Theologie der Religionsfreiheit

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

iustus
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von iustus » Mittwoch 7. Oktober 2015, 18:22

Sempre hat geschrieben:@iustus

Du behauptest ein natürliches Recht darauf, von Menschen nicht daran gehindert zu werden, Böses zu tun, und zwar im speziellen Fall der Ausübung falscher Religionen.
Das behauptet das Konzil, ja.
Selbstverständlich besteht eine Pflicht für jeden Menschen, Böses zu verhindern, solange nicht aus gewichtigeren Gründen, um größeres Übel zu vermeiden, Böses u.U. geduldet werden sollte oder muss. Das Dulden des Bösen aber, so unumgänglich das ggf. sein mag, bedeutet keineswegs ein Recht der Bösen, das Böse zu tun.
Sehr gut. Volle Zustimmung. Das Dulden des Bösen (hier: der Götzenabeterei) bedeutet keineswegs ein Recht des Bösen (des Götzenanbeters), das Böse zu tun (Götzen anzubeten).

Es besteht eine Pflicht für jeden Menschen, Böses zu verhindern (hier: dass andere Götzen anbeten), solange nicht aus gewichtigeren Gründen, um größeres Übel zu vermeiden, Böses geduldet werden sollte oder muss.

Der gewichtige Grund wird in DH3 genannt: Der Mensch vermag der Verpflichtung, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und sein ganzen Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen, nicht nachzukommen, wenn er nicht im Genuß der inneren, psychologischen Freiheit und zugleich der Freiheit von äußerem Zwang steht.
Weil die Menschen Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem Willen begabt und damit auch zu persönlicher Verantwortung erhoben, werden alle - ihrer Würde gemäß - von ihrem eigenen Wesen gedrängt und zugleich durch eine moralische Pflicht gehalten, die Wahrheit zu suchen, vor allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen. Der Mensch vermag aber dieser Verpflichtung auf die seinem eigenen Wesen entsprechende Weise nicht nachzukommen, wenn er nicht im Genuß der inneren, psychologischen Freiheit und zugleich der Freiheit von äußerem Zwang steht.
Daraus zieht das Konzil den Schluss, der hier umstritten ist, und gegen den Du gewichtige Bedenken vorbringst:
Demnach ist das Recht auf religiöse Freiheit nicht in einer subjektiven Verfassung der Person, sondern in ihrem Wesen selbst begründet. So bleibt das Recht auf religiöse Freiheit auch denjenigen erhalten, die ihrer Pflicht, die Wahrheit zu suchen und daran festzuhalten, nicht nachkommen, und ihre Ausübung darf nicht gehemmt werden, wenn nur die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt.
Das Konzil sagt ausdrücklich, dass "ein jeder die Pflicht und also auch das Recht [hat], die Wahrheit im Bereich der Religion zu suchen, um sich in Klugheit unter Anwendung geeigneter Mittel und Wege rechte und wahre Gewissensurteile zu bilden."
Die Wahrheit muß aber auf eine Weise gesucht werden, die der Würde der menschlichen Person und ihrer Sozialnatur eigen ist, d.h. auf dem Wege der freien Forschung, mit Hilfe des Lehramtes oder der Unterweisung, des Gedankenaustauschs und des Dialogs, wodurch die Menschen einander die Wahrheit, die sie gefunden haben oder gefunden zu haben glauben, mitteilen, damit sie sich bei der Erforschung der Wahrheit gegenseitig zu Hilfe kommen; an der einmal erkannten Wahrheit jedoch muß man mit personaler Zustimmung festhalten.

Nun aber werden die Gebote des göttlichen Gesetzes vom Menschen durch die Vermittlung seines Gewissens erkannt und anerkannt; ihm muß er in seinem gesamten Tun in Treue folgen, damit er zu Gott, seinem Ziel, gelange. Er darf also nicht gezwungen werden, gegen sein Gewissen zu handeln. Er darf aber auch nicht daran gehindert werden, gemäß seinem Gewissen zu handeln, besonders im Bereiche der Religion. Denn die Verwirklichung und Ausübung der Religion besteht ihrem Wesen nach vor allem in inneren, willentlichen und freien Akten, durch die sich der Mensch unmittelbar auf Gott hinordnet; Akte dieser Art können von einer rein menschlichen Gewalt [sic!]weder befohlen noch verhindert werden (Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris, 11. Apr. 1963: AAS 55 (1963) 27; Paul VI., Radiobotschaft, 22. Dez. 1964: AAS 57 (1965) 181f.; Thomas v. Aquin, Summa Theol. I-II., q. 91, a. 4c. )
Wenn ich einen Anhänger einer falsche Religion vor mir habe, dann bin ich (je nach Stand, Möglichkeit, Umständen usf.) verpflichtet, schon allein aus Nächstenliebe bzw. nach dem Prinzip "was du nicht willst das man dir tu ... " verpflichtet, ihn von seinem Irrtum abzubringen.
Kein Widerspruch.
Ist er Gast in meinem Haus, kann ich ihm den Ausdruck seiner falschen Religion komplett verbieten, so das opportun ist. Ich mag aus taktischen Gründen so einiges dulden, er hat aber kein Recht darauf, von mir gehindert zu werden. Dasselbe gilt analog in einem Staat.
Aus DH ergibt sich anderes.
Nun verkündet DH nicht, wie Du behauptest, ein natürliches Recht, von Menschen nicht daran gehindert zu werden, sondern DH verkündet ein natürliches Recht und betont bloß, dass ein/das natürliche Recht impliziert, von Menschen nicht gehindert zu werden.
Es ist umgekehrt: Das Konzil verkündet ein natürliches Recht, frei zu sein von jedem Zwang "sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen - innerhalb der gebührenden Grenzen - nach seinem Gewissen zu handeln. "

