, nicht daran teilzunehmen.
[...]
Die Katholiken in China kämpfen mit ihrem Leben für die Rechte Gottes und der Kirche in Staat und Gesellschaft. Viele haben in der Untergrundkirche schwer zu leiden und wurden zu Märtyrern des Glaubens. An ihnen können sich die deutschen und europäischen Katholiken ein Vorbild nehmen.
[...]

Wie soll das denn gehen, wenn der Papst in Europa alles anerkennt und niemand verbietet irgendwo teilzunehmen?
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Robert Ketelhohn
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Re: Situation in China

Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 8. Dezember 2010, 14:24

Die Situatiuon in China ist sehr komplex und von hieraus kaum zu durchschauen.
Die aktuelle Verfolgung beschränkt sich offenbar – wie seit langem – auf die Pro-
vinz Hebei (Ho-pei, Hopeh), die Peking im Norden, Westen und Süden umschließt.
Im restlichen China, einschließlich Pekings selbst, ist die Lage ungleich entspannter.

In Hebei leben allerdings die größten Konzentrationen katholischer Gläubiger, vor
allem auch der Untergrundkirche. Es scheint so, als ob es in den vergangenen zwei
Jahren durch eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik der Provinzregierung zu einer
faktischen Spaltung der Untergrundkirche in Hebei gekommen sei. Die jetzigen Re-
pressalien richten sich offenbar gegen den kooperationsverweigernden Teil.

Die aktuellen römischen Reaktionen zeigen, daß man das Problem erkennt, aber
wohl auch eingestehen muß, daß die an sich begrüßenswerte und teils durchaus er-
folgreiche Versöhnungspolitik der letzten Jahre zumindest für Hebei und für jetzt
gescheitert ist.

Aktuell besteht nun die Gefahr, daß die in Hebei aufgebrochene Spaltung sich auf
andere Provinzen ausweitet. Rom steht vor einem Dilemma. Eine harte Reaktion
könnte schlimme Folgen für die bislang in Frieden lebenden Gläubigen anderer Pro-
vinzen haben und ebenso die dort bestehende oder wiedergewonnene Einheit der
Kirche aufs Spiel setzen. Andererseits darf man nicht den Eindruck erwecken, ge-
genüber der Unterdrückung und Verfolgung in Hebei zu schweigen. Schon gar nicht
darf man in die Falle tappen, westliche Mächte in Sachen der Gläubigen vorzuschik-
ken. Das hat sich schon einmal als tödlich für unzählige Christen in China erwiesen.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Situation in China

Beitrag von ar26 » Mittwoch 8. Dezember 2010, 15:03

@ Marion
Dein Einwand geht hier schlicht fehl. Die Situation unserer Glaubensbrüder in China sollte zum Gebet aufraffen, nicht zur Polemik gegen die kirchlichen Autoritäten.

@ Robert
Vielen Dank für Deine Einschätzung. Daß es eine Spaltung der Untergrundkirche gibt ist mir neu. Eher dachte ich, daß ein Teil der Patrioten mittlerweile rekonziliert hat. Weiß vielleicht jemand noch mehr über Situation der Kirche in China? Soweit ich gelesen habe, hat der Vatikan einen Teil der Bischöfe der Staatskirche legitimiert. Sind diese Teilkirchen nicht mehr im Schisma? Existiert dort parallel keine Untergrundkirche?
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Benedikt
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Re: Situation in China

Beitrag von Benedikt » Mittwoch 8. Dezember 2010, 23:19

@Robert
Danke für diese Einschätzung. Ich hatte bisher die neue vatikanische Chinapolitik auch als positiv angesehen. Dass von Seiten Chinas nun die neu gewonnene Grundlage mutwillig zerstört ist, zeigt aber das grundsätzliche Dilemma der Kirche, die mit totalitären Regimes verhandelt.

Es ist letzten Endes dasselbe wie 1789ff oder 1933ff (und mit Abstrichen wird die Problematik ja auch bei uns deutlich).
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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Berolinensis
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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Mittwoch 8. Dezember 2010, 23:52

@Robert:

Deine Einschätzung der Ostpolitik Bertones überrascht mich. Wie schätzt du die harsche Kritik von Card. Zen daran ein?

