Katalonien

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Moderator: Hubertus

Dieter
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Katalonien

Beitrag von Dieter » Montag 10. November 2014, 10:09

8,7 % der Katalanen stimmen für die Unabhängigkeit von Spanien!

http://www.zeit.de/politik/ausland/214 ... katalonien

Ralf
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Re: Katalonien

Beitrag von Ralf » Montag 10. November 2014, 11:24

Nein, sondern 80% derer, die an der Wahl teilgenommen hatten. Die Gegner hatten zum Boykott aufgerufen (was ich für eine blöde Idee halte, war aber nun mal so).
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

Tritonus
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Re: Katalonien

Beitrag von Tritonus » Montag 10. November 2014, 11:44

Ralf hat geschrieben:Nein, sondern 80% derer, die an der Wahl teilgenommen hatten. ...
Also so ähnlich wie bei den Wahlen in diesem unseren Land. Setzt man tatsächlich die Gesamtanzahl der Wahlberechtigten als Maßstab an, führen Merkel und vor allem einige Landesfürsten hier ziemlich mickrige Minderheitsregime, die sich schon die Frage nach ihrer Legitimation gefallen lassen müssten.

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Florianklaus
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Re: Katalonien

Beitrag von Florianklaus » Montag 10. November 2014, 11:46

Und über die Hälfte der Wahlberechtigten hat an der Abstimmung gar nicht teilgenommen.

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Re: Katalonien

Beitrag von Tritonus » Montag 10. November 2014, 12:07

Florianklaus hat geschrieben:Und über die Hälfte der Wahlberechtigten hat an der Abstimmung gar nicht teilgenommen.
So wie im September in Brandenburg.

Allerdings kann man das schlecht vergleichen, denn in Brandenburg ist kein Militär aufgefahren und die Organisatoren der Wahl wurden von niemandem eingeschüchtert und strafrechtlich bedroht, anders als man es in Katalonien schon Wochen vorher beobachten konnte.
http://www.latimes.com/world/europe/la- ... story.html ,
http://www.zerohedge.com/news/214-11- ... ssion-vote ,
https://twitter.com/Llibertatcat/status ... 8/photo/1 .

Ralf
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Re: Katalonien

Beitrag von Ralf » Montag 10. November 2014, 12:44

Der Boykott wurde ausgerufen, weil diese Abstimmung keinerlei juristische Verbindlichkeit hat. Das war in Brandenburg anders.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Re: Katalonien

Beitrag von Tritonus » Montag 10. November 2014, 13:14

Ralf hat geschrieben:Der Boykott wurde ausgerufen, weil diese Abstimmung keinerlei juristische Verbindlichkeit hat. ...
Das hast Du aber fein gesagt.

Die Wahrheit ist: Die Abstimmung war verboten. Komplett illegal. Im Vorfeld wurde den Organisatoren (und teilweise sogar den Abstimmenden!) mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Dass sich an der Abstimmung trotzdem so viele Leute beteiligt haben, sagt für sich genommen schon genug aus. Das Sprüchlein mit dem "Boykott" ist das obligatorische Politikermärchen, das man den Doofen erzählt, um zu verdecken, dass man eine richtige Abstimmung gar nicht riskieren konnte, ohne mit einem sofortigen Machtverlust rechnen zu müssen.

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Re: Katalonien

Beitrag von Ralf » Montag 10. November 2014, 14:03

Soweit ich es in den Primärquellen gelesen habe (Spanisch spreche ich recht gut), damit meine ich bspw. EL PAIS, war nicht die Abstimmung selbst illegal, sondern das vom katalan. Parlament verabschiedete Gesetz über dieses Referendum.

Mir ist es übrigens schnuppe, ob Catalunya unabhängig wird oder nicht. Ich bin allerdings der Meinung, ihnen sollte wie den Schotten das gleiche Recht auf Selbstbestimmung zugestanden werden.
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Re: Katalonien

Beitrag von Dieter » Montag 10. November 2014, 17:03

Die Katalanen gelten als die Preußen Spaniens: nüchtern, sachlich, arbeitsam. Schon äußerlich kann man sie von vielen ihrer (Noch-)Landsleuten, z.B. den Andalusiern, unterscheiden.

