Rund um Ausgrabungen und Archäologie

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Niels
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Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Niels » Montag 10. Oktober 2011, 14:08

Da es hier noch keinen Archäologie-Strang gibt, mache ich mal einen solchen auf.

Interessanter Artikel über "eines der größten archäologischen Projekte, die es jemals gab": http://www.welt.de/wissenschaft/article ... eline.html
Zur Weiterleitung russischen Gases aus der Ostseepipeline („Nord-Stream“) werden in Deutschland über 1 Kilometer Rohre im Boden verlegt. Zuvor nehmen Archäologen die Trasse unter die Lupe.
Erstaunlich:
Bei der NEL aber sind die Archäologen auch dann vor Ort, wenn sie nicht unbedingt mit Funden rechnen. Die Kosten dafür haben die Bauträger übernommen.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Jarom1
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Jarom1 » Montag 10. Oktober 2011, 15:11

Niels hat geschrieben:Da es hier noch keinen Archäologie-Strang gibt, mache ich mal einen solchen auf.
...
Erstaunlich:
Bei der NEL aber sind die Archäologen auch dann vor Ort, wenn sie nicht unbedingt mit Funden rechnen. Die Kosten dafür haben die Bauträger übernommen.
Das Beispiel sollte Schule machen.
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overkott
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von overkott » Dienstag 11. Oktober 2011, 17:28

Erstaunlich.

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Gamaliel
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Gamaliel » Dienstag 28. Februar 2012, 19:41

Älteste Beweise des Urchristentums?

Daraus:
Forscher haben in Jerusalem ein Grab entdeckt, das möglicherweise die ältesten archäologischen Beweise für das frühe Christentum beinhaltet.
[...]
Das Grab ist nicht später errichtet worden als 70 n. Chr.
[...]
Was sie im Grabesinneren zu sehen bekamen, ist nach Angaben von Tabor und seinen Kollegen eine historische Sensation. Auf einer der Mauern erkannten sie das eingravierte Bild eines Fisches, der gerade einen Menschen verschluckt bzw. diesen ausspuckt (siehe Bild oben). Die Forscher glauben, dass dies auf die biblische Geschichte des Jona anspielt, in der dieser von einem Wal gefressen und nach drei Tagen wieder ausgespien wird.

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taddeo
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von taddeo » Dienstag 28. Februar 2012, 19:45

Und? Ist jetzt das Skelett Jesu drin oder ja? :hmm:
Dann wär endlich bewiesen, daß es ihn tatsächlich gegeben hat. :klatsch:
nemini parcetur

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Gamaliel
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Gamaliel » Dienstag 28. Februar 2012, 19:56

taddeo hat geschrieben:Und? Ist jetzt das Skelett Jesu drin oder ja? :hmm:
Kann es sein, daß Du gar nicht gelesen hast um was es hier geht oder in welchem Zusammenhang stehen Deine Fragen zum Artikel? :achselzuck:

civilisation
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von civilisation » Dienstag 28. Februar 2012, 19:58

Das ist doch die Abwandlung eines Jesuitenwitzes. :breitgrins:

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Gamaliel
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Gamaliel » Dienstag 28. Februar 2012, 20:02

civilisation hat geschrieben:Das ist doch die Abwandlung eines Jesuitenwitzes. :breitgrins:
Ach so, das ist mir nicht aufgefallen. :nuckel:

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taddeo
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von taddeo » Dienstag 28. Februar 2012, 20:07

Ich dachte, das sei sogar in Ösiland schon altbekannt. :tuete:
nemini parcetur

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Niels
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Niels » Dienstag 28. Februar 2012, 23:23

[OT] "Gewisse Witze mit Bart sind ewig jung; sie tragen ihn nur zur Tarnung." (Stanislaw Jerzy Lec) [/OT]
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Robert Ketelhohn
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 29. Februar 2012, 12:36