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Gamaliel
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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 9. Dezember 2010, 15:05

Chinas staatsnahe katholische Vereinigung mit neuer Spitze

Daraus:
Den Angaben zufolge wurde Bischof Fang Xingyao zum Vorsitzenden der "Patriotischen Vereinigung" gewählt. Neuer Vorsitzender des Bischofsrates sei der vom Vatikan nicht anerkannte Bischof Ma Yinglin von Kunming.

Beide Einrichtungen werden vom Vatikan nicht anerkannt.
Seit der kommunistischen Machtübernahme in Peking bestehen keine offiziellen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl. Eine Kernfrage ist die chinesische Forderung, Rom müsse zuerst seine Kontakte zu Taiwan abbrechen. Der Vatikan hat verschiedentlich Angebote formuliert, um die Beziehungen zu verbessern. Papst Benedikt XVI. wandte sich 2007 mit einem Brief an die chinesischen Katholiken, in dem er aber auch auf die Regierung zuging.

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Gamaliel
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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Sonnabend 11. Dezember 2010, 10:37

Regimetreue Katholiken Chinas haben neue Führung – „Ein großer Schaden für die Kirche“

Daraus:
Sowohl den Rat der Bischöfe als auch die Patriotische Vereinigung bezeichnete Papst Benedikt XVI. als mit der katholischen Kirche „unvereinbar“.
[...]
Zwei Köpfe der neuen Führungsebene der regimetreuen Organisationen sind Bischöfe, die 2010 mit päpstlicher Anerkennung die Bischofsweihe empfingen.
:hmm:

Ein anderer romtreuer, chinesischer Priester meinte gegenüber Asianews, er fühle sich in die Vergangenheit zurückgestoßen, als die Kommunistische Partei „mit eiserner Hand die Kirche kontrollierte“. Es stelle sich die Frage, warum die Pekinger Regierung „es nicht wagt, die Kirche in China durch rechtmäßige, mit dem Papst verbundene Bischöfe leiten zu lassen, wie es die Religionsfreiheit verlangt“.
:roll:

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ar26
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Re: Situation in China

Beitrag von ar26 » Sonnabend 11. Dezember 2010, 16:37

"Die Kirche hat keine Angst vor Unterdrückung"
Frankfurter Allgemeine Zeitung hat geschrieben:Die Situation seit der umstrittenen Bischofsweihe bezeichnet der Dekan aber als „sensibel“. In der derzeitigen Lage müssten beide Seiten zum Dialog bereit sein. Er meint damit wohl den Vatikan und die Regierung Chinas. Die „Patriotische Vereinigung“ sieht er dabei nur als Brückenbauer zwischen der Kirche und der Regierung an. „Im Glauben sind wir mit dem Vatikan vereint. In den Bereichen der Wirtschaft, der Politik sind wir auf der Seite der chinesischen Regierung“, sagt er.
Das Motto der Patrioten hab ich mal hervorgehoben. Wie erklärt er die nun die Ein-Kind-Politik oder die Abtreibung?
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Gamaliel
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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Sonnabend 11. Dezember 2010, 16:57

Aus dem von "ar26" verlinkten Artikel:
Als Hochburg der [Patriotischen] Vereinigung gilt das nationale Priesterseminar im Bezirk Daxing am Rande Pekings.
[...]
Derzeit studieren 150 angehende Priester und Schwestern an dem Seminar, sagt der Studiendekan und Priester Johannes Chen Binshan, der lange in München gelebt hat.
[...]
Wir können auch viele Gastprofessoren einladen“, sagt der Studiendekan.
Und jetzt schauen wir mal schnell auf die Homepage des umtriebigen Prof. Paul Zulehner:
Für die Zeit vom 14.4. bis 23.4.2010 werde ich in China sein. Ich bin eingeladen, für Priester, die ein Sabbatjahr haben, Pastoraltheologie zu unterrichten.

Eingeladen hat der Studienleiter (Dekan) des Priesterseminars Bruder Johannes Chen Binshan.

Nach acht Stunden Flug erreiche ich die 15-Millionenmetropole Beijing. Ich treffe mit Peter Neuner zusammen, emeritierter Dogmatiker der Uni München. [...] Peter Neuner hat letzte Woche im gleichen Kurs Ekklesiologie unterrichtet.
Erstaunlich wer da aller bei den Kommunisten unterrichtet...

