Zukunft von Währungsunion und Euro

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Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 7. Dezember 2017, 09:35

Die Situation in IT ist besorgniserregend. Die EU verzichtet aber auf die Einleitung eines Verfahrens - aus wahltaktischen Gründen:
Rom verstosse gegen die EU-Regeln, wenn das strukturelle Defizit nicht stärker reduziert werde, sagt die Kommission. Aus Rücksicht auf die Wahlen hat sie den Entscheid über die Einleitung eines Defizitverfahrens aber auf das Frühjahr verschoben. Sie will den europaskeptischen Populisten offensichtlich nicht in die Hände spielen.
(...)
Die EU hatte den Regierungen in Rom in den letzten Jahren immer wieder «Flexibilität» zugestanden, um deren Reformpolitik nicht zu torpedieren. Doch nun wird immer offener Kritik geübt.
(...)
In Brüssel ist man überzeugt, dass Italien die Zahlen auch diesmal «frisiert» hat. Für noch grösseres Bauchweh sorgt jedoch die politische Unsicherheit. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass es nach den Wahlen keine klare Mehrheit im Parlament geben wird. Das bedeutet, dass die nächste Regierung noch stärker von Partikularinteressen abhängig sein wird. Oder es könnten gar die populistischen Fünf Sterne an die Macht kommen, die den Stabilitätspakt grundsätzlich infrage stellen.
Italien: Der uneinsichtige Sünder der Euro-Zone

Die Folgen dürfen dann die Nordstaaten tragen. Droht Grillo nach gewonnen Wahlen damit, aus dem Euro auszutreten oder die Schulden zu "vergemeinschaften", kann man sich die Antwort einer GroKo mit Merkel und Schulz an der Spitze vorstellen...
Aber vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit, daß der Euro endlich auseinanderfliegt. Im Gegensatz zur letzten Legislaturperiode sitzen diesmal zwei Parteien im Parlament, die gegen die dauernde "Rettung" stimmen werden. Auch die CSU dürfte sich ein anderes Thema kurz vor der Landtagswahl wünschen... :breitgrins:

Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 27. Dezember 2017, 07:47

Die wahrscheinlichen Auswirkungen einer "vergemeinschafteten" europ. Einlagensicherung (EDIS) werden hier gut erklärt:

Anstiftung zur großen Bankenkrise

Man sollte immer im Hinterkopf haben, daß in der EU Vereinbarungen und Verträge nachweislich das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben wurden. So sind auch die "Beruhigungspillen", die verabreicht werden, allenfalls ein Placebo. In dem Artikel wird auf die Sparkassenkrise der USA in den 80'iger Jahren verwiesen:
Ein abschreckendes Beispiel ist die amerikanische Sparkassenkrise der achtziger Jahre. Zu ihr kam es, nachdem die Sparkassen mit Hilfe eines gemeinsamen Einlagensicherungsfonds sehr viele Spargelder anlockten und mit diesen hemmungslos zockten. In der Folge gingen zunächst die schwachen Banken und Sparkassen bankrott. Die Einlagensicherung zahlte, bis ihr das Geld ausging.
Letztlich sind die Sparer der schwachen Institute mit den Geldern der starken Sparkassen gerettet worden. Aber als am Ende auch den stärkeren Instituten das Geld ausging, sprang der Steuerzahler ein. Und obwohl der Staat zweimal noch Milliarden aus Steuermitteln hinzugab, war die Einlagensicherung am Ende selber pleite – ein Misserfolg nach dem anderen.
Ähnlich wird es dann im Euroraum sein. Insbesondere die Banken im Süden sind mit notleidenden Krediten und Staatspapieren "gut ausgestattet". Durch EDIS werden die Risiken einzelner Institute/Länder dann auf alle Mitgliedsländer des Euro-Raums verteilt.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 10. Januar 2018, 02:59

