Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

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Moderator: Hubertus

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Gallus
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Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Gallus » Freitag 2. Januar 2015, 17:21

Ein schönes Video zum Thema:



Und ich habe das Gefühl, daß viele Aspekte auch auf kirchliche Fragen zutreffen, z.B. auf unsere Liturgie.

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Torsten
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Torsten » Freitag 2. Januar 2015, 19:57

Weil auch die Kunst zur "abstrakten Tätigkeit im kapitalistischen Funktionsraum" geworden ist?
Die Enteignung der Zeit

[...]Diese Diktatur der abstrakten Zeit, exekutiert durch den Mechanismus der anonymen Konkurrenz, schuf sich den dazugehörigen abstrakten Raum, nämlich den vom übrigen Leben abgetrennten Funktionsraum des Kapitals. Es entstand so gewissermaßen eine leblose, kulturell entqualifizierte kapitalistische Raumzeit, die den sozialen Körper aufzufressen begann. Die in diese Raumzeit eingesperrte abstrakte Tätigkeitsform "Arbeit" mußte von allen dysfunktionalen Lebenselementen gereinigt werden, um die lineare Fließzeit nicht zu stören: Arbeit und Wohnung, Arbeit und persönliches Leben, Arbeit und Kultur usw. fielen systematisch auseinander. Erst auf diese Weise entstanden auch die moderne Trennung und der Dualismus von Arbeitszeit und Freizeit.[...]
In der modernen Kunst spiegelt sich das zwangsläufig wider, vielleicht als Trennung von Inspiration und Einfall? Einiges in der modernen Kunst wirkt - statt inspiriert - wie eine provokative und trotzige Reaktion auf den Mangel an Inspiration? *g*

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Torsten
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Torsten » Freitag 2. Januar 2015, 20:03

http://de.wikipedia.org/wiki/Abstrakter_Expressionismus

In ihrem Buch: Who Paid the Piper. The CIA and the Cultural Cold War vermerkte die britische Historikerin und Journalistin Frances Stonor Saunders (* 1966), dass die CIA Jackson Pollock und andere abstrakte Expressionisten subventionierte. Dies geschah im Wege des Congress for Cultural Freedom und in Übereinstimmung mit der Förderungspolitik der Rockefeller Foundation und der Ford Foundation. Während Stalin in seinem unmittelbaren Machtbereich den sozialistischen Realismus forcierte und in Paris linke Intellektuelle wie Jean-Paul Sartre und Pablo Picasso die Kulturszene dominierten, weiters der mexikanische Muralismus um Diego Rivera und David Alfaro Siqueiros, der in der Ära der Großen Depression, des Amerikanischen Regionalismus und der New Deal Wandmalerei auf die USA ausgestrahlt hatte, ebenfalls der KP-Seite zugeneigt war, bot sich nach dem Krieg der abstrakte Expressionismus auch im zerstörten Europa als Demonstration politischer und künstlerischer Freiheit (ohne sozialkritische Botschaft) an. Welche Erschütterung die New American Painting Show hervorrief, ist auch an dem Melbourner Antipodean Manifesto einer Gruppe figurativer Maler und des marxistischen Kunsthistorikers Bernard Smith gegen die amerikanisch dominierte Abstraktion abzulesen.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Freitag 2. Januar 2015, 21:01

Ab welchem Zeitpunkt fängt denn die hier gemeinte so schlechte moderne Kunst an?

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Gallus
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Gallus » Freitag 2. Januar 2015, 21:06

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Ab welchem Zeitpunkt fängt denn die hier gemeinte so schlechte moderne Kunst an?
Der Übergang ist sicher fließend. Aber auch als Laie sehe ich zwischen der Bildhauerei in der Glyptothek und der Fettecke von Beuys einfach gewisse Unterschiede im Können des Künstlers und der objektiven Qualität des Kunstwerks.

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Ewald Mrnka
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Ewald Mrnka » Sonnabend 3. Januar 2015, 15:37

Gallus hat geschrieben:Ein schönes Video zum Thema:



Und ich habe das Gefühl, daß viele Aspekte auch auf kirchliche Fragen zutreffen, z.B. auf unsere Liturgie.
Weil Kunst nichts mehr mit "Können", "Üben/Einüben" mehr zu tun hat.
Der handwerkliche Aspekt ist abhandengekommen und wir sogar denunziert.
Kunst ist inzwischen zur Selbstdarstellung der "Künster" degeneriert.

