Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

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Pit
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Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Dienstag 27. Januar 2015, 19:14

Heute jährt sich zum 70.mal die Befreiung des KZ Auschwitz.
Vorhin sah ich die Gedenkfeier und ich kann einem Redner,der die Hölle von Auschwitz-Birkenau überlebte, nur zustimmen:
"Ich hoffe,dass unsere Vergangenheit nicht zur Zukunft unserer Kinder wird!"
Er hatte Recht,denn nicht nur in der BRD,auch in anderen europäischen Ländern werden Menschen wieder angepöbelt,geprügelt und auch ermordet,weil sie eine andere Hautfarbe oder religiöse Weltanschauung haben.
Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
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Pit
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Dienstag 27. Januar 2015, 20:07

Jürgen,hast Du heute Nachmittag bei der Gedenkfeier die Reden der Auschwitz-Überlebenden gehört?
Falls ja,dürftest Du gemerkt haben,dass es eben nicht um eine Dauerbetroffenheitsmiene geht,sondern um die Verantwortung für Gegenwart und Zukunft,die wir in Europa haben,auch auf Grund der Vergangenheit.
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Sarandanon
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Sarandanon » Dienstag 27. Januar 2015, 21:10

Pit hat geschrieben:Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
Manch Ressentiment sitzt wohl zu tief, als dass es jemals überwunden werden kann.
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Edi
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Edi » Dienstag 27. Januar 2015, 21:18

Pit hat geschrieben: Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
Wer sind denn diese Leute, die möglicherweise Juden körperlich angreifen? Sind das nicht etwa eher solche, die dem Islam angehören, die Rechtsradikalen natürlich mit eingeschlossen? Bei manchen Linken bin ich mir wegen des Konflikts Israel/Palästina nicht sicher.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Plueschmors » Dienstag 27. Januar 2015, 21:22

Hallo,
Pit hat geschrieben: Heute jährt sich zum 70.mal die Befreiung des KZ Auschwitz.
das klingt immerhin pathetisch und ehrenhaft, die Rote Armee allerdings war im Zuge der Einnahme Deutschlands alles andere als von Pathos und Ehre beseelt. Gerade in Rußland haben es Juden immer schwer gehabt bis heute. Davon abgesehen ist es natürlich ein ewiges Denkmal, das nicht verstauben sollte, so wie schon viel zu viele Denkmäler verstaubt und vergessen sind.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von overkott » Dienstag 27. Januar 2015, 21:35

Sarandanon hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
Manch Ressentiment sitzt wohl zu tief, als dass es jemals überwunden werden kann.
Jesus hat wohl auch keine Kippa getragen, nicht zuletzt weil er auf den inneren Habitus mehr wert legte, als auf den äußeren Habit. In der Tat grenzen religiöse Äußerlichkeiten wie Kopftücher ab. Auch Burkas machen das Gespräch nicht leichter. Wer in Antwerpen oder New York größere Gruppen in religiöser Kleidung oder mit ungewöhnlichen Kopfbedeckungen erlebt, wird von einem musealen Gefühl beschlichen. Wenn jüdische Mitbürger durch ihre zivile Kleidung ihre Integration in die demokratische Kultur der Gegenwart zum Ausdruck bringen, habe ich dafür volles Verständnis.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Edi » Dienstag 27. Januar 2015, 21:42

Sarandanon hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
Manch Ressentiment sitzt wohl zu tief, als dass es jemals überwunden werden kann.
Das Ressentiment dürfte zum Teil auch mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen, bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Sarandanon » Dienstag 27. Januar 2015, 21:52

Das kann durchaus sein und Kritik ist an dem israelischen Staat diesbzgl. sicherlich angebracht. Allerdings wird ein solcher Vergleich gegenüber einem bestial-systematischen und millionenfachen Massenmord nicht im geringsten gerecht.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Dienstag 27. Januar 2015, 21:59

Sarandanon hat geschrieben: Manch Ressentiment sitzt wohl zu tief, als dass es jemals überwunden werden kann.
was aber nicht bedeutet,dass man sich nicht dagegen stellen kann und sollte,und zwar um aufzuklären.
Es geht mir dabei nicht nur um den leider in diesem Land wieder aktuellen Antisemitismus,sonder u.A. auch um Ressentiments gegenüber Muslimen,Behinderten usw.!
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Pit
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Dienstag 27. Januar 2015, 22:05