Dass Katalonien den Stierkampf abgeschafft hat, ist nur ein Beispiel dafür, dass die Katalanen eher rational sind, ähnlich den Mitteleuropäern.

Bewundernswert ist es, wie dieses Land um seine Sprache, die unter Franco total verboten war, gekämpft hat und immer noch kämpft. Katalanisch konnte unter Franco nur in Andorra und Sardinien frei gesprochen werden.

Heute verstehen etwa 12 Millionen Menschen Katalanisch. Damit ist es eine der größeren Sprachen der EU.

Caviteño
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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 12. November 2014, 00:42

Der Streit dürfte weitergehen, denn jetzt wollen die Katalanen eine bindende Abstimmung durchsetzen:
Nach der inoffiziellen Volksbefragung in Katalonien strebt die Regierung der spanischen Region ein bindendes Referendum über die staatliche Unabhängigkeit an. Dies gab der katalanische Ministerpräsident Artur Mas am Dienstag in Barcelona bekannt.
In einem Schreiben an den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy habe er vorgeschlagen, einen «permanenten Dialog» aufzunehmen und die Bedingungen für eine solche Volksabstimmung festzulegen.
http://www.derbund.ch/ausland/europa/Je ... y/2335452

Gleichzeitig bemüht man auf spanischer Seite die Staatsanwaltschaft:
Für die Regierung Kataloniens könnte allerdings bereits die Befragung vom Sonntag ein Nachspiel vor Gericht haben: Die spanische Staatsanwaltschaft will den katalanischen Regierungschef Artur Mas und mehrere Minister verklagen.
Die Behörde wolle am Mittwoch vor dem obersten katalanischen Gerichtshof ihre Klagen vorlegen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur EFE am Dienstag unter Berufung auf Justizkreise.
Die spanische Zentralregierung, der die Staatsanwaltschaft unterstellt ist, wirft dem katalanischen Regierungschef vor, gegen eine Entscheidung des Verfassungsgerichts verstossen zu haben. Das Gericht hatte die Volksbefragung untersagt.
Quelle: s.o.

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Re: Katalonien

Beitrag von Ralf » Mittwoch 12. November 2014, 09:11

Letztlich geht es um die Frage nach Selbstbestimmung. Wie groß muß eine Population sein, welche Charakteristika muß sie aufweisen (eigene Sprache, Traditionen etc.) um ein Referendum auf Loslösung vom bisherigen Staatsgebiet legitim durchsetzen zu können?

Darf das Katalonien?
Durfte das der Kososo? (von Spanien nicht anerkannt!)
Darf das das spanische Baskenland?
Das französische Baskenland?
Bayern?
Duisburg-Marxloh?
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Protasius
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Re: Katalonien

Beitrag von Protasius » Mittwoch 12. November 2014, 09:44

Ralf hat geschrieben:Letztlich geht es um die Frage nach Selbstbestimmung. Wie groß muß eine Population sein, welche Charakteristika muß sie aufweisen (eigene Sprache, Traditionen etc.) um ein Referendum auf Loslösung vom bisherigen Staatsgebiet legitim durchsetzen zu können?

Darf das Katalonien?
Durfte das der Kososo? (von Spanien nicht anerkannt!)
Darf das das spanische Baskenland?
Das französische Baskenland?
Bayern?
Duisburg-Marxloh?
Wieso durfte das Schottland?
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

Dieter
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Re: Katalonien

Beitrag von Dieter » Mittwoch 12. November 2014, 12:05

"Durfte das der Kososo? "

Nein! Der Kosovo ist ur-serbisches Gebiet. Die heiligsten Orte (Klöster, Kirchen) der Serben befinden sich in diesem Landesteil.

Im Kosovo ist das geschehen, was großen Teilen der EU noch bevor steht: Die Landnahme durch mohammedanische Zuwanderer durch eine extrem hohe Geburtenrate und danach die Vertreibung der christlichen Bevölkerung.

