Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

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overkott
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von overkott » Sonntag 4. August 2013, 11:49

Norbert Lammert ist Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2013. Deshalb kommt die Überprüfung seiner Doktorarbeit zum jetzigen Zeitpunkt für ihn nicht sonderlich glücklich. Aber er ist kein Forschungsminister, für den der Doktortitel ein sinnvolles Aushängeschild wäre. Dem Bundestag könnte als Präsident auch ein einfacher Elektriker vorsitzen, wenn er etwas von Leitung versteht. Im persönlichen Umgang ist Lammert für viele überzeugend. Erststimmen sammelt er regelmäßig mehr, als Zweitstimmen. Natürlich darf man eine Promotion nicht unterschätzen und Mogeleien nicht damit rechtfertigen, dass auch andere abgeschrieben oder einen Täuschungsversuch unternommen haben. Wenn der Titel aberkannt wird, ist er natürlich nicht mehr da.

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Maurus
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Maurus » Sonntag 4. August 2013, 13:51

overkott hat geschrieben:Norbert Lammert ist Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2013. Deshalb kommt die Überprüfung seiner Doktorarbeit zum jetzigen Zeitpunkt für ihn nicht sonderlich glücklich. Aber er ist kein Forschungsminister, für den der Doktortitel ein sinnvolles Aushängeschild wäre. Dem Bundestag könnte als Präsident auch ein einfacher Elektriker vorsitzen, wenn er etwas von Leitung versteht. Im persönlichen Umgang ist Lammert für viele überzeugend. Erststimmen sammelt er regelmäßig mehr, als Zweitstimmen. Natürlich darf man eine Promotion nicht unterschätzen und Mogeleien nicht damit rechtfertigen, dass auch andere abgeschrieben oder einen Täuschungsversuch unternommen haben.
Richter Overkott braucht keine Untersuchung, sondern schreitet sofort zu Urteil...
overkott hat geschrieben:Wenn der Titel aberkannt wird, ist er natürlich nicht mehr da.
Ach?


:irritiert:

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overkott
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von overkott » Sonntag 4. August 2013, 14:22

Maurus hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Norbert Lammert ist Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2013. Deshalb kommt die Überprüfung seiner Doktorarbeit zum jetzigen Zeitpunkt für ihn nicht sonderlich glücklich. Aber er ist kein Forschungsminister, für den der Doktortitel ein sinnvolles Aushängeschild wäre. Dem Bundestag könnte als Präsident auch ein einfacher Elektriker vorsitzen, wenn er etwas von Leitung versteht. Im persönlichen Umgang ist Lammert für viele überzeugend. Erststimmen sammelt er regelmäßig mehr, als Zweitstimmen. Natürlich darf man eine Promotion nicht unterschätzen und Mogeleien nicht damit rechtfertigen, dass auch andere abgeschrieben oder einen Täuschungsversuch unternommen haben.
Richter Overkott braucht keine Untersuchung, sondern schreitet sofort zu Urteil...
overkott hat geschrieben:Wenn der Titel aberkannt wird, ist er natürlich nicht mehr da.
Ach?


:irritiert:
Ich nehme das Urteil nicht vorweg.

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Maurus
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Maurus » Sonntag 4. August 2013, 14:31

Dann danke ich für die Klarstellung.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Dottore Cusamano » Sonntag 27. Oktober 2013, 18:56

Für den Genossen Frank-Walter, der gerne Bundesfinanzminister würde, wird's eng:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/auch- ... 49482.html
"Da erhob sich ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften mit dem Drachen, und auch der Drache und seine Engel kämpften. Doch sie richteten nichts aus und es blieb kein Platz mehr für sie im Himmel." (Offb 12, 7-8)

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Pius PP
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Pius PP » Sonntag 27. Oktober 2013, 18:59

Jetzt wo er sich anschickt, politisch gemeinsame Sache mit den Schwarzen zu machen, ist medienseits natürlich die Feuerpause vorbei!
Ich glaube an Gott, liebe die Kirche, leide wegen ihres Schicksals, will ihr dienen, jedoch nicht um den Preis der Anpassung, um diesen schrecklichen Preis, den die Kirchenleitung bezahlt und den zu bezahlen man auch mir anbietet.
Wladimir Rusak

