Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

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Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 30. November 2016, 12:06

Schweizerische Nationalbank verteidigt Negativzinsen

und die Folgen:
Bereits im Sommer war bekannt geworden, daß immer mehr Schweizer Unternehmen ihr Bargeld in Tresoren lagern, um Negativzinsen bei Banken zu umgehen. „Aufgrund des tiefen Zinsniveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, sagte Philipp Surholt, zuständig für Schweizer Großkunden bei der Versicherung Zurich, Ende August dem Schweizer Tagesanzeiger.
Ähnlich hätten sich auch Mitarbeiter der Axa-Winterthur und der Helvetia-Versicherungen geäußert. Letztere verzeichne „vermehrte Anfragen von Kunden, die Bargeld in ihrem eigenen Bankschließfach aufbewahren wollen“. Während Privatkunden von der Belastung durch Negativzinsen nicht direkt betroffen seien, spürten dies Großkonzerne sehr wohl.
(...)
Erstaunlich hoch seien die angefragten Versicherungssummen, sagte Surholt. Sie bewegten sich zwischen 100 und 500 Millionen Franken (rund 93 und 465 Millionen Euro).
Das Geld würde „bei professionellen Anbietern von Tresorräumen und Lagerstätten“ aufbewahrt. Hierfür würden auch frühere Armeebunker genutzt.
Aufgrund der starken Stellung des Stimmvolkes in der Schweiz dürfte die SNB kaum an eine Abschaffung des Bargeldes oder des 1.000-Franken-Scheines denken. Die entsprechende Volksabstimmung würde sie wohl krachend verlieren.

In Indien konnte man jetzt sehen, was passiert, wenn plötzlich die Geldscheine mit der höchsten Denomination über nicht für ungültig erklärt werden und bei den Banken umgetauscht werden müssen. Chaos pur und die Leidtragenden sind die Armen, die kein Bankkonto haben und ihre Ersparnisse horten.

Caviteño
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 30. Dezember 2016, 19:53

„2017 wird ein schlimmes Jahr für Sparer“
von ifo-Chef Clemens Fuest
„Es könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden“, sagte Clemens Fuest der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Schuld daran sei die steigende Inflation, die in Deutschland auf 1,5 Prozent zulegen werde, während die Zinsen weit darunter blieben. „Das heißt, das Vermögen der Bürger wird so stark wie lange nicht mehr entwertet.“
Der Preis des Euros und der vollkommen verfehlten "Rettungs"politik durch die Kanzlerin. Es sind ja nicht nur die Sparer, die leiden. Jede Lebensversicherung oder Betriebsrente ist betroffen. Aber das wird in den Medien kaum thematisiert....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 21. Februar 2017, 12:55

