Bedingungsloses Grundeinkommen?

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shag1
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Bedingungsloses Grundeinkommen?

Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 10:35

Das Thema der Grundsicherung wurde hier im Kreuzgang eher nur „gestreift", deshalb und aus aktuellem Anlass (graduelle Einführung in Österreich durch die neue SPÖ-ÖVP-Regierung) möchte ich hier im Brauhaus nochmals zu diesem Thema nachfragen.

Prof. Herwig Büchele, Jesuit, ist Professor an der theologischen Fakultät in Innsbruck und hat in den
8-er-Jahren in Zusammenarbeit mit der „Katholischen Sozialakademie“ das Konzept des „Grundeinkommens“ entwickelt.
(Büchele, Herwig und Wohlgenannt, Lieselotte: Grundeinkommen ohne Arbeit. Auf dem Weg zu einer kommunikativen Gesellschaft, Europaverlag Wien 1985)

In der Zwischenzeit ist auch eine nicht unerhebliche Zahl der österreichischen Bischöfe für die (graduelle) Einführung dieses Konzepts, was, so wie es aussieht, die neue österreichsiche Regierung auch tun wird (in Form der „bedarfsorientierten Grundsicherung“).

Folgendes u.a. Beispiel scheint eine Tendenz in unserer Gesellschaft wiederzugeben, die in Zukunft sehr problematisch werden könnte, - ist das Konzept der „Grundsicherung“ oder des „Grundeinkommens“ aus katholischer Sicht der „richtige Weg“ oder gibt es andere Wege aus dem Dilemma „tendenziell steigende Arbeitslosigkeit aufgrund der enormen Technisierung – Grenzen des Wirtschaftswachstums – Situation der „Schwachen in unserer Gesellschaft“ ?

„DAX-Unternehmen: Mehr Entlassungen führen zu höheren Gewinnen
Bei börsennotierten Firmen, die für 25 Entlassungen geplant oder durchgeführt haben, stieg in diesem Zeitraum deutlich der Gewinn. So zum Beispiel bei der Deutschen Bank, die ihre Umsätze um 87 % steigerte oder bei der Telekom, bei der die Erlöse um mehr als 3 % anstiegen.
Aber auch die Bezüge der entsprechenden Manager stiegen um bis zu 3 Prozent, während Arbeitnehmer sich mit gerade einmal zwei Prozent zufrieden geben mussten. Auch nächstes Jahr ist die Tendenz ähnlich, da weitere Entlassungen bereits angekündigt wurden.“
( http://shortnews.stern.de/shownews.cfm? ... N=93455775 )

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shag1
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Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 11:43

Ein kurzer Überblick aus http://de.wikipedia.org

Die Idee
Das BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) soll ein steuerfinanziertes Basiseinkommen für alle sein, in Existenz- und Teilhabesichernder Höhe und ohne sozialadministrative Bedürftigkeitsprüfung von Einkommen und Vermögen bzw. ohne Arbeitszwang oder Tätigkeitsverpflichtung. Es kann aber soviel hinzu verdient werden, wie es jeder einzelne für erstrebenswert hält und soweit dies am Markt aushandelbar ist.

Je nach Modell des Grundeinkommens wird eine Zahlung in Höhe des Sozialhilfesatzes bzw. des Arbeitslosengeldes II bis hin zu 1.500 € vorgeschlagen. Einige Modelle sehen einen schrittweisen Ersatz der (versicherungsbasierten und steuerfinanzierten) Sozialleistungen durch das BGE vor.

Das Grundeinkommen unterscheidet sich damit von einer Grundsicherung, die nur gezahlt wird, wenn kein anderes ausreichendes Einkommen vorhanden ist und die mit einer Bedürftigkeitsprüfung und in der Regel mit Arbeitsverpflichtung bzw. dem Nachweis der Arbeitsbereitschaft verbunden ist.

Die Beweggründe für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens sind vielschichtig. Auf der einen Seite stehen ökonomische Aspekte, auf der anderen politische bzw. soziale.


Auswirkungen

Von den Befürwortern erhoffte Auswirkungen
Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens erhoffen sich folgende Effekte (Reihenfolge ohne Wertung):


Erwartete gesamtwirtschaftliche und soziale Auswirkungen
Bürokratieabbau und Verhinderung verdeckter Armut (Nichtinanspruchnahme bedürftigkeitsgeprüfter Sozialtransfers)[1] [2], da die Bedürftigkeitsprüfung entfällt.
Senkung der Lohnnebenkosten, da die Arbeitslosen- und Rentenversicherung entfällt bzw. auf eine freiwillige Vorsorge beschränkt werden kann. In einigen Modellen wird auch die Krankenversicherung vom Grundeinkommen bestritten. Dann entfallen die Lohnnebenkosten vollständig, was zusätzlich den Verwaltungsaufwand bei der Lohnauszahlung verringert.
Größerer Anreiz, Arbeit aufzunehmen, da das Grundeinkommen weiterhin unvermindert gezahlt wird.
Revision des Beamtenstatus notwendig (zu viele Beamte für zu wenige Aufgaben)
Höhere Bezahlungsmoral. Viele Schuldner haben nicht das Problem des Wollens, sondern des Könnens. Da die Existenz gesichert ist, stehen Mittel für das Tilgen zur Verfügung.
Mitarbeiterwerbung wird nötig, dadurch bessere Arbeitsbedingungen
Stärkung der Binnennachfrage und Stabilisierung der Wirtschaft
Mehr Planungssicherheit für die Bevölkerung, dadurch geringere Sparquote, vor allem in Zeiten der Rezession. Dies könnte zu einer beständigeren Wirtschaftsentwicklung führen.
Konjunktur-Aufschwung. Durch die Rezession am Anfang dieses Jahrtausend und der soziale Wandlung durch Hartz IV (Sozialhilfe (Deutschland)) usw., konnte man im Gewerbe eine deutlich gefallene Konsumfreudigkeit feststellen. Auch in der Industrie waren Sparmaßnahmen und Rationalisierung im Trend.
Mehr Anreize zu Arbeitszeitverkürzung
Entlassung führt nicht zu Armut, weniger Streiks bei Entlassungen
Existenzgründung wird einfacher, da das Existenzminimum sicher ist.
Weniger Abhängigkeit vom Unternehmen, steigert die Motivation der Arbeiter.
Besser aushandelbare Löhne - Ein größerer Spielraum für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wäre vorhanden.

