Maria und die Kirche

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

mk

Maria und die Kirche

Beitrag von mk » Donnerstag 15. Januar 2004, 18:57

Ich möchte hier an die - mir im allgemeinen ziemlich intelligent erscheinenden - Mitdiskutierenden folgende allgemeine Frage stellen:
Ich plane, demnächst meine Diplomarbeit zu schreiben. Dabei möchte ich gerne etwas im Bereich "Maria und die Kirche im Anschluß an das 8. Kapitel von Lumen Gentium" machen. Als ich damit zu meinem Dogmatikprofessor gegangen bin, schickte er mich mit der Auskunft, dieses Thema sei schon sehr "ausgelutscht" und ich solle mir etwas spezielleres suchen, wenn ich dennoch in dem Bereich bleiben möchte, wieder weg (von seinen Vorsachlägen, z.B. "Maria im Islam", hat mir nichts wirklich gefallen).
Da ich davon überzeugt bin, daß dieses Thema keineswegs "ausgelutscht" ist (zumindest habe ich in meinem Studium davon kaum etwas gehört - andere Themen hingegen sind ständig wieder auf dem Tisch...) und ich darüber hinaus dabei viel über die Kirche einerseits, das Zentrum der Theologie (das ja Gott ist) andererseits (Maria ist mit ihm nun mal so eng verbunden, wie kein anderer Mensch) und - last but not least - auch über das 2. Vatikanische Konzil bzw. über die ja heftig umstrittene Frage, wie traditionsverbunden (oder auch nicht) es denn nun eigentlich war, lernen könnte, möchte ich an dieser Stelle darum bitten, mir weiterzuhelfen: Liebe Leser, habt Ihr nicht einen prägnanten und auch den Ansprüchen des Professors genügenden Vorschlag für ein Thema?
Oder hat der Professor doch recht, und ich sollte mich nach etwas anderem umsehen? :(

Auf Eure Meinungen freut sich

Magnus

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Donnerstag 15. Januar 2004, 19:30

In vermute mal Du studierst in Münster.
Bei wem willst Du schreiben? Bei Pröpper oder bei Wagner?
Gruß
Jürgen

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Donnerstag 15. Januar 2004, 21:10

Maria bei Vat. II, die zwei Strömungen (eigenes Mariendekret bzw. Integration in LG usw.), das ist in der Tat etwas ausgelutscht. Wieso nicht Maria im Islam? Oder: Maria als Mutter der Einheit - etwas anstössig für die Evangelen vielleicht, aber kann durchaus interessant sein. Siehe »Maria, die Mutter der Einheit«. Oder irgendwas über Lourdes. Es ist ein neues Buch dazu erschienen von einem Luxemburger Kollegen von mir, das diesem Phänomen in theologischer, soziologischer, historischer und psychologischer Perspektive nachgeht. Hier die Referenz: DONDELINGER Patrick, Die Visionen der Bernadette Soubirous und der Beginn der Wunderheilungen in Lourdes, Regensburg, Pustet, 2003 (diverse Übersetzungen in Vorbereitung).
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
(Diogenes Laërcius)

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Donnerstag 15. Januar 2004, 21:46

Mehr spontan, was mir so einfällt, sicher kommen noch bessere Themen:
  • Das Fest der Entschlafung Mariens der Ostkirche im Horizont des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel.
  • Gottesgebärerein contra Christusgebärerein eine christologische Kontroverse.
  • Die "Brüder Jesu" und die allzeit Jungfräulichkeit Mariens als scheinbarer dogmatischer Widerspruch.
Gruß
Jürgen

mk

Beitrag von mk » Donnerstag 15. Januar 2004, 22:57

Erstmal vielen Dank für eure Hinweise, aber ich glaube, Ihr habt mich noch nicht ganz verstanden: Ich will nicht IRGENDEIN Marienthema bearbeiten, sondern schon konkret ihre ekklesiologische Verbundenheit. Da muß doch was zu machen sein...!
Ok, "Mutter der Einheit" klingt schon mal nicht so schlecht...
Aber ich dachte eigentlich an etwas, das noch mher philosophische Gedanken, evtl. anthroplogischer Art, mit einbezieht...

