nicht Frieden, sondern das Schwert

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.

Moderator: Hubertus

139:11-12
Beiträge: 46
Registriert: Mittwoch 17. Mai 2017, 23:35

nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von 139:11-12 » Montag 31. Juli 2017, 20:10

Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "

1. Weiß irgendjemand, wie das im Originaltext ist? Ist das ein resultatsbeschreibendes "Um" -also "es wird nicht das Ergebnis meines Kommens sein, dass Frieden ist" ?

Oder ein zielbeschreibendes "Um" - also "es war gar nicht meine Absicht, mit meinem Kommen Frieden zu schaffen"?



2. Wie versteht ihr das? Kann es im Sinne Jesu sein, dass Unfrieden herrscht? Ist Feindschaft nicht schlecht und Frieden gut? Betreibt Jesus da nicht irgendwie Vertauschung von Gut und Schlecht?

Lycobates
Beiträge: 839
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Lycobates » Montag 31. Juli 2017, 23:09

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 20:10
Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "

1. Weiß irgendjemand, wie das im Originaltext ist? Ist das ein resultatsbeschreibendes "Um" -also "es wird nicht das Ergebnis meines Kommens sein, dass Frieden ist" ?

Oder ein zielbeschreibendes "Um" - also "es war gar nicht meine Absicht, mit meinem Kommen Frieden zu schaffen"?

2. Wie versteht ihr das? Kann es im Sinne Jesu sein, dass Unfrieden herrscht? Ist Feindschaft nicht schlecht und Frieden gut? Betreibt Jesus da nicht irgendwie Vertauschung von Gut und Schlecht?
Das "um" ist gar nicht nötig.

οὐκ ἦλθον βαλεῖν εἰρήνην ἀλλὰ μάχαιραν
non veni pacem mittere, sed gladium

Ketter übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert
Rösch übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert
Lauck übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert
Ketter kommentiert:
Jesus fordert seine Jünger auf, den Frieden mit Gott und der Kirche höher zu stellen als den Frieden mit den Anverwandten, seine Nachfolge höher, als die Furcht vor Schmerz und Tod, das Leben der Seele höher als das des Leibes. Er will keinen Unfrieden in die Familie bringen, der aus Lieblosigkeit und Eigennutz entsteht; er will aber auch keinen faulen Frieden unter Verletzung der Gewissenspflicht.
Lauck schreibt:
Jesus ist nicht gekommen wie irgend ein Philosoph, um den Menschen eine Lebensweisheit zu verkünden, deren Annahme und Befolgung ihrer freien Entscheidung anheimgestellt ist. Er fordert jeden Menschen für sich selbst, für seine Person. Und diese Forderung stellt er so unerbittlich, daß selbst der liebste Mensch, sei es ein Vater oder eine Mutter, sei es das eigene Kind, gegebenenfalls davor zurücktreten muß. ...
Jesus verlangt seiner Person gegenüber ... die Liebe des Willens, die bereit ist, auch Herzensbande zu zerreißen, wo sie den Menschen an der Hingabe an Jesu Person hindern könnten. Ja sogar die Selbstliebe, die mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes den Menschen zwingt, nach seinem eigenen Lebensglück zu streben, muß sich jener Liebe zu Jesus unterordnen.
Mit Verlaub gesagt:
Man sollte keine Bibeln verwenden, es ist ja auch nicht gestattet, die nicht, nach alter Vorschrift, auf Väterkonsens und Lehramt gestützte Kommentare und Notizen mit kirchlicher Gutheißung enthalten.
Dann gäbe es weniger Fragen und Probleme!

Ein Katholik nimmt die Heilige Schrift aus der Hand der Kirche an; er greift nicht aus autonomer, frevelhafter, vermeintlicher Vollmacht selber nach Gottes Wort. Denn es ist wie ein zweischneidiges Schwert, penetrabilior omni gladio ancipiti.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Romanus
Beiträge: 170
Registriert: Montag 30. Januar 2017, 12:48

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Romanus » Dienstag 1. August 2017, 09:15

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 20:10
Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "
@ Lycobates: Wer sind Ketter, Rösch und Lauck? Haben diese die Bibel kommentiert?

