Gottes Macht

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Raphael
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Gottes Macht

Beitrag von Raphael » Dienstag 15. August 2017, 11:31

Frage: Kann Gott Böses in Gutes wandeln?

Antwort: Ja, denn Gottes Macht ist unbegrenzt!

Beleg: Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1, 37)
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: Gottes Macht

Beitrag von 139:11-12 » Dienstag 15. August 2017, 12:06

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet

Dietrich Bonhoeffer

Pilgerer
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Re: Gottes Macht

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 15. August 2017, 12:10

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 11:31
Frage: Kann Gott Böses in Gutes wandeln?

Antwort: Ja, denn Gottes Macht ist unbegrenzt!

Beleg: Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1, 37)
Was ist Böses? Was ist Gutes?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von 139:11-12 » Dienstag 15. August 2017, 12:13

Naja, zum Beispiel die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern, da sagt Joseph auch am Ende (sinngemäß) zu seinen Brüdern: Ihr habt mir etwas Böses tun wollen, aber Gott hat etwas Gutes daraus gemacht. (vgl.1.Mo 50:20)

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Raphael
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Re: Gottes Macht

Beitrag von Raphael » Dienstag 15. August 2017, 17:18

Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 12:10
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 11:31
Frage: Kann Gott Böses in Gutes wandeln?

Antwort: Ja, denn Gottes Macht ist unbegrenzt!

Beleg: Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1, 37)
Was ist Böses? Was ist Gutes?
Wieso fragst Du das, wo Dir die Antwort doch ins Herz geschrieben worden ist? :hmm:
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: Gottes Macht

Beitrag von 139:11-12 » Dienstag 15. August 2017, 17:52

So ganz unberechtigt scheint mir die Frage nicht zu sein: Geht es um das Böse, was ich tue? Oder um das, das mir widerfährt?

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 15. August 2017, 19:37

Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 17:18
Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 12:10
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 11:31
Frage: Kann Gott Böses in Gutes wandeln?

Antwort: Ja, denn Gottes Macht ist unbegrenzt!

Beleg: Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1, 37)
Was ist Böses? Was ist Gutes?
Wieso fragst Du das, wo Dir die Antwort doch ins Herz geschrieben worden ist? :hmm:
OK, ich versuche mal eine Antwort: Böse ist das, was gegen die (aktive) Schöpfung Gottes gerichtet ist. Es ist dem Logos (der ständig die Schöpfung betreibt) ungehorsam und versucht, darin eine Lücke zu schaffen, wo der Logos nicht ist. Weil nun die Geschöpfe Teil der Schöpfung sind, können sie eigentlich das Böse dieser Art nicht erschaffen. Ein Geschöpf müsste schon zu einem Nichtgeschöpf werden, um das zu schaffen. Das ist aber unmöglich. Deshalb gibt es keine Existenz des Bösen in Gottes Schöpfung.
Was möglich ist, sind Täuschungen, Wahn- oder Irrbilder, die die Möglichkeit des Bösen beinhalten. Modern gesprochen könnten wir das auch "Wirklichkeitskonstruktionen" nennen. Erst wenn ein Geschöpf also in sich die Nebenrealität gebildet hat, dass es gegen die Schöpfung Gottes handeln könnte (obwohl es das nicht kann), kann es im Rahmen dieser Nebenrealität aus seiner Sicht Böses schaffen.
Folglich existiert das Böse nur aus Sicht des irrenden Geschöpfes, nicht aus der Sicht Gottes. Das ähnelt einem Verfolgungswahn bei Paranoiden, die in ihrem Weltbild Verfolgung sehen, die aber für andere nicht existiert.
Wir können also sagen, dass das Böse nicht existiert. Jedoch brauchen wir als Sünder auch das Erleben dieser Realität, damit sie unser ganzes organisches Wesen erfasse. Darum ist das Licht der Wahrheit in Jesus Christus Mensch geworden, damit Er uns den erlebenden Glauben an das (allein existierende) Gute zurück geben kann. "Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen".

