Gnade, Glaube und Werke

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Pilgerer
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Pilgerer » Sonnabend 14. Juni 2014, 21:46

asderrix hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben: Gnade heißt, jemandem zu vergeben, ihn trotz Verfehlungen anzunehmen.
Das bedeutet, Gnade gibt es erst als Reaktion auf die Sünde, vorher gab es keine Notwendigkeit für Gnade, so wie das auch af Vergebung zutrifft.
Genau, vorher gab es den Segen, z.B. in Form der schönen Früchte des Paradieses, der Gegenwart Gottes und des ewigen Lebens. Nach dem Sündenfall hätten wir eigentlich den Tod verdient. Aber Gott war gnädig und beschloss seinen Sohn Jesus Christus zu senden, um uns zu retten.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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overkott
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Sonntag 15. Juni 2014, 05:54

Pilgerer hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben: Gnade heißt, jemandem zu vergeben, ihn trotz Verfehlungen anzunehmen.
Das bedeutet, Gnade gibt es erst als Reaktion auf die Sünde, vorher gab es keine Notwendigkeit für Gnade, so wie das auch af Vergebung zutrifft.
Genau, vorher gab es den Segen, z.B. in Form der schönen Früchte des Paradieses, der Gegenwart Gottes und des ewigen Lebens. Nach dem Sündenfall hätten wir eigentlich den Tod verdient. Aber Gott war gnädig und beschloss seinen Sohn Jesus Christus zu senden, um uns zu retten.
Vorher gab es den Segen in Form eines Spruchs. Segen bedeutet ursprünglich Spruch, im übertragenen Sinn Glückwunsch: Seid fruchtbar... Der Begriff Segen steht im Gegensatz zum Fluch ( hängt wohl mit Flucht zusammen: in die Flucht schlagen ), dem Pechwunsch. Auf Latein: benedictio, maledictio. Beim Segen geht es also nicht in erster Linie um eine Zeichenhandlung.

Gnade ist ursprünglich die Verschonung von Strafe. ( Vgl. Gen 6,8 ) Sie ist noch nicht einmal eine unverdiente Zuwendung. ( Vgl. Gen 6,9 )

Die Bedeutungsauflösung von Worten, die das theologische Verstehen erschwert, findet sich allerdings auch in der Einheitsübersetzung. Beispiel Gen 12,2 - Auf Latein jedenfalls steht: Du wirst gesegnet sein. Nicht: Du sollst ein Segen sein.

Das Problem der Liturgiereform und ihrer vermeintlichen Übersetzung in die Muttersprache liegt nicht nur in einem Bedeutungswandel, sondern auch in einer Verformung der Muttersprache selbst. Was traditionell vom Lateinischen bereits in Übersetzung in die deutsche Sprache übergegangen war, grammatisch korrekt und heute immer noch aktuell, wurde durch die Liturgiereform grammatisch verfremdet. Damit hat sie an nicht unwesentlichen Punkten das Gegenteil dessen geleistet, was sie als Intention vorgab.

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overkott
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Montag 16. Juni 2014, 08:23

Wenn man die Bibel zum selben Begriff in mehreren Übersetzungen an mehreren Stellen aufschlägt, erkennt man, dass diese Stellen nicht immer parallel übersetzt sind, sondern korrespondiere Begriffe allenfalls Schnittmengen bilden. Schaut man sich die Kontexte mehrerer Stellen an, stellt man auch mehrere Bedeutungen der selben Form fest. Das gilt schon für den Wortsinn, nicht nur für eine metaphorische Interpretation im Sinne der triplex.

Das gilt natürlich auch für den Segen. Erfüllt sich dieser Glückwunsch etwa von Fruchtbarkeit, sprechen wir auch von Kindersegen.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Montag 16. Juni 2014, 13:46

Eine generelle Frage: Ist die Sünde "nur" eine moralische Kategorie oder ist sie auch ontologisch zu vestehen?
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Montag 16. Juni 2014, 16:51

Jarom1 hat geschrieben:Eine generelle Frage: Ist die Sünde "nur" eine moralische Kategorie oder ist sie auch ontologisch zu vestehen?
Im Ursinne verstanden, ist Sünde ein Fühlen, Denken, Wollen, Reden und Handeln, das die Harmonie zerstört: zwischen einem Menschen und seinem Selbst, zwischen einem Menschen und seinen Mitmenschen und zwischen einem Menschen und Gott.