Caviteño
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Freitag 17. Januar 2014, 02:08

Wieder einmal hat es die CSU mit einem ihrer "Spitzenpolitiker" erwischt:

http://www.faz.net/aktuell/politik/andr ... 55333.html
Die CSU muss sich nach Informationen der F.A.Z. auf Turbulenzen um den Doktortitel ihres Generalsekretärs Andreas Scheuer einstellen. Scheuer erwarb 24 an der Prager Karlsuniversität ein „kleines Doktorat“, das ihn in Deutschland nur in den Ländern Berlin und Bayern zur Führung des Titels „Dr.“ berechtigt. In den anderen Bundesländern darf nur die tschechische Abkürzung „PhDr.“ geführt werden.
(...)
Der Prager Doktorvater Scheuers, der Politologe Rudolf Kučera, bezeichnete es gegenüber dieser Zeitung als „ganz normal“, dass Scheuer in Prag eine Arbeit in deutscher Sprache vorgelegt habe. Tschechischkenntnisse seien nicht verlangt worden; Scheuer habe in Prag keine Lehrveranstaltungen besucht. Der Prüfungskommission, die mit Scheuers Promotion befasst gewesen sei, habe auch der Politologe Bohumil Doležal angehört. Doležal sagte der F.A.Z., er sei nicht Mitglied der Prüfungskommission gewesen und wisse über diese Angelegenheit nichts.
Nachtrag:
Eine weitere Darstellung hier.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Freitag 17. Januar 2014, 10:55

Das ging aber schnell:
Nach der F.A.Z-Berichterstattung über Unstimmigkeiten bei seiner Dissertation hat CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer angekündigt, vom Führen des Doktortitels „völlig abzusehen“.
(...)
Scheuer erwarb 24 an der Prager Karlsuniversität ein „kleines Doktorat“, das ihn in Deutschland nur in den Ländern Berlin und Bayern zur Führung des Titels „Dr.“ berechtigt. In den anderen Bundesländern darf nur die tschechische Abkürzung „PhDr.“ geführt werden.
Der frisch gekürte CSU-Generalsekretär reagierte mit seinem Schritt auf die Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Demnach ist die wissenschaftliche Leistung Scheuers für den bislang in seinem Lebenslauf und auch bei offiziellen Anlässen ausgewiesenen Doktortitel nur mit einem Master-Studienabschuss vergleichbar.
http://www.faz.net/aktuell/politik/inla ... 56196.html

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taddeo
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von taddeo » Freitag 17. Januar 2014, 19:39

Caviteño hat geschrieben:Wieder einmal hat es die CSU mit einem ihrer "Spitzenpolitiker" erwischt:

http://www.faz.net/aktuell/politik/andr ... 55333.html
Die CSU muss sich nach Informationen der F.A.Z. auf Turbulenzen um den Doktortitel ihres Generalsekretärs Andreas Scheuer einstellen. Scheuer erwarb 24 an der Prager Karlsuniversität ein „kleines Doktorat“, das ihn in Deutschland nur in den Ländern Berlin und Bayern zur Führung des Titels „Dr.“ berechtigt. In den anderen Bundesländern darf nur die tschechische Abkürzung „PhDr.“ geführt werden.
(...)
Der Prager Doktorvater Scheuers, der Politologe Rudolf Kučera, bezeichnete es gegenüber dieser Zeitung als „ganz normal“, dass Scheuer in Prag eine Arbeit in deutscher Sprache vorgelegt habe. Tschechischkenntnisse seien nicht verlangt worden; Scheuer habe in Prag keine Lehrveranstaltungen besucht. Der Prüfungskommission, die mit Scheuers Promotion befasst gewesen sei, habe auch der Politologe Bohumil Doležal angehört. Doležal sagte der F.A.Z., er sei nicht Mitglied der Prüfungskommission gewesen und wisse über diese Angelegenheit nichts.
Nachtrag:
Eine weitere Darstellung hier.
Das ist aber schon lang bekannt und ging schon vor Jahren durch die hiesige Lokalpresse.
nemini parcetur

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 18. Januar 2014, 01:36

taddeo hat geschrieben: Das ist aber schon lang bekannt und ging schon vor Jahren durch die hiesige Lokalpresse.
Umso unverständlicher, daß Seehofer sich dann auf diese Personalie einließ - oder leidet er an Demenz und hat die causa "Guttenberg" vergessen. :hmm:

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von ad_hoc » Sonnabend 18. Januar 2014, 13:52

Vielleicht sollte man für evtl. falsche Doktortitel besser einen separaten Strang eröffnen, als immer wieder den Freiherrn zu Guttenberg zu bemühen, der letztlich nicht für fremden, sondern nur für den eigenproduzierten Mist verantwortlich ist.