Das Gute ist das Tun des Schöpfungsimpulses Gottes. Wie Paulus sagt, sehnt sich die Schöpfung danach, dass die Kinder Gottes sichtbar werden, die Sein Handeln verinnerlichen. Darum ist der Gehorsam gegenüber Gott notwendig. Allerdings kann der normale Mensch Gottes Wort nicht ganz verstehen, darum ist Jesus Christus der Mittler des neuen Bundes, der die Herrlichkeit des Vaters und des Allerheiligsten im ewigen himmlischen Tempel uns vermittelt und dadurch den Vorhang zwischen Himmel und Erde durchbricht. Er offenbart das Feuer des göttlichen Willens und was Gutes ist. Das Gute umfasst sowohl das Wissen, was gut ist, als auch die seelische Kraft, dies umzusetzen. Der Logos gibt beides, während die Unabhängigkeit vom Logos beides nimmt. Er ist Mund und Arm Gottes.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Raphael » Mittwoch 16. August 2017, 09:19

Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 19:37
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 17:18
Pilgerer hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 12:10
Raphael hat geschrieben:
Dienstag 15. August 2017, 11:31
Frage: Kann Gott Böses in Gutes wandeln?

Antwort: Ja, denn Gottes Macht ist unbegrenzt!

Beleg: Denn für Gott ist nichts unmöglich. (Lk 1, 37)
Was ist Böses? Was ist Gutes?
Wieso fragst Du das, wo Dir die Antwort doch ins Herz geschrieben worden ist? :hmm:
OK, ich versuche mal eine Antwort: Böse ist das, was gegen die (aktive) Schöpfung Gottes gerichtet ist. Es ist dem Logos (der ständig die Schöpfung betreibt) ungehorsam und versucht, darin eine Lücke zu schaffen, wo der Logos nicht ist. Weil nun die Geschöpfe Teil der Schöpfung sind, können sie eigentlich das Böse dieser Art nicht erschaffen. Ein Geschöpf müsste schon zu einem Nichtgeschöpf werden, um das zu schaffen. Das ist aber unmöglich. Deshalb gibt es keine Existenz des Bösen in Gottes Schöpfung.
Was möglich ist, sind Täuschungen, Wahn- oder Irrbilder, die die Möglichkeit des Bösen beinhalten. Modern gesprochen könnten wir das auch "Wirklichkeitskonstruktionen" nennen. Erst wenn ein Geschöpf also in sich die Nebenrealität gebildet hat, dass es gegen die Schöpfung Gottes handeln könnte (obwohl es das nicht kann), kann es im Rahmen dieser Nebenrealität aus seiner Sicht Böses schaffen.
Folglich existiert das Böse nur aus Sicht des irrenden Geschöpfes, nicht aus der Sicht Gottes. Das ähnelt einem Verfolgungswahn bei Paranoiden, die in ihrem Weltbild Verfolgung sehen, die aber für andere nicht existiert.
Wir können also sagen, dass das Böse nicht existiert. Jedoch brauchen wir als Sünder auch das Erleben dieser Realität, damit sie unser ganzes organisches Wesen erfasse. Darum ist das Licht der Wahrheit in Jesus Christus Mensch geworden, damit Er uns den erlebenden Glauben an das (allein existierende) Gute zurück geben kann. "Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen".

Das Gute ist das Tun des Schöpfungsimpulses Gottes. Wie Paulus sagt, sehnt sich die Schöpfung danach, dass die Kinder Gottes sichtbar werden, die Sein Handeln verinnerlichen. Darum ist der Gehorsam gegenüber Gott notwendig. Allerdings kann der normale Mensch Gottes Wort nicht ganz verstehen, darum ist Jesus Christus der Mittler des neuen Bundes, der die Herrlichkeit des Vaters und des Allerheiligsten im ewigen himmlischen Tempel uns vermittelt und dadurch den Vorhang zwischen Himmel und Erde durchbricht. Er offenbart das Feuer des göttlichen Willens und was Gutes ist. Das Gute umfasst sowohl das Wissen, was gut ist, als auch die seelische Kraft, dies umzusetzen. Der Logos gibt beides, während die Unabhängigkeit vom Logos beides nimmt. Er ist Mund und Arm Gottes.
Nun, in den Ausführungen wird offenbar versucht, der Problemlage einen intellektualistischen Anstrich zu geben. Die Wahrheit ist aber viel einfacher: Das Geschöpf, was das Böse in die Schöpfung gebracht hat, ist der Mensch selber!

Wenn man dies nun - in etwas unzulässiger Weise verkürzt - zusammenfaßt, dann lautet die Botschaft: Das Böse ist der Mensch! :auweia:

Die unzulässige Verkürzung entsteht dadurch, daß der Mensch eben nicht nur böse ist, sondern auch gut sein kann. Das Böse im Menschen zerstört nicht die gute Wurzel, die ihm von Gott einbeschaffen worden ist. Gut ist er, wenn er seinen Willen mit dem Willen Gottes parallelisiert. Genau dies hat Jesus Christus in seinem Leben verwirklicht und ist damit nicht nur ER selber gewesen, sondern auch zum Prototyp des Christen geworden.

Der Hang zum Bösen, die Konkupiszienz, wohnt dem Menschen inne und die lebenslange Aufgabe des Christen ist es, diesem Hang entgegenzuwirken. Unterstützt wird er in diesem Kampfe durch die Sakramente der Kirche, die als Heilmittel Verwundungen im geistigen Kampfe beseitigen können.
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 16. August 2017, 12:10

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 09:19
Das Geschöpf, was das Böse in die Schöpfung gebracht hat, ist der Mensch selber!
So ungefähr ja. Der eigentliche Anfang liegt beim Satan, der offenbar eine Rolle dabei spielte. Denn indem der Mensch nicht auf Gott schaut, sondern mehr auf seine eigenen Gedanken, gibt er der "Schlange" oder dem Satan Macht über sein Denken. In diesen Momenten können Gedankenkreise entstehen, die das Böse erschaffen können, das aber immer noch eine Illusion bleibt. Das ist die "babylonische Gefangenschaft", aus der Gott uns befreien will, in der wir je nach Person und Gruppe etc. teils noch drin stecken, weil der Auszug aus der babylonischen Gefangenschaft etwas anspruchsvoll ist.
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 09:19
Die unzulässige Verkürzung entsteht dadurch, daß der Mensch eben nicht nur böse ist, sondern auch gut sein kann.
Jedoch bleibt das Böse eine Illusion, es hat keine eigenständige Existenz, weil es von Gott nicht geschaffen hat und auch sonst von niemandem geschaffen werden kann. Das heißt, sobald ich an das Böse glaube, ob im Menschen oder anderswo, beginne ich schon an dieser Illusion und am Bösen teilzuhaben. Darum ist das "jüngste Gericht" umso strenger, je strenger jemand im allgemeinen richtet. Denn wer streng richtet, zeigt damit, dass er sehr stark an das Böse glaubt. Es sollte aber das Ziel sein, das Gute zu erwecken.

Gott hat das jüdische und christliche Opfersystem geschaffen, um das Böse zu besiegen. Im jüdischen Opfer leidete ein unschuldiges, "gutes" Geschöpf (Schaf, Stier, Taube, ...) für die bösen Werke der Menschen. Im christlichen Opfer leidet der unschuldige Gott als Mensch für die bösen Werke der Menschen. Er lässt sie an sich geschehen und damit ein Ende finden. Seine Wunden heilen die Wunden derer, die ihn verletz(t)en. "durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jesaja 53,5)
Zugleich nimmt Jesus auch die Illusionen auf sich, denen die Menschen unterliegen, wenn sie an das Böse glauben. Denn dieser Glaube an das Böse ist die Wurzel des Bösen, und wenn diese besiegt ist, wird auch das Böse besiegt. Jesus ist das von Gott offenbarte Gute. Er ist die Wahrheit, die unsere falschen Vorstellungen überwindet.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Romanus » Mittwoch 16. August 2017, 14:45

Pilgerer hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 12:10
Denn indem der Mensch nicht auf Gott schaut, sondern mehr auf seine eigenen Gedanken, gibt er der "Schlange" oder dem Satan Macht über sein Denken. In diesen Momenten können Gedankenkreise entstehen, die das Böse erschaffen können, das aber immer noch eine Illusion bleibt.

