Clemens hat geschrieben:
Freilich gibt es "schwierige Grenzfälle". Die mögen in der juristischen Beurteilung des Täters eine Rolle spielen. Für das Opfer bleibt es aber doch gleich. Ich weigere mich daher, Fr.Roger als Unfallopfer zu bezeichnen. Er ist im moralischen Sinne ein Mordopfer.
Wie definierst Du Mord im moralischen Sinn? Eine moralische Bewertung muß doch ebenfalls beim Täter und dessen Intention ansetzten, oder?
Übrigens: Für das Opfer bleibt es auch gleich, ob vom Deckenstuck oder einem geistig verwirrten Menschen erschlagen wird. Unter Umständen bekommt es die Ursache seines Todes in diesem Leben noch nicht einmal mehr mit.
Kilianus hat geschrieben:
Bist Du Dir bewußt, daß auch Du zum Beispiel infolge einer physischen Hirnverletzung Deine Steuerungsfähigkeit verlieren und Straftaten begehen könntest?
Ehrlich gesagt: nein.
Wie geht das? Durch eine Hirnverletzung kann ich zum absichtlichen Mörder werden, der ein Verbrechen plant und ausführt? Ich bin kein Mediziner - "nur" Theologe - daher bitte ich um Horizonterweiterung!
Ich kann bei dem Thema auch nur mit dunklen Erinnerungen an Moral-Vorlesungen dienen.
Klassiker ist der Fall des Sprengmeisters Phineas P. Gage. Bei einem Unfall 1848 bohrte sich eine Eisenstange durch sein Hirn. Er überlebte und blieb auch weitgehend unbeeinträchtigt, war aber nicht mehr in der Lage, sich moralisch zu verhalten. Er hat zwar keine schweren Verbrechen verübt, aber: "Die Balance zwischen seiner intellektuellen Fähigkeit und seinen animalischen Trieben war zerstört", notierte sein Arzt. Vergleichbare Fälle sind seither immer wieder beobachtet worden.
Und im übrigen sind war alle nicht davon gefeit, daß irgend etwas anderes in unserem Hirn durcheinanderkommt - und wir irgendwann die berühmten Stimmen hören, die uns Dinge tun lassen, von denen wir nicht gedacht hätten, daß wir sie tun würden...