Mögliche gesellschaftliche Auswirkungen
die Arbeitsstelle dient nicht mehr als Existenzgrundlage
neue Anreize zur Arbeitsaufnahme werden nötig, wenn man von einem sich verwirklichen wollenden Menschen, und nicht von einem reizgesteuerten Reaktionswesen ausgeht.
ohne Bedürftigkeitsprüfung ist die Privatsphäre besser geschützt
transparente und für alle gleiche finanzielle Unterstützung
leichtere Familienplanung, damit verbunden wachsende Geburtenraten
zunehmende Gesundheit durch Abbau psychosomatischer Gesundheitsstörungen wie Burnout usw., die zunehmend zur Arbeitsunfähigkeit führen.
effektivere Verwendung von Geldmitteln bei gleichzeitigem Verwaltungsabbau
Wertewandel weg vom Geld hin zur sozialen Gemeinschaft
mehr Zeit und Muße für zivilgesellschaftliches Engagement und Bildung kommen auch der Demokratie zugute
Vermehrtes Engagement in Bereichen wie Vereine, Hobby, Sport und Kultur
flexiblere Zeiteinteilung, weg von Vollzeitjobs
Zurückdrängen des Lobbyismus und der Subventionswirtschaft, da die Politik nicht mehr mit potentiellen Arbeitsplatzverlusten erpressbar ist, bsp: Tabak-, Waffen-, Pharma-, Kohle-, Autolobby. Daher „bessere Politik“ möglich.
Veränderung des Arbeits-Begriffes weg von enger Definition „Lohnarbeit“ hin zur „kreativen Betätigung“

Politische/soziale Aspekte
kleinere Unterschiede zwischen Arm und Reich
Grundversorgung auf höherem Niveau, aber immer noch abhängig von Arbeitsstellen
weniger Kostendruck auf Ehrenämter
Abschaffung des Stigmas „arbeitslos“

Von den Gegnern befürchtete Auswirkungen
Gegner eines bedingungslosen Grundeinkommens befürchten demgegenüber folgende Effekte (Reihenfolge ohne Wertung):


Erwartete Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen
Explosionsartige Erhöhung von Steuern
Massiv zurückgehendes Arbeitsangebot - andere Kritik: Arbeitszwang, also mehr Arbeitsangebot
Hierdurch Steigerung der Lohnkosten
Bei Annahme steigender Lohnkosten ergibt sich eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft und
schrumpfende Wirtschaftsleistung
Dadurch Bedarf einer weiteren Steuererhöhung (Teufelskreis)
Umfassende Kapitalflucht
Sinkende Sparquote -> dadurch steigende Zinsen -> reduzierte Investitionen, in der volkswirtschaftlichen Theorie

Mögliche gesellschaftliche Auswirkungen
Entwicklung einer (Un-)Kultur der Faulheit
Erosion der Leistungsbereitschaft
Hierdurch vermindertes Engagement in Bereichen wie Vereine, Hobby, Sport und Kultur (trotz zusätzlicher Freizeit)
Flucht in Auswanderung aufgrund Steuerdrucks und Wirtschaftskrise
Ein solches System kann nicht funktionieren und führt sich alsbald selbst ad absurdum: wenn keiner mehr einen Anlass hat zu arbeiten und Geld zu verdienen, gibt es auch sehr bald keinen mehr, der das Ganze finanziert; Folgen deshalb:
Es sind neue (nicht-monetäre) Anreize zur Arbeitsaufnahme nötig; hierdurch entsteht sozialer Druck oder Arbeitspflicht
Da eine für alle gleiche finanzielle Unterstützung keine Einzelfallgerechtigkeit bringt, wird es weiterhin zusätzliche Sozialleistungen und Subventionen geben.

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Walter
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Beitrag von Walter » Mittwoch 27. Dezember 2006, 12:56

shag1 hat geschrieben:Die Beweggründe für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens sind vielschichtig. Auf der einen Seite stehen ökonomische Aspekte, auf der anderen politische bzw. soziale.
... oder gibt es andere Wege aus dem Dilemma „tendenziell steigende Arbeitslosigkeit aufgrund der enormen Technisierung – Grenzen des Wirtschaftswachstums – Situation der „Schwachen in unserer Gesellschaft“ ?
Typisches Thema (nur) zur Weihnachtszeit.

Meine Meinung dazu: Ohne Paradigmenwechsel geht das nicht. Gerade die Orientierung und auch Bewertung von Politik nach dem sog. Wirtschaftswachstum führt ja zwangsweise zur wachsenden Ausbeutung von allem: Bodenschätze, Natur und letztendlich der Mensch als billige Arbeitskraft selbst, eigentlich von allem, was heilig ist.

Den Menschen werden hierzulande aber auch Existenzängste eingeredet (weniger von der Politik selbst, die beschränkt sich ja aufs Mitmachen, um beim Wähler Beliebtheit zu erlangen, mehr von den die Konsumsucht propagierenden Medien der Wirtschaft selbst): Ihre Existenz würde durch jegliche Änderung dieses Systems bedroht. Eine geringe Erhöhung der Kaufkraft durch sog. Grundeinkommen nutzt da wenig.

Das ist genauso wie die Irrmeinung, Drogenkranke könne man durch öffentliche Unterstützung beim Drogenkauf wieder auf die rechte Bahn bringen. Auch hier sieht man aber z.B. beim Verhindern von Rauchverboten, dass das Wohl der (Tabak)wirtschaft und der Staatskasse wichtiger ist, als das der Notleidenden.

Gegen eine Grundsicherung will ich gar nichts sagen, allerdings kann die (sich) keine Staatskasse leisten (regional oder national schon gar nicht, wenn nicht gleichzeitig die Grenzen für Bedürftige außerhalb geschlossen werden). Allerdings würde ein solches "Anrecht auf Grundsicherung" im momentanen Kampf Jeder-gegen-Jeden nicht zum allgemeinden Wohlergehen führen, sonder eher dazu, dass
  • sich zum einen auch die armen Leute auf die faule Haut legen (bislang ist das ein Privileg der Reichen)
  • die Natur durch die Produktion neuer unsinniger Konsumgüter (irgendwie muss das Mehrgeld ja ausgegeben werden) noch mehr geschädigt wird, als das heute schon der Fall ist.
Gerade im zweiten Fall läuft es ja jetzt schon wie mit der Rente: Man finanziert sie auf Kosten nachfolgender Generationen.

Abhilfe kann m.E. nur durch Umdenken (und Umerziehung) erfolgen:
  • Weg von der Wertbestimmung eines Menschen nach dessen Konsumfähigkeit!
  • Hin zu mehr Hilfsbereitschaft der einzelnen Menschen, die eventuell mehr haben, als sie wirklich brauchen.
Hilfe gegenüber Armen und Notleidenden wurde früher als Christenpflicht angesehen: Heute sieht man das als Aufgabe des allmächtigen Staates an. Man selbst beschränkt sich auf symbolische Aktionen wie die Hilfe bei Jahrhundertfluten (die eben nur alle hundert Jahre vorkommen), um sein Gewissen zu beruhigen.

