Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Torsten
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Dienstag 14. Juni 2016, 17:35

telepolis hat geschrieben:Sind Barzahlungsobergrenzen mit dem Grundgesetz vereinbar?
Peter Mühlbauer 14.06.2016

Die Bundesregierung plant, eine Obergrenze in Höhe von 5.000 Euro einzuführen, ab der nicht mehr mit Bargeld, sondern nur noch elektronisch bezahlt werden darf. Der ehemalige Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat jetzt Zweifel daran angemeldet, ob so eine Regelung einer Überprüfung durch Karlsruhe Stand halten würde.
[...]

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overkott
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Dienstag 14. Juni 2016, 21:42

Torsten hat geschrieben:
telepolis hat geschrieben:Sind Barzahlungsobergrenzen mit dem Grundgesetz vereinbar?
Peter Mühlbauer 14.06.2016

Die Bundesregierung plant, eine Obergrenze in Höhe von 5.000 Euro einzuführen, ab der nicht mehr mit Bargeld, sondern nur noch elektronisch bezahlt werden darf. Der ehemalige Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hat jetzt Zweifel daran angemeldet, ob so eine Regelung einer Überprüfung durch Karlsruhe Stand halten würde.
[...]
Verstößt das gegen Artikel 3 GG? Nach Art. 73 hat der Staat die Kompetenz für das Geldwesen. Darüber hinaus muss er seinen Bürgern weder ein kostenloses Portemonnaie, noch ein Bankkonto zur Einzahlung von Barreserven zur Verfügung stellen.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 20. Juni 2016, 14:59

Morgen urteilt das BVerfG über das OMT-Programm der EZB. Im allgemeinen wird nicht damit gerechnet, daß es sich gegen den EuGH stellen wird.

Welche Optionen die Karlsruher Richter haben

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 1. Juli 2016, 20:01

Euro-Krise am Ende?
Aber nicht doch - für weitere Unterhaltung sorgt Italien.
Es ist eine gewaltige Summe mit großer Sprengkraft: Italiens Banken sitzen nach Jahren der Rezession auf faulen Krediten im Umfang von rund 36 Milliarden Euro. Für die gesamte Volkswirtschaft ist das eine schwere Hypothek. Weil Investoren an der Stabilität vieler gerade kleiner Institute zweifeln, geben sie ihnen kaum noch Geld. Das wiederum bremst die Vergabe neuer Kredite und damit den sehnlichst erhofften Aufschwung. Seit Monaten sucht Ministerpräsident Matteo Renzi nach Auswegen aus dem Teufelskreis - und will dafür auch zu massiven Staatshilfen greifen.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/akt ... 19121.html

Da bekommen die Forderungen von Schulz und Juncker nach einer Vertiefung der Eurozone mit Vollendung der Bankenunion durch "Vergemeinschaftung der Einlagensicherung" doch sofort einen ganz anderen Stellenwert. Immerhin ist der Euro "unsere Währung" und "alternativlos" (O-Ton Merkel).

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 2. Juli 2016, 21:18

Kollateralschäden (so heißt das wohl heute) des Brexits: Der EZB gehen die deutschen Anleihen aus, weil sich auch andere Großinvestoren auf diese Papiere stürzen und Schäuble, aufgrund der schwarzen Null, keine zusätzlichen Schulden machen will.

Die Folge: Noch mehr (minderwertige) Anleihen aus F und den Peripheriestaaten müssen gekauft werden und D. haftet....
Das Problem betrifft wieder einmal die Anleihekäufe der Notenbank. Monat für Monat sammeln die Euro-Hüter Papiere im Volumen von 8 Milliarden Euro auf den Finanzmärkten ein.
Diese Käufe folgen klaren Regeln. Unter anderem sind sie an den Kapitalschlüssel gebunden, den die nationalen Notenbanken der Euro-Zone an der EZB halten. Da Deutschland mit gut einem Viertel den größten Anteil hält, werden bislang deutsche Staatsanleihen – die noch dazu das beste Rating genießen – am häufigsten gekauft.
Doch ausgerechnet diese Regel steht nun offensichtlich zur Disposition. Stattdessen könnte EZB-Präsident Mario Draghi künftig anderen Ländern wie Italien oder Frankreich den Vorrang geben, die wegen der hohen Verschuldung mehr Anleihen ausstehen haben und die die EZB-Unterstützung dringender gebrauchen können.
Für Deutschland hätte das gleich mehrere Nachteile. Zum einen würde sich die EZB durch diese Regeländerung noch mehr Risiken in ihre Bücher holen als ohnehin schon. Im Verlustfall müsste Deutschland aber nach wie vor für ein Fünftel der Ausfälle geradestehen. Zudem würde ein solcher veränderter Schlüssel bei den Staatsanleihekäufen den Reformdruck in den Ländern der Euro-Zone noch weiter abschwächen. Es hat sich gezeigt, dass es einen gegenläufigen Zusammenhang zwischen Zinsen und Reformbereitschaft gibt.
(...)
Vor allem bei Bundesanleihen kommt es zu Engpässen. Denn Berlin wird in diesem Jahr keine neuen Schulden machen und damit auch keine frischen Papiere emittieren, allenfalls bestehende ablösen.
Der Brexit hat die drohende Knappheit noch beschleunigt. Die Unsicherheit über die Folgen hat eine enorme Fluchtbewegung von Anlegern in die sichersten Aktiva der Region ausgelöst. Die Notenbank konkurriert mit den Investoren um die verbliebenen Papiere, um ihr Kaufpensum zu erfüllen.
http://www.welt.de/finanzen/article1567 ... ierer.html

Die Folgen des Euros und der "immer enger werdenden EU" - nein danke.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 6. Juli 2016, 14:18