Ralf
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Re: Katalonien

Beitrag von Ralf » Donnerstag 13. November 2014, 16:26

Protasius hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:Letztlich geht es um die Frage nach Selbstbestimmung. Wie groß muß eine Population sein, welche Charakteristika muß sie aufweisen (eigene Sprache, Traditionen etc.) um ein Referendum auf Loslösung vom bisherigen Staatsgebiet legitim durchsetzen zu können?

Darf das Katalonien?
Durfte das der Kososo? (von Spanien nicht anerkannt!)
Darf das das spanische Baskenland?
Das französische Baskenland?
Bayern?
Duisburg-Marxloh?
Wieso durfte das Schottland?
Wenn der Machthaber es zuläßt, darf jeder.

Doch gibt es ein "natürliches Recht" dazu und ab wann greift das?
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

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Maurus
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Re: Katalonien

Beitrag von Maurus » Donnerstag 13. November 2014, 22:18

Ralf hat geschrieben:
Protasius hat geschrieben:
Ralf hat geschrieben:Letztlich geht es um die Frage nach Selbstbestimmung. Wie groß muß eine Population sein, welche Charakteristika muß sie aufweisen (eigene Sprache, Traditionen etc.) um ein Referendum auf Loslösung vom bisherigen Staatsgebiet legitim durchsetzen zu können?

Darf das Katalonien?
Durfte das der Kososo? (von Spanien nicht anerkannt!)
Darf das das spanische Baskenland?
Das französische Baskenland?
Bayern?
Duisburg-Marxloh?
Wieso durfte das Schottland?
Wenn der Machthaber es zuläßt, darf jeder.

Doch gibt es ein "natürliches Recht" dazu und ab wann greift das?
Im kodifzierten Recht gibt es "nur" das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das aber nur unter ganz bestimmten Umständen ein Sezessionsrecht ist, etwa wenn die Zentralregierung eines Vielvölkerstaats terroristische Maßnahmen gegenüber eine Volksgruppe ausübt. Unter normalen Bedingungen ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker durch weitgehende Autonomien gewahrt. Das Völkerrecht, das eher ein Staatenrecht ist und sich vom Staatsbegriff her definiert, hält die Integrität der Staaten eben so lange für notwendig, bis es wirklich nicht anders geht.

Caviteño
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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Freitag 14. November 2014, 00:57

Maurus hat geschrieben: Im kodifzierten Recht gibt es "nur" das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das aber nur unter ganz bestimmten Umständen ein Sezessionsrecht ist, etwa wenn die Zentralregierung eines Vielvölkerstaats terroristische Maßnahmen gegenüber eine Volksgruppe ausübt. Unter normalen Bedingungen ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker durch weitgehende Autonomien gewahrt. Das Völkerrecht, das eher ein Staatenrecht ist und sich vom Staatsbegriff her definiert, hält die Integrität der Staaten eben so lange für notwendig, bis es wirklich nicht anders geht.
Da kann man nur hoffen, daß - in vielleicht 100 Jahren - der Machthaber in Berlinistan das ebenso sieht und den ländlichen Region in Bayern und in Nordwestdeutschland (Münsterland, Emsland) der dort dann noch lebenden christlichen Bevölkerung weitgehende Autonomierechte zugesteht.....

@Dieter:
Allerdings sehe ich nicht, daß die christliche Bevölkerung aus den übrigen Gebieten "vertrieben" wird. Sie zieht freiwillig fort und fördert die Segregation - eine Entwicklung, deren Anfänge schon deutlich werden.