Die letzten 40 Jahre gingen drauf, um das "für alle" gegen das "für viele" bei den katholischen Einsetzungsworten abzuwägen. Es wäre schön, wenn man sich in den nächsten vierzig Jahre diese Frage auch mal verstärkt für das Wohlergehen der Menschheit stellen würde!
(Eigentlich stehen/standen die Antworten beider "Diskussionen" von Anfang an klar fest. Man will halt herauszögern, danach auch genauso klar handeln zu müssen).
γενηθήτω το θέλημά σου·

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Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 13:24

Walter hat geschrieben: Typisches Thema (nur) zur Weihnachtszeit.
shag1 hat geschrieben:Prof. Herwig Büchele, Jesuit, ist Professor an der theologischen Fakultät in Innsbruck und hat in den
80-er-Jahren in Zusammenarbeit mit der „Katholischen Sozialakademie“ das Konzept des „Grundeinkommens“ entwickelt.
(Büchele, Herwig und Wohlgenannt, Lieselotte: Grundeinkommen ohne Arbeit. Auf dem Weg zu einer kommunikativen Gesellschaft, Europaverlag Wien 1985)

In der Zwischenzeit ist auch eine nicht unerhebliche Zahl der österreichischen Bischöfe für die (graduelle) Einführung dieses Konzepts, was, so wie es aussieht, die neue österreichsiche Regierung auch tun wird (in Form der „bedarfsorientierten Grundsicherung“).
(fett - nachträglich hervorgehoben)

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Peregrin
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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 17:03

shag1 hat geschrieben: Die Idee
Das BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) soll ein steuerfinanziertes Basiseinkommen für alle sein,
Großartige Idee! Und gearbeitet wird dann nur noch in den Monaten mit "x" und die Wirtschaft lassen wir uns von beamteten Theologen organisieren! Warum ist da nicht schon längst wer drauf gekommen ... :ikb_rolleyes1:
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Beitrag von Pelikan » Mittwoch 27. Dezember 2006, 17:27

shag1 hat geschrieben:Folgendes u.a. Beispiel scheint eine Tendenz in unserer Gesellschaft wiederzugeben, die in Zukunft sehr problematisch werden könnte, - ist das Konzept der „Grundsicherung“ oder des „Grundeinkommens“ aus katholischer Sicht der „richtige Weg“ oder gibt es andere Wege aus dem Dilemma „tendenziell steigende Arbeitslosigkeit aufgrund der enormen Technisierung – Grenzen des Wirtschaftswachstums – Situation der „Schwachen in unserer Gesellschaft“ ?
Vielleicht sollten wir zunächst einmal aufhören, das Wort Arbeitslosigkeit so unqualifiziert zu verwenden. Wenn eine Fabrik ihre Produktivität aufrechterhalten oder sogar steigern kann, indem sie die Hälfte ihrer Mitarbeiter entläßt und durch Roboter ersetzt, sollte das eigentlich einen Segen für die so von der Schufterei Befreiten bedeuten. Sie könnten sich der Muße, die ja auch Arbeit ist, widmen, während ihr Robotersklave für sie das Nötige verdient.

Warum können sie es heute nicht? Weil das Kapital so ungerecht verteilt ist. Das Kapital, das im Robotersklaven arbeitet, gehört nicht allen Fabriksangestellten, sondern nur einigen wenigen Oligarchen, die ihren Reichtum ins Unermeßliche steigern.

Ein Grundeinkommen für die Enteigneten kann in dieser Lage allenfalls ein Notpflaster darstellen. Waren sie vorher vom Großkapitalisten abhängig, sind sie nun Sklaven der staatlichen Behörde, die über ihr ganzes Leben verfügt. Die Lösungperspektive ist kommunistisch anstatt wahrhaft kapitalistisch.

Besser wäre es, alle Arbeiter von Anfang an und konsequent zu gleichberechtigten Miteigentümern ihrer Produktionsmittel zu machen, so daß sie auch in vollem Umfang vom technischen Fortschritt dieser Mittel profitieren können.

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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 18:04

Pelikan hat geschrieben: Besser wäre es, alle Arbeiter von Anfang an und konsequent zu gleichberechtigten Miteigentümern ihrer Produktionsmittel zu machen, so daß sie auch in vollem Umfang vom technischen Fortschritt dieser Mittel profitieren können.
Wer muß wen "machen"? Gerade die großen Unternehmen kann man an der Börse in kleinen Stückchen kaufen. Da kann jeder "Arbeiter" ganz leicht "gleichberechtigter Miteigentümer" werden, wenn er dafür ein paarmal auf den neuesten Trend am Video- Hifi, Computer- oder Handymarkt verzichtet oder auf ein paar hippe Klamotten.
für die Enteigneten
Wer hier mit dieser Kommunistenvokabel um sich werfen will, sollte nachweisen, wer hier wann durch wen enteignet wurde. Das wird aber schwerfallen, denn erzwungene Umverteilung gibt es hauptsächlich von oben nach unten.

Daß viele ärmer werden, wenn sie über ihre Verhältnisse konsumieren statt zu sparen, und manche reicher, die die nachgefragten Konsumgüter herbeischaffen und mit Aufschlag verkaufen, ist dagegen keine "Enteignung" (außer bei Kommunisten).

Es ist erschütternd, daß keine zwanzig Jahre nach dem Herzstillstand des real existierenden Sozialismus die Menschen schon wieder auf die gleichen dummdreisten Phrasen hineinfallen. Was glaubt ihr denn, wie eine von beknackten Theologieprofessoren organisierte "gerechte" Wirtschaft ausschauen wird?

Bananen nur im Bilderbuch zum Ausmalen, Auto mit fünfzehn Jahren Vorbestellung, aber dafür haben wir alle gleich viel (nämlich nichts) und sind frei (außer wir wollen was anderes als das Kollektiv, dessen Willen von Theologieprofessoren ausgelegt wird). Schöne Neue Welt!
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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 18:09

Pelikan hat geschrieben: Besser wäre es, alle Arbeiter von Anfang an und konsequent zu gleichberechtigten Miteigentümern ihrer Produktionsmittel zu machen, so daß sie auch in vollem Umfang vom technischen Fortschritt dieser Mittel profitieren können.
Warum eigentlich so theoretisch? Gründe doch einfach ein Unternehmen und mach die Arbeiter von Anfang an konsequent zu gleichberechtigten Miteigentümern. Funktioniert sicher großartig.
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sofaklecks
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Nein

Beitrag von sofaklecks » Mittwoch 27. Dezember 2006, 18:56

@ Peregrin

Nein, es funktioniert nicht!

Wir sehen das in den neuen Ländern. Ich hab das x-mal vorhergesagt und dann miterleben müssen, wenn jemand ein neues Unternehmen gegründet hat ohne die nötige Kapitaldecke. Maschinen geleast und los. Und bei der ersten Flaute zahlungsunfähig. Nichts ist küzer als ein Monat, wenn du Zinsen zahlen musst.

Es ist richtig, dass unser System nicht funktioniert. Es ist nicht gesund; nur erinnern mich die angebotenen Kuren sehr an die Aderlässe des Barock, die den ohnehin Kranken noch mehr schwächten, weil die Ärzte vor lauter klugen Theorien das Hinsehen vergessen hatten.

