Besoldung deutscher Pfarrer

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Peti
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Peti »

Florianklaus hat geschrieben:…Das würde in größeren Städten zu einem Gefälle führen, je nachdem ob man Pfarrer in einem Villenviertel oder im benachbarten Arbeitervorort ist.
Man könnte ja mit einem "Gemeindefinanzausgleich" Härtefälle ausgleichen
-ähnlich dem Länderfinanzausgleich.
Bayern wäre dann sicher wieder überdurchschnittlich belastet.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

Peti hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:…Das würde in größeren Städten zu einem Gefälle führen, je nachdem ob man Pfarrer in einem Villenviertel oder im benachbarten Arbeitervorort ist.
Man könnte ja mit einem "Gemeindefinanzausgleich" Härtefälle ausgleichen
-ähnlich dem Länderfinanzausgleich.
Bayern wäre dann sicher wieder überdurchschnittlich belastet.
Wenn Du so anfängst, kannst Du auch gleich sagen: Wir werfen alles Geld in einen großen Topf und besolden die Priester einheitlich.

Das wäre dann das gleiche Prinzip wie jetzt, nur das das "Geldeintreiben" anders läuft: Heute als Dienstleitung durch die Finanzämter, im anderen Fall durch Spenden und Sammlungen o.ä.
Gruß Jürgen

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Peti
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Peti »

Das wäre ja auch nicht schlecht.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

Da kannst Du auch gleich beim heutigen System bleiben. Zudem geht dann wieder die Frage nach dem "gerechten Lohn" los.
Gruß Jürgen

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Peti
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Peti »

Vielleicht wärs aber das glaubhaftere Zeugnis.

-Und man müßte dann auch den viel zu großen kirchlichen Dienst,
mit über einer Million Mitarbeitern, zahlenmäßig abbauen.
Es wär dann sicher nicht mehr so viel Geld da.
Was für ein Glück für uns, dass wir wissen können, dass die Barmherzigkeit Gottes unendlich ist.
Johannes Maria Vianney

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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

Peti hat geschrieben:-Und man müßte dann auch den viel zu großen kirchlichen Dienst,
mit über einer Million Mitarbeitern, zahlenmäßig abbauen.
Es wär dann sicher nicht mehr so viel Geld da.
Zu gut Deutsch: Man müßte Leute in die Arbeitslosigkeit schicken. – Ich sehe darin nicht so ein super tolles und glaubhaftes Zeichen für den Glauben.

Aber klar: es mußte gespart werden. Aber wo?

Dazu passt mein "8 vor 8"-Posting für dieser Woche.
Es ist ein Zitat von Norbert Blüm

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»Alle wollen den Gürtel enger schnallen, 
aber jeder fummelt am Gürtel des Nachbarn herum.«
Gruß Jürgen

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Maurus
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Maurus »

Stefan hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Unsere Parteienfinanzierung funktioniert im wesentlichen nach diesem Prinzip - man könnte diese Problematik ähnlich wie dort lösen,
was Transparenzregeln und Obergrenzen angeht.
Nur vertreten Parteien keine unabänderlichen Dogmen und Wahrheiten, sondern stehen immer im demokratischen Diskurs. Die Situation ist für mich nicht vergleichbar.

Wie gesagt, dein Vorschlag mag in einer idealen Glaubensgemeinschaft etwas für sich haben, aber er funktioniert m.E. nur, wenn einerseits die Gläubigen den wesentlichen Glauben der Kirche uneingeschränkt unterstützen und wenn auf der anderen Seite das hierarchische System akzeptiert wird, nach dem der Bischof auch vor Ort regulierend eingreifen könnte, wenn es tatsächlich mal zu Streitigkeiten kommt. Beides ist für mich in Deutschland in absehbarer Zeit nicht in Aussicht.
Ja, aber ich glaube, dass die Dogmen am ehesten in armen, nicht in reichen Gemeinden verteidigt werden.
Ich glaube, dass sollten wir im franziskanischen Sinne verinnerlichen.
Genau wegen Satz 1 hat man der Kirche doch vorgeworfen, die Armen auf das Himmelreich zu vertrösten und so deren politisches Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit zu verhindern. Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, genau das, was die Befreiungstheologie ändern(!) will. Das Ziel kann doch nicht sein, denn armen Slumbewohner in seiner Armut zu halten, weil er dann ein folgsameres Schaf ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Sklavenarbeiter bei Foxconn oder so einen angemessenen Lohn mit Verweis auf das Ideal der Armut ablehnt. Von daher wäre es wirklich an der Zeit einmal zu klären, was mit dem Blick auf die Armen und der »armen Kirche« überhaupt gemeint ist. Wenn man nicht weiß, wo man hinwill, dann wird der Weg kompliziert.

Stefan

Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Stefan »

Maurus hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Unsere Parteienfinanzierung funktioniert im wesentlichen nach diesem Prinzip - man könnte diese Problematik ähnlich wie dort lösen,
was Transparenzregeln und Obergrenzen angeht.
Nur vertreten Parteien keine unabänderlichen Dogmen und Wahrheiten, sondern stehen immer im demokratischen Diskurs. Die Situation ist für mich nicht vergleichbar.