Edi hat geschrieben:... bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Kurzfassung:
Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Münster (um eine herauszunehmen),deren Gemeindezentrum auch schon zum Anschlagsziel von Molotovcocktails wurde,sind zum Teil selber daran schuld,dass sie angegriffen wurden?
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Yeti
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Januar 2015, 22:19

Es macht mich oft stutzig bzw. sehr misstrauisch, wie schnell in der Tagespolitik diese Gedenkkultur entweder in bare Münze oder in politisch-"moralische" Erpressbarkeit missbraucht wird. Deshalb kommen mir sehr viele Versatzstücke aus diesen Reden und Mahnworten verdächtig vor. Ganz perfide wird es, wenn für die Shoah quasisakrales Vokabular verwendet wird:
Deutschlandfunk hat geschrieben:"Die Botschaft lautet: Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Es ist kein Zufall, dass diese Botschaft von einem Juden stammt, nämlich vom Baal Shem Tov, vom Begründer des chassidischen Judentums. Er wirkte im 18. Jahrhundert in Polen. Wer sich der Geschichte der eigenen Familie, des eigenen Volkes erinnert, hat die Chance, eine bessere Zukunft zu gestalten. Anders gesagt: Wer Fehler eingesteht, wird sie in Zukunft vermeiden können. Das gilt auch bezogen auf die Fehler früherer Generationen. Die heute lebenden Deutschen genießen nur scheinbar die Gnade der späten Geburt. Vielmehr haftet die Geschichte der Großväter ihnen an. Die Geschichte des Nationalsozialismus und der Shoah ist mitnichten vorüber. Sie steckt den Deutschen bis heute in den Knochen."
overkott hat geschrieben:
Sarandanon hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:Auch in Deutschland leben wieder jüdische Bürger,die es nicht wagen,mit ihrer Kipa auf dem Kopf auf die Strasse zu gehen,und das 70 Jahre nach Auschwitz.
Manch Ressentiment sitzt wohl zu tief, als dass es jemals überwunden werden kann.
Jesus hat wohl auch keine Kippa getragen, nicht zuletzt weil er auf den inneren Habitus mehr wert legte, als auf den äußeren Habit. In der Tat grenzen religiöse Äußerlichkeiten wie Kopftücher ab. Auch Burkas machen das Gespräch nicht leichter. Wer in Antwerpen oder New York größere Gruppen in religiöser Kleidung oder mit ungewöhnlichen Kopfbedeckungen erlebt, wird von einem musealen Gefühl beschlichen. Wenn jüdische Mitbürger durch ihre zivile Kleidung ihre Integration in die demokratische Kultur der Gegenwart zum Ausdruck bringen, habe ich dafür volles Verständnis.
Ich finde es auch seltsam, dass bei bestimmten Leuten priesterliche Kleidung bei Priestern "distanzierend" etc. wirkt, wogegen Juden, die die Kippa tragen, Begeisterungsstürme auslösen. Das hat was von sich perpetuierend überschlagendem Philosemitismus, aber mehr noch was von Schizophrenie.
Edi hat geschrieben:Das Ressentiment dürfte zum Teil auch mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen, bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Die Zusammensetzung und das Verhalten dieses Zentralrats dürfte einer der Hauptgründe dafür sein, weshalb es in Deutschland überhaupt noch Antisemitismus gibt. Es hat sich seit Walsers Rede nichts an den Automatismen geändert - zumindest in den Medien. Es wäre eine ganz neue Herangehensweise, das Zeitungssterben vor allem damit zu erklären. Das große Volkserziehungsprojekt ist gescheitert:
Deutschlandfunk hat geschrieben:"Im Blick auf Holocaust und die Judenverfolgung geben gar 81 Prozent an, sie möchten die Geschichte der Shoah "hinter sich lassen". 55 Prozent der Befragten wollen gar einen "Schlussstrich" unter die dunkle deutsche Vergangenheit ziehen. Diese ziemlich radikale Geschichtsvergessenheit ist unter den jüngeren Deutschen besonders verbreitet. Die unter 40-Jährigen wollen zu 65 Prozent einen "Schlussstrich" unter den Holocaust ziehen."
Ich würde sehr gerne eine Klassenfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz unternehmen und halte so etwas eigentlich auch für notwendig, aber die einschlägigen Skandale (man gebe mal "Klassenfahrt", "Auschwitz" und "Eklat" bei google ein) schrecken mich (und nicht nur mich) eher ab.
Pit hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:... bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Kurzfassung:
Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Münster (um eine herauszunehmen),deren Gemeindezentrum auch schon zum Anschlagsziel von Molotovcocktails wurde,sind zum Teil selber daran schuld,dass sie angegriffen wurden?
Komm wieder runter. Das hat niemand gesagt - das machst du daraus. Böswillig und boshaft.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von overkott » Dienstag 27. Januar 2015, 22:26

