Auf Fels gebaut

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Sempre
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Re: Auf Fels gebaut

Beitrag von Sempre »

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Ansonsten könnte zur Väterexegese der relevanten Schriftstellen interessant sein:
Augustin in Jo. ev. tract. VII,14; L,12; CXXIV,5. Besonders die letztgenannte Stelle.
Hier ersteinmal die drei Stellen:

Tractatus in Iohannis Euangelium VII,14 (deutsch)
Tractatus in Iohannis Euangelium L,12 (deutsch)
Tractatus in Iohannis Euangelium CXXIV,5 (deutsch)

Aus der Dritten:
Tractatus in Iohannis Euangelium CXXIV,5 hat geschrieben: [...]
Das tut die Kirche in diesem mühevollen Leben, selig in der Hoffnung. Diese Kirche repräsentierte der Apostel Petrus, wegen des Primates seines Apostolates, in sinnbildlicher Allgemeinheit. Denn was ihn selbst persönlich betrifft, so war er von Natur ein Mensch, durch die Gnade ein Christ, durch eine reichlichere Gnade ein Apostel und zwar der erste, aber als zu ihm gesagt wurde: "Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben, und was du immer auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein, und was du immer auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein", stellte er die gesamte Kirche dar, welche in dieser Welt durch Versuchungen wie durch Regengüsse, Fluten und Stürme erschüttert wird, aber nicht fällt, weil sie auf die Petra [Fels] gegründet ist, wovon Petrus den Namen erhalten hat. Denn nicht von Petrus hat die Petra, sondern Petrus von der Petra, wie Christus nicht von Christ, sondern Christ von Christus den Namen. Darum nämlich sprach der Herr: "Auf diese Petra [Fels] werde ich meine Kirche bauen", weil Petrus gesagt hatte: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes"10 . Auf diese Petra also, welche du bekannt hast, sagt er, werde ich meine Kirche bauen. "Der Fels nämlich war Christus"11 . Auf diesem Fundament ist auch Petrus selbst erbaut. Denn ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist, welches ist Christus Jesus12 . Die Kirche also, die auf Christus gegründet ist, hat von ihm in Petrus die Schlüssel des Himmelreiches empfangen, d.h. die Gewalt, die Sünden zu binden und zu lösen. Denn was im eigentlichen Sinne die Kirche in Christus ist, das ist sinnbildlich Petrus in der Petra; in dieser sinnbildlichen Bedeutung ist unter der Petra Christus und unter Petrus die Kirche zu verstehen. Solange nun diese Kirche, welche Petrus sinnbildete, unter Übeln lebt, wird sie durch Liebe und Nachfolge Christi von den Übeln befreit. Mehr aber folgt sie ihm nach in denen, welche für die Wahrheit kämpfen bis zum Tode. Aber zur Gesamtheit wird gesagt: "Folge mir nach", und für diese Gesamtheit hat Christus gelitten, von dem derselbe Petrus sagt: "Christus hat für uns gelitten und uns ein Beispiel hinterlassen, damit wir seinen Fußtapfen folgen"13 . Siehe, darum wird zu ihm gesagt: "Folge mir nach".
[...]
Unser Ausgangpunkt war Deine These, das Unfehlbarkeitsdogma habe keine Grundlage in der Tradition. Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen diesen Ausführungen Augustins und Deiner These.

Bernhard Bartmann erläutert zu Augustin:
Bernhard Bartmann hat geschrieben: Wie urteilt Augustin über den Primat? Petrus hatte unter den Jüngern den Primat; denn es wurde zu ihm gesagt: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreichs geben." (Enarr. in Ps. 108, 1). Dem Petrus übergab der Auferstandene seine Herde (Contra Ep. Fund. 4, 5). "In der römischen Kirche war stets der Vorrang des Apostolischen Stuhles in Kraft" (Ep. 43, 7). Nach den Konzilien von Kathargo und Mileve gegen die Pelagianer spricht er das oft zitierte Wort: "Schon zwei Konzilsbeschlüsse sind über diese Sache nach dem apostolischen Sitze geschickt, von dorther sind auch die (bestätigenden) Antworten zurückgekommen. Die Angelegenheit ist beendigt, möchte doch nun auch die Irrlehre zuende sein" (Serm. 131, 10). Weniger klar zu stellen ist Augustins Ansicht über das Verhältnis des Papstes zu einem allgemeinen Konzil sowie seine Konziltheorie überhaupt. Er schreibt einmal, das frühere Plenarkonzilien oft durch spätere verbessert wurden (plenaria saepe priora posterioribus emendari; De bapt. 2, 3, 4) Hier wird emendieren wohl im Sinne von ergänzen, erklären zu nehmen sein. Die Unfehlbarkeit der päpstlichen Autorität im Verein mit dem Konzil steht ihm durchaus fest. Dagegen läßt sich die erst viel später formell auftauchende Frage nach der Unfehlbarkeit des Papstes allein nach den Zeugnissen, die man aus den Schriften Augustins sammelt, weder bejahen noch verneinen.
Nach Bartmann gibt das Werk Augustins zur Frage der Unfehlbarkeit des Papstes allein (ohne Konzil) nichts her, weder pro noch contra.

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Vielleicht schaust du mal kurz quer, was ich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht hier gebracht habe
Ist praktisch unmöglich. Jedenfalls nicht `mal kurz'. Hab's probiert.

Gruß
Sempre

P.S.: Die von Bartmann zitierten Stellen aus S. Aurelii Augustini opera omnia:
Enarrationes in Psalmos 108, 1 hat geschrieben:
Sicut enim quaedam dicuntur quae ad apostolum Petrum proprie pertinere videantur, nec tamen habent illustrem intellectum, nisi cum referuntur ad Ecclesiam, cuius ille agnoscitur in figura gestasse personam, propter primatum quem in discipulis habuit; sicuti est: Tibi dabo claves regni coelorum ...
Contra Epistolam Manichaei quam vocant Fundamenti liber unus 4, 5 hat geschrieben: tenet ab ipsa sede Petri apostoli, cui pascendas oves suas post resurrectionem Dominus commendavit, usque ad praesentem episcopatum successio sacerdotum
Epistolae 43, 7 hat geschrieben:Romanae Ecclesiae, in qua semper apostolicae cathedrae viguit principatus
Sermones 131, 10 hat geschrieben:Iam enim de hac causa duo concilia missa sunt ad Sedem Apostolicam: inde etiam rescripta venerunt. Causa finita est: utinam aliquando finiatur error!
De baptismo contra Donatistas Libri Septem 2, 3, 4 hat geschrieben:et ipsa concilia quae per singulas regiones vel provincias fiunt, plenariorum conciliorum auctoritati quae fiunt ex universo orbe christiano, sine ullis ambagibus cedere: ipsaque plenaria saepe priora a posterioribus emendari;
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Multi venient in nomine meo, id est in nomine corporis mei. (Tichonius Africanus)
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Quomodo facta est meretrix civitas fidelis (Is 1:21)

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Robert Ketelhohn
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Re: Auf Fels gebaut

Beitrag von Robert Ketelhohn »

Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
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