Gamaliel hat geschrieben:Älteste Beweise des Urchristentums?
Daraus:
Forscher haben in Jerusalem ein Grab entdeckt, das möglicherweise die ältesten archäologischen Beweise für das frühe Christentum beinhaltet. [...]
Das Grab ist nicht später errichtet worden als 70 n. Chr. [...]
Was sie im Grabesinneren zu sehen bekamen, ist nach Angaben von Tabor und seinen Kollegen eine historische Sensation. Auf einer der Mauern erkannten sie das eingravierte Bild eines Fisches, der gerade einen Menschen verschluckt bzw. diesen ausspuckt (siehe Bild oben). Die Forscher glauben, dass dies auf die biblische Geschichte des Jona anspielt, in der dieser von einem Wal gefressen und nach drei Tagen wieder ausgespien wird.
Wie man da einen Walfisch samt Jonas erkennen will, ist mir schleierhaft. Eher liegende Amphore. Und wie will man die fragmentarischen griechischen Lettern (die zur Hälfte gar nicht identifizierbar sind) deuten als »O göttlicher Jehovah, erstehe auf«? Wie überhaupt sollte auf griechisch da „Jehovah“ stehen? Und welchen bescheuerten Sinn hätte ein solcher Text? :hae?: :vogel:
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jerusalem.grabfund.zeichnung.jpg
jerusalem.grabfund.inschrift.jpg
jerusalem.grabfund.inschrift.negativ.jpg
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Juergen
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Mittwoch 29. Februar 2012, 14:23

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Wie man da einen Walfisch samt Jonas erkennen will, ist mir schleierhaft. Eher liegende Amphore.
Oh reich mir die Hand — das dachte ich auch.

Die Qualität erinnert zudem eher an ein Graffiti denn an eine "Ausschmückung". Da sind steinzeitliche Höhlenmalereien ja besser.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:Und wie will man die fragmentarischen griechischen Lettern (die zur Hälfte gar nicht identifizierbar sind) deuten als »O göttlicher Jehovah, erstehe auf«? Wie überhaupt sollte auf griechisch da „Jehovah“ stehen? Und welchen bescheuerten Sinn hätte ein solcher Text?[/color] :hae?: :vogel:
Der Sinn des Textes liegt in der Möglichkeit eine Pressemeldung zu generieren. :D
Mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat sich der Archäologe und Bibelwissenschaftler in den vergangenen Jahren eher zurückgehalten. Nicht aber mit kommerziellen Publikationen: Noch diesen Frühling soll im Discovery Channel die entsprechende neue Dokumentation gezeigt werden, auch ein weiteres Buch wird veröffentlicht.
-> http://www.youtube.com/watch?v=PX_qAtwMDFk
Gruß
Jürgen

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Mittwoch 29. Februar 2012, 14:54

http://www.physorg.com/news/212-2-tom ... dence.html
Tabor noted that the epitaph's complete and final translation is uncertain. The first three lines are clear, but the last line, consisting of three Greek letters, is less sure, yielding several possible translations: "O Divine Jehovah, raise up, raise up," or "The Divine Jehovah raises up to the Holy Place," or "The Divine Jehovah raises up from [the dead]."
Was lesen die den da raus?

ΔΙΟC — O Divine
ΙΑΙΟ (oder vielleicht ΙΑͰΟ, damit es besser zur Übersetzung passt) — Jehovah
Τψω — raise up
ΑΓΒ — raise up / to a Holy Place / from the dead

:vogel:

Bild
Gruß
Jürgen

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Mittwoch 29. Februar 2012, 15:36

Aha!

