Tradition oder wirklicher Glaube?

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overkott
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von overkott »

Bernado hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
lifestylekatholik hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:zum Heiligen Sankt Nikolaus.
Du hast es jetzt bereits zweimal geschrieben, deshalb frage ich nach: Ist es beabsichtigt, dass du Nikolaus »heilig« und »sankt« voranstellst?
Ist "Sankt" nicht der Vorname vom Nikolaus? :auweia:
Der ungewaschene Volksmund tendiert tatsächlich in diese Richtung:
Heiliger Sankt Florian - schütz unser Haus, zünd andre an.
Das ist der Beweis.

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pierre10
cum angelis psallat Domino
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von pierre10 »

Gerade im Internet gefunden, Autor unbekannt, aber passend zum Thema:

Wer gammelt so spät noch durch Sträucher und Tann?
Ich mag es nicht glauben, der Weihnachtsmann.

Sein Mantel ist rot und sein Bart nicht verschneit,
und für einen Schwatz hat er wohl eh keine Zeit.
Die Hände voll mit Tüten von Aldi und Netto,
und bestimmt hat der Alte auch noch andere Marken in petto.

Jetzt wird mir's auch klar und ich wundre mich nich,
das ich jedes Jahr von Aldi nen Schlafanzug krich.
Er schleppt sich kraftlos dahin durch Fichten und Tann
und es ist nicht mehr aus der Kindheit der Weihnachtsmann.

Denn der kam mit einen Schlitten und Rentier davor,
darauf einem Sack voll Spielzeug und Süßen und dazu sang ein Engelchor.
Der Weihnachtsmann aus der Kindheit war ein lustiger Mann,
doch der hier ist traurig man sieht es ihm an.

Er schleppt keinen Sack mehr mit kleinen Geschenken.
Nein, er hält duzende Plastetüten in seinen knorrigen Händen.
"He Alter", so sag ich ganz still vor mich hin,
"was ist nur aus Dir geworden, was ist des Weihnachtsfest Sinn?"

Da plötzlich dreht er sich zu mir um,
er macht einen Schritt auf mich zu und ich werde stumm.
Dann spricht er zu mir der alte Weihnachtsmann,
und es fällt ihm wohl schwer, man sieht es ihm an.

"Das Fest der Liebe ist es lange nicht mehr,
alle wollen viel Fressen und der Geschenke noch mehr.
Nur die teuersten Geschenke müssen es sein,
aber es gibt auch welche, für die kauf bei Aldi ich ein.

Die Menschen wurden undankbar, geldgeil und gierig
und sagt überhaupt einer Danke, dann klingt das schon schmierig.
Dabei gibt es anderswo viel Kummer und Leid.
Doch daran zu denken hat wohl keiner mehr Zeit.

Auch der Sinn des Christfest von einst ging verloren
wurde einst doch laut Bibel der Heiland geboren.
Doch besinnliche Weihnacht, das kannst Du heute vergessen,
erst Geschenke aufreissen dann kräftig fressen,
welch Kind singt heut noch ein Lied, wer kennt noch ein Gedicht
und nach dem Ursprung der Weihnacht frag ich lieber nicht.

Das heilige Fest wie wir einst es gedacht,
wurde lange schon durch Euch zum Konsumrauschfest gemacht.
Ich schleppe mich ab jedes Jahr mit den teuersten Geschenken
aber an den Ursprung der Weihnacht tut heut keiner mehr denken."

Und als seine Worte zu Ende er bringt,
eine Träne mehr über seine Wangen rinnt.
"Mach's besser, mein Freund" so ruft er mir noch zu,
dann verschwindet er zwischen den Bäumen im Nu.

Noch lange steh ich zwischen Fichten und Tann,
dann mehme ich meine Gedanken zusamm,
ich gehe nach Hause und für mich steht es fest
ich feiere dieses Jahr das alte Weihnachtsfest.

Wir werden zusammen sitzen unterm Tannenbaum
und ich erzähle meinen Kindern von einem Traum.
Von einem Traum eines alternden Mann
den dennoch jeder der will auch erfüllen kann.

