Bedingungsloses Grundeinkommen?

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Niels
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Re: Katholische Sozialakademie - das Konzept Grundeinkommen

Beitrag von Niels » Donnerstag 10. Dezember 2015, 09:31

Bald in Finnland und der Schweiz?
http://www.welt.de/wirtschaft/article14 ... twelt.html

M.E. eine sinnvolle Alternative auch für D.
:daumen-rauf:
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Caviteño
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Re: Katholische Sozialakademie - das Konzept Grundeinkommen

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 10. Dezember 2015, 11:57

und wer soll die notwendigen Beträge erwirtschaften?

Ein Grundeinkommen müßte sich in etwa in Höhe der jetzigen Hartz IV-Sätze bewegen - sagen wir einmal aus Vereinfachungsgründen und weil der Betrag so schön rund ist 1.000 €/Monat.
Die erste Frage, die sich stellt, ist die Frage der Anrechnung. Bekommt jeder (also auch z.B. Frau Schäffler) das "Grundeinkommen"?

Falls ja:
Die Belastungen dürften sich dann auf ca. 40 Mrden €/Monat belaufen - wahrscheinlich noch erheblich höher.
Berechnung: Bevölkerung ca. 80 Mio, die Hälfte wird finanziert durch Wegfall des Kindergeldes, des Arbeitslosengeldes, Hartz IV oä

Mithin wären im Jahr ca. 500 Mrden € zu finanzieren. Der Gesamtetat des Bundeshaushalts 2015 betrug knappe 307 Mrden, der Haushalt für Soziales ca. 126 Mrden €
Damit wird die Größenordnung eines bedingungslosen Grundeinkommens deutlich

Falls nein - also nur eine bestimmte Gruppe erhält das Grundeinkommen:
Wie erfolgt die Abgrenzung? Bis zu welcher Höhe wird ein Grundeinkommen gezahlt?
Wird die Grenze zu hoch angesetzt sind, ist das Grundeinkommen nicht finanzierbar. Ist sie gering, greift u.U. das Lohnabstandsgebot nicht mehr, weil es sich nicht lohnt, für einen Stundenlohn von 2 - 3 € täglich zur Arbeit zu gehen.

Einige nehmen an, daß dann die Gehälter der gering bezahlten Beschäftigten steigen werden.
Ich sehe vielmehr die Gefahr, das noch weitaus mehr automatisiert wird. In den Supermärkten wird man an den Kassen selbst einscannen, Pakete werden selbst an den Paketstationen abgeholt werden, die Entwicklung selbstfahrender LKW's und Züge wird verstärkt werden - also im Grunde ein Rationalisierungsprogramm zum Abbau einfacher Arbeitsplätze. Außerdem könnte die Schwarzarbeit steigen.

Aber wir können ja erst einmal die Ergebnisse in Finnland abwarten. Ob die Bevölkerung der Schweiz sich dafür entscheidet, wage ich zu bezweifeln.

Niels, Du solltest auch die Wanderungsbewegungen innerhalb der EU berücksichtigen, die durch ein derartiges Grundeinkommen ausgelöst würden. :breitgrins:

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Re: Katholische Sozialakademie - das Konzept Grundeinkommen

Beitrag von overkott » Donnerstag 10. Dezember 2015, 12:41

Das Thema Grundeinkommen wird beispielsweise ventiliert, um im Rahmen einer Reform die Leistungen nach SGB zu senken. Ziel ist dann, dass bei Einführung der Staat insgesamt weniger zahlt, als dies jetzt der Fall ist. Tatsächlich gibt es jetzt bereits ein Grundeinkommen, wobei Einkommen zum Teil leistungsfrei erzielt wird ( Leistungen für Schwerstbehinderte ) und Einkommen auf Leistung beruht ( Betreuungsgeld, Steuerfreibeträge ).

Im Hinblick auf eine subsidiare Flüchtlingspolitik geht es darum, die soziale Umwelt zu entlasten und staatliche Leistungen für Flüchtlinge an deren Leistungsfähigkeit zu koppeln. Ein leistungsfreies Grundeinkommen für alle Menschen, die dauerhaft ein Bleiberecht in der Bundesrepublik anstreben, kann weder Ziel der CDU, noch der Grünen sein.