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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Montag 14. September 2015, 11:10

Am 27. 9. kommt es zu Parlamentswahlen in Katalonien, die nach dem Willen der Separatisten, zu einem Plebiszit für die Unabhängigkeit werden sollen. Nach der gestrigen Großdemo in Barcelona könnte die Separatisten sogar eine absolute Mehrheit erreichen:
Doch natürlich steht „Ara és l’Hora“ den Parteien sehr nahe, die derzeit für die Unabhängigkeit kämpfen, also Mas’ Wahlbündnis „Junts pel Sí“ („Gemeinsam für das Ja“) und den linksextremistischen Separatisten der CUP. Gemeinsam haben diese die Wahl vom 27. September zu einer „plebiszitären Abstimmung“, einer Art Ersatz-Referendum, erklärt.
Wenn sie die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament gewinnen, wollen sie Katalonien auch gegen den erklärten Willen Spaniens in die Unabhängigkeit führen. Den jüngsten Umfragen zufolge könnten sie diese Mehrheit durchaus erreichen. Zumal sie mit der Massendemonstration eine perfekte Bühne für den Wahlkampfauftakt hatten, der dank Mas´ Terminierung der Wahl genau auf den Nationalfeiertag fiel.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... ageIndex_2

Wie sich ein solches Ergebnis auf die spanischen Parlamentswahlen am Jahresende und die Arbeit einer neuen Regierung auswirkt, ist offen. Es kann durchaus sein, daß das Thema erneut auf die Tagesordnung kommt.

Dieter
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Re: Katalonien

Beitrag von Dieter » Montag 14. September 2015, 11:15

Ich werde am 27. September in Katalonien sein und freue mich auf den Jubel der Menschen, wenn das Wahlergebnis feststeht.

Caviteño
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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Montag 14. September 2015, 11:32

Dieter hat geschrieben:Ich werde am 27. September in Katalonien sein und freue mich auf den Jubel der Menschen, wenn das Wahlergebnis feststeht.
Berichte dann bitte mal von der Stimmung.

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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Montag 28. September 2015, 01:07

Die Separatisten scheinen wohl die absolute Mehrheit erreicht zu haben. Das sagen zumindest die Hochrechnungen:
Wie die Behörden nach Auszählung von 83 Prozent der Stimmen am Sonntagabend mitteilten, kommen beide Parteien zusammen auf 73 Sitze - davon entfallen 63 Sitze auf „Junts pel Si“ und die zehn restlichen auf die linksradikale CUP. Die Wahlbeteiligung lag mit 76,75 Prozent neun Prozentpunkte höher als bei der letzten Regionalwahl 212 und war damit außergewöhnlich hoch.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 27116.html

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Juergen
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Re: Katalonien

Beitrag von Juergen » Montag 28. September 2015, 13:32

Nach weiteren Auszähungen sieht das Ergebnis nicht viel anders aus:
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 27315.html

Regionalwahl in Spanien
Separatisten rufen Katalanen zu zivilem Ungehorsam auf
Die Separatisten haben die Regionalwahl in Katalonien gewonnen. Nun fordern sie die Bürger auf, die Gesetze aus Madrid zu missachten.

…Die CUP errang nach Auszählung von 97 Prozent aller Stimmen bei der Wahl am Sonntag zehn der 135 Sitze im katalanischen Regionalparlament. Das Bündnis „Zusammen für das Ja“ kam auf 62 Sitze, so dass die Unabhängigkeitsbefürworter die absolute Mehrheit im Parlament haben. Ihr prozentuale Stimmenanteil lag den Angaben zufolge bei 47,8 Prozent der Stimmen, die Wahlbeteiligung lag bei 77 Prozent…
Gruß
Jürgen

Isidor_von_Sevilla
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Re: Katalonien

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Montag 28. September 2015, 13:46

Das wird in der Tat sehr, sehr spannend! :pfeif:
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

Caviteño
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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Montag 28. September 2015, 14:10

Ich glaube allerdings nicht, daß sich vor der Parlamentswahl in Spanien, die im Dezember stattfindet, etwas bewegen wird. Man wird die Zusammensetzung der künftigen spanischen Regierung abwarten und dafür sind zwei Ergebnisse bemerkenswert:
1. Podemos - eine Protestpartei nach Syriza-Muster, die die Sparmaßnahmen aufgrund der Eurorettung ablehnt, hat ein sehr schlechtes Ergebnis erzielt
2. Ciudadanos - eine Protestpartei gegen das politische Establishment und die grassierende Korruption hat das beste Ergebnis ihrer kurzen Geschichte erzielt.