Gruß, ad_hoc
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Lupus » Sonnabend 18. Januar 2014, 15:17

Was heißt hier "nicht verantwortlich"? :hae?:

Selbstverständlich ist Karl Theodor von und zu Guttenberg dafür verantwortlich, dass ich in der Schule einmal gespickt und ein paar Sätze vom Nachbarn abgeschrieben habe! :doktor: :doktor:
Hano! Wo kämen wir denn da hin, wenn es anders wäre? :dudu: :dudu:

+L.
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taddeo
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von taddeo » Sonnabend 18. Januar 2014, 16:22

Caviteño hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben: Das ist aber schon lang bekannt und ging schon vor Jahren durch die hiesige Lokalpresse.
Umso unverständlicher, daß Seehofer sich dann auf diese Personalie einließ - oder leidet er an Demenz und hat die causa "Guttenberg" vergessen. :hmm:
Nein, das paßt schon. Die Sache ist seit Jahren in aller Öffentlichkeit klar gewesen, Scheuer hat den Titel anscheinend immer juristisch korrekt geführt (in Bayern und Berlin als "Dr.", sonst als "PhDr."). Und Scheuer ist in seinem Wahlkreis Passau eine sichere Bank für die CSU, er ist ein loyaler Parteisoldat mit guter Außenwirkung, hat wirklich weite Teile der Wähler hinter sich und bei der Bundestagswahl knapp 60% der Erststimmen geholt. So ein Zugpferd läßt ein Seehofer nicht ewig im Stall, sondern schickt es auf die Rennbahn.

Was es mit dem angeblichen Plagiat auf sich hat, muß sich noch zeigen. Könnte ja gut sein, daß beide Dokumente von derselben Quelle "abgeschrieben" haben, das soll sogar in den Evangelien vorkommen. Wenn Scheuer jetzt seinen akademischen Titel gar nicht mehr führen will, ist das freilich nur zu begrüßen - eine akademische Granate ist er bzw. seine "Doktorarbeit" mit Sicherheit nicht.
nemini parcetur

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Sonntag 19. Januar 2014, 10:09

taddeo hat geschrieben: Nein, das paßt schon. Die Sache ist seit Jahren in aller Öffentlichkeit klar gewesen, Scheuer hat den Titel anscheinend immer juristisch korrekt geführt (in Bayern und Berlin als "Dr.", sonst als "PhDr.").
Da sind wohl Zweifel angebracht:
Scheuer führte in der Wahlperiode 25 bis 29 ein ruheloses Leben zwischen „PhDr.“ und „Dr.“. Im Webarchiv des Bundestags findet sich eine Seite, in der oben „Scheuer, PhDr. Andreas“, weiter unten dann „Dr. Andreas Scheuer“ vermerkt ist. Er war der Mann mit den zwei Titelgestalten; da er keine herausgehobene Funktion hatte, erregte das kaum Aufsehen. Daran änderte sich auch nichts, als er 29 Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium wurde und bei Terminen quer durch Deutschland als „Dr. Andreas Scheuer“ angekündigt wurde.
(...)
Scheuers Arbeit ist in Deutschland über Books on Demand zu erhalten; im Impressum wird „Dr. Andreas Scheuer, MdB“ genannt. Books on demand ist im schleswig-holsteinischen Norderstedt ansässig.
Aber was soll's. Der Große Vorsitzende der CSU hat die causa - pofallamäßig - für beendet erklärt. Jetzt müssen sich nur noch die Zeitungen daran halten und den verordneten Frieden nicht mit neuen Nachrichten stören.