@ 139:11-12: Jesus gebraucht drastische Worte, um seine Zuhörer wachzurütteln. Seine Rede baut hierzu auf Gegensatzpaaren wie Gut/Böse, ,Ego‘/Seele, Friede/Unfriede, Spreu/Weizen oder Materie/Geist auf. Bei seiner Aussage ist es nicht so, als sei Jesus plötzlich Materialist geworden, dem ein blutiger Krieg gegen Reiche und Mächtige oder zwischen Staaten und Völkern vor Augen stünde. Vielmehr lenkt Jesus den Blick in das private Umfeld, auf Blutsverwandte bzw. Familienmitglieder, deren Beziehungen zumeist durch Zwietracht, Missgunst, Neid und Misstrauen (Erbsünde) belastet sind. Um der Nachfolge willen geht es Jesus darum, diese Familienbande zu lösen (Schwert), die auf dem Weg der Nachfolge und der Umkehr hinderlich sind. Der Weg selbst ist von Unfrieden gekennzeichnet, der sich weniger an der Oberfläche als vielmehr im Innern einer Person abspielt und diese in der Tiefe, von der Seele her verwandelt. Denn gelöst werden letztlich Traumata, Verwundungen und Prägungen. Das Ziel ist nicht, mit seiner Familie zu brechen, sondern innere Freiheit zu gewinnen, bei der die jesuanische Ethik eine Richtschnur ist. Daher ist die Nachfolge oder der Weg zur Erleuchtung kein friedlicher ,Spaziergang‘ auf Erden, sondern ein aufwühlender Lernprozess, bei dem das Leben zur tieferen Erkenntnis von Liebe, Friede und Wahrheit reift.

(Die Textstelle erinnert an Lukas 22, 31–38, wo die Jünger offentsichtlich noch wenig begriffen haben, gleichsam mitten im Lernprozess stecken.)
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

Lycobates
Beiträge: 839
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Lycobates » Dienstag 1. August 2017, 10:07

Lycobates hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 23:09
139:11-12 hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 20:10
Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "

1. Weiß irgendjemand, wie das im Originaltext ist? Ist das ein resultatsbeschreibendes "Um" -also "es wird nicht das Ergebnis meines Kommens sein, dass Frieden ist" ?

Oder ein zielbeschreibendes "Um" - also "es war gar nicht meine Absicht, mit meinem Kommen Frieden zu schaffen"?

2. Wie versteht ihr das? Kann es im Sinne Jesu sein, dass Unfrieden herrscht? Ist Feindschaft nicht schlecht und Frieden gut? Betreibt Jesus da nicht irgendwie Vertauschung von Gut und Schlecht?
Das "um" ist gar nicht nötig.

οὐκ ἦλθον βαλεῖν εἰρήνην ἀλλὰ μάχαιραν
non veni pacem mittere, sed gladium

Ketter übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert
Rösch übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert
Lauck übersetzt:
Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern ein Schwert
Ketter kommentiert:
Jesus fordert seine Jünger auf, den Frieden mit Gott und der Kirche höher zu stellen als den Frieden mit den Anverwandten, seine Nachfolge höher, als die Furcht vor Schmerz und Tod, das Leben der Seele höher als das des Leibes. Er will keinen Unfrieden in die Familie bringen, der aus Lieblosigkeit und Eigennutz entsteht; er will aber auch keinen faulen Frieden unter Verletzung der Gewissenspflicht.
Lauck schreibt:
Jesus ist nicht gekommen wie irgend ein Philosoph, um den Menschen eine Lebensweisheit zu verkünden, deren Annahme und Befolgung ihrer freien Entscheidung anheimgestellt ist. Er fordert jeden Menschen für sich selbst, für seine Person. Und diese Forderung stellt er so unerbittlich, daß selbst der liebste Mensch, sei es ein Vater oder eine Mutter, sei es das eigene Kind, gegebenenfalls davor zurücktreten muß. ...
Jesus verlangt seiner Person gegenüber ... die Liebe des Willens, die bereit ist, auch Herzensbande zu zerreißen, wo sie den Menschen an der Hingabe an Jesu Person hindern könnten. Ja sogar die Selbstliebe, die mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes den Menschen zwingt, nach seinem eigenen Lebensglück zu streben, muß sich jener Liebe zu Jesus unterordnen.
Mit Verlaub gesagt:
Man sollte keine Bibeln verwenden, es ist ja auch nicht gestattet, die nicht, nach alter Vorschrift, auf Väterkonsens und Lehramt gestützte Kommentare und Notizen mit kirchlicher Gutheißung enthalten.
Dann gäbe es weniger Fragen und Probleme!

