Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

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philipp
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Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Was ist gut daran, dass der Mensch gezwungen ist zu glauben? Ich empfinde das als sehr ärgerlich. Wäre es nicht viel schöner wir wüssten schon dass zB Jesus wahr ist und was genau unser Auftrag ist? Dann wäre unser oberster Auftrag das zu tun was er will. Und das ist sicher nicht langweilig. Denn selbst wenn man Jesus "weiß" ist es nicht einfach ihm nachzufolgen.
Also: Worin liegt der Vorteil, dass wir in den großen Fragen nichts wissen, sondern gezwungen werden zu glauben.

Die Glaubensfragen sind so schwer zu beantworten, dass wir komplett alleine stehen mit dieser riesigen Entscheidung. Wir müssen rein nach Gefühl entscheiden. Im einen Moment kann ich an die katholische Kirche glauben, im nächsten Moment kommt mir die Kirche (ähnlich der Juristerei) wie ein riesiges Kompromisskonstrukt des Zeitgeists vor, in wieder einem anderen Moment überzeugt mich der Islam , in einem weiteren Moment schließe ich mich der nihilistischen Weltsicht an... es ist reine Willkür. Der Glaubensbereich ist viel zu schwammig um sinnvoll konkrete Entscheidungen zu treffen. Warum lässt Gott (wenn es ihn gibt) uns so allein? Was ist der Sinn dahinter?

Ratzinger hat mal sinngemäß gesagt: Gott kann alles tun, nur nicht das sinnlose/widersinnige. Wo ist hier der Sinn "Eures" Gottes?
Ich habe weder Philosophie, noch Juristerei oder Medizin, und leider auch nicht Theologie studiert.

Jakobgutbewohner
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

In dieser Situation kann sich jeder Mensch besonders frei entscheiden sich dem Geist/Vater zuzugesellen, den er am meisten mag.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

jeder braut sich sein eigenes bier? dann ist kein bier mir was wert. da finde ich es besser, uns allen ist die wahrheit klar und wir können uns ihr zuwenden
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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Verfahren wir mal nach Pascals Spieltheorie.

Es gibt folgende 3 Möglichkeiten:

1. Der Islam, das Christentum oder eine andere Religion ist richtig
2. Es gibt einen anderen Sinn/Gott
3. Es gibt keinen Sinn/Gott

Jetzt geht es darum, wie man am besten durchs Leben schreitet wenn alle 3 Ausgänge möglich sind.

Und da ist der stets suchende, der offene am besten dran. Wenn es keinen Sinn/Gott gibt (ad 3) spielt das Transzendentale keine Rolle und ich sitze keiner falschen weltverzerrenden Phantasie auf. Wenn es einen anderen Sinn/Gott gibt (ad 2) werde ich diesen am ehesten finden wenn ich stets suchend bleibe.

Wenn eine der existierenden Religionen richtig ist, hat der Suchende auch die grösste Chance sie zu finden. Wer sich nämlich nur zu 90% sicher ist und trotzdem in den Glauben abfällt der blendet sich selbst. Das kann nie gut sein da eine recht hohe Fehlerquote da ist und man schwer aus dem falschen Glauben herauskommt wenn man einmal in ihm steckt. Wer stets wartet und offen für eine (sichere!) Antwort ist, der hat die beste Chance die Wahrheit zu finden so sie denn in einer Religion ist (ad 1)
Ich habe weder Philosophie, noch Juristerei oder Medizin, und leider auch nicht Theologie studiert.

Trisagion
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Trisagion »

Man sucht um zu finden. Der stets Suchene sucht überhaupt nicht, denn er kann ja nie etwas finden. Man ist offen um anzunehmen. Der immer Offene ist überhaupt nicht offen, denn er kann ja nie etwas annehmen.

Das Verhalten von Transzendez zu Wissen ist wie das eines Diamanten zu Fassung und Schliff. In den Händen eine Juweliers wird aus dem Rohdiamenten erst recht ein strahlende Wunder. Wer aber versucht mit Hydraulikpresse, Laserkanone und Säuren zum wahren Geheimnis des Diamanten durchzudringen, der schafft es irgendwann sicher selbst einen Diamanten zu zerlegen. Er stellt dann fest, daß er doch nur Kohlenstoff war. Aber andere Leute haben doch diese schönen Glitzerdinger... weiter geht die Jagd.