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Gamaliel
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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Mittwoch 15. Dezember 2010, 10:18

Klar und deutlich:

China, the Nobel, the bishops and the Vatican: Who won, who lost

Daraus:
Kard. Joseph Zen Zekiun hat geschrieben:Was there also a defeat for the Church since so many bishops, priests, nuns and faithful took part in the Assembly? We cannot say no. We are not like that clerk of the Congregation for the Evangelization of Peoples or like Fr. Jeroom Heyndrickx who, even after the Chende episode, still says that those bishops who attended the illegitimate ordination of a bishop are heroes, are winners.

Of course, we all know that there has been enormous pressure. But the fact is that the Letter of the Pope was not respected and that the Press Release of the Commission for the Church in China has not been taken into account. Where did the strength of faith go? The Holy Father has repeatedly said that we must be ready to accept the provisional defeat, to maintain the faith without compromises, and that the suffering accepted for faith will lead to real victory. These words of Holy Father have been forgotten?
Kard. Joseph Zen Zekiun hat geschrieben:At this point that clerk of the Congregation for the Evangelisation of peoples and Fr. Heyndrickx will say to me: "You, sitting comfortably on your sofa, you allow yourself to solemnly pronounce judgment on these your brethren." No, it is not true. I know I represent countless priests and faithful in China, of both the official and the underground communities. They are shocked, saddened, and bewildered. The wonder: "What has become our Church?"

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Benedikt
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Re: Situation in China

Beitrag von Benedikt » Donnerstag 16. Dezember 2010, 23:12

Mehrere Filme und weitere Informationen über die Situation in China gibt es auf Englisch bei Kirche in Not: http://www.wheregodweeps.org/countries/china/
"Kommt ihm der Staatsumwälzer nicht wie Sisyphus vor? Die Last wird nie oben bleiben, wenn nicht eine Anziehung gegen den Himmel sie auf der Höhe schwebend erhält." - Novalis: Europa

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Re: Situation in China

Beitrag von overkott » Freitag 17. Dezember 2010, 09:49

Man sollte sich über China keine Illusionen machen. Einer befreienden Theologie und entsprechenden demokratischen Ideen sind dort enge Grenzen gesetzt.

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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Freitag 17. Dezember 2010, 14:29

Kommuniqué des Hl. Stuhls zur 8. Versammlung der Régimekirche: http://press.catholica.va/news_services ... 1&lang=ge

Bemerkenswert ist übrigens folgender Satz, auf den ich mich auch in Deutschland gerne berufen möchte:
[Sc. Die Gläubigen] look to their own Pastor and have a right to receive from him sure guidance in the faith and in the moral life.

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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Freitag 17. Dezember 2010, 15:07

Berolinensis hat geschrieben:Kommuniqué des Hl. Stuhls zur 8. Versammlung der Régimekirche: http://press.catholica.va/news_services ... 1&lang=ge
Rein auf diplomatischer Ebene gesehen, sind das sicher starke Worte, auf kirchenrechtlicher Ebene aber halte ich den Text für völlig unzureichend.


Wann erfolgt die formale Deklaration der Exkommunikation für den unlängst illegitim konsekrierten Bischof? (Eine verklausulierte Note des Presseamtes, wie sie unlängst dazu erschien, ist hierzu nicht in der Lage.)

Welche Konsequenzen hat die Teilnahme der Priester und Bischöfe an der illegalen Versammlung? Nur darüber traurig zu sein und alles dem lieben Gott zu überlassen, ist unzureichend.

Welche Schritte werden in welchem Zeitrahmen von jenen römischerseits anerkannten Bischöfen erwartet, die in irgendein Amt seitens der illegalen Versammlung gewählt wurden?

Welche Direktiven gibt es für die verunsicherten Gläubigen, die nun von Rom anerkannten Bischöfen, die allerdings gleichzeitig regimetreu sind, gehorchen sollen?

usw.



Auf all diese wichtigen Fragen gibt es keine Antwort.