Kunst hat mit "Können" zu tun und nicht mit "Wollen", sonst müßte man sie "Wunst" nennen.

Des "Kaisers neue Kleider" ist Realität geworden.

Diese neue Ästhetik bestimmt inzwischen fast alle gesellschaftlichen Phänomene - auch, und nicht zuletzt, auch die Liturgie der RKK.
Max Nordau läßt grüßen :breitgrins: .
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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holzi
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von holzi » Sonnabend 3. Januar 2015, 16:03

Ewald Mrnka hat geschrieben:[...]
Max Nordau läßt grüßen :breitgrins: .
und wieder was gelernt!
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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overkott
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 7. Januar 2015, 12:36

Ein schönes Video zum Thema:



Warum ist moderne Kunst eigentlich so populär? Wer diese Frage beantworten möchte, sollte nicht unbedingt ins MoMA gehen, sondern ins Kino.

Der Begriff der bildenden Kunst ist seit dem 19. Jahrhundert stecken geblieben. Er bezieht sich auf alles, was damals sichtbar war, und hat damit den technischen Fortschritt verpasst.

Kunst ist seit Alters her Handwerk. Der Künstler ist der Kundige, Erfahrene, Könner.

Der herausragende Künstler hebt sich jedoch ab vom bloßen Kopierer, der auf bescheidene Art sicher auch ein Könner ist.

Was herausragt, ist manchmal kaum zu erkennen. Die Glyptothek beherbergt gehobenes Handwerk.

Aber Kunst wie die Lakoongruppe in den Vatikanischen Museen ist deshalb so selten, weil sie genial ist, kreativ, schöpferisch, etwas nie Dagewesenes präsentiert.

Das Kriterium Genialität für den Unterschied zwischen Kunst und Handwerk ist sicher eine Weiterentwicklung des Begriffs. Genialität beinhaltet einen Bruch mit einem Teil der Tradition. Kunst ist in diesem Sinn nie Verdoppelung, wie kunstvoll das Original auch hergestellt worden sein mag.

Und es gibt ein weiteres Kriterium, das den Unterschied zwischen Kind und Künstler verdeutlicht: Kunst setzt Kunde, also Bewusstsein voraus. Ein klecksendes Kind ist unkundig. Ein klecksender Künstler bricht aus den Bahnen begabter Handwerker aus. Macht er dies zum ersten Mal, ist er genial. Macht er dies zum zweiten Mal, entwickelt er einen Stil. Macht er dies zum fünften Mal, mangelt es ihm an Ideen.

Wer also traditionelle Kunst beliebig lange fortgesetzt sehen will, liebt das Handwerk, nicht die Kunst. Wer sich auf moderne Kunst versteift, liebt den Dilettantismus.

Schließlich gibt es noch den Unterschied zwischen einem dogmatisch-elitären und einem demokratisch-populären Kunstbegriff. Dogmatisch-elitär ist, was mir gefällt. Demokratisch-populär ist, was einem breiten Publikum gefällt.

Die Auseinandersetzung zwischen den Dogmatikern und Demokraten, zwischen Muse und Markt ist im Kino besonders zu spüren. Genialität kann an der Wahlurne der Kinokasse zum Schlager werden, wenn es eine verborgene Sehnsucht nach der Provokation, dem Bruch gibt. Genialität kann aber auch floppen.

Für Demokraten ist Kunst dann schlecht, wenn keiner mehr kommt, wenn die Musentempel leer bleiben, wenn keiner mehr das verstaubte Mäzenatentum in Öl bestaunt, wenn keiner mehr die kopflosen Torsos sehen will, wenn die unglaublich berühmten Werke nicht mehr gerühmt werden, weil sie uns heute nichts mehr zu sagen haben.

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overkott
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 7. Januar 2015, 17:32

Inwieweit hat Kunst auch eine politisch-ethische Komponente? Handelt es sich bei gereimter, gemalter oder verfilmter Volksverhetzung um Kunst? Machen sich Politiker schuldig, wenn sie gegen Volksverhetzung nicht einschreiten, sondern diese im Rahmen einer repressiven Freiheit zu Lasten gesellschaftlicher Minderheiten schützen? Es geht nicht darum, Terroristen aus Gnade zu rechtfertigen, sondern mit Jesus auch Kunst an der Nächstenliebe zu messen, die geistigen Ursachen von Gewalt in den Blick zu nehmen und dabei vor allem selbstkritisch zu sein: Hat Hollande's Integrationspolitik versagt?

