Welche Musik mögt ihr? (II)

Von Orgelpfeifen, Zimbelspielern und Kantoren.

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RomanesEuntDomus
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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von RomanesEuntDomus » Freitag 7. Juli 2017, 11:08

Ein starkes Lied! Es scheint mir so, daß wir immerhin einen ähnlichen Musik- und Textgeschmack haben, auch nachdem du neulich in einem anderen Strang den schönen protestantischen Choral "Lobe den Herren" als Evergreen bezeichnet hast, und das, obwohl ein guter Katholik normalerweise nur die abgeflachte Version aus den 1970er Jahren (GL392/EG316) kennt, die extra für ökumenischen Gebrauch zurechtgebastelt wurde.

Die Böhmischen Brüder, von denen das oben von dir zitierte Lied "Sonne der Gerechtigkeit" stammt (und dreimal darfst du raten, wen sie meinten, wenn sie von der "toten Christenheit" sangen), hätten sich vermutlich gewundert, wenn sie gewußt hätten, daß ein halbes Jahrtausend später ein katholischer Forant ihren Text benutzen würde, um in einem katholischen Forum das letzte Wort gegenüber anderen Katholiken zu behalten.

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Raphael
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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Raphael » Freitag 7. Juli 2017, 12:13

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 11:08
Ein starkes Lied! Es scheint mir so, daß wir immerhin einen ähnlichen Musik- und Textgeschmack haben, auch nachdem du neulich in einem anderen Strang den schönen protestantischen Choral "Lobe den Herren" als Evergreen bezeichnet hast, und das, obwohl ein guter Katholik normalerweise nur die abgeflachte Version aus den 1970er Jahren (GL392/EG316) kennt, die extra für ökumenischen Gebrauch zurechtgebastelt wurde.

Die Böhmischen Brüder, von denen das oben von dir zitierte Lied "Sonne der Gerechtigkeit" stammt (und dreimal darfst du raten, wen sie meinten, wenn sie von der "toten Christenheit" sangen), hätten sich vermutlich gewundert, wenn sie gewußt hätten, daß ein halbes Jahrtausend später ein katholischer Forant ihren Text benutzen würde, um in einem katholischen Forum das letzte Wort gegenüber anderen Katholiken zu behalten.
Nun, es dauerte eben seine Zeit bis die protestantische Verflachung des katholischen Glaubens soweit in den katholischen Glauben eindringen konnte, daß selbige theologische Dünnbrettbohrerei in weiten Kreisen des Katholizismus akzeptiert wird. Wissenschaftlich betrachtet: Die Prozesse in Glaubenssystemen sind "etwas" langwieriger als in anderen sozialen Systemen. :anton:

Im Übrigen fallen mir noch mehr protestantische Lieder ein, die ins Gotteslob Einzug gehalten haben und die da gut hinpassen! :ja: Zu Joachim Neander habe ich sogar - wenn man so will - eine persönliche Beziehung, weil ich in der Nähe des Neandertales großgeworden bin. Auch die Musik von J.S. Bach ist ein Genuß.
Aber nicht nur Lieder oder Musik, auch manche Texte bspw. von Dietrich Bonhoeffer sind ausgesprochen erbaulich. Unter keinen Umständen zu vergessen ist der ehemalige Protestant Dietrich von Hildebrand, einer meiner Lieblingsphilosophen. Martin Mosebach hat einen lutherischen Vater; es ist nicht alles schlecht, was aus der protestantischen Ecke kommt. :unbeteiligttu:

All diese positiven Seiten am Protestantismus können jedoch die theologischen Fehlhaltungen der Reformatoren nicht überdecken oder gar wettmachen. Um es salopp zu sagen: Man sollte sich nicht an der Ökumene "besaufen", sondern die Differenzen klar benennen, damit man sich nicht selber betrügt oder - was noch schlimmer wäre - andere Gläubige gleich mit.

Was die tote Christenheit anbetrifft: Es gibt sie in allen drei christlichen Konfessionen; absterbende Teile, die eigentlich zum Leib Christi gehören sollten. Manche verlieren - aus welchen Gründen auch immer - aus dem Gedächtnis, wer Rebe und wer Weinstock ist. :(

P.S. Einen "muß" ich noch hinterherschieben:
Die Bücher von Scott Hahn habe ich ebenfalls mit großem Gewinn gelesen! :daumen-rauf:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Romanus
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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Romanus » Freitag 7. Juli 2017, 13:02

Raphael hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 12:13
Aber nicht nur Lieder oder Musik, auch manche Texte bspw. von Dietrich Bonhoeffer sind ausgesprochen erbaulich.
Ja, "Von guten Mächten treu und still umgeben" (GL 430).
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Pilgerer » Freitag 7. Juli 2017, 15:04