Die italienische Bankenkrise bestätigt die Kritiker

Seit der Euroeinführung ist die ital. Wirtschaft nicht gewachsen - mit entsprechenden Folgen für das dortige Finanzwesen:
15,3% der Kredite in den Bankbilanzen sind notleidend, die Summe beläuft sich auf sagenhafte 330 Mrden € und ist somt ein Drittel aller notleidenden Kredite in der EU. Erschwerend kommt hinzu, daß die sog. Kernkapitalquote der Banken in IT unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Bezogen auf eine gemeinsame europ. Einlagensicherung bedeutet das wie der oa Artikel ausführt:
1. Die europäischen Bankensysteme sind zu instabil und haben ihre Altlasten längst nicht beseitigt.(...)
2. Die Sicherung der Einlagen durch andere Staaten nimmt den Anreiz, eine eigene stabile Einlagensicherung aufzubauen: Wenn die Einlagen durch ein eurozonenweites Sicherheitsnetz garantiert werden, in dem stabile Staaten und Bankensysteme wesentlich zu dessen Sicherheit beitragen, mindert dies die Anreize für Mitgliedsländer selber eine stabile Einlagensicherung aufzubauen.(...)
3. Erst muss sich zeigen, ob sich die erste und zweite Säule der Bankenunion in der Praxis bewähren:(...) Italien will derzeit sowohl die Regeln des Fiskalpaktes als auch der Bankenunion, vor allem die vorgeschriebene Eigentümer- und Gläubigerbeteiligung, nicht beachten.
Berlusconi scheint erkannt zu haben, daß die Banken schwach sind und man die Euromitglieder (sprich D.) dazu zwingen kann, die Lasten zu schultern. In IT ist jedenfalls kurz vor der Wahl ein Kampf um die Mitgliedschaft im Euro ausgebrochen:

Berlusconi streitet mit Bündnispartner über Euro-Abkehr

Allerdings sind die Positionen der möglichen Bündnispartner bzgl. Euro auch nicht gut für D.:
Stärkste Einzelpartei ist demnach aktuell die europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung, die in der Wählergunst sogar die Demokratische Partei (PD) von Ministerpräsident Paolo Gentiloni überrundete. Allerdings hat die Fünf-Sterne-Bewegung ihre frühere Ankündigung eines Referendums über den Euro relativiert. Demzufolge betrachtet Parteichef Luigi Di Maio diesen Schritt nun nur noch als "letztes Mittel", falls Italien keine Änderungen an den EU-Haushaltsregeln durchsetzen kann.
Wirtschaftsthemen stehen im Wahlkampf ganz oben. Alle Parteien versprechen eine Änderung oder Abschaffung der EU-Haushaltsregeln, Steuersenkungen und mehr Wirtschaftsförderung.
Was dabei herauskommt, wenn Merkel als Regierungschefin und Schulz als Finanzminister in die Verhandlungen mit Südländern, insbesondere IT und F, gehen und die Zukunft des Euros auf dem Spiel steht, kann man sich vorstellen.....
Aber kein Problem: Dann weiß man auch, wofür die Haushaltsüberschüsse (falls die reichen sollten) verwendet werden. Es geht ja schließlich auch nicht, daß ein Land Überschüsse hat und ein anderes noch Schulden macht. :D

Ein Trost bleibt aber: Weil AfD und FDP im Parlament sitzen, gehören die Zeiten der Abnickorgien bei diesem Thema der Vergangenheit an. :daumen-rauf:

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Raphael
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Mittwoch 10. Januar 2018, 07:20

:auweia:

Forderungen der Bundesbank aus TARGET2:
Betrag: 906.941.417.444,22 Euro
(Stand: 31. Dezember 2017)

(Quelle)

Das ist ca. das dreifache Haushaltsvolumen des Bundes! :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Caviteño
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 10. Januar 2018, 08:52

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 10. Januar 2018, 07:20
:auweia:

Forderungen der Bundesbank aus TARGET2:
Betrag: 906.941.417.444,22 Euro
(Stand: 31. Dezember 2017)

(Quelle)

Das ist ca. das dreifache Haushaltsvolumen des Bundes! :hmm:
oder fast ein Drittel des deutschen Bruttoinlandprodukts iHv 3,4 Billionen €

Bemerkenswert ist, daß die hohen Target-"Forderungen" kaum auf dem Warenhandel beruhen. Der Überschuß mit IT - als einem der größten Target-Schuldner - betrug "nur" knappe 10 Mrden €, die Griechen waren mit 3 Mrden und die Spanier mit 12 Mrden dabei (alle Zahlen 2016, Quelle: hier - Tabelle S. 45.)