Die Unterscheidung der Geister heißt letztlich, auf die eigenen Gedanken zu schauen, um die guten von den bösen zu unterscheiden. Erst in einem nächsten Schritt, wenn über das Denken aktiv hinausgegangen wird, wird sich entweder das Gute (für das ich mich in Freiheit entschieden habe) oder das Böse (das mich in Versuchung geführt hat) materialisieren. Umzukehren heißt im Zusammenhang, der Versuchung zu widerstehen. Der Ursprung der Versuchung liegt wiederum in den durch Gedankenspiralen ausgelösten Emotionen wie Wut, Hass und Neid, die durch impulsives, nervöses und ungeduldiges Befinden begünstig werden.
Pilgerer hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 12:10
Jedoch bleibt das Böse eine Illusion, es hat keine eigenständige Existenz, weil es von Gott nicht geschaffen hat und auch sonst von niemandem geschaffen werden kann. Das heißt, sobald ich an das Böse glaube, ob im Menschen oder anderswo, beginne ich schon an dieser Illusion und am Bösen teilzuhaben.

Ich bin mir nicht sicher, allerdings spiegelt die katholische Taufliturgie bei der Erwachsenentaufe und der Tauferneuerung wieder, dass die katholische Kirche an das personifizierte Böse glaubt. Leider habe ich keine Belegstelle, aber seit dem Kirchenlehrer Augustinus soll zumindest ein Teil der katholischen Geistlichen nicht mehr an eine von Gott stammende Personalität des Teufels glauben. Dass die Evangelien von Satan und Teufel berichten, die Jesus in Versuchung geführt haben, sagt weniger etwas darüber aus, dass Jesus selbst an den Teufel geglaubt hätte, sondern dass dieser um die menschlichen Schwächen und die Psyche wusste:

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.“ (Hebräer 4, 15)

Jesus Christus hat die „Grenze“ zwischen „Böses denken“ und „Böses tun“ in der Wüste erfahren, aber nicht überschritten.
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 16. August 2017, 23:26

Romanus hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 14:45
Die Unterscheidung der Geister heißt letztlich, auf die eigenen Gedanken zu schauen, um die guten von den bösen zu unterscheiden. Erst in einem nächsten Schritt, wenn über das Denken aktiv hinausgegangen wird, wird sich entweder das Gute (für das ich mich in Freiheit entschieden habe) oder das Böse (das mich in Versuchung geführt hat) materialisieren.
Nun will Gott uns ins Reich Gottes zurück führen, das aus der Gemeinschaft mit Ihm besteht, wie sie im Paradies bestand. Aus dieser Gemeinschaft wächst christliche Erkenntnis. So auch Erkenntnis von gut und böse. Eigenes Denken oder Nachdenken kann erst dann furchbar sein, wenn es in der genannten Gemeinschaft mit Gott geschieht. Sie schenkt Weisheit, denn Christus ist Gottes offenbarte Weisheit (1. Korinther 1,24).
Da wir berufen sind, mit Blick auf den Himmel zu leben, ist das Gute auch vom Himmel her zu definieren. Das zeigen die Bergpredigt und ähnliche Stellen der Evangelien, die eine himmlische Ethik vermitteln, die in unserer Welt "unpraktisch" oder "unrealistisch" sein mag, aber ein Stück Himmel schon erahnen lässt. Grundsätzlich führt auch die Gemeinschaft mit Gott zu dieser Art von Ethik, die ein Zeichen dafür ist, dass das Evangelium von Gott kommt.
Das ist zu unterscheiden von der in der Kirchengeschichte dominierenden "bürgerlichen Ethik", die diese Reinheit nicht hatte, sondern von den Interessen der politisch-religiösen Machthaber durchdrungen war. Es gab aber im monastischen Stand oder den den radikalprotestantischen Friedenskirchen immer wieder Bewegungen, die himmlische Ethik in der vergänglichen Welt so weit wie möglich zu befolgen.
Romanus hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 14:45
Ich bin mir nicht sicher, allerdings spiegelt die katholische Taufliturgie bei der Erwachsenentaufe und der Tauferneuerung wieder, dass die katholische Kirche an das personifizierte Böse glaubt.
Den persönlichen Satan gibt es nach meiner Erfahrung tatsächlich, auch wenn es heute ein Tabu ist. Er ist eine Art Engel, der sich schon vor der Erschaffung der Menschen dem Bösen zuwandte. Es gab also schon vor der Erschaffung des Menschen ein Wesen, das diesen Weg ging. Und es war, wie die 1. Mose 3 zeigt, schon Teil der menschlichen Natur, weshalb es passieren konnte, dass der Satan dort sein Unwesen treiben konnte.
Unabhängig davon, dass das Böse von Gott nicht geschaffen hat und eigentlich keine eigene ontologische Existenz hat, hat es für die Menschen doch eine gefährliche Bedeutung, weil es sie dahin führt, was in Jesaja 66,24 steht: "ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und sie werden allem Fleisch ein Greuel sein."

