Integrationspolitik 2

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Moderator: Hubertus

Lilaimmerdieselbe
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 27. Februar 2018, 14:57

Casvitenio, dein Artikel über die Wattenscheider Tafel ist von 2015.
Die Essener haben tatsächlich Probleme mit der Disziplin ihrer Kundschaft, aber die paar neuen Flüchtlinge auszusperren, wird nicht helfen.
https://www.waz.de/staedte/wattenscheid ... 22041.html
bildet den aktuellen Stand der Lage der Tafeln in Wattenscheid ab und sei den Essenern zur Nachahmung empfohlen. Man kann Leute, die sich rücksichtslos verhalten, aussperren, auch wenn man sie bereits in der Kartei hat, und man kann auch älteren Menschen oder Alleinerziehende mit kleinen Kindern priviligierte Zugänge ermöglichen.

Caviteño
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Februar 2018, 00:31

Ich komme immer ins Grübeln, wenn man bestimmte Gruppen oder Personen als Vollidioten darstellt, die nicht von selbst auf irgendwelche Lösungsmöglichkeiten kommen. Die sollen ja nun -angeblich- in allen anderen Tafeln im Bundesgebiet bestehen. So zumindest der Eindruck, den man aus den Medien gewinnt.
Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, daß man sich vor einer so entscheidenden und im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima brisanten Frage nicht bei den Nachbar"tafeln" umgehört hat, ob es dort die gleichen oder ähnliche Probleme gibt und wie dort ggfs. damit umgegangen wird. Stattdessen fällt man eine Entscheidung, die sogar die Kanzlerin meint, kommentieren zu müssen.

Wenn man dann trotz der "Belehrungen" durch Politik (incl. Kommentar der Kanzlerin), Medien und anderen Tafeln bei seiner Entscheidung bleibt und sich damit weiterhin noch verstärkender Kritik und tätlichen Angriffen aussetzt, kann man das natürlich als "Dickköpfigkeit" sehen. Man kann aber auch mal darüber nachdenken, ob die Äußerungen anderer Tafeln, daß dort "keine Probleme" bestehen bzw. man diese "organsatorisch gelöst" habe, so zutreffend sind. Führen die denn überhaupt aussagekräftige Statistiken über die Zahl der "Kunden"? Erst dadurch wurde doch bei der Essener Tafel festgestellt, daß ältere Deutsche usw. nicht mehr kamen... Es gibt auch eine Schwelle unterhalb der Vorgänge, die zu einer "klaren Ansage" führen. Ältere Menschen und alleinstehende Frauen können sich auch unwohl fühlen, wenn nur gedrängelt usw. wird - und als Folge auf weitere Besuche verzichten.

Dobrindt und der Essener OB haben für die Entscheidung der Tafel Verständnis gezeigt. Bei ihren Gesprächen mit Sartor dürften auch die "Lösungswege" (klare Ansage, rote Liste) der anderen Tafeln diskutiert worden sein. Warum wird das in Essen nicht praktiziert - oder hat man es relativ erfolglos versucht? Aber vielleicht sitzen in der Leitung der Tafel ja auch nur verkappte Nazis.... :D

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Mittwoch 28. Februar 2018, 12:59

Quatsch, natürlich sitzen bei der Essener Tafel keine verkappten Nazis. Ich traue ihnen dort sogar zu, dass sie den Wirbel gar nicht so unabsichtlich ausgelöst haben, aus denselben und auch begreiflichen Gründen, aus denen Reil in die AfD eingetreten ist. Der Essener Norden ist seit Jahrzehnten als Problemsammelplatz genutzt worden, zu allererst von der eigenen Kommune. Jetzt drängen gerade die dort Verantwortlichen den Essener Tafeln einen runden Tisch auf. Jede Wette, um Termine und Unterstützung hatten die Tafeln in Essen vorher monatelang gebeten. Dass Dobrindt seine Hausaufgaben auch nicht gemacht hat, kann man im Essener Norden ebenfalls bewundern, Da liegt die auch die Feinstaubbelastung besonders hoch.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Februar 2018, 13:23

Ich habe die Bemerkung "Aber vielleicht sitzen in der Leitung der Tafel ja auch nur verkappte Nazis...." durch den smiley als Ironie gekennzeichnet. Allerdings gibt es ja - wie die Anschläge beweisen - durchaus gesellschaftlich relevante Gruppen, die das anders sehen.