Der Fiskalpakt ist eine Farce
Auf dem Höhepunkt der Eurokrise kam es 2012 zu einem neuen, zweiten Pakt. Im Gegenzug für die Zustimmung zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) forderte Deutschland eine Verschärfung des Euro-Stabilitätspakts. Die deutsche Regierung konnte dem Bundestag so den ESM schmackhaft machen. Der Europäische Fiskalpakt war geboren. Im Konjunkturdurchschnitt soll nun der Staatshaushalt ausgeglichen sein, wobei ein Defizit von 0,5 Prozent als Erfüllung gilt. Ist die Konjunktur schlecht, darf das Haushaltsdefizit bis an die 3-Prozent-Grenze gehen. Bei guter Konjunktur sollen dafür Überschüsse verzeichnet werden. Laut Fiskalpakt greift bei einer Staatsverschuldung von über 60 Prozent des BIP eine Schuldenbremse. Die Schulden müssen mit 5 Prozent der Differenz zur 60-Prozent-Marke verringert werden. Bei einer Staatsverschuldung von z.B. 100 Prozent muss die Verschuldung 2 Prozent pro Jahr verringert werden (5 Prozent von 40 Prozent). Diese Vereinbarungen wurden im März 2012 unterzeichnet.
Wie sieht die Zwischenbilanz aus? Wie sich mit einem Blick auf die Infografiken erkennen lässt, reißen viele Staaten die Kriterien deutlich. Spanien war mit 3,2 Prozent Wachstum 2015 einer der Motoren Europas, sollte also bei guter Konjunktur einen Überschuss erzielen. Stattdessen lag Spaniens Defizit von gut 5 Prozent sogar noch über der 3-Prozent-Obergrenze bei schlechter Konjunktur. Italiens Staatsverschuldung steht bei 132 Prozent des stagnierenden BIP. Ein bedeutender Überschuss wäre erforderlich gewesen. Stattdessen gab es ein Defizit von 2,5 Prozent. Und Frankreich ist eben Frankreich. Der Fiskalpakt liegt in Trümmern. Warum hätte die staatliche Selbstbeschränkung auch dieses Mal funktionieren sollen, wo schon der Stabilitätspakt ein Reinfall war? Die politischen Anreize sind ja dieselben. Der Fiskalpakt war lediglich der Köder, um den Deutschen Bundestag zu einer Zustimmung zum ESM zu verleiten.
Die ökonomischen Folgen sind verheerend. Die Fehlkonstruktion des Euros wird sich weiter entfalten. Geldmenge, Staatsausgaben und Defizite können weiter wachsen. Die staatliche Ausgabenorgie hemmt das ohnehin schon schwache Wachstum des Privatsektors. Und eigentlich sollte, so erhofften es die Verfechter der Währungsunion, die Geldpolitik die Fiskalpolitik durch den Euro an die Kette legen. Es kam umgekehrt. Die Fiskalpolitik treibt die Geldpolitik vor sich her und hin zu Quantitativer Lockerung und Negativzinsen und damit zur Enteignung der Sparer.
Werden Regeln und Verträge nicht eingehalten, werden Institutionen und Vertrauen geschwächt. Wenn Politiker Verträge und Versprechen seelenruhig ignorieren und das als Lösung verkaufen, dann kann man nicht erwarten, dass die Bürger stoisch moralische Prinzipien hochhalten. Sie verlieren Respekt vor dem Gesetz im täglichen Leben. Dies ist vielleicht die fatalste Folge der Eurorettungspolitik.
Es ist immer das Gleiche: Man verspricht "Reformen" und die Tinte ist noch nicht trocken, da interessiert sich niemand mehr für die getroffenen Vereinbarungen. Egal ob GR oder andere Südländer - solange das Geld aus D. und Nordeuropa fließt, wird man niemals daran denken, ernsthafte Reformen in Angriff zu nehmen.
Und in Berlin ist niemand zu sehen, der dies thematisiert oder gar abschaffen will. Stattdessen wird die EU wie ein "Rettungsschiff" gezeichnet und jeder, der es verläßt, wird jämmerlich untergehen.... - ein Blick in die deutschen Medien zum Thema "Brexit" reicht da aus.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 12. Juli 2016, 10:09

Die Zinspolitik der EZB als einer der Auslöser der gegenwärtigen Bankenkrise:

Das Dilemma der EZB-Bankenaufsicht
Gleichzeitig hat die EZB die Steuerungsfunktion des Zinses abgeschafft. Das verzerrt die Preise für Risiken und erhöht die Gefahr von Übertreibungen, wie man an den Immobilienpreisen in deutschen Großstädten sehen kann. Die Finanzkrise nach dem Lehman-Kollaps zeigt, was passiert, wenn Spekulationsblasen platzen. Doch trotz des Misserfolgs ihrer Extrempolitik hält die EZB an ihrem Kurs fest, um marode Banken in Südeuropa am Leben zu erhalten. Paradox ist, dass Banken für Geld, das sie bei der EZB parken, Strafzinsen zahlen müssen. Dabei hatten Aufseher nach der Finanzkrise Banken mit hohen Kundeneinlagen noch als sicher eingestuft, die sie heute bestrafen.
Indem die EZB das Schuldenmachen belohnt und das Sparen bestraft, brechen den noch gesunden Banken die Zinserträge weg. Wenn die alten, höher verzinsten Kredite auslaufen, bekommen die Institute die Auswirkungen der Negativzinspolitik voll zu spüren. Zusätzlich müssen sie die Kosten aus der Flut an aufsichtsrechtlichen Vorgaben tragen und gleichzeitig in den digitalen Umbruch investieren. Die Vorgaben kommen auch von der EZB, die Banken vorschreibt, wie viel Kapital sie vorhalten müssen.
Es war ein Fehler, die Bankenaufsicht bei der EZB anzusiedeln. Jens Weidmann und andere Notenbankchefs aus den stabilen Eurostaaten hatten davor eindringlich gewarnt:
„Die Tatsache, dass in Zukunft Bankenaufsicht und Geldpolitik unter einem Dach vereint sein sollen, führt zu potenziellen Interessenskonflikten - zu Konflikten mit dem Hauptziel Preisstabilität, aber auch mit der Unabhängigkeit der Notenbank“, warnte Weidmann bei der Jahrestagung des Markenverbandes in Berlin.
In Deutschland sei es nicht gelungen, diesen Interessenskonflikt aufzulösen. Deshalb habe man darauf verzichtet, die Bankenaufsicht auf die Bundesbank zu übertragen, obwohl dies im schwarz-gelben Koalitionsvertrag so festgeschrieben worden sei.
Wenn nun die EZB solche Aufgabe übernehmen sollte, müsse ganz klar zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht getrennt werden, verlangte Weidmann. „Es gibt eine Reihe von Fragen, die noch nicht zufriedenstellend beantwortet sind.“ EZB-Chef Mario Draghi hatte noch am Dienstag in Berlin erklärt, die Notenbank garantiere die strikte Trennung von Geldpolitik und Aufsichtsaufgaben.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/b ... 6411.html