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Niels
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Sonnabend 6. Februar 2016, 16:26

Da wos nix kostet? - "Nach Davos diskutieren wieder alle ein bedingungsloses Grundeinkommen": http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 52661.html
(Abgesehen davon, dass der Hl. Thomas Morus wohl eher im 16. Jh. darüber nachgedacht hat (Vicky Pedia schreibt: "151 schrieb Morus lateinische und englische Verse, schloss sein juristisches Examen ab und begann selbst zu lehren."), ist der Artikel schon interessant.)
Ich bin nach wie vor dafür.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von taddeo » Sonnabend 6. Februar 2016, 17:08

Das wird schon noch kommen, wartet nur ab ... die Überlegungen zur Abschaffung von Bargeld, zu Beschränkungen von Barzahlung etc. passen da genau ins Bild.
Irgendwann wird es heißen: Alles, was jemand verdient, geht zu 100% direkt an den Staat, dafür werden die Steuern und Sozialversicherungen abgeschafft, und jeder bekommt 2000 Euro netto (oder weniger) im Monat ausgezahlt.
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Torsten
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 6. Februar 2016, 17:41

taddeo hat geschrieben:Das wird schon noch kommen, wartet nur ab ...
Das bedingungslose Grundeinkommen ist die Vision zur Überwindung der Dreiklassengesellschaft, hin zur humanen Zweiklassengesellschaft, unter Ausblendung des weltweiten Wettbewerbs, den sich Gesellschaften und Staaten und Inselparadiese mit Steuervorteilen und Billiglohn um das Kapital und dessen wohlwollenden Blick liefern ...

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Sonnabend 6. Februar 2016, 17:52

Torsten hat geschrieben:Das bedingungslose Grundeinkommen ist die Vision ...
Es wäre die Uverteilung von Subventionen zu Gunsten der Bürger. Statt das Geld direkt den Konzernen in den Rachen zu werfen, nimmt es den Weg durche die Taschen der Bürger – ein Gewinn für die Bürger (vorallem die ärmeren), kaum Nachteile für die Industrie.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 6. Februar 2016, 18:13

Was erwartet Ihr Euch denn von einem bedingungslosen Grundeinkommen? Realistisch gesehen würde entweder der Betrag pro Kopf sehr niedrig oder es würden die Steuerlasten zur Finanzierung sehr hoch. Beides ist kaum konsensfähig. Solange Ihr nicht zusätzliche Mittel irgendwoher zaubert, wird das nichts.

Dazu kommt noch, daß der Übergang vom aktuellen System zu einem solchen Grundeinkommenssystem nur sehr schwer hinzubekommen wäre. Denn die individuellen Ansprüche (die teils deutlich höher sind als es ein BGE wäre), die viele Leute heute schon an Renten- und Arbeitslosenversicherungen und in Form von Beamtenpensionsansprüchen haben, können nicht einfach so suspendiert werden. Damit ist aber auch das Argument, wir müssten einfach nur die alten Systeme abschaffen und durch ein BGE ersetzen, erstmal hinfällig.

Und Taddeos Dystopie funktioniert glücklicherweise auch nicht. Wenn jeder das Durchschnittseinkommen kriegt, muß schon hinter jedem, der noch arbeitet, einer mit einer Knarre stehen und ihn dazu zwingen. Freiwillig arbeitet da nämlich keiner mehr. :)

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von taddeo » Sonnabend 6. Februar 2016, 18:43

Gallus hat geschrieben:Und Taddeos Dystopie funktioniert glücklicherweise auch nicht. Wenn jeder das Durchschnittseinkommen kriegt, muß schon hinter jedem, der noch arbeitet, einer mit einer Knarre stehen und ihn dazu zwingen. Freiwillig arbeitet da nämlich keiner mehr. :)
Davon bin ich freilich ausgegangen, daß das auch kommt. Und bei einem Grundeinkommen kann keiner mehr ne Arbeit ablehnen, weil sie zu schlecht bezahlt sei. Das Grundeinkommen ist nicht abwegig, nur "bedingungslos" wird es auf keinen Fall sein.
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 6. Februar 2016, 18:44