Dein Weg führt zum Atheismus oder zur Sekte. Denn entweder gestehst Du Dir irgendwann ein, daß es Zeitverschwendung ist sich alle Optionen offen zu halten, wenn man doch nichts wählt. Oder ein charismatischer Mensch nützt Deine Sehnsüchte zu seinen Zwecken aus.

Du scheinst mir unter starkem Druck zu stehen. Wer weiß, wer oder was den zu welchen Zwecken ausübt. Mein Deutschlehrer hat mich mal ein Jahr lang mit Gedichte analysieren malträtiert, klassische Gedicht die mich keinen Deut interessierten einer Analyse unterzogen die noch ihren letzten Reiz zerredete. Danach konnte ich über ein Jahrzehnt lang kein Gedicht anschauen... "Nichts für mich" war meine feste Meinung. Heute weiß ich, daß ich Poesie liebe. Aber eben nicht diese, und nicht so.

Irgendwer oder irgendwas, denke ich, versaut Dir gerade ähnlich die Religion. Wenn ich damit richtig liege, dann würde ich sagen: soweit Du kannst, laß die Dinge einfach mal ruhen, bist Dir der ausgetriebene Geschmack wiederkommt, so wie er für Dich richtig ist, nicht erzwungen. Und wenn Du um diese Ruhe kämpfen mußt, dann bitte sehr. Aber behalte im Kopf, daß Du nicht wirklich die Religion ablehnst, sondern nur wie Du damit eingepfercht wirst.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Wahrscheinlich ist irgendawas wahres an deinem Rat zur Ruhe dran.

Deswegen begnüge ich mich jetzt mal damit, zu präzisieren, dass ich nicht meinte, dass man immer offen bleiben soll. Man soll sich nur nicht zu schnell festlegen. An etwas zu glauben, nur weil man ein wages Gefühl hat dass es wahr sein könnte ist doch naiv.

Ich unterstelle das niemandem, aber ich selbst finde halt keine sichere Antwort im Glauben und wundere mich, dass andere das anders sehen.

Und fraglich bleibt auch, warum dann so viel über Religionen diskutiert wird, wenn sie im Endeffekt mit der Schönheit eines Diamanten oder der Eleganz eines Gedichts vergleichbar sind. Wenn Religion eine reine Geschmacks- (= Glaubens-) Frage ist, warum streitet man darüber.

Hätte ich den scheinbar schönsten Diamanten der Welt gefunden, würde ich versuchen ihn allen Menschen auf der Welt zu zeigen, damit sie sich auch daran freuen können. Aber was habe ich davon wenn ich die Schönheit versuche zu begründen? Was habe ich davon wenn ich die Schönheit versuche zu vergleichen?
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Jakobgutbewohner
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 11. Februar 2021, 23:19
jeder braut sich sein eigenes bier? dann ist kein bier mir was wert. da finde ich es besser, uns allen ist die wahrheit klar und wir können uns ihr zuwenden
Bier? Vielleicht geht es gerade darum, daß der Mensch eine Herzensentscheidung trifft, keine aus einem äußeren Wissen heraus. Unser Herz fasst unser Leben. Daran würde kein Kalkül aus "Wissen" etwas ändern. Die wesentliche Frage stellt sich auf der Herzensebene. Und was das Herz möchte, das richtet sich danach welchen geistigen "Herrn" er liebt, sich ihm in seiner Herzenswahrheit letztlich aus seiner eigenen Entscheidung zuwendet.
philipp hat geschrieben:
Freitag 12. Februar 2021, 13:29
An etwas zu glauben, nur weil man ein wages Gefühl hat dass es wahr sein könnte ist doch naiv.
Oder gerade nicht? Wo käme dieses vage Gefühl dann her? Richtet es sich zu bestimmten Dingen hin?
Wenn Religion eine reine Geschmacks- (= Glaubens-) Frage ist, warum streitet man darüber.
Es geht um Fragen folgereichster Wahrheiten. Zusätzlich zu der Frage, ob jemand bestimmte Ansichten für sich irgendwie schön findet.

Trisagion
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Trisagion »

philipp hat geschrieben:
Freitag 12. Februar 2021, 13:29
Und fraglich bleibt auch, warum dann so viel über Religionen diskutiert wird, wenn sie im Endeffekt mit der Schönheit eines Diamanten oder der Eleganz eines Gedichts vergleichbar sind. Wenn Religion eine reine Geschmacks- (= Glaubens-) Frage ist, warum streitet man darüber.