http://www.bibleinterp.com/PDFs/Tabor2.pdf

Andere Inschrift:
We also considered it might be a representation of the divine name, Yod, Heh, Vav, Heh (Yahweh) written in either stylized Hebrew or Greek: יהןה = ΠΙΠΙ. If such is the case it might shed light on the Greek inscription on ossuary 5:3, line 2, that we think has the divine name written in the Greek letters ΙΑΙΟ.
Also: IAIO = ΠΙΠΙ = YHWH
5. Ossuary 5:3=Kloner 5:2. This ossuary is has a highly ornamented front façade with twin rosettes and an elaborate frieze border. In the narrow curved blank space between the rosettes there is a four line Greek inscription written in uncial letters (Fig. 19). The final two letters of line 4 are uncertain, both in their formation and due to the limitations of remote autopsy by camera. The following variations appear possible:
ΔΙΟΣΙΑΙΟΥΨΩΑΓΒ
ΔΙΟΣΙΑΙΟΥΨΩΑΓΙΩ
ΔΙΟΣ ΙΑΙΟΥΨΩΑΠΟ
ΔΙΟΣΙΑΙΟΥΨΩΑΠΒ
We are convinced that each line of the inscription is a separate and discrete word, yielding the following word divisions. I include here the variables of line 4:
1. ΔΙΟΣ
2. ΙΑΙΟ
3. ΥΨΩ
4. ΑΓΒ ΑΓΙΩ ΑΠΟ or ΑΠΒ
All the letters of lines 1, 2, and 3 are quite clear although we did consider the possibility that l.1 might be a zeta rather than an iota but ΖΑΙΟ seems to make no sense either in isolation as part of another combination of words from lines 1-3. There is an obscure word in Pliny’s Natural History—ΖΑΙΟΣ, that refers to some kind of fish—apparently of the sea urchin variety, which interested us greatly considering the iconography on ossuary 6, described below.3 However, there is no sigma in l. 2 or beginning of l.3. Taking these words one by one, based on our line-by-line breakdown, we have the following:
ΔΙΟΣ is an adjective (masc. nom/voc. sing.) likely modifying what we take to be the proper noun in line 2. It can be variously translated as “heavenly,” “divine” “wondrous”–but here in this context it seems to clearly refer to God.3
ΙΑΙΟ we take as a Greek representation or transliteration of the Tetragrammaton: יהןה (Yod, Heh, Vav, Heh)—that is Yahweh. It is unusual in that it has four letters rather than the common three-letter form ΙΑΩ.32 Josephus says the divine name is represented by four “vowels.” It is possible that this writer intended it as a precise transliteration—since the Hebrew name of God also has four letters.
Accordingly, the inscription, though written in Greek letters, is purposely bilingual—first a Greek representation of God—the “Divine one,” followed by a Hebrew presentation—Yahweh—but represented in Greek letters.
ΥΨΩ is the present indic. act. 1st person singular of the contract verbΥΨΟΩ, to “raise,” “lift up” or “exalt.” As literally written it could then be translated “I divine Jehovah raise up” or “I exalt [you] O divine Jehovah” (taking ΔΙΟΣ as a vocative). This verb is most interesting in the context of early Christianity and late 2nd Temple Judaism.35 Paul uses the intensified verb ὑπερυψόω in Philippians 2:9, speaking of Jesus’ exaltation or “super-lifting up” to heaven.



We are inclined to argue that in this inscription, even though the three-letter verb ΥΨΩ can be read as a 1st person singular present indicative active, when crammed into this small space, it is most likely suspended or abbreviated. When first working on the inscription we considered that it might be a shortened form of the dative superlative ΥΨΙΣΤΩ, which is so commonly found in dedicatory inscriptions “to the most High God.” However, the ending in omega strongly argues against this possibility. Even though one finds suspended forms of ΥΨΙΣΤΩ they never drop the third letter iota and substitute it for an omega. Also ΔΙΟΣ is clearly either nominative or vocative, not dative, as would be required in such a case.
We propose that what we have here is ΥΨΩ[ΣΕΝ] (aorist indic. Act. 3ms “he has raised up”), ΥΨΩ[ΣΕΙ] (future indic. Act. 3ms “he will raise up”) or more likely, as I will explain below, ΥΨΩ[ΣΟΝ] (aorist Imperative, 2ps “Raise up!”).


Much depends on the transcription of the last line with its three letters since the final two are difficult to read. If we take the final line as ΑΠΟ, that is, the preposition “from,” it is possible that it might be an abbreviated plea for resurrection “from [the dead].” If we read it as ΑΠΒ it makes no sense as a word but it could perhaps be either initials or some kind of apotropaic cipher.
In looking at both the photos and the previous three words we are inclined to argue that we have here either ΑΓΙΩ or more likely ΑΓΒ. If line 4 reads ΑΓΙΩ (taking the last letter as a ligature) in the dative case, it could mean “to the holy,” perhaps referring to God/Yahweh to raising up to the “holy place” or the “holy one” (i.e., throne of God)—or being raised up to the holy place.
:roll:
Gruß
Jürgen

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Clemens
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Clemens » Mittwoch 29. Februar 2012, 17:30

Ich sehe da durchaus einen schuppigen Fisch mit Mensch (Kopf schaut raus, Beine samt Füßen sind ebenfalls deutlich erkennbar, Arme kann man ahnen).