Wie gesagt, dein Vorschlag mag in einer idealen Glaubensgemeinschaft etwas für sich haben, aber er funktioniert m.E. nur, wenn einerseits die Gläubigen den wesentlichen Glauben der Kirche uneingeschränkt unterstützen und wenn auf der anderen Seite das hierarchische System akzeptiert wird, nach dem der Bischof auch vor Ort regulierend eingreifen könnte, wenn es tatsächlich mal zu Streitigkeiten kommt. Beides ist für mich in Deutschland in absehbarer Zeit nicht in Aussicht.
Ja, aber ich glaube, dass die Dogmen am ehesten in armen, nicht in reichen Gemeinden verteidigt werden.
Ich glaube, dass sollten wir im franziskanischen Sinne verinnerlichen.
Genau wegen Satz 1 hat man der Kirche doch vorgeworfen, die Armen auf das Himmelreich zu vertrösten und so deren politisches Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit zu verhindern. Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, genau das, was die Befreiungstheologie ändern(!) will. Das Ziel kann doch nicht sein, denn armen Slumbewohner in seiner Armut zu halten, weil er dann ein folgsameres Schaf ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Sklavenarbeiter bei Foxconn oder so einen angemessenen Lohn mit Verweis auf das Ideal der Armut ablehnt. Von daher wäre es wirklich an der Zeit einmal zu klären, was mit dem Blick auf die Armen und der »armen Kirche« überhaupt gemeint ist. Wenn man nicht weiß, wo man hinwill, dann wird der Weg kompliziert.
Ich habe das anders verstanden. Der Glaube gibt jene Kraft, die materieller Wohlstand nicht zu geben vermag.
Die Kirche ist immer am stärksten (gewesen) in armen Ländern und in der Opposition, selten im Wohlstand.
Hier werden die Dogmen deshalb nicht so schnell in Zweifel gezogen, weil ihr Sinn besser verstanden wird; Armut ist auch keine Schande.
Kommt der Wohlstand, schwindet der Glaube.

Etwas anderes ist die Frage der sozialen Gerechtigkeit, die - so habe ich sie verstanden (rerum novarum) - die angemessene Entlohnung und die Verantwortung für den arbeitenden Menschen im Blick hat. Bei der Ausbeutung des Menschen zu Gunsten der Raffgier besteht theoretisch die Gefahr einer Instrumentalisierung des Armutsideals, aber man darf nicht beides gegeneinander ausspielen.

Ich habe natürlich kein Patentrezept, und es liegt mir fern, anderen Menschen Armut zu "wünschen".
Aber ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann:
Die Kirche in Deutschland ist reich, ihre Mitarbeiter haben ein üppiges Gehalt mit guter materieller Versorgung.
Sie widerspricht insofern jenem franziskanischen Gedanken, den Bischof Franz von Rom in den Vordergrund seines Pontifikats stellt.

Wohin er will, und wie man diesen Widerspruch auflöst - ich weiss es auch nicht.

Stefan

Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Stefan »

Juergen hat geschrieben:
Peti hat geschrieben:-Und man müßte dann auch den viel zu großen kirchlichen Dienst,
mit über einer Million Mitarbeitern, zahlenmäßig abbauen.
Es wär dann sicher nicht mehr so viel Geld da.
Zu gut Deutsch: Man müßte Leute in die Arbeitslosigkeit schicken. – Ich sehe darin nicht so ein super tolles und glaubhaftes Zeichen für den Glauben.

Aber klar: es mußte gespart werden. Aber wo?

Dazu passt mein "8 vor 8"-Posting für dieser Woche.
Es ist ein Zitat von Norbert Blüm

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»Alle wollen den Gürtel enger schnallen, 
aber jeder fummelt am Gürtel des Nachbarn herum.«
Das kann nicht die Lösung sein, schon gar nicht von heute auf morgen.
Den Weg der Umschulung und der Übergang in das normale Erwerbsleben ist vielleicht schwierig, wird aber vielen Menschen abverlangt.
Warum sollte man das nicht auch Kirchenmitarbeitern zumuten können, wenn es sinnvoll ist?

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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

Die Situation ist in dem Bereich eher so, daß es eine Menge A an Arbeit gibt und eine Menge P an Personal. Man kann sich schnell einigen, daß man aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen die Menge P verkleinern muß. Sowas kann auch "sozialverträglich" – wie man es so schön nennt – erfolgen. In der Praxis oft so, daß Leute in Rente gehen und keine neuen eingestellt werden.

Dabei ergibt sich das Problem, daß dann zwar P kleiner wird aber A gleich groß bleibt. In der Industrie kann man das zumindest teilweise ausgleichen, indem man Automaten und ähnliches einsetzt. Das geht aber im kirchlichen Bereich nicht.

Man muß also m.E. bei der Menge A ansetzen und diese verkleinern.