Die Verhältnisse nach den Parlamentswahlen könnten sehr unübersichtlich werden..... - und so einen Austritt Kataloniens den Weg ebnen.
Ich bezweifle auch, daß die EU in einem solchen Fall bei ihrer harten Haltung einer Mitgliedschaft Kataloniens (hinten anstellen!) bleiben würde. Würde die Tür zugeschlagen, könnte sich Katalonien auf seine eigenen Stärken besinnen - eine eigene, attraktive Währung, ein nicht von der EU gegängeltes Wirtschaftssystem mit attraktiven Steuersätzen, ein Tourismusmagnet.... - eine zweite kleine Schweiz brauch die EU doch nicht, oder?

maliems
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Re: Katalonien

Beitrag von maliems » Dienstag 29. September 2015, 00:09

klasse gedanke. DAS Schreckgespenst für die EU. Gut, dass die EU keinen Geheimdienst hat, der da noch was intrigieren könnte.

Caviteño
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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Dienstag 29. September 2015, 12:08

maliems hat geschrieben:klasse gedanke. DAS Schreckgespenst für die EU. Gut, dass die EU keinen Geheimdienst hat, der da noch was intrigieren könnte.
Mich wundert vor allen Dingen wie versucht wird, Katalonien große Nachteile im Falle einer Unabhängigkeit nachzusagen. Ein Beispiel dafür ist dieser Bericht:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 28734.html

Da finden sich folgende - in meinen Augen - widersprüchliche Aussagen:
Die Katalanen gelten als die „Schwaben“ Spaniens: fleißig, tüchtig, sparsam und dem Gelde herzlich zugetan. Wollen sich nun ausgerechnet die sieben Millionen Einwohner der Nordostregion wirklich in ein politisches Abenteuer stürzen, dessen wirtschaftliche Kosten und Risiken sie nur schwer übersehen können?
(...)
Finanziell hängt Katalonien seit mehreren Krisenjahren am Tropf der Madrider Zentralregierung. Diese hält auch das Gros der katalanischen Anleihen und hat die Regierung von Ministerpräsident Artur Mas durch beständige Finanzspritzen aus dem Liquiditätsfonds für die Regionen alimentiert. Nur so konnte sie ihre öffentlichen Bediensteten bezahlen und die Rechnungen der Dienstleister, zum Beispiel für das Gesundheitswesen, begleichen.
(...)
Es ist zweifellos richtig, dass das wirtschaftlich noch immer potente Katalonien, das etwa ein Fünftel zum spanischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt, mehrere Milliarden Steuern mehr im Rahmen des Finanzausgleichs nach Madrid abführt, als es von dort zurückbekommt.
Ich verstehe nicht, warum in einer Region, die mehr in einen Finanzausgleich einzahlt als sie erhält, die Not ausbrechen soll, wenn diese Einzahlungen wegfallen. Es kann ja durchaus sein, daß einige Steuern direkt an den spanischen Staat fließen und von dort aus umverteilt werden. Nur hätte im Falle der Unabhängigkeit dann Katalonien das Recht, diese Steuern zu erheben.
Ebenso sehe ich nicht, warum der Markt für katalanische Produkte in Spanien wegbrechen soll, weil Katalonien ein unabhängiger Staat wird. Natürlich kann es - wo es möglich ist - in der ersten Zeit zu Boykotten kommen, aber mittelfristig wird das gering sein.

Um den Fall auf D. zu übertragen: Würden Baden-Württemberg oder Bayern im Falle einer Loslösung aus der Bundesrepublik besser oder schlechter dastehen als vorher? Wird man dann kein Hefeweizen aus Bayern mehr trinken und keinen Mercedes aus Baden-Württemberg mehr kaufen, weil sich diese Länder für selbständig erklärt haben? :neinfreu:

In meinen Augen ist da viel Angstmacherei vor der - sicherlich unbekannten - Zukunft im Spiel. Die Gefahren werden überbewertet, die Chancen nicht gesehen. Ähnlich wie bei Euro oder EU.
Wahrscheinlich ist man in "Europa" (= bei der sog. "politischen Elite") besorgt, daß bei einer Unabhängigkeit Kataloniens diese Frage in vielen anderen Ländern gestellt wird: erneut in Schottland, bei den Flamen in Belgien, bei den Lombarden in Italien, bei den Basken, Korsen, Bretonen in Frankreich und bei den Basken und ggfs. den Gallegos in Spanien.