Und was ist es, dass die Harmonie zerstört? Kurz: der Missbrauch der Freiheit gegenüber der eigenen Person oder der eines anderen oder Gott gegenüber. Hiernach kann man entweder gegen sich selber sündigen oder gegen einen anderen oder gegen Gott (die Natur eingeschlossen). Dabei gilt die Grundregel: Wer gegen sich selbst sündigt oder gegen einen anderen, der sündigt auch gegen Gott. Diese Tatsache ist bedeutsam, wenn es um die Sündenvergebung geht.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Montag 16. Juni 2014, 20:20

San Marco hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Eine generelle Frage: Ist die Sünde "nur" eine moralische Kategorie oder ist sie auch ontologisch zu vestehen?
Im Ursinne verstanden, ist Sünde ein Fühlen, Denken, Wollen, Reden und Handeln, das die Harmonie zerstört: zwischen einem Menschen und seinem Selbst, zwischen einem Menschen und seinen Mitmenschen und zwischen einem Menschen und Gott.

Und was ist es, dass die Harmonie zerstört? Kurz: der Missbrauch der Freiheit gegenüber der eigenen Person oder der eines anderen oder Gott gegenüber. Hiernach kann man entweder gegen sich selber sündigen oder gegen einen anderen oder gegen Gott (die Natur eingeschlossen). Dabei gilt die Grundregel: Wer gegen sich selbst sündigt oder gegen einen anderen, der sündigt auch gegen Gott. Diese Tatsache ist bedeutsam, wenn es um die Sündenvergebung geht.
Was ist Ursinn? Bei Platon? Bei Laozi? Im Koran?

Wie wird Sünde in der Bibel direkt definiert? Wo steht "Sünde ist"? Was ist Sünde? Warum schreibt Hieronymus iniquitas ( Ungleichheit, Ungerechtigkeit ) und die Einheitsübersetzung Gesetzwidrigkeit?

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Montag 16. Juni 2014, 20:55

overkott hat geschrieben:

Wie wird Sünde in Bibel direkt definiert? Wo steht "Sünde ist"? Was ist Sünde? Warum schreibt Hieronymus iniquitas ( Ungleichheit, Ungerechtigkeit ) und die Einheitsübersetzung Gesetzwidrigkeit?
Die Einheitsübersetzung kannst du doch philologisch (leider) vergessen.
Im Hebräischen gibt es ein viel größeres Wortfeld, das das abdeckt, was wir in unserer Kultur SÜNDE nennen. Da gibt es mindestens acht verschiedene Wörter, die dann jeweils differenziert ausdrücken, welche Art von Verfehlung, Schwere und moralische Qualität die Handlung hat.
Wenn du der Meinung bist, dass Hieronymus des Hebräischen uns Aramäischen mächtig war, kannst du die vielen Stellen im Alten Testament mal schön durcharbeiten.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Protasius » Montag 16. Juni 2014, 21:15

San Marco hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:

Wie wird Sünde in Bibel direkt definiert? Wo steht "Sünde ist"? Was ist Sünde? Warum schreibt Hieronymus iniquitas ( Ungleichheit, Ungerechtigkeit ) und die Einheitsübersetzung Gesetzwidrigkeit?
Die Einheitsübersetzung kannst du doch philologisch (leider) vergessen.
Im Hebräischen gibt es ein viel größeres Wortfeld, das das abdeckt, was wir in unserer Kultur SÜNDE nennen. Da gibt es mindestens acht verschiedene Wörter, die dann jeweils differenziert ausdrücken, welche Art von Verfehlung, Schwere und moralische Qualität die Handlung hat.
Wenn du der Meinung bist, dass Hieronymus des Hebräischen uns Aramäischen mächtig war, kannst du die vielen Stellen im Alten Testament mal schön durcharbeiten.
Lies die Briefe Hieronymi über die einzelnen Bücher der Bibel, dann wirst du sehen, daß er keine eigene Übersetzung verfertigt, sondern die Vetus Latina korrigiert hat. Dabei hat er auch nicht alles korrigiert, weil das Volk gegen diverse Korrekturen revoltiert hat.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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overkott
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Montag 16. Juni 2014, 21:42