Praktisch: alle Hauptabteilungen, Unterabteilungen, Zentralabteilungen, Stabstellen, Referate, Dezernate, Regionalbüros, Kommissionen, Verbände, Verbünde, Vewandte u.s.w. müssen auf den Prüfstand. Da muß notfalls ein Kahlschlag erfolgen. — In diesem Fall, also bei der Verwaltung, bin ich in der Tat der Meinung, daß eine Strukturreform her muß. (In anderen Bereichen bin ich kein großer Freund von reinen Strukturdebatten.)

Und dann sind wir wieder beim Blümschen Zitat:
In dem Fall zeigt nämlich jeder Leiter auf den Nachbarn: „Warum soll ich was einsparen/ändern? Guckt doch erstmal bei X, Y oder Z!“
Gruß Jürgen

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Maurus
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Maurus »

Stefan hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Unsere Parteienfinanzierung funktioniert im wesentlichen nach diesem Prinzip - man könnte diese Problematik ähnlich wie dort lösen,
was Transparenzregeln und Obergrenzen angeht.
Nur vertreten Parteien keine unabänderlichen Dogmen und Wahrheiten, sondern stehen immer im demokratischen Diskurs. Die Situation ist für mich nicht vergleichbar.

Wie gesagt, dein Vorschlag mag in einer idealen Glaubensgemeinschaft etwas für sich haben, aber er funktioniert m.E. nur, wenn einerseits die Gläubigen den wesentlichen Glauben der Kirche uneingeschränkt unterstützen und wenn auf der anderen Seite das hierarchische System akzeptiert wird, nach dem der Bischof auch vor Ort regulierend eingreifen könnte, wenn es tatsächlich mal zu Streitigkeiten kommt. Beides ist für mich in Deutschland in absehbarer Zeit nicht in Aussicht.
Ja, aber ich glaube, dass die Dogmen am ehesten in armen, nicht in reichen Gemeinden verteidigt werden.
Ich glaube, dass sollten wir im franziskanischen Sinne verinnerlichen.
Genau wegen Satz 1 hat man der Kirche doch vorgeworfen, die Armen auf das Himmelreich zu vertrösten und so deren politisches Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit zu verhindern. Das ist, wenn ich es richtig verstanden habe, genau das, was die Befreiungstheologie ändern(!) will. Das Ziel kann doch nicht sein, denn armen Slumbewohner in seiner Armut zu halten, weil er dann ein folgsameres Schaf ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Sklavenarbeiter bei Foxconn oder so einen angemessenen Lohn mit Verweis auf das Ideal der Armut ablehnt. Von daher wäre es wirklich an der Zeit einmal zu klären, was mit dem Blick auf die Armen und der »armen Kirche« überhaupt gemeint ist. Wenn man nicht weiß, wo man hinwill, dann wird der Weg kompliziert.
Ich habe das anders verstanden. Der Glaube gibt jene Kraft, die materieller Wohlstand nicht zu geben vermag.
Das sehe ich auch so.
Stefan hat geschrieben:Die Kirche ist immer am stärksten (gewesen) in armen Ländern und in der Opposition, selten im Wohlstand.
Besitz und Macht machen natürlich bequem. Vermutlich hat Benedikt XVI. daher in Freiburg sogar die Säkularisation als Vorgang ausdrücklich gelobt. Ich bezweifle allerdings, dass das Fragen sind, die von der meines Erachtens nicht unangemessen hohe Besoldung von Pfarrern zusammenhängt. Ich habe eher einen Zusammenhang mit der Aufgabe politischen Einflusses oder liebgewordener Strukturen vermutet.
Stefan hat geschrieben:Hier werden die Dogmen deshalb nicht so schnell in Zweifel gezogen, weil ihr Sinn besser verstanden wird; Armut ist auch keine Schande.
Sicher ist Armut keien Schande. Aber in Ländern ohne soziales Netz ist Armut existenzgefährdend. Ich glaube nicht, dass irgendjemand, der dort davon betroffen ist, seinen Zustand als Idealzustand ansieht. Er würde vielleicht auch nicht gerne Millionär sein, weil er Angst vor der Veränderung der Person hätte, aber ein auskömmliches Leben wünscht sich meines Erachtens jeder irgendwo.
Die Befreiungstheologie hat mE genau hier angesetzt: Die Armen sollten eben nicht auf ein besseres Jenseits vertröstet werden. Sie sollten jetzt schon ihren Anteil erhalten. Das hat dann auch zu den bekannten Verwerfungen geführt, weil hier und da aus einer Jenseitigkeit schnell eine absolute Diesseitigkeit wurde. Aber wie das Wort Befreiungstheologie schon andeutet, war nicht intendiert, den Zustand der Armut aufrecht zu erhalten, sondern den Armen zu ihrem Recht zu verhelfen, das meint auch eine größere Verteilungsgerechtigkeit.
Stefan hat geschrieben:Kommt der Wohlstand, schwindet der Glaube
Das war bekanntlich einer der Grundkritiken Johannes Pauls II. am Kapitalismus, er konnte diesen Prozess ja sozusagen live in seinem Heimatland verfolgen. Da ist sicher auch etwas daran. Nur, bei allem Respekt: Aber man kann die Leute nicht arm halten, damit sie tiefer glauben. Was ist unser Glaube denn dann wert? Können wir etwa nur die überzeugen, die sich aus verzweifelter Hoffnungslosigkeit an irgendetwas klammern?