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Re: Katalonien

Beitrag von Niels » Sonnabend 7. November 2015, 23:19

Ich hoffe für die Katalanen, dass es klappt: http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... h-nie.html

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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Sonntag 8. November 2015, 00:00

Niels hat geschrieben:Ich hoffe für die Katalanen, dass es klappt: http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... h-nie.html
Ich werde wohl nie verstehen, was an einer Abspaltung von Katalonien (und anderen Regionen) so schlimm sein soll. "Unsere" Zukunft ist doch - wenn man der sog. "politischen Elite" glaubt - "Europa". Da ist es dann doch unwichtig, ob dieser imaginäre "Staat" aus 28, 35 oder xx Gliedstaaten besteht. Viele kleine Gliedstaaten dürften sogar die Zentralisierung beschleunigen und damit den Traum von "Europa" schneller in Erfüllung gehen lassen - oder haben Luxemburg oder die baltischen Staaten schon einmal eine "Blockadepolitik" betrieben?

Spanien bietet sich natürlich für eine Auflösung an. Interessant in dem Artikel, das auch die Basken sich mit entsprechenden Gedanken tragen. Im weiteren Verlauf könnte der Funke dann auf Frankreich (Korsika), Italien (Lombardei, Südtirol), Belgien (Flandern) und vielleicht sogar D (Bayern) überspringen.

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Re: Katalonien

Beitrag von Dieter » Sonntag 8. November 2015, 13:29

Caviteño hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Ich hoffe für die Katalanen, dass es klappt: http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... h-nie.html
Ich werde wohl nie verstehen, was an einer Abspaltung von Katalonien (und anderen Regionen) so schlimm sein soll. "Unsere" Zukunft ist doch - wenn man der sog. "politischen Elite" glaubt - "Europa". Da ist es dann doch unwichtig, ob dieser imaginäre "Staat" aus 28, 35 oder xx Gliedstaaten besteht. Viele kleine Gliedstaaten dürften sogar die Zentralisierung beschleunigen und damit den Traum von "Europa" schneller in Erfüllung gehen lassen - oder haben Luxemburg oder die baltischen Staaten schon einmal eine "Blockadepolitik" betrieben?

Spanien bietet sich natürlich für eine Auflösung an. Interessant in dem Artikel, das auch die Basken sich mit entsprechenden Gedanken tragen. Im weiteren Verlauf könnte der Funke dann auf Frankreich (Korsika), Italien (Lombardei, Südtirol), Belgien (Flandern) und vielleicht sogar D (Bayern) überspringen.

Das nächste Land, das sich die Unabhängigkeit erkämpfen wird, ist Flandern.

Schon jetzt besteht "Belgien" fast nur noch auf dem Papier. Junge Flamen und Wallonen verständigen sich in Englisch.

Das Königshaus ist die einzige Klammer, die die beiden Teile noch zusammen hält.

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Re: Katalonien

Beitrag von Reinhard » Montag 9. November 2015, 02:22

Dieter hat geschrieben:Das nächste Land, das sich die Unabhängigkeit erkämpfen wird, ist Flandern.
[...]
Junge Flamen und Wallonen verständigen sich in Englisch.
Kennst Du Flandern ? - kannst Du flämisch, dass Du die internen Kommentare verstehst, und kennst genügend Leute dort ?

Ik wél. En ik kan alleen maar zeggen: lullig gezeik allemaal. 'Tuurlik kent iedere Vlaming ook Frans.

Die einzigen, die auf der Schiene abfahren, ist der Vlaams Blok, und die sind sowas von rechts, bei denen möchtest auch Du nicht tot über'm Zaun hängen.