Die Freiheit von Zwang bedeutet für mich "nicht gehindert zu werden".
das Recht auf religiöse Freiheit (...) besteht darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen - innerhalb der gebührenden Grenzen - nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf religiöse Freiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird (2) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris, 11. Apr. 1963: AAS 55 (1963) 26f.; Pius XII., Radiobotschaft, 24. Dez. 1942: AAS 35 (1943) 19; Pius XI., Enz. Mit brennender Sorge, 14. März 1937: AAS 29 (1937) 16; Leo XIII., Enz. Libertas præstantissimum, 2.Juni 1888: Acta Leonis XIII., Bd. VIII (1888) 237f. ).
Das natürliche Recht laut DH schließt keineswegs aus, von Gott gehindert/gestraft zu werden. Davon steht in DH nichts, und das Grundprinzip des Naturrechts fordert, dass der Mensch zu verachten und zu bekämpfen hat, was Gott verachtet und bekämpft.
Das halte ich für einen ernstzunehmenden Einwand, denn dieses Prinzip scheint mir DH in der Tat zu durchbrechen - allerdings wohlbegründet.
Aber so oder so: Imaginieren wir widersinnigerweise ein natürliches Recht, das Böse zu tun, wobei Gott die Untaten strafen wird, der Mitmensch aber die Pflicht hätte, das Böse und das Gute gleichermaßen als gut zu behandeln. Klingt bescheuert, ist aber genau das, was Du vorschlägst. Würde DH das verkünden, was ich weiterhin bestreite, dann käme das einem Gebot Gottes gleich, sich indifferent gegenüber dem Gegensatz von Gut und Böse zu verhalten. Ein Absurdum. Wahnsinn.
Ja, das lese ich aus DH. Und das sagt DH auch ausdrücklich:
So bleibt das Recht auf religiöse Freiheit auch denjenigen erhalten, die ihrer Pflicht, die Wahrheit zu suchen und daran festzuhalten, nicht nachkommen, und ihre Ausübung darf nicht gehemmt werden, wenn nur die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt.


Stell Dir vor, es gebe ein solches Gebot in bezug auf Mißachtung der Ehre Deiner oder meiner Mutter. Stell Dir vor, es gebe ein solches Gebot in bezug auf Mißachtung der Ehre der Gottesmutter. Du hast jene mit gleichem Recht auszustatten, in Deinem Haus, in Deinem Staat, in dem Du König bist, Deine Mutter bzw. die Gottesmutter zu verachten. Du gestattest Ihnen auf Gottes Gebot hin, in Deinem Hause zu erklären, dass Deine Verehrung der Gottesmutter Blasphemie sei.

Um wieviel höher steht der dreifaltige Gott als die Gottesmutter, um wieviel höher steht der dreifaltige Gott als Deine oder meine Mutter?

Der gesunde Menschenverstand erkennt den Blödsinn.
Die Haltung einer Person zu meiner Mutter betrifft nicht die Religion, so dass es kein Recht auf die Duldung deren Verachtung in meinem Haus gibt. Jetzt könnte man zwar einwenden, dass es für die Gottesmutter dann erst recht keine Duldung geben darf. Und dieser Einwand scheint auf den ersten Blick plausibel. Auf der anderen Seite spricht aber dagegen die Begründung, die DH dafür gibt, dass die Religionsfreiheit selbst gut ist (so dass Thomas von Aquins Beschreibung: "Tue das Gute und meide das Böse" auf sie zutrifft: "Dulde die Religionsausübung und meide den Zwang").
Am Rande bemerkt verhält es sich außerdem so, wie vor einer Weile bereits hier irgendwo diskutiert, dass die Kirche nicht nur Ketzer der staatlichen Gewalt zwecks geeignet schwerer Bestrafung übergeben hat, sondern auch die Aussage von Professor Martin Luther verurteilt hat, es sei nicht im Sinne des Geistes, Ketzer zu verbrennen. DH verurteilt eine Verurteilung der Kirche. Folglich drückt DH nicht aus, was die Kirche lehrt.
Zum einen: DH sagt ja nicht, dass die Kirche nicht das Recht hat, die „weltliche“ Gewalt als Instrument oder Organ (Arm) zu benutzen. Siehe dazu den verlinkten Aufsatz von Protasius, Seite 15 - 17 (http://www.academia.edu/938386/Die_Leh ... rlieferung).

Zum anderen: Findest Du, es ist im Sinne des Geistes, Ketzer zu verbrennen? In welchem Dokument wurde denn die gegenteilige Aussage Luthers verurteilt?
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Sempre
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Sempre » Freitag 16. Oktober 2015, 04:39

iustus hat geschrieben:Findest Du, es ist im Sinne des Geistes, Ketzer zu verbrennen? In welchem Dokument wurde denn die gegenteilige Aussage Luthers verurteilt?
Das mit dem Gegenteil verurteilter Aussagen funktioniert nicht ganz so, wie Du hier vorführst. Ich glaube, dass die Verbrennung von Ketzern je nach Umständen im Sinne des Geistes sein kann (und mindestens i.d.R. auch gewesen ist).