Wo kommen wir denn hin, wenn an den Worten des Großen Vorsitzenden gezweifelt wird..... :panisch:
Fehlt nur noch der Hinweis, daß ein Generalsekretär und kein wissenschaftlicher Mitarbeiter berufen wurde.......

Nachtrag:
Weiterer Artikel hier mit folgendem Gedankengang:
Vermutlich ist es kein Zufall, dass mit Scheuer wieder ein Mann ins akademische Zwielicht gerät, der früh auf eine Karriere als Berufspolitiker spechtete. Guttenberg war schon Abgeordneter – freilich auf hinteren Bänken –, als er sich zu akademischen Großtaten aufraffte. Silvana Koch-Mehrin saß im FDP-Bundesvorstand, als sie promoviert wurde, ebenso ihr Parteikollege im Europäischen Parlament Jorgo Chatzimarkakis. Alle drei verloren später ihren Doktortitel. Beim SPD-Politiker Marc Jan Eumann läuft ein Aberkennungsverfahren. Der Staatssekretär in NRW soll seine Magisterarbeit kaum verändert als Dissertation eingereicht haben. „Es gibt offenbar eine Gruppe von Leuten, die frühzeitig ihre Karriere auf die Berufspolitik ausrichten und im Zweifel bereit sind, Titel zu erwerben, die am Rande der Rechtmäßigkeit liegen. Akademische Weihen sollen fehlende Berufserfahrung ausgleichen und den schnellen Sprung von der Schulbank ins Parlament legitimieren“, sagt Wissenschafts-Ombudsmann Löwer.
(Hervorhebung von mir)

Auch die Frage, warum Bayern, das sonst so stolz auf sein Bildungswesen ist, mit Berlin eine abweichende Regelung zur Führung des "kleinen Doktortitels" einführte, darf man wohl noch stellen.
Der CSU-Mann hatte zwar an einer renommierten Hochschule promoviert – der Prager Karls-Universität –, dort aber nur ein sogenanntes kleines Doktorat erworben. Das ist ein besserer Masterabschluss, aber keine Vollpromotion – weder nach tschechischem noch nach deutschem Promotionsrecht. Scheuer durfte sich folglich nur „PhDr.“ nennen, abgeleitet von „Doktor filozofie“, und dies nur nach seinem Namen statt davor. Sogar die Staatsanwaltschaft schaltete sich seinerzeit ein.
Doch bevor es für Doktor Scheuer unangenehm werden konnte, erließ das Bayerische Kultusministerium eine neue Regelung, sogleich als „lex scheueri“ verspottet: Wer vor 27 ein kleines Doktorat erworben hatte, durfte sich in Bayern weiter und ohne Einschränkung „Dr.“ nennen. Praktischerweise gab es eine ähnliche Regelung auch in Berlin, so dass Scheuer als Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium alle Vorsicht fahrenließ und sich auf Visitenkarten, Briefköpfen und seiner Internetseite als waschechter Doktor präsentierte. Erst die F.A.Z. erinnerte ihn jetzt daran, dass es juristisch heikel sein könnte, im Rest des Landes unter diesem Titel aufzutreten.
taddeo, wenn Du auf das gute Abschneiden von Herrn Scheuer bei der Bundestagswahl 213 hinweist, solltest Du auch erwähnen, daß die FDP bei der Wahl keinen Direktkandidaten aufgestellt hat. Zwar hat Scheuer mit 59,8% ein Ergebnis über dem Zweitstimmenergebnis der CSU (= 53,9%) geholt, jedoch hat die FDP bei den Zweitstimmen 4,5% erhalten. Da die Anzahl der Erst- und Zweitstimmen fast identisch ist (Differenz ca. 33 Stimmen), ist es nicht abwegig zu unterstellen, daß viele FDP-Wähler ihre Erststimme nicht verschenkten, sondern damit Scheuer gewählt haben, weil kein eigener FDP-Kandidat antrat.
Dann relativierten sich auch die fast 6%.