Gallus hat geschrieben:Wenn jeder das Durchschnittseinkommen kriegt, muß schon hinter jedem, der noch arbeitet, einer mit einer Knarre stehen und ihn dazu zwingen. Freiwillig arbeitet da nämlich keiner mehr. :)

Ich denke nicht, dass hinter jedem Menschen einer mit einer Knarre oder einer Peitsche stehen muss, um ihn zur Arbeit anzutreiben. Der Hunger und andere Bedürfnisse sorgen schon dafür, dass der Mensch arbeitet. Das Grundeinkommen nun aber würde aus Tätigkeiten finanziert, die nicht primär dazu dienen, die Grundbedürfnisse des Menschen zu erfüllen, sondern die des Kapitals. Insofern hast du .. Recht.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 6. Februar 2016, 18:55

Torsten hat geschrieben:Ich denke nicht, dass hinter jedem Menschen einer mit einer Knarre oder einer Peitsche stehen muss, um ihn zur Arbeit anzutreiben. Der Hunger und andere Bedürfnisse sorgen schon dafür, dass der Mensch arbeitet.
Ja, klar. Gedichte schreiben, Bilder malen, Psycho-Grütze, Esoterik-Quatsch, Tantra-Massagen... was der postmoderne Mensch so alles zur Selbstverwirklichung macht und "Arbeit" nennt, das täte er auch mit auskömmlichem BGE. Müll abholen, Regionalzüge putzen oder im Regen Post austragen aber eher weniger.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 6. Februar 2016, 18:57

taddeo hat geschrieben:Das Grundeinkommen ist nicht abwegig, nur "bedingungslos" wird es auf keinen Fall sein.
Bin da weniger pessimistisch. Solange es noch Wahlen gibt, kann sich keine Regierung so ein Experiment leisten, glaube ich.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Torsten » Sonnabend 6. Februar 2016, 19:04

Gallus hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:Ich denke nicht, dass hinter jedem Menschen einer mit einer Knarre oder einer Peitsche stehen muss, um ihn zur Arbeit anzutreiben. Der Hunger und andere Bedürfnisse sorgen schon dafür, dass der Mensch arbeitet.
Ja, klar. Gedichte schreiben, Bilder malen, Psycho-Grütze, Esoterik-Quatsch, Tantra-Massagen... was der postmoderne Mensch so alles zur Selbstverwirklichung macht und "Arbeit" nennt, das täte er auch mit auskömmlichem BGE. Müll abholen, Regionalzüge putzen oder im Regen Post austragen aber eher weniger.
Gallus, ich meine das wirklich ganz substantiell, im Wissen darum, dass die meiste Arbeit, die auf der Welt geleistet wird, von Frauen ausgeübte Feldarbeit ist.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von lutherbeck » Sonnabend 6. Februar 2016, 20:34

...Gedichte schreiben, Bilder malen, Psycho-Grütze, Esoterik-Quatsch, Tantra-Massagen... was der postmoderne Mensch so alles zur Selbstverwirklichung macht und "Arbeit" nennt...
"Polemikmodus" ein

... wäre sicherlich weniger schädlich, als das, was manche Zeitgenossen an ihrem Arbeitsplatz anrichten - Investmentbanker, Versicherungsagenten und sonstige Blutsauger ähnlicher Couleur...

"Polemikmodus" aus

:kotz:
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 6. Februar 2016, 21:38

lutherbeck hat geschrieben:... wäre sicherlich weniger schädlich, als das, was manche Zeitgenossen an ihrem Arbeitsplatz anrichten - Investmentbanker, Versicherungsagenten und sonstige Blutsauger ähnlicher Couleur...