Sorgen bereiten sollte einem die rheinland-pfälzische Burkakritikerin mit ihren Äußerungen zu Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die sie offenbar durch das Recht auf freie Meinungsäußerungen abgedeckt sieht.

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Edi
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Edi » Dienstag 27. Januar 2015, 22:27

Pit hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:... bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Kurzfassung:
Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Münster (um eine herauszunehmen),deren Gemeindezentrum auch schon zum Anschlagsziel von Molotovcocktails wurde,sind zum Teil selber daran schuld,dass sie angegriffen wurden?
Das hast du behauptet und nicht zum ersten Mal unterstellst du anderen, die hier Fakten schildern, sie identifizierten sich auch damit, daß es so ein Vorgehen wie du es erwähnst, richtig sei. Pit, was du hier zum wiederholten Male machst, sind ganz üble Unterstellungen. Regelmässig verstehst du absichtlich falsch was andere schreiben. Warum machen das andere nicht in diesem Maße und nur du? Du musst dich mal selber fragen, woran das liegen kann.
Vielleicht solltest du erst einmal nachdenken und die Texte anderer wiederholt lesen, bevor du solche Unterstellungen absonderst. Bist du eigentlich ein Psycho, der nicht zwischen geschilderten Fakten und persönlichen Meinungen, die gar nicht mal geäussert wurden, unterscheiden kann. Diese Frage stellt sich doch massiv.
Kein Mensch hat hier irgendwelche Anschläge gegen jüdische Einrichtungen befürwortet und irgendwann ist es einem auch leid sich immer erneut gegen deine sehr unseriösen Unterstellungen wehren zu müssen. Wenn du das im Alltag auch so machst, werden dir die Leute ihre Meinung schon mal kräftig geigen und das völlig zurecht.
Zuletzt geändert von Edi am Dienstag 27. Januar 2015, 22:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Edi » Dienstag 27. Januar 2015, 22:32

Yeti hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Das Ressentiment dürfte zum Teil auch mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen, bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Die Zusammensetzung und das Verhalten dieses Zentralrats dürfte einer der Hauptgründe dafür sein, weshalb es in Deutschland überhaupt noch Antisemitismus gibt. Es hat sich seit Walsers Rede nichts an den Automatismen geändert - zumindest in den Medien.
Das sehe ich einigermaßen ähnlich. Die Überreaktionen des Zentralrats, der ja von der Öffentlichkeit und auch von der Regierung als einziger Vertreter der Juden wahrgenommen wird (längst nicht alle Juden sind dort engagiert und die bekommen auch keine Unterstützung von der Regierung), sprechen nicht gerade für eine Seriosität und bessere Akzeptanz, wobei ich nicht behaupten will, daß jegliche Stellungnahme des Zentralrats eine Überreaktion wäre.

Der Zentralrat kriegt ja durchaus auch von jüdischer Seite immer mal wieder kontra. Juden, die mit ihm nicht einig sind, werden rausgeschmissen.
Zuletzt geändert von Edi am Dienstag 27. Januar 2015, 22:49, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von overkott » Dienstag 27. Januar 2015, 22:37

Yeti hat geschrieben:Ich finde es auch seltsam, dass bei bestimmten Leuten priesterliche Kleidung bei Priestern "distanzierend" etc. wirkt, wogegen Juden, die die Kippa tragen, Begeisterungsstürme auslösen. Das hat was von sich perpetuierend überschlagendem Philosemitismus, aber mehr noch was von Schizophrenie.
Priester sollten so frei sein, sich auf ihr Feingefühl für angemessene Kleidung zu verlassen.