Die Deutung der Inschrift scheint mir auch vertretbar. Ob es die einzig vertretbare ist, würde ich noch abwarten, wer sich sonst noch meldet.

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Juergen
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Mittwoch 29. Februar 2012, 17:47

Clemens hat geschrieben:Ich sehe da durchaus einen schuppigen Fisch mit Mensch (Kopf schaut raus, Beine samt Füßen sind ebenfalls deutlich erkennbar, Arme kann man ahnen).
Wie wäre es mit der Interpretation: http://asorblog.org/?p=1672

Images of the 'Tomb of Absalom' (1 C. CE Jerusalem) flank an image carved into an ossuary.
In fact, the image in the book is so poorly reproduced in my copy that one suspects it has been intentionally altered so that no one could see what the the image really is. Indeed, the image actually seems to resemble a nephesh, or tomb monument, like those found in many places in Jerusalem in the first century CE and depicted on ossuaries of this very period (so for example in fig. 13 or 3 of Rahmani’s A Catalogue of Jewish Ossuaries, 1994). A nephesh is the above-ground monument of a tomb that marks the tomb below and the one(s) buried there.
The Tomb of Absalom may not be the exact inspiration for the image on the ossuary, but it is in line with what Drs. Rahmani, Rollston, and Meyers argue above. And it certainly seems more likely than a “fish” spitting out a “human head.”
Gruß
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Clemens
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Clemens » Mittwoch 29. Februar 2012, 18:02

Eine Jona-Darstellung in einem Grab finde ich wesentlich plausibler, als die Darstellung eines anderen Grabes.
Außerdem sieht man deutlich die Fischschuppen (und keine Säulen).

Und was die künstlerische Qualität betrifft: kratz mal ein Bild in Stein und du wirst vielleicht staunen, wie frühkindlich das dann wirkt.

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Pelikan
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Pelikan » Mittwoch 29. Februar 2012, 18:11

Wenn das ein Grabmal ist, wofür stehen dann "Rücken- und Bauchflosse"? Da ist ja Roberts Amphore noch wahrscheinlicher, da könnten's die Henkel sein.

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Mittwoch 29. Februar 2012, 18:37

http://asorblog.org/?p=1642

B. THE ORNAMENTATION: A TOMB FAÇADE OR A NEPHESH TOWER, NOT A FISH
…The most convincing interpretation is that it is a tomb façade or a nephesh tower. This is not a very sensational interpretation, but it is the most reasonable construct of the totality of the evidence…

C. THE CONTENT OF THE FOUR LINE INSCRIPTION
…Regarding the reading of line two, I must emphasize that I do not consider the reading “Yahweh” (i.e., the Greek form of it) to be convincing at all. Simply put, this reading is wrong.…
… In reality, this letter is most readily understood as a tau (i.e., a top horizontal and a vertical) or (alternatively) a zeta. However, it is certainly not an iota. Of course, since there is no iota in this line , there is no tetragrammaton here.

Gruß
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Robert Ketelhohn
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Robert Ketelhohn » Mittwoch 29. Februar 2012, 23:52

Clemens hat geschrieben:Außerdem sieht man deutlich die Fischschuppen (und keine Säulen).
Da sind Ornamente, keine Schuppen. Bandkeramik …