Quelle:
http://www.bundeswahlleiter.de/de/bunde ... l9/wk229/

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von taddeo » Sonntag 19. Januar 2014, 14:37

Caviteño hat geschrieben:taddeo, wenn Du auf das gute Abschneiden von Herrn Scheuer bei der Bundestagswahl 2013 hinweist, solltest Du auch erwähnen, daß die FDP bei der Wahl keinen Direktkandidaten aufgestellt hat. Zwar hat Scheuer mit 59,8% ein Ergebnis über dem Zweitstimmenergebnis der CSU (= 53,9%) geholt, jedoch hat die FDP bei den Zweitstimmen 4,5% erhalten. Da die Anzahl der Erst- und Zweitstimmen fast identisch ist (Differenz ca. 330 Stimmen), ist es nicht abwegig zu unterstellen, daß viele FDP-Wähler ihre Erststimme nicht verschenkten, sondern damit Scheuer gewählt haben, weil kein eigener FDP-Kandidat antrat.
Dann relativierten sich auch die fast 60%.
Glaub mir, ich kenn die hiesige Politik gut genug (Passau ist unser Bundestagswahlkreis), um Dir versichern zu können, daß die FDP hier seit dem Tod von Max Stadler eine unbedeutende Randerscheinung ist. Die Erststimmenergebnisse spiegeln sehr gut die politische Mehrheit in der Bevölkerung wieder, und gerade die CSU-Kandidaten werden danach gemessen, wie weit sie über 50% liegen. Scheuer ist hier bekannt und durchaus auch beliebt, daran gibt es keinen Zweifel.

Daß gerade in Bayern der tschechische "PhDr." anerkannt ist, dürfte übrigens vor allem daran liegen, daß die Tschechei unmittelbarer Nachbar ist und die bayerische Regierung die Anerkennung dieses Grades auch als Wettbewerbsvorteil für das riesige, strukturschwache Grenzgebiet entlang der Oberpfalz und Niederbayerns ansah.
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Montag 20. Januar 2014, 04:26

taddeo hat geschrieben:
Daß gerade in Bayern der tschechische "PhDr." anerkannt ist, dürfte übrigens vor allem daran liegen, daß die Tschechei unmittelbarer Nachbar ist und die bayerische Regierung die Anerkennung dieses Grades auch als Wettbewerbsvorteil für das riesige, strukturschwache Grenzgebiet entlang der Oberpfalz und Niederbayerns ansah.
Gegen die Anerkennung des tschechischen "PhDr." ist ja auch nichts zu sagen, das ist in allen Bundesländern der Fall. Ihn aber mit einem "Dr."-Grad gleichzusetzen, erfolgte nur in Bayern und Berlin.
Die Verwässerung der in D. gebräuchlichen akademischen Titel als Mittel der Strukturförderung - die Begründung hätte auf dem nächsten Nockherberg sicherlich laute Lacherfolge.

PS:
Auf die Behandlung des Themas und das erzwungene,säuerliche Lachen von Herrn Scheurer dort freue ich mich jetzt schon. Eine bessere Steilvorlage hätte man dem Drehbuchautor garnicht liefern können.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von taddeo » Montag 20. Januar 2014, 19:32

Caviteño hat geschrieben:Gegen die Anerkennung des tschechischen "PhDr." ist ja auch nichts zu sagen, das ist in allen Bundesländern der Fall. Ihn aber mit einem "Dr."-Grad gleichzusetzen, erfolgte nur in Bayern und Berlin.
Die Verwässerung der in D. gebräuchlichen akademischen Titel als Mittel der Strukturförderung - die Begründung hätte auf dem nächsten Nockherberg sicherlich laute Lacherfolge.
Da wär ich mir nicht so sicher.
Wenn einer aus der nördlichen Oberpfalz kommt, ist ihm die Uni Prag näher als die Uni Regensburg. Wir im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet haben halt nur die Unis Regensburg und Passau in greifbarer Nähe, und Passau hat nicht mal alle üblichen Fakultäten. Die freundschaftliche Beziehung zu den Tschechen ist für uns seit der Grenzöffnung ein enorm wichtiges politisches und gesellschaftliches Gebiet, und funktioniert in der Regel auf unterer und mittlerer Ebene bestens (auf höchster wird es allmählich, ist aber noch etwas schwierig). Da kann so eine Anerkennung von Unititeln durchaus gewollt und sinnvoll sein.
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 25. Januar 2014, 02:49