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Juergen
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Mittwoch 7. Januar 2015, 17:43

Ist doch gar nicht so schlecht… http://kikreukreu.blogspot.de/214/12/n ... en_12.html

*duck*
*flöt*
Gruß
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Juergen
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Donnerstag 8. Januar 2015, 17:13

Ne doch, moderne Kunst ist unglaublich schlecht.

Beispiel: Das Miseror-Hungertuch 215
Bild

-> http://www.misereor.de/service/service- ... rtuch.html
Dort auch Erklärungen und Gesabbel dazu…

Video dazu
Gruß
Jürgen

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Pit
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Pit » Donnerstag 8. Januar 2015, 19:15

Gallus hat geschrieben:Aber auch als Laie sehe ich zwischen der Bildhauerei in der Glyptothek und der Fettecke von Beuys einfach gewisse Unterschiede im Können des Künstlers und der objektiven Qualität des Kunstwerks.
und trifft das für Dich - und damit möchte ich nicht die Arbeit von Herrn Beuys bewerten - auch auf die Impressionisten zu?
anders gefragt:
Sind die Bilder von Rubens für Dich Kunst?Sicherlich sind sie es!
Und die Bilder von August Macke,sind die Deiner Meinung nach Kunst?
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overkott
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Sonnabend 10. Januar 2015, 07:52

Das neue Hungertuch ist in der Tat unglaublich primitiv.

Da war die Höhlenmalerei ja noch höher entwickelt.

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Siard » Sonnabend 10. Januar 2015, 09:08

overkott hat geschrieben:Das neue Hungertuch ist in der Tat unglaublich primitiv.

Da war die Höhlenmalerei ja noch höher entwickelt.
Man muß moderne Kunst ja nicht mögen, man darf sie auch kritisieren oder ablehnen, aber so abwertend zu reden halte ich für zu weit gehend.
Das gilt natürlich auch für die Abwertung der Höhlenmalerei. ›Höher entwickelt‹ ist oft genug Ansichtssache.

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Juergen
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Sonnabend 10. Januar 2015, 11:07

Siard hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Das neue Hungertuch ist in der Tat unglaublich primitiv.

Da war die Höhlenmalerei ja noch höher entwickelt.
Man muß moderne Kunst ja nicht mögen, man darf sie auch kritisieren oder ablehnen, aber so abwertend zu reden halte ich für zu weit gehend…
Ne, da muß man schon eine Karikatur zeichnen. Damit darf man das Kunstwerk nämlich in jeder Form kritisieren und durch den Dreck ziehen, und den obendrein Künstler verarschen und verunglimpfen. Das nennt sich dann Presse- und Meinungfreiheit.

…oder so ähnlich…

:roll:
Gruß
Jürgen

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Gallus
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 10. Januar 2015, 12:39

Siard hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Das neue Hungertuch ist in der Tat unglaublich primitiv.

Da war die Höhlenmalerei ja noch höher entwickelt.
Man muß moderne Kunst ja nicht mögen, man darf sie auch kritisieren oder ablehnen, aber so abwertend zu reden halte ich für zu weit gehend.
Das gilt natürlich auch für die Abwertung der Höhlenmalerei. ›Höher entwickelt‹ ist oft genug Ansichtssache.
Naja, ich hätte da jetzt auch mehr an einen Kuhfladen mit Blattgold drauf als an Höhlenmalerei gedacht.

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Pit
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Pit » Sonnabend 10. Januar 2015, 12:43

Gallus,wie siehst Du das persönlich:Ist August Macke ein Künstler gewesen oder nicht?
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martin v. tours
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von martin v. tours » Sonnabend 10. Januar 2015, 14:09

Pit, ich bin zwar nicht Gallus, antworte aber trotzdem:
Für mich schon.
Falls jemand Macke nicht kennt.
http://de.wikipedia.org/wiki/August_Macke

