Inwieweit ist die Liturgiereform gelungen?

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Juergen
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Re: Ist unsere Liturgiesprache noch zeitgemäß?

Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 20:35

Margarete G. hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Das Weizenkorn muß sterben, sonst bleibt es ja allein; der eine lebst vom andern, für sich kann keiner sein ...
Joh 12, 24:

Amen, Amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht auf die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.

:kratz:
Kannst Du diese Bibelstelle bei allen, die anwesend sind und das Lied singen wirklich als bekannt voraussetzen.

Das Lied mag ja gut gemeint sein.
Aber häufig ist das Gegenteil von "gut" eben "gut gemeint".
Gruß
Jürgen

Gast

Re: Ist unsere Liturgiesprache noch zeitgemäß?

Beitrag von Gast » Sonntag 1. Februar 2004, 20:44

Zuletzt geändert von Gast am Sonnabend 5. Februar 2005, 20:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Ist unsere Liturgiesprache noch zeitgemäß?

Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 20:48

Margarete G. hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Kannst Du diese Bibelstelle bei allen, die anwesend sind und das Lied singen wirklich als bekannt voraussetzen.
Steht doch (hoffentlich) im Gotteslob. Oder nicht????
Mag sein, daß die Stelle irgendwo im Gotteslob steht. Beim Lied 620 steht sie aber nicht dabei.
Gruß
Jürgen

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Sonntag 1. Februar 2004, 20:49

Ich sage: für einen, der keinen Zugang zum Glauben hat, sind beide Liedtexte Schall und Rauch.
Und was sagt uns das?

:kratz:

Geronimo

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 20:52

Geronimo hat geschrieben:Ich sage: für einen, der keinen Zugang zum Glauben hat, sind beide Liedtexte Schall und Rauch.
Welche beiden Liedtexte meinst Du?
Gruß
Jürgen

Gast

Beitrag von Gast » Sonntag 1. Februar 2004, 20:52

Zuletzt geändert von Gast am Sonnabend 5. Februar 2005, 20:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 20:54

Margarete G. hat geschrieben:
Geronimo hat geschrieben:Ich sage: für einen, der keinen Zugang zum Glauben hat, sind beide Liedtexte Schall und Rauch.
Und was sagt uns das?
Daß wir mit Liedtexten allein nix reißen. :ja:
Ich stehe eher auf dem Standpunkt:
z.B. Die Reformation hat sich in die Herzen der Menschen gesungen.
Gruß
Jürgen

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Sonntag 1. Februar 2004, 21:01

Juergen hat geschrieben:
Geronimo hat geschrieben:Ich sage: für einen, der keinen Zugang zum Glauben hat, sind beide Liedtexte Schall und Rauch.
Welche beiden Liedtexte meinst Du?

Ach ja, es sind mehrere. Besser formuliert: Neues Liedgut und altes Liedgut.

Geronimo

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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 21:04

Kurzum: Weder alte noch neue Lieder sagen den Leuten was.

Folglich: Es sollte ganz aufgehört werden zu singen.
Gruß
Jürgen

Stefan
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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:18

Wer mehr über die Alte Messe wissen will, kann hier nachlesen.

Messfeiern im alten Ritus gibts hier (allesamt mit Indult, also von der kirchlichen Autorität zugelassen).

Stefan
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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:22

Da übrigens die Sprache auf Afrika kam, von denen wir in der Liturgie auch lernen können:


Hier gibt es ein Apostolat der Petrusbruderschaft in Nigeria, welche die Messe im überlieferten Ritus feiern.
Nne Enyemaka Shrine Umuaka
Priestly Fraternity of Saint Peter
P.O. Box 430, Orlu
Imo State
Nigeria

H.H.P. Evaristus ESHIOWU
tél. (+234) 82.44.71.19
Quelle: http://www.fssp.org

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umusungu
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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 21:26

Juergen hat geschrieben:Ich stehe eher auf dem Standpunkt:
z.B. Die Reformation hat sich in die Herzen der Menschen gesungen.
unter anderem auch. Und warum? Weil damals Lieder in deutscher Sprache gegen gregorianischen Choral standen.

http://www.gesangbuch.org/hymns/zahn.html gibt einen Überblick über deutsche Lieder aus der Reformation, deren Melodien heute noch in Hymnen der amerikanischen Lutheraner Verweundung finden.