Und wir werden der wahren Weihnacht gedenken
und uns nicht sinnlos mit Werten beschenken,
und singen die alten Lieder im Kerzenschein,
ja, und wer weiß, vielleicht kehrt der alte Weihnachtsmann dann bei uns ein.

Ich wünsche es mir und Euch allen von Herzen
eine frohe gesunde Weihnacht ohne Ärger und Schmerzen,
ohne viel Stress mit viel mehr besinnlicher Zeit,
die Ohren macht auf, die Herzen macht weit.
Ich hoffe es wird ein Fest der Liebe und Freude denn dann,
und das sage ich Euch schon heute, gibt es irgendwo zwischen Sträuchern und Tann,
einen alten, aber glücklichen Weihnachtsmann.

Pierre
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Sempre
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Sempre »

Der Autor betreibt im wesentlichen Konsumkritik. Seine Anklage hat nicht spezifisch mit Weihnachten etwas zu tun. Weihnachten benutzt er äußerlich, um seiner Predigt eine Form zu geben.

Er beklagt, dass der Sinn des Weihnachtsfestes in Vergessenheit geraten sei, redet aber selbst von einem "Fest der Liebe". Das ist flaches Gerede. Weihnachten ist das Fest der Geburt des Herrn, das Fest der Ankunft unseres Retters, ohne den wir verloren wären.

Gruß
Sempre
Niemals sei gesagt es werde je zugelassen, daß ein zum Leben prädestinierter Mensch sein Leben ohne das Sakrament des Mittlers beendet. (St. Augustin, Gegen Julian, V-4)

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cantus planus
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von cantus planus »

Mit dem "Fest der Liebe" geht's nämlich schon los. Die Bemerkung habe ich mir eben verkniffen. Wenn ich mir den Weihnachtstrubel anschaue, scheint Liebe ein überaus käuflich Ding zu sein.
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‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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Knecht Ruprecht
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Knecht Ruprecht »

pierre10 hat geschrieben:Gerade jetzt in der Weihnachtszeit stellt sich diese Frage.
Fast 90% aller Deutschen werden einen Weihnachtsbaum aufstellen, in unzähligen Familien steht auch eine Krippe, am heiligen Abend werden Weihnachtslieder gesungen. Aber es scheint, dass in vielen Familien die Geschenke wichtiger sind als der Glaube.

Hier also die Frage an Euch:
Macht Ihr das aus einem tiefen Glauben heraus oder doch eher aus Tradition, weil es eben immer schon so gemacht wurde?

Und ist die Tradition nicht doch eine Basis, auf Grund derer der Glaube wieder wachsen kann?

Pierre
Du scheinst das Wort Tradition falsch zu intepretieren.

Das Wort Tradition ist universal für verschiedene Sachen einsatzbar. Tradition = Glaube, Tradition = Sport. So ist es Tradition/Glaube jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, so ist es Tradition/Sport mehrmals die woche Sport zu treiben.

Was du meinst ist eher der Fall, in dem Menschen 1 mal im Jahr in die Kriche gehen und in diesem Fall ist es halt am Weihnachten ist. Das hat aber nichts mit dem Wort Tradition zu tun, da Tradition das Wort für Beständigkeit ist und zwar universell für viele Sachen.
Dagegen gibt es für diesen Fall, 1 mal im Jahr in die Kirche gehen, kein Wort, der die Aussage/ Inahlt in einem Wort zusammenfasst. Nur weil das Wort Tradition ein bekanntes Wort ist, ist es trotzdem um deine Sache wiederzugeben und in einem Wort abzukürzen falsch eingesetzt.

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anneke6
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von anneke6 »

Wirst Du auf Deine alten Tage noch ein Philosoph?
Aber auch wenn ich in Mathe nicht so gut war, weiß ich ganz genau, daß man solche Sachen wie "Tradition=Glaube" und "Tradition=Sport" nur unter der Bedehung stehenlassen darf, daß "Glaube=Sport" ist… :P
Tradiert werden können alle möglichen Bräuche, und sei es auch am Heiligabend in die Kirche zu gehen und sonst gar nicht. Daß das nicht im Einklang mit der christlichen Orthopraxie steht, ist hier unerheblich.
???