Die Bannbulle gegen Luther vom 15. Juni 1520 heißt Exsurge Domine (Erhebe dich, Herr, und richte deine Sache! Gedenke deiner Schmähungen, die den ganzen Tag von den Unweisen ausgehen. Neige dein Ohr zu unserer Bitte, denn Füchse haben sich erhoben, die danach trachten, den Weinberg zu vernichten, dessen Kelter du allein getreten hast; und als du zum Vater im Himmel auffahren wolltest, hast du die Sorge, die Leitung und die Verwaltung deines Weinberges dem Petrus gleichsam als Haupt und deinem Stellvertreter und seinen Nachfolgern als triumphierende Kirche anvertraut: Ein Wildschwein trachtet danach, ihn zu zerwühlen, und ein wildes Tier frißt ihn ab).

Daraus:
33. Haereticos comburi est contra voluntatem Spiritus.

Dignitatis Humanae widerspricht so oder so Exsurge Domine.

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overkott
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 20. Oktober 2015, 20:54

Dignitatis humanae ist vom sprachlichen Duktus sicherlich nicht in erster Linie an fromme Christen adressiert, sondern spricht politisch Verantwortliche an. Deshalb wirkt die biblische Begründung der Religionsfreiheit im Dokument nachgeliefert. Gleichwohl entspricht begründet Jesus selbst aus dem Doppelgebot die praktische Religionsfreiheit, die der Gottessohnschaft nach Mt 5,9 entspricht. Gerade beim Evangelisten Lukas erklärt Jesus fundamental am Beispiel des barmherzigen Samariters, dass die Nächstenliebe dem andersgläubigen Nachbarn gilt. Der heilige Paulus setzt die Theologie der Religionsfreiheit durch die starke Betonung der Nächstenliebe und des Naturrechts fort. Auch hält er das Essen von Götzenopfern für erlaubt, wenn auch nicht für sinnvoll. Die Gewissensentscheidung entbindet jedoch nicht vom guten Willen und nicht von der persönlichen Verantwortung am Jüngsten Tag.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 8. März 2016, 13:54

Bei der Theologie der Religionsfreiheit geht es zunächst darum, ob jeder Mensch von Natur aus Gottes Stimme vernehmen und von ihm zur Nächstenliebe geleitet werden kann oder ob menschliche Satzungen zur kultischen und damit religiösen Verehrung im engeren Sinn über Gottes Stimme stehen. Die theologische Begründung der Religionsfreiheit aus der Bibel heraus lässt das Christentum als Religion der Religionsfreiheit verstehen. Dabei geht es nicht darum, ob man Gott verehren soll, sondern wie man ihn am Besten verehrt und ob es nicht das größere Übel ist, Gottes Stimme zu ignorieren, um einer menschlichen Satzung zu dienen. Im intertheologischen Dialog geht es natürlich auch um die Frage, inwieweit etwa im Koran die Möglichkeit vorgesehen ist, Gott nicht nur als Muslim, sondern auch als Jude und Christ zu verehren. Praktisch wirkt sich das auf die Beziehungen etwa der Türkei zur Europäischen Union aus. Während für die Union Religionsfreiheit selbstverständlich ist und mit dem Bau von 350.000 neuen Wohnungen wahrscheinlich auch 350 neue Moscheen verbunden sind, war der Neubau christlicher Gotteshäuser in der überwiegend muslimischen Türkei bisher nicht gestattet. Das soll sich in den nächsten Monaten ändern. AFP meldete am 3. Januar, dass die christliche Minderheit syrischer Zuwanderer in der Nähe des International Attatürk Airport in Istanbul in den nächsten Monaten eine neue Kirche errichten darf.

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overkott
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 22. März 2016, 11:00

Karfreitag geht's wieder um Religionsfreiheit. Darf man Gotteslästerung betreiben? Hat sich Christus schuldig gemacht?

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von PascalBlaise » Dienstag 22. März 2016, 11:23

overkott hat geschrieben:Karfreitag geht's wieder um Religionsfreiheit. Darf man Gotteslästerung betreiben? Hat sich Christus schuldig gemacht?
Hat sich overkott schuldig gemacht? :hmm:
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Tinius » Dienstag 22. März 2016, 14:14

overkott hat geschrieben:Karfreitag geht's wieder um Religionsfreiheit. Darf man Gotteslästerung betreiben? Hat sich Christus schuldig gemacht?

Schuldig machst du dich höchstens, wenn du immer so einen Mist absonderst.
Wo ist dein Judas.Thread?
Denn der hat sich nicht schuldig gemacht.

https://www.youtube.com/watch?v=j3o7HFcgzE

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Sempre
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Sempre » Sonntag 23. Oktober 2016, 19:39

martin v. tours (andernorts) hat geschrieben:http://www.zeit.de/2016/44/piusbrudersc ... nerkennung
Die Zeit, Prof. Magnus Striet hat geschrieben:Will Franziskus wirklich eine Kirche, in der die einen für ein modernes Menschenrechtsethos streiten, während die anderen im 19. Jahrhundert verharren? In einem römischen Katholizismus, der in der Erklärung der Menschenrechte die Pest der Neuzeit erblicken wollte?
Genau so ist es. Der römische Katholizismus erblickt in der Erklärung der Menschenrechte die Pest der Neuzeit. Auch Prof. Striet weiß noch, was römischer Katholizismus ist.