Der Gipfel der Unverschämtheit wurde aber von der Bundeskanzerlin erklommen, die das ganze Dilemma politisch zu verantworten hat und jetzt erstaunt ist, "wie viele Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen sind." Das kann man doch nach zwölf Jahren nur als (gewolltes?) Ergebnis ihrer Politik ansehen. Trotz boomender Konjunktur, sprudelnden Steuereinnahmen und sehr hoher Beschäftigung greift die Altersarmut um sich und wachsen so viele Kinder wie noch in Hartz IV auf und Frau Merkel ist ganz erstaunt, was in den Tafeln los ist. Hat sie in einem anderen Land gelebt? Nein, nur in der Filterblase Berlin, Regierungsbezirk.
Die Endlosschleife: Für Probleme die man selbst geschaffen hat, werden andere Unbeteiligte verantwortlich gemacht, anstatt eigene politische Fehler zu korrigieren.
https://www.tichyseinblick.de/meinungen ... ner-tafel/

Dagegen sind doch die von Dir angeführten "Versäumnisse" von Herrn Dobrindt von vollkommen untergeordneter Bedeutung oder wolltest Du damit nur ablenken? Das Hauptproblem im Essener Norden ist doch nicht der Feinstaub, sondern die sich dort ausbreitenden Parallelgesellschaften, die entstehenden no-go-areas, der Verfall.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Mittwoch 28. Februar 2018, 14:22

Nein, der Feinstaub ist kein Ablenkungsmanöver sondern eins der vielen Probleme des Essener Nordens, der das Problem der Flüchtlingsunterbringung für ganz Essen auch noch aufgedrückt bekommen hat, nachdem man die letzten Reste des sozialen Wohnungsbaus in unsäglichen Betonsilos dort bereits vor Jahrzehnten konzentriert verballert hat, mit allen sozialen Folgekosten, keineswegs nur bei Migranten, aber da natürlich auch. Vor kurzem ist ein anspruchvolles Renovierungskonzept für die Essener Messe am Bürgerbegehren gescheitert, weil die Bürger nicht mehr eingesehen haben, warum für die Wirtschaft, an der sie gespürt nicht partizipieren, Geld da ist, für sie aber nicht, im Norden zweimal nicht. In Bochum hat man mit der Hustadt auch so eine Beton gewordene Menschenverachtung, deren Erstbezug war sogar extrem gutbürgerlich bis sich die Unileute woandershin verzogen haben, aber um da wieder zivilisiertes Leben möglich zu machen, hat die Stadt investiert, in Reinigungsdienste, in den Gemeinsinn fördernde Architektur, in Treffpunkte, in Bepflanzung und letztlich auch in Schulunterstützung, Sozialarbeiter und Polizei, besonders teuer. Solche Maßnahmen sind im Essener Norden seit Jahrzehnten fällig, aber noch nicht mal angedacht.
Dass die durch Hartz4, noch von SPD und Grünen, in vielen Bereichen, in denen auch im Essener Norden besonders viele Leute arbeiten, in Gang gesetzte Lohnabwärtsspirale, insbesondere bei Dienstleistungen, zu niedrige Renten erzielt werden, sollte nun wirklich keine Überraschung sein, das rechnen die Sozialverbände seit Jahren vor. Auf all das sind die Flüchtlinge der Tropfen, der das Faß zum überlaufen bringt, aber keineswegs die Ursache .

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 09:04

Aus Atomphysikern werden hochqualifizierte Hilfsgärtner und Salatköche: https://www.welt.de/politik/deutschland ... affen.html
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 09:35

Noch mehr Abeit für den Gefängnisimam: https://www.welt.de/politik/deutschland ... markt.html
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 1. März 2018, 10:50

So langsam kommt die Diskussion um die Essener Tafel auf eine Ebene, wo sie auch hingehört:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/ess ... -1.3886998
http://www.sueddeutsche.de/leben/tafel- ... -1.3884771
Besonders gefreut hat mich die Kritik der SPD-Fraktion an ihren Genossen von der Stadt Essen:
https://www.nrz.de/staedte/essen/spd-kr ... 77931.html

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 11:11

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 10:50

Besonders gefreut hat mich die Kritik der SPD-Fraktion an ihren Genossen von der Stadt Essen:
https://www.nrz.de/staedte/essen/spd-kr ... 77931.html
Für Nichtbezahler unlesbar.
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 1. März 2018, 11:16

Komisch, ich bin Nichtbezahler, auch bei der WAZ, die fast denselben Artikel hat. https://www.waz.de/staedte/essen/spd-kr ... 77931.html