Nur zur Erinnerung: Es war Frau Merkel, die trotz der Warnungen zugestimmt hat.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 12. Juli 2016, 10:36

Italien ist wie Griechenland – nur schlimmer

Aus einem Bericht des IWF:
Nun beweist der Währungsfonds bei Italien ein ganz besonderes Timing. Mitten in der größten Bankenkrise seit Jahren veröffentlichen die IWF-Experten eine Beurteilung des Landes. Und die enthält eine Sprengkraft, die zu Erschütterungen in ganz Europa führen könnte. Denn aus dem Zeugnis, das der IWF der Regierung um Matteo Renzi ausstellt, geht hervor, dass Italien derzeit das größte Risiko für Europa darstellt und alle politischen Bekundungen, wonach es sich nicht um eine Krise handelt, unglaubwürdig sind. Italien stehe vor "monumentalen Herausforderungen", heißt es dort ungeschminkt.
Die Expertenanalyse lässt den Schluss zu, dass die Bankenkrise eigentlich nur durch einen Bruch der erst kürzlich eingeführten europäischen Bankenrichtlinie gelöst werden kann. Schlimmer noch: Italien wird dabei wegen der eigenen Wirtschaftsschwäche wohl auf die Hilfe der europäischen Partner angewiesen sein. Zumindest rechnet der IWF damit, dass die viertgrößte Ökonomie Europas erst im Jahr 2025 wieder das Vorkrisen-Niveau von 2007 erreicht haben wird.
(Hervorhebung von mir)

Klasse - das heißt: D. zahlt, entweder direkt, über eine gemeinsame Einlagensicherung oder über den ESM, auf den - dank Merkel - auch Banken zugreifen können. Wer noch daran glaubt, das "Europa" - also die EU - sich den eigenen Vorschriften unterwerfen würde, der sollte diesen Abschnitt des Artikels aufmerksam lesen:
Schon jetzt ist der EU-Pessimismus in Italien stark ausgeprägt. In den jüngsten Umfragen liegt die Anti-Establishment-Bewegung Fünf Sterne gleichauf mit der Regierungspartei von Matteo Renzi. Nach einer Erhebung von Ipsos wünscht sich europaweit kein Volk so sehr eine Abstimmung über die Mitgliedschaft in der EU wie die Italiener. Knapp die Hälfte würde dabei für einen Ausstieg stimmen. "Die Bankenkrise ist nur die Spitze des Eisbergs. Die politischen Probleme sind mindestens genauso gravierend für den Kontinent", sagt Alastair Newton, Stratege beim politischen Analysehaus Alavan.
Wie gravierend die Probleme sind, machten auch Äußerungen des französischen Finanzministers Michel Sapin deutlich. Man werde eine gesamteuropäische und solidarische Lösung mit Italien finden. Seine Worte sind nicht uneigennützig. Französische Banken sind mit gut 250 Milliarden Euro in Italien am stärksten engagiert.
Ein weiteres EUro(pa)-Referendum nach der Pleite in GB in einem Gründungsmitglied der EWG ist undenkbar. Die "EU-Elite" wird alles tun, um dies zu verhindern - koste es, was es wolle. Da trifft es sich gut, daß in Kürze die Olympischen Spiele stattfinden und der Bildschirm von fröhlichen Sportlern und nicht von Wirtschaftsjournalisten beherrscht wird.
Nur werden dadurch die Probleme nicht gelöst. :nein:

PS @overkott:
Bei solchen Nachrichten werden sich viele Briten sagen: "Gott sei Dank, das wir richtig abgestimmt haben und aus dem Verein ausscheiden werden." Werbung sieht anders aus, wenn es sich nicht um Negativwerbung handelt.
Die Träumerei von politischen Tricks, um das Ergebnis des Referendums zu unterlaufen, wird sehr schnell aufhören.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von overkott » Donnerstag 14. Juli 2016, 14:00

Caviteño hat geschrieben:PS @overkott:
Bei solchen Nachrichten werden sich viele Briten sagen: "Gott sei Dank, das wir richtig abgestimmt haben und aus dem Verein ausscheiden werden." Werbung sieht anders aus, wenn es sich nicht um Negativwerbung handelt.
Die Träumerei von politischen Tricks, um das Ergebnis des Referendums zu unterlaufen, wird sehr schnell aufhören.
Die Engländer brauchen Zeit, die Schotten lassen sich Zeit, die Nordiren haben keine Zeit.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 19. Juli 2016, 19:18

Der Spielraum für die "Rettung" der Zombiebanken in IT wird durch eine Entscheidung des EuGH noch einmal enger:

Enge Vorgaben für staatliche Bankenrettung

Eine mögliche Lösung wird in dem Artikel vorgestellt:
Als wahrscheinlichste Lösung gilt nun, dass auch die italienischen Kleinsparer für die Restrukturierung haften müssen. Im Gegenzug könnte der Staat diese aber entschädigen. „Es gibt keine Regel, wonach Italien seinen Bürgern kein Geld schenken dürfte“, sagt ein EU-Diplomat. Offen ist, wie stark eine Entschädigung den italienischen Staatshaushalt belasten würde.
:vogel: :patsch:

So allmählich könnte sich zeigen, daß der Brexit eine der kleineren Schwierigkeiten ist, vor denen die EU in den nächsten Monaten steht.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 24. Juli 2016, 10:39

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Bankenkrise in Italien. Besonders aufschlußreich ist die Gegenüberstellung, wie der bei den Banken vorhandene Anteil an notleidenden Krediten in den einzelnen Landesteilen von 2009 bis 2014 angestiegen ist. Inzwischen sind alle Provinzen des Südens betroffen und nur die nördlichen Landesteile (ua Südtirol) stehen noch verhältnismäßig gut da.

Warum drängt sich bei einem so deutlichem Nord-Süd-Gefälle eigentlich das böse M....-Wort auf? :/
Während bei der "Rettung" der zyprischen Banken immer wieder von den Geldern der Russen-Oligarchen usw., die dadurch verlustfrei gestellt würden, berichtet wurde, hat man so etwas bisher nicht gelesen. Aber in dem Artikel wird die Schuld bei der fehlenden technischen Ausstattung sowie der Eigentümerstruktur und den damit verbundenen Wünschen gesucht:
Dass Banken nicht mehr tun, um agiler zu werden, hängt auch mit ihrer Corporate Governance zusammen. In den Verwaltungsräten etlicher grosser Institute geben Stiftungen, gestützt auf Minderheitsbeteiligungen und ein Netz von Aktionärsbindungsverträgen, den Ton an. Das ist deshalb verhängnisvoll, weil sie «ihre» Bank in erster Linie als Finanzierungsvehikel für eine Vielzahl von gemeinnützigen, kulturellen, sportlichen und anderen Aktivitäten verstehen. Das führt dazu, dass von Stiftungen beherrschte Banken auch in Jahren Dividenden ausschütten müssen, in denen es die Ertragslage eigentlich verböte. Denn es gilt, die Klientel auch in schlechten Zeiten bei Laune zu halten – Kapitalknappheit hin oder her.
Ähnliches gilt bei der Vergabe von Krediten. Anstelle der Bonität entscheidet nicht selten das Nahverhältnis zu einer Stiftung und ihren Vertretern, ob und zu welchen Konditionen ein Kredit gesprochen wird. Solche Praktiken schlagen über kurz oder lang auf die Qualität des Kreditportefeuilles durch und erhöhen den Wertberichtigungsbedarf. Und nicht zuletzt erschweren Stiftungen ihren Banken den Zugang zu neuem Kapital. Weil sie nicht an Einfluss verlieren wollen und sich deshalb gegen eine Verwässerung ihrer Beteiligungsquoten wenden, wird es schwierig, Kapitalerhöhungen durchzusetzen.
(Hervorhebung von mir)

Jetzt würde Renzi natürlich die Rechnung für diese Mißwirtschaft an einen europ. Einlagensicherungsfond weiterreichen oder zumindest ESM-Kredite in Anspruch nehmen. Daran kann man sehen, wohin die "Euro-Solidarität" führen wird.... Es wurden Länder in einer Währungsunion zusammengefaßt, die absolut nicht kompatibel sind.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 6. August 2016, 18:41

Interessante Zahlen zum Ausgabeverhalten in D.:
In der Zeit der Euro-Krise zwischen 21 und 215 sind die Ausgaben der Gebietskörperschaften, Bund, Länder und Gemeinden, von 1,15 Milliarden Euro auf 1,275 Milliarden Euro angestiegen. Das ist ein Ausgabenwachstum von 15 Prozent in fünf Jahren. Im Vergleich dazu sind die Ausgaben in den Jahren 2 bis 25 auf dem Höhepunkt der Massenarbeitslosigkeit von 961 auf 1.2 Milliarden gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 4,3 Prozent. Zur Zeit von Gerhard Schröder wurde in Deutschland sparsamer gewirtschaftet.
Dass diese expansive Ausgabenpolitik nicht zu einer Vergrößerung des Haushaltsdefizits geführt hat, liegt vor allem an der Entwicklung der Einnahmen. Die Einnahmen der Gebietskörperschaft haben sich zwischen 21 und 215 von 1.3 Milliarden auf 1.34 Milliarden erhöht. Das entspricht einem Anstieg von 26 Prozent.
Das gesamte Finanzsystem der Bundesrepublik ist derzeit auf Steuermehreinnahmen eingestellt. Die Einhaltung der Schuldenbremse bei der gleichzeitigen Bewältigung der Flüchtlingskrise funktioniert nur, wenn die Steuereinnahmen bis zum Jahr 22 weiter wachsen. Schon im Jahr 215 hatten die Länder ihre Ausgaben wegen der Flüchtlingskrise um 3,9 Prozent erhöhen müssen, und weitere Ausgaben stehen an. Allein der Bund rechnet mit zusätzlichen Ausgaben für die Integration und die Unterbringung der Flüchtlinge bis zum Jahr 22 von 93 Milliarden Euro. Das aber nur, wenn die Zahl der Flüchtlinge auf 3. zurückkehrt und mehr als die Hälfte eine Erwerbstätigkeit findet.
http://ef-magazin.de/216/8/6/9577-ge ... ht-gespart

Schröder schlägt Merkel - und unter ihm gab es eine signifikante Steuersenkung. Bei der Merkel-Regierung undenkbar.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von umusungu » Sonnabend 6. August 2016, 22:04

