Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Isidor Matamoros
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Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Isidor Matamoros » Dienstag 9. Januar 2018, 12:46

Wer hat schon einmal von der Geist-Christologie gehört?

Die Geist-Christologie ist nichts anderes als der theologische Unterbau für die Praxis der neuen charismatischen Bewegung. Ihre Vertreter geben vor, eine besonders schriftgetreue Christologie entwickeln zu wollen, die sich an den Synoptikern orientiert. Wie kann man die Geist-Christologie definieren?

In den Geist-Christologien wird Jesus als Mensch gedacht, der nicht nur wie die Propheten zeitweise vom Geist erfüllt ist, sondern fortwährend. Seine ganze Existenz ist vom Ursprung er durch den Geist bedingt. Er ist voll von Geist durchflutet, ganz durchdrungen, so sehr, daß der Geist von ihm her zu anderen strömen kann. In der Kraft des Geistes nimmt Gott, den Christus, den Geistgesalbten in Besitz, nimmt Wohnung in ihm (Inhabitation) und erfüllt ihn mit dem Logos Gottes. Der Geist ist es somit, der den Logos Gottes vergegenwärtigt, weswegen der Geist nicht aus dem Vater und dem Sohn (ex Patre Filioque) hervorgeht, vielmehr ist der Sohn aus Vater und Geist (ex Patre Spirituque).

Man lese dazu: Menke, Karl-Heinz: „Das heterogene Phänomen der Geist-Christologie“, ein Aufsatz erschienen in einer Festschrift zum 80. Geburtstag von Walter Kardinal Kasper: „Mein Herr und mein Gott – Christus bekennen und verkünden“, Hrsg. George Augustin, Klaus Krämer, Markus Schulze. Freiburg, Basel, Wien 2013.
Der Aufsatz ist auch auf Google-Books zu erreichen!

https://www.dropbox.com/s/fips2z4z4cl5n ... .pdf?dl=0

Da es sich um eine Festschrift handelt, stellt Menke schlußendlich lobhudelnd klar, daß natürlich Walter Kasper die ausgereifteste Form der Geist-Christologie zu bieten hat.

Was fällt daran spontan auf? Der Heilige Geist wird nicht nur als Wirkursache der Menschwerdung des Sohnes durch Appropriation gesehen, sondern ist der Geist-Christologie zufolge das formale Prinzip der Messianität Jesu Christi. Nicht mehr hat der ewige Sohn die Menschheit angenommen, sondern ein Mensch wird im Grunde durch den Geist adoptiert. Das läuft bestenfalls auf den Nestorianismus hinaus, oder sogar auf den dynamistischen Monarchianismus und Adoptianismus. Die Dynamis ist jene Kraft die dieser Theorie zufolge als Geist Jesus von Nazareth in Besitz nimmt, - oft wird dieses Ereignis mit der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes identifiziert -, um ihn sodann durch diesen Akt der Adoption mit der Monarchie des Vaters und damit einpersönlichen Gottes zu verbinden.

Schon auf dem Konzil von Ephesus wurde folgender Satz gegen Nestorius im Kanon 9 der 12 Verurteilungen, die der hl. Cyrill v. Alexandrien formulierte festgehalten:
"Wer behauptet, der Herr habe Zeichen und Wunderwerke ausgeübt kraft eines ihm von außen verliehenen Geistes, so als wäre es nicht sein eigener Geist gewesen, der von ihm wäre, der sei ausgeschlossen." ( Denz.121, canon 9. Si quis ait unum Dominum Iesum Christum glorificatum a Spiritu quasi aliena virtute, quae per eum est, utens, et ab ipso accepisse operari posse contra spiritus immundos et adimplere in homines deitatis miracula et non magis proprium eius esse Spiritum dicit, per quem et operatus est deitatis signa, an. s.)


Joseph Lécuyer, der Generalobere der Väter vom Heiligen Geist und Nachfolger Erzbischof Marcel Lefèbvres auf diesem Posten veröffentlichte schon in den 1950er Jahren Artikel, die ihn als Geist-Christologen auswiesen. Er war der Auffassung, daß der Heiland erst im Jordan zum Messias konsekriert worden sei, als Johannes ihn taufte. Dieser Lécuyer wurde später unter Annibale Bugnini der Redakteur der neuen Bischofsweihe, in welche er seine Geist-Christologie hineinarbeite, insbesondere in die Form zur Handauflegung selbst.