Protasius hat geschrieben:
San Marco hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:

Wie wird Sünde in Bibel direkt definiert? Wo steht "Sünde ist"? Was ist Sünde? Warum schreibt Hieronymus iniquitas ( Ungleichheit, Ungerechtigkeit ) und die Einheitsübersetzung Gesetzwidrigkeit?
Die Einheitsübersetzung kannst du doch philologisch (leider) vergessen.
Im Hebräischen gibt es ein viel größeres Wortfeld, das das abdeckt, was wir in unserer Kultur SÜNDE nennen. Da gibt es mindestens acht verschiedene Wörter, die dann jeweils differenziert ausdrücken, welche Art von Verfehlung, Schwere und moralische Qualität die Handlung hat.
Wenn du der Meinung bist, dass Hieronymus des Hebräischen uns Aramäischen mächtig war, kannst du die vielen Stellen im Alten Testament mal schön durcharbeiten.
Lies die Briefe Hieronymi über die einzelnen Bücher der Bibel, dann wirst du sehen, daß er keine eigene Übersetzung verfertigt, sondern die Vetus Latina korrigiert hat. Dabei hat er auch nicht alles korrigiert, weil das Volk gegen diverse Korrekturen revoltiert hat.
Inwieweit entspricht das Wort iniquitas der Gott gewollten Nächstenliebe?

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Dienstag 17. Juni 2014, 10:02

Protasius hat geschrieben:
San Marco hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:

Wie wird Sünde in Bibel direkt definiert? Wo steht "Sünde ist"? Was ist Sünde? Warum schreibt Hieronymus iniquitas ( Ungleichheit, Ungerechtigkeit ) und die Einheitsübersetzung Gesetzwidrigkeit?
Die Einheitsübersetzung kannst du doch philologisch (leider) vergessen.
Im Hebräischen gibt es ein viel größeres Wortfeld, das das abdeckt, was wir in unserer Kultur SÜNDE nennen. Da gibt es mindestens acht verschiedene Wörter, die dann jeweils differenziert ausdrücken, welche Art von Verfehlung, Schwere und moralische Qualität die Handlung hat.
Wenn du der Meinung bist, dass Hieronymus des Hebräischen uns Aramäischen mächtig war, kannst du die vielen Stellen im Alten Testament mal schön durcharbeiten.
Lies die Briefe Hieronymi über die einzelnen Bücher der Bibel, dann wirst du sehen, daß er keine eigene Übersetzung verfertigt, sondern die Vetus Latina korrigiert hat. Dabei hat er auch nicht alles korrigiert, weil das Volk gegen diverse Korrekturen revoltiert hat.
Stimmt !! Das ist mir bekannt. Allerdings gibt es hier einen Forumsteilnehmer, der bezüglich des Heiligen Hieronymus und der Vulgata eine ganz andere Meinung vertritt.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Dienstag 17. Juni 2014, 12:51

San Marco hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Eine generelle Frage: Ist die Sünde "nur" eine moralische Kategorie oder ist sie auch ontologisch zu vestehen?
Im Ursinne verstanden, ist Sünde ein Fühlen, Denken, Wollen, Reden und Handeln, das die Harmonie zerstört: zwischen einem Menschen und seinem Selbst, zwischen einem Menschen und seinen Mitmenschen und zwischen einem Menschen und Gott.