Die Zeit, Magnus Striet hat geschrieben:Entweder nimmt [Franziskus] sich selbst nicht ernst darin, eine andere, auf die Lebenswirklichkeiten der Menschen schauende Kirche zu wollen. Oder aber er will gar keine andere Kirche.
Was? Er will vielleicht gar keine andere Kirche mehr, sondern wieder die aus Zeiten des römischen Katholizismus, der in der Religionsfreiheit die Pest der Neuzeit erblickt?

Die Zeit, Magnus Striet hat geschrieben:Wenn aber die unbedingte Menschenwürde und damit verbundene Freiheitsrechte der Kirche jetzt heilig sind, dann war deren Verdammung durch Päpste des 19. Jahrhunderts falsch. Und hier geht es nicht um irgendetwas, sondern um den Kern dessen, was das Evangelium vom menschenfreundlichen Gott ausmacht.
Genau, das Evangelium von den Menschen und deren heiligen Rechten steht dem Evangelium von den Rechten Gottes im Kern und diametral entgegen.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Jarom1
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Jarom1 » Dienstag 25. Oktober 2016, 08:49

Ich habe gestern Bekannte getroffen, deren Sohn im April konfirmiert wurde (Hannoversche Landeskirche). Ich habe den Sohn gefragt, ob denn im Konfirmationsunterricht der Kleine Katechismus Luthers behandelt wurde. Er kannte dieses Buch nicht einmal ... :traurigtaps:
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Juergen
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Juergen » Dienstag 25. Oktober 2016, 11:13

Jarom1 hat geschrieben:Ich habe gestern Bekannte getroffen, deren Sohn im April konfirmiert wurde (Hannoversche Landeskirche). Ich habe den Sohn gefragt, ob denn im Konfirmationsunterricht der Kleine Katechismus Luthers behandelt wurde. Er kannte dieses Buch nicht einmal ... :traurigtaps:
Meinst Du katholische Jugendliche würden bei der Firmung den Kathechismus kennen?

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Sascha B. » Dienstag 25. Oktober 2016, 11:57

Juergen hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Ich habe gestern Bekannte getroffen, deren Sohn im April konfirmiert wurde (Hannoversche Landeskirche). Ich habe den Sohn gefragt, ob denn im Konfirmationsunterricht der Kleine Katechismus Luthers behandelt wurde. Er kannte dieses Buch nicht einmal ... :traurigtaps:
Meinst Du katholische Jugendliche würden bei der Firmung den Kathechismus kennen?

Hüben wie drüben geht's bergab.
Und bei den Erwachsenen sieht es nicht besser aus. Kenne kaum Leute welche überhaupt einen Katechismus besitzen würden. Geschweige denn mal darin lesen.
"Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte." Adolph Kolping

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Jarom1 » Dienstag 25. Oktober 2016, 15:39

Juergen hat geschrieben:
Jarom1 hat geschrieben:Ich habe gestern Bekannte getroffen, deren Sohn im April konfirmiert wurde (Hannoversche Landeskirche). Ich habe den Sohn gefragt, ob denn im Konfirmationsunterricht der Kleine Katechismus Luthers behandelt wurde. Er kannte dieses Buch nicht einmal ... :traurigtaps:
Meinst Du katholische Jugendliche würden bei der Firmung den Kathechismus kennen?

Hüben wie drüben geht's bergab.
Wie sieht es mit der Kenntnis des Youcat aus?
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Marion » Dienstag 25. Oktober 2016, 15:55

Theologie der Religionsfreiheit - Alles halt frei von egal welcher Religion.
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Juergen
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Juergen » Dienstag 25. Oktober 2016, 15:58

Marion hat geschrieben:Theologie der Religionsfreiheit - Alles halt frei von egal welcher Religion.
Sozusagen: Frei von jeder Religion.

:hmm:
Gruß
Jürgen

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Mittwoch 26. Oktober 2016, 06:56

Juergen hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Theologie der Religionsfreiheit - Alles halt frei von egal welcher Religion.
Sozusagen: Frei von jeder Religion.

:hmm:
Das schafft Platz für den Glauben an Jesus Christus! :ja:
Sprachphilosophie ist Theologie für den weltlichen Bereich!

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overkott
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 14. März 2017, 09:32

Das Persönlichkeitsrecht entfaltet sich auch in der Religionsfreiheit. Diese ist zunächst Ausdruck einer persönlichen Überzeugung, dann aber auch einer gemeinsamen, wie sie in einer weiteren Variante etwa in der Pressefreiheit zum Ausdruck kommt.

Dass der Staat sich zur Religionsfreiheit bekennt, ist zunächst ein Zeichen der Zurückhaltung staatlicher Reglementierung. In einem zivilrechtlichen Verfahren muss er die Freiheitsrechte streitender Parteien gegeneinander abwägen.

Wo es um Streitigkeiten am Arbeitsplatz geht, urteilen Richter über das Vertragsrecht. Dabei geht es um individuelle Arbeitsverträge, ebenso wie um Tarifverträge. In Frage steht nicht nur, ob im Arbeits- oder Tarifvertrag das Thema Berufskleidung angesprochen wurde, sondern zur Debatte stehen auch die Voraussetzungen, unter denen eine Einstellung erfolgte. Hat also ein Arbeitgeber die Kleidung eines Bewerbers stillschweigend akzeptiert, ergibt sich daraus für ein Urteil ein höherer Maßstab an das billige Ermessen, in dessen Rahmen der Arbeitgeber Leistungen bestimmen kann. Billig ist eine Bestimmung dann, wenn sie verhältnismäßig ist.