Es ist also nicht nur so, daß D. im Grunde die Exporte hätte verschenken können - auch die Gelder aus den Fluchtbewegungen muß es bezahlen, wenn der Euro implodieren sollte.
Man stelle sich nur das Erpressungspotential unserer "Partner" vor, wenn es um den Erhalt der Eurozone geht.... Der Fehler wurde von Frau Merkel im Frühjahr 2010 gemacht, als sie GR um jeden Preis in der Eurozone halten wollte und den Maastricht-Vertrag aufgab. Die Rechnung zahlen die folgenden Generationen.

Eine andere interessante Statistik der Bundesbank zeigt, daß der Euro für die deutsche Wirtschaft immer mehr an Bedeutung verliert. So sind ist der Anteil der in Euro fakturierten Exporte in Drittländer von 2012 bis 2016 von 64,6% auf 59,4% gesunken. Bei den Importen war der Rückgang nicht so dramatisch (von 50,9% auf 49,4%).

https://www.destatis.de/DE/PresseServic ... ernetLive2

Zusammen mit der Verschiebung bei den Exporten - von den fünf wichtigsten Exportnationen gehören drei nicht zum Euroverbund - sollte man die immer wieder zu hörende Beteuerung, wie wichtig der Euro für "uns" sei, mit gehöriger Skepsis aufnehmen.

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Raphael
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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35

Caviteño hat geschrieben:
Mittwoch 10. Januar 2018, 08:52
Man stelle sich nur das Erpressungspotential unserer "Partner" vor, wenn es um den Erhalt der Eurozone geht.... Der Fehler wurde von Frau Merkel im Frühjahr 2010 gemacht, als sie GR um jeden Preis in der Eurozone halten wollte und den Maastricht-Vertrag aufgab. Die Rechnung zahlen die folgenden Generationen.
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger (!!!) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 11. Januar 2018, 09:34

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger (!!!) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Ich darf in diesem Zusammenhang noch einmal auf die "Entdeckung" der TARGET-Salden durch Prof. Sinn hinweisen.

Er hat einmal geschrieben, daß er von dem früheren Bundesbank-Präsidenten Schlesinger auf eine "merkwürdige" Position in der Bilanz der Bundesbank hingewiesen wurde, die auffällig gestiegen war und für die Prof. Schlesinger keine Erklärung hatte. Schlesinger war in seiner aktiven Zeit auch für die Bilanzaufstellung verantwortlich.
Prof. Sinn schrieb daraufhin Volkswirtschaftsprofessoren in D. an, erhielt aber auch keine zufriedenstellende Antwort - das Problem war nicht bekannt. Er wandte sich an Bundesbank und Bundesregierung und konnte mühsam ermitteln, um was es sich handelte. Die Bundesregierung wiegelte ab und bezeichnete es als "bloße Verrechnungsposten" - eine rechtliche Einstufung, die Prof. Sinn später immer wieder zu der Aussage führte, daß die Beträge dann erst recht nicht einklagbar wären.....

Ohne Prof. Sinn (von Schäuble als "Prof. Unsinn" verunglimpft) wäre die TARGET-Saldenproblematik heute noch niemanden bekannt. Sie ist den Abgeordneten, die den Euro-Vertrag durchwinkten (weil man eine Volksabstimmung angesichts der "Komplexität" nicht durchführen wollte) überhaupt nicht bekannt gewesen. Sie haben dieses Problem - obwohl sie sich nach eigenem Bekunden "intensiv" mit dem Vertrag beschäftigt haben - überhaupt nicht erkannt. Selbst bei der Stimmgewichtung im EZB-Rat hat sich das Parlament über den Tisch ziehen lassen und haben D. das gleiche Stimmgewicht wie Malta zugestanden, auf das es jetzt auch noch turnusmäßig verzichten muß... :vogel:
Es ist daher angebracht, das solche wichtigen Entscheidungen dem Parlament entzogen und dem Volk vorgelegt werden - denn das muß schließlich auch für die Fehler, die im politischen Raum gemacht wurden, haften. Es sind ja nicht die "klugen" Abgeordneten, die die Folgen ihrer falschen Entscheidungen mit ihrem Privatvermögen zu tragen haben...