Caviteño hat geschrieben:ISchröder schlägt Merkel - und unter ihm gab es eine signifikante Steuersenkung. Bei der Merkel-Regierung undenkbar.
Dann schau doch mal auf die 'Schuldenentwicklung....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. August 2016, 10:03

umusungu hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:ISchröder schlägt Merkel - und unter ihm gab es eine signifikante Steuersenkung. Bei der Merkel-Regierung undenkbar.
Dann schau doch mal auf die 'Schuldenentwicklung....
Machen wir mal:

Schröder regierte von 1998 - 25

Staatsschulden 1999 = 1.199 Mrden €
Staatsschulden 25 = 1.489 Mrden €
Steigerung = 29 Mrden € oder ca. 24%

Merkel von 26 - 214:
Staatsschulden 26 = 1.545 Mrden €
Staatsschulden 214 = 2.49 Mrden €
Steigerung = 54 Mrden € oder 32%

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsver ... utschlands

Nicht nur relativ, sondern auch absolut ist die Schuldenaufnahme unter Merkel gestiegen - um beachtliche 73%!

Dazu kommt, daß aufgrund der geringen und inzwischen sogar negativen Zinsen erhebliche Beträge eingespart wurden:

Bund spart 1 Milliarden Euro durch Niedrigzinsen

Der wahre Grund für Deutschlands volle Kassen

Du solltest Dich nicht immer vom Gerede der Kanzlerin und den Medien blenden lassen. :nein:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 18. August 2016, 10:03

Kommt jetzt der nächste Tabubruch und kauft die EZB Aktien bzw. Aktien-ETF's?

Wagt Mario Draghi jetzt den nächsten Tabubruch?
Das Problem: Schon bald gehen der EZB die Anleihen aus, die sie unter den bisher geltenden Vorgaben kaufen kann. Nach Berechnungen der Investmentbank Société Générale wird das Limit bei finnischen Staatsanleihen schon im November erreicht, bei deutschen etwa im März kommenden Jahres.
Sollte die EZB die Bedingungen für die kauffähigen Anleihen im September lockern, wäre noch etwas mehr Zeit. Doch auch dann käme irgendwann der Punkt, an dem die EZB entweder die Kaufprogramme einstellen oder aber sich neue Anlageklassen aussuchen müsste.
(...)
Denn die Bank of Japan kauft bereits seit sechs Jahren ETFs, also börsengehandelte Indexfonds. Erst vor Kurzem verdoppelte sie sogar die jährliche Anlagesumme von drei auf sechs Billionen Yen (rund 53 Milliarden Euro). Dadurch mutierte sie mittlerweile bei 81 japanischen Firmen zu einem der fünf größten Investoren.
(...)
Das Ziel der Aktienkäufe in Japan ist es, die Inflation anzuheizen. Genau das versucht auch die EZB zu erreichen, bisher allerdings ebenso erfolglos wie die Kollegen in Tokio. In der Logik der Zentralbanken bleibt da nur eine Konsequenz: Noch mehr Geld drucken und damit noch mehr Wertpapiere am Markt aufkaufen.
(...)
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält inzwischen rund ein Fünftel ihrer Bilanzsumme in Form von Aktien. Allerdings kauft sie im Gegensatz zur Bank of Japan keine ETFs. Vielmehr investiert sie direkt in einzelne Aktien, und zwar vor allem in ausländische, denn ihr Ziel ist es, den Außenwert des Franken zu deckeln.
60 Prozent der Anlagen entfallen auf amerikanische Aktien. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben die Schweizer Notenbanker ihren Bestand an US-Papieren um 50 Prozent gesteigert, von rund 41 auf etwa 61 Milliarden Dollar. Rund 1,1 Milliarden haben sie beispielsweise in Microsoft investiert, 1,2 Milliarden in Exxon Mobil und in Apple sogar 1,5 Milliarden Dollar. Bei Apple ist die SNB dadurch inzwischen ein größerer Anteilseigner als große Investmentbanken wie Morgan Stanley oder große Fondsgesellschaften wie Janus oder Calpers.
Die Gefahr:
Kritiker warnen jedoch, dass mit diesem neuerlichen Tabubruch ein Weg beschritten würde, der am Ende zu ungewollten Konsequenzen führen würde. Am explizitesten hat das Marc Faber, einer der alten Hasen unter den Fondsmanagern, ausgedrückt. In einem Interview bei CNBC warnte er vor dem Kaufrausch der Notenbanken. "Letzten Endes werden sie sämtliche Staatsanleihen aufkaufen, alle Unternehmensanleihen und alle Aktien, die es am Markt gibt", so Faber.
(...)
Doch selbst wenn es nicht so weit kommt und die EZB nur einen kleinen Anteil der Aktien kauft, wäre dies gefährlich. Dann gäbe es nämlich kaum noch ein Zurück. Denn wenn es zu einem Kursrückgang käme, müsste sie praktisch sofort intervenieren – indem sie noch mehr Aktien kauft und damit den Wert der eigenen Anlagen wieder nach oben treibt. Verkaufen dagegen könnte sie kaum noch, da sie dies stets vorher ankündigen müsste – was sofort die Kurs verfallen ließe. Allein solche Szenarien sollten die Idee von Aktienkäufen durch die EZB eigentlich weiterhin abwegig erscheinen lassen. Eigentlich.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 2. September 2016, 15:57