Das Problem mit der "modernen Kunst" ist doch das man als "Künstler" immer noch eins draufsetzen muss um als Künstler anerkannt zu werden.
Würde jemand heute wie Macke malen, würden ihm Kunstexperten attestieren keine Kunst zu produzieren sondern lieblichen gutbürgerlichen Kitsch.
Darin sehe ich den Unterschied zu vorrevolutionärer Kunst.
Wenn Du die Kunstgeschichte der letzten hundert Jahre betrachtest so sieht man diese Entwicklung deutlich.
Eine erste Abstraktion von Kandinsky war vor 1 Jahren "revolutionär", oder ein Malewitsch mit seinem berühmten schwarzen Quadrat. Mach das mal heute -niemand wird dich als "Künstler" ernst nehmen.
Warum ist das so?
Die Liste liese sich beliebig fortsetzen, Pollok, Warhol,Beuys, Nitsch….Als Original "grosse Kunst" und Millionen wert -macht es jemand ähnlich nach, taugt es höchstens noch als Deko für die Wände von Zahnarztpraxen oder für die
Wohnzimmerwände von Lehrerehepaaren mit Sternabonement.

Als ehemaliger (vor meiner Bekehrung) Freund zeitgenössischer Kunst könnte ich Dir noch seitenlang schreiben, aber um es kurz zu machen:
So etwas wie z.B. Nitsch macht: http://www.nitsch.org/static/detail-omt1998d-8.html ist für mich nicht Kunst sondern widerwärtiger Dreck.

p.s.
noch ein kurzer Text für Dich, einfach mal in Ruhe wirken lassen 8)

Pablo Picasso: Künstlerisches Testament aus Libo Nero (Giovanni Papini)

“Seit die Kunst nicht mehr die Nahrung der Besten ist, kann der Künstler seine Talente für alle Wandlungen und Launen seiner Phantasie verwenden. Alle Wege stehen einem intellektuellen Scharlatanismus offen. Das Volk findet in der Kunst weder Trost noch Erhebung. Aber die Raffinierten, die Reichen, die Nichtstuer und die Effekthascher suchen in ihr Neuheit, Seltsamkeit, Originalität, Verstiegenheit und Anstößigkeit. Seit dem Kubismus, ja schon früher, habe ich selbst alle diese Kritiker mit zahllosen Scherzen zufriedengestellt, die mir einfielen und die sie um so mehr bewunderten, je weniger sie ihnen verständlich waren.

Durch diese Spielereien, diese Rätsel und Arabesken habe ich mich schnell berühmt gemacht. Und der Ruhm bedeutet für den Künstler: Verkauf, Vermögen, Reichtum. Ich bin heute nicht nur berühmt, sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich nicht als Künstler betrachten im großen Sinne des Wortes. Große Maler waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein Spaßmacher, der seine Zeit verstanden hat und alles, was er konnte, herausgeholt hat aus der Dummheit, der Lüsternheit und Eitelkeit seiner Zeitgenossen.”
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Gallus » Sonnabend 10. Januar 2015, 15:05

Pit hat geschrieben:Gallus,wie siehst Du das persönlich:Ist August Macke ein Künstler gewesen oder nicht?
Martin hat schon einiges dazu gesagt, dem ich zustimmen würde. Und um ganz kurz auf Deine Frage zu antworten: Je später, desto weniger. Wenn man sich den Zeitverlauf ansieht, dann ist Macke jemand, der genau in einer dieser kritischen Übergangszeiten gearbeitet hat, in der das Können in der Kunst nach und nach immer unwichtiger wurde.

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von lifestylekatholik » Sonnabend 10. Januar 2015, 15:47

Ewald Mrnka hat geschrieben:Kunst hat mit "Können" zu tun und nicht mit "Wollen", sonst müßte man sie "Wunst" nennen.
Das habe ich nie verstanden. Nach welchen etymologischen Regeln sollte denn aus wollen "Wunst" werden?
:achselzuck:

Das ist einfach nur eine Formulierung für den schnellen, geistlosen Lacher.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Pit
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Pit » Sonnabend 10. Januar 2015, 15:52

Gallus,kannst Du das näher erläutern?
Persönlich höre ich in Gesprächen immer wieder das Argument,dass Macke,Klee und andere Impressionisten ja keine Künstler gewesen seien,da sie nicht so gemalt hätten wie die "Alten Meister" - also Rubens usw.- nur halte ich diese Argumentationsweise für falsch,zumindest aber zu kurzsichtig im historischen Kontext,denn mit der selben Argumentation könnte man die Gotik ablehnen oder zumindestens als minderwertigen Architekturstil abwerten.
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overkott
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 14. Januar 2015, 10:19

