Johannes-Evangelium: Jesu Menschwerdung als Gericht

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

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Pilgerer
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Johannes-Evangelium: Jesu Menschwerdung als Gericht

Beitrag von Pilgerer » Donnerstag 2. November 2017, 17:21

Im Anschluss an die Nikodemus-Geschichte führt der Apostel Johannes als Erzähler aus:
13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. 14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. 16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. 17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. 18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. 19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. 20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. 21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.
Vers 13 zeigt, dass unter allen auf der Erde lebenden Menschen Jesus Christus der einzige ist, der zuvor im Himmel war und den Himmel kennt. Er zeigt, wie der Himmel ist. Er selbst ist der Zugang zum Himmel, weil er in der ungetrübten himmlischen göttlichen Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist steht. Der Himmel ist diese Gemeinschaft und alles, was daraus entsteht. Deshalb kann die Menschwerdung Gottes in Jesus auch als vorweggenommenes Gericht angesehen werden. Denn wer sich auf diese angebotene göttliche Gemeinschaft einlässt, kommt mit dem Himmel bereits in Berührung.

Vers 17 zeigt, dass Gott nicht ein neutraler, unerbittlicher Richter ist, sondern die Welt (oder die Menschen darin) retten will. Vers 18 sagt, "Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet, ... denn er glaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes". Was ist der Name des eingeborenen Sohnes Gottes? Jesus? Nun, das ist es an dieser Stelle nicht. Vielmehr geht es hier um den unaussprechlichen, ehrfurchtgebietenden Namen Gottes (JHWH). Dieser Name wird von Juden nicht ausgesprochen, sondern durch das hebräische Wort für "Herr" repräsentiert. Sie sagen dazu manchmal "Adonaj"=HERR, HaSchem=Der Name oder in Deutsch der "EWIGE". Von diesem Namen Gottes ist auch die Rede, wenn Paulus in Römer 10 sagt, wer glaubt, dass Jesus der Herr ist und von den Toten auferweckt ist ... wird gerettet. Johannes fordert hier also den Glauben, dass Jesus den geheimnisvollen Namen Gottes hat.

Vers 19-21 deuten an, dass Jesu Menschwerdung ein Gericht der Welt ist, das die Menschen scheidet. Die einen lassen sich auf Ihn und seine göttliche, himmlische Güte ein; die anderen verstecken sich in der Finsternis vor dem Angesicht des Erlösers und richten sich damit selbst.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Niels
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Re: Johannes-Evangelium: Jesu Menschwerdung als Gericht

Beitrag von Niels » Freitag 3. November 2017, 01:27

Otto, sinnlose Laberei.

Im Fegefeuer wird einem das alles ununterbrochen vorgelesen.

Manche denken, das sei der Himmel.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Raphael
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Re: Johannes-Evangelium: Jesu Menschwerdung als Gericht

Beitrag von Raphael » Freitag 3. November 2017, 07:00

Wieso muß ich bei Gericht immer an's Essen denken? :tuete:
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

Pilgerer
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Re: Johannes-Evangelium: Jesu Menschwerdung als Gericht

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 5. November 2017, 11:10

Niels hat geschrieben:
Freitag 3. November 2017, 01:27
Im Fegefeuer wird einem das alles ununterbrochen vorgelesen.
Das Fegefeuer ist wahrscheinlich das Reifen in der Liebe Gottes. Je mehr jemand schon in diesem vergänglichen Leben Umgang mit Gott hat und Gottes Liebe an sich wirken lässt, desto kürzer wird dann auch der Vollendungsprozess nach dem Tod.
Wer hingegen den Umgang mit Gott unterlässt, bleibt im "Hass der Welt" gefangen. Sünde, Ungerechtigkeit, Unbarmherzigkeit, Unmenschlichkeit bleiben dann seine Herren. Aus all dem will Gott erlösen.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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