Natürlich nicht! In Deutschland wird sogar umgekehrt ein Schuh draus. Die sozialen Milieus der sog. »Konsummaterialisten« und »Hedonisten«, die große Teile der sog. »Unterschicht« abdecken, sind die am aller wenigsten kirchlich gebundenen Milieus. Etablierte Konservative (Oberschicht) und Traditionelle (Unter- bzw Mittelschicht) sind dagegen relativ stark gebunden, auch bürgerliche Mitte noch. Zumindest hier in Deutschland würde die Rechnung also auch nicht aufgehen. Statt einer Madonna würden die Verarmten weiterhin den 500€ Flachbildfernseher vorziehen. Das Geld bekommen jeder noch irgendwie zusammen. Existienzielle Fragen kommen einem dann nicht mehr.

Stefan hat geschrieben:Die Kirche in Deutschland ist reich, ihre Mitarbeiter haben ein üppiges Gehalt mit guter materieller Versorgung.
Sie widerspricht insofern jenem franziskanischen Gedanken, den Bischof Franz von Rom in den Vordergrund seines Pontifikats stellt.
Dazu hatte ich gestern schonmal nach einer belastbaren Äußerung gefragt, aber keine erhalten. Ich gehe davon aus, dass auch die Franziskaner in ihren Klöstern nicht an Hunger leiden, insofern sind sie auch materiell gut versorgt. »Üppig« ist das Gehalt auch nicht wirklich. »Üppig« klingt für mich nach Saus und Braus und Managerboni. Davon kann nun wirklich keine Rede sein, man muss da auch mal die Kirche im Dorf lassen. Nicht zu vergessen, dass die Pfarrer keine Mönche sind. Sie haben kein Armutsgelübde.
Stefan hat geschrieben:Wohin er will, und wie man diesen Widerspruch auflöst - ich weiss es auch nicht.
Ich sehe da keinen Widerspruch, so lange das Geld zur Verwirklichung des Reich Gottes ausgegeben wird. Wo das nicht mehr möglich ist, weil wir die Institutionen gar nicht mehr mit christlichem Geist füllen können, da sollten Überlegungen angestellt werden. Leicht kann man es sich aber auch da nicht machen.

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phylax
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von phylax »

Also 2000 Euro disponibles Einkommen?
Rechnen wir mal die Posten hoch:(monatlich)
Heizung für 100 qm 120 Euro
Wasser 30
Strom 60
Müll 20
Reinigungsfachkraft 180
Tageszeitung 50
Telefon/Internet 30
Handy 50
Rundf. Gebühren 17
Auto 600 (Kalkuliert: 250 EUro Leasing bei 0% Anzahlung, 2000 km Fahrleistung pro Monat
Versicherung incl Kasko: 800 /Jahr, Steuer 250/Jahr, Rücklagen für Reparaturen,Tüv
600/Jahr, neue Reifen 800 Euro alle drei Jahre)
Nicht berechnet: Rücklagen evtl für ein neues Auto, Schutzbrief, etc
Versicherungen 50 (Hausrat,Haftpflicht,Rechtsschutz)
Rücklagen 50 (für Haushaltsmaschinen: Kühlschrank,Herd,Spül- und Waschmaschine,Trockner,
Reparaturen im Haus)
Summa summarum 1257 Euro
bleiben für Kleidung, Essen, Gastfreundschaft,Spenden: 743 Euro
Wenn nicht weitere Kosten abzuziehen sind: Kredite für aufgelaufene Bafög und sonstige Kredite, Neukauf von Möbeln am Anfang der Existenz etc...
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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phylax
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von phylax »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
phylax hat geschrieben:In den Seligpreisungen heißt es: Selig die Armen im Geiste; d. h. das Bewußtsein zu haben, dass man am Ende des Lebens letzlich nichts in den Händen hat, womit man bei Gott punkten kann.
Mehr noch: Es heißt, dem Rat Jesu an den reichen Jüngling: Verkaufe, was du hast, und gib das Geld den Armen! zu folgen – statt traurig fortzugehen. Widersage Mammon, und du wirst hundertfältig erhalten, schon in dieser Welt.
Wobei Guardini ("Der Herr" - die Seite kann ich Dir jetzt nicht nennen) die Forderung JEsu an den reichen Jüngling als Idealforderung wertet. Sie ginge, schreibt er, über das Maß an Forderung hinaus, die jeden angeht: nämlich zunächst einmal die Gebote zu halten
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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

Wo hast Du denn die Zahlen her?