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Knecht Ruprecht
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Knecht Ruprecht »

Tradition ist für Beständigkeit / Regelmässogkeit. Genauso wie Glaube und Sport für Beständigkeit und Regelmässigkeit steht. Nur ist das positive Wort Tradion in seiner universellen Eigenschaften und Bekanntheit für viele Sachen einsetzbar. So ist es Tradition (Glaube/Sport) beständig bzw. im regelmässigen Zyklos zu betreiben.
Der Bösewicht beschmutzt das positive und universelle Wort Tradition nun indem er für eine unbeständige / unregelmässige Tätigkeit, wie 1 mal im Jahr am Weihnachten in die Kirche zu gehen, das Wort Tradition einsetzt.

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anneke6
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von anneke6 »

Würdest Du es denn nicht als eine Tradition der römisch-katholischen Kirche bezeichnen, den Gläubigen Asche auf den Kopf zu tun? Das findet schließlich auch nur einmal im Jahr statt.
:breitgrins:
???

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Sempre
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Sempre »

@Knecht Ruprecht

Ich sehe auch keinen Widerspruch zwischen Glaube bzw. "tiefer Glaube" und Tradition. Ganz im Gegenteil: Wer glaubt, wird sich der Kirche anschließen und mit der Kirche tun, was die Kirche tut. Die Kirche tut im wesentlichen (und im Idealfall) das, was zu tun überliefert ist, sie pflegt Tradition.

Auch folgender Gegensatz ...
Pierre10 hat geschrieben:Vielleicht ist der eigentliche Unterschied, ob sich Weihnachten im Herzen oder im Kopf abspielt.
... ist irreführend. Wer mitkriegen will, was sich in seinem Herzen abspielt, dem sei autogenes Training empfohlen. Da lernt man, es pochen zu hören, und man erlernt Kontrolle, es ruhig und gleichmäßig pochen zu lassen. Der Herr ist dabei das Oberstübchen.

Dazu passend aus dem Eid gegen den Modernismus vom hl. Papst Pius X., den Priester zwischen 1910 und 1967 ablegen mussten:
Antimodernisteneid hat geschrieben:Fünftens: dass der Glaube kein blindes Gefühl für Religion ist, das aus den verborgenen Gründen des Unbewussten unter dem Druck des Herzens und der Erregung des sittlich ungebildeten Willens hervorbricht, sondern dass er die wahrhafte Zustimmung unseres Verstandes zu einer Wahrheit ist, die von außen her durch Hören angenommen wird, durch die wir das, was von dem persönlichen Gott, dem Schöpfer und unseren Herrn gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist.
Wir sollten Weihnachten mit Verstand feiern und unser Herz gemäß der erkannten Wahrheit kontrollieren.

Ansonsten herrscht Modernismusgefahr, Verdunklungsgefahr, Obskurantismus. (Selbst dann, wenn auf des Kaisers Kleidern 'Aufklärung', 'enlightenment', 'Oświecenie', 'iluminação' gestickt steht.)

Gruß
Sempre
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overkott
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von overkott »

Das Verhältnis von Tradition und Treue hat Jesus selbst durch den lebendig machenden Geist beschrieben. Es geht also nicht um Buchstabentreue, sondern um Geistestreue, also darum, am Wesentlichen festzuhalten. Was aber ist das Wesentliche am Advent? Ist das nicht vor allem ein Wachsen in der Liebe zum Nächsten mit jeder Kerze am Adventskranz? Weihnachten wird doch erst, wenn Gottes Wille geschieht, wenn das Wort Fleisch wird im Herzen jedes Gläubigen. Aber was haben wir Gottes Wort für eine Herberge anzubieten? Ist unser Herz nicht bereits voll mit den Sorgen um uns selbst? Sicher hätte der Hotelier von Bethlehem die Suite für den Höchsten räumen lassen. Aber wer kann schon ahnen, dass der Höchste inkognito kommt? Wer kann schon ahnen, dass Gott einem in armseligen Typen begegnet? Ist unser Herz eine Herberge für Gottes Wort, ein Hôtel-Dieu, oder eine Krippe? Das ist die Frage der Vorbereitung im Advent.