Als reicher alter Knacker tu ich mich schwer mit solchen Ansätzen wie der Einheitsrente. Der Spagat zwischen der Leistung, die sich lohnt und der Nichtleistung, die sich auch lohnt, ist mir nicht nachvollziehbar. Ich sehe nur, dass immer mehr Nichtarbeitende von immer weniger Arbeitenden versorgt werden sollen. Das funktioniert auf Dauer nicht, hat nie funktioniert, seit ein Neandertaler zum anderen gesagt hat."Bau mir auch so ein Haus wie deines, du kannst das besser, ich geb dir auch zwei Rinder" und der erwidert hat:"Nee, ich will drei!"

Wir haben Erfahrung mit einem Staat, in dem das gemeinchaftliche Verfressen der früher geschaffenen Resourcen zur Ideologier erhoben wird. Nur, wem sollen wir beitreten, wenn alles verfressen ist? China?

sofaklecks

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Re: Nein

Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 20:16

sofaklecks hat geschrieben: Nein, es funktioniert nicht!
Na, da schau ich aber. Ich hab schon gedacht, ich habe da eine Idee, mit der ich Theologieprofessor werden kann. Obwohl, ich sollte die Hoffnung nicht aufgeben. Daß die Idee funktionieren muß, steht eigentlich nirgends.
hat nie funktioniert, seit ein Neandertaler zum anderen gesagt hat."Bau mir auch so ein Haus wie deines, du kannst das besser, ich geb dir auch zwei Rinder" und der erwidert hat:"Nee, ich will drei!"
Heute sagt er zum Homo Sapiens: "Bau mir mein Haus, du kannst das besser. Und drei Rinder kannst du mir außerdem noch geben, denn du hast ja fünf und ich keins, und das ist doch ungerecht." :nein:
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Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 21:18

Peregrin hat geschrieben: ... Daß viele ärmer werden, wenn sie über ihre Verhältnisse konsumieren statt zu sparen, und manche reicher, die die nachgefragten Konsumgüter herbeischaffen und mit Aufschlag verkaufen, ist dagegen keine "Enteignung" (außer bei Kommunisten). ...

"Marktzwänge sind keine Naturzwänge"

tagesschau.de: "Wir machen Supergeschäfte und wir schmeißen zehn Prozent der Belegschaft raus. Was für eine Botschaft geht von der Ankündigung der Deutschen Bank aus?

Ulrich Thielemann(Anm.: Wirtschaftsethiker) : ... Die Botschaft lautet: Gier. 25 Prozent Rentabilität müssen es schon sein. Wir tun alles im Rahmen des Rechts, um die Rentabilität zu steigern - und damit auch das Einkommen der Führungsriege. ..."
http://www.tagesschau.de


Mit "Kommunismus" zu argumentieren ist hier in vielerlei Hinsicht grundfalsch, es wird weder die Kirche verboten o.ä. und es sollte einwenig Besitz für den Einzelnen (auch für die "Schwachen" in der Gesellschaft) geschaffen werden - das sind keine kommunistischen Ideen.

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Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 21:28

Pelikan hat geschrieben: ... Vielleicht sollten wir zunächst einmal aufhören, das Wort Arbeitslosigkeit so unqualifiziert zu verwenden. Wenn eine Fabrik ihre Produktivität aufrechterhalten oder sogar steigern kann, indem sie die Hälfte ihrer Mitarbeiter entläßt und durch Roboter ersetzt, sollte das eigentlich einen Segen für die so von der Schufterei Befreiten bedeuten. Sie könnten sich der Muße, die ja auch Arbeit ist, widmen, während ihr Robotersklave für sie das Nötige verdient. ...

Das sehe ich auch als einen sinnvollen Ansatz (wesensgerechte Lebensweise...);


- immerhin sind ja auch die Personalkosten für die Unternehmen die größte Belastung, was eine große Motivation darstellt vermehrt Technologie einzusetzen.
Die Annahme, dass Unternehmen "wirtschaftlich sinnvollerweise" genau an diesem Punkt in Zukunft ansetzen werden wird so falsch nicht sein.

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Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 21:34

Peregrin hat geschrieben:Daß viele ärmer werden, wenn sie über ihre Verhältnisse konsumieren statt zu sparen, und manche reicher, die die nachgefragten Konsumgüter herbeischaffen und mit Aufschlag verkaufen, ist dagegen keine "Enteignung" (außer bei Kommunisten). Es ist erschütternd, ...
wir kommen alle als nackte Kinder Gottes zur Welt - der eine im Schloss, der andere ...

Wem gehört ein Fluß? und wem ein Wald? und wem das Feuer? und wem die Luft? und wem gehören Tiere?

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Re: Nein

Beitrag von shag1 » Mittwoch 27. Dezember 2006, 21:48

sofaklecks hat geschrieben:
Nein, es funktioniert nicht! sofaklecks

Das ist sehr leichtfertig so dahingesagt.
Nur 1 Beispiel:

Die "TirolMilch" - das ist eine sehr erfolgreiche Genossenschaft, diese Genossenschaft verkauft Milch und Milchprodukte in Tirol sehr erfolgreich. Das Ziel dieses Unternehmens ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern gemeinsam erarbeitete und demokratisch bestimmte Richtlinien, - z.B. gute Bedingungen für die Milchbauern, oder z.B. - obwohl dies marktwirtschaftlich nicht gewinnmaximierend (noch nicht) wirkt - wurde vor 2 Jahren beschlossen in 2 Bezirken in Tirol kein gentechnisch verändertes Futter an Milchkühe zu verfüttern (was im übrigen sonst mE ausnahmslos in ganz Europa geschieht!) - das war ein sehr hohes marktechnisches Risiko - in der Zwischenzeit wird tirolweit kein "Genfutter" mehr an Milchkühe verfüttert.

Und der Kloux an der Sache ist, dieses Unternehmen gehört den Mitarbeitern (den Bauern!)


... also so etwas funktioniert sehr wohl und sogar auf (wirtschafts)ethisch hohem Niveau!

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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:06

shag1 hat geschrieben: tagesschau.de: "Wir machen Supergeschäfte und wir schmeißen zehn Prozent der Belegschaft raus. Was für eine Botschaft geht von der Ankündigung der Deutschen Bank aus?
Die Botschaft, daß da offenbar zehn Prozent der Belegschaft nichts Sinnvolles gearbeitet haben. Wie sonst könnte nach der Kündigung die Produktivität steigen?
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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:13

shag1 hat geschrieben: - immerhin sind ja auch die Personalkosten für die Unternehmen die größte Belastung, was eine große Motivation darstellt vermehrt Technologie einzusetzen.
Die Annahme, dass Unternehmen "wirtschaftlich sinnvollerweise" genau an diesem Punkt in Zukunft ansetzen werden wird so falsch nicht sein.
Und warum wird Arbeit dann mit Abstand am höchsten besteuert und damit möglichst verteuert, und das Angebot an Arbeitsplätzen damit künstlich verknappt? Da steckt doch das System dahinter, die Menschen möglichst in Arbeitslosigkeit und Existenzangst zu halten, damit den Parteien der aufhetzbare Mob nicht abhanden kommt. Es ist Heuchlerei und blanker Zynismus, wenn gerade die Linken (Herz-Jesu-Marxisten eingerechnet) alles tun, um Vollbeschäftigung zu verhindern, und dann die Arbeitslosen auf die Nochnichtarbeitslosen hetzen.
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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:20