Belastet etwa die Kleidung den Kundenkontakt, ist ein Mitarbeiter im Rahmen seines Arbeitsvertrages so einzusetzen, dass ein Konflikt vermieden wird. Ist der Konflikt unvermeidbar, darf der Arbeitgeber unter Beachtung der Kündigungsfristen eine ordentliche Kündigung aussprechen. Das gleiche Recht steht auch dem Arbeitnehmer zu, der Arbeitsbedingungen unzumutbar findet.

Im Hinblick auf den Betriebsfrieden sind Vereinbarungen mit der Personalvertretung zu beachten.

Auch für den Staat als Arbeitgeber gilt das Subsidiaritätsprinzip. Konkrete Entscheidungen sind also auf der konkreten Ebene zu treffen. Eine Schule wird in Abstimmung mit dem Lehrkörper, der Eltern- und Schülervertretung eine Kleiderordnung erlassen dürfen, die dem Schulfrieden dient. Das kann im konkreten Fall dazu führen, dass das Persönlichkeitsrecht einzelner an die Grenzen der Rechte anderer, etwa des Arbeitgebers, stößt.

Die Religionsfreiheit ist also kein Sonderrecht und betrifft auch nicht nur eine Religionsgemeinschaft und deren Mitglieder, sondern ist eine Entfaltung der Freiheit im Allgemeinen.

Im Hinblick auf eine Theologie der Religionsfreiheit ist also die Nächstenliebe der Maßstab. Christen, die etwa als Ordensleute auch im Beruf öffentlich erkennbar sein wollen, werden Andersgläubigen ihre Erkennbarkeit im Beruf nicht absprechen. Gleichwohl werden sie sich integrieren, wenn es dem Frieden dient.

Sach 8,16 Das sind die Dinge, die ihr tun sollt: Sagt untereinander die Wahrheit! Fällt an euren Stadttoren Urteile, die der Wahrheit entsprechen und dem Frieden dienen.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 14. März 2017, 10:20

Der Europäische Gerichtshof hat jetzt wohl in dieser Richtung entschieden. Die Begründung "allgemeine Regel diskriminierungsfrei" in der Welt liest sich jedoch schildbürgerartig. Man kann nur hoffen, dass im Gericht selbst keine Schildbürger sitzen.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 14. März 2017, 13:41

In der Zeitung kann man sich noch einmal durchklicken zum Gerichtswirrwarr mit Selbstüberlastung zur finanziellen Beglückung von Anwälten. Konkret geht es jeweils um die Kompetenz der Verwaltung zur Auswahl von Bewerbern. Dabei gilt es, für die Kompetenz der Verwaltung die demokratische Legitimation zu beachten. Ein Eingriff in die demokratische Legitimation durch ein Gericht ist nur zulässig, wenn ein Kläger in seinen Grundrechten unbillig verletzt wird. Aus der Entfaltung des Persönlichkeitsrechts in Form der Religionsfreiheit ergibt sich kein Anspruch auf einen Arbeitsplatz, auch nicht gegenüber einem öffentlichen Arbeitgeber. Wegen fehlender Voraussetzung entsteht auch kein Anspruch auf Entschädigung. Der individuelle Fall ist damit erledigt.

Die Religionsfreiheit gebietet das Recht für Religionslehrer auch an Grundschulen, sich den Bekleidungsvorschriften ihrer zum Unterricht berechtigten Religionsgemeinschaften entsprechend kleiden zu dürfen. Der Ausschluss einer Bewerberin, die sich dem Tragen der Kleidung ihrer Religionsgemeinschaft prinzipiell verweigert, wäre hier statthaft.

Die politische Frage der Integration und des Schulfriedens entzieht sich dem Gericht. Die Kompetenz liegt beim Arbeitgeber. Im Rahmen einer Normenkontrollklage kann ein Gericht den Nachweis für billiges Ermessen verlangen durch Beteiligung der betroffenen Gremien ( Betriebsrat, Schülerrat, Elternvertretung etc. ).

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Sempre » Mittwoch 15. März 2017, 03:20

Ein natürliches Recht auf Religionsfreiheit bedeutete die Widersinnigkeit eines gottgegebenen Rechts, die Gebote Gottes abzulehnen. Ebenso auch eine Leugnung der Tatsache, dass Gott das natürliche Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben hat.




Der Hirtengott Pan.




Der Hirtengott Pan mit der Panflöte.




Tempel in Khajuraho, Indien.




Tempel in Khajuraho, Indien.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Mittwoch 15. März 2017, 11:31

