Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

Pilgerer
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Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Pilgerer » Freitag 22. September 2017, 16:58

Was war das Herz des jüdischen Tempels und was ist das Herz des katholischen Kirchengebäudes? Es ist offensichtlich das Allerheiligste. Dazu gibt es von Hesekiel diese Prophezeiung:
17 Darum sage: So spricht Gott der HERR: Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israels geben.
18 Dorthin sollen sie kommen und alle seine Götzen und Greuel daraus wegtun.
19 Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen ein fleischernes Herz geben,
20 damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. (Hesekiel 11)
Und noch deutlicher in Hesekiel 36:
24 Denn ich will euch aus den Völkern herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in euer Land bringen,
25 und ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.
26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben.
27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.
Die 10 Gebote waren das Kernstück der israelitischen Bundeslade:
4 Da schrieb er auf die Tafeln, wie die erste Schrift war, die Zehn Worte, die der HERR zu euch geredet hatte mitten aus dem Feuer auf dem Berge zur Zeit der Versammlung; und der HERR gab sie mir.
5 Und ich wandte mich und ging vom Berge herab und legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte, und sie blieben darin, wie mir der HERR geboten hatte. (5. Mose 10)
Die Bundeslade stand im Allerheiligsten des Tempels: "19 Das Allerheiligste machte er im Innern des Hauses, damit man die Lade des Bundes des HERRN dahin stellte." (1. Könige 6,19)

Dies steinerne Gesetz der Israeliten wurde nun durch ein fleischernes ersetzt, wie das katholische Tabernakel zeigt: http://www.kathpedia.com/index.php?titl ... d_Funktion
Daraus folgt allerdings, dass es vom Ursprung der Kirche her dies das Gesetz der Kirche ist. Denn wie Paulus schreibt, macht Gott uns frei sowohl vom Gesetz der Sünde als auch vom Gesetz des Buchstabens. Jesus Christus ist das (fleischerne) Gesetz und Herz der Christen geworden. Er zeigt die Normen und gibt zugleich die Kraft, die Normen umzusetzen. Buchstaben oder Logik können dies Können nicht schaffen, sondern das schafft der Sohn Gottes. Dazu kann der Wille Gottes durch das personale und fleischerne Gesetz viel klarer und präziser vermittelt werden, als es Buchstaben mit ihrer teils groben Aussagekraft vermögen.
Diese Aspekte sind im Lauf der Kirchengeschichte etwas in Vergessenheit geraten durch den Drang, sich an Buchstaben festhalten zu wollen. Dabei ist der Zugang zu dem fleischernen Gesetz für jedermann leicht. Es ist dafür kein Theologiestudium notwendig. Denn der HERR spricht eine intuitive Sprache, die jeder versteht. Und da auch der einzelne menschliche Leib ein Tempel = Kirche des HERRN ist, ist auch da dies Allerheiligste, in das der HERR Jesus gerne einziehen möchte, um Gesetz und Antrieb des Menschen zu werden.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

Tinius
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Tinius » Freitag 22. September 2017, 23:16

:vogel:

Pilgerer
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 24. September 2017, 17:19

Diese Thematik ist für die Kirche von ihren Ursprüngen her sehr bedeutsam. Indem im Lauf der Geschichte nicht mehr der HERR Jesus Christus das Gesetz der Kirche ist, sondern Buchstaben, begibt sich die Kirche in eine erneute Gefangenschaft des Buchstabens. "der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig." (2. Korinther 3,6). Die Herrschaft der Kleriker, Theologen und christlichen Pharisäer tritt an die Stelle der freimachenden persönlichen Herrschaft Christi. Das verdunkelt das Gottesbild der Christen und schafft eine Ursache für viele wiederkehrende Sünden innerhalb der so geführten Kirche.
Dadurch tritt der kirchliche Notstand ein, der die Reformation notwendig machte. Denn die Reformation stellte die ursprüngliche Ordnung auf der innerlichen, individuellen Ebene her: dass Jesus Christus Gesetz und Gerechtigkeit der Christen ist. Zwar fehlt in den Kirchengebäuden der Reformation das Allerheiligste mit der immerwährenden personellen Präsenz Christi, aber dafür wird Christus als Person (statt als verdinglichter Gegenstand) verehrt und zum Antreiber des Christen. Deshalb ergibt sich die Notwendigkeit der Buße/Umkehr in der römisch-katholischen Kirche, damit sie wieder werde, wie Gott sie gegründet hat: Auf Christus als dem sogar leiblich allgegenwärtigen lebendigen (und personalem!) Stein, auf den ebenfalls lebendigen Stein Petrus und die ganze daran anknüpfende lebendige Kirche.

Martin Luther:
ich setze es gar auf Christum, und sage: meine formalis Justitia, das ist, gewisse, beständige, vollkommene Gerechtigkeit, daran kein Mangel noch Fehl ist, sondern ist wie sie vor Gott seyn soll, die ist Christus mein Herr. Auf daß ich mich also frei mache, und herauswirke von dem Anblick des Gesetzes, und der Werke, ja auch von dieses Christi, der mir vorkömmt, und verstanden wird, als sey er entweder ein Lehrer oder Geber. Nicht also, sondern ich will, daß er selbst meine Gabe und Lehre sey, daß ich alles in ihm habe, wie er spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben: Sagt nicht, ich weise oder gebe dir den Weg, die Wahrheit und das Leben, als würket er solches in mir, und wäre doch anderswo außer mir; nein, in mir soll er seyn, bleiben, leben, reden, 2. Kor. 5, auf daß wir würden in ihm, in Christo die Gerechtigkeit die nur Gott giebt.
http://briefe.glaubensstimme.de/1599/12 ... -brentius/
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Raphael
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Raphael » Sonntag 24. September 2017, 17:50

Tinius hat geschrieben:
Freitag 22. September 2017, 23:16
:vogel:
Ein wahrlich wortmächtiger Beitrag! :roll:

Das ist also die Tradition der Reformation nach 500 Jahren? :pfeif:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Pilgerer
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 26. September 2017, 20:13

Eigentlich wollte ich zeigen, welchen Schatz die katholische Kirche hat, auch wenn sie ihn nicht immer so würdigt, wie es sich gehört. Als Christen glauben wir an einen personalen Gott, und das gilt auch für den Sohn, wenn Er leiblich gegenwärtig ist. Er will das Herz und Gesetz Seiner Kirche sein. Als Person, als Mensch, als Gott, als Hirte, als Lehrer.

ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zur Festversammlung (Hebräer 12,22)
22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. (Offenbarung 21,22)
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Petrus » Mittwoch 27. September 2017, 10:35

Pilgerer hat geschrieben:
Freitag 22. September 2017, 16:58
Hesekiel
das heißt neuerdings "Ezechiel". Auch bei Euch.

bittschön:

https://www.die-bibel.de/fileadmin/user ... linien.pdf

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Raphael
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Raphael » Mittwoch 27. September 2017, 15:43

Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 26. September 2017, 20:13
Eigentlich wollte ich zeigen, welchen Schatz die katholische Kirche hat, auch wenn sie ihn nicht immer so würdigt, wie es sich gehört. Als Christen glauben wir an einen personalen Gott, und das gilt auch für den Sohn, wenn Er leiblich gegenwärtig ist. Er will das Herz und Gesetz Seiner Kirche sein. Als Person, als Mensch, als Gott, als Hirte, als Lehrer.

ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zur Festversammlung (Hebräer 12,22)
22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. (Offenbarung 21,22)
Laß Dich von diesem Bemühen nicht durch unqualifizierte Kritik abbringen! :ja:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Pilgerer
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Re: Hesekiel: Jesus Christus als fleischernes Herz der Kirche

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 28. September 2017, 11:37

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 27. September 2017, 15:43
Laß Dich von diesem Bemühen nicht durch unqualifizierte Kritik abbringen!
Danke! Es ist ja so, wenn Jesus Christus die christliche Gesetzesquelle ist, haben wir ein göttlich-menschliches Gesetz. Das bewirkt, dass er uns zur Menschlichkeit führt, die vor Gott nahezu identisch mit Gerechtigkeit ist.
Deshalb verfehlt es die göttliche Gerechtigkeit, wenn sie auf "lineare Logik" reduziert wird, die in Buchstabenform für gewöhnlich vollzogen wird. Zudem ist es für den einfachen Christen, der nicht Theologie studieren will und keine dicken Bücher lesen will, einfacher, einfach sich auf Jesus Christus zu verlassen, der realgegenwärtiges Vorbild und Quelle der Gerechtigkeit ist. Das ist nicht kompliziert, dazu ist auch kein großes Nachdenken notwendig, sondern ein Erleben des personalen HERRN und Lernen daraus/damit.

Dazu passt auch, was Clemens von Alexandrien im Paidagogos über den Logos als Erzieher schrieb:
1. Unser Erzieher, meine Kinder, gleicht Gott, seinem Vater, dessen Sohn er ist; er ist sündlos, ohne Tadel und ohne Leidenschaften der Seele, ein unbefleckter Gott in der Gestalt eines Menschen, dem väterlichen Willen dienstbar, der Logos Gott, der in dem Vater ist,1 der zur Rechten des Vaters ist,2 der Gott ist auch in Menschengestalt.
3. Wie also die körperlich Kranken einen Arzt brauchen, so haben die seelisch Leidenden einen Erzieher nötig, damit er unsere Leidenschaften heile und uns dann in die Schule des Lehrers führe, indem er die Seele reinigt und für die Erkenntnis empfänglich macht, so daß sie die Offenbarung des Logos in sich aufnehmen kann. Da er aber bestrebt ist, uns in heilsamem, stufenweisem Fortschreiten zur Vollkommenheit zu führen, verwendet der in jeder Hinsicht liebreiche Logos die vortreffliche und für eine wirksame Ausbildung zweckmäßige Erziehungsweise, indem er zuerst ermahnt, dann erzieht und zuletzt lehrt.
http://www.unifr.ch/bkv/buch198.htm
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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