Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

Isidor Matamoros
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Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 10:42

Die Lehre vom Ausgang des Hl. Geistes auch vom Sohne bedeutet, daß Vater und Sohn in der Hauchung des Hl. Geistes ein einziges Prinzip sind. Sie sind zwei hauchende Personen, jedoch ein einziger Spirator. Die innergöttliche Relation der aktiven Hauchung (spiratio activa) liegt in Vater und Sohn nicht in zahlenmäßiger Zweiheit, sondern in numerischer Einzigkeit vor. (Denz. 460; Diekamp, Katholische Dogmatik I, S. 333, Münster 1938). Wäre es anders, so gäbe es zwei Hervorgänge des Hl. Geistes.
Da die göttlichen Personen selbst Beziehungen sind (relationes subsistentes), haben sie ihre Personenhaftigkeit nur durch das, worin sie sich unterscheiden. Im Hinblick auf Vater und Sohn wären das aktive und passive Zeugung, oder Vaterschaft und Sohnschaft. Die getrennten Ostkirchen werfen dieser Lehre der katholischen Kirche Sabellianismus vor. Aber die Lehre der Griechen hätte zur Konsequenz, daß die göttlichen Personen ein je eigenes Wirken hätten und daß es zwischen ihnen akzidentelle Beziehungen geben könnte, wie zwischen Hänschen und Fränzchen. Dem widerstrebt die Ewigkeit Gottes, der reiner Akt ist und schlechthin einfach ohne jede metaphysische Zusammensetzung.
Zeit also nach dem II. vatikanischen Konzil diese Lehre neu zu erfinden, damit sie kein Ärgernis mehr darstellt. Im Kompendium zum KKK lesen wir in der N°47 folgende Neuerfindung des Filioque:
47. Wer ist der Heilige Geist, der uns von Jesus Christus geoffenbart worden ist?

243-248

Er ist die dritte Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Er ist ein und derselbe Gott mit dem Vater und dem Sohn. Er „geht vom Vater aus“ (Joh 15, 26), der als Anfang ohne Anfang der Ursprung des gesamten Lebens der Dreifaltigkeit ist. Er geht auch aus dem Sohn hervor (Filioque), weil der Vater ihn dem Sohn als ewiges Geschenk mitteilt. Vom Vater und vom Mensch gewordenen Sohn gesandt, führt der Heilige Geist die Kirche „in die ganze Wahrheit“ (Joh 16, 13).

http://www.vatican.va/archive/compendiu ... cc_ge.html
Wie bitte? Weil ihn der Vater dem Sohn als ewiges Geschenk mitteilt? Wenn da wenigstens von der Hauchkraft (spiratio activa) die Rede wäre, aber der Hl. Geist ist die passive Hauchung (spiratio passiva). Wie kommt diese Leugnung des Filioque in das Kompendium? Ja es ist eine Leugnung, denn der Sohn wird wie zu einem durchleitenden Kanal des Hl. Geistes. Das hatte schon der zum Alt-Katholizismus abgefallene Priester und Bonner Professor Joseph Langen mit dem russ.-othodox. Bischof Makarij Bulgakov behauptet, gegen welche Kardinal Franzelin eine Studie im Auftrage der Propaganda angefertigt hatte.
Franzelin SJ, Joh. Bapt.: Examen Doctrinae Macarii Bulgakov Episcopi Russi schismatici et Josephi Langen Neoprotestantis bonnensis de Processione Spiritus Sancti. Paralipomenon Tractatus SS. Trinitatis. S. C. de Propaganda Fide, Romae MDCCCLXXVI. Rom 1876. «archive.org»
Langen setzt nach Aussagen Franzelins die westliche Redeweise « ex Patre et Filio », der östlichen entgegen, « ex Patre per Filium », und versucht sie so gegeneinander auszuspielen, als hätte damals ein Gegensatz zwischen beiden Formeln bestanden. Daß der Geist auch aus dem Sohn hervorgeht, interpretiert er im Rahmen seiner neophotianischen Irrlehre so, als spiele der Sohn eine gewisse Rolle, als rein ‘durchleitender Kanal’.