shag1 hat geschrieben: 25 Prozent Rentabilität müssen es schon sein.
So ist das heutzutage. Zehn Prozentpunkte davon, um die schleichende Geldentwertung wettzumachen, mit der die EZB den europäischen Staaten ihre astronomischen Defizite finanziert, der Rest als Risikoprämie. Denn daß der angepeilte Gewinn durchaus nicht sicher ist, sondern ihm ein beträchtliches Risiko von Verlusten gegenübersteht (eine falsche Markteinschäzung, eine verhaute Produkteinführung ...) und daher auf Dauer nicht gehalten werden kann, das bekümmert den Herrn Wirtschaftsethiker natürlich nicht. Der sieht nur, in fetten Jahren, die realisierten Gewinne hintennach und wird grün vor Neid. Hätte er doch einfach Aktien gekauft, wenn er da vorher 25% sicheren Gewinn gesehen hat!
Zuletzt geändert von Peregrin am Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nein

Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:23

shag1 hat geschrieben: Und der Kloux an der Sache ist, dieses Unternehmen gehört den Mitarbeitern (den Bauern!)
Vor allem gehören den Bauern Höfe und Kühe. Oder kann man da auch gleichberechtigter Miteigentümer werden, wenn man beides nicht hat?

Und nach Deiner Gerechtismus-Theorie müssen den Bauern Kühe und Höfe abgenommen werden, weil es ja Menschen gibt, die weder noch haben.

(Abgesehen davon stehen bäuerliche Genossenschaften bei mir im Generalverdacht, Vehikel zum Abstieren von EU-Subventionen zu sein. Ob die Tirol Milch ein erfolgreiches Unternehmen im Marktsinn ist, wäre noch zu untersuchen.)
Zuletzt geändert von Peregrin am Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag von Peregrin » Mittwoch 27. Dezember 2006, 23:29

shag1 hat geschrieben: Wem gehört ein Fluß? und wem ein Wald? und wem das Feuer? und wem die Luft? und wem gehören Tiere?
Ja, so fängt es an. Und dann weiß man plötzlich nicht einmal mehr, wem das Geld in der Börse seiner Mitmenschen gehört und wenn die sich dagegen sträuben, daß man es sich nimmt, gibt's auf die Mütze.

Früher hat man solche Leute aufgehängt. Heute reicht's zum Theologieprofessor und Wichtigmacher einer "Katholischen Sozialakademie". Es ist eine Schande.
Zuletzt geändert von Peregrin am Donnerstag 28. Dezember 2006, 00:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 28. Dezember 2006, 00:00

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Wir brauchen keine „Reformen“, sondern Aufbau.

Aufbau jetzt. Weg mit den Fesseln von Maastricht und Basel II.
Nicht Verteilung des „vorhandenen Kuchens“. Backen wir neue,
große Brote!

Arbeit schaffen für alle durch neue Ziele, neues Denken. Lan-
desausbau und Erschließung, Magnetbahn und Schiffahrtswege,
Wasserkraft statt Krötenbiotop und Kernkraft statt Windmühlen.

Das muß der Staat nicht selber tun. Er muß es aber lenkend,
fördernd und fordernd anstoßen. Denn allein bleibt die Wirt-
schaft gelähmt.

Den Transrapid nach Paris und Moskau. Nach Palermo, Kon-
stantinopel und Kiew.

Eine neue Generation von Hochtemperaturreaktoren. Gelder in
die Forschung: für Kernfusion und Brennstoffzelle.

Bemannte Marsflüge und Reis für die Sahara durch Wasser aus
dem Kongo. Entsalztes Mittelmeerwasser für Palästina.

Aufbau statt Reformen!
Konstruktion statt Destruktion!
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Beitrag von shag1 » Donnerstag 28. Dezember 2006, 09:06

Peregrin hat geschrieben:
Und warum wird Arbeit dann mit Abstand am höchsten besteuert und damit möglichst verteuert, und das Angebot an Arbeitsplätzen damit künstlich verknappt? Da steckt doch das System dahinter ...

Die 10 DAX-Unternehmen hatten 2004-2005 100% Gewinn bei tausenden Entlassungen - na klar hat das System - nämlich das das Du verteidigst.

Was soll mit denen geschehen - die müssen ja auch leben können -sonst geht es uns über kurz oder lang so wie in Frankreich ...

Wofür wurde ein Pflug erfunden? - um die Arbeit leichter zu machen ...

... und lieber Peregrin mit Verlaub - Deine Argumente sind (sehr alte und langweilige (beinahe schmerzhafte)) Fadheiten

Robert Ketelhohn hat geschrieben:

Aufbau statt Reformen!
Konstruktion statt Destruktion!


Ich bin ganz Deiner Meinung - nur bis die neuen Kuchen gebacken sind ...

Ich bin auch für eine Welt ohne Krieg, ohne Hass und ohne Dummheit, für eine Welt ohne Gefängnisse und das besser heute als morgen ...

Und die Grundsicherung (die übrigens intensiv beforscht wird) wird in Österreich (zumindest eine Form davon) 2007 Wirklichkeit ... (siehe Regierungsprogramme SPÖ-ÖVP; federführend dabei ist ein überzeugter salzburger Katholik (der aller Voraussicht nach Sozialminister werden wird) - Deutschland ist da eben, wie in vielem anderen auch, "träger").

Freundschaft

Übrigens ist auch der zukünftige Kanzler Gusenbauer überzeugter Katholik ("obgleich" er Sozialdemokrat ist ... dafür hat Kardinal König hart gearbeitet ...)

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Beitrag von Pelikan » Donnerstag 28. Dezember 2006, 11:59

shag1 hat geschrieben:Deutschland ist da eben, wie in vielem anderen auch, "träger"
Ach so? Welche Unterschiede bestehen denn konzeptionell zwischen der in Österreich geplanten Grundsicherung und dem deutschen "Hartz-IV"-Geld?

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shag1
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Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt ...

Beitrag von shag1 » Donnerstag 28. Dezember 2006, 12:09

Pelikan hat geschrieben: Ach so? Welche Unterschiede bestehen denn konzeptionell zwischen der in Österreich geplanten Grundsicherung und dem deutschen "Hartz-IV"-Geld?
Antwort:
Pelikan hat geschrieben: Vielleicht sollten wir zunächst einmal aufhören, das Wort Arbeitslosigkeit so unqualifiziert zu verwenden. Wenn eine Fabrik ihre Produktivität aufrechterhalten oder sogar steigern kann, indem sie die Hälfte ihrer Mitarbeiter entläßt und durch Roboter ersetzt, sollte das eigentlich einen Segen für die so von der Schufterei Befreiten bedeuten. Sie könnten sich der Muße, die ja auch Arbeit ist, widmen, während ihr Robotersklave für sie das Nötige verdient.