Ein Katholik nimmt die Heilige Schrift aus der Hand der Kirche an; er greift nicht aus autonomer, frevelhafter, vermeintlicher Vollmacht selber nach Gottes Wort. Denn es ist wie ein zweischneidiges Schwert, penetrabilior omni gladio ancipiti.
Ich trage gern die genaueren bibliographischen Angaben nach:

Bild

Bild

Bild
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

RomanesEuntDomus
Beiträge: 1030
Registriert: Montag 6. Juli 2015, 11:36

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von RomanesEuntDomus » Dienstag 1. August 2017, 10:22

139:11-12 hat geschrieben:Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "
...
2. Wie versteht ihr das? Kann es im Sinne Jesu sein, dass Unfrieden herrscht? Ist Feindschaft nicht schlecht und Frieden gut? Betreibt Jesus da nicht irgendwie Vertauschung von Gut und Schlecht?
Im Kontext wird klar, worum es eigentlich geht. Ein paar Verse vorher heißt es zum Beispiel:
... ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe ... sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen ...

Es geht also um das Bekennen des christlichen Glaubens.

Daß dieses Bekennen selbst in unseren Breiten, im 21. Jahrhundert und gerade im Familienkreis eine Menge "Entzweiung" bringen kann, weiß eigentlich fast jeder, der es einmal gewagt hat, sich z.B. in einer liberal-agnostischen oder einfach toleranten bis gleichgültigen Verwandtschaft plötzlich als gläubiger Christ zu outen. Und was dann folgt, sind wirklich nur Kleinigkeiten verglichen mit dem, was einen dann z.B. in streng muslimischen oder atheistischen Ländern erwarten kann.

Die Alternative wäre: "um des lieben Friedens willen" schweigen, möglichst nicht auffallen und so weitermachen wie bisher.
Lycobates hat geschrieben:Ein Katholik nimmt die Heilige Schrift aus der Hand der Kirche an; er greift nicht aus autonomer, frevelhafter, vermeintlicher Vollmacht selber nach Gottes Wort. Denn es ist wie ein zweischneidiges Schwert, penetrabilior omni gladio ancipiti.
Ich verstehe den Zusammenhang zwischen den beiden Sätzen (d.h. das Wörtchen "Denn") nicht, denn das Wort Gottes ist und bleibt doch auf jeden Fall schärfer als ein zweischneidiges Schwert (im Sinne von Hebr 4,12f). Eine nutzerfreundliche und für den Leser harmlose Version, die nicht auf jeden Fall durchdringt bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark ..., existiert nicht; sie wäre jedenfalls nicht mehr das Wort Gottes, sondern allenfalls ein nettes, auf Linie gebürstetes Erbauungsbuch.

Lycobates
Beiträge: 839
Registriert: Mittwoch 12. Juni 2013, 23:12

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Lycobates » Dienstag 1. August 2017, 11:08

RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Dienstag 1. August 2017, 10:22
Ich verstehe den Zusammenhang zwischen den beiden Sätzen (d.h. das Wörtchen "Denn") nicht
Ach, den zweiten Satz ("Denn") hätte ich auch nicht schreiben können, da der Bezug zum Kontext im Hebräerbrief nur ein herbeigezogener ist.

Mir ging und geht es darum, klarzustellen, daß jede fruchtbare und sinnvolle Beschäftigung mit der Heiligen Schrift (wenn diese denn geschieht, besagte Beschäftigung ist ja nicht für alle nötig oder nützlich, vgl. etwa die verurteilten Sätze 79-81 von Quesnel, und den verurteilten Satz 67 der Aftersynode von Pistoia) nur auf dem Boden der Väterexegese und des überlieferten lehramtlichen Schriftverständnisses stattfinden kann und darf.
Wenn dieser Boden verlassen wird, kommt man leicht auf den Holzweg. Exempla adsunt.
Zuletzt geändert von Lycobates am Dienstag 1. August 2017, 11:34, insgesamt 1-mal geändert.
Der Mittelweg ist der einzige Weg, der nicht nach Rom führt (Arnold Schönberg)
*
Fac me Tibi semper magis credere, in Te spem habere, Te diligere
*
... una cum omnibus orthodoxis, atque catholicae et apostolicae fidei cultoribus

Pilgerer
Beiträge: 2581
Registriert: Freitag 3. Juni 2011, 00:45

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Pilgerer » Dienstag 1. August 2017, 11:31

Es gibt zwei Dinge, die hier zu unterscheiden sind: a) der Frieden im Herzen und der Seele, b) der äußerliche Frieden in der Welt.