Trump wirft der Eurozone und speziell D. Währungsmanipulation vor und auch in den osteuropäischen Staaten, Zulieferer für die deutsche Exportindustrie, regt sich der Widerstand. Weil die interne Abwertung in GR & Co nicht funktioniert, will die EZB jetzt die Inflationsrate erhöhen. Die neue Marke ist - wie bisher - 2% - aber als Mittelwert über einen längeren Zeitraum. Da die Inflation in der Vergangenheit aber bei Null lag, tlw. negativ war, ergäbe sich ein jetzt ein Spitzenwert von 4%, um den angepeilten Mittelwert zu erreichen.
Der Euro als Einheitswährung überdeckt die unterschiedliche Leistungsfähigkeit: unterschiedlich hohe Lohnniveaus, unterschiedliche Produktivität und Infrastruktur. Gemessen daran müssten Länder wie Griechenland und Italien abwerten, die Deutschen aufwerten. Weil dies im Euroraum nicht geschieht, panzern deutsche Exporteure ihre europäische Konkurrenz nieder. Selbst brutalstmögliche Lohnsenkungen in diesen Ländern würden der Wirtschaft nicht mehr aufhelfen – so schnell kann man Fabriken nicht aufbauen, wie sie mit dem Eurosprengstoff weggeschossen werden.
Das ist der Grund, warum der griechische Joghurt im Supermarktregal aus dem Allgäu stammt und nicht vom Peloponnes: Es gibt in Griechenland die modernen Großagrarier mit Massenviehställen und den Produktionsverbund mit hocheffizienten Molkereien gar nicht, die mit elektronischen Signalen bis zur letzten Kuh, Futterstelle und Melkmaschine die Milchproduktion nach Absatzlage steuern.
(...)
Europa spielt dabei eine wichtige Rolle: Tschechien, die Slowakei und Polen sind heute billige Zulieferer für Deutschlands Endmontage und das wertsteigende Label „Made in Germany“. Audis Motoren werden günstig in Győr, Ungarn, gefertigt; Skoda-Ingenieure kassieren nur ein Drittel von dem, was vergleichbar gut ausgebildete VW-Werker in Wolfsburg verdienen, und das in völlig vereinheitlichten, weltweit normierten Fabriken gleicher Produktivität: Im Supermarkt in Prag aber gelten Europreise, sogar höher als in Deutschland, und im Zweifel ist es eine Filiale von Lidl oder Aldi.
Es klingt nicht freundlich – aber mit dem Euro hat sich Deutschland sein Großdeutsches Wirtschaftsreich wiedergeholt. Natürlich gehört mehr dazu – effiziente Fabriken, glänzende Ingenieurkunst, divers verbrämtes, aber erbarmungsloses Management, Technik und Innovation: Die vielen Cluster aus Unis, Fraunhofer-Instituten und damit verbundenen Mittelständlern liefern den Rohstoff, der mit dem Einheitseuro zur Blitzkriegswaffe wird.
Man darf die wachsende Wut in Osteuropa nicht unterschätzen: Schaffen für die Deutschen, Einkaufen teurer als die Deutschen und bei den Deutschen, aber Verdienen so dreckig wie ein Pole eben oder ein Tscheche – dies erklärt, warum die Osteuropäer nicht bei Merkels „Flüchtlingspolitik“ mitmachen wollen. Es ist nicht „Rassismus“ – sie wollen nicht auch noch zum Asylantenheim für die Migranten werden, die germanischen „Gutmenschen“ das Herz wärmen.
(...)
Wenn die Inflation eine Reihe von Jahren unter zwei Prozent lag, dann dürfte sie genau so lang auch über zwei Prozent liegen, erklärte praktisch unbeachtet von der Öffentlichkeit das EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen. Seine Rechnung: Da in den vergangenen Jahren die Inflationsrate bei 0,2 Prozent lag, also 1,8 Prozent unterhalb der magischen Zweiergrenze, dürfe sie danach genauso lang auch auf 3,8 Prozent steigen, oder eben vier Prozent für einige Zeit. Liikanen steht mit dieser Meinung nicht allein. EZB-Präsident-Draghi bestätigte, dass die zwei Prozent „over the medium term“, also im Durchschnitt, erreicht werden müssten. Wenn die Inflation längere Zeit unter der Grenze verharrt habe, müsse sie schon aus logischen Gründen ähnlich lange auch darüber liegen dürfen. Die Vier lässt grüßen, sie wird rhetorisch langsam vorbereitet. Wenn sie kommt, sind die Deutschen die Dummen, weil sie wieder nichts gemerkt haben.
(...)
Damit steht der Fahrplan für die nächste Große Koalition schon fest: Während die CDU bei Steuersenkungen wenigstens zurückhaltend ist, gibt die SPD Gas – und wird sich durchsetzen. Der Karren schleudert nach links, hin zu einem Staat, der bald weit über 50 Prozent der Wirtschaftsleistung für sich beansprucht und trotz der ungeheuren Geldschwemme doch Straßen und Brücken verfallen lässt, Schulen vergammeln und die innere wie äußere Sicherheit verludern. Noch nie in der Geschichte Deutschlands zeichnete sich eine derart brutale Ausweitung der staatlichen Verarmungsstrategie ab.
Was uns arm macht - Wie Inflation vorbereitet wird