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Pelikan
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Beitrag von Pelikan » Donnerstag 28. Dezember 2006, 12:38

Wie meinen? Das österreichische Modell wird an dieselben Bedingungen geknüpft sein wie das deutsche. Wer einen Job ablehnt bekommt auch keine Grundsicherung.

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Walter
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Re: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt ...

Beitrag von Walter » Donnerstag 28. Dezember 2006, 12:39

shag1 hat geschrieben:
Pelikan hat geschrieben: Ach so? Welche Unterschiede bestehen denn konzeptionell zwischen der in Österreich geplanten Grundsicherung und dem deutschen "Hartz-IV"-Geld?
Antwort:
Pelikan hat geschrieben: Vielleicht sollten wir zunächst einmal aufhören, das Wort Arbeitslosigkeit so unqualifiziert zu verwenden. Wenn eine Fabrik ihre Produktivität aufrechterhalten oder sogar steigern kann, indem sie die Hälfte ihrer Mitarbeiter entläßt und durch Roboter ersetzt, sollte das eigentlich einen Segen für die so von der Schufterei Befreiten bedeuten. Sie könnten sich der Muße, die ja auch Arbeit ist, widmen, während ihr Robotersklave für sie das Nötige verdient.
Und was bedeutet das konkret für die Lohntüte?

Mir ist aus den zitierten Stellen auch nicht ganz klar geworden, was SPÖ und ÖVP konkret einführen wollen, bzw. wie weit das mit dem zitierten Modell des BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) übereinstimmt.

Der Hauptunterschied zwischen BGE und Hartz-IV ist ja wohl, dass es wirklich jeder bekommt (vom Student über den Arbeitslosen bis hin zum Spitzenverdiener) und dass jeder dazuverdienter Euro auch wirklich ein Zuverdienst ist (natürlich abzüglich der Steuern).

Wenn ein Hartz-IV-Berechtigter dagegen einen Nebenverdienst hat, wird dieser fast vollständig wieder von der Hartz-IV-Unterstützung abgezogen, so dass es sich eigentlich überhaupt nicht lohnt, zu schuften.

Beim bedingungslosen Grundeinkommen dagegen ist der Zuverdienst unabhängig: Wer sich also etwas über dem Existenzminimum leisten will, muss halt genau so viel arbeiten, wie er mehr Geld haben will. Als Arbeitsphilosophie finde ich das Modell genial, jedoch habe ich noch keine realistisches Modell der Gegenfinanzierung gefunden, vor allem im so offenen EU-Markt. Das kann nur klappen, wenn man Fremdarbeit verbietet, alle im (auch Eu-)Ausland gekauften Waren nachversteuern muss, etc. Gibt's das Grundeinkommen auch für im Land lebende Ausländer? Wie kann man da Missbrauch verhindern, etc.? :/

Wie wollen SPÖ und ÖVP das also lösen (vor allem, weil sie ja auch so nicht mal eine Regierung zustande bringen)?
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Peregrin
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Beitrag von Peregrin » Donnerstag 28. Dezember 2006, 12:42

shag1 hat geschrieben: Was soll mit denen geschehen - die müssen ja auch leben können -sonst geht es uns über kurz oder lang so wie in Frankreich ...
Ach, ist in diesem Multikulti-Sozialistenparadies etwa nicht alles in Butter? Woran das nur liegen mag ...
... und lieber Peregrin mit Verlaub - Deine Argumente sind (sehr alte und langweilige (beinahe schmerzhafte)) Fadheiten
Unsinn für Unsinn zu erklären ist zwar kein Argument im engeren Sinn, aber sei's drum. Daß Dich die Wahrheit langweilt und beinahe schmerzt, tut mir leid, aber ein unter Nichtpositivisten haltbarer Rechtsanspruch auf mein Geld erwächst Dir dadurch auch nicht.
Und die Grundsicherung (die übrigens intensiv beforscht wird)
Ja, von auf der Allgemeinheit schmarotzenden Wurstprofessoren und -innen, die erstaunlicherweise regelmäßig zum Schluß kommen, daß man da eine Menge machen könnte, aber vorher noch mehr Geld in die Erforschung gepumpt werden muß. Heilige Einfalt! :roll:
Übrigens ist auch der zukünftige Kanzler Gusenbauer überzeugter Katholik ("obgleich" er Sozialdemokrat ist ... dafür hat Kardinal König hart gearbeitet ...)
Glaube ich nicht. Zumindest gegen "du sollst nicht stehlen" und "du sollst nicht lügen" verstößt er als sozialdemokratischer Politiker praktisch täglich. Auch von Abweichung von seiner Parteilinie in der Abtreibungsfrage habe ich noch nichts gehört, also schaut es mit "du sollst nicht töten" auch nicht gut aus. Dazu kommt die Verehrung des sozialistischen Götzen Demos und seiner Propheten Marx und Lenin. Ein "überzeugter Katholik", der habituell mindestens zwei Drittel des Dekalogs ignoriert, ist mir als solcher schon einmal sehr suspekt.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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shag1
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Re: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt ...

Beitrag von shag1 » Donnerstag 28. Dezember 2006, 13:33

Walter hat geschrieben:

Und was bedeutet das konkret für die Lohntüte?

Mir ist aus den zitierten Stellen auch nicht ganz klar geworden, was SPÖ und ÖVP konkret einführen wollen, bzw. wie weit das mit dem zitierten Modell des BGE (bedingungsloses Grundeinkommen) übereinstimmt. ...

wie gesagt, die Verhandlungen laufen noch und es gibt theoretisch sehr viele verschiedene Ansätze, - wie es aussieht wird es eine "bedarfsorientierte Grundsicherung" ...

so soll der (nun einigermaßen ausverhandelte) Ansatz aussehen:


nach - SPÖ-Homepage: 20.12.2006 [16:30]

Die bedarfsorientierte Grundsicherung soll 726 Euro pro Monat betragen. .. es gibt dabei eine enge Anbindung an arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Zumutbarkeitsbestimmungen und die Förderung von Beschäftigungsfähigkeit. Von denen, die die Grundsicherung in Anspruch nehmen, wird also erwartet, dass sie bereit sind, sich zu qualifizieren, angebotene Arbeit und auch Arbeit im gemeinnützigen Bereich anzunehmen.
Der finanzielle Beitrag des Bundes liegt bei der bedarfsorientierten Grundsicherung bei 200 Millionen Euro.
Mit den Bundesländern werden z.Z. die Kosten einer Anhebung der Sozialhilfe auf 726 Euro errechnet;
Bis zum Jahr 2010 wird dieses System eingeführt.

Im Detail sieht die Regelung so aus:
Der Ausgleichszulagenrichtsatz (Mindestpension) wird auf 726 Euro angehoben. Das wurde schon im Parlament beschlossen. Die Sozialhilfe der Länder soll ebenfalls 726 Euro betragen.
Auch die Nettoersatzrate der Notstandshilfe wird angehoben, und zwar auf 60 Prozent (berechnet vom vorhergehenden Einkommen), begleitet wird das von einer verbesserten Anrechnung für Familien (hier soll die Nettoersatzrate 80 Prozent betragen) und höheren Kinderzuschlägen.