Hätte ich den scheinbar schönsten Diamanten der Welt gefunden, würde ich versuchen ihn allen Menschen auf der Welt zu zeigen, damit sie sich auch daran freuen können. Aber was habe ich davon wenn ich die Schönheit versuche zu begründen? Was habe ich davon wenn ich die Schönheit versuche zu vergleichen?
Jede Analogie hat ihre Grenzen.

In Gott fallen Schönheit, Wahrheit und Gutheit in Einheit zusammen. Du kannst viel an Religion "ausschließen" (zumindestens in dem Sinne, daß es Besseres gibt) wenn Du Dich nicht nur auf einen der Aspekte versteifst. Man kann die rechte Religion doch recht weitgehend "triangulieren". Aber nicht vollständig, es bleiben da sicher deutliche Unsicherheiten. Und nicht zuletzt ist das alles kein Geheimnis, und die besten Teile jeder Religion triangulieren immer zu Gott hin, in den Grenzen ihrer jeweiligen Möglichkeiten. So ein wenig wie Pflanzen sich beim Wachsen zum Sonnenlicht hinkrümmen. Das macht es schwieriger Religionen komplett abzulehnen, denn es gibt fast immer bewunderungswürdige Dinge und Leute in einer Religion.

Mir ging es mehr darum Deine Versteifung auf die Wahrheit etwas zu durchbrechen. Weder ist der Fokus nur auf die Wahrheit zielführend (man kann nicht mit einer Linie triangulieren), noch tut es einem persönlich gut sich an Beweisbemühungen zu zerreiben. Schönheit oder Gutheit sind notwendig um uns zu motivieren, gerade auch auf der Suche nach Wahrheit.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Was bringts schon wenn ich noch drauf antworte. Jedes Wort ist vergeblich um näher ans Ziel zu kommen.

Aber danke für den Beitrag.
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josephmaria
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von josephmaria »

philipp hat geschrieben:
Donnerstag 11. Februar 2021, 21:38
Was ist gut daran, dass der Mensch gezwungen ist zu glauben?
Gezwungen ist der Mensch eben nicht. Aber es kann sehr heilsam sein, glauben zu dürfen.
Das moralisch Gute bestimmt sich erst durch die Freiheit, das Schlechte tun zu können.
Niemand würde sagen, dass ein Mensch, der zu einer Handlung gezwungen wurde, moralisch gut gehandelt hat.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Ich habe nie davon gesprochen dass ich dazu gezwungen werde etwas zu tun.

Wäre exakt klar was gut und böse ist dann kannst du dich immer noch für das eine oder andere zu entscheiden. Aber es ist eben nicht klar.
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josephmaria
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von josephmaria »

Das funktioniert auch gar nicht. Kein Mensch kann Dich zwingen etwas zu glauben. Gezwungen werden kannst Du nur zu äußeren Dingen. Über Deine inneren Dinge kann niemand befinden und sie lassen sich auch nicht erzwingen.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Warum hat Gott sich nicht so offenbart dass es unmöglich ist anzuzweifeln was gut und was böse ist?

Das ist meine Frage
Ich habe weder Philosophie, noch Juristerei oder Medizin, und leider auch nicht Theologie studiert.

Jakobgutbewohner
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

Weil es hier darum geht, wohin es den Menschen mit seinem Herz zieht, nicht was er eher nach äußeren Begebenheiten als irgendwie vorteilhaft erkennt?

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josephmaria
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von josephmaria »

philipp hat geschrieben:
Sonntag 21. Februar 2021, 19:30
Warum hat Gott sich nicht so offenbart dass es unmöglich ist anzuzweifeln was gut und was böse ist?
Das ist meine Frage
Hat er doch. Die Offenbarung richtig zu verstehen, ist ein ganz anderes Thema, das bei uns Menschen angesiedelt ist.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

josephmaria hat geschrieben:
Sonntag 21. Februar 2021, 20:40
philipp hat geschrieben:
Sonntag 21. Februar 2021, 19:30
Warum hat Gott sich nicht so offenbart dass es unmöglich ist anzuzweifeln was gut und was böse ist?
Das ist meine Frage
Hat er doch. Die Offenbarung richtig zu verstehen, ist ein ganz anderes Thema, das bei uns Menschen angesiedelt ist.
hat er nicht. es irrt sich ein Großteil der Menschen. 1,x Milliarden Katholiken und davon ein Teil gläubig. Das Problem liegt eindeutig bei Gott, der sich nicht entsprechend offenbart hat. Nur weil du den Glauben hast, darfst du nicht auf die Fähigkeit der Menschen schließen.
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Bruder Donald
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Bruder Donald »

Warum wäre es denn potenziell "schlecht", wenn der Mensch über alle großen Fragen sicheres Wissen besitzen würde?
Ich würde jetzt hinzufügen, unabhängig davon, dass der Mensch rein funktionell nicht kann, aber kann man das überhaupt unabhängig betrachten?
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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

endgültig kann der mensch nie irgendwas wissen. aber gott hätte sich auf eine solche weise kenntlich machen können, dass er für uns so sicher ist, wie der apfel in der obstschale.

was daran schlecht wäre weiss ich nicht. so wie es jetzt ist, sind viele menschen, wie auch ich im raum der ungewissheit gefangen, andere glauben vergeblich, wieder andere schaffen es gott zu fassen durch reines glück... sehe keinen vorteil darin.

und wenn gott sich uns mit relativer sicherheit offenbart hätte (apfel...obstschale), dann hätte das keine nachteile. jeder könnte sich für oder gegen ihn entscheiden und gott wäre trotzdem noch allmächtig.
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Jakobgutbewohner
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

Warum mischten sich früher manche Könige unter das Volk und schauten, was es wirklich tut und sagt? Wie wäre es zu bewerten, wenn der König später dann als König einige beobachtete Menschen in einen anderen Stand erhebt und viele andere zu murren begännen: "Hätte der König sich doch eindeutig zu erkennen gegeben, dann hätten wir uns auch anders verhalten."?

Tinius
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Tinius »

philipp hat geschrieben:
Montag 22. Februar 2021, 14:25
Das Problem liegt eindeutig bei Gott, der sich nicht entsprechend offenbart hat.
Das schrieb Celsus auch schon. Porphyrios auch. Allah hat sich nicht allen offenbart......also gibt es ihn/sie/es nicht. Das ist die Logik, die zu kurz springt.

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Bruder Donald
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Bruder Donald »

Tinius hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 10:20
Das ist die Logik, die zu kurz springt.
Aus der Sicht eines Gläubigen, ist das richtig.
Nur wie erklärst du/man es einem, den diese Frage umtreibt?
Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess 5,21)

Trisagion
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Trisagion »

Bruder Donald hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 11:13
Tinius hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 10:20
Das ist die Logik, die zu kurz springt.
Aus der Sicht eines Gläubigen, ist das richtig.
Nur wie erklärst du/man es einem, den diese Frage umtreibt?
Gibt es mich, für Dich? (Unter der Annahme, daß Du weder Hacker noch Interpol bist.)

Kannst Du auf mich zeigen? Kannst Du mich empirisch detektieren? Kannst Du mich logisch beweisen?

Nein. Und trotzdem glaubst Du fest, daß ich existiere (nehme ich jedenfalls an). Warum?

Weil ich mit Dir rede, zuhöre, reagiere. Und auch, weil Du aus meiner Rede eine einheitliche Persönlichkeit herausfühlen kannst. Es ist eher unwahrscheinlich, daß ich irgendein Troll-Kollektiv bin, ein Pseudonym für eine Gruppe. Ich "mache Sinn" als eine bestimmte menschliche Person die hier anonym schreibt.

Wenn Dich jetzt jemand nach "Trisagion" fragt, nach einem "Beweis" daß es diese Person gibt, was machst Du?

Zeigst Du auf mich? Baust Du einen Detektor? Erarbeitest Du einen logischen Beweis?

Nein. Du sagst soetwas wie "Hier, geh nach kreuzgang.org. Tris schreibt da regelmäßig. Du kannst selber mit ihm im Forum reden. Oder ihm vielleicht sogar eine PM schicken. Schau halt selber mal."

Nun, genauso ist es mit Gott. Gott ist "verborgen" in der Welt, aber nur in dem Sinne in dem ich "verborgen" bin im Internet. Gott ist aber auch zugänglich, genau wie ich zugänglich bin. Die Form des Zugangs nennen wir bei mir "Internet, Forum, PM, ..." Bei Gott nennen wir sie "Religion, Riten, Mystik, Gebete, ..."

Wer verlangt Gott zu sehen ohne Religion ist wie jemand der mich sehen will ohne Internet. Es gibt Leute, die das können. Meine Familie, meine Freunde, Leute mit denen ich zusammen lebe. Die Kreuzgängler sind aber nicht ganz in dieser Kategorie. Vielleicht kann man bei einigen von ihnen sagen "noch nicht". Aber das heißt trotzdem nicht, daß sie keinen Zugriff auf mich haben. Wie auch dieser Beitrag wieder beweist...