Obwohl nun der Verführer, Mörder, Lügner und Ankläger tatsächlich existiert, ist er eben auch ein Lügner. Das heißt, er verführt zu einem Leben in einer Scheinwelt und voller Täuschungen. Die ihm folgen, merken oft nicht, dass sie auf dem Weg des Verderbens sind, wie in Sprüche 7 zu sehen ist. Das Gebet des gottgläubigen Menschen wird gemeinhin von den Einflüsterungen und Täuschungen des Satans getrübt. Darum ist der Glaube und das Gottverständnis getrübt. Durch Jesus wird das jedoch beseitigt, da ist die Begegnung mit Gott rein und klar. Deshalb können wir durch Jesus Gott so erfahren, wie Er jenseits unserer Vorstellungskraft ist und Er kann uns korrigieren, wo wir noch Täuschungen haben.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Tinius » Donnerstag 17. August 2017, 14:55

Ihr gebt euch ganz schön Mühe. Viel Geschreibsel um das Böse, dass bekanntlich von Gott nicht nur geduldet sondern auch gewollt ist.
Arbeitet euch in das Thema Theodizee ein und werdet glücklich.

Pilgerer
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Re: Gottes Macht

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 17. August 2017, 20:27

Tinius hat geschrieben:
Donnerstag 17. August 2017, 14:55
Viel Geschreibsel um das Böse, dass bekanntlich von Gott nicht nur geduldet sondern auch gewollt ist.
13 Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.
14 Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt.
15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
16 Irrt euch nicht, meine Lieben.
17 Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis. (Jakobus 1)
Tinius hat geschrieben:
Donnerstag 17. August 2017, 14:55
Arbeitet euch in das Thema Theodizee ein und werdet glücklich.
Wer ist der Mensch, der sich anmaßt, in der Theodizee-Frage über Gott (von einem ebenerdigen oder gar erhöhten Standpunkt aus) zu sprechen? Sobald Gott nicht gottgerecht geachtet, gedacht und angesprochen wird, ist er nicht mehr Gott und es ist keine Theologie möglich, sondern der Mensch tendiert zur Selbstanbetung oder zur Anbetung seiner Theoriekonstrukte.
Klar ist es möglich wie in den Psalmen, sein Herz vor Gott zu öffnen, das Leid zu klagen und zu schimpfen. Es ist besser, ehrlich vor Gott zu sein als Schönfärberei zu betreiben. Doch kann diese Offenheit dazu führen, in Berührung mit dem lebendigen Gott zu kommen und Trost zu erfahren.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gottes Macht