Siehe die Seiten 257-258:
https://archive.org/stream/ioannisbaptf ... 0/mode/2up

Die N°47 des Kompeniums rehabilitiert also die Lehre Joseph Langens.

Wie aber kam sie über den KKK ins Kompendium? Die Spur führt dabei nicht über die deutsche Ausgabe des KKK, sondern über die französische und niederländische.

Näheres dazu hier:

https://www.dropbox.com/s/rhiexx0fc1lmo ... u.pdf?dl=0

Die französische Ausgabe des KKK verkehrt dabei ein Augustinus-Zitat ins Gegenteil. Das ist von der Fälschungsabsicht deswegen bedeutsam, weil diese Lehre des hl. Augustinus vom Glaubensbekenntnis des XI. Konzils v. Toledo übernommen wurde: "Der Hl. Geist geht nicht vom Vater zum Sohn aus!"
Nec enim procedit de Patre in Fimium, vel de Fimium procedit ad sanctificandum creaturam, sed simul ab utrisque processisse monsratur; ,,," (Denz. 277; DH527):
http://catho.org/9.php?d=bxr#bh5
Eine weitere grundlegende Studie zu diesem Thema ist die Arbeit von Dr. Jakob Bilz gegen Joseph Langen. Bilz weist dabei nach, daß die Trinitätslehre des Johannes von Damaskus sich nicht gegen das Filioque richtete.
Bilz, Dr. Jakob, Direktor des erzb.-theol. Konviktes zu Freib. im Breisg.: Die Trinitätslehre des hl. Johannes von Damaskus. Mit besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses der griech. und lat. Ausdrucksweise des Geheimnisses. Paderborn 1909. Quelle: «archive.org»

https://archive.org/details/dietrinittsleh00john

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Petrus
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Petrus » Donnerstag 11. Januar 2018, 12:41

da hast Du Dir aber viel Mühe gemacht.

danke Dir, dafür.

nun.

falls das nicht zuviel verlangt ist,

kannst Du das mal ein bißchen zusammenfassen, in wenigen Sätzen?

danke im Voraus,
Peter.
bassd.

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:03

Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 12:41

kannst Du das mal ein bißchen zusammenfassen, in wenigen Sätzen?

danke im Voraus,
Peter.
Lieber Peter,

das ist schon recht kurz für ein Thema, das eine Doktorarbeit füllen könnte.

Was hat eine irreführende Darstellung der Lehre vom Ausgang des Hl. Geistes auch aus dem Sohn im Kompendium zum neuen Weltkatechismus zu tun? Noch dazu wird das über den Weltnetzauftritt des Vatikanstaates verbreitet.

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Raphael
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Raphael » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:07

Isidor Matamoros hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 13:03
Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 12:41

kannst Du das mal ein bißchen zusammenfassen, in wenigen Sätzen?

danke im Voraus,
Peter.
Lieber Peter,

das ist schon recht kurz für ein Thema, das eine Doktorarbeit füllen könnte.

Was hat eine irreführende Darstellung der Lehre vom Ausgang des Hl. Geistes auch aus dem Sohn im Kompendium zum neuen Weltkatechismus zu tun? Noch dazu wird das über den Weltnetzauftritt des Vatikanstaates verbreitet.
Das Kompendium des KKK ist keine theologische Doktorarbeit in Dogmatik; mithin ist die eine oder andere Distinktion dort entbehrlich! :huhu:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 13:33


Das Kompendium des KKK ist keine theologische Doktorarbeit in Dogmatik; mithin ist die eine oder andere Distinktion dort entbehrlich! :huhu:
Hallo Raphael,

natürlich ist das Kompendium keine Doktorarbeit, aber die Aufarbeitung des Werdegangs der Doktrin Joseph Langes und Bulgakovs ausgehend von den Studien Franzelins und Bilz' bis zum Konzil und bis zur Abfassung des KKK wäre eine Promotion wert.