Müll 20 → kommt auf die Gemeinde an: aber zu hoch
Reinigungsfachkraft 180 → wohl nicht zwingend notwendig (bei dem Einkommen auch nicht finanzierbar, sondern unsinniger Luxus zum fröhnen der eigenen Faulheit)
Tageszeitung 50 → zu teuer angesetzt
Rücklagen 50 (für Haushaltsmaschinen: Kühlschrank,Herd,Spül- und Waschmaschine,Trockner (=sinnloser Stromfresser), Reparaturen im Haus) → Bitte mal alle Aufzeigen, die tatsächlich jeden Monat für sowas 50 € zurücklegen.
Summa summarum 1257 Euro
bleiben für Kleidung, Essen, Gastfreundschaft,Spenden: 743 Euro
ICh würde sagen:
Summa summarum 1000 Euro
bleiben für Kleidung, Essen, Gastfreundschaft,Spenden: 1000 Euro
Gruß Jürgen

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Maurus
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Maurus »

Juergen hat geschrieben:Wo hast Du denn die Zahlen her?
Reinigungsfachkraft 18 → wohl nicht zwingend notwendig (bei dem Einkommen auch nicht finanzierbar, sondern unsinniger Luxus zum fröhnen der eigenen Faulheit)
Beichtstuhl oder Putzwedel, das ist hier die Frage. Ne, Spaß...wenn sich ein Pfarrer von seinem Gehalt keine Putzfrau leisten kann, dann sind weitere Diskussionen über die Üppigkeit der Besoldung wirklich hinfällig. Ich kenne Leute (keine Akademiker), die haben sich mit 2 ne Reinigungsfachkraft gesucht, weil die in der Stunde weniger verdient, als sie auf ihrer Stelle verdient haben. »Wenn ich eine Stunde programmiere, dann verdiene ich 35 €. Die Putzfrau kostet 12. Also arbeite ich lieber und lasse putzen, das macht 23 € Gewinn.«
Juergen hat geschrieben:Tageszeitung 5 → zu teuer angesetzt
»Der monatliche Abonnementpreis beträgt 46,9 € inkl. MwSt. und Zustellung im Inland.«
https://www.faz.net/s/Rub52728A6771E4D ... Sform.html

»Für 51,9 EUR monatlich außerhalb Bayerns«
https://service.sueddeutsche.de/leserma ... FBC2F8FE8


Juergen hat geschrieben:Rücklagen 5 (für Haushaltsmaschinen: Kühlschrank,Herd,Spül- und Waschmaschine,Trockner (=sinnloser Stromfresser), Reparaturen im Haus) → Bitte mal alle Aufzeigen, die tatsächlich jeden Monat für sowas 5 € zurücklegen.
Dann musste halt den Dispo überziehen, wenn was kaputt geht. Das kommt dann aufs selbe heraus.
Zuletzt geändert von Maurus am Donnerstag 25. April 2013, 22:25, insgesamt 1-mal geändert.

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phylax
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von phylax »

Juergen hat geschrieben:Wo hast Du denn die Zahlen her?

Müll 20 → kommt auf die Gemeinde an: aber zu hoch
Reinigungsfachkraft 180 → wohl nicht zwingend notwendig (bei dem Einkommen auch nicht finanzierbar, sondern unsinniger Luxus zum fröhnen der eigenen Faulheit)
Tageszeitung 50 → zu teuer angesetzt
Rücklagen 50 (für Haushaltsmaschinen: Kühlschrank,Herd,Spül- und Waschmaschine,Trockner (=sinnloser Stromfresser), Reparaturen im Haus) → Bitte mal alle Aufzeigen, die tatsächlich jeden Monat für sowas 50 € zurücklegen.
Summa summarum 1257 Euro
bleiben für Kleidung, Essen, Gastfreundschaft,Spenden: 743 Euro
ICh würde sagen:
Summa summarum 1000 Euro
bleiben für Kleidung, Essen, Gastfreundschaft,Spenden: 1000 Euro
Soll der Pfarrer die Wohnung selbst putzen? Üblich sind 10 Euro pro Stunde. Und 18 Stunden sind denkbar.
Müll: ich zahle 225 Euro pro Jahr ohne bes. Papierabfälle, Reißwolf etc., was gelegentlich nötig ist.--
Süddeutsche oder Frankfurter Zeitung: nicht unter 50 EUro; wenn man ein bißchen mehr wissen will; dazukommt dann noch evtl. eine Heimatzeitung; vielleicht auch noch eine Wochenzeitung, Periodika der Theologie, Fortbildung, das war alles gar nicht aufgeführt!
HAushaltsmaschinen: Viele Arme in unserem Land kommen ganz gut über die Runden, wenn alles "funktioniert", wehe aber, wenn eines dieser Geräte kaputt geht, dann geht man zum Amt...
Dass "keiner das tut" , nämlich was zurückzulegen- sofern man es kann, ist kein Zeichen der Klugheit!
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Soulfly »

Lehrer verdienen auch viel zu viel.
Und natürlich die Beamten.
Und Politiker.
Polizisten auch.
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von umusungu »

Stefan hat geschrieben:Aber ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann:
Die Kirche in Deutschland ist reich, ihre Mitarbeiter haben ein üppiges Gehalt mit guter materieller Versorgung.
Sie widerspricht insofern jenem franziskanischen Gedanken, den Bischof Franz von Rom in den Vordergrund seines Pontifikats stellt.
Ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann: viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland sind reich - viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland besitzen erhebliches Vermögen.
Woher willst Du wissen, dass Papst Franz an mich und nicht an Dich gedacht hat?
Welches Zeugnis legst Du mit Deinem Gehalt und Deinem Ausgabeverhalten für das Evangelium ab?
Wo und wie läßt Du Dich ansprechen von der Idee der "armen Kirche"?