Sempre hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 03:20
Ein natürliches Recht auf Religionsfreiheit bedeutete die Widersinnigkeit eines gottgegebenen Rechts, die Gebote Gottes abzulehnen. Ebenso auch eine Leugnung der Tatsache, dass Gott das natürliche Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben hat.
Man kann darüber diskutieren, ob die Religionsfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz mit der Gewissensfreiheit und der Bekenntnisfreiheit identisch ist. Sicher hat die Religionsfreiheit als Individualrecht und Privatsache ihren Grund in der Freiheit und dem Persönlichkeitsrecht an sich. Wie jede Freiheit hat sie damit auch ihre Grenzen in den Rechten anderer. Wo sich Individuen zu Glaubensgemeinschaften zusammenschließen, meint Religionsfreiheit den öffentlichen Gottesdienst. Mit der allmählichen Emanzipation des Christentums vom Judentum, der Ausbreitung und dem Aufstieg in Europa, hat sich die ursprünglich, biblisch fundierte Toleranz gewandelt zu einem religiös begründeten Herrschaftsanspruch. Schon im Hochmittelalter deuteten sich jedoch Umbrüche an, die bis in die Neuzeit zunahmen und über den Augsburger Religionsfrieden sowie landesherrliche Toleranzedikte schließlich in der Religionsfreiheit mündeten. Dabei ist Religionsfreiheit kein absolutes Recht, sondern als Ausfluss des Persönlichkeitsrechts durch die Rechte anderer begrenzt. Das als natürlich empfundene Recht der Religionsfreiheit wird vom Staat vertraglich, etwa durch die Verfassung zuerkannt und durch weitere Gesetze geregelt. Der Staat unterbindet damit als Straftaten diskriminierte Handlungen, auch wenn sie religiös motiviert sind. Die Kirche spricht jedoch auch einen Irren von Schuld frei, wenn er seinem irrigen Gewissen gefolgt ist. Im Dialog mit der Kirche kennt auch der Staat die Schuldunfähigkeit:

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__20.html

Schuldunfähige gemeingefährliche Täter werden zum Schutz vor sich selbst und zum Schutz der Öffentlichkeit in eine geschlossene Therapie eingewiesen.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Mittwoch 15. März 2017, 13:21

overkott hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 11:31
Sempre hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 03:20
Ein natürliches Recht auf Religionsfreiheit bedeutete die Widersinnigkeit eines gottgegebenen Rechts, die Gebote Gottes abzulehnen. Ebenso auch eine Leugnung der Tatsache, dass Gott das natürliche Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben hat.
Man kann darüber diskutieren, ob die Religionsfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz mit der Gewissensfreiheit und der Bekenntnisfreiheit identisch ist. Sicher hat die Religionsfreiheit als Individualrecht und Privatsache ihren Grund in der Freiheit und dem Persönlichkeitsrecht an sich. Wie jede Freiheit hat sie damit auch ihre Grenzen in den Rechten anderer. Wo sich Individuen zu Glaubensgemeinschaften zusammenschließen, meint Religionsfreiheit den öffentlichen Gottesdienst. Mit der allmählichen Emanzipation des Christentums vom Judentum, der Ausbreitung und dem Aufstieg in Europa, hat sich die ursprünglich, biblisch fundierte Toleranz gewandelt zu einem religiös begründeten Herrschaftsanspruch. Schon im Hochmittelalter deuteten sich jedoch Umbrüche an, die bis in die Neuzeit zunahmen und über den Augsburger Religionsfrieden sowie landesherrliche Toleranzedikte schließlich in der Religionsfreiheit mündeten. Dabei ist Religionsfreiheit kein absolutes Recht, sondern als Ausfluss des Persönlichkeitsrechts durch die Rechte anderer begrenzt. Das als natürlich empfundene Recht der Religionsfreiheit wird vom Staat vertraglich, etwa durch die Verfassung zuerkannt und durch weitere Gesetze geregelt. Der Staat unterbindet damit als Straftaten diskriminierte Handlungen, auch wenn sie religiös motiviert sind. Die Kirche spricht jedoch auch einen Irren von Schuld frei, wenn er seinem irrigen Gewissen gefolgt ist. Im Dialog mit der Kirche kennt auch der Staat die Schuldunfähigkeit:

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__20.html

Schuldunfähige gemeingefährliche Täter werden zum Schutz vor sich selbst und zum Schutz der Öffentlichkeit in eine geschlossene Therapie eingewiesen.
Die in den letzten Sätzen verbalisierte passive Aggressivität konterkariert die davor gemachte Schilderung historischer Entwicklungen.
Zwischen den Zeilen wird angedeutet, daß derjenige, welcher sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, zugleich als Irrer eingestuft werden sollte.

Damit wird der Boden eines als christlich einzustufenden Disputs verlassen, Herr Overkott! :maske:
Sprachphilosophie ist Theologie für den weltlichen Bereich!

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Mittwoch 15. März 2017, 13:39

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 13:21
overkott hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 11:31
Sempre hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 03:20
Ein natürliches Recht auf Religionsfreiheit bedeutete die Widersinnigkeit eines gottgegebenen Rechts, die Gebote Gottes abzulehnen. Ebenso auch eine Leugnung der Tatsache, dass Gott das natürliche Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben hat.
Man kann darüber diskutieren, ob die Religionsfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz mit der Gewissensfreiheit und der Bekenntnisfreiheit identisch ist. Sicher hat die Religionsfreiheit als Individualrecht und Privatsache ihren Grund in der Freiheit und dem Persönlichkeitsrecht an sich. Wie jede Freiheit hat sie damit auch ihre Grenzen in den Rechten anderer. Wo sich Individuen zu Glaubensgemeinschaften zusammenschließen, meint Religionsfreiheit den öffentlichen Gottesdienst. Mit der allmählichen Emanzipation des Christentums vom Judentum, der Ausbreitung und dem Aufstieg in Europa, hat sich die ursprünglich, biblisch fundierte Toleranz gewandelt zu einem religiös begründeten Herrschaftsanspruch. Schon im Hochmittelalter deuteten sich jedoch Umbrüche an, die bis in die Neuzeit zunahmen und über den Augsburger Religionsfrieden sowie landesherrliche Toleranzedikte schließlich in der Religionsfreiheit mündeten. Dabei ist Religionsfreiheit kein absolutes Recht, sondern als Ausfluss des Persönlichkeitsrechts durch die Rechte anderer begrenzt. Das als natürlich empfundene Recht der Religionsfreiheit wird vom Staat vertraglich, etwa durch die Verfassung zuerkannt und durch weitere Gesetze geregelt. Der Staat unterbindet damit als Straftaten diskriminierte Handlungen, auch wenn sie religiös motiviert sind. Die Kirche spricht jedoch auch einen Irren von Schuld frei, wenn er seinem irrigen Gewissen gefolgt ist. Im Dialog mit der Kirche kennt auch der Staat die Schuldunfähigkeit:

https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__20.html

Schuldunfähige gemeingefährliche Täter werden zum Schutz vor sich selbst und zum Schutz der Öffentlichkeit in eine geschlossene Therapie eingewiesen.
Die in den letzten Sätzen verbalisierte passive Aggressivität konterkariert die davor gemachte Schilderung historischer Entwicklungen.
Zwischen den Zeilen wird angedeutet, daß derjenige, welcher sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, zugleich als Irrer eingestuft werden sollte.

Damit wird der Boden eines als christlich einzustufenden Disputs verlassen, Herr Overkott! :maske:
Wer sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, muss nicht irre sein. Er kann sich auch strafbar machen.

Für eine seelische Störung würde jedoch ein geringer Intelligenzquotient sprechen und pathogener Narzismus. Wer diese Störung religiös überhöht und dem Andersgläubigen gegenüber straffällig wird, gehört in ein Landeskrankenhaus. Über die Grenzen der Schuldfähigkeit urteilen die Richter nach Anhörung von Gutachtern. Vermag also ein religiös motivierter Überzeugungstäter die Straftaten als solche zu erkennen, gehört er in den normalen Strafvollzug.

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Raphael
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Mittwoch 15. März 2017, 14:24

overkott hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 13:39
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 13:21
Die in den letzten Sätzen verbalisierte passive Aggressivität konterkariert die davor gemachte Schilderung historischer Entwicklungen.
Zwischen den Zeilen wird angedeutet, daß derjenige, welcher sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, zugleich als Irrer eingestuft werden sollte.

Damit wird der Boden eines als christlich einzustufenden Disputs verlassen, Herr Overkott! :maske:
Wer sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, muss nicht irre sein.

.....
Genau dies jedoch machen sie durch den Kontext, in den sie ihre "Anmerkung" stellen, deutlich! :|
So wie das formuliert wurde und unter Einbeziehung dessen, auf was sie replizieren, bleibt die subkutane Beleidigung "Wer sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, ist irre!" die einzig intellektuell redliche Interpretationsmöglichkeit Ihrer "Anmerkung". :daumen-runter:
Sprachphilosophie ist Theologie für den weltlichen Bereich!

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Donnerstag 16. März 2017, 15:37

Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 14:24
overkott hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 13:39
Raphael hat geschrieben:
Mittwoch 15. März 2017, 13:21
Die in den letzten Sätzen verbalisierte passive Aggressivität konterkariert die davor gemachte Schilderung historischer Entwicklungen.
Zwischen den Zeilen wird angedeutet, daß derjenige, welcher sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, zugleich als Irrer eingestuft werden sollte.

Damit wird der Boden eines als christlich einzustufenden Disputs verlassen, Herr Overkott! :maske:
Wer sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, muss nicht irre sein.

.....
Genau dies jedoch machen sie durch den Kontext, in den sie ihre "Anmerkung" stellen, deutlich! :|
So wie das formuliert wurde und unter Einbeziehung dessen, auf was sie replizieren, bleibt die subkutane Beleidigung "Wer sich gegen Religionsfreiheit ausspricht, ist irre!" die einzig intellektuell redliche Interpretationsmöglichkeit Ihrer "Anmerkung". :daumen-runter:
Irre oder kriminell. Denn der liebe Gott hat sich bei der Nächstenliebe schon etwas gedacht. Eine seiner 50 göttlichen Ideen ist: Friede durch ausgleichende Gerechtigkeit. Lasst lieber jeden nach seiner Facon selig, als gewalttätig werden. Denn egal in welch traditioneller oder moderner Gewandung Intoleranz und Neutralität in religiösen Fragen auch daherkommt: Wenn in der Gewandung kein Friedensstifter steckt, handelt es sich um eine schlechte Verkleidung.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Donnerstag 16. März 2017, 15:44

overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 15:37
Irre oder kriminell.
:gaehn:
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 15:37
Denn der liebe Gott hat sich bei der Nächstenliebe schon etwas gedacht. .............
Das genau ist Ihnen jedoch offenbar entgangen, denn Sie qualifizieren die Feinde einer etwaigen Religionsfreiheit entweder als irre oder als kriminell und verstoßen aufgrund der Pauschalität des Urteils gegen das jesuanische Gebot, welches ER für das Urteilen gegeben hat:
Urteilt nicht nach dem Augenschein, sondern urteilt gerecht!
(Joh 7, 24)
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Donnerstag 16. März 2017, 16:02