"Polemikmodus" aus

:kotz:
Ich hab auch schon Ärzte kennenlernen müssen, die Scheiße waren. :achselzuck:

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Sonnabend 6. Februar 2016, 21:56

lutherbeck hat geschrieben:"Polemikmodus" ein
... wäre sicherlich weniger schädlich, als das, was manche Zeitgenossen an ihrem Arbeitsplatz anrichten - Investmentbanker, Versicherungsagenten und sonstige Blutsauger ähnlicher Couleur...
"Polemikmodus" aus
Was ist daran polemisch?

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 6. Februar 2016, 22:25

Siard hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:"Polemikmodus" ein
... wäre sicherlich weniger schädlich, als das, was manche Zeitgenossen an ihrem Arbeitsplatz anrichten - Investmentbanker, Versicherungsagenten und sonstige Blutsauger ähnlicher Couleur...
"Polemikmodus" aus
Was ist daran polemisch?
Nichts ist so bequem wie ein fest gefügtes Vorurteil, nicht so praktisch wie ein guter Sündenbock.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Sempre » Sonntag 7. Februar 2016, 03:14

Torsten hat geschrieben:Ich denke nicht, dass hinter jedem Menschen einer mit einer Knarre oder einer Peitsche stehen muss, um ihn zur Arbeit anzutreiben. Der Hunger und andere Bedürfnisse sorgen schon dafür, dass der Mensch arbeitet.
Ja, so ist es. Nicht aber, wenn ein Grundeinkommen oder vergleichbare von der Arbeitsleistung unabhängige Unterstützung das unnötig macht.
Torsten hat geschrieben:Das Grundeinkommen nun aber würde aus Tätigkeiten finanziert, die nicht primär dazu dienen, die Grundbedürfnisse des Menschen zu erfüllen, sondern die des Kapitals.
Da lachen ja die Hühner! Die volksschädigende Regierung zwackt den Banken die Kohle ab, um sie dem Torsten zu geben? Wo lebst Du denn? Dein Grundeinkommen wandert gerade zu den bunten Neuankömmlingen aus aller Welt! Nicht "das Kapital" zahlt, sondern die, die gelernt haben zu schaffen und die es auch tun.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. Februar 2016, 05:22

Wird das Grundeinkommen nur an die sozial Bedürftigen ausgezahlt, ersetzt es im Grunde Hartz IV. Das Kind bekäme nur einen anderen Namen, die Einsparung an Bürokratiekosten wäre gering.

Wird das Grundeinkommen an jeden (also z.B. auch an Frau Schäffler oder Frau Klatten) ausgezahlt, ist es nicht zu finanzieren. Die dafür notwendigen Steuererhöhungen würden zu massiver Abwanderung der Industrie und zu einer Auswanderung der Leistungsträger führen.

In beiden Fällen wäre mit einem Zuzug aus ärmeren EU-Ländern in das deutsche Sozialsystem zu rechnen. Im zweiten Fall (Auszahlung an jeden) kann man wohl von einem Systemkollaps innerhalb eines Jahres ausgehen.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. Februar 2016, 05:25

Sempre hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:Ich denke nicht, dass hinter jedem Menschen einer mit einer Knarre oder einer Peitsche stehen muss, um ihn zur Arbeit anzutreiben. Der Hunger und andere Bedürfnisse sorgen schon dafür, dass der Mensch arbeitet.
Ja, so ist es. Nicht aber, wenn ein Grundeinkommen oder vergleichbare von der Arbeitsleistung unabhängige Unterstützung das unnötig macht.
:klatsch:

Der nicht durch einen Sozialstaat vernebelte Blick auf die Realitäten hilft, sich an Selbstverständlichkeiten zu erinnern.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Torsten » Sonntag 7. Februar 2016, 14:05