Pirmin
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Pirmin » Donnerstag 11. Januar 2018, 14:01

Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 12:41
da hast Du Dir aber viel Mühe gemacht.

danke Dir, dafür.

nun.

falls das nicht zuviel verlangt ist,

kannst Du das mal ein bißchen zusammenfassen, in wenigen Sätzen?

danke im Voraus,
Peter.
Isidor Matamoros versteht den unterstrichenen Kausalsatz (Nr. 47 des Kompendiums) so, als würde das Filoque geleugnet werden, weil der Vater dem Sohn den Heiligen Geist schenkt und infolgedessen Sohn ein durchleitender Kanal sei. Dann stellt er einen Zusammenhang zu dem von der römisch-katholisch Kirche abgefallenen Theologen Joseph Langen her, der, von dem Jesuiten (!) Franzelin interpretiert, ebenfalls den Sohn als durchleitenden Kanal ansieht. Darin sieht Isidor Matamoros den Beweis, dass derr KKK neophotianisch unterwandert ist, eine Irrlehre, die auf Langen rekurriert, der weiters damit rehabilitiert sei. Auf Ursachensuche, also warum sich der Kausalsatz in den KKK eingeschlichen hat, zieht er eine französischsprachige Fehlinterpretation eines Augustinuszitats (im französischen KKK) in Betracht, das absichtlich (vielleicht auch nicht) gefälscht wurde. Insgesamt wird der Versuch unternommen, mit dieser Beweisführung zu zeigen, dass im Vatikan spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Stümper am Werk sind.

Es bleibt die Frage, ob der Kausalsatz tatsächlich nur die Lesart von Isidor Matamoros zulässt und eine solche Beweisführung rechtfertigt.

Des Weiteren stellt sich mir die Frage, inwiefern der Kausalsatz der Formel „zwei hauchende Personen, jedoch ein einziger Spirator“ widerspricht. Es wird doch von einem „ewigen Geschenk“ gesprochen, das ohne Anfang ist. Das heißt, der Sohn tritt in die Hauchung des Vaters ein (das ewige Geschenk), womit die Einzigkeit gewahrt ist. Wieso „durchleitend“?

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 15:18

Isidor Matamoros versteht den unterstrichenen Kausalsatz (Nr. 47 des Kompendiums) so, als würde das Filoque geleugnet werden, weil der Vater dem Sohn den Heiligen Geist schenkt und infolgedessen Sohn ein durchleitender Kanal sei.
Salut,

für meine Lesart spricht, daß sich die N°47 Kompendium auf die N°264 des KKK bezieht. Da hat man nun in der französischen Ausgabe und der niederländischen das Phänomen, daß man auf Augustinus (de Trin. 15, 26, 47) verweist:

(PGL42, Kolumne 1094 unten - 1095 oben).

Nur die französische und die niederländische Ausgabe des KKK verkehren eben diesen Sinn ins Gegenteil, da der Kirchenvater ganz ausdrücklich von der Mitteilung der Hauchkraft innerhalb der Zeugung spricht und er gar nicht mißverstanden werden kann, was er meint.
" „Le Saint-Esprit procède du Père en tant que source première et, par le don éternel de celui-ci au Fils, du Père et du Fils en communion“ (S. Augustin, Trin. 15, 26, 47)

Und auf niederländisch in der N°264 des KKK:

„De Heilige Geest komt voort uit de Vader als eerste bron [Brunnen, Quell, Ursprung] en, door de eeuwige gave van Hem aan de Zoon, uit de Vader en de Zoon tezamen – Der Hl. Geist geht hervor aus dem Vater als seinem Urquell und, durch die ewige Gabe ‚van Hem - von IHM‘ an den Sohn, aus dem Vater und dem Sohn zusammen“.
Man kann das gar nicht anders in diesen sprachlichen Fassungen der N°264 verstehen, als daß hier nicht die Hauchkraft gemeint ist, die verliehen wird, sondern der Geist selbst die Gabe sei, die gegeben wird. In der alten Kirchenväterbibliothek des Kösel-Verlages ist der deutsche Text sehr deutlich:
„… der möge einsehen, daß der Vater, wie er in sich den Grund hat, daß der Heilige Geist von ihm hervorgeht, so es auch dem Sohn verlieh, daß der gleiche Heilige Geist von ihm hervorgeht, und daß beides zeitlos geschieht, daß es ebenso vom Heiligen Geiste deshalb heißt, er gehe vom Vater hervor, weil es der Sohn vom Vater empfing, daß auch vom Sohne der Heilige Geist hervorgeht.“

Und etwas weiter unten:

"Der Sohn aber ist vom Vater geboren, und der Heilige Geist geht urgrundhaft vom Vater und, da dieser es ohne irgendeinen zeitlichen Abstand [dem Sohn nämlich] verleiht, von beiden gemeinsam hervor. "

http://www.unifr.ch/bkv/kapitel2681-25.htm
Das ist gar nicht mißzuverstehen. Die Frage ist also, wie kommt ein solch abwegiger Text in die N°47 des Kompendiums auf dem Umwege über die französische Fassung der N°264 des KKK?