- aber ich bitte mich noch nicht festzunageln - das endgültige Konzept (z.B. die genauen Zumutbarkeitsbestimmungen u.v.a. kenne ich (noch) nicht ...)

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Re: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt ...

Beitrag von Peregrin » Donnerstag 28. Dezember 2006, 15:10

shag1 hat geschrieben: das endgültige Konzept (z.B. die genauen Zumutbarkeitsbestimmungen u.v.a. kenne ich (noch) nicht ...)
Das macht nichts, zur Beurteilung reichen schon die bekannten Eckpunkte: Teurer wird's (wenn sich die Produktiven insgesamt was ersparen würden, wären die Sozi dagegen, da "ungerecht"), die Bürokratie darf jedenfalls nicht weniger werden (wo sollen sonst die in Hinkunft doppelt zu versorgenden Parteigänger untergebracht werden?) und die Finanzierung erfolgt nach dem bekannt tragfähigen Grundsatz: Der Bund beschließt, die Länder sollen zahlen.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

moorleiche
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an Schritt viere, zwa schritt zrugg (gehört an der Ostbahn)

Beitrag von moorleiche » Donnerstag 28. Dezember 2006, 20:38

Peregrin hat geschrieben:
Das macht nichts, zur Beurteilung reichen schon die bekannten Eckpunkte: Teurer wird's (wenn sich die Produktiven insgesamt was ersparen würden, wären die Sozi dagegen, da "ungerecht"), ...
Sozialethik
Neben seiner Kritik am Kommunismus und Sozialismus war Johannes Paul II. auch ein scharfer Kritiker des neoliberalen Kapitalismus. Er nahm energisch für die Rechte der Armen und der Arbeitenden Partei und griff Ausbeutung und Verletzung von Menschenrechten an, beispielsweise in seinen Enzykliken Laborem Exercens (1981) und Sollicitudo Rei Socialis (1987). Die Enzyklika Centesimus Annus von 1991, veröffentlicht aus Anlass des 100. Jahrestags der ersten päpstlichen Sozialenzyklika Rerum Novarum, akzeptiert die soziale Marktwirtschaft mit größerer Deutlichkeit als frühere Dokumente. Im Kompendium der Soziallehre der Kirche, vom Vatikan 2004 herausgegeben (deutsche Übersetzung 2006), werden die Grundzüge der katholischen Soziallehre in knapper Form zusammengefasst. Nach Johannes Paul II. ist die Sozialordnung aber nur Teilaspekt einer "Zivilisation der Liebe", die er, anknüpfend an eine Formulierung Papst Paul VI. von 1975, insbesondere der Jugend als Programm empfiehlt. (aus Wikipedia)

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Re: an Schritt viere, zwa schritt zrugg (gehört an der Ostba

Beitrag von Peregrin » Donnerstag 28. Dezember 2006, 21:26

moorleiche hat geschrieben: akzeptiert die soziale Marktwirtschaft mit größerer Deutlichkeit als frühere Dokumente.
Lehramtliche Äußerungen zu Fragen der Wirtschaft wären ernster zu nehmen, wenn daran nicht nur Theologen und Marxisten, sondern auch Menschen mit Wirtschaftsverstand mitwirken würden. Die sind in der Hierarchie aber dünn gesät. Grundsätzlich gilt: Schuster, bleib bei deinem Leisten.

Ansonsten bleibt nur anzumerken, daß JPII sich gerne ans Gutmenschliche in allen seinen Ausprägungen angebiedert hat. Wenn er auch für die rotgrünlinken Gutmenschen eine Umarmung übrig hatte, fiel das nicht aus dem Rahmen.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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shag1
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Beitrag von shag1 » Freitag 29. Dezember 2006, 09:05

Lieber Peregrin;
mein Statement mit den „Fadheiten“ war nicht böse gemeint, aber die Diskussion bezügl. Grundeinkommen et.al. hat in der Zwischenzeit endlich die öffentliche Diskussion erreicht und wird in Wirklichkeit in Österreich und Deutschland in der 2. (politische)Reihe schon seit geraumer Zeit als nicht mehr oder weniger und schlicht und ergreifend als Notwendigkeit begriffen – auch die erste Reihe weiß das (so viel zu „Schuster bleib bei deinem Leisten“), sie hat aber die Schwierigkeit, dass sie dieses Thema öffentlich kommunizieren soll/muss – und wie Du selbst weißt – stößt sie damit auf sehr viel Unmut, denn Veränderung (Aufbau?) macht Angst.


einige (sehr wenige) Beispiele der öffentlichen Diskussion der letzten Zeit (Autriche und Germany):

„Endlich wird etwas Handfestes gegen die Armut in Österreich unternommen, lautet die Meinung vieler sozial engagierter Menschen. Caritas und Diakonie meinen, dass die Einführung einer Grundsicherung "einen großen Wurf" darstellen würde. Der Sozialstaat Österreich soll wieder aufzeigen, dass hier niemand in Armut zu leben braucht.“
http://www.die-eule.at/article.php?stor ... 4224512805

„Grundsicherung: Haubner tritt für eine bedarfsorientierte Lebenssicherung ein
"Mit sozialer Verantwortung den Menschen soziale Sicherheit zu bieten, ist eine der vorrangigen Aufgaben des Staates. Dies darf aber nicht bedeuten, dass man undifferenziert das Füllhorn ausschüttet und ein völlig leistungsfeindliches Grundeinkommen einführt. Ich stehe für den weiteren Ausbau der bedarfsorientierten Lebenssicherung - also Unterstützung für diejenigen, die sie wirklich brauchen.“
http://www.bizeps.or.at/news.php?nr=7389

„09.12.2006 08:44 Grundsicherung: Sozialministerin Haubner tritt für eine bedarfsorientierte Lebenssicherung ein“
http://www.bmsg.gv.at/cms/site/news_ein ... 5650855156
(Homepage des Sozialministeriums) – z.Z. ziemlich rechts (BZÖ) positioniert - sogar sehr weit rechts angesiedelte politische Positionen wollen sich diesem Thema (aus gutem Grund) nicht mehr verschließen (vgl. oben ... 2. Reihe usw.)