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pierre10
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von pierre10 »

Diese Diskussion um das Wort Tradition und tiefer Glaube hat nicht viel mit meinen Gedanken zu tun. Wenn ich mich in meinem eigenen Umfeld, aber auch bei Freunden und Verwandten im weiteren Europa umsehe, scheint Religion und tiefer Glaube bei der großen Mehrzahl der Menschen nicht Basis ihres Handelns zu sein. In vielen Familien lässt man die Kinder taufen, schickt sie in den Religionsunterricht, geht vielleicht auch hin und wieder mal mit ihnen in die Kirche, und sieht in vielen Fällen den Pfarrer erst wieder bei der eigenen Beerdigung :) :)

und das alles nur, weil sie immer schon so gemacht wurde, weil man glaubt dass die Familie es erwartet, ich nenne so etwas einfach Tradition. es wäre interessant einmal eine Umfrage zu sehen, wie viele Mütter noch zusammen mit ihren Kindern beten.

Wir dürfen dabei die Teilnehmer des Kreuzgangs nicht unbedingt als die Regel ansehen.

gerade mit dem Beten ist das ähnlich. Das eigentliche Gebet kommt sicher aus der Tiefe der Seele, sind nicht geplapperte vorgegebene Gebete,um sondern tiefer Empfindungen aus dem eigenen Ich.

Pierre
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overkott
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von overkott »

Es geht eben nicht immer nur um dich, Pierre. Dass du einen Zug nach unten hast, ist klar. Wie feierst du denn Advent: traditionell oder im tiefen Glauben?

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Linus
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Linus »

cantus planus hat geschrieben:Mit dem "Fest der Liebe" geht's nämlich schon los. Die Bemerkung habe ich mir eben verkniffen. Wenn ich mir den Weihnachtstrubel anschaue, scheint Liebe ein überaus käuflich Ding zu sein.
Ja Liebe ist eine Hure :traurigtaps:
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Linus
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Linus »

pierre10 hat geschrieben:Wir dürfen dabei die Teilnehmer des Kreuzgangs nicht unbedingt als die Regel ansehen.
Doch. Die anderen, ungeregelten sind der Mainstream
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pierre10
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von pierre10 »

Linus hat geschrieben:
pierre10 hat geschrieben:Wir dürfen dabei die Teilnehmer des Kreuzgangs nicht unbedingt als die Regel ansehen.
Doch. Die anderen, ungeregelten sind der Mainstream
:maske: :regel: :dudu:

Pierre
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overkott
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von overkott »

pierre10 hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:
pierre10 hat geschrieben:Wir dürfen dabei die Teilnehmer des Kreuzgangs nicht unbedingt als die Regel ansehen.
Doch. Die anderen, ungeregelten sind der Mainstream
:maske: :regel: :dudu:

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lifestylekatholik
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von lifestylekatholik »

Ich gehe mit den meisten der von Pierre geäußerten Gedanken d’accord, das ist eigentlich unstrittig. Mit dem Folgenden kann ich mich aber nicht so recht anfreunden, und zwar aus mehreren Gründen:
pierre10 hat geschrieben:gerade mit dem Beten ist das ähnlich. Das eigentliche Gebet kommt sicher aus der Tiefe der Seele, sind nicht geplapperte vorgegebene Gebete,um sondern tiefer Empfindungen aus dem eigenen Ich.
Man muss an Gebete gar nicht die Forderung stellen, sie müssten stets »aus der Tiefe der Seele« kommen, quasi als Schrei, der sich dem gequälten Innersten des Menschen entringe. Gebet kann durchaus auch das freundliche »Danke schön!« sein, das kaum mehr ist als eine kleine Welle an der Oberfläche, ohne dass darunter gleich ein Tsunami toben müsste. Es ist, denke ich, wichtig, Zutrauen zu Gott zu finden, und das geht besser über das tägliche, regelmäßige Gespräch, als wenn ich nur dann ankomme, wenn mich wirklich etwas innerlich umtreibt.