Raphael hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 12:13
Was die tote Christenheit anbetrifft: Es gibt sie in allen drei christlichen Konfessionen; absterbende Teile, die eigentlich zum Leib Christi gehören sollten. Manche verlieren - aus welchen Gründen auch immer - aus dem Gedächtnis, wer Rebe und wer Weinstock ist.
Es ist ganz einfach: Der Herr kennt die Seinen ;)

Die Frage ist, wer die Stimme des guten Hirten kennt und sie von anderen Stimmen unterscheiden kann.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Raphael » Freitag 7. Juli 2017, 15:41

Pilgerer hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 15:04
Raphael hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 12:13
Was die tote Christenheit anbetrifft: Es gibt sie in allen drei christlichen Konfessionen; absterbende Teile, die eigentlich zum Leib Christi gehören sollten. Manche verlieren - aus welchen Gründen auch immer - aus dem Gedächtnis, wer Rebe und wer Weinstock ist.
Es ist ganz einfach: Der Herr kennt die Seinen ;)
Und genau das ist vermutlich zu simpel gedacht, weil damit im Endeffekt alles in die Eschatologie verschoben würde. :pirat:
Pilgerer hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 15:04
Die Frage ist, wer die Stimme des guten Hirten kennt und sie von anderen Stimmen unterscheiden kann.
Die Gabe der Unterscheidung ist eine vom Heiligen Geist verliehene. Diese kann man sich nicht per Selbstermächtigung anmaßen oder etwa von unten nach oben delegieren.
Und weil das so ist, muß sich die Weitergabe dieser Gabe in den Strukturen der Kirche abbilden, selbst wenn dadurch eine Beschränkung dieser Gabe eintreten sollte. Dies liegt in der Logik des einen Ursakramentes, des Herrn Jesus Christus.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Romanus » Freitag 7. Juli 2017, 20:12

Raphael hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 15:41
Die Gabe der Unterscheidung ist eine vom Heiligen Geist verliehene. Diese kann man sich nicht per Selbstermächtigung anmaßen […].
Jedoch kann jeder Christ die Voraussetzungen schaffen, indem er sich für den Heiligen Geist offen hält, sich Jesus zuwendet, sich der Liebe hingibt, sich öffnet. Die Voraussetzung ist Nüchternheit bzw. die Wachheit, von der Herr spricht: „Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wachet!“ (Markus 13,37)

Sich von morgens bis abends mit Medienkonsum, einer von Medien konstruierten und einer von Negativität geprägten Wirklichkeit, sich mit Fressen, Saufen und anderen Drogen sowie Sex unter Drogeneinfluss zu betäuben, verhindert die Unterscheidung der Geister nur.
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Raphael » Sonnabend 8. Juli 2017, 07:00

Romanus hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 20:12
Raphael hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 15:41
Die Gabe der Unterscheidung ist eine vom Heiligen Geist verliehene. Diese kann man sich nicht per Selbstermächtigung anmaßen […].
Jedoch kann jeder Christ die Voraussetzungen schaffen, indem er sich für den Heiligen Geist offen hält, sich Jesus zuwendet, sich der Liebe hingibt, sich öffnet. Die Voraussetzung ist Nüchternheit bzw. die Wachheit, von der Herr spricht: „Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wachet!“ (Markus 13,37)
Vollkommen richtig! :ja:
Es gibt einen Eigenbeitrag des Menschen bei der Erlangung des Heiles. Dieser Eigenbeitrag wurde zwar in den konfessionellen Disputen gerne als Werkgerechtigkeit diffamiert, jedoch trifft diese Kritik nicht den Kern dessen, was eben mit diesem Eigenbeitrag gemeint ist.
Romanus hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 20:12
Sich von morgens bis abends mit Medienkonsum, einer von Medien konstruierten und einer von Negativität geprägten Wirklichkeit, sich mit Fressen, Saufen und anderen Drogen sowie Sex unter Drogeneinfluss zu betäuben, verhindert die Unterscheidung der Geister nur.
All diese geschilderten Fehlhaltungen sind nach außen erkennbare Zeichen für im jeweiligen Menschen vorhandene Gesinnungen. Es ist ein Suchtverhalten, welches nicht den freien Willen des jeweiligen Menschen repräsentiert, sondern eben den unfreien.