Und was ist es, dass die Harmonie zerstört? Kurz: der Missbrauch der Freiheit gegenüber der eigenen Person oder der eines anderen oder Gott gegenüber. Hiernach kann man entweder gegen sich selber sündigen oder gegen einen anderen oder gegen Gott (die Natur eingeschlossen). Dabei gilt die Grundregel: Wer gegen sich selbst sündigt oder gegen einen anderen, der sündigt auch gegen Gott. Diese Tatsache ist bedeutsam, wenn es um die Sündenvergebung geht.
Dies klingt für mich nach einer moralischen Natur der Sünde, da der Sünder in der Lage ist, seine ihm gegebene Freiheit zu missbrauchen und dazu zu sündigen. Sehe ich das korrekt?
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 17. Juni 2014, 18:44

Jarom1 hat geschrieben:Eine generelle Frage: Ist die Sünde "nur" eine moralische Kategorie oder ist sie auch ontologisch zu vestehen?
Sünde ist (in einer ihrer vielen Dimensionen) Distanz zu Gott. Wenn die Distanz zu schwindet, schwindet auch die Sünde. Weil die Distanz zu Gott durch den Mittler Jesus Christus auf 0 schrumpft, schrumpft bei Jesus Christus auch die Sünde auf 0.

Die moralische Dimension ist wohl bedeutsam. Die meiste Sünde geschieht unfreiwillig aufgrund der "Knechtschaft des Fleisches". Jedoch ist es gerade die erhöhte "Freiheit der Christenmenschen", die ihrer Sünde eine verstärkte moralische Dimension beiordnet. Denn je größer die Freiheit von der Knechtschaft des Fleisches, desto größer das Maß an Schuld bei erneuter Sünde.
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Dienstag 17. Juni 2014, 19:17

Jarom1 hat geschrieben:
Dies klingt für mich nach einer moralischen Natur der Sünde, da der Sünder in der Lage ist, seine ihm gegebene Freiheit zu missbrauchen und dazu zu sündigen. Sehe ich das korrekt?
Prüfe das mal an einem praktischen Beispiel mit mehreren Varianten:

Ein Mann macht eine Dienstreise und übernachtet in einem Hotel. Er ist unverheiratet/verheiratet.

-Er sucht im Internet nach Prostituierten, die in dem Ort sexuelle Dienstleistungen anbieten, geht zu einer Frau und bezahlt für Sex.

-Er wird an der Hotelbar von einer Frau angesprochen, die ihm Sex gegen Geld auf seinem Hotelzimmer anbietet, er nimmt das Angebot an.

-Er unterhält sich lange mit einer Kollegin. Beide landen angeheitert zu später Stunde im Bett.....

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Pollux » Mittwoch 18. Juni 2014, 05:20

Ach, immer diese Bettgeschichten.Es geht hier nicht um unseren Sexualtrieb, der uns auf Abwege führen kann.Sünde, so habe ich es gelernt, ist die Trennung, das Getrenntsein von Gott. Gott wird nicht mehr als der empfunden, der "alles in allem ist."Sünde ist Gottlosigkeit.

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Jarom1
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Mittwoch 18. Juni 2014, 13:06

Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Mittwoch 18. Juni 2014, 13:43

Jarom1 hat geschrieben:Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand.
Welche Quellen zur "Reformierten Theologie" hast du dafür herangezogen? Alte, ältere oder aktuelle europäische bzw. US-amerikanische Literatur von Reformierten? Calvinistische oder arminianische Richtung?
Oder meinst du "Reformatorisch" ?

Hier ein interessanter Vergleich zwischen lutherischen und "richtigen Calvinisten".

http://www.hartmut-geisler.de/andere_lehren.html

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Mittwoch 18. Juni 2014, 19:14

Pollux hat geschrieben:Ach, immer diese Bettgeschichten.Es geht hier nicht um unseren Sexualtrieb, der uns auf Abwege führen kann.Sünde, so habe ich es gelernt, ist die Trennung, das Getrenntsein von Gott.
Dass hat doch nichts mit "Bettgeschichten" zu tun. Es geht hier um die prinzipielle Überlegung zur Sünde.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Donnerstag 19. Juni 2014, 08:46

San Marco hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand.
Welche Quellen zur "Reformierten Theologie" hast du dafür herangezogen? Alte, ältere oder aktuelle europäische bzw. US-amerikanische Literatur von Reformierten? Calvinistische oder arminianische Richtung?
Oder meinst du "Reformatorisch" ?