Beitrag von Raphael » Sonnabend 19. August 2017, 11:21

Pilgerer hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 12:10
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 09:19
Das Geschöpf, was das Böse in die Schöpfung gebracht hat, ist der Mensch selber!
So ungefähr ja.
Nö, nicht nur so ungefähr! :roll:
Pilgerer hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 12:10
Der eigentliche Anfang liegt beim Satan, der offenbar eine Rolle dabei spielte. Denn indem der Mensch nicht auf Gott schaut, sondern mehr auf seine eigenen Gedanken, gibt er der "Schlange" oder dem Satan Macht über sein Denken. In diesen Momenten können Gedankenkreise entstehen, die das Böse erschaffen können, das aber immer noch eine Illusion bleibt. Das ist die "babylonische Gefangenschaft", aus der Gott uns befreien will, in der wir je nach Person und Gruppe etc. teils noch drin stecken, weil der Auszug aus der babylonischen Gefangenschaft etwas anspruchsvoll ist.
Der Satan ist auch ein Geschöpf Gottes, ein gefallener Engel. Gemäß Genesis wirkte Satan als Anstifter, den Abfall haben jedoch Adam und Eva schon selber bewirkt. Auch wenn man eine juristische Sichtweise an den Tag legt und beschließt, daß der Anstifter wie ein Täter bestraft werden soll, bleiben Adam und Eva eben schlechterdings die Täter.

Richtigerweise stellst Du fest, daß Satan Macht über die Gedanken des Menschen zu erlangen versucht. In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf die Ratschläge Jesu zu verweisen, der auf die Reinigung der Gedanken großen Wert legt:
Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. (Mt 5, 28)
Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein. (Mk 7,21 ff.)
Pilgerer hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 12:10
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 16. August 2017, 09:19
Die unzulässige Verkürzung entsteht dadurch, daß der Mensch eben nicht nur böse ist, sondern auch gut sein kann.
Jedoch bleibt das Böse eine Illusion, es hat keine eigenständige Existenz, weil es von Gott nicht geschaffen hat und auch sonst von niemandem geschaffen werden kann. Das heißt, sobald ich an das Böse glaube, ob im Menschen oder anderswo, beginne ich schon an dieser Illusion und am Bösen teilzuhaben. Darum ist das "jüngste Gericht" umso strenger, je strenger jemand im allgemeinen richtet. Denn wer streng richtet, zeigt damit, dass er sehr stark an das Böse glaubt. Es sollte aber das Ziel sein, das Gute zu erwecken.

Gott hat das jüdische und christliche Opfersystem geschaffen, um das Böse zu besiegen. Im jüdischen Opfer leidete ein unschuldiges, "gutes" Geschöpf (Schaf, Stier, Taube, ...) für die bösen Werke der Menschen. Im christlichen Opfer leidet der unschuldige Gott als Mensch für die bösen Werke der Menschen. Er lässt sie an sich geschehen und damit ein Ende finden. Seine Wunden heilen die Wunden derer, die ihn verletz(t)en. "durch seine Wunden sind wir geheilt." (Jesaja 53,5)
Zugleich nimmt Jesus auch die Illusionen auf sich, denen die Menschen unterliegen, wenn sie an das Böse glauben. Denn dieser Glaube an das Böse ist die Wurzel des Bösen, und wenn diese besiegt ist, wird auch das Böse besiegt. Jesus ist das von Gott offenbarte Gute. Er ist die Wahrheit, die unsere falschen Vorstellungen überwindet.
Das Böse in den Bereich der Illusion zu verweisen, ist verführerisch! :hmm:

Das mag ontologisch zutreffen, weil eben - wie die Scholastiker herausgefunden haben - das Böse an sich keine eigene Existenz hat, sondern als ein Mangel des Guten aufgefaßt werden kann.
Nichtsdestoweniger ist das Böse sehr wohl konkret erfahrbar. Wenn der Mensch das Böse nun konkret erfährt, wird er sich nur bedingt damit trösten lassen, daß das Böse lediglich eine Illusion sei. *
Konkrete Hilfe ist für ihn da deutlich besser ..................

Außerdem sollte der von Romanus dargelegte Gedanke, daß dem Bösen zumindest personale Eigenschaften beigemessen werden sollten, weiter verfolgt werden. Denn die personalen Eigenschaften resultieren schon aus dem Engelsein von Lucifer! :hmm:



* Vermutlich würde es sogar ausgesprochen zynisch bei den Opfern einer bösen Tat ankommen, wenn man sie auf diesen ontologischen Sachverhalt hinwiese! :auweia:
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