Der Zusammenhang ist hier in dieser Broschüre dargestellt, was unter diesem Link ansehen kann:

https://www.dropbox.com/s/qtis8kq090ye9 ... .docx?dl=0

Das Deckblatt der Broschüre:

https://www.dropbox.com/s/876n1w4c42ktq ... e.pdf?dl=0

Ob nun einer den neuen Ritus der Bischofsweihe für gültig hält oder nicht: an der Tatsache, daß sie durch die Geist-Christologie geprägt ist und das nicht zufällig, führt kein Weg vorbei.

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Raphael
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Re: Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Raphael » Dienstag 9. Januar 2018, 13:19

Isidor Matamoros hat geschrieben:
Dienstag 9. Januar 2018, 12:46
Wer hat schon einmal von der Geist-Christologie gehört?
............
Das alles sollte man auf dem Hintergrund der Dreizeitenlehre des Joachim von Fiore betrachten! :huhu:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Isidor Matamoros
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Re: Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Isidor Matamoros » Dienstag 9. Januar 2018, 13:26

Genau so ist es!

:cowboy:

Isidor Matamoros
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Re: Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Isidor Matamoros » Dienstag 9. Januar 2018, 18:22

Ein schönes Beispiel für "liturgisch gelebte" Geist-Christologie bietet die sogenannte Lima-Liturgie, die auf Max Thurian, einem prominenten Mitglied der Taizé-Bewegung zurückgeht.

Diese Liturgie soll eine Art von Konsens-Messe darstellen und überkonfessionell zelebriert werden. Der "Ökumenische Rat der Kirchen" hat sie schon seit Jahrzehnten rezipiert. In dieser Liturgie wird wiederholt der Gedanke strapaziert, daß Jesus erst zum Christus wurde bei seiner Taufe im Jordan.

Aus dem Kollektengebet:


"Du hast Deinen geliebten Sohn mit dem Heiligen Geist gesalbt
bei seiner Taufe am Jordan und ihn zum Propheten, Priester und König eingesetzt:"



Interessant, der Heiland erhielt messianische Würden bei seiner Taufe, so als hätte er sie vorher nicht gehabt.

Aus der Präfation:

[i
]"Er empfing die Taufe und wurde eingesetzt zu Deinem Diener,"
[/i]

Das ganze kann man sich hier anschauen:

https://www.oikoumene.org/de/resources/ ... nguage=de

Übrigens wird im nachkonziliaren Taufritus zur Konsekration des Taufwassers genau so verfahren:

"Er wurde von Johannes im Jordan getauft und von dir gesalbt mit Heiligem Geiste."


Auf Seite 23 in einer Handreichung des Bistums Münster:

http://www.bistum-muenster.de/downloads ... _nov09.pdf

Im englischen Text verstärkt sich der Eindruck noch eine wenig mehr:

"In the waters of the Jordan your Son was baptized by John and anointed with the Spirit - In den Wassern des Jordan wurde dein Sohn von Johannes getauft und mit dem Geist gesalbt"


Die Geist-Christologie ist überall gegenwärtig und keiner merkt es!

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Petrus
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Re: Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Petrus » Dienstag 9. Januar 2018, 18:57

Isidor Matamoros hat geschrieben:
Dienstag 9. Januar 2018, 18:22
Ein schönes Beispiel für "liturgisch gelebte" Geist-Christologie bietet die sogenannte Lima-Liturgie, die auf Max Thurian, einem prominenten Mitglied der Taizé-Bewegung zurückgeht.

Diese Liturgie soll eine Art von Konsens-Messe darstellen und überkonfessionell zelebriert werden. Der "Ökumenische Rat der Kirchen" hat sie schon seit Jahrzehnten rezipiert.
vorab: die "Lima-Liturgie" ist mir ein Begriff.
Frage: wird diese Liturgie auch gefeiert?

wenn ja: wo?
wenn nein: warum nicht?
fr. petrus, OCant.

Isidor Matamoros
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Re: Was ist Geist-Christologie? Eine neumodische Häresie! Geist-Christologie und Pontifikale Pauls VI.

Beitrag von Isidor Matamoros » Dienstag 9. Januar 2018, 20:57

In Taizé wird sie gefeiert und bei Anläßen des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Ansonsten ist die Ähnlichkeit mit dem N.O.M. offensichtlich.

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