Doch bekomme ich GL 470 "O Lamm Gottes unschuldig, am Stamme des Kreuzes geschlachtet...." nicht über die Lippen.
Zuletzt geändert von umusungu am Sonntag 1. Februar 2004, 21:34, insgesamt 1-mal geändert.

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otto
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Re: Ist unsere Liturgiesprache noch zeitgemäß?

Beitrag von otto » Sonntag 1. Februar 2004, 21:26

Margarete G. hat geschrieben:
otto hat geschrieben:Das Problem interessierter Kreise innerhalb der rk Kirche ist immer das gleiche, wie kann der Zeitgeist in der Liturgie verankert werden, mal ist es eine unzeitgemäße Sprache, dann sind es die Symbole die stumm geworden sind, oder die Lebendigkeit die in der Kirche spürbar sein muss.
Nenne die "interessierten Kreise" doch bitte beim Namen, Otto!

Wo befinden sich die von mir angesprochenen interessierten Kreise und wer sind sie?

Margarete das ist gar kein so großes Mysterium, indem jene sehr offen agieren, suggerieren und polarisieren.

Größtenteils aber nicht ausschließlich, dürfte sich nach meiner Erfahrung dieser von mir benannte interessierte Personenkreis innerhalb von WSK und IKvU befinden.
Zuletzt geändert von otto am Sonntag 1. Februar 2004, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.
"Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach." Matthäus 16,24

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 21:26

Petra hat geschrieben:Oder man könnte in Latein oder auf Ausländisch singen. Etwa wie in Taizé.

*duckundwech*
Also wegrennen mußt Du nicht.
Aber es ist schon interessant, daß nicht wenige nach Taizé pilgern und dort Lieder in allen möglichen Sprachen singen, die sie nicht verstehen, aber in einer dt. Messe den Mund nicht aufbekommen :kratz:
Gruß
Jürgen

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umusungu
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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 21:28

Stefan hat geschrieben:Wer mehr über die Alte Messe wissen will, kann hier nachlesen.

Messfeiern im alten Ritus gibts hier (allesamt mit Indult, also von der kirchlichen Autorität zugelassen).
und an welchen Ort zieht es Dich?

Stefan
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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:29

umusungu hat geschrieben: unter anderem auch. Und warum? Weil damals Lieder in deutscher Sprache gegen gregorialischen Choral standen.
Ihre Kirchengebäude sind auch leer.

Stefan
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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:32

umusungu hat geschrieben: und an welchen Ort zieht es Dich?
Willste mal mitkommen? :mrgreen:

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umusungu
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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 21:36

Stefan hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben: und an welchen Ort zieht es Dich?
Willste mal mitkommen? :mrgreen:
DANKE nein......... :roll:

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 21:45

umusungu hat geschrieben:Doch bekomme ich GL 470 "O Lamm Gottes unschuldig, am Stamme des Kreuzes geschlachtet...." nicht über die Lippen.
Weswegen?
Wegen des Wortes "geschlachtet"? :kratz:
Dann geh nur nicht in eine Chysostomusliturgie
Er legt alsdann das Lamm mit dem Siegel nach unten auf den heiligen Diskos.
Der Diakon sagt:

Schlachte, Gebieter.

Der Priester schneidet das Lamm kreuzweise von der unteren Seite bis zur oberan Kruste, die das Siegel trägt, ohne jedoch das Siegel zu beschädigen, und spricht:
Geschlachtet wird das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, für das Leben und das Heil der Welt.