Bei Tichy bin ich immer ausgesperrt, weil ich nicht zahle.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 11:21

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 11:16
Komisch, ich bin Nichtbezahler, auch bei der WAZ, die fast denselben Artikel hat. https://www.waz.de/staedte/essen/spd-kr ... 77931.html
Der "WAZ"-Artikel ist für mich auch nicht lesbar.
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 11:23

Da ist einer mal Unternehmensberater und wird trotzdem eingebuchtet: https://www.welt.de/politik/ausland/art ... fasst.html
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Petrus » Donnerstag 1. März 2018, 11:47

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 11:23
Da ist einer mal Unternehmensberater und wird trotzdem eingebuchtet: https://www.welt.de/politik/ausland/art ... fasst.html
nicht trotzdem,
sondern deswegen.
bassd.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Donnerstag 1. März 2018, 12:24

Kannst Du bitte mal über meine Ironie hinweglesen?
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Raphael » Donnerstag 1. März 2018, 12:30

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 12:24
Kannst Du bitte mal über meine Ironie hinweglesen?
Das fällt Nominalisten immer schwer! ;D
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Freitag 2. März 2018, 10:49

"Inwieweit dieser Hintergrund eine Rolle bei der Tat gespielt haben könnte, werde noch geprüft": https://www.welt.de/vermischtes/article ... ommen.html
Journalisten sind ein seltsames Völkchen. :glubsch:
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Freitag 2. März 2018, 14:08

Die "Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände" kritisiert Frau Dr. Merkel: https://www.waz.de/politik/immigrantenv ... 98739.html
„Es ist mehr als unfair, ausgerechnet die Menschen, die vor Ort tagtäglich ehrenamtlich Bedürftige unterstützen und die wir mit riesigen Problemen alleinlassen, in eine rassistische Ecke zu stellen, in die sie nicht hineingehören“, sagte der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft, Ali Ertan Toprak, am Freitag in Bonn. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass die Essener Tafel seit Tagen belehrt und angefeindet werde.
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von umusungu » Freitag 2. März 2018, 21:02


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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Petrus » Freitag 2. März 2018, 21:21

Niels hat geschrieben:
Donnerstag 1. März 2018, 12:24
Kannst Du bitte mal über meine Ironie hinweglesen?
hallo Niels,
ich bemühe mich.

ob ich dann damit erfolgreich bin, wird die Zeit zeigen.
bassd.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Freitag 2. März 2018, 21:53

Ich werde mich jedenfalls erst mal nicht mehr bemühen, wenn Nils behauptet, die WAZ nicht lesen zu können.

Caviteño
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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 3. März 2018, 03:09

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Mittwoch 28. Februar 2018, 14:22
Dass die durch Hartz4, noch von SPD und Grünen, in vielen Bereichen, in denen auch im Essener Norden besonders viele Leute arbeiten, in Gang gesetzte Lohnabwärtsspirale, insbesondere bei Dienstleistungen, zu niedrige Renten erzielt werden, sollte nun wirklich keine Überraschung sein, das rechnen die Sozialverbände seit Jahren vor. Auf all das sind die Flüchtlinge der Tropfen, der das Faß zum überlaufen bringt, aber keineswegs die Ursache .
Lilaimmerdieselbe, worueber sich die Leute zu recht aufregen, ist doch folgendes: Jahrzehntelang wieder immer das Lied gesungen, es sei kein Geld da, um entsprechende Arbeiten zu finanzieren. Kaum spricht die Kanzlerin eine Einladung aus, ist es ploetzlich kein Problem, jaehrlich Mrden aufzutreiben - ohne die schwarze Null zu gefaehrden. Die Strassen mutieren zu Schlaglochpisten, die Schulen verrotten, die Wirtschaft boomt, die Steuereinnahmen (und auch die Schulden) steigen unter Merkel auf bisher unbekannte Hoehen und fuer die eigenen Leute bleibt nichts, nada, niente. Steuererleichterungen? Fehlanzeige! Erhoehung Sozialleistungen? Nur ganz minimal - aber fuer die, die "neu gekommen sind" oeffnet sich das Fuellhorn staatlicher Leistungen.