Die WELT beschäftigt sich mit "Dr." Scheuer und der Sonderregelung in Bayern (dort seinerzeit als "Lex Scheueri" von Wissenschaftsminister Goppel verspottet) und Berlin zum Titel "PhDr.":

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... ellen.html

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Sonnabend 25. Januar 2014, 09:28

Übler ist doch, dass die Prager Universität sich genötigt sieht, die Dokorarbeit wegen Plagiatsvorwürfen zu überprüfen.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Ewald Mrnka » Donnerstag 6. Februar 2014, 14:02

Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Peregrin » Donnerstag 6. Februar 2014, 22:52

Ewald Mrnka hat geschrieben:Problemchen eines Nebbich:

http://www.focus.de/politik/deutschland ... 9253.html
Ach, die Brille hat er auch nur getragen, damit er klüger ausschaut? Irgendwie paßt das zu ihm. :D
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von ad_hoc » Donnerstag 6. Februar 2014, 22:58

Leute, die sich in der Öffentlichkeit darstellen zu müssen glauben, sollten dies nicht tun, ohne eine guten PR-Mann an der Seite zu haben, der ihnen sagt, was sie sagen dürfen und müssen, und wann sie besser schweigen sollten.

Gruß, ad_hoc
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Edi » Donnerstag 6. Februar 2014, 23:31

Der Mann ist nach wie vor ein Blender und bleibt das auch: http://www.focus.de/politik/deutschland ... 83583.html

Wer sich so erhöht und das tut er nach wie vor, der wird erniedrigt werden. Da. ist ist ihm ja geschehen, aber er gibt nach wie vor an, statt die Klappe zu halten. Der Mann überschätzt sich gewaltig, immerhin merken das doch manche Leute. Seine Bundeswehrreform hat ja auch genug Scherben hinterlassen.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Freitag 7. Februar 2014, 01:03

Natürlich würde er liebend gern in die deutsche Politik zurückkehren, denn in den USA ist er ein Niemand. Zum Glück wissen inzwischen genügend "jüngere" Politiker in der CSU, wie gefährlich eine Rückkehr für ihre eigenen Karrierepläne sein dürfte. Sie werden ihm genügend Steine in den Weg legen - und das ist gut so.

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Ewald Mrnka
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Ewald Mrnka » Freitag 7. Februar 2014, 01:27

Caviteño hat geschrieben:Natürlich würde er liebend gern in die deutsche Politik zurückkehren, denn in den USA ist er ein Niemand. Zum Glück wissen inzwischen genügend "jüngere" Politiker in der CSU, wie gefährlich eine Rückkehr für ihre eigenen Karrierepläne sein dürfte. Sie werden ihm genügend Steine in den Weg legen - und das ist gut so.
Ja, der überschätzte Beau ist politisch mausetot; aber für Regenbogenpresse & Unterschichtsfernsehen dürfte es noch für eine Weile reichen. Er muß aber darauf achten, daß er keine Dackelfalten bekommt nicht zu korpulent wird.
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

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Raphael
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Raphael » Freitag 7. Februar 2014, 07:08

Es gereicht niemandem zur Ehre, wenn auf einen am Boden Liegenden noch eingetreten wird! :daumen-runter:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Caviteño » Freitag 7. Februar 2014, 07:22

Raphael hat geschrieben:Es gereicht niemandem zur Ehre, wenn auf einen am Boden Liegenden noch eingetreten wird! :daumen-runter:
Er liegt wohl nicht mehr am Boden, sondern versucht sich - aufrecht stehend - an einem Neustart. Ein am Boden Liegender würde jedenfalls solche Äußerungen nicht von sich geben:
„Ich habe weder vor, den Ministerpräsidenten zu stürzen noch die Kanzlerin noch den Papst.“
oder
„Ich freue mich, mich mit eigenen Themen zu befassen und nicht auf der Sicherheitskonferenz gefragt zu werden, ob ein Glühwürmchen den Oberglühwurm getroffen hat.“
Quelle: s.o. focus

Wer so spricht, liegt nicht am Boden. :nein:

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Raphael » Freitag 7. Februar 2014, 07:33