Hier ein interessanter Vergleich zwischen lutherischen und "richtigen Calvinisten".

http://www.hartmut-geisler.de/andere_lehren.html
Danke für den Link. Meine Quellen sind in erster Linie Calvin himself (Institutio), die Bekenntnisse (Heidelberger Katechismus, Westminster Confession), aber auch Traktate wie z.B. die TULIP-Artikel unter http://www.wordofhisgrace.org/index.html.
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Donnerstag 19. Juni 2014, 09:23


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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Donnerstag 19. Juni 2014, 11:44

Ebenfalls danke für die Hinweise. Das zuletzt genannte Buch war sozusagen bereits auf meinem "Radar" aufgetaucht.
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Donnerstag 19. Juni 2014, 20:01

Empfehlenswert für reformierte Theologie ist auch:

Louis Berkhof: (es gibt auch eine "Summary of Christian Doctrine", Link siehe untern)

http://books.biblicaltraining.org/Syste ... erkhof.pdf

http://www.biblicaltraining.org/library ... is-berkhof


Für die wirklich klassische, lutherische Theologie:

Franz Pieper:

Christliche Dogmatik. Von Franz Pieper, umgearbeitet von J. T. Mueller, herausgegeben von der Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri....

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Jarom1 » Freitag 20. Juni 2014, 09:12

Wie ist Dein Standpunkt bzgl. der Bücher von Horton ("For Calvinism") und Olson ("Against Calvinism")?
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von TillSchilling » Mittwoch 25. Juni 2014, 12:01

Jarom1 hat geschrieben:Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
Wenn ich das richtig verstanden habe auch so. Ist nur nicht so bekannt.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Mittwoch 25. Juni 2014, 12:52

TillSchilling hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
Wenn ich das richtig verstanden habe auch so. Ist nur nicht so bekannt.
Ein Sünder kann sich also nach Reformierter Lehre nicht bekehren und die Schuld trifft Gott?

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von TillSchilling » Mittwoch 25. Juni 2014, 14:22

overkott hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
Wenn ich das richtig verstanden habe auch so. Ist nur nicht so bekannt.
Ein Sünder kann sich also nach Reformierter Lehre nicht bekehren und die Schuld trifft Gott?
Die Antworten sind: richtig, falsch.

Aber antworte doch auf Jaroms Frage nach der katholischen Lehre?

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von San Marco » Mittwoch 25. Juni 2014, 14:27

TillSchilling hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
Wenn ich das richtig verstanden habe auch so. Ist nur nicht so bekannt.
Ein Sünder kann sich also nach Reformierter Lehre nicht bekehren und die Schuld trifft Gott?
Die Antworten sind: richtig, falsch.

Aber antworte doch auf Jaroms Frage nach der katholischen Lehre?
Nachdem, was ich bisher von overkott gelesen habe, glaube ich kaum, dass er die Frage "nach der katholischen Lehre" beantworten kann.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Mittwoch 25. Juni 2014, 14:33

San Marco hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
TillSchilling hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Hintergrund meiner Ausgangsfrage bzgl. Moral oder Ontologie: Ich beschäftige mich zur Zeit intensiv mit Reformierter Theologie. Hier wird - meiner Meinung nach - eher der ontologische Aspekt der Sünde gesehen: Durch den Fall ist die Seele des Menschen so "verdunkelt" (in ihrem wahren Sein eingeschränkt), dass dies Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hat. Diese Einschränkung kann nicht durch den Sünder selbst, sondern nur aktiv durch Gott behoben werden. Die Sünde als moralische Kategorie ergibt sich dann aus der Sünde als Seinszustand. Wie ist dies nach Katholischer Lehre?
Wenn ich das richtig verstanden habe auch so. Ist nur nicht so bekannt.
Ein Sünder kann sich also nach Reformierter Lehre nicht bekehren und die Schuld trifft Gott?
Die Antworten sind: richtig, falsch.