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Apollonia
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Apollonia » Dienstag 27. Januar 2015, 23:31

Juergen hat geschrieben:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... ck-lammert


Er [Anm: der Bundespastor] warnte in seiner Rede vor einem Schlussstrich unter dem Holocaust. "Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz", sagte er. "Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Er gehört zur Geschichte dieses Landes."
Aha, Auschwitz ist für die deutsche Identität also konstitutiv. Das habe ich bisher nicht gewußt. Ich hatte immer das Gefühl, auch ohne Dauerbetroffenheitsgesicht deutsch sein zu können.
Es klebt aber an uns allen:
"Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen"

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Gallus » Dienstag 27. Januar 2015, 23:46

Juergen hat geschrieben:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... ck-lammert


Er [Anm: der Bundespastor] warnte in seiner Rede vor einem Schlussstrich unter dem Holocaust. "Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz", sagte er. "Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Er gehört zur Geschichte dieses Landes."
Aha, Auschwitz ist für die deutsche Identität also konstitutiv. Das habe ich bisher nicht gewußt. Ich hatte immer das Gefühl, auch ohne Dauerbetroffenheitsgesicht deutsch sein zu können.
Das Dauerbetroffenheitsgesicht verlangt doch auch niemand. Aber wenn Tante Erna stirbt und das Erbe ansteht, dann gilt auch: ganz oder gar nicht. Das Häuschen erben und gleichzeitig mit der Hypothek nix zu tun haben wollen, das klappt halt nicht.

Und mit der nationalen Identifikation ist es doch so ähnlich. Man kann sich nicht die Rosinen heraussuchen und stolz auf seine tolle Kulturnation sein, ohne gleichzeitig deren Sprung in den Abgrund auch zu seiner nationalen Identität zu zählen. Wie soll das gehen?

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Gallus » Dienstag 27. Januar 2015, 23:54

Edi hat geschrieben:Das Ressentiment dürfte zum Teil auch mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen, bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Klassischer Fehler, die Schuld für Ressentiments beim Opfer zu suchen. Ich denke, 9 von 10 Antisemiten können Dir nicht einmal sagen, wer gerade den Zentralrat repräsentiert. Und ehrlich gesagt sehe ich auch in den Äußerungen der Mitglieder absolut nichts, was man als legitimen Anstoß für Abneigungen hernehmen könnte. Spätestens seit Ignaz Bubis ist der Zentralrat sehr auf Ausgleich aus.

Wir befinden uns jetzt im 71. Jahr nach der Befreiung von Auschwitz, das ist nicht einmal die Dauer eines Menschenlebens. Ehrlich gesagt wundert es mich immer wieder, mit welcher Freundlichkeit und Offenheit die Opfer und ihre Angehörigen nach relativ kurzer Zeit wieder auf die Mehrheitsgesellschaft zugegangen sind, aus der die Mörder kamen. Ich glaube nicht, daß ich so wenig nachtragend hätte sein können.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Januar 2015, 23:55

Apollonia hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... ck-lammert


Er [Anm: der Bundespastor] warnte in seiner Rede vor einem Schlussstrich unter dem Holocaust. "Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz", sagte er. "Die Erinnerung an den Holocaust bleibt eine Sache aller Bürger, die in Deutschland leben. Er gehört zur Geschichte dieses Landes."
Aha, Auschwitz ist für die deutsche Identität also konstitutiv. Das habe ich bisher nicht gewußt. Ich hatte immer das Gefühl, auch ohne Dauerbetroffenheitsgesicht deutsch sein zu können.
Es klebt aber an uns allen:
"Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen"
Ich finde dieses Bibelzitat in diesem Zusammenhang pervers. Ganz abgesehen von der Kollektivschuldthese, die da dahintersteckt. Man hat das Zitat früher übrigens auf die Juden angewendet.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Januar 2015, 23:57

Gallus hat geschrieben:9 von 10 Antisemiten
Manchmal scheitert es schon an der Definition, wer überhaupt Antisemit ist. Dieses Wort ist zum politischen Kampfbegriff degeneriert.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Januar 2015, 07:41

Gallus hat geschrieben:
Das Dauerbetroffenheitsgesicht verlangt doch auch niemand. Aber wenn Tante Erna stirbt und das Erbe ansteht, dann gilt auch: ganz oder gar nicht. Das Häuschen erben und gleichzeitig mit der Hypothek nix zu tun haben wollen, das klappt halt nicht.