Damit auch zum zweiten Punkt, an dem ich Bauchschmerzen habe: hier werden die »vorgegebenen Gebete« automatisch als »geplappert« abqualifiziert. Das ist meines Erachtens völlig verfehlt. Gerade das vorgegebene Gebet ist eine wunderbare Sache, weil die Gebete der Kirche in ihrer regelmäßigen Einübung eine wunderbare Schule des Glaubens sind, die Stütze ist und hilft, Abwege, die von Gott weg führen, zu erkennen und sie zu vermeiden, die die eigenen Gedanken und Intentionen geradewegs hinlenkt zu Gott.

Und selbst wenn (oder vielmehr gerade weil) vorgegebene Gebete nicht jedes Mal in der »Tiefe der Seele« durchschritten werden müssen, selbst wenn sie nur »geplappert« werden, dienen sie, solange sie regelmäßig gebetet werden, viel mehr der Festigung der lebendigen Beziehung zu Gott als Gebete, die zwar »aus der Tiefe der Seele« kämen, aber nicht gebetet werden, weil ich nämlich nicht jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend mit jemandem »aus der Tiefe der Seele« über »tiefe Empfindungen aus dem eigenen Ich« sprechen kann. Vielleicht gibt es Menschen die das können, umso besser, ich aber wäre damit sicherlich überfordert.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Linus
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Linus »

overkott hat geschrieben:
pierre10 hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:
pierre10 hat geschrieben:Wir dürfen dabei die Teilnehmer des Kreuzgangs nicht unbedingt als die Regel ansehen.
Doch. Die anderen, ungeregelten sind der Mainstream
:maske: :regel: :dudu:

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:achselzuck:
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Marion
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Marion »

pierre10 hat geschrieben:Gerade jetzt in der Weihnachtszeit stellt sich diese Frage.
Fast 90% aller Deutschen werden einen Weihnachtsbaum aufstellen, in unzähligen Familien steht auch eine Krippe, am heiligen Abend werden Weihnachtslieder gesungen. Aber es scheint, dass in vielen Familien die Geschenke wichtiger sind als der Glaube.

Hier also die Frage an Euch:
Macht Ihr das aus einem tiefen Glauben heraus oder doch eher aus Tradition, weil es eben immer schon so gemacht wurde?

Und ist die Tradition nicht doch eine Basis, auf Grund derer der Glaube wieder wachsen kann?

Pierre
Bp Williamson schreibt:
Eleison Kommentare CXXIX. (26. Dezember 2009) : Angst um Weihnachten



Einmal mehr ist der Weihnachtsfeiertag gekommen und wieder vergangen. Er erinnert uns an die große Freude, die unser Herrgott durch seine Menschwerdung und Geburt der gesamten Welt machte; insbesondere jedoch seiner Mutter. Denn schließlich hält sie ihn fest in ihren Armen, wo sie einerseits wie jede menschliche Mutter sich zu ihm neigt, und wo sie ihn anderseits gleichzeitig als ihren Gott anbetet. Ach, wer auch nur die leiseste Ahnung von Religion besitzt, wird sicherlich darüber jammern, daß unsere Welt zwar diese von Gott geschenkte Freude mitzunehmen versucht, aber größtenteils den dahinterstehenden Gott vergißt.



In dieser Hinsicht erinnert die Freude am heutigen Weihnachten an das Grinsen der "Grinsekatze" von Alice, vor allem in kapitalistischen Ländern (aber Papst Pius XI. stellte schon 1931 fest, daß der Kapitalismus sich auf die ganze Welt ausdehnt: "Quadragesimo Anno", S.103-104). Die Leser von "Alice im Wunderland" werden sich erinnern, wie das Grinsen der Katze immer noch gesehen werden konnte, selbst wenn die Grinsekatze selber verschwunden war. Die Substanz mag verschwinden, aber ihre Wirkung kann noch nachklingen - jedenfalls für eine Weile. Dem Glauben an das göttliche Christkind wird die ganze Zeit der Garaus gemacht, vor allem wegen des Zweiten Vatikanischen Konzils, doch die Freude an Weihnachten klingt noch nach. Zum Teil liegt dieses Nachklingen daran, daß Gott in seiner großen Güte zu jedem Jahrestag der Geburt seines Sohnes eine Fülle von Gnaden über die Menschen ausgießt, und auf diese Gnaden reagieren viele Menschen mit etwas mehr Freundlichkeit als während des restlichen Jahres. Zum anderen Teil liegt dieses Nachklingen aber auch daran, daß Freude einfach die Menschen erfreut - dies ist allerdings nicht so zuverlässig.



