umusungu hat geschrieben:Stefan hat geschrieben:Aber ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann:
Die Kirche in Deutschland ist reich, ihre Mitarbeiter haben ein üppiges Gehalt mit guter materieller Versorgung.
Sie widerspricht insofern jenem franziskanischen Gedanken, den Bischof Franz von Rom in den Vordergrund seines Pontifikats stellt.
Ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann: viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland sind reich - viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland besitzen erhebliches Vermögen.
Woher willst Du wissen, dass Papst Franz an mich und nicht an Dich gedacht hat?
Welches Zeugnis legst Du mit Deinem Gehalt und Deinem Ausgabeverhalten für das Evangelium ab?
Wo und wie läßt Du Dich ansprechen von der Idee der "armen Kirche"?
Ich lege mit Sicherheit kein gutes Zeugnis ab.
Ich habe nie die Berufung zum Priesteramt verspürt, und ich bin auch kein guter Christ,
und die sozialen Agressionen der 70er und 80er Jahre, die ich als Jugendlicher in der Kirche zu spüren bekommen
habe, stecken mir auch heute noch in den Knochen. Ich habe das "soziale" Engagement als verlogen empfunden,
und wahrscheinlich zu sehr "live" miterlebt, wie dort mit einigem manipulativem Geschick Mißbrauch mit dem sozialen
Engagement gutgläubiger Kirchen"mitglieder" (wie Du sie nennst) getrieben wurde.
Diese Erfahrung, und auch das liturgische Grauen jener Zeit hat mich fast aus der Kirche getrieben, und es ist der damalige
Kardinal Ratzinger gewesen, dessen Bücher mich zu der Gewissheit gebracht haben, dass ich offensichtlich doch nicht so
ein gestörtes Verhältnis zur Kirche habe, wie ich dachte, sondern dass etwas anderes die Ursache war.
Ich habe ein Gehalt, mit dem ich zufrieden bin. Als Familienvater von vier Kindern sehe ich es als meine Berufung und Pflicht an,
für die Zukunft der mir Anvertrauten zu sorgen (nicht nur materiell), und bisher funktioniert es ganz gut, was ich als Gnade Gottes empfinde, und wofür ich ihm täglich danke.
Ich zahle in diesem Rahmen meine Kirchensteuer, obwohl ich mich schon seit längerem aus der Ortsgemeinde verabschiedet habe; stattdessen
habe ich mich einer Gemeinschaft zugewendet, die sich nicht aus Kirchensteuern nährt, sondern sich selber um ihre Existenz bemühen muss.
Ich bemühe mich um einen Lebenstil, der weder Wohlstand noch Bescheidenheit nach außen trägt - ob es mir gelingt, müssen andere beurteilen.
Dem franziskanischen Ideal stehe ich wohlwollend gegenüber, aber aus meiner Biographie heraus fühle ich mich eher einem anderen Franz verbunden,
nämlich dem von Sales. Er hat es einmal so formuliert:
"Mache es wie die kleinen Kinder: Mit der einen Hand halten sie sich am Vater fest, mit der anderen pflücken sie Erdbeeren und Brombeeren am Wegrain. So sammle und gebrauche auch du die irdischen Güter mit der einen Hand, mit der anderen halte dich an der Hand des himmlischen Vaters fest. (Philothea III,10; DASal 1,135)"
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