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Robert Ketelhohn
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Anbei die Besoldungstabelle von Lupus.
Dateianhänge
besoldungstabelle.pdf
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Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Stefan

Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Stefan »

umusungu hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Aber ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann:
Die Kirche in Deutschland ist reich, ihre Mitarbeiter haben ein üppiges Gehalt mit guter materieller Versorgung.
Sie widerspricht insofern jenem franziskanischen Gedanken, den Bischof Franz von Rom in den Vordergrund seines Pontifikats stellt.
Ich bin durchaus der Meinung, dass man sagen kann: viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland sind reich - viele Mitglieder der katholischen Kirche in Deutschland besitzen erhebliches Vermögen.
Woher willst Du wissen, dass Papst Franz an mich und nicht an Dich gedacht hat?
Welches Zeugnis legst Du mit Deinem Gehalt und Deinem Ausgabeverhalten für das Evangelium ab?
Wo und wie läßt Du Dich ansprechen von der Idee der "armen Kirche"?
Ich lege mit Sicherheit kein gutes Zeugnis ab.

Ich habe nie die Berufung zum Priesteramt verspürt, und ich bin auch kein guter Christ,
und die sozialen Agressionen der 70er und 80er Jahre, die ich als Jugendlicher in der Kirche zu spüren bekommen
habe, stecken mir auch heute noch in den Knochen. Ich habe das "soziale" Engagement als verlogen empfunden,
und wahrscheinlich zu sehr "live" miterlebt, wie dort mit einigem manipulativem Geschick Mißbrauch mit dem sozialen
Engagement gutgläubiger Kirchen"mitglieder" (wie Du sie nennst) getrieben wurde.
Diese Erfahrung, und auch das liturgische Grauen jener Zeit hat mich fast aus der Kirche getrieben, und es ist der damalige
Kardinal Ratzinger gewesen, dessen Bücher mich zu der Gewissheit gebracht haben, dass ich offensichtlich doch nicht so
ein gestörtes Verhältnis zur Kirche habe, wie ich dachte, sondern dass etwas anderes die Ursache war.

Ich habe ein Gehalt, mit dem ich zufrieden bin. Als Familienvater von vier Kindern sehe ich es als meine Berufung und Pflicht an,
für die Zukunft der mir Anvertrauten zu sorgen (nicht nur materiell), und bisher funktioniert es ganz gut, was ich als Gnade Gottes empfinde, und wofür ich ihm täglich danke.
Ich zahle in diesem Rahmen meine Kirchensteuer, obwohl ich mich schon seit längerem aus der Ortsgemeinde verabschiedet habe; stattdessen
habe ich mich einer Gemeinschaft zugewendet, die sich nicht aus Kirchensteuern nährt, sondern sich selber um ihre Existenz bemühen muss.

Ich bemühe mich um einen Lebenstil, der weder Wohlstand noch Bescheidenheit nach außen trägt - ob es mir gelingt, müssen andere beurteilen.
Dem franziskanischen Ideal stehe ich wohlwollend gegenüber, aber aus meiner Biographie heraus fühle ich mich eher einem anderen Franz verbunden,
nämlich dem von Sales. Er hat es einmal so formuliert:
"Mache es wie die kleinen Kinder: Mit der einen Hand halten sie sich am Vater fest, mit der anderen pflücken sie Erdbeeren und Brombeeren am Wegrain. So sammle und gebrauche auch du die irdischen Güter mit der einen Hand, mit der anderen halte dich an der Hand des himmlischen Vaters fest. (Philothea III,10; DASal 1,135)"

So, und nun kannst Du Dein Programm abspulen.

Raphael

Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Raphael »

@ Stefan

:daumen-rauf:

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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

phylax hat geschrieben:Soll der Pfarrer die Wohnung selbst putzen? Üblich sind 10 Euro pro Stunde. Und 18 Stunden sind denkbar.
Ich kenne Priester, die das machen.
Da gehe ich allerdings so weit zu sagen: Der Priester kann nur entweder putzen oder für die Gemeinde da sein. Will die Gemeinde, daß er für sie da ist, soll die Gemeinde die Putzfrau bezahlen.
Für Haushälterin liest man dazu im Amtsblatt (siehe meinen Link weiter oben):
Die Höhe der bezuschussungsfähigen Vergütung beträgt bei vollem Beschäftigungsumfang (100 %) in der
a) Vergütungsgruppe I = 1.689,– E/Monat
b) Vergütungsgruppe II = 1.855,– E/Monat
d.h., da gibt es einen entsprechenden Zuschuß von der Diözese. Für Teilzeitkräfte entsprechend weniger. Geht man bei 100% von 37.5 Stunden aus, so liegt der Stundenlohn bei 11,25€. – Es ist also sogar noch mehr, als die von Dir angenommenen 10€/Std. aber es kostet den Pfarrer nur Null €uro.
phylax hat geschrieben:Müll: ich zahle 225 Euro pro Jahr ohne bes. Papierabfälle, Reißwolf etc., was gelegentlich nötig ist.--
Süddeutsche oder Frankfurter Zeitung: nicht unter 50 EUro; wenn man ein bißchen mehr wissen will; dazukommt dann noch evtl. eine Heimatzeitung; vielleicht auch noch eine Wochenzeitung, Periodika der Theologie, Fortbildung, das war alles gar nicht aufgeführt!
HAushaltsmaschinen: Viele Arme in unserem Land kommen ganz gut über die Runden, wenn alles "funktioniert", wehe aber, wenn eines dieser Geräte kaputt geht, dann geht man zum Amt...
Dass "keiner das tut" , nämlich was zurückzulegen- sofern man es kann, ist kein Zeichen der Klugheit!
Ich zahle z.B. für die Müllentsorgung rund 95 Euro pro Jahr. – Das sind eben Kosten, die von Kommune zu Kommune unterschiedlich sind.

Bezüglich der Rücklagen: die vorgeschlagenen 50 Euro sind 600 Euro pro Jahr. Das bedeutet also, daß es jedes Jahr eine neue Waschmaschine geben kann… und trotzdem noch Geld übrig bleibt. Meine Mutter hat jüngst einen neuen Wäschetrockner gekauft nachdem der alte nach 35 Jahren den Geist aufgegeben hat. In den 35 Jahren gab es nur 1x eine kleine Reparatur. Da darf der Trockner dann auch etwas mehr kosten, denn in 35 Jahren hat man ja 21.000 Euro angespart.

Bei anderen in der Rechnung aufgeführten Kosten kann man fragen, ob es der Pfarrer komplett selbst zahlen muß. Etwa das Telefon. Wenn die Gemeinde ein Telefon hat, dann reicht das prinzipiell aus. Er bräuchte dann – wenn überhaupt – nur einen kleinen Anteil an den Kosten zu bezahlen. Will er zusätzlich ein privates Handy mit privater Nummer für private Gespräche und Nummern, dann ist das sein Privatvergnügen.
Ähnlich sehe ich das für wiss. Zeitschriften und Bücher. Da sollte man fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn die von der Gemeinde bezahlt werden und dann, wenn der Pfarrer die Gemeinde verläßt, in die Pfarrbibliothek wandern? Bei Periodika, würde ich sogar sagen, daß sie jährlich gebunden werden sollten und dann auch jährlich in die Bibliothek wandern sollten. – Es muß nicht jeder Pfarrer eine riesige Privatbibliothek besitzen!
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Pilgerer
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Pilgerer »

Interessant wäre die Umstellung von der Pflicht-Kirchensteuer zum freiwilligen Kirchenbeitrag samt "kongregationalistischer" Bestimmung des Priester-Gehalts. Dann könnte die Gemeinde demokratisch bestimmen, wie viel in Abhängigkeit von ihrer Finanzkraft (und Kirchentreue) der Priester bekommt. In vielen Freikirchen ist der Zehnte noch verbreitet, das würde in den katholischen Kirchen sogar ein Einnahmenwachstum bedeuten.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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lutherbeck
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von lutherbeck »

@ Stefan - so bist Du gar nicht katholisch?

:hmm:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

Stefan

Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Stefan »

lutherbeck hat geschrieben:@ Stefan - so bist Du gar nicht katholisch? :hmm:
Wie kommst Du denn darauf? Natürlich bin ich das.

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lutherbeck
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von lutherbeck »

Stefan hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:@ Stefan - so bist Du gar nicht katholisch? :hmm:
Wie kommst Du denn darauf? Natürlich bin ich das.
Hast Du nicht oben geschieben, daß Du Deiner Ortsgemeinde den Rücken gekehrt hast und Mitglied einer anderen Gemeinschaft geworden bist?

:achselzuck:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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taddeo
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von taddeo »

lutherbeck hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:@ Stefan - so bist Du gar nicht katholisch? :hmm:
Wie kommst Du denn darauf? Natürlich bin ich das.
Hast Du nicht oben geschieben, daß Du Deiner Ortsgemeinde den Rücken gekehrt hast und Mitglied einer anderen Gemeinschaft geworden bist?