Und mit der nationalen Identifikation ist es doch so ähnlich. Man kann sich nicht die Rosinen heraussuchen und stolz auf seine tolle Kulturnation sein, ohne gleichzeitig deren Sprung in den Abgrund auch zu seiner nationalen Identität zu zählen. Wie soll das gehen?
Interessante Mahnung für alle Neubürger, die z.B. ab 2000 die deutsche Staatsangehörigkeit mit der Geburt in D. erhalten. Ich kann mir vorstellen, daß die hier geborenen Kinder türkischer oder arabischer Eltern freudig diese Identifikation annehmen und sich immer ihrer ererbten Schuld bewußt sein werden. :D

PS: Bei meiner Frau (inzwischen Deutsche, wie fast alle ihrer phil. Bekannten) würde so etwas auf völliges Unverständnis stoßen - da wäre ich nur reif für die Klapse, wenn ich so etwas äußern würde.
Aber ernsthaft: Ob sich diese Argumentation angesichts der Änderung der Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung noch aufrechterhalten läßt, erscheint mir zweifelhaft. Es sei denn, man unterscheidet auch hier zwischen den Deutschen mit "Erbsünde" und denen ohne.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Raphael » Mittwoch 28. Januar 2015, 08:13

Caviteño hat geschrieben:Interessante Mahnung für alle Neubürger, die z.B. ab 2000 die deutsche Staatsangehörigkeit mit der Geburt in D. erhalten. Ich kann mir vorstellen, daß die hier geborenen Kinder türkischer oder arabischer Eltern freudig diese Identifikation annehmen und sich immer ihrer ererbten Schuld bewußt sein werden. :D
Vollkommen richtig, denn das hier Geborenwerden alleine reicht ja noch nicht aus! :zirkusdirektor:
Man muß schon die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, um in die kollektive Schuld der deutschen Nation einzutreten. :vogel:
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. Januar 2015, 08:49

Raphael hat geschrieben: Vollkommen richtig, denn das hier Geborenwerden alleine reicht ja noch nicht aus! :zirkusdirektor:
Man muß schon die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, um in die kollektive Schuld der deutschen Nation einzutreten. :vogel:
Nur zur Klarstellung:
Alle Kinder, die ab 2000 hier geboren werden und deren Eltern sich hier legal aufhalten, erhalten automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit - ggfs. neben ihrer türkischen oder syrischen.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Gallus » Mittwoch 28. Januar 2015, 09:03

Raphael hat geschrieben:Man muß schon die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, um in die kollektive Schuld der deutschen Nation einzutreten. :vogel:
Nein, da bringst Du zwei Sachen durcheinander. Das eine ist die juristische Formalität der deutschen Staatsangehörigkeit, das andere ist die Identifikation mit dem Land. Beides hat ganz offensichtlich bei vielen Leuten nichts miteinander zu tun. Das gilt für arabische Jungs in ihren Parallelgesellschaften genauso wie für biodeutsche Linkspartei-Mädchen, die "Bomber Harris, do it again!" schreien.

Aber wenn man die Identifikation mit seinem Land sucht, oder auch nur zufällig gefunden hat, dann: ganz oder gar nicht. Sich was auf Schiller, Kant und Fritz Walter einbilden, aber an Auschwitz nicht mehr denken wollen, das geht halt nicht.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Raphael » Mittwoch 28. Januar 2015, 09:11

Gallus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Man muß schon die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, um in die kollektive Schuld der deutschen Nation einzutreten. :vogel:
Nein, da bringst Du zwei Sachen durcheinander. Das eine ist die juristische Formalität der deutschen Staatsangehörigkeit, das andere ist die Identifikation mit dem Land. Beides hat ganz offensichtlich bei vielen Leuten nichts miteinander zu tun. Das gilt für arabische Jungs in ihren Parallelgesellschaften genauso wie für biodeutsche Linkspartei-Mädchen, die "Bomber Harris, do it again!" schreien.