Es kann ja nun nicht sein, dass die Fehler bei der oertlichen Stadtverwaltung gesucht werden. Die Fehler wurden im Kanzleramt im September 2015 gemacht. Jedem, wirklich jedem, war oder konnte zumindest klar sein, dass die sog. "Fluechtlinge" in die Bezirke gehen wuerden, in denen die Mieten preiswert sind, wo schon ein Teil ihrer Sippe oder ihres Stamms lebt und wo man unter sich ist. Es wurde von allen Experten darauf hingewiesen, dass die Verteilungskaempfe am unteren Ende der Gesellschaft beginnen wuerden. Da sehen wir jetzt den Anfang - bei den Tafeln. Es setzt sich bereits weiter fort bei den Wohnungen. Man kann doch niemandem vermitteln, dass Haeuser fuer "Fluechtlinge" gebaut werden (koennen) und die, "die schon laenger hier sind" jahrelang auf eine Sozialwohnung warten muessen.

Wer heute Altersarmut bedauert und erstmalig (wie Merkel) zur Kenntnis nimmt, dass ein Teil der Bevoelkerung auf Essenspenden bei den Tafeln angewiesen ist, sollte auch klar und deutlich die Verantwortliche fuer diesen "Erfolg" benennen: Merkel. die das Land seit zwoelf Jahren regiert.
Nicht die Tafeln sind fuer die Zustaende verantwortlich, auch nicht die Kommunen. Die Entscheidung(en) wurden in Berlin gefaellt und die unteren Ebenen allein gelassen.

Im uebringen scheint es ja so zu sein, dass die Essener Tafel kein Einzelfall ist. Ich hatte so etwas ja schon vermutet. Inzwischen fuehrt auch Marl eine Beschraenkung ein. Wahrscheinlich scheuen die anderen Tafeln - bei aehnlichen Verhaeltnissen - vor diesen unpopulaeren Massnahmen zurueck, weil sie politisch nicht korrekt sind und weil man vermutlich keine belastbaren Zahlen ueber die Struktur der "Kunden" hat.

Treffend auch dieser Artikel:

Wen soll Jörg Sartor wählen?
Die Kanzlerin hat mitgeteilt, sie werde nach Essen kommen, um sich ein „realistisches Bild“ von der Lage dort zu machen. Ist ihr schon einmal der Gedanke gekommen, dass man sich besser zuerst ein realistisches Bild machen sollte, bevor man über RTL denen, die in dieser Wirklichkeit leben, Zensuren erteilt? Oder an die Adresse der CDU-Vorsitzenden mehr als an die Kanzlerin gerichtet: Sollte nicht in die Analysen der Gründe für das Abschmelzen der Volksparteien in den vergangenen Wahlen miteinbezogen werden, dass diese Reihenfolge – erst ein realistisches Bild, dann erst Belehrungen – auch für viele Wähler wünschenswert wäre?

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Dienstag 6. März 2018, 09:54

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von umusungu » Dienstag 6. März 2018, 11:19

falscher Strang!°

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Hubertus » Sonntag 11. März 2018, 19:02

Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Niels » Sonntag 11. März 2018, 20:06

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Montag 12. März 2018, 13:22

Den Sartor aus Essen habe ich heute live gehört, dessen Ego ist zu Recht gestreichelt. Wer kriegt sein Thema schon tagelange auf die ersten Seiten der überregionalen Presse, in nun wirklich jede talkshow und außerdem auch noch sein konkretes Anliegen durchgedrückt. Ich habe ihm Glückwünsche geschickt.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. März 2018, 04:29

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Montag 12. März 2018, 13:22
Den Sartor aus Essen habe ich heute live gehört, dessen Ego ist zu Recht gestreichelt. Wer kriegt sein Thema schon tagelange auf die ersten Seiten der überregionalen Presse, in nun wirklich jede talkshow und außerdem auch noch sein konkretes Anliegen durchgedrückt. Ich habe ihm Glückwünsche geschickt.
Wenn ich mich recht erinnere, war der Preis dafür allerdings, daß man in der Presse und auch in der Forendiskussion hier als "Vollpfosten" dargestellt wurde: Die Tafel in Essen, die Probleme hat, die -angeblich- andere Tafeln -angeblich- nur mit besserer Organisation gelöst haben.... Essen schien dazu nicht in der Lage zu sein und sollte von anderen Tafeln "lernen", lautete doch die Aufforderung an Herrn Sator.

