Zur von mir genannten "skandalösen Entwicklung" bei den Episkopalen hier ein Hinweis für die, die die Entwicklung im us-amerikanischen Zweig der anglikanischen "Gemeinschaft" nicht verfolgen.
Die vor einigen Jahren unter großem Beifall der liberalen Presse auf beiden Seiten des Atlantik zur Primatin der ECUSA gewählte "Bischöfin" Katherin Jefferts Schori ist zwar als Theologin nicht besonders hervorgetreten (sie ist studierte Naturwissenschaftlerin), aber sie ist eine geschickte Verwaltungsfachfrau und skrupellose Intrigantin. Sie heizt nicht nur die Welle von Prozessen an, mit der die ECUSA von den zu anderen Anglikanischen Provinzen übertretenden Gemeinden das "Eigentum" der ECUSA-Diözesen an Pfarrhäusern, Schulen und Kirchen usw. einklagt, sie hat auch ein besonders perfides Verfahren entwickelt, um Bischöfe, die diesen Weg gehen, zu schädigen.
Unter Rückgriff auf einen nach Ansicht vieler anglikanischer Kirchenrechtler dafür in keiner Wesie anwendbaren Paragraphen dieses Rechtes betrachtet sie nämlich den Übertritt in eine andere anglikanische Kirchenprovinz (also ebenfalls unter dem Dach von Canterbury) als
"Abfall vom Glauben" und läßt mit Hilfe eines ihr ergebenen Gremiums in der ECUSA-Spitze daraufhin die Ordination dieser Bischöfe für ungültig erklären.
Das ist natürlich in vielerlei Hinsicht irrelevant, von katholischer Seite her sowieso, aber auch von Seiten der anderswohin strebenden ex-episkopalen Gemeinden ebenfalls, weil die Gremien der anderen Kirchenprovinzen diese Art der "Exkommunikation" oder "Verketzerung" selbstverständlich nicht anerkennen.
Jefferts Schori ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wohin der absolute Werteverzicht und Relativismus Kirchenleute führen kann - und dafür, wie tief die Spaltung innerhalb der "Anglican communion" ist, die man eben in keiner Weise mehr als Gemeinschaft wahrnehmen kann.
Für Katholiken zeigen diese Abläufe übrigens ein weiteres Mal, daß man die Hoffnungen auf eine Rückkehr von anglikanischen Gemeinden zur Katholischen Kirche zunächst nicht zu hoch ansetzen sollte. "No popery" ist tief im Wesen anglikanischer Gemeinschaften verwurzelt, und bevor man sich den Fluten des Tibers anvertraut, gibt es noch andere Alternativen, deren Tragfähigkeit ausgetestet sein will. Die Wirkung von AC wird sich nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten voll entfalten. Eine gute Analyse der Situation gibt Mary Eberstadt (aus katholischer Sicht) in
First Things.