Er wendet das Lamm um, so daß das Siegel nach oben zeigt.
Wenn der Diakon spricht:

Durchbohre, Herr,

stößt der Priester die Lanze in die rechte Seite des Lammes und sagt:
Einer von den Kriegern öffnete Seine Seite mit einer Lanze, und alsbald kam Blut und Wasser heraus, und der, welcher es sah, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr.
(Anm: in der östl. Liturgie wird die Prosphore (das Brot also) mit Lamm bezeichnet.)
Gruß
Jürgen

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umusungu
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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 21:54

Juergen hat geschrieben:Weswegen?
Wegen des Wortes "geschlachtet"? :kratz:
Dann geh nur nicht in eine Chysostomusliturgie
War ich schon, sogar hier bei uns in der Pfarrkirche .......... leider in in Russisch ............

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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 21:55

Stefan hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben: unter anderem auch. Und warum? Weil damals Lieder in deutscher Sprache gegen gregorialischen Choral standen.
Ihre Kirchengebäude sind auch leer.
ich sprach von damals

Stefan
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Beitrag von Stefan » Sonntag 1. Februar 2004, 21:58

umusungu hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben: unter anderem auch. Und warum? Weil damals Lieder in deutscher Sprache gegen gregorialischen Choral standen.
Ihre Kirchengebäude sind auch leer.
ich sprach von damals
Schon, aber damals waren eben alle Kirchen voll...

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Erich_D
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Beitrag von Erich_D » Sonntag 1. Februar 2004, 22:27

Juergen hat geschrieben:Kurzum: Weder alte noch neue Lieder sagen den Leuten was.

Folglich: Es sollte ganz aufgehört werden zu singen.
Nein, aber es gehört mehr Glaubensvermittlung her. Weg mit den Predigten zu allen Lebenslagen, dafür mehr Predigten über die Inhalte unseres Glaubens, über die Liturgie und die Heilige Schrift. Damit wieder verstanden wird, was wir da eigentlich singen und sagen.

Macht mal einen einfachen Test: fragt die Leute, wer der Herr Zebaoth ist, von dem sie singen (Zebaoth?), was Hosianna heisst, was der Jubel des Halleluja aussagt. Dann werdet Ihr schon sehen, wo wir stehen in der deutschen Kirche, nämlich beim liturgischen Analphabetentum.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Beitrag von Erich_D » Sonntag 1. Februar 2004, 22:31

umusungu hat geschrieben:Doch bekomme ich GL 470 "O Lamm Gottes unschuldig, am Stamme des Kreuzes geschlachtet...." nicht über die Lippen.
Warum?
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt mach´s wie deine Brüder", so sprach die Mutter, sprach der Vater, lehrte der Pastor."

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Juergen
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Beitrag von Juergen » Sonntag 1. Februar 2004, 22:36

umusungu hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Weswegen?
Wegen des Wortes "geschlachtet"? :kratz:
Dann geh nur nicht in eine Chysostomusliturgie
War ich schon, sogar hier bei uns in der Pfarrkirche .......... leider in in Russisch ............
Und?
Hast Du denen gleich vorgeschlagen, sie müßten das unbedingt in Deutsch machen?
Gruß
Jürgen

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Beitrag von umusungu » Sonntag 1. Februar 2004, 22:43

Juergen hat geschrieben:
umusungu hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:Weswegen?
Wegen des Wortes "geschlachtet"? :kratz:
Dann geh nur nicht in eine Chysostomusliturgie
War ich schon, sogar hier bei uns in der Pfarrkirche .......... leider in in Russisch ............
Und?
Hast Du denen gleich vorgeschlagen, sie müßten das unbedingt in Deutsch machen?
:freude: sofort und auf der Stelle :freude:

Gast

Beitrag von Gast » Montag 2. Februar 2004, 11:36

Zuletzt geändert von Gast am Sonnabend 5. Februar 2005, 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

Stefan
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Beitrag von Stefan » Dienstag 3. Februar 2004, 11:49

Margarete G. hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Schon, aber damals waren eben alle Kirchen voll...
Mit anderen Worten: die deutschen Lieder haben DAMALS der Reformation nicht geschadet.