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Re: Katalonien

Beitrag von Dieter » Montag 9. November 2015, 11:13

Reinhard hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Das nächste Land, das sich die Unabhängigkeit erkämpfen wird, ist Flandern.
[...]
Junge Flamen und Wallonen verständigen sich in Englisch.
Kennst Du Flandern ? - kannst Du flämisch, dass Du die internen Kommentare verstehst, und kennst genügend Leute dort ?

Ik wél. En ik kan alleen maar zeggen: lullig gezeik allemaal. 'Tuurlik kent iedere Vlaming ook Frans.

Die einzigen, die auf der Schiene abfahren, ist der Vlaams Blok, und die sind sowas von rechts, bei denen möchtest auch Du nicht tot über'm Zaun hängen.

Ja, ik ken Vlaanderen heel goed. En ik spreek Nederlands/Vlaams.

Vele jongere mensen in Vlaanderen kunnen en willen niet Frans spreken. Niet Frans te spreken heeft iets te doen met de Vlaamse identiteit van vandaag.

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Re: Katalonien

Beitrag von lutherbeck » Montag 9. November 2015, 11:38

Caviteño hat geschrieben:
Niels hat geschrieben:Ich hoffe für die Katalanen, dass es klappt: http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... h-nie.html
Ich werde wohl nie verstehen, was an einer Abspaltung von Katalonien (und anderen Regionen) so schlimm sein soll. "Unsere" Zukunft ist doch - wenn man der sog. "politischen Elite" glaubt - "Europa". Da ist es dann doch unwichtig, ob dieser imaginäre "Staat" aus 28, 35 oder xx Gliedstaaten besteht. Viele kleine Gliedstaaten dürften sogar die Zentralisierung beschleunigen und damit den Traum von "Europa" schneller in Erfüllung gehen lassen - oder haben Luxemburg oder die baltischen Staaten schon einmal eine "Blockadepolitik" betrieben?

Spanien bietet sich natürlich für eine Auflösung an. Interessant in dem Artikel, das auch die Basken sich mit entsprechenden Gedanken tragen. Im weiteren Verlauf könnte der Funke dann auf Frankreich (Korsika), Italien (Lombardei, Südtirol), Belgien (Flandern) und vielleicht sogar D (Bayern) überspringen.
Interessanter Gedanke - vielleicht wäre dies tatsächlich eine Option? :D
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Re: Katalonien

Beitrag von Caviteño » Montag 9. November 2015, 12:05

lutherbeck hat geschrieben:
Interessanter Gedanke - vielleicht wäre dies tatsächlich eine Option? :D
Man muß sich doch nur anschauen, wie sich die politische Karte Europas innerhalb der letzten 25 Jahre verändert hat. Da haben sich nicht nur aus der Sowjetunion neue Staaten gebildet, auch Tschechien und die Slowakei haben sich getrennt und Jugoslawien ist in Einzelstaaten zerfallen. In GB hat Schottland ein Referendum durchgesetzt, in dem über eine Unabhängigkeit des Landes abgestimmt wurde.

Warum sollte der augenblickliche Zustand noch weitere fünfzig Jahre anhalten und die Grenzen der gegenwärtigen Nationalstaaten in Stein gemeißelt sein?
Die Verteilungskämpfe werden weiter wachsen, der zu verteilende Kuchen wird immer kleiner. Das liegt nicht nur an der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder und dem wachsenden Einfluß der Schwellenländer. Auch die Lasten der Vergangenheit (Renten, Raubbau bei der Infrastruktur), der Gegenwart (Eurohaftung) und der Zukunft (Sozialhilfezahlungen aufgrund des Migrantenansturms) tragen dazu bei. Ist es da nicht zu erwarten, daß auch die Regionen, denen es innerhalb eines Nationalstaates noch relativ gut geht, die mageren Früchte ihrer Arbeit behalten und nicht mit anderen Provinzen teilen wollen? Das sieht man doch auch in D., wo kontinuierlich über den Finanzausgleich gestritten wird.

Eine solche Entwicklung dürfte sich insbesondere dann verstärken, wenn historische und/oder sprachliche Unterschiede hinzukommen.

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