Denn in dem Maße, wie die wahre Anbetung Gottes verschwindet - und mit ihr jedes wahre Verständnis für die Bedeutung des Kommens des Erlösers, das für unseren Eintritt in den Himmel unbedingt notwendig war - wird auch die Freude an Weihnachten auf die Kommerzialisierung und die Zecherei reduziert, wie wir sie alle kennen. Das Grinsen kann die Grinsekatze nicht unbegrenzt überdauern. Sogar die nettesten "NIG" (Nette Innere Gefühle) halten ohne ihre Objekt nicht endlos an. Wenn Jesus Christus nicht Gott ist, geschweige denn der eine und einzige Erlöser der Menschheit, wieso sollten wir dann uns über seine Geburt erfreuen? Zwar haben wir sehr gerne unsere "NIG", aber wenn sie nur auf sich selber beruhen, werden sie früher oder später wie Seifenblasen platzen und nur den bitteren Nachgeschmack der Enttäuschung hinterlassen. Wir können es gerne haben, uns weihnachtlich zu fühlen; doch wenn wir uns nur nach diesen Gefühlen ausrichten, anstatt dem ihnen zugrundeliegenden Objekt, so steuern wir auf irgendwelchen "Gefühlskollaps" zu.



Es geht um den Unterschied zwischen Gefühl und Gefühlsduselei. Der Heiland war voller Gefühle, als er zum Beispiel die Witwe von Naim traf, wie sie über das Zugrabetragen ihres einzigen Sohnes aufgelöst war (Lukas VII, 11-15). Doch unser Herr zeigte keine Spur von Gefühlsduselei oder Rührseligkeit (auch nicht, behaupte ich, in Valtortas "Der Gottmensch"), weil seine Gefühle niemals um ihrer selbst Willen aufkommen. Die Gefühle des Heilandes kamen immer wegen eines äußerlichen Objektes auf; zum Beispiel wegen des Kummers der erwähnten Witwe, welcher ihm lebhaft die Trostlosigkeit vor Augen führte, die seine eigene Mutter bei seinem eigenen Zugrabetragen erfahren sollte.



Der Subjektivismus ist die Seuche unserer modernen Zeit: Der Mensch sperrt die objektive Wirklichkeit aus, damit er alles so neuordnen kann, wie es ihm subjektiv in seinem Inneren gefällt. Dieser Subjektivismus ist der Wesenskern des Neo-Modernismus, welcher zur Zeit die Kirche verwüstet. Der Subjektivismus trennt das Denken von seinem äußeren Objekt ab und erzeugt so notwendigerweise Gefühlsduselei im Herzen, weil er dem Herzen jedwedes äußere Objekt wegnimmt, von dem allein echte Gefühle erweckt werden. Das kapitalistische Weihnachten wird schlußendlich durch die Gefühlssucht ausgehöhlt. Entweder kehren die Menschen zum wahren Gott, zu unserem Herrn Jesus Christus zurück, und zur wahren Bedeutung seiner Geburt, oder das Platzen einiger ihrer nettesten "NIG""- der "weihnachtlichen NIG" - liefert dem Wenigen, was von der "Westlichen Zivilisation" noch übrig ist, einen weiteren Grund für selbstmörderische Bitterkeit.


Kyrie eleison.
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Robert Ketelhohn
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Re: Tradition oder wirklicher Glaube?

Beitrag von Robert Ketelhohn »

pierre10 hat geschrieben:
Montag 7. Dezember 2009, 08:19
Lieber Robert,

nicht immer sind wir einer Meinung, aber zu diesem Deinen Text kann ich Dir nur zustimmen.
Posthumen Dank.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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