Die Auseinandersetzung mit Rubens führt hinein in die frühe Neuzeit auf der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Diese Wende ist eine weltgeschichtlich aufregende Epoche. In ihr entsteht Japan als einheitlicher Staat, mit Akbar erlebt Indien den Höhepunkt der Mogulenherrschaft, in Persien blüht Isfahan, in Europa erhebt sich Holland und mit der Blüte Amsterdams: Rubens. Es ist die Zeit des aufstrebenden Bürgertums, das die spanische Fremdherrschaft abschüttelt und im Zeichen des Frühkapitalismus die Welt erobert durch die Gründung New Yorks und die Erschließung Ostindiens. Das Land, selbst kaum größer als ein Pfefferkorn, wächst zu einer Kolonialmacht, die sich erst nach dem zweiten Weltkrieg überlebt hat. Der wachsende Wohlstand aus Pfeffer und Muskatnuss spült Geld ins kleine Land, Geld, das angelegt und ausgegeben werden will. Rubens Talent trifft auf eine Hochkonjunktur und wird mit anschließendem Börsenkrach in die Tiefe gerissen. Als Auftragsmaler verewigt er den Geldadel der Pfeffersäcke, hinter deren calvinistischer Fassade sich mit der Genusssucht die Lust am nackten Fleisch verbirgt. Allein, die Schinken voll nackter Fettleibigkeit wirken flach. Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von guatuso » Mittwoch 14. Januar 2015, 16:18

martin v. tours hat ja bereits den Begin der "modernen Kunst" erwaent, naemlich das "Schwarze Quadrat" das erstmals 1915 ausgestellte Bild von Kasimir Malewitsch, das die Non-Figuerliche Kunstform in die Welt setzte, also nur noch Farbe als "Kunst".

Bis zu diesem Zeitpunkt war Kunst noch figuerlich, das heisst, der Kuenstler musste etwas lernen ueber Perspetive, Goldenen Schnitt, Gesichter, Muskeln, Menschenaufbau ect.pp. Mit dem Non-Figuerlichen, also nur noch Farben, braucht er nichts mehr zu lernen. Es reicht Farbe zu haben.
Daraus entwickelte sich die Haesslichkeit, in dem nun jeder Mensch sein Inneres, sein "Menschenbild", in einem Abszess (Eiterbeutel) von Farben als "Kunst" verkaufen konnte. Haesslichkeit deshalb, weil meiner langen Erfahrung nach jeder Mensch sich Kuenstler nennen darf (kein geschuetzter Begriff) und somit sein verkrampftes verzweifeltes dunkles, verzerrtes, psychopathologisches Menschenbild in Farben und ungestalteten Werken als Kunst verkaufen darf.
Wer Finsternis im Herzen traegt, kann kein Licht malen.
Ich habe Kuenstler erlebt wie etwa der hoch ueberschaetzte Penk, der nur bekannt wurde, weil er aus der DDR war, oder Eva Bach, die alle einen sozialpolitisch-feministischen Antrieb haben, aber im privaten ihre Mitarbeiter wie, sorry, Schweine behandelt haben. Gerade die feministische Kuenstlerin Bach tat sich besonders im herunterrotzen der hilfsbereiten Kunststudenten hervor (Siebdrucke sind maschinelle Vorgaenge, die der Kuenstler selber nicht vornimmt, dafuer hat er Stundenten oder Hilfskraefte).

Ich habe das als fast-aussenstehender selber miterlebt.

Das heisst, das eigene innere haessliche Gesicht wird in die Ausenwelt projeziert, es braucht nur Farbe oder einen Gegenstand zum bearbeiten (Holzklotz)
"Kuenstler" die Kupferschalen nehmen und Milch hineingiessen, damit der Besucher raetselt, was uns der Kuenstler damit sagen will.
Einer der groessten Verarscher war ja Beyus mit seiner Fettecke. Ich bekam dazu von einem anderen Kuenstler tatsaechlich gesagt, dass dass eine lebenslange kuenstlerische Entwicklungbraucht, um auf eine so grandiose Idee zu kommen.

Kunst soll den Menschen lieben. Wenn aber Kunst nichts mehr mit dem Menschen gemein hat, wird es haesslich und verkommen.