Aber antworte doch auf Jaroms Frage nach der katholischen Lehre?
Nachdem, was ich bisher von overkott gelesen habe, glaube ich kaum, dass er die Frage "nach der katholischen Lehre" beantworten kann.
Du kannst ihn ja mal fragen, um deine Zweifel zu überwinden.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von JosefBordat » Freitag 5. September 2014, 20:15

September: Engelmonat. - Vom Krieg. Und von Engeln: http://jobo72.wordpress.com/212/9/29/ein-engel

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von JosefBordat » Montag 13. April 2015, 14:56

Der Zweifel bereitet dem Glauben den Grund. Der Apostel Thomas und der Pharisäer Nikodemus zeigen, wie das gehen kann. Sie zeigen: Es ist nichts verloren, solange man Sehnsucht in sich trägt. - https://jobo72.wordpress.com/215/4/13/zweifel/

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von overkott » Dienstag 14. April 2015, 07:39

Werke.

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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Isidor_von_Sevilla » Mittwoch 27. Mai 2015, 14:50

Zum Thema Werke:
Ein freier Platz in der Hölle

Eines Tages war es soweit: die Hölle war einfach total überfüllt - und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schließlich kam der Satan heraus, um die Höllenkandidaten wegzuschicken. "Hier ist alles so voll, daß nur noch ein einziger Platz frei ist!" Der Teufel überlegte kurz, dann erklärte er: "Diesen Platz muß der schlimmste Sünder bekommen. Sind vielleicht ein paar Mörder da?"

Er fragte einen Bewerber nach dem anderen aus und hörte sich deren Verfehlungen an. Die Bösewichter erzählten viel Schlimmes, doch es war nicht schrecklich genug, um dafür den letzten freien Platz in der Hölle zu „opfern".

Immer wieder schaute sich der Satan die Leute in der Schlange genau an. Schließlich entdeckte er jemanden, den er noch nicht gefragt hatte. Der Herr stand allein und schien sich abkapseln zu wollen, "Was ist eigentlich mit Ihnen? Was haben Sie getan?"

"Nichts!", erklärte der Mann überrascht. "Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich dachte, die Leute würden sich hier um Freibier bewerben." -"Aber Sie müssen doch etwas getan haben!", entgegnete der Teufel. "Jeder Mensch stellt etwas an!"

Doch der „gute Mann" blieb dabei: „Ich habe mir das Treiben der Menschen angeschaut, doch ich hielt mich davon. Ich sah, wie Unterdrückte verfolgt wurden, aber ich beteiligte mich nicht an solchen Schandtaten. Kinder wurden in die Sklaverei verkauft, Arme und Schwache wurden ausgebeutet. Überall um mich herum geschahen Übeltaten aller Art, Ich allein widerstand der Versuchung - ich tat nichts."

"Absolut nichts?", fragte der Satan erstaunt: "Sind Sie völlig sicher, dass Sie das alles mitangesehen haben - "Ja, vor meiner eigenen Haustür", bekräftigte der ‚gute Mensch' - Verblüfft wiederholte der Teufel: "Und Sie haben nichts getan?" - "Nein! - "Komm herein, mein Sohn, der freie Platz gehört Dir!"
Und als der „gute Mann" am Teufel vorbeiging, wich dieser zurück, um nicht vom „guten Mann" berührt zu werden.
(Quelle)
Es gibt auch solche, die wohl die Sprache verehren, nicht aber DAS WORT anbeten!

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Juergen
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Re: Gnade, Glaube und Werke

Beitrag von Juergen » Mittwoch 27. Mai 2015, 15:12

Isidor_von_Sevilla hat geschrieben:Zum Thema Werke:
Ein freier Platz in der Hölle

*snip*
(Quelle)
In dem Zusammenhang fällt mir eine Frage ein:

Wann und woher ist eigentlich das »… et omissione…« ins Schuldbekenntnis gekommen?
Gruß
Jürgen

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