Man sollte keine Angst vor Unterscheidungen entwickeln, denn sie helfen dem Menschen, sich in der Schöpfung zurechtzufinden. Streng genommen sind sie sogar für die Orientierung unbedingt lebensnotwendig.
Allerdings gilt auch bei den Unterscheidungen: Allzuviel tut selten gut! :)
Immer nur zu differenzieren, kann in die Unübersichtlichkeit und damit in die Desorientierung führen.
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Re: Fragen und Diskussionen zum Moderationsprotokoll VII

Beitrag von Vir Probatus » Sonnabend 8. Juli 2017, 08:27

Romanus hat geschrieben:
Freitag 7. Juli 2017, 20:12


Sich von morgens bis abends mit Medienkonsum, einer von Medien konstruierten und einer von Negativität geprägten Wirklichkeit, sich mit Fressen,
Saufen und anderen Drogen sowie Sex unter Drogeneinfluss zu betäuben, verhindert die Unterscheidung der Geister nur.
Wie sang schon einst Degenhardt:

Das ist der Gott der Reichen,
die fressen, fi..en, saufen
und den Gewinn einstreichen
und sich die Pille Kaufen.
"Die Frau ist für die Kirche unabdingbar und wichtiger als manche Bischöfe." (Papst Franziskus)

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Torsten » Montag 10. Juli 2017, 22:42

Die Reichen sind auch nur Pöbel? Ja, aber vor allem auch ein Ärgernis, so wie die Armen. Worin liegt für Gott der Unterschied zwischen Reich und Arm, wie wir ihn kennen? Reich sein bedeutet einen Wachzustand, der die Ohnmacht in weiten Teilen nicht nur nicht aufhebt, sondern vertieft. Arm sein bedeutet, diese Ohnmacht zu erkennen, ohne den Wachzustand zu kennen, der im Reichtum wie der Macht über das eigene Leben in immer weiterer Ferne liegt. Das Reich Gottes gibt diese Macht. Nicht ohne Unterwerfung. Und bei der Unterwerfung ist es so, dass manche dafür nur wenig brauchen. Der Rest liegt mit Christus im Krieg.

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Torsten » Montag 10. Juli 2017, 22:47

Christus führt Krieg, nicht dich zu töten, sondern dich zu besiegen. Das bisschen Materie, das bisschen Ich, das bisschen blendende Genialität, welches sich nicht wenige selber zuschreiben.

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Romanus » Sonnabend 22. Juli 2017, 21:06

„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Torsten » Mittwoch 30. August 2017, 19:42

Schiller - Tal des Himmels Eins

Einfach nur ein Ambient-Track. Aber ein schöner.

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Torsten » Mittwoch 30. August 2017, 21:54

https://youtu.be/HntDjFWrspk?t=2m44s

Seba - Distance

Der Sebastian schraubt nach Eigendarstellung manchmal wochenlang an den Soundeffekten herum, es ist ihm eine Leidenschaft, für das perfekte Ergebnis.

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Niels » Dienstag 3. Oktober 2017, 21:44

"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Torsten » Dienstag 3. Oktober 2017, 22:34

Das Ego umschmeichelnd und irgendwie den Intellekt ansprechend. Wer mag das nicht? Hinter sich lassen.
Ausreden ist nicht. Ausklingend schon eher. Als eine gute Erinnerung. In der Gegenwart des Chaos ein Pfeiler des ernstzunehmenden Geschmacks. Alles in allem aber überholt. Der Geschmack, die Pfeiler, das Ego und nicht zuletzt der Intellekt. Für den Musik aus ist. Und nicht mehr (aber auch nicht weniger) die Erinnerung des Anderen. Erinnerung braucht Zeit. Die Erinnerung an all die Musik braucht Zeit bis an den Rand der Ewigkeit. Diese "Lücke" zu füllen, diese Millionen Jahre Menschheit, das ist ein ganz besonderer Gesang.

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Re: Welche Musik mögt ihr? (II)

Beitrag von Niels » Dienstag 3. Oktober 2017, 23:47

Torsten hat geschrieben:
Dienstag 3. Oktober 2017, 22:34
Das Ego umschmeichelnd und irgendwie den Intellekt ansprechend. Wer mag das nicht? Hinter sich lassen.
Ausreden ist nicht. Ausklingend schon eher. Als eine gute Erinnerung. In der Gegenwart des Chaos ein Pfeiler des ernstzunehmenden Geschmacks. Alles in allem aber überholt. Der Geschmack, die Pfeiler, das Ego und nicht zuletzt der Intellekt. Für den Musik aus ist. Und nicht mehr (aber auch nicht weniger) die Erinnerung des Anderen. Erinnerung braucht Zeit. Die Erinnerung an all die Musik braucht Zeit bis an den Rand der Ewigkeit. Diese "Lücke" zu füllen, diese Millionen Jahre Menschheit, das ist ein ganz besonderer Gesang.
Knuffig. :daumen-rauf:
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