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 15:44
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 15:37
Irre oder kriminell.
:gaehn:
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 15:37
Denn der liebe Gott hat sich bei der Nächstenliebe schon etwas gedacht. .............
Das genau ist Ihnen jedoch offenbar entgangen, denn Sie qualifizieren die Feinde einer etwaigen Religionsfreiheit entweder als irre oder als kriminell und verstoßen aufgrund der Pauschalität des Urteils gegen das jesuanische Gebot, welches ER für das Urteilen gegeben hat:
Urteilt nicht nach dem Augenschein, sondern urteilt gerecht!
(Joh 7, 24)
Die Frage ist, warum Jesus im Modernen Testament selbst Religionsfreiheit praktiziert und nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, warum Religionsfreiheit sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Donnerstag 16. März 2017, 16:14

overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:02
Die Frage ist, warum Jesus im Modernen Testament selbst Religionsfreiheit praktiziert und nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, warum Religionsfreiheit sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt.
Don't shift the goal posts! :dudu:

Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder kriminell qualifizieren. Dieser Frage könnte man sich nähern, indem man sich (oder Andere) fragt, ob es gute Gründe für eine etwaige Religionsfreiheit gibt. Und nachdem man sich (oder Andere) das gefragt hat, kann man die Antworten, die man dann gegebenenfalls gefunden (oder bekommen) hat, Anderen mitteilen.

So macht man das in der Nachfolge Christi, Herr Overkott! :ja:
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Donnerstag 16. März 2017, 16:21

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:14
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:02
Die Frage ist, warum Jesus im Modernen Testament selbst Religionsfreiheit praktiziert und nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, warum Religionsfreiheit sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt.
Don't shift the goal posts! :dudu:

Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder kriminell qualifizieren.
Wie würden Sie diejenigen qualifizieren, die aus Populismus den Herrn gekreuzigt haben?
Dieser Frage könnte man sich nähern, indem man sich (oder Andere) fragt, ob es gute Gründe für eine etwaige Religionsfreiheit gibt. Und nachdem man sich (oder Andere) das gefragt hat, kann man die Antworten, die man dann gegebenenfalls gefunden (oder bekommen) hat, Anderen mitteilen.

So macht man das in der Nachfolge Christi, Herr Overkott! :ja:

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Donnerstag 16. März 2017, 16:25

overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:21
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:14
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:02
Die Frage ist, warum Jesus im Modernen Testament selbst Religionsfreiheit praktiziert und nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, warum Religionsfreiheit sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt.
Don't shift the goal posts! :dudu:

Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder kriminell qualifizieren.
Wie würden Sie diejenigen qualifizieren, die aus Populismus den Herrn gekreuzigt haben?
Noch einmal: 8)
Don't shift the goal posts! :dudu:


Manchmal sind Wiederholungen lästig, aber hier ist Derartiges einmal wohlplatziert:
Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder als kriminell qualifizieren.

Welche Antwort haben Sie auf diese Frage? :detektiv:
Sprachphilosophie ist Theologie für den weltlichen Bereich!

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Donnerstag 16. März 2017, 16:29

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:25
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:21
Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:14
overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:02
Die Frage ist, warum Jesus im Modernen Testament selbst Religionsfreiheit praktiziert und nicht nur für sich selbst in Anspruch nimmt, warum Religionsfreiheit sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ergibt.
Don't shift the goal posts! :dudu:

Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder kriminell qualifizieren.
Wie würden Sie diejenigen qualifizieren, die aus Populismus den Herrn gekreuzigt haben?
Noch einmal: 8)
Don't shift the goal posts! :dudu:


Manchmal sind Wiederholungen lästig, aber hier ist Derartiges einmal wohlplatziert:
Die Frage ist, warum Sie, Herr Overkott, Gegner der Religionsfreiheit wahlweise als irre oder als kriminell qualifizieren.

Welche Antwort haben Sie auf diese Frage? :detektiv:
Ich kann Ihnen noch 50 Mal antworten, Ihr mangelndes Verständnis liegt nicht an meiner Intelligenz.

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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von Raphael » Donnerstag 16. März 2017, 16:40

overkott hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:29
Ich kann Ihnen noch 50 Mal antworten, Ihr mangelndes Verständnis liegt nicht an meiner Intelligenz.
Sie antworten ja gar nicht! :daumen-runter:

Ihr weiter oben gemachter Begründungsversuch, rechtfertigt eben nicht die Qualifizierung als irre und/oder kriminell für die Gegner der Religionsfreiheit, sondern äußert pauschal die Ansicht, Gott würde sich bei seinem Gebot der Nächstenliebe etwas gedacht haben.
Und in der Tat, Gott hat sich etwas dabei gedacht als er die Schöpfung erschuf und dem Menschen einen freien Willen einpflanzte. :ja:

By the way:
Wie bringen Sie es übrigens "unter einen Hut", eine andere Meinung zur Religionsfreiheit als irre und/oder kriminell zu qualifizieren und gleichzeitig das Doppelgebot zu propagieren? :achselzuck:
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Re: Theologie der Religionsfreiheit

Beitrag von overkott » Dienstag 21. März 2017, 07:36

Raphael hat geschrieben:
Donnerstag 16. März 2017, 16:40
Wie bringen Sie es übrigens "unter einen Hut", eine andere Meinung zur Religionsfreiheit als irre und/oder kriminell zu qualifizieren und gleichzeitig das Doppelgebot zu propagieren? :achselzuck:
Gott drängt mit seinem Gebot der Nächstenliebe zur Toleranz. Irre oder kriminell ist es, im Namen einer Religion Straftaten zu begehen. Religionsfreiheit ist also eine Variante der Nächstenliebe.

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