Inwieweit Druck ausgeübt wurde, werden wir wohl nie erfahren. Allerdings könnte auch die mögliche Aberkennung der Gemeinnützigkeit die Entscheidung beschleunigt haben. Tafeln fallen unter die Vorschrift des § 53 AO (mildtätige Zwecke). Ob es zulässig ist, eine bestimmte Personengruppe ausschl. aufgrund ihrer Nationalität auszuschließen, ist zumindest sehr zweifelhaft.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 15. März 2018, 10:32

Deswegen hätte doch niemand seine Gemeinnützigkeit verlieren können. Damit zu drohen, ist schlicht Unfug. Natürlich haben andere Tafeln dasselbe Problem und die Lösungen sind meiner Meinung nach besser, aber eben auch zweifelhaft. In Bochum hat man große Haushalte ausgesperrt, in Marl Alleinstehende, woanders getrennte Ausgabezeiten, je nach Alter oder Nationalität. Damit hat man irgendwelche Lösungen, aber eben keine Aufmerksamkeit. Ich habe nicht zu der Lösung, sondern für den PR-Coup gratuliert. Der war allerdings anders nicht zu haben, wie sich ja gezeigt hat.

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. März 2018, 11:57

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:
Donnerstag 15. März 2018, 10:32
Deswegen hätte doch niemand seine Gemeinnützigkeit verlieren können. Damit zu drohen, ist schlicht Unfug.
"Unfug" ist es mitnichten. Als ich von der Entscheidung der Essener Tafel las, kam mir sofort der Gedanke, ob die Steuerbegünstigung dann noch zu halten ist.

Die Gemeinnützigkeit wurde z.B. vom BFH bei geschlechtergetrennten gemeinnützigen Vereinen verneint, z.B. bei Freimaurern:
Der BFH entschied im vorgenannten Urteil, dass eine Freimaurerloge, die einen eingetragenen Verein darstellt, nicht Frauen gesamtheitlich von der Mitgliedschaft ausschließen kann, ohne ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren.
https://steuerberater-münchen.de/de/ver ... -vereinen/

Nun mag der Fall ein wenig anders liegen, weil es sich um bei der Tafel um einen Verein handelt, der mildtätige Zwecke verfolgt. Gleichwohl ist es mE nicht von der Hand zu weisen, daß der kategorischer Ausschluß von Empfängern nur aufgrund ihrer Nationalität die Gemeinnützigkeit des Vereins gefährden könnte. Die Empfänger wären berechtigt, dort "einzukaufen"; sie erfüllen die Voraussetzungen der Bedürftigkeit. Ihr Ausschluß ist ausschließlich durch ihre Staatsangehörigkeit begründet - so jedenfalls die Essener Tafel.

Warum sollte ein Verein von den Steuerbefreiungen der Gemeinnützigkeit profitieren, wenn er nur eine eng begrenzte Gruppe unterstützt und andere, vergleichbare Bedürftige, ausschließt? :achselzuck:

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von ziphen » Donnerstag 15. März 2018, 12:02

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 15. März 2018, 11:57
Warum sollte ein Verein von den Steuerbefreiungen der Gemeinnützigkeit profitieren, wenn er nur eine eng begrenzte Gruppe unterstützt und andere, vergleichbare Bedürftige, ausschließt? :achselzuck:
Das hat man in Essen aber nicht getan. Man hat die Absicht für einen begrenzten Zeitraum Personen ohne eine bestimmte Nationalität nicht neu aufzunehmen. Dies mit dem Freimaurerurteil gleichzusetzen, ist unsinnig.
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

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Re: Integrationspolitik 2

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 15. März 2018, 12:16

Finde ich auch. Die Essener haben doch nicht grundsätzlich alle Ausländer ausgeschlossen. Sie haben von Anfang an gesagt, sie strebten eine Rückführung auf 50% an. Dass sie die zwar Ende des Monats erreichen, mittelfristig aber nach den jetzigen Absprachen nicht halten werden können, ist auch klar. Das ist aber vermutlich noch nicht mal notwendig, wenn die Stadt und die Ausländerverbände ihre Zusagen einhalten. Mit der Gemeinnützigkeit hat das jedenfalls nichts zu tun.
Cavitenio überinterpretiert dieses Urteil sehr. Selbsthilfegruppen wenden sich auch an einen eingeschränkten, bei seltenen Krankheiten sogar sehr eingeschränkten Begünstigtenkreis. Das schadet ihrer Gemeinnützigkeit nicht. Fragwürdiger erscheint mir da die Gemeinnützigkeit Düsseldorfer Tennisvereine, deren Nutzen erst ab der Fähigkeit, sehr hohe Beiträge zu zahlen, wirksam wird. Aber selbst die sind vor Gericht damit durchgekommen.

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