Sempre hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:Das Grundeinkommen nun aber würde aus Tätigkeiten finanziert, die nicht primär dazu dienen, die Grundbedürfnisse des Menschen zu erfüllen, sondern die des Kapitals.
Da lachen ja die Hühner! Die volksschädigende Regierung zwackt den Banken die Kohle ab, um sie dem Torsten zu geben? Wo lebst Du denn? Dein Grundeinkommen wandert gerade zu den bunten Neuankömmlingen aus aller Welt! Nicht "das Kapital" zahlt, sondern die, die gelernt haben zu schaffen und die es auch tun.
Für das Kapital arbeiten heißt, nicht primär für die Befriedigung der eigenen Grundbedürfnisse und darüber hinaus zu arbeiten. Ob wohl jeder, der für Lohn oder Gehalt arbeitet, das wahrscheinlich genau so sieht. Bis zu dem Moment, wo er seinen Job verliert. Bei der Arbeit für das Kapital geht es eben nicht darum, dass du zu essen hast, Kleidung und eine Wohnung, sondern um Geldvermehrung, um Profit und Rendite. "Gäbe" es jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen, dann würde sich die Mehrzahl sicher überlegen, ob sie dafür noch den Buckel krummachen will. Und damit würde einem GE die Grundlage entzogen.
Aber das ist im Grunde eine völlig abgehobene und abwegige Diskussion, betrachtet man die Realität in der Welt. Oder auch nur hier, bspw. die Bedingungen die an ALG-II geknüpft sind.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Sempre » Montag 8. Februar 2016, 01:57

Torsten hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
Torsten hat geschrieben:Das Grundeinkommen nun aber würde aus Tätigkeiten finanziert, die nicht primär dazu dienen, die Grundbedürfnisse des Menschen zu erfüllen, sondern die des Kapitals.
Da lachen ja die Hühner! Die volksschädigende Regierung zwackt den Banken die Kohle ab, um sie dem Torsten zu geben? Wo lebst Du denn? Dein Grundeinkommen wandert gerade zu den bunten Neuankömmlingen aus aller Welt! Nicht "das Kapital" zahlt, sondern die, die gelernt haben zu schaffen und die es auch tun.
Für das Kapital arbeiten heißt, nicht primär für die Befriedigung der eigenen Grundbedürfnisse und darüber hinaus zu arbeiten.
Doch, das heißt es, auch wenn der sozialistische Staat, das Geldsystem und weitere vom Staat versorgte Abzocker einen Löwenanteil abschöpfen. Denn den Beweggrund zu arbeiten bestimmt der Arbeitende immer noch selbst, solange sein Oberstübchen noch intakt ist und er alternativ als Asi überleben kann.

Torsten hat geschrieben:Ob wohl jeder, der für Lohn oder Gehalt arbeitet, das wahrscheinlich genau so sieht.
Oder gegen Honorar. Nein, Torsten, auch wir, die wir schaffen, sehen sehr wohl, wer alles uns abzockt. Aber dennoch schaffen wir primär für uns selbst und für die, die wir am Kacken zu halten haben. Du denkst in sonderbaren Kategorien wie so ein Finanzfuzzi, der neben Staat und all den anderen Abzockern auch noch von meiner Arbeit Leben will.

Torsten hat geschrieben:Bis zu dem Moment, wo er seinen Job verliert.
Wenn einer in D langfristig seinen Job verliert, dann gehört er typischerweise schließlich mit zu der Abzockergruppe, die den Schaffenden ihre Einkommen schmälern. Neben Staat, Finanzsystem, Pflichtversicherungsdienstleistern etc. pp. sind die Asozialen eine weitere Last, die von denen finanziert wird, die Leistung erbringen.

Torsten hat geschrieben:Bei der Arbeit für das Kapital geht es eben nicht darum, dass du zu essen hast, Kleidung und eine Wohnung, sondern um Geldvermehrung, um Profit und Rendite.
S.o.

Torsten hat geschrieben:"Gäbe" es jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen, dann würde sich die Mehrzahl sicher überlegen, ob sie dafür noch den Buckel krummachen will. Und damit würde einem GE die Grundlage entzogen.
Ja, so ist es. Ein BGE bedeutet schlicht und einfach, wie Gallus andeutete, dass ich und jeder sonst jetzt viertklassiger Bluesmusiker, Poetry-Slammer, youtube-Journalist oder was auch immer werden kann, ohne dass ich oder die Meinen verhungern. Das kann nicht lange gut gehen.