Wie das Buch Hiob zeigt, hatte vor Jesus der Satan Zugang zum Thronsaal Gottes. Er konnte in die Beziehung des Menschen zu Gott intervenieren und damit stören. Er konnte Misstrauen zwischen Mensch und Gott säen, das Unfrieden im Herzen bewirkt. Gewöhnlicherweise hat ein Mensch ein getrübtes Gottesbild, das er sich aus seiner Phantasie, Überlieferungen, Theorie etc. zusammen baut. Deshalb kann er sich nicht dem wahren Gott nahen, der ganz anders ist und Ruhe der Seele geben würde. Wir sehen das an Hiobs Vorwürfen an Gott, ungerecht zu sein, wenn er Unglück über den Frommen kommen lässt.
Der Frieden im Herzen kommt also dadurch, dass Satan aus dem Thronsaal Gottes oder "Reich Gottes" vertrieben wird. Das hat Jesus getan. Er hat das ungetrübte Verhältnis des Menschen zu Gott wieder hergestellt. Zugänglich ist das allerdings allein mittels Jesus Christus, der der Eine Hohepriester ist und den wahren ewigen, nicht abbildbaren Gott uns in Seinem Angesicht vermittelt. Durch Jesus als Hohepriester können wir Gott frei von der Intervention des Satans und Misstrauens erfahren. Wir können unabhängig von unserer Phantasie, Vorstellungskraft etc. erleben, wie Gott tatsächlich ist. Das ist die Wurzel des Friedens, den Jesus Christus gibt. Es ist ein Frieden des überströmenden Glücks. Denn der Geber aller guten Dinge macht noch unendlich viel glücklicher als diese Dinge an sich.

Obwohl also der Frieden im Herzen eines Christen, wo das Reich Gottes ist, hergestellt ist, wurde der Satan "auf die Erde geworfen" (Offenbarung 12): "13 Und als der Drache sah, dass er auf die Erde geworfen war, verfolgte er die Frau, die den Knaben geboren hatte." Trotz des innerlichen Friedens werden Christen nun äußerlich vom Drachen verfolgt und erleben äußerlichen Unfrieden. Einmal durch die Christenverfolgung, ebenso durch Zwänge zur Verleugnung Christi, aber auch durch Propaganda, die zur Sünde verführt (siehe das 2. Tier in Offenbarung 13, das Propaganda für die Anbetung des 1. Tiers der Sünden macht). Spaltungen und Unfrieden zwischen Christen treten auf, sobald sie nicht genügend den hohepriesterlichen Weg zu Gott praktizieren. Das sowohl innerhalb einer kirchlichen Gemeinschaft als auch zwischen den Gemeinschaften.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

Benutzeravatar
Petrus
Beiträge: 369
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2003, 20:58

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Petrus » Dienstag 1. August 2017, 13:31

139:11-12 hat geschrieben:
Montag 31. Juli 2017, 20:10
Mich würden eure Gedanken zu Mt 10:34-36 interessieren:

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter, und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein. "
nun,

mein Gedanke dazu, ist einfach:

"konvertierst Du, bist Du für Deine Familie gestorben."

Bin ich froh, dass das Jesus auch schon gesagt hat. Sonst wäre ich damals fast ein bißchen irritiert gewesen.

Romanus
Beiträge: 170
Registriert: Montag 30. Januar 2017, 12:48

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Romanus » Dienstag 1. August 2017, 14:30

Lycobates hat geschrieben:
Dienstag 1. August 2017, 11:08
RomanesEuntDomus hat geschrieben:
Dienstag 1. August 2017, 10:22
Ich verstehe den Zusammenhang zwischen den beiden Sätzen (d.h. das Wörtchen "Denn") nicht
Ach, den zweiten Satz ("Denn") hätte ich auch nicht schreiben können, da der Bezug zum Kontext im Hebräerbrief nur ein herbeigezogener ist.

