taddeo hat geschrieben:ad-fontes hat geschrieben:Juergen hat geschrieben:
Auf der einen Seite will sie dies zwar nicht sein - und redet auch so; auf der anderen Seite wird das Handeln durch das vorhandene Kapital gelenkt.
Muß die Kirche wieder arm werden, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen?
Wenn man betrachtet, welche Folgen die Säkularisation Anfang des 19. Jh.s hatte, und welche Nachwirkungen sie bis heute zeitigt, dann wage ich es zu bezweifeln, ob die Kirche dadurch heute an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen könnte.
Innerkirchlich-geistlich könnte es vielleicht zu einer Erneuerung kommen; aber diese würde vermutlich durch den endgültigen Verlust an Einfluß auf die Gesellschaft erkauft werden.
Wenn man die Situation in Deutschland betrachtet, dann hat die Kirche einen riesigen und teuren Wasserkopf, der finanziert werden muß bzw. wird und der innerlich bzw. geistig leer ist. Dieser teure Wasserkopf gebiert so einige teure Kinder, die dann in der Gesellschaft auffallen und wahrgenommen werden.
Das ist die innere dt. Kirchenkrankheit.
Die nach außen wahrgenommenen Dinge, sind jene, die was kosten - also Kapital notwendig machen - aber geistig gar nichts bringen, sondern nur auf der sozialen Schiene wirkungsvoll sind. Ich will diese Sachen nicht verteufeln, denn sie gehören zum Christentum genuin dazu (vgl. sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit), aber sie dürfen nicht vorrangig vor der Sorge um die Seelen sein: nur "Duzi duzi ich hab dich lieb" reicht eben nicht.
Doch so selbstverliebt, wie man hier im Lande in diese Dinge ist, trägt man sie als Schild voran, klopft sich auf die Schulter und sagt: "Schaut, was wir alles leisten!"
Vgl. dazu was der Papst sagte:
Benedikt 2006 in München hat geschrieben:Die katholische Kirche in Deutschland ist großartig durch ihre sozialen Aktivitäten, durch ihre Bereitschaft zu helfen, wo immer es not tut.
Immer wieder erzählen mir die Bischöfe, zuletzt aus Afrika, bei ihren Ad-Limina-Besuchen dankbar von der Großherzigkeit der deutschen Katholiken und beauftragen mich, diesen Dank weiterzugeben, was ich hier einmal öffentlich tun möchte.
Auch die Bischöfe aus den baltischen Ländern, die zuletzt da waren, haben mir berichtet, wie großartig ihnen deutsche Katholiken beim Wiederaufbau ihrer durch Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft schlimm zerstörten Kirchen halfen.
Dann und wann sagt aber ein afrikanischer Bischof zu mir: „Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung.“
Offenbar herrscht da doch bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte muß man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben, seien doch eher partikulär und nicht gar so vordringlich.
Und doch ist es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, daß die Evangelisierung vorausgehen muß; daß der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muß, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können.