Wieso kann man es denn nicht allgemein so deutlich formulieren, wie Augustinus, auf den man sich auch noch beruft?

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 15:28

Pirmin hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 14:01
Es bleibt die Frage, ob der Kausalsatz tatsächlich nur die Lesart von Isidor Matamoros zulässt und eine solche Beweisführung rechtfertigt.
Stellt man die englische Fassung der N°264 des KKK daneben, so ist sie vollkommen korrekt:
"The Holy Spirit proceeds from the Father as the first principle and, by the eternal gift of this to the Son, from the communion of both the Father and the Son" (St. Augustine, De Trin. 15, 26, 47: PL 42, 1095).
Hingegen ist der englische Text der N°47 des Kompendiums völlig daneben:
He proceeds also from the Son (Filioque) by the eternal Gift which the Father makes of him to the Son. Sent by the Father and the Incarnate Son, the Holy Spirit guides the Church “to know all truth” (John 16:13).
Der spanische Text der n°47 des Kompendiums ist mehr oder weniger akzeptabel:
"por el don eterno que el Padre hace al Hijo. - .. wegen der ewigen Gabe, welche der Vater dem Sohn macht"


Man kann diesen Satz nicht notwendig falsch verstehen.

Italienisch, n°47 Kompendium:
per il dono eterno che il Padre ne fa al Figlio
Das ist etwas unglücklich formuliert, weil man nicht genau sagen könnte, ob "ne" sich reflexiv auf den Vater oder aber auf den Hl. Geist bezieht.

Portugiesisch, n°47:
E procede também do Filho (Filioque), pelo dom eterno que o Pai faz de Si ao Filho.
Etwas unglücklich formuliert, aber es bezieht sich eindeutig reflexiv auf den Vater, der etwas von sich gibt, nämlich eine "ewige Gabe - dom eterno".

Die Formulierung, die in gar keiner Weise zu beanstanden ist und an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, ist der englische Text zur n°264 KKK.

Pirmin
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Pirmin » Donnerstag 11. Januar 2018, 17:23

Nun, das waren meine ersten Gedanken, dass der Ausdruck „ewiges Geschenk“ sicher dafür steht, dass der Vorgang ohne einen zeitlichen Abstand an den Sohn mitgeteilt wird und dass in dem eingangs von dir beanstandeten Kausalsatz der Gedanke an den „inkarnierten Sohn“ als Mensch innerhalb eines zeitlichen Geschehens den Autoren dazu verleitet haben könnte, den Heiligen Geist in der Art eines Objektes zu verdinglichen, also zu etwas gemacht haben könnte, das vom Vater an den Sohn (wie ein Geschenk) weitergegeben wird. Dadurch entsteht vordergründig der Eindruck einer Gabe und nicht etwa der Heilige Geist, dessen Quelle der Vater und somit des Sohnes ist. Allein durch die Begrifflichkeit des „ewigen Geschenks“ war für mich aber dennoch gegeben, dass es sich um einen Vorgang im Überzeitlichen handelt. Vielleicht liegt der Murks bei der deutschen Fassung darin begründet, dass die Autoren, statt eben der Überzeitlichkeit, unbewusst den zu Fleisch gewordenen Jesus und nicht die Person innerhalb der Trinität vor Augen hatten. Vielleicht ist ihnen die Diskrepanz zwischen Nr. 47 Kompendium und Nr. 264 des KKK noch gar nicht aufgegangen, weil inhaltlich unauffällig. Zwischen dem Heiligen Geist als Gabe bzw. als vom Urgrund kommende Hauchkraft zu unterscheiden, ist vermutlich auch nicht immer sonnenklar, wenngleich auch ich natürlich nicht weiß, ob ich immer alles so richtig verstehe. Na ja, das ist auch ein Stück weit normal.