Torsten hat geschrieben:Aber das ist im Grunde eine völlig abgehobene und abwegige Diskussion, betrachtet man die Realität in der Welt. Oder auch nur hier, bspw. die Bedingungen die an ALG-II geknüpft sind.
Man freue sich, wenn kein Krieg kommt, solange und wo man lebt!

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von overkott » Dienstag 9. Februar 2016, 13:55

Bedingungsloses Grundeinkommen ist finanzierbar und nur theoretisch noch nicht verwirklicht. Praktisch handelt es sich um das Sockeleinkommen jedes Bundesbürgers. Bei diesem Einkommen kann es sich auch um nicht realisierte rechtliche Ansprüche handeln. Das Sockeleinkommen aller Bürger ist per Definition gleich hoch, egal ob es sich dabei um steuerfreie Erwerbs- oder Transfereinkommen handelt. Das Sockeleinkommen ist nur so hoch wie das derzeit rechtlich niedrigste Transfereinkommen für eine erwachsene Person. Dieses liegt bei 399 Euro und damit 1 Euro unter einem 400-Euro-Job. Dieser stellt die Untergrenze für geringfügig versicherungspflichtige Jobs dar. Damit ist ab dieser Grenze auch das Grundeinkommen nicht mehr bedingungslos ( wenn man die Grenze der Volljährigkeit nicht als Bedingung sieht ). Ein bedingt höheres Grundeinkommen orientiert sich an den tatsächlichen Kosten bzw. am tatsächlichen Bedarf.

Theoretisch könnte der Staat jeden Monat jedem Bürger 399 Euro überweisen und diese vom Erwerbseinkommen per Steuer wieder abziehen.

Tatsächlich geht der Staat den umgekehrten Weg, belässt das Existenzminimum steuerfrei und zahlt andererseits mindestens 399 Euro an bedürftige Personen aus.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von taddeo » Dienstag 9. Februar 2016, 19:31

overkott hat geschrieben:Dieses liegt bei 399 Euro und damit 1 Euro unter einem 400-Euro-Job. Dieser stellt die Untergrenze für geringfügig versicherungspflichtige Jobs dar.
Ich weiß nicht, wo und in welchem Zeitalter Du lebst, aber bei uns hier in Bayern sind das schon seit Januar 2013 450 Euro. :achselzuck:
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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von overkott » Dienstag 9. Februar 2016, 22:13

taddeo hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Dieses liegt bei 399 Euro und damit 1 Euro unter einem 400-Euro-Job. Dieser stellt die Untergrenze für geringfügig versicherungspflichtige Jobs dar.
Ich weiß nicht, wo und in welchem Zeitalter Du lebst, aber bei uns hier in Bayern sind das schon seit Januar 2013 450 Euro. :achselzuck:
Seit Neujahr ist der Regelsatz beim ALG 2 auf 404 Euro erhöht worden. Damit entfällt natürlich die Relation zum 400-Euro-Job als bedingungsloses Grundeinkommen. Man kann natürlich fragen: Warum eigentlich einen 400-Euro-Job annehmen, wenn man davon nicht leben kann?

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Hubertus » Mittwoch 10. Februar 2016, 10:23

Hinweis: eine Diskussion um die gerechte Verteilung von Grund und Boden in einen neuen Strang abgespalten: http://kreuzgang.org/viewtopic.php?f=6&t=18265
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Siard » Mittwoch 10. Februar 2016, 17:35

overkott hat geschrieben:Seit Neujahr ist der Regelsatz beim ALG 2 auf 404 Euro erhöht worden. Damit entfällt natürlich die Relation zum 400-Euro-Job als bedingungsloses Grundeinkommen. Man kann natürlich fragen: Warum eigentlich einen 400-Euro-Job annehmen, wenn man davon nicht leben kann?
:ikb_wallbash:
Das hat miteinander nichts zu tun.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 12. März 2016, 02:24

