Wenn Glaube ein Geschenk ist ...

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

Stefan
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Wenn Glaube ein Geschenk ist...

Beitrag von Stefan » Freitag 10. Oktober 2003, 01:24

warum müssen wir ihn dann noch begründen? Ist das überhaupt möglich oder notwendig?
Und wenn wir es müssen: Wie ?

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 10. Oktober 2003, 09:24

Vielleicht, weil sich viele das Geschenk vermiesen lassen, statt sich an die alte Weisheit zu halten: »Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul«?
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Gast

Glaube als Geschenk

Beitrag von Gast » Montag 13. Oktober 2003, 19:36

Zuletzt geändert von Gast am Sonnabend 5. Februar 2005, 22:45, insgesamt 2-mal geändert.

Stefan
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Beitrag von Stefan » Montag 13. Oktober 2003, 20:26

Nun, Margarete, wenn des Geschenk aber nun mal nicht da ist - was nützt denn dann jede Begründung? Oder ist es vielleicht doch nicht nur ein Geschenk (eine Gnade)?

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Godjonga
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Beitrag von Godjonga » Mittwoch 14. Januar 2004, 23:32

Grüß Dich Stefan !

Ich seh das so, das Ganze hat mehrere Aspekte und ich bin nicht ganz sicher welcher denn jetzt überhaupt angesprochen wurde ... ???
Ich versuch's einfach mal ;)

1. Ist das Geschenk ((Gnade - macht für mich in dem Fall keinen Unterschied ;)) des Glaubens jedem Menschen gegeben ?

Ich glaub ja ! - jeder Mensch hat diese Gabe mit seiner Geburt bekommen - schon Kant sagt ja - es liegt in der Natur der Vernunft, die Idee Gottes anzunehmen ...
Ich glaube aber auch (die Erfahrung lehrt es), dass diese Gabe bei jedem Menschen anders aussieht - ich denke da an das Gleichnis mit den Talenten, dem einen 5, dem anderen 2 ... - jedem nach seinen Fähigkeiten. Da Gott alles weiß, sieht er auch, welche Chancen und Möglichkeiten ich habe ... (Sozialisation, Vorsehung etc.)

2. Muss man seinen Glauben begründen ? - um überhaupt erst einen Glauben zu "haben" ???

Ich glaube nicht, dass man den Glauben mit der Vernunft (außer wie oben, aber das sit ja nur der Anfang ...) oder dem Verstand ergründen kann.
Ich bemühe mich sehr mit meinem ganzen "Menschsein" zu glauben, aber es hilft nichts, das Latein der Vernunft ist irgendwo zu ende und dann gilt es für mich zu "springen" - aus und in den Glauben.
Augustinus Lehre zufolge kommt erst der Glaube, dann die Vernunft, die den Glauben "untersucht" und kritisch hinterfragt ... und dann letzten endes kommt eben wieder der Glaube - die negative Theologie gefällt mir in dem Zusammenhanng sehr gut - Gott ist eben doch noch viel, viel größer ...

:roll: hoffe jetzt nicht ganz am Thema vorbeigeschrammt zu haben ... ;)

Herzliche Grüße

Mathias
MPHCEV: Mater perfectam habebit curam et victoriam

139:11-12
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Re: Wenn Glaube ein Geschenk ist ...

Beitrag von 139:11-12 » Montag 21. August 2017, 22:18

Um dieses recht alte Thema nochmal auszugraben:
Was heißt das, das Glaube ein Geschenk ist?
Wie passt das zu der Lehre, dass Gott mit der natürlichen Vernunft erkannt werden könne?
Und warum wird dieses Geschenk nur einigen gemacht bzw. warum gelingt es nur einigen, Gott zu erkennen?
Wenn Gott so ein großes Geschenk macht, warum dann nicht allen?
Wenn es aber nur eine Vernunft- und Willensfrage wäre, warum scheitern dann so viele (vermutlich) ehrlich Suchende?

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Raphael
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Re: Wenn Glaube ein Geschenk ist ...

Beitrag von Raphael » Dienstag 22. August 2017, 07:54

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 21. August 2017, 22:18
Um dieses recht alte Thema nochmal auszugraben:
Was heißt das, das Glaube ein Geschenk ist?
Das heißt, daß der Mensch sich den Glauben nicht verdient hat.
Oder juristisch formuliert: Er hat keinen Rechtsanspruch auf den (oder überhaupt einen) Glauben.
139:11-12 hat geschrieben:
Montag 21. August 2017, 22:18
Wie passt das zu der Lehre, dass Gott mit der natürlichen Vernunft erkannt werden könne?
Der Glauben ist von übernatürlicher Art.
Daher kollidiert die Erkenntnis (sic!) Gottes im Wege der natürlichen Vernunft nicht mit den übernatürlichen Glaubenslehren (des katholischen Glaubens).
139:11-12 hat geschrieben:
Montag 21. August 2017, 22:18
Und warum wird dieses Geschenk nur einigen gemacht bzw. warum gelingt es nur einigen, Gott zu erkennen?
Wenn Gott so ein großes Geschenk macht, warum dann nicht allen?
Nach welchen Kriterien Gott sein Volk erwählt, ist von IHM - bislang zumindest - nicht offenbart worden.
Seitdem sein Sohn Jesus Christus Mensch geworden ist, dürfen wir Menschen jedoch sicher sein, daß ER sich von allen Menschen finden lassen will.
139:11-12 hat geschrieben:
Montag 21. August 2017, 22:18
Wenn es aber nur eine Vernunft- und Willensfrage wäre, warum scheitern dann so viele (vermutlich) ehrlich Suchende?
Hierauf gibt es vermutlich so viel Antworten wie es Scheiternde gibt. :hmm:

Meiner Kenntnis nach ist es häufig die Überbewertung der menschlichen Vernunft und das Nichtlassenwollen vom eigenen Willen, die das Auffinden des einen und dreifaltigen Gottes verhindern.
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Romanus
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Re: Wenn Glaube ein Geschenk ist ...