Aber warum eine Doktorarbeit bemühen und eine Irrlehre betonen, die kaum mehr jemanden interessiert? Mache doch einfach die Verantwortlichen darauf aufmerksam, dass bei den KKKs bzw. zwischen den Kompendien und den KKKs besser auf Kongruenz geachtet werden sollte. Und ja, das Englische ist klasse, irgendwie schön.

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Donnerstag 11. Januar 2018, 17:54

Pirmin hat geschrieben:
Donnerstag 11. Januar 2018, 17:23

Aber warum eine Doktorarbeit bemühen und eine Irrlehre betonen, die kaum mehr jemanden interessiert? Mache doch einfach die Verantwortlichen darauf aufmerksam, dass bei den KKKs bzw. zwischen den Kompendien und den KKKs besser auf Kongruenz geachtet werden sollte. Und ja, das Englische ist klasse, irgendwie schön.
Hallo Pirmin,

das sehe ich natürlich bei der weiten Verbreitung, welche die Geist-Christologie mit ihrer Theorie der "trinitarischen Inversion" inzwischen hat, natürlich ganz anders. Siehe meinen Beitrag hier:

viewtopic.php?f=4&t=19306
Außerdem sehe ich da so, daß gerade das Pontifikale Pauls VI. mit der Geist-Christologie schwanger geht, insbesondere ihre sogenannte sakramentale Form mit dem "spiritus principalis", der nicht anderes ist, als das "hegemonikon pneuma" der Stoa.
Diese Infektion, wenn man so will, wird auch deutlich in der N°438 des KKK:
Die Weihe Jesu zum Messias bekundet seine göttliche Sendung. ,,Der Name Christus bedeutet den, der salbt, den, der gesalbt wurde, und die Salbung selbst, mit der er gesalbt wurde. Es salbte aber der Vater, gesalbt wurde der Sohn in dem Geiste, der die Salbung ist" (Irenäus, hæer. 3, 18,3). Seine ewige messianische Salbung wurde in der Zeit seines Erdenlebens bei seiner Taufe durch Johannes geoffenbart, als ihn Gott salbte ,,mit dem Heiligen Geist und mit Kraft" (Apg 10,38), ,,damit er Israel offenbar würde" (Joh 1,31) als sein Messias. Seine Werke und seine Worte bekunden, daß er ,,der Heilige Gottes" ist (Mk 1,24; Joh 6,69; Apg 3,14).
Was denn, wurde es nur offenbar, oder geschah es genau in dem Augenblick? Der lateinische Text des KKK n°438 legt genau das nahe, denn "cum ... cum" schließt immer eine Gleichzeitigkeit ein.
"cum a Ioanne baptizatus est, cum « unxit Eum Deus Spiritu Sancto et virtute"
Anderswo im KKK wird das zwar richtig beschrieben, daß also der Heiland nicht ohne den Hl. Geist zur Taufe im Jordan kam, aber hunderte von Nummern weiter unten. Dieser KKK ist also in sich vollkommen widersprüchlich. Dazu kommt noch, daß so, wie Hippolyt das Schätzchen der Liturgiereformer war, Irenäus der Liebling der Geist-Christologen ist. Und das nur wegen einer einzigen Stelle (Adv. Haer. 3, 18, 3).

Pirmin
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Pirmin » Freitag 12. Januar 2018, 09:27

Ich wollte dich gewiss nicht ausbremsen, eine Promotion anzugehen! (Ich liebäugle ja selbst damit …) 8)

Den evangelischen Theologen Volker Spangenberg führe ich hier jetzt nicht auf, um meine Nähe zur „trinitarischen Inversion“ zu demonstrieren, dennoch möchten seine Überlegungen m. M. n. aufzeigen, wie der Widerspruch der von dir beanstandeten „Infektion“, die du mit der Nr. 438 des KKK belegst, aufzulösen ist. Die Antwort auf deine Frage lautet demnach: Beides. Es wurde offenbar und geschah just im Augenblick.