Deutliche Worte - allerdings hat der Autor die Hoffnung wohl aufgegeben, daß die sich aufdrängende Lösungsmöglichkeit - die Abschaffung der Zwangswährung Euro - Wirklichkeit wird. Welche Verluste sind höher: der Verlust der gegebenen Kredite und Target-Forderungen oder die Entwertung der Altersversorgung und der Sparguthaben? :hmm:

Solange niemand der Politik in den Arm fällt, wird sie weiter auf den Erhalt der Eurozone setzen- auch unter Inkaufnahme einer höheren Inflation. Schließlich gehört der Staat mit seinen Schulden zu den Gewinnern. Da kann man nur hoffen, daß in einem großen Euroland die Bevölkerung die Reißleine zieht und den Ausstieg beschließt. Grillo und Le Pen haben entsprechende Referenden versprochen.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 3. März 2017, 01:45

Euro und Inflation - „Bewegliche Ziele“ - Es geht nur um die Rettung der EU
Das ganze Wirtschaftssystem, allen voran die Staaten, ist in den letzten Jahren an ein Niedrig- bis Nullzins-Klima gewöhnt worden. Legt man ein „normales“ Zinsniveau von vier Prozent zugrunde, sparte beispielsweise Deutschland auf diese Weise allein 2016 47 Milliarden Euro (Quelle: Bundesbank), die bei ansteigenden Zinsen nicht länger zur Verfügung stünden. Für den Zeitraum von 2009 bis 2016 kommt die Bundesbank auf die Summe von 240 Milliarden. Auch wenn die Zinsen nicht enorm stiegen, wäre ein fettes Minus in sämtlichen europäischen Staatshaushalten sicher.
(...)
Die durch und durch ideologische Konstruktion Euro darf nach real 15, gefühlt 50 Jahren Durchhalteparolen nicht scheitern. Dass die herbeigebetete Homogenität der europäischen Volkswirtschaften geringer ist, als sie es in der Zeit nationaler Währungsregime je war, darf nicht zur Debatte stehen. Dass das Euro-System eine reine Umverteilungs- und Entwertungsmaschine zugunsten der Banken und Staaten geworden ist, ebenso wenig. Oder anders gesagt: Ohne die QE- und Niedrigzins-Politik der EZB wäre das Euro-Schuldgeldsystem längst gegen die Wand gefahren
(...)
Für uns heißt das: Die Geldverschlechterung geht weiter. Es ist die neue „Stabilität“ – schließlich ließen uns SNB-Jordan und EZB-Draghi fast zeitgleich wissen, an der Sache mit der Währungsmanipulation sei nichts, aber auch gar nichts dran – das „wirke nur so“. Wir Normalsterblichen sind allerdings besser beraten, uns darauf gefasst zu machen, dass jedwedes „bewegliche Ziel“ allzu beweglich und die Inflation außer Kontrolle geraten könnte. Dann nämlich, wenn sie aus den Vermögenswerten, die sich ein großer Teil der Mittelschicht als Absicherung längst nicht mehr leisten kann und wo sie schon heute rumtrabt, auf die Konsumentenpreise überspringt und partout nicht auf das Zentralbanker-Stopp-Signal achten will. Aber darum geht’s ja längst nicht mehr – weder um Inflationsziele, noch um Obergrenzen oder irgendwelche Korridore. Es geht um die Rettung des zur Ideologie verkommenen Polit-Monsters EU. Nicht mehr und nicht weniger.
Vor der Inflation hat auch Prof. Sinn gewarnt. Er befürchtet, daß die EZB auch bei einer Inflationsrate von 4% nicht tätig werden wird, weil es auf den Durchschnittswert eines mittelfristigen Zeitraums ankomme. Aufgrund der vergangenen Jahre, in denen es kaum eine Geldentwertung gab, müsse diese nun naturgemäß höher sein, um den Zielwert 2% im mittelfristigen Bereich zu erreichen.