Beitrag von Romanus » Donnerstag 24. August 2017, 10:19

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 21. August 2017, 22:18
Um dieses recht alte Thema nochmal auszugraben:
Was heißt das, das Glaube ein Geschenk ist?
Wie passt das zu der Lehre, dass Gott mit der natürlichen Vernunft erkannt werden könne?
Und warum wird dieses Geschenk nur einigen gemacht bzw. warum gelingt es nur einigen, Gott zu erkennen?
Wenn Gott so ein großes Geschenk macht, warum dann nicht allen?
Wenn es aber nur eine Vernunft- und Willensfrage wäre, warum scheitern dann so viele (vermutlich) ehrlich Suchende?
Interessante Fragen, aber schwierig zu beantworten. Ein Versuch ist es mir wert, bei dem man bitte nicht jedes Wort auf Katholizität hin untersuchen möge:

Es kommt nicht so sehr darauf an „ehrlich“, also geflissentlich zu suchen – auch wenn einem das (als Kind oberflächlich) suggeriert wurde. Man muss nur lange genug suchen, hieß es. Stattdessen kommt es vielmehr darauf an, wo man sucht. Man muss nur tief genug graben, hieße es vielleicht besser.

Wenn die Suche rein auf der Verstandesebene abläuft, ist Scheitern programmiert, weil Glaube den ganzen Menschen umfasst (Leib und Seele). Das ist etwa, wie wenn man sich permanent zuredete, dass zu glauben ja schließlich vernünftig sei und es nur genug Wille (Ausdauer, Anstrengung) benötigte, um das Geschenk des Glaubens zu erhalten. Nicht umsonst steht aber geschrieben, dass man Gott von ganzem Herzen und ganzer Seele lieben muss. Denn niemand ist jemals ohne die Liebe zu Gott vorgedrungen, geschweige denn bei ihm geblieben (trotz Durststrecken), weil Gott die Liebe ist.

Verstandesmäßig Suchende scheitern, weil sie (für die Liebe) nicht ganz geöffnet sind, nicht so richtig zur Seelenebene vordringen, denn es stellt sich heraus, dass Herz und Seele durch Verletzungen und Fehlprägungen schmerzen. Vielleicht wurde ihnen als Kind ein Unsinn über ihren Wert oder über ihre Emotionen erzählt. Bekanntlich löst Schmerz Angst (oder die Sehnsucht nach Gott bzw. Heilung) aus, infolgedessen man zwar vielleicht „ehrlich“ suchen will, aber nur halbherzig Heilung in Betracht zieht. Stattdessen wird alles Mögliche konsumiert (verdrängt, kompensiert und projiziert), um sich ja nicht mit sich und seinen Fehlern (Sünden) auseinandersetzen zu müssen. Denn das könnte ja am Ende bedeuten, dass man sich selbst in Frage stellen und sich verändern muss.

Jesus sagt: „Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach!“ (Matthäus 16, 24). (Auch Markus 8, 34 und Lukas 9, 23.) Seine Aussage bringt auf den Punkt, was in Wirklichkeit ein Lernprozess ist.
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

Pilgerer
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Re: Wenn Glaube ein Geschenk ist ...

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 24. August 2017, 11:38

Vielleicht sollten wir den christlichen Glauben von anderen Arten des monotheistischen Glaubens unterscheiden.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich einen Gott vorzustellen und aus dieser Phantasie heraus an Gott zu glauben und Gott anzubeten.

Der christliche Glaube ist aber von der Begegnung mit dem realen, dem lebendigen Gott geprägt, der die vielfach falschen Gottesbilder der Menschen überwinden will und durch die Gotteserfahrung korrigieren will. Das begann schon in Israel, wie die Psalmen zeigen, wo die Glaubenserfahrung der Könige, Priester, Sänger und Propheten sie zu Worten wie diesen erleuchtete:
1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
2 Es sage nun Israel: Seine Güte währet ewiglich.
3 Es sage nun das Haus Aaron: Seine Güte währet ewiglich.
4 Es sagen nun, die den HERRN fürchten: Seine Güte währet ewiglich.
Paulus sagt von seiner Bekehrung der Korinther:
"mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, 5 auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft." (1. Korinther 2,4-5)
Der Heilige Geist ermöglicht die Geheimnisse des Glaubens zu erleben. Es ist notwendig, an der göttlichen Gemeinschaft teilzuhaben, um etwas zu verstehen. Von außen ist der christliche Glaube nicht verstehbar oder vorstellbar. Deshalb war auch die Kritik des Islam-Gründers Mohammed am christlichen Glauben unzutreffend. Er hatte eine falsche Vorstellung davon, was Christen glaubten, und das haben Muslime, Juden und Heiden bis heute.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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