Hier das entsprechende Zitat aus Spangenbergs Buch „Herrlichkeit des Neuen Bundes“ (1993).

Auch solltest du vielleicht weniger danach streben, einen widerspruchsfreien katholischen Glauben (und seine Überlegenheit) zu suchen. Gedanken sind oft einseitig und mitunter unzureichend, weil man als Mensch allein durch Nachdenken niemals alles Denkbare erfassen kann, somit leicht an Grenzen stößt und sich in Widersprüchen verheddert, die aber durch Liebe und Barmherzigkeit angenommen werden können. (Es ist m. E. n. sogar so, dass je mehr man nachdenkt bzw. alle auffindbaren Quellen abdecken möchte, die Widersprüche zuzunehmen scheinen. Darüber ist schon manch einer verzweifelt.)

Was wurmt dich so an der „trinitarischen Inversion“?

Isidor Matamoros
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Re: Kompendium zum KKK erfindet das Filioque neu

Beitrag von Isidor Matamoros » Freitag 12. Januar 2018, 16:55

Pirmin hat geschrieben:
Freitag 12. Januar 2018, 09:27
Ich wollte dich gewiss nicht ausbremsen, eine Promotion anzugehen! (Ich liebäugle ja selbst damit …) 8)


Auch solltest du vielleicht weniger danach streben, einen widerspruchsfreien katholischen Glauben (und seine Überlegenheit) zu suchen. Gedanken sind oft einseitig und mitunter unzureichend, weil man als Mensch allein durch Nachdenken niemals alles Denkbare erfassen kann, somit leicht an Grenzen stößt und sich in Widersprüchen verheddert, die aber durch Liebe und Barmherzigkeit angenommen werden können.

Was wurmt dich so an der „trinitarischen Inversion“?
Lieber Pirmin,
herzlichen Dank für die lieb gemeinten Ratschläge. Aber ich bin bestimmt nicht allein, denn meine Beiträge fußen auf gemeinschaftlichen Arbeiten, die ich zum Teil im Internet veröffentliche, sowie meine "Mannschaftskameraden" eben auch, und wir unterstützen uns gegenseitig. Ich gehöre, was Dich wenig wundern mag, zum "Klub" von "Rore-sanctifica.org". Und ich arbeite an diesen Themen seit etwa 2004.
Was ich an der "trinitarischen Inversion" nicht mag? Ich denke, da hat Johannes Rothkranz mit seinem Buch "Die Kardinal-Fehler des Hand Urs von Balthasar" vor rund 30 Jahren bereits Vorarbeit geleistet. Dort findest Du meine Zweifel beschrieben. Sie ergeben sich auch aus der Promotion Jörg Webers zu diesem Thema, der bisher einzigen vollständigen kritischen Arbeit zur Geist-Christologie in deutscher Sprache, denn Rothkranz griff damals noch nicht die Geist-Christologie als solche an. Ich habe bereits in einem anderen Beitrage hier den Aufsatz von Karl-Heinz Menke zur Geist-Christologie in der Festschrift für Walter Kasper verlinkt, den mach auch auf Google-Books finden kann. Ich sage das nur wegen des Urheberrechtes.
https://www.dropbox.com/s/fips2z4z4cl5n ... z.pdf?dl=0
Zu Pannenberg: meine Meinung über ihn kannst meiner zu Pfingsten letzten Jahres erschienenen Arbeit entnehmen, die ich bewußt recht kurz gehalten habe. Also nicht böse sein, wenn mein Kapitel über die Geist-Christologie nicht so lang ist, wie Menkes Aufsatz und Jörg Webers Promotion, oder weil ich so wichtige Leute wie Prof. Moltmann und Leonardo Boff nur am Rande erwähne. Aber egal, ob es sich nun um Geist-Christologie im engeren Sinne handelt, oder aber, wie Menke sich ausdrückt, um "pneumatologisch perspektivierte Präexistenzchristologien", das eine wie das andere lehne ich ab.
https://www.dropbox.com/s/1cjmsmw2w89qn ... e.pdf?dl=0

Bucheinband:

https://www.dropbox.com/s/qxupyrfq5gv0b ... d.pdf?dl=0

Du kannst ja in Deiner Arbeit auf meine Bedenken eingehen.

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