Ach so: Für die TARGET-"Forderungen" hätte D. -rein betragsmäßig- das wertvollste Unternehmen der Welt (Apple) kaufen können. Das hätte man zwar auch zuviel bezahlt, aber man bekäme bei einer Veräußerung immer noch mehr als man bei einem Zusammenbruch des Euros erhalten würde. Und die hohen "Rettungskredite" sind dabei noch nicht einmal eingerechnet...... Demnächst wird es noch mehr, wenn die französischen Pläne von Macron verwirklicht werden sollten.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Raphael » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:04

Caviteño hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 09:34
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 07:35
Damit wird exakt das thematisiert, was eine gute Wirtschaftspresse hätte schon längst thematisieren müssen. :daumen-rauf:

Jedem Ökonomen ist völlig klar, daß die Höhe einer finanziellen Forderung den Gläubiger (!!!) in "ungewollte" Abhängigkeiten bringt. Der Schuldner kann sich sehr schnell auf die Position "Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen!" zurückziehen.
Und mir ist es schleierhaft, daß eine Bundesbank so einfach und offenbar gesetzeskonform derart exorbitante Risiken eingehen kann/darf. Unabhängigkeit hin oder her! :regel:
Ich darf in diesem Zusammenhang noch einmal auf die "Entdeckung" der TARGET-Salden durch Prof. Sinn hinweisen.

Er hat einmal geschrieben, daß er von dem früheren Bundesbank-Präsidenten Schlesinger auf eine "merkwürdige" Position in der Bilanz der Bundesbank hingewiesen wurde, die auffällig gestiegen war und für die Prof. Schlesinger keine Erklärung hatte. Schlesinger war in seiner aktiven Zeit auch für die Bilanzaufstellung verantwortlich.
Prof. Sinn schrieb daraufhin Volkswirtschaftsprofessoren in D. an, erhielt aber auch keine zufriedenstellende Antwort - das Problem war nicht bekannt. Er wandte sich an Bundesbank und Bundesregierung und konnte mühsam ermitteln, um was es sich handelte. Die Bundesregierung wiegelte ab und bezeichnete es als "bloße Verrechnungsposten" - eine rechtliche Einstufung, die Prof. Sinn später immer wieder zu der Aussage führte, daß die Beträge dann erst recht nicht einklagbar wären.....

Ohne Prof. Sinn (von Schäuble als "Prof. Unsinn" verunglimpft) wäre die TARGET-Saldenproblematik heute noch niemanden bekannt. Sie ist den Abgeordneten, die den Euro-Vertrag durchwinkten (weil man eine Volksabstimmung angesichts der "Komplexität" nicht durchführen wollte) überhaupt nicht bekannt gewesen. Sie haben dieses Problem - obwohl sie sich nach eigenem Bekunden "intensiv" mit dem Vertrag beschäftigt haben - überhaupt nicht erkannt. Selbst bei der Stimmgewichtung im EZB-Rat hat sich das Parlament über den Tisch ziehen lassen und haben D. das gleiche Stimmgewicht wie Malta zugestanden, auf das es jetzt auch noch turnusmäßig verzichten muß... :vogel:
Es ist daher angebracht, das solche wichtigen Entscheidungen dem Parlament entzogen und dem Volk vorgelegt werden - denn das muß schließlich auch für die Fehler, die im politischen Raum gemacht wurden, haften. Es sind ja nicht die "klugen" Abgeordneten, die die Folgen ihrer falschen Entscheidungen mit ihrem Privatvermögen zu tragen haben...

Ach so: Für die TARGET-"Forderungen" hätte D. -rein betragsmäßig- das wertvollste Unternehmen der Welt (Apple) kaufen können. Das hätte man zwar auch zuviel bezahlt, aber man bekäme bei einer Veräußerung immer noch mehr als man bei einem Zusammenbruch des Euros erhalten würde. Und die hohen "Rettungskredite" sind dabei noch nicht einmal eingerechnet...... Demnächst wird es noch mehr, wenn die französischen Pläne von Macron verwirklicht werden sollten.
Die Geschichte war mir bekannt und sie ist mir Beweis dafür, daß die Herren genau wissen, was sie da tun. :hmm:

Das Ungleichgewicht bei den Targetsalden hat mehrere Gründe:
- Folge der Staatsschuldenkrise, da die Aufkäufe des OMT-Programms der EZB dort ihren buchhalterischen Abdruck hinterlassen
- Kapitalflucht aus den Ländern, die Target2-Schuldner sind
- Exportstärke der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren

Man stelle sich nur 'mal als Gedankenspiel vor, daß die Target2-Forderungen der Bundesbank notleidend würden; Möglichkeiten sind da viele denkbar. Selbst eine sofortige Sonder-Garantie des Bundes würde die Bundesbank nicht vor der Insolvenz schützen können, weil der Garantiegeber selber insolvent würde.