Die EZB kauft Anleihen auf, um dieWirtschaft und Inflation anzuheizen - der Effekt ist gleich null. Warum? Die Banken verkaufen ihre Anleihen und legen das Geld bei der EZB an:
Die Guthaben der Banken im Euroraum bei der Europäischen Zentralbank haben erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Wie aus Zahlen der EZB vom Freitag hervorgeht, lagen die sogenannten Überschussreserven, die die Geldhäuser bei der Notenbank unterhalten, bei rund 1022 Milliarden Euro und damit auf einem Rekordniveau.
Der Betrag ist ein Spiegelbild der gewaltigen Wertpapierkäufe der Notenbank, mit denen sie die Konjunktur und letztlich die schwache Inflation anschieben will. Die Banken sind die größten Verkäufer von Anleihen.
(...)
Die EZB hatte ihre Wertpapierkäufe, auch quantitative Lockerung genannt, im März 2015 gestartet. Seither hat sie Wertpapiere von öffentlichen Schuldnern wie Staaten im Wert von 990 Milliarden Euro gekauft. Darüber hinaus erwirbt sie weitere Vermögenswerte wie Unternehmensanleihen, besicherte Bankanleihen und Kreditverbriefungen.
Banken horten mehr als eine Billion Euro bei EZB

Anstatt die Gelder auszuleihen, werden sie bei der EZB geparkt. Diese Politik ist gescheitert, nur die Schuldner - vor allem Staaten - haben von den niedrigen Zinsen profitiert. An erster Stelle ist IT zu nennen, das Heimatland des EZB-Präsidenten. Aber auch die Länder des Club Med, die im EZB-Rat eine Mehrheit haben, hatten ihre Vorteile. Verlierer sind die Sparer und alle Menschen, die Betriebsrenten oä erhalten werden.

Aber von dieser "Solidarität" haben wir bei der Euro-Einführung ja schon geträumt.....

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Raphael
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Raphael » Freitag 2. September 2016, 16:15

Demnächst zahlen die Geschäftsbanken eben Strafzinsen für die Beträge, die bei der EZB bleiben ...........
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels » Freitag 2. September 2016, 16:32

Eine lustige Truppe. :zirkusdirektor:
Resurrexit, sicut dixit, alleluia

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 2. September 2016, 16:57

Raphael hat geschrieben:Demnächst zahlen die Geschäftsbanken eben Strafzinsen für die Beträge, die bei der EZB bleiben ...........
Müssen sie doch schon. Der Strafzins wurde im Dezember letzten Jahres von ,2% auf ,3% erhöht.

http://www.manager-magazin.de/finanzen/ ... 65913.html

Scheint sich wohl trotzdem zu rechnen, vielleicht weil es sich um Schrottpapiere - sorry - um ausfallgefährdete "Wert"papiere handelt, die sie verkauft haben. :D

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 5. September 2016, 11:51

Unlösbares Dilemma - Wer wagt den Austritt aus dem Euro?
Zu den Kandidaten eines Exits aus dem Euro rechnen Analytiker vor allem Italien, aber auch Portugal oder Frankreich. Die Einschätzung gewinne an Gewicht, dass der Euro langfristig nicht überleben werde, sagt Thomas Mayer von der Denkfabrik des Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Eine Bruchstelle liege in unüberbrückbaren Gegensätzen zwischen Deutschland und Italien. Ist für Deutschland das Einhalten vereinbarter Regeln die grundlegende Bedingung für die Teilnahme an der Währungsunion (obwohl man die weitgehend nach eigenen Vorstellungen geprägten Regeln ebenfalls gebrochen hat), ist Italien weder wirtschaftlich noch politisch fähig, diese Regeln einzuhalten.
(...)
Thomas Mayer hält nicht nur einen Austritt Italiens (oder anderer unter wirtschaftlichem Druck stehender Länder) für möglich, sondern auch, dass sich Deutschland aus der Währungsunion verabschiedet. Paradoxerweise könnte dies geschehen, wenn die EZB mit ihrer Inflationspolitik erfolgreich ist. Dann sei politischer Widerstand gegen den Verlust von Kaufkraft zu erwarten. Ein Austritt wäre vermutlich, wie in Grossbritannien, mit einem Austausch der politischen Führung verbunden.
Inflation ist eine Urangst der Deutschen. Damit stehen sie im Gegensatz zu den Südländern, denen Inflation und Währungsabwertungen nicht fremd sind. Zur Eurozone wurden Staaten gezwungen, deren wirtschaftlichen Voraussetzungen miteinander nicht kompatibel sind. Das wird sich auf Dauer rächen.

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holzi
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von holzi » Montag 5. September 2016, 12:05

Caviteño hat geschrieben:[...]Inflation ist eine Urangst der Deutschen. Damit stehen sie im Gegensatz zu den Südländern, denen Inflation und Währungsabwertungen nicht fremd sind. Zur Eurozone wurden Staaten gezwungen, deren wirtschaftlichen Voraussetzungen miteinander nicht kompatibel sind. Das wird sich auf Dauer rächen.
Was heisst da auf Dauer? Wir sind mitten dabei!
Die Zeit ist, bei Licht besehen, immer gleich gut und gleich schlecht am Ende vom Jahre wie am Anfange desselben, nur die besseren Menschen machen die Zeiten besser, und bessere Menschen macht nur das treu geübte Christentum.
Adolph Kolping

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 5. September 2016, 12:38

holzi hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:[...]Inflation ist eine Urangst der Deutschen. Damit stehen sie im Gegensatz zu den Südländern, denen Inflation und Währungsabwertungen nicht fremd sind. Zur Eurozone wurden Staaten gezwungen, deren wirtschaftlichen Voraussetzungen miteinander nicht kompatibel sind. Das wird sich auf Dauer rächen.
Was heisst da auf Dauer? Wir sind mitten dabei!
Das stimmt, aber ein Politiker würde jetzt sagen:

Du sollst den Menschen im Lande keine Angst machen.... :breitgrins:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 9. September 2016, 14:13