Eine Zinserhöhung kann es im Euroraum nicht geben, weil dann - vor allem den Südstaaten - die Haushalte um die Ohren fliegen würden. Außerdem würde aufgrund des Devisenzuflusses der Euro aufwerten. Das hätte entsprechend negative Folgen für die Exporte der heute schon kaum wettbewerbsfähigen Südländer. Wir dürfen uns daher auf eine lange Zeit niedrigster, möglicherweise sogar negativer Zinsen einrichten. Der erste Finanzdienstleister hat inzwischen negative Zinsen für alle Kunden und jede Kontohöhe eingeführt:
Der Finanzdienstleister Fintech Group belastet Kunden seiner Online-Wertpapierhandelsbank Flatex mit Strafzinsen. „Wir führen zum 15. März einen Negativzins von 0,4 Prozent für all unsere Kunden ein“, sagte Frank Niehage, Vorstandschef der Fintech Group, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. „Das gilt unabhängig davon, wie viel Einlagen sie bei Flatex haben.“
Grund ist die Niedrigzinspolitik der EZB, die Banken Strafzinsen von minus 0,4 Prozent für gehortete Gelder bei der Notenbank in Rechnung stellt. Daher haben bereits manche Banken Negativzinsen für Privatkunden mit meist hohen Einlagen eingeführt.
Bei Kundeneinlagen von über einer Milliarde Euro müsse Flatex die Kosten der EZB-Politik weitergeben, sagte Niehage. „Bei durchschnittlich rund 10.000 Euro Einlagen je Kunde verursacht das Kosten von 10 Euro im Quartal“.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen ... 65308.html

Ich bin gespannt, ob nach der BTW weitere Banken an dieser Schraube drehen werden. Wahrscheinlich wird ihnen nichts anderes übrig bleiben.....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Dienstag 14. März 2017, 10:47

Das Thema ist inzwischen aus den Medien verschwunden, trotzdem ist es nicht gelöst. Gedanken zur Bankenrettung in IT:

Die europäischen Partner beugen das Recht und werden es weiter tun
Zur Erinnerung: Deutschland hatte sich lange gegen die Bankenunion gesträubt, die letztlich auf eine Sozialisierung der Risiken und Verluste von Banken hinausläuft und das Anzapfen des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ermöglicht, und wollte gesetzlich in Form einer europäischen Abwicklungsrichtlinie (Bank Recovery and Resolution Directive, kurz BRRD) verankert wissen, dass vor dem Anzapfen des ESM zuerst die Anteilseigner und Gläubiger einer Pleitebank herangezogen werden („Bail-in“). Die Verluste treffen dann zuerst diejenigen, die in die Bank investiert hatten, statt unbeteiligte Steuerzahler.
(...)
Das deutsche Interesse an der Bailin-Option kam nicht von ungefähr. Denn ein Bail-out bekommt auf europäischer Ebene eine pikante Note. Zapft beispielsweise Griechenland den ESM an, um seine Banken zu rekapitalisieren, dann haften indirekt die deutschen Steuerzahler für die Misswirtschaft griechischer Finanzinstitute. Mit der Abwicklungsrichtlinie BRRD wollte die deutsche Politik verhindern, dass deutsche Steuerzahler zur Sanierung von Banken in den Südstaaten der EU belangt werden können.
(...)
Nach dem Verletzen der Maastricht-Regeln, des Fiskalpakts und des Verbots der Staatsfinanzierung durch die EZB kommt es mit der italienischen Entscheidung vom Dezember 2016 also erneut zu einem Rechtsbruch – und das, bevor die Tinte auf dem Papier der Abwicklungsrichtlinie richtig getrocknet ist. Und wieder bekommt die deutsche Europapolitik die Quittung für ihre Blauäugigkeit. Die deutsche Regierung ist offenbar wider besseres Wissen noch immer der Meinung, sie habe es bei den entsprechenden Verhandlungen mit sich treu an Verträge haltenden Partnern zu tun – die in Wirklichkeit aber unverfroren opportunistisch geltendes Recht beugen und brechen, wenn und so oft sie wollen.
Die deutsche Politik ließ sich auf die Bankenunion und das Bereitstellen von ESM-Geldern als letzte Option ein, weil sie davon ausgehen wollte, dass sich alle an die Abwicklungsregeln halten würden. Einigen europäischen Regierungen sind aber die Interessen ihrer Wähler stets wichtiger als Verträge.
(...)
Das Vorgehen Roms bedeutet das Ende des Bail-in-Prinzips in der EU. Banken können weiterhin darauf vertrauen, dass ihre Risiken im Notfall von europäischen Steuerzahlern, Sparern und Geldnutzern übernommen werden. Der Versuch, marktwirtschaftliche Prinzipien im Finanzsektor einzuführen, ist gescheitert. Neue Krisen sind programmiert.
Die Beträge, die ital. Staat zur Bankenstützung braucht, werden nicht etwa durch Steuererhöhungen oder Haushaltskürzungen bereitgestellt. Die ital. Lösung ist viel, viel einfacher:
Wenn Rom 20 Milliarden Euro zu Sanierung des italienischen Bankensystems bereitstellt, dann zahlen das nicht die Italiener in Form einer Steuererhöhung. Die italienische Regierung gibt stattdessen neue Staatsanleihen im Wert von 20 Milliarden Euro aus, die sie an ihren Landsmann, den EZB-Präsidenten Mario Draghi, verkauft – der seinerseits für den Ankauf neues Geld schafft. Auf diese Weise rettet Rom die italienischen Banken, die ihrerseits in italienischen Staatspapieren investiert sind.
Heute benötigen die regierenden Politiker in Rom nicht mehr den ESM, um die italienischen Banken aufzupäppeln – Nullzinsen und EZB-Staatsanleihenkäufe haben dafür gesorgt. Die deutsche Politik hat sich hier gründlich und fatal verrechnet. Sie hatte nicht bedacht, dass die EZB in die Staatsfinanzierung einsteigen und so den ESM überflüssig machen würde. Diese politische Fehleinschätzung bezahlen die Sparer und Geldnutzer teuer. Sparanlagen werfen immer weniger ab. Der Wert des Euros fällt.
Wenn dann "Hilfs-" oder "Rettungskredite" über den ESM an IT vergeben werden, hat man die Rechnung dort, wo man sie immer haben wollte: In D. und in den anderen nordeuropäischen Ländern.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Freitag 31. März 2017, 09:04

Einige (genau 43) Sparkassen verlangen jetzt eine Gebühr für das Abheben von Bargeld (auch am Automaten)

Erste Sparkassenkunden zahlen fürs Geldabheben

Eine Folge der Niedrigzinsen, die von der EZB "whatever it takes" durchgesetzt werden. Die deutschen Bankkunden zahlen für den Euro und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht:

Negativzinsen für alle
Das Ende der in Deutschland bislang noch kostenlosen Bargeldversorgung innerhalb bestimmter Bankengruppen – Sparkassen, VR-Banken, private Banken – dürfte damit eingeläutet sein. Denn die Sparkassen sind Marktführer, sie setzten damit die Standards. Weitere Zumutungen dürften bald folgen.
Ein beabsichtiger(?) Nebeneffekt: Wenn weniger Bargeld abgehoben wird, weil Gebühren anfallen, wird mehr bargeldlos bezahlt. Die Bedeutung des Bargelds schwindet - und damit wird die Abschaffung immer schneller zu einem "natürlichen" Prozeß. Was nicht genutzt wird, benötigt man auch nicht und das kann abgeschafft werden.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 19. April 2017, 12:56