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Freitag 16. Januar 2004, 15:05

Vielleicht etwas in der Richtung:

Maria: Mutter Gottes und Mutter der Kirche.
bzw.
Maria: Mutter Gottes, Mutter der Menschen und Mutter der Kirche.

Ob sich das im Rahmen einer Diplomarbeit abarbeiten läßt, kann ich nicht sagen. - Ich befürchte, dies könnte ein so umfassendes Thema sein, daß man sich eher verzettelt....
Gruß
Jürgen

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Niels
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Beitrag von Niels » Freitag 16. Januar 2004, 19:58

Wie wär's mit folgenden Themen:

Die Stellung Mariens in der Heilsgeschichte
Maria als Urbild der Kirche: Maria-Ecclesia
Marienverehrung in der Ost- und Westkirche


Auch für diese Vorschläge gilt:
Juergen hat geschrieben:Ob sich das im Rahmen einer Diplomarbeit abarbeiten läßt, kann ich nicht sagen. - Ich befürchte, dies könnte ein so umfassendes Thema sein, daß man sich eher verzettelt....

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cathol01
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Beitrag von cathol01 » Freitag 16. Januar 2004, 20:53

LG 67 zufolge muss die Mariologie ökumenisch gestimmt sein.
Deshalb der Vorschlag:Grundzüge einer ökumenischen Mariologie.

Oder:
Maria bei bestimmten Theologen des 20. Jhs., z.B. Romano Guardini, Henri de Lubac, Hugo Rahner, Michael Schmaus, Karl Rahner, Hans Urs v. Balthasar
"Das Wahre ist nicht sicherer als das Wahrscheinliche."
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Juergen
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Beitrag von Juergen » Freitag 16. Januar 2004, 21:17

cathol01 hat geschrieben:LG 67 zufolge muss die Mariologie ökumenisch gestimmt sein.
Sag das den Protestanten und Protestösen
Gruß
Jürgen

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Beitrag von Robert Ketelhohn » Freitag 16. Januar 2004, 21:29

cathol01 hat geschrieben:»LG 67 zufolge muß die Mariologie ökumenisch gestimmt sein.«
Ein schönes Beispiel dafür, was unter rechter Ökumene zu verstehen sei. Der Abschnitt sei wörtlich zitiert:
Das Vaticanum II ([i]Lumen gentium[/i] 67) hat geschrieben:»Sedulo arceant quæcumque sive in dictis sive in factis fratres sejunctos vel alios quoscumque in errorem circa veram Ecclesiæ doctrinam inducere possent – sorgfältig sollen sie vermeiden, was immer in Worten oder Taten die getrennten Brüder oder wen immer sonst bezüglich der wahren Lehre der Kirche in Irrtum führen könnte.«
Also keine billige Anbiederei, sondern die ganze Wahrheit, um der getrennten Brüder willen.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

Marienkind
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von Marienkind » Mittwoch 19. Juli 2017, 21:12

Wer sind denn die :hae?: ""ge=trennten Brüder"?

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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von RomanesEuntDomus » Mittwoch 19. Juli 2017, 21:58

Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 19. Juli 2017, 21:12
Wer sind denn die :hae?: ""ge=trennten Brüder"?
Christen, die nicht der Katholischen Kirche angehören (also Orthodoxe, Evangelische usw.).

Die Begriffe "getrennte Brüder" und "getrennte Kirchen" wurden populär ab den 1960er Jahren, insbesondere durch das Dekret "Unitatis redintegratio" von 1964. Guckst du hier --> http://www.kathpedia.com/index.php?titl ... (Wortlaut)

Marienkind
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von Marienkind » Donnerstag 20. Juli 2017, 12:26

Im evangelischen Verständnis sind römische Katholiken "getrennte Brüder".
.
>>> Denn diese haben sich von Jesus dem Herrn immer mehr entfernt. <<<
Ab etwa 1250 schwappte eine beispiellose Marianisierung über die Kirche., die bis heute noch anhält und die Sicht auf Gott den Herrn vernebelt.
Aus Fernost bzw. von den Muslimen wurde der Rosenkranz eingeführt.
Viele andere Dinge -- bis hin zur Umdeutung des Abendmahls ("Tragt es herum und betet es an", anstatt: "Nehmet hin und esset!") -- fanden Eingang.
.
Die "Re=Formation" führte die Kirche wieder auf ihren Kern zurück.
.
Wie in der ersten Zeile zum Ausdruck gebracht: audiatur et altera pars.