:achselzuck:
Dein Bild vom Katholischsein leidet etwas an Engführungen, scheint mir. :hmm:
Man muß nicht zwingend in seiner Heimatpfarrei ("Ortsgemeinde") die Seelsorge in Anspruch nehmen, um sich katholisch nennen zu dürfen. Auch zB in Ordenseinrichtungen, an Wallfahrtsorten oder eben in geistlichen Gemeinschaften kann man sich geistlich betreuen lassen. Wo man kirchenrechtlich "hingehört" und wo mit dem Herzen, können durchaus zwei Paar Stiefel sein.

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phylax
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von phylax »

[
Bezüglich der Rücklagen: die vorgeschlagenen 50 Euro sind 600 Euro pro Jahr. Das bedeutet also, daß es jedes Jahr eine neue Waschmaschine geben kann… und trotzdem noch Geld übrig bleibt. Meine Mutter hat jüngst einen neuen Wäschetrockner gekauft nachdem der alte nach 35 Jahren den Geist aufgegeben hat. In den 35 Jahren gab es nur 1x eine kleine Reparatur. Da darf der Trockner dann auch etwas mehr kosten, denn in 35 Jahren hat man ja 21.000 Euro angespart.


Das nenne ich jemanden bewußt missverstehen; es geht bei diesem Monatsbetrag natürlich um die Gesamtheit etwa auftretender Geräteschäden und Reparaturen(!)und nicht nur um die Waschmaschine. Ich dachte,das wäre nicht so schwer zu verstehen. Zähl von mir aus noch die Kosten für das Straßefegen dazu; auch das wird in der Regel der Pfarrer nicht selbst erledigen. (Geh dabei, das gilt auch für die Notwendigkeit einer Putzfrau, davon aus,daß das bei der Gemeinde der Zukunft (wenn zwei Pfarrer 12 oder noch mehr Filialgemeinden betreuen sollen) unabdingbar werden wird)
Was die Lebensdauer von Geräten angeht, kann ich Dir auch eine kürzere Lebensdauer berichten...
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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phylax
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von phylax »

Ähnlich sehe ich das für wiss. Zeitschriften und Bücher. Da sollte man fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn die von der Gemeinde bezahlt werden und dann, wenn der Pfarrer die Gemeinde verläßt, in die Pfarrbibliothek wandern? Bei Periodika, würde ich sogar sagen, daß sie jährlich gebunden werden sollten und dann auch jährlich in die Bibliothek wandern sollten. – Es muß nicht jeder Pfarrer eine riesige Privatbibliothek besitzen!
Ich weiß ja nicht, was Du von Beruf bist; aber es würde mich,wenn ich Pfarrer wäre, schon stören, wenn ich, etwa im Winter, wetterfest und am Ende im Auto in irgendeine Pfarrbibliothek fahren müsste ( die in der Gemeinde der Zukunft vielleicht 10km entfernt liegt), weil ich abends bei der Vorbereitung der Predigt einen Sachverhalt klären und dabei auf das Schrifttum zurückgreifen will. Nein, danke!
Von Gott kommt mir ein Freudenschein,/ wenn Du mich mit den Augen Dein/ gar freundlich tust anblicken

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Juergen
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Juergen »

phylax hat geschrieben:Ich weiß ja nicht, was Du von Beruf bist…
Diplomtheologe :breitgrins:
Gruß Jürgen

Dieser Beitrag kann unter Umständen Spuren von Satire, Ironie und ähnlich schwer Verdaulichem enthalten. Er ist nicht für jedermann geeignet, insbesondere nicht für Humorallergiker. Das Lesen erfolgt auf eigene Gefahr.
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Raphaela
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Raphaela »

phylax hat geschrieben:
Ähnlich sehe ich das für wiss. Zeitschriften und Bücher. Da sollte man fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn die von der Gemeinde bezahlt werden und dann, wenn der Pfarrer die Gemeinde verläßt, in die Pfarrbibliothek wandern? Bei Periodika, würde ich sogar sagen, daß sie jährlich gebunden werden sollten und dann auch jährlich in die Bibliothek wandern sollten. – Es muß nicht jeder Pfarrer eine riesige Privatbibliothek besitzen!
Ich weiß ja nicht, was Du von Beruf bist; aber es würde mich,wenn ich Pfarrer wäre, schon stören, wenn ich, etwa im Winter, wetterfest und am Ende im Auto in irgendeine Pfarrbibliothek fahren müsste ( die in der Gemeinde der Zukunft vielleicht 10km entfernt liegt), weil ich abends bei der Vorbereitung der Predigt einen Sachverhalt klären und dabei auf das Schrifttum zurückgreifen will. Nein, danke!
Ganz abgesehen davon, wieviele der Laien wirklich an dieser Fachliteratur interessiert sind. - Und wenn die Bücherei nach einem Jahr merkt, dass fast keines der geschenkten Bücher ausgeliehen wird, verschwindet es eben aus der Bibliothek.
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

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Linus
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Re: Besoldung deutscher Pfarrer

Beitrag von Linus »

Juergen hat geschrieben:
phylax hat geschrieben:Ich weiß ja nicht, was Du von Beruf bist…
Diplomtheologe :breitgrins:
Du solltest wohl noch "Privatdozent" und "Privatier" hinzusetzen.... :D :D
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