Am 5. Juni d.J. wird in der Schweiz über die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens iHv 2.5 CHF/mtl. abgestimmt. Gedanken hierzu:

http://ef-magazin.de/216/3/1/8551-be ... ingungslos

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Montag 16. Mai 2016, 09:26

Geld für gar nichts
Wer wird noch arbeiten, wenn das Geld auch so einigermaßen reicht? Gemeint sind nicht nur notorische Faulenzer. Nimmt man der Einfachheit halber 1000 Euro je Erwachsenem und 500 je Kind an, hat eine vierköpfige Familie in Bedingungslosistan jeden Monat 3000 Euro netto auf dem Konto. Und keinen Stress im Büro, keinen Ärger mit dem Chef, keine Sorge um den Ganztagsplatz im Kindergarten mehr, sofern sich Vater und Mutter dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben.
Das werden sie nicht tun, sagen die Verfechter des Grundeinkommens, im Gegenteil: Sie werden endlich das machen, was sie am besten können, ihre Berufung finden, sich weiterbilden, glücklicher und produktiver werden. „Ich würde genauso viele Stunden arbeiten wie jetzt. Aber vielleicht würde ich manche Jobs annehmen, die nicht so gut bezahlt sind“, verspricht der IT-Unternehmer Dirk Schumacher, der genauso wie der Hartz-IV-Empfänger Felix Coeln der Kölner Basisgruppe angehört. Wer das Grundeinkommen ablehne, fürchte in Wahrheit nicht die Apathie einer Rentnerrepublik oder den Niedergang der Volkswirtschaft, sondern die Unberechenbarkeit von Menschen, die nicht mehr jeden Tag zur Arbeit gehen. „Das entscheidende Hindernis“, sagt Schumacher, „ist die Furcht vor dem Kontrollverlust.“
Wer reinigt zuverlässig die Latrinen, wer entsorgt pünktlich den Müll und wer ist bereit, spät abends oder bei schönem Wetter, Bus und Bahn zu lenken?

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Niels » Dienstag 17. Mai 2016, 14:53

"Warum wir ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen": http://www.welt.de/wirtschaft/article15 ... uchen.html

Ist Herrn Straubhaar zuzustimmen oder sind seine Thesen haarsträubend?
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Caviteño » Sonntag 5. Juni 2016, 13:30

Schweizer lehnen Grundeinkommen mit großer Mehrheit ab
Die Schweizer haben die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für jeden Einwohner nach Hochrechnungen mit großer Mehrheit abgelehnt. Bei der weltweit ersten Volksabstimmung zu einem solchen Vorschlag entschieden sich am Sonntag 78 Prozent der Teilnehmer dagegen, 22 Prozent sagten Ja, wie das Institut gfs.bern berechnete.
Die „Initiative Grundeinkommen“ hatte eine Kampagne für die Zahlungen geführt. Gemäß dem Konzept sollte der Staat jedem Erwachsenen 2500 Schweizer Franken (knapp 2260 Euro) pro Monat steuerfrei zahlen, egal ob er die Schweizer Nationalität hat oder eine andere. Einwanderer wären somit auch Empfänger geworden. Pro Kind sollte der Staat 625 Franken (565 Euro) auf das Konto der Eltern überweisen. Das Grundeinkommen sollte mit anderen Zahlungen, etwa der Rente, verrechnet werden.
Ob Herr Straubhaar, wie in dem oben verlinkten Artikel ausgeführt, bei dem Ergebnis die Abstimmung noch immer "als einen Anfang" sieht, kann man jetzt bezweifeln.

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Re: Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von Edi » Sonntag 5. Juni 2016, 14:24

Caviteño hat geschrieben: Wird das Grundeinkommen an jeden (also z.B. auch an Frau Schäffler oder Frau Klatten) ausgezahlt, ist es nicht zu finanzieren.
Die Befürworter müssten doch erst mal nachweisen wie das finanziert werden soll und das können sie nicht. Der frühere DM-Chef Werner hat mal etwas rechnen lassen und kommt dabei auf eine Umsatzsteuererhöhung auf 50 %, aber auch seine Rechnung wird nicht aufgehen.
Die ganze Sache wird aus rein ideologischen Gründen verfolgt und hat keine realistische Basis.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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