Pilgerer
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 20. Juli 2017, 18:57

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Mittwoch 19. Juli 2017, 21:58
Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 19. Juli 2017, 21:12
Wer sind denn die :hae?: ""ge=trennten Brüder"?
Christen, die nicht der Katholischen Kirche angehören (also Orthodoxe, Evangelische usw.).

Die Begriffe "getrennte Brüder" und "getrennte Kirchen" wurden populär ab den 1960er Jahren, insbesondere durch das Dekret "Unitatis redintegratio" von 1964. Guckst du hier --> http://www.kathpedia.com/index.php?titl ... (Wortlaut)
Wie war die Formulierung früher? Häretiker, Ketzer ...?
Wenn ich nach dem vatikanischen Katechismus gehe, müssten sie eigentlich als "Partikularkatholiken" oder "Teilkatholiken" gelten, weil sie an Teilen des katholischen Glaubens festhalten, aber andere verloren haben.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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umusungu
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von umusungu » Donnerstag 20. Juli 2017, 19:12

Marienkind hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juli 2017, 12:26
Im evangelischen Verständnis sind römische Katholiken "getrennte Brüder".
.
>>> Denn diese haben sich von Jesus dem Herrn immer mehr entfernt. <<<
Ab etwa 1250 schwappte eine beispiellose Marianisierung über die Kirche., die bis heute noch anhält und die Sicht auf Gott den Herrn vernebelt.
Aus Fernost bzw. von den Muslimen wurde der Rosenkranz eingeführt.
Viele andere Dinge -- bis hin zur Umdeutung des Abendmahls ("Tragt es herum und betet es an", anstatt: "Nehmet hin und esset!") -- fanden Eingang.
.
Die "Re=Formation" führte die Kirche wieder auf ihren Kern zurück.
.
Wie in der ersten Zeile zum Ausdruck gebracht: audiatur et altera pars.
eine Quelle für diese Zeilen wäre sehr gut

RomanesEuntDomus
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von RomanesEuntDomus » Donnerstag 20. Juli 2017, 20:03

Pilgerer hat geschrieben:
Donnerstag 20. Juli 2017, 18:57
RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Mittwoch 19. Juli 2017, 21:58
Marienkind hat geschrieben:
Mittwoch 19. Juli 2017, 21:12
Wer sind denn die :hae?: ""ge=trennten Brüder"?
Christen, die nicht der Katholischen Kirche angehören (also Orthodoxe, Evangelische usw.).

Die Begriffe "getrennte Brüder" und "getrennte Kirchen" wurden populär ab den 1960er Jahren, insbesondere durch das Dekret "Unitatis redintegratio" von 1964. Guckst du hier --> http://www.kathpedia.com/index.php?titl ... (Wortlaut)
Wie war die Formulierung früher? Häretiker, Ketzer ...?
...
Keine Ahnung, denn zu dieser Zeit (also früher) war ich selbst noch lutherisch. Und "evangelisch" im heutigen Sinne gab's da auch noch nicht; als Lutheraner hatten wir dicke, fromme Bücher im Regal stehen mit Titeln wie "Die verderbliche Sekte der Reformierten". (Das waren für uns die Häretiker und Ketzer.) So etwas wie eine gemeinsame "evangelische" Auffassung von Taufe, Abendmahl usw. kam erst in den 1970ern mit der Leuenberger Konkordie. Bis dahin galten die Verwerfungen der jeweils anderen Lehre noch in vollem Umfang.

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umusungu
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Re: Maria und die Kirche

Beitrag von umusungu » Donnerstag 20. Juli 2017, 20:24

daran dürfen wir dankbar erkennen, wie gewaltig der Schritt aufeinanderzu schon gewesen ist.

Während mein Vater sich nicht traute, die uralte gotische Pfarrkirche (evangelisch) zu besichtigen, wurde sein Sohn am Morgen seiner Verabschiedung aus dem katholischen Pfarramt schon in den evangelischen Gottesdienst eingeladen und mit guten Worten für die gemeinsame Zeit verabschiedet.

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