Die heutige moderne Kunst hat mit dem Menschen so gut wie nichts mehr gemein.Man muss die Dialektik zwischen Kunst, Menschsein und Kuenstler betrachten.
Ich habe viele Jahre im kuenstlerischen Bereich Berlins gearbeitet. Man nennt sich ja auch zu Recht nicht mehr Kuenstler, sondern "Kunstschaffender". Arbeiter also.Da wird Kunst nicht mehr aus der Tiefe des Ichs geholt, die wird erarbeitet, und so sieht es auch aus.

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Pit » Mittwoch 14. Januar 2015, 17:27

Overkott,das stimmt,was Du schreibst und da kommt noch etwas hinzu.
Wenn wir die Künstler des europäischen Früh-und Hochmittelalters nehmen,dann kann man ohne Ausnahme sagen,dass sie Auftragsarbeiten ausführten.
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Pit » Mittwoch 14. Januar 2015, 17:32

overkott hat geschrieben:Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?
der nicht gerade salonfähige Modelle für seine Bilder hatte. ;)
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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Mittwoch 14. Januar 2015, 18:11

Pit hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?
der nicht gerade salonfähige Modelle für seine Bilder hatte. ;)
Von welchem sprechen wir?
https://de.wikipedia.org/wiki/Polidoro_da_Caravaggio
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelang ... Caravaggio / http://www.zeit.de/21/9/Caravaggio
Gruß
Jürgen

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 14. Januar 2015, 18:25

Juergen hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?
der nicht gerade salonfähige Modelle für seine Bilder hatte. ;)
Von welchem sprechen wir?
https://de.wikipedia.org/wiki/Polidoro_da_Caravaggio
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelang ... Caravaggio / http://www.zeit.de/21/9/Caravaggio
Wir sprechen von dem, der den Chiaroscuro zum Tenebrismo weiterentwickelte.

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Mittwoch 14. Januar 2015, 18:27

overkott hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?
der nicht gerade salonfähige Modelle für seine Bilder hatte. ;)
Von welchem sprechen wir?
https://de.wikipedia.org/wiki/Polidoro_da_Caravaggio
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelang ... Caravaggio / http://www.zeit.de/21/9/Caravaggio
Wir sprechen von dem, der den Chiaroscuro zum Tenebrismo weiterentwickelte.
Danke.
Also über den, dessen Unterschrift sich im Blut Johannes des Täufers befindet.
Gruß
Jürgen

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 14. Januar 2015, 18:38

Juergen hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:
Pit hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Ist das Kunst? Was sind sie im Vergleich mit dem Licht- und Farbenspiel Caravaggios?
der nicht gerade salonfähige Modelle für seine Bilder hatte. ;)
Von welchem sprechen wir?
https://de.wikipedia.org/wiki/Polidoro_da_Caravaggio
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelang ... Caravaggio / http://www.zeit.de/21/9/Caravaggio
Wir sprechen von dem, der den Chiaroscuro zum Tenebrismo weiterentwickelte.
Danke.
Also über den, dessen Unterschrift sich im Blut Johannes des Täufers befindet.
Von den 3D-Maler:



Allerdings würde man ihm heute raten, die Scheinfensterverletzung durch die abgeschnittenen Finger zu vermeiden.

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von martin v. tours » Mittwoch 14. Januar 2015, 21:25

Zum Thema ein Zitat von Nicolas Gomez Davila:

Um die Kunst wieder zum Leben zu erwecken, wird es erforderlich sein, das der Künstler sich für einen Handwerker hält und nicht für ein Genie.
:hmm: :daumen-rauf:
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von Juergen » Mittwoch 14. Januar 2015, 21:30

martin v. tours hat geschrieben:Zum Thema ein Zitat von Nicolas Gomez Davila:

Um die Kunst wieder zum Leben zu erwecken, wird es erforderlich sein, das der Künstler sich für einen Handwerker hält und nicht für ein Genie.
:hmm: :daumen-rauf:
Es würde fürs erste schon reichen, wenn sich nicht jede Dumpfbacke, die einen Pinsel oder Stift halten kann, für einen Künstler hält.
Gruß
Jürgen

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Re: Warum ist moderne Kunst so unglaublich schlecht?

Beitrag von overkott » Mittwoch 14. Januar 2015, 22:04

Um Caravaggio noch mal als 3D-Künstler verständlich zu machen, habe ich - angeregt durch einen zweiten Phereo-User - das Abendmahl in Emmaus mal konvertiert:

http://phereo.com/image/54b6d7e7d475fee82138

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