Aber wenn man die Identifikation mit seinem Land sucht, oder auch nur zufällig gefunden hat, dann: ganz oder gar nicht. Sich was auf Schiller, Kant und Fritz Walter einbilden, aber an Auschwitz nicht mehr denken wollen, das geht halt nicht.
Mir scheint, da ist Dir der Sarkasmus meiner Anmerkung entgangen! :roll:
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Yeti » Mittwoch 28. Januar 2015, 09:27

Gallus hat geschrieben:Sich was auf Schiller, Kant und Fritz Walter einbilden, aber an Auschwitz nicht mehr denken wollen, das geht halt nicht.
Doch, das muss gehen, sonst leben wir in einer Gesinnungsdiktatur. So geschmacklos und widerwärtig uns das scheinen mag. Die Demokratie muss das aushalten. Aber zum Glück gibt's das selten. Bei Fritz Walter bin ich mir nicht sicher, aber Schiller und Kant sagen auch manchem Oberstufenschüler nicht mehr viel.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Edi » Mittwoch 28. Januar 2015, 09:30

Gallus hat geschrieben:
Edi hat geschrieben:Das Ressentiment dürfte zum Teil auch mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen, bei dem sich die Zentralratsjuden völlig auf die israelische Seite stellen, egal wie da vorgegangen wird von seiten des Staates Israel.
Klassischer Fehler, die Schuld für Ressentiments beim Opfer zu suchen. Ich denke, 9 von 10 Antisemiten können Dir nicht einmal sagen, wer gerade den Zentralrat repräsentiert. Und ehrlich gesagt sehe ich auch in den Äußerungen der Mitglieder absolut nichts, was man als legitimen Anstoß für Abneigungen hernehmen könnte. Spätestens seit Ignaz Bubis ist der Zentralrat sehr auf Ausgleich aus.
Wahrscheinlich hast du vieles gar nicht mitbekommen, was der Zentralrat nach Bubis schon gesagt hat. Paul Spiegel und auch Knobloch usw. Angriffe gegen den Papst, Angriffe gegen diejenigen, die die Politik Israels zum Teil kritisieren usw. usf. Sind ja alles Antisemiten. Ich denke nicht, daß viele das nicht mitbekommen haben.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Gallus » Mittwoch 28. Januar 2015, 09:53

Edi hat geschrieben:Wahrscheinlich hast du vieles gar nicht mitbekommen, was der Zentralrat nach Bubis schon gesagt hat. Paul Spiegel und auch Knobloch usw. Angriffe gegen den Papst, Angriffe gegen diejenigen, die die Politik Israels zum Teil kritisieren usw. usf. Sind ja alles Antisemiten. Ich denke nicht, daß viele das nicht mitbekommen haben.
Doch, das habe ich alles mitbekommen. Erstens würde ich dem Zentralrat wohl häufiger Recht geben als Du (z.B. wenn es um antisemitische Motivationen für Israelkritik geht, die m.E. sehr oft, aber natürlich nicht immer, offensichtlich sind).

Zweitens, selbst wenn man ihm nicht Recht gibt – was soll's? Mit welchem Menschen oder mit welcher Gruppe von Menschen auf der Welt hat man nicht öfters mal eine Meinungsverschiedenheit? Wenn man allerdings solche Meinungsverschiedenheiten durch die Schablone interpretiert: "Ah, der Zentralrat versucht wieder, aus der Geschichte politische Vorteile herauszuholen!", dann läuft meistens schon etwas schief, weil schon dieses Interpretationsmuster seinem Gegenüber grundsätzlich nicht ehrenhafte Motive unterstellt.

Ich vermute, wenn man selbst noch eine Nummer auf dem Unterarm tätowiert hat, oder nächste Angehörige in Konzentrationslagern ermordet wurden, dann hat man naturgemäß ein etwas vorsichtigeres Sensorium für Stimmungslagen in der Öffentlichkeit, die problematisch werden können. Und das dann auch zu sagen ist nunmal eine der Aufgaben von so einer Organisation wie dem Zentralrat. Daß es manchmal auch einen Fehlalarm gibt, liegt in der Natur der Sache, ist aber kein Grund für Ressentiments.