„Steirer sollen wegen Grundsicherung nicht um Wohnbeihilfe umfallen. Die Kosten werden mit rund sieben Millionen Euro beziffert.“
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten ... 9/index.do

ARMUTSKONFERENZ
Grundlegende Merkmale einer bedarfsorientierten Grundsicherung (BOG)
Primäre Orientierung: Armutsvermeidung
Sicherungsniveau: Soziokulturelles Existenzminimum
Sicherungsfunktion: Ergänzung nicht-existenzsichernder Einkommen/Sozialleistungen
Finanzierung: Steuerfinanziert
Leistungsart Geldleistung: je nach Bedarfslage auch Sach- und Dienstleistung
AdressatInnenkreis: Wohnbevölkerung (inkludiert auch Nicht-EU-BürgerInnen mit rechtmäßigem Aufenthalt)
Anspruchsvoraussetzungen:
- Einkommensarmut (unter Berücksichtigung von Vermögen und Leistungen Dritter (wie. Z.B. sozialstaatliche Leistungen) des Haushaltes"
- Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt
Anspruchsberechtigung: Lebensunterhalt kann vorübergehend/dauerhaft nicht eigenständig bestritten werden
Leistungspflichten Dritter: EhegattInnen/LebensgefährtInnen
Leistungsstelle:
- Jeweilige Sozialversicherungsstelle (bei Arbeitslosigkeit und Alter)
- Bundesweit einheitlich organisierte Behörde
Stellung im Gesamtsystem:
- Ergänzung des 1. Netzes
- Ersetzung standardisierbarer und pauschalierbarer Leistungen der Sozialhilfe sowie der Notstandshilfe

- Schnittstellen zu anderen (ausgewählten) Systemen:
a) Sozialhilfe " bleibt als Einzelfallhilfe in außergewöhnlichen Lebens- bzw. Notlagen bestehen
b) Existenzsichernde Leistungen der Behindertenhilfe werden durch BOG ersetzt
c) Arbeitslosengeld bleibt als dreijährig befristeter Versicherungsleistungsanspruch bestehen, wird ergänzt bzw. aufgestockt
d) Notstandshilfe entfällt ersatzlos
e) existenzsichernde Versorgungsleistungen (z.B. KOVG, HVG, OFG) " werden durch BOG ersetzt
f) Krankengeld wird durch BOG aufgestockt
g) Pensionsleistungen: Ausgleichszulage wird ersetzt
- Rahmenbedingungen (externe Lösungen):
a) Krankenversicherung: umfassender KV-Schutz auch für vorübergehend Nicht-Versicherte
b) Wohnen: Wohngeldregelung/Mietbeihilfen im Kontext/aus Mitteln der Wohnbauförderung“
(http://www.armutskonferenz.at)

Deutschland:
Seit einiger Zeit werden die Forderungen zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland lauter. Professor Götz W. Werner, der Gründer von dm Drogeriemarkt und Leiter des Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe, zählt zu den Befürwortern des Grundeinkommens aus unternehmerischer Sicht.
Der Begriff der unternehmerischen Initiative wird von Professor Werner nicht auf den formalen Akt der Gründung eines Unternehmens oder die Aufnahme einer selbständigen unternehmerischen Tätigkeit verengt. Er geht von einem erweiterten Unternehmerbegriff aus und subsumiert hierunter jegliche individuelle ‚unternehmerische Disposition’. Dazu zählen neben dem klassischen Verständnis selbständiger Unternehmensgründung auch die unternehmerische Betätigung in allen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Lebensbereichen. Eine grundlegende unternehmerische Fähigkeit ist es, „eigenständig im Sinne des Ganzen“ zu denken und zu handeln. Diese ist in kleinen Unternehmen ebenso notwendig und erforderlich wie in Konzernen und Behörden, in der Familie und bei gesellschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement, in Wissenschaft und Forschung ebenso wie bei der Erziehung, in Bildung und Pflege.
In diesem Sinne plädiert Professor Werner für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens
(http://www.iep.uni-karlsruhe.de/grundeinkommen; - Universität Karlsruhe)

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Peregrin
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Beitrag von Peregrin » Freitag 29. Dezember 2006, 14:39

shag1 hat geschrieben:Unmut, denn Veränderung (Aufbau?) macht Angst.
Mir macht nur Angst, daß da alle aufs Gas steigen wollen, obwohl ein Stückchen weiter die Straße aus ist und der Abgrund beginnt. Wenn wer keine Angst hat, sage ich ihm mit dem Volksmund: Sie hams gut, sie san bled. Weitblick ist manchmal ein Fluch und Realisten sind allgemein verhaßt, aber das ist ja auch nicht neu. Schon Kassandra galt vorher als Miesmacher und nachher als querulanter Rechthaber.
Caritas und Diakonie meinen, dass die Einführung einer Grundsicherung "einen großen Wurf" darstellen würde.
Über die Umtriebe der Marxisten unter dem wohlwollenden Schutz der Bischöfe habe ich mich schon genug beklagt.
Professor Götz W. Werner, der Gründer von dm Drogeriemarkt
Dieser Mensch ist seit Jahren ein Ärgernis und beweist zweierlei: Nämlich erstens, daß ein erfolgreicher Unternehmer keine Ahnung von Nationalökonomie zu haben braucht und zweitens, daß die Qualifikation von Professoren oft sehr zweifelhat ist.

Es scheinen leider viele Menschen nicht zu verstehen, wie der Wert von Geld zustandekommt. Wenn dieses Verständnis fehlt, scheint es natürlich eine großartige Idee zu sein, daß man den Bedürftigen ein Bündel frischgedruckte Scheine in die Hand drückt, damit sie sich auch einmal was leisten können.

Nur müssen diese Leistungen oder Güter von irgendwem produziert werden. Diese Produzenten überreißen früher oder später, daß viele, die Geld ausgeben, keine Gegenleistung erbringen und daher nun Geld im Umlauf ist, für das man sich nichts kaufen kann. Das kann man aber nicht einfach so aus dem Verkehr ziehen oder die Annahme verweigern, weil es ja kein Mascherl hat. Daher werden die Preise steigen, bis der Wert der umsonst ausgegebenen Geldmenge dem Wert der bedeckenden Güter entspricht, nämlich annähernd Null.

Die ausgelöste Teuerung würde also die künstliche Inflation der Geldmenge ausgleichen, bis die "Grundsicherung" wieder wertlos ist. Daher muß dann als nächste "soziale" Maßnahme die Preiskontrolle diverser "Grundgüter" stehen.

Was bedeutet nun "Preiskontrolle"? Es bedeutet, daß Menschen dazu gezwungen werden sollen, Güter oder Leistungen zu einem unter dem Marktpreis liegenden Preis zu verkaufen, dh teilweise unbezahlte Arbeit zu leisten. Es handelt sich also um eine Form der Staatssklaverei.

Der kann man sich allerdings leicht entziehen, indem man nämlich aufhört, etwas zu produzieren. Daher folgt eine Verknappung der Güter (bekanntes Phänomen in allen realsozialistischen Experimenten); ebenfalls werden zunehmend Menschen die Arbeit, die sich nicht mehr lohnt, einstellen und durch diesen einfachen Akt der Faulheit zum privilegierten Grundsicherungsbezieher werden.

Das darf natürlich nicht sein. Es folgt Verstaatlichung von Betrieben, Zwangsarbeit für Grundsicherungsbezieher, Unterstellung unter Kommissare, die die Produktion aufrechterhalten sollen, lächerliche Versuche, die Menschen durch inhaltslose Auszeichnungen zu Arbeit anzuspornen ("Held der Arbeit" o.ä.), während die Massen verhungern.

Kennen wir alles schon.
Zuletzt geändert von Peregrin am Freitag 29. Dezember 2006, 15:29, insgesamt 2-mal geändert.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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