Zu den Wahlen in F. und der weiteren Zukunft des Euros ein lesenswerter Artikel von Daniel Stelter im Cicero:

Volksfront gegen den Euro

Sollte Macron die Wahl gewinnen, würde dies - wie Stelter schreibt - zu Unrecht eine Erleicherung auslösen.
Zwar wäre die unmittelbare Gefahr für das europäische Projekt abgewendet. Angesichts von fast 50 Prozent Franzosen, die eine Anti-EU- und Anti-Euro Haltung unterstützen, dürfte es dem parteilosen Macron aber sehr schwer fallen, in dem ohnehin reformunfähigen Land die erforderlichen Schritte durchzusetzen. Viel wahrscheinlicher sind fünf weitere Jahre ohne großen Fortschritt an deren Ende die Wahlchancen der Extremen noch höher liegen als heute.
Es stimmt schon: Bei den ganzen Jubelrufen - vor allem in der deutschen Presse, wenn ein "rechter" Kandidat "geschlagen" wurde - wird vergessen, daß die Probleme nicht gelöst sind. In den NL konnte Rutte die Wahl nur gewinnen, weil er die Forderungen von Wilders übernahm. Man darf gespannt sein, wie seine künftige Regierungspolitik aussieht. In Österreich wurde zwar ein Gründer Bundespräsident - trotzdem fährt das Land einen verschärften Asylkurs.

Stelter weist darauf hin, daß in F. fast die Hälfte der Bevölkerung gegen den Euro seien und zwar im linken und im rechten Parteienspektrum. Le Pen und Jean-Luc Mélenchon sei eine anti-deutsche und eine anti-amerikanische Haltung gemeinsam. Beide sähen das Wohl in steigenden Staatsausgaben, mehr Protektionismus und Finanzierung durch die Notenbank. Wie entspricht das den Vereinbarungen des Maastrichtvertrages, der Schuldenbremse und den zahllosen Bekenntnissen zum Freihandel?

Ähnlich sieht es in IT aus, dort wirbt die Opposition geschlossen für einen Euro-Austritt. Auch hier einen sich linke und rechte Parteien im Kampf gegen den Euro.

Das Szenario im Falle eines Sieges von Le Pen oder Mélenchon sieht Stelter düster - aber realistisch:
Es käme zu einer massiven Kapitalflucht aus Frankreich. Das Bankensystem könnte nur durch Notkredite der EZB stabilisiert werden. Die Target II-Forderungen der Bundesbank, ohnehin wegen der bereits laufenden Kapitalflucht vor allem aus Italien auf einem Rekordniveau von 830 Milliarden Euro, würden innerhalb weniger Tage die 1000-Milliarden-Grenze überschreiten. Nur durch sofortige Kapitalverkehrskontrollen ließe sich die Kernschmelze des Finanzsystems stoppen. Damit aber wäre die Eurozone faktisch am Ende.
Grund ist die "Bunkermentalität" der politischen Entscheidungsträger. Der Euro wurde gegen den Rat der Ökonomen durchgedrückt und hat statt Wohlstand den Südländern steigende Arbeitslosigkeit beschert. Niemand hat jetzt den Mut, das Projekt abzublasen - zumal die Kosten hoch und dem Steuerzahler zu erklären wäre, das er von Regierung und Parlament die letzten sieben Jahre nur angelogen wurde.

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Niels » Sonnabend 29. April 2017, 10:36

"Bisher haben lediglich Verschwoerungstheoretiker und Notenbankkritiker das Geldsytem in Frage gestellt. Jetzt jedoch beschäftigt sich auch die Bundesbank mit radikalen Ideen": https://www.welt.de/finanzen/article164 ... l#Comments
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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 29. April 2017, 16:54

Niels hat geschrieben:
Sonnabend 29. April 2017, 10:36
"Bisher haben lediglich Verschwoerungstheoretiker und Notenbankkritiker das Geldsytem in Frage gestellt. Jetzt jedoch beschäftigt sich auch die Bundesbank mit radikalen Ideen": https://www.welt.de/finanzen/article164 ... l#Comments
In der Schweiz (wo sonst gibt es diese Freiheit?) wird im nächsten Jahr die Frage des Vollgeldes einer Volksabstimmung unterzogen:

http://www.vollgeld-initiative.ch/

Die NZZ spricht von einem interessanten Experiment mit ungewissem Ausgang, das nur einen Nachteil habe: Die Schweiz sei das Versuchskaninchen.