Tsipras hat die Staatsführer des "Club Med" eingeladen, um sich hinsichtlich des EU-Gipfels in Bratislava in der nächsten Woche abzustimmen. Ziel ist es, wieder mehr Schulden zu machen, damit man mehr Geld ausgeben kann:
Die EU-Mittelmeerländer, im Brüsseler Jargon "Club Med" genannt, wittern nach der Entscheidung über den Brexit Morgenluft. Nach Angaben aus griechischen Regierungskreisen sei Ziel der Beratungen, "der Zusammenarbeit der EU-Mittelmeerländer einen Schub zu verleihen, sodass diese Länder ihren Einfluss auf die europäische Agenda verstärken und dabei einen Stempel hinterlassen". Es soll der Auftakt sein für eine Reihe weiterer Zusammenkünfte. Die Mittelmeerländer als neuer Taktgeber in Europa – das ist zumindest die Vision der Teilnehmer. Bereits im kommenden Jahr will Malta die Mittelmeerallianz während seiner EU-Ratspräsidentschaft weiter stärken. Die Pläne liegen offenbar schon in der Schublade.
(...)
Die Länder des "Club Med" haben darauf eine Antwort: weniger Sparen, mehr Solidarität, mehr gemeinsame Haftung. Sie wollen mehr Europa. Sie wollen ein Europa, in dem starke Länder wie Deutschland die schwächeren Staaten mit durchziehen. Sie wollen eine andere EU.
Zumindest ein CSU-Abgeordneter hat sich schon mal zu Wort gemeldet und derartige Ansprüche abgelehnt:
Der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) warnt vor einer stärkeren Rolle der Mittelmeerländer in der Union: "Ich bin in großer Sorge, dass die südlichen EU-Länder künftig gemeinsam eine starke Koalition der reformunwilligen Umverteiler bilden, die die finanzielle Stabilität in Europa gefährdet. Nach dem Brexit-Votum braucht die EU Einigkeit. Europa darf nicht ausfransen und die Mittelmeerländer dürfen nicht zum Spaltpilz werden". Ferber betonte zugleich, "dass der 'Club Med' nach dem Austritt Großbritanniens eine Sperrminorität besitzt, mit der er in Brüssel sämtliche Gesetze verhindern kann, die ihm nicht passen".
http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... ttern.html

Man darf gespannt sein, wie sich die Merkel-CDU in dieser wichtigen Frage positioniert. Könnte es am Ende auch hier mehr Übereinstimmungen zwischen AfD und CSU geben als innerhalb der Fraktionsgemeinschaft? :breitgrins:

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 12. September 2016, 15:09

Die Folgen der negativen Zinsen in der Schweiz: Die Nachfrage nach Versicherungen für Bargeld steigt:

Schweizer Unternehmen versichern Bargeld gegen Diebe
„Aufgrund des tiefen Zins-Niveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, sagte Philipp Surholt von der Zurich Insurance Group AG. „Die angefragten Versicherungssummen bewegen sich im Rahmen von 100 Mio. bis 500 Mio. Franken.“
(...)
Helvetia Holding AG berechnet nach eigenen Angaben rund 1000 Franken (912 Euro) pro Jahr, um 1 Mio. Franken zu versichern. Das ist nur ein Bruchteil jener 7500 Franken, die ein Unternehmen für das Parken desselben Betrags pro Jahr bei einer Bank zahlen würde - vorausgesetzt, die Bank reicht die vollen Kosten weiter.
Doch die Summe beinhaltet nicht die Logistik-Kosten wie etwa den Transport sowie Sicherheitsvorkehrungen wie verstärkte Wände, Wachmänner und Alarmsysteme. Roberto Brunazzi, Sprecher von Baloise Holding AG, berichtete, dass sein Unternehmen seit langem derartige Policen anbietet, „doch es hat einen merklichen Anstieg gegeben und jetzt wird es alltäglich“.
Das Festhalten der Schweiz an Banknoten mit hohem Nennwert trägt zum Anreiz des Selbstlagerung von Barmitteln bei: Rund eine Million Franken bestehend aus 1000-Franken-Scheinen können in eine kleine Kiste passen.
Es hat schon seinen Grund, wenn die EZB den 500-Euroschein abschaffen will......

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels » Mittwoch 14. September 2016, 10:15

Resurrexit, sicut dixit, alleluia

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 14. September 2016, 14:00

Niels hat geschrieben:Das war absehbar: https://www.welt.de/finanzen/article158 ... isiko.html
Klar doch - statt die Jubelrufe der deutschen Medien zu dem "dynamischen Ministerpäsidenten Renzi" zu lesen, sollte man mal einen Blick auf die Entwicklung der Aktienindizes werfen:

MIB (Italien) innerhalb von Jahresfrist von 21.5 Punkten (14. 9. 15) auf jetzt 16.58 Punkte gefallen = Absturz um 3%
EuroStoxx 5 (= Eurozone) innerhalb von Jahresfrist von 3.175 Punkten auf jetzt 2.983 Punkte gefallen = Rückgang um 6%
DAX (= D.) innerhalb von Jahresfrist von 1.131 Punkten auf jetzt 1.436 Punkte gestiegen = Anstieg von 3%

Da an den Börsen die Zukunft gehandelt wird, kann man sich die Zukunft IT ausmalen.... Dafür spricht auch der in dem verlinkten Artikel beschriebene Anstieg der Targetsalden.
Danach haben sich die Verbindlichkeiten gegenüber dem Euro-System, der sogenannte Target2-Saldo, im August um mehr als zehn Prozent auf 327 Milliarden Euro ausgeweitet. Das liegt sogar über dem bisherigen Rekord, den die Notenbank auf dem Höhepunkt der Euro-Krise im August 212 publizieren musste.
Damit ist eines der größten Reizthemen der vergangenen Jahre zurück. Über das Target2-System wird der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr innerhalb des Euro-Raums abgewickelt. Fließt den Banken eines Landes mehr Geld zu, als sie an das Ausland überweisen, entsteht eine Target-Forderung. Überweisen die Banken umgekehrt mehr Geld ins Ausland, als ihnen zufließt, kommt es in der Bilanz der Notenbank zu einer Target-Verbindlichkeit.
Die Ursache dürfte eine Kapitalflucht sein. Die Italiener sehen eben die Zukunft ihres Landes düsterer als die deutsche Europa-Jubel-Presse.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Yeti » Mittwoch 14. September 2016, 23:24