Caviteño hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Es gereicht niemandem zur Ehre, wenn auf einen am Boden Liegenden noch eingetreten wird! :daumen-runter:
Er liegt wohl nicht mehr am Boden, sondern versucht sich - aufrecht stehend - an einem Neustart. Ein am Boden Liegender würde jedenfalls solche Äußerungen nicht von sich geben:
„Ich habe weder vor, den Ministerpräsidenten zu stürzen noch die Kanzlerin noch den Papst.“
oder
„Ich freue mich, mich mit eigenen Themen zu befassen und nicht auf der Sicherheitskonferenz gefragt zu werden, ob ein Glühwürmchen den Oberglühwurm getroffen hat.“
Quelle: s.o. focus

Wer so spricht, liegt nicht am Boden. :nein:
Auch wenn der Freiherr sich offenbar noch einen Rest von Selbstrespekt bewahrt hat, wofür diese Sprüche ein Zeichen sind, dann liegt er trotzdem noch am Boden.
Das Büßergewand hat er doch nun lange genug getragen, oder etwa nicht? :hmm:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

San Marco
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von San Marco » Donnerstag 20. März 2014, 15:25

Das war es wohl für die doch sehr unkrative Frau Schavan.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobund ... 59597.html

Ja.....solche Doktorarbeiten waren auch in der guten alten Zeit sehr langweilig und mühevoll zu schreiben.

Die Arbeit von Frau Schavan soll allerdings nicht nur mit Plagiaten vollgestopft sein, sondern nebei auch noch wirklich schlecht sein.

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lutherbeck
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von lutherbeck » Donnerstag 20. März 2014, 15:34

San Marco hat geschrieben:Das war es wohl für die doch sehr unkrative Frau Schavan.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobund ... 59597.html

Ja.....solche Doktorarbeiten waren auch in der guten alten Zeit sehr langweilig und mühevoll zu schreiben.

Die Arbeit von Frau Schavan soll allerdings nicht nur mit Plagiaten vollgestopft sein, sondern nebei auch noch wirklich schlecht sein.
Die arme Frau - wo sie doch jetzt in den Vatican darf... ;D
"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von ad_hoc » Donnerstag 20. März 2014, 17:03

Die arme Frau - wo sie doch jetzt in den Vatican darf... ;D
Wer sagt das denn so voreilig?
Das ist vorerst nur eine unbedachte Überlegung Tante Merkels. Und nach diesem gerichtlichen Entscheid sieht es wohl noch etwas düsterer aus. Zumal sich das Außenministerium mit Sicherheit entschieden dagegen wehren wird, ausgerechnet eine Schavan zum Botschafter am Hl. Stuhl zu benennen. Dies war schon immer ein Job für besonders verdienstvolle Diplomaten gewesen.

Apropós Doktorarbeit: Ich denke tatsächlich, Frau Schavan hat Ihre Klage in erster Linie nicht wegen des Plagiatvorwurfs verloren, sondern eigentlich hauptsächlich wegen der überaus schlechten Qualität der abgelieferten Arbeit. ;-)

Gruß, ad_hoc
quidquid cognoscitur, ad modum cognoscentis cognoscitur (n. Thomas v. Aquin)

Lilaimmerdieselbe
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Re: Rund um den Freiherrn zu Guttenberg

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Donnerstag 20. März 2014, 19:07

Nun, die politische Karriere unserer Kanzlerin verdanken wir auch der Tatsache, dass sie die Eingangsvorraussetzungen für den öffentlichen Dienst, wenn auch aus gesundheitlichen Gründen, nicht erfüllte. Da wird sie Formalien zu Ungunsten ihrer Freundin eher gelassen sehen, hat sie bei Guttenberg auch versucht.
Wegen einem Diplomaten im Vatikan wird die SPD kein Theater machen, der Außenminister auch nicht. Der Wegfall eines Belohnungsposten ist kein besonders hoher Preis für Frieden in der Koalition, um den sie sich ja jetzt bemühen will.
Ich halte es sogar für möglich, dass Frau Schawan diesen Job gut machen wird, sie war ja auch keine auffallend unfähige Bildungsministerin, wenn ich auch ihre Ziele oft nicht gut fand.

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