Was die Inschrift angeht, ist der Deutungsversuch abstrus. In der
ersten Zeile kann ich das Delta und mit Mühe das tiefergelegte Si-
gma erkennen. Jota und Omikron dazwischen ist Spökenkiekerei.
In der zweiten Zeile mögen die Buchstaben 2 bis 4 Alpha, Jota und
Omikron sein. Aber wenn Nummer 3 ein Jota ist, ist Nummer eins
sicher keins. Ich würde es am ehesten für ein Tau halten. In Zeile
drei sind die zwei letzten Zeichen klar Psi und Omega – die einzi-
gen Buchstaben übrigens, die man neben dem Delta der ersten
Zeile und dem Alpha der zweiten überhaupt sicher identifizieren
kann. Nummer 1 der dritten Zeile ist kaum zu bestimmen, weil die
Inschrift besonders hier durch Kratzer beschädigt ist. Es bleibt un-
klar, was Buchstabe und was Kratzer ist. Ich habe spontan Tau ge-
lesen, nicht Ypsilon. Aber der Längsstrich sei es des Tau, sei es des
Ypsilon, kann auch einfach ein Kratzer sein. Mit etwas Phantasie
kann ich da auch ein Zeta sehen oder ein Chi. In Zeile vier endlich
könnte die erste Letter zwar ein Alpha sein, aber auch ein Lambda.
Bei der zweiten kommt Gamma ebenso in Betracht wie Pi. Die dritte
ist Beta oder Rho.

Aus all dem einen Sinn konstruieren zu wollen ist mehr als gewagt.
Ich möchte sogar behaupten: Das sind keine Wörter. Zeichen sicher,
Buchstaben gewiß, wenn auch nur zum Teil lesbar, und irgendeinen
Sinn wird der Schreiber dort ohne Zweifel haben festhalten wollen.
Aber ohne weitere Informationen ist er nicht entschlüsselbar.

Ich vermute, es handelt sich um Abkürzungen. Anfangsbuchstaben
von Wörtern vielleicht. Auch Zahlzeichen sind denkbar. Jedenfalls
bis auf weiteres nichts, was derartiges öffentliches Getöse rechtfer-
tigte.
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Clemens » Donnerstag 1. März 2012, 12:11

So skeptisch sehe ich das nicht.

Die meisten Buchstaben sind doch deutlich lesbar.
Nur ganz wenige leider nicht.

An folgenden Buchstaben sehe ich keinen Grund zu zweifeln:
ΔΙΟΣ
..ΑΙΟ
..ΨΩ
ΑΓ(B?)

Der Sinn ist freilich dunkel.

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. März 2012, 13:34

Clemens hat geschrieben:An folgenden Buchstaben sehe ich keinen Grund zu zweifeln:
ΔΙΟΣ
..ΑΙΟ
..ΨΩ
ΑΓ(B?)
So eindeutig sehe ich das nicht.
Der 1. Buchstabe, 1. Reihe sieht aus wie ein Delta, könnte auch ein verunglücktes Omikron sein (ΟΙΟΣ = Wein);

Der 2. Buchstabe, 1. Reihe tanzt ziemlich aus der Reihe, so daß die Zuordnung als Omikron zwar möglich ist, aber nicht eindeutig ist. Es könnte auch der obere Kringel eines Rho oder ein halbes Theta sein oder gar ein Koppa (Ϙ). Oder es ist ganz was anderes. Robert nannte es treffend "Spökenkiekerei".

Der 3. Buchstabe, 1. Reihe kann zwar ein rundes Sigma sein, aber es kann auch was anderes sein. Man kann es problemlos zu einem Omikro ergänzen o.ä.

Zum 1. Buchstaben, 2. Reihe: Wenn das ein Iota ist, ist der dritte Buchstabe in der Reihe keins und umgekehrt. Vielleicht ist es auch ein Tau oder ein Zeta. Hier könnte man einen Vergleich zum phönizischen Zajin herstellen (Bild), aus dem das griechische Zeta entstanden ist und das in der Form auch in frühen gr. Schriften zu finden ist. Freilich wohl nicht mehr zu der hier fraglichen Zeit.

Beim 3. Buchstaben, 2. Reihe sieht es auf dem Photo - nicht auf dem (nachgemalten??) Negativ - so aus, als habe er unten einen Querstrich, wie beim lat. großen L. Das gibt es freilich im Griechischen der damaligen zeit nicht mehr. Es sieht ähnlich wie das phönizische Lamed (Bild) aus.

Der 1. Buchstabe der 3. Reihe ist ziemlich zerkritzelt. Eine Deutung wäre ein Tau; auch ein spiegelverkehrtes Kappa - ähnlich dem phönizischen Kaph (Bild) wäre denkbar.