Bild
Krass. Würde mich mal interessieren, wie unabhängige Ratingagenturen den Wert dieser Staaten taxieren. Vielleicht gehört uns schon das ein- oder andere Land. :ikb_tank:
#gottmensch statt #gutmensch

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 11:06

Yeti hat geschrieben: Vielleicht gehört uns schon das ein- oder andere Land. :ikb_tank:
"Uns" wohl kaum.
Wie aus der Aufstellung hervorgeht, handelt es sich um die Schulden des Staates, von Unternehmen und Privatleuten. Es handelt sich um den sog. Auslandsvermögensstatus

Das Auslandsvermögen wird dabei in "Direktinvestitionen" (Untergruppen "Beteiligungskapital" und "Direktinvestitionskredite") sowie "Wertpapieranlagen" und "übrige Kapitalanlagen" unterteilt. Die einzelnen Gruppen sind noch weiter aufgeschlüsselt.

Der Saldo der deutschen Forderungen betrug 214 knapp 1,2 Billionen Euro und hat sich zum 31. 3. 216 auf 1,4 Billionen erhöht - eine Folge der ständigen Leistungsbilanzüberschüsse. Die Direktinvestitionen machten davon 54 Mrden € aus, die übrigen Kapitalanlagen stiegen auf 637 Mrden € an.

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/ ... cationFile

Dies kann nicht unbedingt als Erfolg gesehen werden, zeigt es doch, daß viele deutsche Investoren im Ausland bessere Chancen sehen und dort das Geld anlegen. Ob sich die vermeintlich besseren Renditen auch realisieren lassen, ist zweifelhaft. Lehmann, der Schuldenschnitt von GR und die spanische Immobilienblase sollten zur Vorsicht mahnen.

Die Zusammenfassung der oben genannten drei Gläubigergruppen führt natürlich zu Verzerrungen. Besonders deutlich und leicht nachvollziehbar wird das am Fall der Schweiz, die lt. Aufstellung iHv 18 Mrden € in D. verschuldet ist.
Da eine Saldierung der Schweizer Werte in D. mit den entsprechenden deutschen Vermögenswerten in der Schweiz vorgenommen wird, ist deutlich, daß deutsche Unternehmen und Privatpersonen mehr in der Schweiz investiert haben als umgekehrt. Diese Vermögensgegenstände gehören aber nicht "uns", sondern den entsprechenden Unternehmen bzw. Privatpersonen. Auf staatlicher Ebene ergibt sich ein anderes Bild. Die Schweizer Nationalbank (SNB) ist vermutlich der größte Einzelgläubiger Deutschlands. Bereits 212 betrugen die Forderungen aus deutschen Staatsschuldverschreibungen geschätzte 1 Mrden €. Dafür galt das bekannte bonmot: "In der Schweiz ist auch nicht mehr alles Gold, was glänzt, seit die SNB Euros kauft." ;D

Ähnlich dürfte auch der hohe Stand der deutschen Forderungen gegenüber GB zu erklären sein. London als Finanzzentrum profitiert natürlich von den Anlagen deutscher Banken und Unternehmen, die dann als Forderung ausgewiesen werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 28. September 2016, 12:15

Bundesregierung bereitet Notfallplan für Deutsche Bank vor

Besonders interessant:
Zudem wird in Teilen der Bundesregierung dem Bericht zufolge der europäische Abwicklungsmechanismus favorisiert, der für die Sanierung notleidender Banken vorgesehen ist. Allerdings würden dann auch Gläubiger und Kunden an den Kosten beteiligt, was zu neuen Unruhen an den Finanzmärkten führen könnte.
Da darf man mal gespannt sein, ob sich die Regierung - im Fall der Fälle - an die Vorgaben hält und einen bail-in der Kunden und Aktionäre zuläßt. Allein die Überlegung, den Abwicklungsmechanismus zu aktivieren, dürfte zu einem Abzug der Einlagen bei dem Institut führen - sicher ist sicher....

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Torsten
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Montag 24. Oktober 2016, 17:41

tagesschau hat geschrieben:Bundesbank will Tempolimit
24.10.2016

[...]
Zudem könnte eine kleine Zeitverzögerung bei Ausführung der Aufträge aller Börsenakteure eingeführt werden. In den USA ist das bereits der Fall. Dort verzögert beispielsweise die elektronische Handelsplattform IEX seit dem Frühjahr den Aktienhandel an der Wall Street um 350 Mikrosekunden.

Im Hochfrequenzhandel wird versucht, in Bruchteilen von Sekunden möglichst viele Geschäfte abzuschließen und daraus Vorteile zu ziehen. Das Modell steht nach einigen nicht erklärbaren Kursturbulenzen in der Vergangenheit in der Kritik. Rund die Hälfte des Gesamthandels in den wichtigsten Börsensegmenten wird inzwischen diesem "Turbohandel" zugeschrieben.
Rund die Hälfte des Gesamthandels in den wichtigsten Börsensegmenten besteht darin, in Bruchteilen von Sekunden möglichst viele Geschäfte abzuschließen. Ja, da spielt auch die Geschwindigkeit der Internetverbindung eine nicht unwesentliche Rolle. Ich erinnere mich des Sprichworts: "Ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein." Kommen zu viele auf den Trichter, dann bleibt nur die Option "früher Vogel". Und da geht es um tausendstel Sekunden, wenn nicht weniger.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Montag 24. Oktober 2016, 17:48

Es ist ein gottloses Treiben.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Torsten » Montag 24. Oktober 2016, 18:02

Gebührenfinanziert hat geschrieben:Börse vor acht

Täglich um 19:55 Uhr: Aktuelles von der Frankfurter Börse. Wie steht der DAX? Was waren die Tops und die Flops des Tages?
:D

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