Dr.Hackenbush
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Dr.Hackenbush »

philipp hat geschrieben:
Montag 22. Februar 2021, 14:25
Das Problem liegt eindeutig bei Gott, der sich nicht entsprechend offenbart hat.
was wäre für Dich entsprechend?
Wie hätte Gott sich offenbaren müssen, damit diese Offenbarung für Dich entsprechend wäre?

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

So wie Tris es beschreibt hätte ich es gerne. Einfach auf Gott.org gehen und Hallo sagen...

Aber was Tris als durch Riten zugänglichen Gott beschreibt ist nicht so eindeutig wie es der Vergleich mit seiner eigenen Identität hier im Internet vermuten lässt.

Gott ist eben nicht auf Gott.org zu finden. Eher ist es so, dass ich ganz viele Gott-Websites finde, wo Leute behaupten man könne hier diesen Gott finden. Wo er ist, kann man, wenn man das kann, ausprobieren, aber es ist viel unklarer als es hier dargestellt wurde und es ist noch nicht mal sicher dass ich ihn irgendwo finde.
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

Dr.Hackenbush hat geschrieben:
Dienstag 23. Februar 2021, 13:33
was wäre für Dich entsprechend?
Wie hätte Gott sich offenbaren müssen, damit diese Offenbarung für Dich entsprechend wäre?
Ich habe keine Ahnung. Aber eine Möglichkeit die mir spontan einschiesst wäre dass er dem Menschen anstelle des vagen Gewissens eine geistige Telefonzelle direkt zu Gott hätte einbauen können. Diese Telefonzelle könnte sich dann ab und an läutend melden oder man könnte freiwillig in sie hinein gehen und mit dem lieben Gott reden.

Dann bestünde wohl wenig Zweifel bei so direkter Gotteserfahrung.

Wenn Gott nicht zu leugnen ist, dann fällt starrer Materialismus zwar weg, aber der Teufel bleibt immer noch. Ich sehe nicht wo hier die Würze des Lebens verloren ginge
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Trisagion
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Trisagion »

Diese "geistige Telefonzelle" gibt es selbstverständlich. Nennt sich "Gebet".

Nun ist Gebet nicht gleich Gebet, und Beter nicht gleich Beter. Ob Gott Dich in naher Zukunft so auf Abruf zutexten wird wie die Telefonseelsorge will ich mal dahin gestellt sein lassen. Ob das Du wirklich willst, auch. (Ein heißer Draht zum lieben Gott ist meist mit einer kurzen Lebenserwartung verbunden, und auch mit einem ... interessanten Leben.)

Aber wenn es Dir wirklich daran gebricht, zu wenig von Gott zu hören, wie wäre es denn dann damit zu versuchen die eigenen Ohren ein wenig mehr zu öffnen, durch konkrete Praxis? So schwer ist es nun auch wieder nicht.

Und ja, Gott könnte selbstverständlich viel "abrufbarer" sein. Die Welt und das Leben könnten generell viel einfacher sein. ... Waren sie übrigens auch. Aber bei einfachsten denkbaren Test sind wir Menschen mit Pauken und Trompeten durchgefallen, und nun ist eben ein schwieriger Test dran. Darüber kann man sich aufregen, muß man aber nicht.

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philipp
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von philipp »

"(Ein heißer Draht zum lieben Gott ist meist mit einer kurzen Lebenserwartung verbunden, und auch mit einem ... interessanten Leben.)"

du meinst "verrückte" Leute?

"Aber bei einfachsten denkbaren Test sind wir Menschen mit Pauken und Trompeten durchgefallen, und nun ist eben ein schwieriger Test dran. "

du meinst nur adam und eva oder schreibst du im plural "einfachsten denkbaren test(s)"?



das mit dem beten ist so eine sache. das würde ich gar nicht ernsthaft wollen solange ich nicht weiss dass ich mit gott rede und nicht mit einer phantasie-projektion. habe angst da komplett mich in etwas zu versteigen und sozusagen von mir selbst besessen zu werden. gibt genug leute denen ihr glauben nicht gut tut. und wenn es jesus, allah oder sonst wen nicht gibt, ich mir das aber vorstelle, ist das sicher nicht gut.

ins leere hineinbeten funktioniert aber irgendwie nicht so gut.. sobald irgendwas "kommt" weiss ich ja nie ob ich das bin oder der liebe gott. wie soll ich das auch wissen...
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Lycobates
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Lycobates »

Glauben ist auch über seinen eigenen Schatten springen.
Dem überdimensionierten eigenen Ego seinen Platz zuweisen.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 11:16
Dem überdimensionierten eigenen Ego seinen Platz zuweisen.
Wie definierst du "Ego"?