Auch der 1. Buchstabe der 4. Reihe ist recht verkritzelt, wenngleich man wohl ein Alpha erahnen kann.

Der 2. Buchstabe, 4. Reihe scheint ein Gamma zu sein; ein unsauberes Tau wäre auch denkbar. Ferner könnte es auch ein Pi sein, daß in früherer Zeit ähnlich aussah, wie ein heutiges Gamma (gleichsam ein heutiges Pi mit abschnittener rechten senkrechten Linie)

Der 3. Buchstabe, 4. Reihe ist m.E. kein Beta, auch wenn das auf dem "Negativ" so suggeriert wird. Wäre es ein Beta, so würde der zweite Bogen weit unter die Basislinie reichen. Ich tippe eher auf ein Rho.


Auf Photos läßt sich sowas kaum erkennen. Es fehlt die 3. Dimension, so daß man gar nicht erkennen kann, was ein zufälliger Kratzer ist und was ein gewollter Ritzer ist.

Aber wie auch immer: die vorgelegte Interpretation steht und fällt mit dem 1. Buchstaben der 2. Reihe. Wenn das kein Iota ist, gibt es kein YHWH und damit keinen "Jehova".



Man sollte bedenken, daß es bei der ganzen Sache wohl weniger um Archäologie als um Ideologie und vor allem um (Verkaufszahlen für) ein Buch und um eine TV-Sendung geht.
Gruß
Jürgen

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Clemens » Donnerstag 1. März 2012, 14:15

Ich gebe dir jedenfalls insoweit recht, dass wir hier keine realistische Chance haben, das Rätsel zu lösen und die Diskussionen darüber daher wohl auch müßig sind.

Oios = Wein? Oinos, meine ich. Oder gibt es da eine Nebenform?

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. März 2012, 15:20

Clemens hat geschrieben:Oios = Wein? Oinos, meine ich. Oder gibt es da eine Nebenform?
Ups. :ikb_shy:
Gruß
Jürgen

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 1. März 2012, 17:50

Oink.
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Juergen » Donnerstag 1. März 2012, 17:57

Robert Ketelhohn hat geschrieben:Ich möchte sogar behaupten: Das sind keine Wörter. Zeichen sicher,
Buchstaben gewiß, wenn auch nur zum Teil lesbar, und irgendeinen
Sinn wird der Schreiber dort ohne Zweifel haben festhalten wollen.
Aber ohne weitere Informationen ist er nicht entschlüsselbar.
Du meinst, wie es bei heutigen SMS der Fall ist…

BBM AOK

(Bring Brot mit. Aber ohne Körner.)
Gruß
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von taddeo » Donnerstag 1. März 2012, 20:04

Juergen hat geschrieben:BBM AOK

(Bring Brot mit. Aber ohne Körner.)
Bei uns gibt's ein AOK-Brot. Das ist mit Körnern. :hmm:
nemini parcetur

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von HeGe » Freitag 2. März 2012, 00:10

taddeo hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:BBM AOK

(Bring Brot mit. Aber ohne Körner.)
Bei uns gibt's ein AOK-Brot. Das ist mit Körnern. :hmm:
Bei uns gibt es Brötchen, die so heißen. Ich habe mich immer schon gefragt, wo die Bezeichnung herkommt. :hmm:
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 2. März 2012, 00:40

Auf Rezept?
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Niels » Freitag 18. Januar 2013, 11:38

"Tontafeln mit bislang unbekannten Passagen des Gilgamesch-Epos gehören zu dem höchst bemerkenswerten Fund altorientalischer Keilschrifttexte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, die derzeit an der Universität Heidelberg entziffert werden": http://www.uni-heidelberg.de/presse/new ... mesch.html
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Niels » Mittwoch 15. Mai 2013, 12:00

Waren die berühmten "hängenden Gärten der Semiramis" in Ninive?
http://www.ox.ac.uk/media/arts_at_oxfor ... ndary.html
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Re: Rund um Ausgrabungen und Archäologie

Beitrag von Niels » Montag 24. Juni 2013, 12:44

Interessant: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft ... 17311.html
(Ist aber womöglich viel Spekulation dabei.)
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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