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Pit
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Mittwoch 28. Januar 2015, 15:44

Edi hat geschrieben: Der Zentralrat kriegt ja durchaus auch von jüdischer Seite immer mal wieder kontra. Juden, die mit ihm nicht einig sind, werden rausgeschmissen.
Und man sollte nicht vergessen,dass er nicht nur auch seitens der jüdischen Bürger unseres Landes kritisiert wird (so manches Mal vollkommen zu Recht),sondern auch jüdische Gemeinden und Verbände teilweise garnicht im ZdJ sind,wie z.B. die chassidischen Gemeinden,es sei denn sie sind mittlerweile Mitglied.
Und genau da sehe ich ein Problem,weil die deutschen Mainstream-Medien es oft so darstellen,als wenn der ZdJ das (!) Sprachrohr der deutschen und in Deutschland lebenden Juden wäre,was de facto nicht der Fall ist.
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Pit
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Pit » Mittwoch 28. Januar 2015, 15:57

Gallus hat geschrieben: Ich vermute, wenn man selbst noch eine Nummer auf dem Unterarm tätowiert hat, oder nächste Angehörige in Konzentrationslagern ermordet wurden, dann hat man naturgemäß ein etwas vorsichtigeres Sensorium für Stimmungslagen in der Öffentlichkeit, die problematisch werden können. ....
Und - das wurde bei der Gedenkfeier deutlich - oft sind es nicht mal die offen antisemitischen Äusserungen,die hierzulande,aber auch in anderen europäischen Ländern den jüdischen Bürgern aufstossen.
Ich nehme nur zwei Beispiele,die ich immer wieder höre und die ein jüdischer Freund von mir -zu dem der Kontakt leider abgerissen ist - schon in den frühen 1990er Jahren besorgniserregend fand,eben weil sie nicht klassisch antisemitisch waren,aber eine damals erkennbare Tendenz aufzeigten.
1.Jemand sieht einen Passanten mit einer "Haken-/Adlernase" und sagt zu seinem Bekannten
"Schau mal,der ist bestimmt ein Jude!"
Frage des Bekannten
"Warum?"
Antwort
"Schau doch mal,bei der (!) Nase!;der hat doch eine typische Judennase!"
2. Frage eines nichtjüdischen Deutschen an einen jüdischen Bekannten angesichts neuer militärischer Reaktionen der israelischen Armee gegenüber Palästinensern nach einem Anschlag auf einen israelischen Linienbus:
"Findest Du es eigentlich gut,wie Deine Landsleute da reagieren?".
Und etwas,was mich damals schon störte:
Warum wurde wie selbstredend bezogen auf die Bevölkerung der BRD von
"Deutschen und Juden" oder auch von
"Deutschen und ihren jüdischen Mitbürgern" gesprochen?
Es waren nicht "jüdische Mitbürger" sondern "Deutsche jüdischen Glaubens" oder "jüdische Deutsche"!
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Yeti
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Yeti » Mittwoch 28. Januar 2015, 19:00

Pit hat geschrieben:Es waren nicht "jüdische Mitbürger" sondern "Deutsche jüdischen Glaubens" oder "jüdische Deutsche"!
Meine Rede seit Jahren. Ich denke aber, dass dir schon bewusst ist, dass zumindest orthodoxe Juden sich als "Volk" sehen. Natürlich muss man diesen Anspruch von außen nicht bestätigen, vernünftigerweise kann man das auch nicht. Ich frage mich deshalb ernsthaft, inwieweit sich beispielsweise ein Atheist, dessen Eltern Juden waren oder sind, als "Jude" bezeichnen kann. Für mich ist das folkloristischer Quatsch.
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Re: Befreiung des KZ Auschwitz- heute vor 70 Jahren!

Beitrag von Vir Probatus » Donnerstag 29. Januar 2015, 22:23

http://www1.wdr.de/studio/dortmund/them ... tz100.html

Einem Deutschen Lehrer geht die Massentierhaltung näher als Auschwitz. Und das äussert der im Radio.
Schlimm.
"Die Frau ist für die Kirche unabdingbar und wichtiger als manche Bischöfe." (Papst Franziskus)

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