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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 17. Februar 2011, 22:27

Untergrundbischof Hu Daguo ist tot – 33 Jahre Lager und Gefängnis

Daraus:
Heute morgen verstarb der Untergrundbischof der katholischen Diözese Shiqian (Provinz Guizhou), Msgr. Augustine Hu Daguo im Alter von 89 Jahren. 33 Jahre seines Lebens verbrachte er aus Glaubensgründen in kommunistischen Lagern.
Die Totenmesse und seine Beerdigung finden am 20. Februar in Guiyang, der Hauptstadt von Guizhou statt.
Bild

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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Montag 14. März 2011, 20:54

Untergrundbischof Hao Jinli tot – 23 Jahre im Gefängnis und Lager

Daraus:
Msgr. Andrew Hao Jinli, romtreuer Untergrundbischof der Diözese Xiwanzi starb am vergangenen 9. März im Alter von 95 Jahren.
[...]
Bereits am Tag, an dem nun Msgr. Hao starb, wurden alle Straßen, die in den Ort führen, abgesperrt. Das Datum der Beerdigung ist noch nicht bekannt. Bischof Hao Jnli bildete zahlreiche Priester für die Untergrundkirche aus und weihte sie. Mehr als 20 Jahre seines Lebens war er wegen seines Glaubens im Gefängnis oder in kommunistischen Konzentrationslagern interniert.
Bild

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Re: Situation in China

Beitrag von Niels » Montag 14. März 2011, 20:58

R.I.P.
Resurrexit, sicut dixit, alleluia

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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 31. März 2011, 10:18

Trotz der Vorkommnisse in den letzten Monaten, gibt es im Vatikan offenbar keine (großen) Berührungsängste mit den chinesischen Kommunisten:

First Episcopal ordination in 2011

Daraus:
Mgr Paul Liang Jiansen was ordained today as the new bishop of the Diocese of Jiangmen (Guangdong), which has been without a pastor since 2007.
[...]
Bishop Liang, 46, is approved by the pope and recognized by Beijing. He told AsiaNews that he feels "relieved" and "sustained" by the fact that the liturgy was held in a smooth way. The ordination was attended by at least 1300 the faithful of his diocese and other parts: from the province of Shanxi and Guangdong, from Hong Kong and Macao.

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Re: Situation in China

Beitrag von holzi » Donnerstag 31. März 2011, 10:24

Gamaliel hat geschrieben:Trotz der Vorkommnisse in den letzten Monaten, gibt es im Vatikan offenbar keine (großen) Berührungsängste mit den chinesischen Kommunisten:

First Episcopal ordination in 2011

Daraus:
Mgr Paul Liang Jiansen was ordained today as the new bishop of the Diocese of Jiangmen (Guangdong), which has been without a pastor since 2007.
[...]
Bishop Liang, 46, is approved by the pope and recognized by Beijing. He told AsiaNews that he feels "relieved" and "sustained" by the fact that the liturgy was held in a smooth way. The ordination was attended by at least 1300 the faithful of his diocese and other parts: from the province of Shanxi and Guangdong, from Hong Kong and Macao.
Je nach Region gibt es nämlich mal mehr, mal weniger Scherereien, die die "Patriotische Vereinigung" und die Partei machen.
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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Re: Situation in China

Beitrag von Gamaliel » Sonnabend 2. April 2011, 09:46

Wieder klare Worte von Kardinal Zen:

(Artikel läßt sich nicht direkt verlinken:
http://www.asianews.it/news-en/Card.-Zen’s-anger-over-Fr.-Heyndrickx-and-Propaganda-Fide’s-dialogue-at-all-costs-21191.html)




Card. Zen’s anger over Propaganda Fide’s dialogue at all costs

Daraus:
Our Church in China is now in a disastrous situation, because during the last years some have blindly and stubbornly persued that same policy of Ostpolitik, ignoring the clear direction given by Pope Benedict in his Letter to the Church in China of 27, and against the majority opinion of the Commission which the Pope set up to advise the Holy See in affairs of the Church in China.

Dialogue and compromise are necessary, but there must be a bottom line. We cannot renounce the principles of our faith and our basic ecclesiastical discipline, just to please the Beijing Government.
After the ordination of Chengde and after the Eighth Assembly, some of the bishops involved apologized to their priests. Some other broke in tears. But there are others who, as Fr. Heyndrickx confirms, were enthusiastic of the present situation. I am afraid these people do not belong to our Church any more.
The faithful in China are waiting in vain for some clarification on how the Church should be. Each day is like an eternity for those our brothers in pain.