Die Schweiz als Versuchskaninchen

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Montag 9. April 2018, 00:52

Er sollte - neben der Vergemeinschaftung der Einlagensicherungssysteme - einer der letzten Bausteine für die "Bankenunion" sein: Der Einsatz des ESM und seiner Gelder zur Bankenrettung. Jetzt regt sich dagegen Widerstand. Nicht nur die Nutzung des ESM als "Letztabsicherung" wird kritisch gesehen, auch die verfahrensrechtliche Abwicklung ist unklar.
Würde eine Großbank zusammenbrechen, dann hätte Königs Behörde nur ein Wochenende Zeit, um das Schlimmste zu verhindern. Zuerst müsste König die Gläubiger der Bank zur Kasse bitten. Anschließend könnte sie auf den europäischen Bankenabwicklungsfonds mit einem Volumen von 55 Milliarden Euro zurückgreifen.
Wenn das immer noch nicht reicht, um Verluste abzudecken, käme der ESM ins Spiel. Er müsste über Nacht einen milliardenschweren Kredit für eine Bankenrettung bewilligen und Königs Abwicklungsfonds überweisen.
(...)
ESM-Chef Klaus Regling darf ein Darlehen erst auszahlen, wenn es von allen 19 Euro-Finanzministern einstimmig bewilligt wurde. Außerdem müssen die Parlamente einiger Euro-Staaten zustimmen, darunter der Deutsche Bundestag. Binnen eines Wochenendes ist das wohl nicht zu schaffen.
Abwicklung von Pleitebanken mit Hilfe des ESM stößt auf Widerstand

In D. muß das Parlament jedes ESM-Darlehn bewilligen - so wurde es vom BVerfG festgelegt und daran kommt auch die Kanzlerin nicht vorbei. Lt. Bericht stehen aber viele Staaten auf der Bremse: "Dazu gehörten neben Finnland und den baltischen Staaten auch die Niederlande, Deutschland, Österreich und Belgien."

Immer deutlicher zeigt sich die Fehlkonstruktion der gemeinsamen Währung. Nord vs. Süd - historische wirtschaftskulturelle Unterschiede verschwinden eben nicht über Nacht....

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Re: Finanzmärkte - Finanzkrise - Zentralbanken II

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 21. April 2018, 03:26

Lesenswert:

Pläne für eine „Europäische Bankenunion“ - EDIS und die italienische Krankheit

Die ital. Kreditinstitute sitzen auf Problemkrediten iHv 330 Mrden €.
Italien leidet unter einem strukturellen Problem, das mit der Einführung der unseligen europäischen Esperantowährung drastisch verschärft wurde. Die bis dahin oft und gerne gespielte Abwertungskarte kann seither nämlich nicht mehr gezogen werden. Ergebnis: Italien hat zwar einen Konsumrausch erlebt, aber stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die Unternehmen haben sich aus den internationalen Märkten gepreist, und die Wirtschaft liegt entsprechend darnieder. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt heute unter dem Niveau von 1999 (!), dem Jahr der Euro-Einführung.
Man darf gespannt sein, zu welchen Erpressungsmitteln eine neue ital. Regierung greifen wird, um Geld aus D. zu erhalten - und so dem eigenen Land Reformen zu ersparen. Wie der Artikel beschreibt, sind die Chancen gering, daß dem unter Merkel großer Widerstand entgegengesetzt wird.

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