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Lycobates
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Lycobates »

Jakobgutbewohner hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 11:32
Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 11:16
Dem überdimensionierten eigenen Ego seinen Platz zuweisen.
Wie definierst du "Ego"?
Den eigenen Willen, das eigene Empfinden, das autonome Selbst.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Trisagion
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Trisagion »

philipp hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 09:52
du meinst "verrückte" Leute?
In gewissem Sinne... ich meinte "heroische Heilige und Märtyrer", die Sorte die kanonisiert wird.
philipp hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 09:52
du meinst nur adam und eva oder schreibst du im plural "einfachsten denkbaren test(s)"?[/i]
Korrekt, ich meinte "nur" Adam und Eva.
philipp hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 09:52
das mit dem beten ist so eine sache. das würde ich gar nicht ernsthaft wollen solange ich nicht weiss dass ich mit gott rede und nicht mit einer phantasie-projektion. habe angst da komplett mich in etwas zu versteigen und sozusagen von mir selbst besessen zu werden. gibt genug leute denen ihr glauben nicht gut tut. und wenn es jesus, allah oder sonst wen nicht gibt, ich mir das aber vorstelle, ist das sicher nicht gut.
Womit wir beim eigentlichen Knackpunkt der Geschichte wären. Du willst garnicht mit Gott reden. Du willst halt Zeichen und Wunder. Gott soll sich erstmal beweisen, dann redest Du vielleicht mit ihm. Wenn der Beweis überzeugend genug war...
philipp hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 09:52
ins leere hineinbeten funktioniert aber irgendwie nicht so gut.. sobald irgendwas "kommt" weiss ich ja nie ob ich das bin oder der liebe gott. wie soll ich das auch wissen...
Warum traust Du eigentlich Deinen Augen? Es gibt schließlich ganz Berufsstände deren Aufgabe es ist Deine Augen zu täuschen, von Magiern und Trickbetrügern bis zu Künstlern und der Filmindustrie. Teure Zeigerinstrumente haben einen Spiegelspalt hinter dem Zeiger damit Du Ablesefehler durch Parallaxe vermeiden kannst. Ohne den verfälschst Du vielleicht gar die hochheilige Objektivität der Wissenschaft durch Deine Fehler in der Sinneswahrnehmung. Und trotzdem sind Dir Deine Augen Inbegriff der sicheren Wahrnehmung.

Du traust Deinen Augen, weil Du recht gut einordnen kannst was "normal" ist, weil Dir klar ist unter welchen Umständen Du vermutlich getäuscht wirst.

Nun, hurrah, soetwas gibt es auch in der Religion. Nennt sich Dein Gewissen (und noch grundlegender Synderesis). Nun ist Dein Gewissen zugegebenermaßen manipulierbar durch Erziehung, und untrainiert auch nicht gerade super-genau. Aber es reicht. Wenn Deine Religion Dir z.B. mitteilt, daß Du ganz dringend Dutzende von Leuten mit einer Bombe hochjagen mußt, dann wirst Du aktiv daran arbeiten müssen Dein Gewissen ruhig zu stellen. Gleichfalls wenn Dein Kult zum Massenselbstmord aufruft, oder zum erzwungenen Sex mit jugendlichen Mitgliedern (alles reale Beispiele, leider).

Dir sind Gottes Gesetze ins Herz gelegt um Dich vor dem Schlimmsten zu bewahren, auch und gerade in der Religion. Diese Stimme Gottes ist nicht schwer zu finden, sie ist vielmehr schwer zu unterdrücken.

Jakobgutbewohner
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Re: Warum ist es *gut* dass man in den großen Fragen Glauben muss?

Beitrag von Jakobgutbewohner »

Lycobates hat geschrieben:
Mittwoch 24. Februar 2021, 11:35
Den eigenen Willen, das eigene Empfinden, das autonome Selbst.
In der Bibel lese ich z.B., daß das Herz eines Menschen so oder so ausgerichtet sein kann. Aber wäre das was jeweils das Herz mag dann nicht immer "Ego", auch wenn es bei Gott sein mag?

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