Nachtrag:

Hier gibt es eine deutschsprachige Fassung des Kommentars von Kardinal Zen.
Zuletzt geändert von Gamaliel am Sonnabend 2. April 2011, 16:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Sonnabend 2. April 2011, 10:46

Berolinensis hat geschrieben:@Robert:

Deine Einschätzung der Ostpolitik Bertones überrascht mich. Wie schätzt du die harsche Kritik von Card. Zen daran ein?

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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Montag 4. April 2011, 10:07

Sandro Magister: For China, the Vatican Has a New Strategist, Archbishop Hon
The new Chinese secretary of "Propaganda Fide" exposes his views and plans for the first time. More moderate than those of the "hawk" Zen, yet not compliant to a "dialogue at all costs" with the authorities of Beijing

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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Montag 4. April 2011, 10:17

Aus dem in dem verlinkten Beitrag übersetzten Interview mit Erzbischof Hon, zur Frage der Teilnahme von Rom anerkannter Bischöfe an der Régimekirchenversammlung:
Q: On that occasion, the Holy See issued a very tough statement . . .

A: Yes. But I must say that not all of the participants had been forced to go. Some went spontaneously, just as they spontaneously adhere to the policy of the "autonomy" of the Chinese Church from the pope and from the Holy See.

Q: Even among the bishops?

A: Unfortunately even among the bishops, including those recognized by Rome. In Beijing not a few of them threw themselves at the new bishop of Chengde, consecrated illicitly a few weeks earlier, to congratulate him, to have photos taken with him, and this they were not obligated to do. In short: 45 bishops participated in this assembly, of an average age below 50. Some of them were taken there by force, others were not.

Q: And what conclusions do you draw from this observation?

A: That, unfortunately, the number of opportunists has grown.

Q: And what is the cause??
A: A lack of adequate formation in the clergy. But also some shortcomings in the selection of candidates for the episcopate. Sometimes the best have not been promoted, but compromise appointments have been preferred. For a few years now, in fact, Chinese officials have understood that the illegitimate bishops will never be truly accepted by the faithful, and so they prefer to work so that priests obedient to their guidelines may be consecrated bishops with the "placet" of the Holy See.

Q: So you maintain that a better formation of candidates to the priesthood is needed, and a more attentive discernment on the part of the Holy See in the selection of candidates to the episcopate. Does this mean that in recent years this has not always been the case?

A: This is not only an opinion of mine. Often in mainland China I have heard complaints from faithful and priests over compromise episcopal choices. But I must add that the Holy See has always, rightly, been concerned about avoiding illegitimate ordinations.

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Berolinensis
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Re: Situation in China

Beitrag von Berolinensis » Montag 4. April 2011, 10:23

Das ganze Interview ist sehr lesenswert. Zur Frage der konträren Ansätze von Card. Zen und P. Heyndrickx, C.I.C.M., der offenbar hinter Bertones Ostpolitik steht:
Fr. Heyndrickx makes two premises. The first is that the Chinese government has good intentions, including that of signing an accord with the Holy See. The second is that after the pope's 2007 letter to Chinese Catholics, the so-called clandestine communities no longer have any reason to exist. On the other side, Cardinal Zen, who understands very well the Chinese reality and mentality, does not trust the communist authorities very much. He maintains, rightly, that if the government wants to secure this trust, it must carry out concrete actions that have not been seen so far. For example, giving the Church the freedom to choose its own bishops. Moreover, Cardinal Zen, and I with him, maintains that the clandestine communities still have reason to exist.
Zur Frage der rechtlichen Konsequenzen für die Teilnehmer an der unerlaubten Bischofsweihe, über die wir oben gesprochen hatten:
In reality, immediate excommunication is stipulated for those who receive and for those who carry out an illegitimate ordination. But there can be attenuating elements, for example for those who are forced to play a role in these actions. I believe that the Holy See, before declaring excommunication publicly, is investigating the individual cases to identify these attenuating circumstances. But this is understandably a delicate and long process.
Und ebenfalls sehr interessant (und erfrischend undiplomatisch) zur Frage der Bischöfe, die sich unerlaubt weihen lassen:
There are cases of candidates who have themselves consecrated bishops illicitly with the idea that in a short span of time, at their pleading, the Holy See will grand pardon and full legitimacy. Care must be taken to oppose this kind of contriving. Having said this, however, it must always be kept in mind that the Church is the Body of Christ and that if there is a little piece of this Body that is breaking off, it must not be let go, but efforts must be made to recover it with justice but also with mercy.

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