Mir ging und geht es darum, klarzustellen, daß jede fruchtbare und sinnvolle Beschäftigung mit der Heiligen Schrift (wenn diese denn geschieht, besagte Beschäftigung ist ja nicht für alle nötig oder nützlich, vgl. etwa die verurteilten Sätze 79-81 von Quesnel, und den verurteilten Satz 67 der Aftersynode von Pistoia) nur auf dem Boden der Väterexegese und des überlieferten lehramtlichen Schriftverständnisses stattfinden kann und darf.
Wenn dieser Boden verlassen wird, kommt man leicht auf den Holzweg. Exempla adsunt.
Deine akademisierte Binnensicht sei dir unbenommen – Bibelkommentaren stehe ich auch vollkommen aufgeschlossen gegenüber, also vielen Dank für die Informationen – allerdings spricht m. E. nichts dagegen, seine eigenen Glaubenserkenntnisse im Licht des Evangeliums zu reflektieren. Außerdem geht es beim Missionsbefehl (vgl. Matthäus 28, 19–20), bei dem es mir bei meiner Beschäftigung mit der Heiligen Schrift u. a. geht, weniger um die katholische Tradition als vielmehr um die Vermittlung der Botschaft selbst. So sehr du den Konsens mit der Väterexegese und dem überlieferten Lehramt für indiziert hältst, Außenstehende für den Herrn zu begeistern, sie mit dem Wesen Jesu, seiner Liebe und Barmherzigkeit, seiner Demut und Wachsamkeit zu inspirieren, wirst du auf diese Weise wohl eher nicht vermögen. Ob man nicht auch leicht auf den Holzweg gerät, wenn man die Menschen „draußen“ aus dem Blick verliert? Da fällt mir der Jurist Gerd Rinck (1910–2007), der einmal in der Zeit schrieb: „Der Intellektuelle ist ein Verstandesmensch. Er ist intelligent und ist vor allem analytisch begabt. Er gibt dem Verstand und der Logik den Vorrang. Intellekt ist Intelligenz ohne Klugheit.“ – Die Klugheit des Herzens gehört zum Menschen dazu, oder?
„Die Kirche ist ein Kind der Zeit, Gott aber nicht, und der Bischof von Rom, sein Stellvertreter, kann zeitlichen Mächten nicht dienlich sein.“ (Andreas Kilb)

139:11-12
Beiträge: 46
Registriert: Mittwoch 17. Mai 2017, 23:35

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von 139:11-12 » Dienstag 1. August 2017, 18:02

Zunächst einmal vielen Dank für eure Antworten.
Irritierend fand ich jetzt aber doch die Aussage des Lycobates, die Bibel sei nur in Kombination mit der "Väterexegese" zu lesen bzw. dies sei sogar die einzig erlaubte (???) Art und Weise.
Zum einen wird schon allein der regelmäßige Messbesuch dazu führen, dass man sich mit Bibelstellen beschäftigt, ohne automatisch einen kirchlich autorisierten Bibelkommentar zu Rate zu ziehen.
Zum anderen scheint mir das auch insofern nicht schlüssig, als es diese Väterexegese ja noch gar nicht immer gegeben hat, sondern sie eben erst aus der Beschäftigung mit der Bibel heraus entstehen konnte. Dass Schrift und Tradition nicht voneinander isoliert betrachtet werden sollten, streite ich gar nicht ab, aber warum es schädlich sein sollte, in der Bibel zu lesen, wenn man nicht den richtigen Bibelkommentar zur Hand hat, leuchtet mir nicht ein.
Und darüber hinaus wird ja die Einheitsübersetzung kaum unkatholisch sein.
Und außerdem heißt es doch "Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte und ein Licht für meine Pfade." Warum sollte ich auf dieses Licht verzichten?

Pilgerer
Beiträge: 2581
Registriert: Freitag 3. Juni 2011, 00:45

Re: nicht Frieden, sondern das Schwert

Beitrag von Pilgerer » Mittwoch 2. August 2017, 00:41

Bezüglich der Trinitätslehre und Christologie ist die Vätertradition sehr wichtig, um diesbezüglich "häretische" Auslegungen bei der Bibelexegese zu vermeiden. Dafür sind aber auch die großen Bekenntnisse (Apostolikum, Athanasisches und Nicänisches Glaubensbekenntnis, ...) eine gute Richtschnur.

Zu der hier diskutierten Bibelstelle gibt es bie Chrysostomos etwas zu finden: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel444.htm
Bestimmt auch noch mehr. Das hilft zur Erhellung. Trotzdem ist es eine gute Übung, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wie eine solch zunächst verwirrende Bibelstelle in den Zusammenhang der übrigen Bibel passt. Die Bibel ist ja ein zusammenhängender Organismus, wo ich nicht Teile auseinander teilen kann, sondern wo alles miteinander auf verschiedene Weise verbunden ist. Viele christliche Sektierer haben dies ignoriert und sich allein auf bestimmte Segmente der ganzen Bibel gestützt, um damit ein "biblisches Christentum" zu begründen. Die Bibel ist einfach so groß mit je nach Variante >1000 Seiten. Da ist ein gutes und zugleich schnelles Urteil, was "die Bibel" sagt, nicht möglich. Vielmehr ist da Geduld notwendig.
Bei der Auslegung ist auch wichtig zu fragen, was bringt meine Seele weiter? Erlebe ich einen seelischen Fortschritt oder "Haschen nach Wind"?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste