Geheimhaltung von Wundern

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

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Geheimhaltung von Wundern

Beitrag von 139:11-12 » Montag 31. Juli 2017, 20:17

In den Evangelien findet man nach Heilungswundern immer wieder Jesu Gebot an die Geheilten, weiterzuerzählen, was ihnen geschehen war. Zum Beispiel Mt 9:30. (Um alle Stellen rauszusuchen bin ich jetzt zu faul, aber ich denke ihr wisst auch so, was ich meine.)

Was meint ihr, warum?

Wollte er nicht auf sein Wunderwirken reduziert werden?

Wollte er die Geheilten vor religiöser Verfolgung schützen?

Wollte er insgesamt deeskalierend wirken?

...?

RomanesEuntDomus
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Re: Geheimhaltung von Wundern

Beitrag von RomanesEuntDomus » Montag 31. Juli 2017, 22:32

Ein paar Gedanken dazu:

Wunder haben den Nachteil, daß sie für sich genommen keinerlei Rückschluß auf den Urheber zulassen. Auch widergöttliche Mächte können Wunder wirken. Das Wunder an sich besitzt also keinerlei Aussagekraft: es sagt gar nichts aus.

Schon das AT erwähnt regelrechte "Wunder- und Zauberwettbewerbe" zwischen Gottes- und Götzendienern, z.B. ...
Als Mose und Aaron zum Pharao kamen, taten sie, was ihnen der Herr aufgetragen hatte: Aaron warf seinen Stab vor den Pharao und seine Diener hin, und er wurde zu einer Schlange. Da rief auch der Pharao Weise und Beschwörungspriester, und sie, die Wahrsager der Ägypter, taten mit Hilfe ihrer Zauberkunst das gleiche. Jeder warf seinen Stab hin und die Stäbe wurden zu Schlangen. ... [Ex 7,10f]
... und so wird es weitergehen bis zu den letzten Tagen:
Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten, und sie werden Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, die Auserwählten irrezuführen. [Mk 13,22]
(Die prinzipielle Mehrdeutigkeit von Wundern, was den Urheber angeht, kannten und benutzten auch die Gegner Jesu in ihrem Sinne: "Er treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus ...".)

Romanus
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Re: Geheimhaltung von Wundern

Beitrag von Romanus » Dienstag 1. August 2017, 09:27

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 20:17
In den Evangelien findet man nach Heilungswundern immer wieder Jesu Gebot an die Geheilten, weiterzuerzählen, was ihnen geschehen war. Zum Beispiel Mt 9:30. (Um alle Stellen rauszusuchen bin ich jetzt zu faul, aber ich denke ihr wisst auch so, was ich meine.)

Was meint ihr, warum?

Wollte er nicht auf sein Wunderwirken reduziert werden?

Wollte er die Geheilten vor religiöser Verfolgung schützen?

Wollte er insgesamt deeskalierend wirken?

...?
Müsste es nicht heißen: „In den Evangelien findet man nach Heilungswundern immer wieder Jesu Gebot an die Geheilten, nicht weiterzuerzählen, […].“

Mich hat das auch beschäftigt. Zu dem, was ich von Jesus erkannt habe, finde ich das Gebot unschlüssig. Den Evangelisten ging es wohl darum, darauf hinzuweisen, dass die Nachfolge kein einfacher Wunderglaube ist.
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

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