Eine katastropahle Kettenraktion an den Finanzmärkten wäre nicht aufzuhalten ................


Disclaimer: Ich glaube nicht, daß dieser Fall eintritt und möchte hier nicht die Kassandra herauskehren. Aber genau so ist die Finanzkrise 2007/2008 verursacht worden, nur ein einem kleineren Maßstab. Erst wurden die Hypothekenkredite in den USA notleidend und haben dann über den Transmissionsriemen Asset Backed Securities die weltweite Krise ausgelöst ...........
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Petrus » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:49

was mich tröstet:

mein letztes Hemd hat keine Taschen.

(und, btw: mein letzter Wagen wird ein Kombi sein).

in der sicheren und gewissen Hoffnung
auf eine fröhliche Auferstehung.
fr. petrus, OCant.

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Re: Zukunft von Währungsunion und Euro

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 11. Januar 2018, 14:34

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 13:04
Man stelle sich nur 'mal als Gedankenspiel vor, daß die Target2-Forderungen der Bundesbank notleidend würden; Möglichkeiten sind da viele denkbar. Selbst eine sofortige Sonder-Garantie des Bundes würde die Bundesbank nicht vor der Insolvenz schützen können, weil der Garantiegeber selber insolvent würde.

Eine katastropahle Kettenraktion an den Finanzmärkten wäre nicht aufzuhalten ................


Disclaimer: Ich glaube nicht, daß dieser Fall eintritt und möchte hier nicht die Kassandra herauskehren. Aber genau so ist die Finanzkrise 2007/2008 verursacht worden, nur ein einem kleineren Maßstab. Erst wurden die Hypothekenkredite in den USA notleidend und haben dann über den Transmissionsriemen Asset Backed Securities die weltweite Krise ausgelöst ...........
Das hat nichts mit Kassandra oä zu tun, das sind durchaus mögliche Entwicklungen. Prof. Sinn hat sie in seinem Buch "Der Schwarze Juni: Brexit, Flüchtlingswelle, Eurodesaster" beschrieben. Das entsprechende Kapitel "Risiko für die Überschußländer - insbesondere Deutschland" kann bei google books gelesen werden:

https://books.google.com.ph/books?id=Cj ... rs&f=false

Schwindlig wird einem, wenn man das Ansteigen vergleicht. Lt. Prof. Sinn betrugen die Target-Forderungen am 19. 09. 2016 = 680 Mrden €. Sie sind dann bis zum Endes des Jahres 2017 auf über 900 Mrden angestiegen.

@Petrus:
In einem stimme ich Dir zu:
Der Verlust der Target-Salden wäre "nur" Geld - aber hast Du auch daran gedacht, daß in einem solchen Fall die Abneigung zwischen den Völkern in Europa erheblich zunehmen würde? Du wirst doch nicht annehmen, daß man dann zur "Tagesordnung" übergehen würde, oder? Denk doch nur an das Frühjahr 2010, als die "Hilfskredite" für GR beschlossen wurden. Im Vergleich zu den TARGET-Beträgen waren das ein paar lächerliche Mrden. Schon damals wurde von "Pleite-Griechen" uä gesprochen und Angela in GR in Nazi-Uniform dargestellt. Selbst in D. ist der Soli noch immer ein Reizthema zwischen West und Ost, wie auch generell der Finanzausgleich.

Was wäre wohl los, wenn sich die Erkenntnis flächendeckend durchsetzen würde, daß die ganzen deutschen Exporte in den Süden nie bezahlt wurden und das jetzt erfolgen muß? Ich verrate Dir keine Überraschung, wenn ich Dir sage, daß Du den Zahlungsverpflichteten gut kennst.... :D

Natürlich wird die Politik alles Menschenmögliche tun, um einen solchen Fall zu vermeiden. Aber wie eingangs erwähnt: Damit haben IT & Co ein gewaltiges Erpressungspotential in der Hand, um noch weitere Forderungen (Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung!!!) durchzusetzen.

Dem Frieden in Europa hat der Euro nicht gedient und er wird es auch nicht tun und die Zeiten, in denen in D. und anderen Ländern so etwas ohne große Diskussion in den Parlamenten abgenickt wurde, sind wahrscheinlich durch die stärker werdenden "rechten" Parteien vorbei.

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