8)
Sie schaden ihr auch heute nicht. Und auch wenn es - wie in der katholischen Kirche - einen Flächenbrand in den protestantischen Volkskirchen gibt, so sollten wir nicht übersehen, daß es in freikirchlichen Gemeinden eine genau gegenteilige Entwicklung gibt. Und das liegt garantiert nicht im vierstimmigen Gesang, nicht an der "zeitgemäßen" Übersetzung von Zeichen und Symbolen oder anderen Adaptionen. Der Kern der Evangelisierung liegt wohl irgendwo anders.

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Mittwoch 4. Februar 2004, 18:46

Stefan hat geschrieben:
Margarete G. hat geschrieben:
Stefan hat geschrieben:Schon, aber damals waren eben alle Kirchen voll...
Mit anderen Worten: die deutschen Lieder haben DAMALS der Reformation nicht geschadet.

8)
Sie schaden ihr auch heute nicht. Und auch wenn es - wie in der katholischen Kirche - einen Flächenbrand in den protestantischen Volkskirchen gibt, so sollten wir nicht übersehen, daß es in freikirchlichen Gemeinden eine genau gegenteilige Entwicklung gibt. Und das liegt garantiert nicht im vierstimmigen Gesang, nicht an der "zeitgemäßen" Übersetzung von Zeichen und Symbolen oder anderen Adaptionen. Der Kern der Evangelisierung liegt wohl irgendwo anders.
Ja. Aber wo? Ich wage mal die These, dass eine Menge religiöser Energie brach liegt, die sich irgendwie Raum schaffen will. Mal ein Beispiel, um zu verdeutlichen, worauf ich rauswill: Man ist in einem Gottesdienst und es ist einem wirklich zum Heulen; die Liturgie gibt einem glatt noch den Rest und beim Kyrie gehen die Schleusen auf und ...ja, was dann? Wer hockt sich in seiner eigenen Gemeinde, Hand aufs Herz, hin und wagt öffentlich Tränen zu vergießen? Oder was Freudiges, das einem so bewegt, dass einem beim Gottesdienst wirklich ganz anders wird - wo kann man das loswerden? Man platzt fast, aber nach außen zeigt man Countenance. So sind wir halt gebaut; das soll jetzt keine Wertung sein.
Ich kann mir vorstellen, dass gewisse charismatische Vereinigungen grad dies Potential auffangen können - endlich mal aufstehen und Gott preisen; endlich mal den Glauben lauthals bekennen .... unter Leuten sein, die ebenfalls extrovierter sind ... die Anonymität aufbrechen.
Ich will jetzt wirklich keine Wertung abgeben, aber ich kann mir vorstellen, dass da eine Anziehungskraft für manche liegt. Dass sich das auch Sackgasse erweisen kann und einem schwer auf den Geist gehen, sei mal einfach dahingestellt - mir ging es einfach um die Anziehungskraft solcher Gruppen.

Geronimo

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Niels
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Beitrag von Niels » Freitag 6. Februar 2004, 10:05

Henry Krause hat geschrieben:Eine Reaktion auf die Folgen der Litur-giereform nach dem II. Vaticanum ist der Wunsch mancher Katholiken, wieder im alten tridentinischen Ritus Gottes-dienste zu feiern. Der Papst hat dies mit dem Apostolischen Schreiben Ecclesia dei vom Juli 1988 zugestanden, und inzwischen ist die vorkonziliare römische Liturgie wieder in vielen Diözesen an ausgewählten Orten zugelassen. Die Feier dieses Ritus erfordert die Geneh-migung des Ortsbischofs, die meist nur widerstrebend erteilt wird.

Bei den Gläubigen, die diesen Ritus bevorzugen, egal ob sie ihn noch in ihrer Kindheit erlebten oder ihn erst später kennengelernt haben, lassen sich im wesentlichen zwei Motive unterschei-den: Die einen haben grundsätzliche Probleme mit dem neuen Ritus. Sie empfinden ihn als Bruch in der Überlie-ferung; statt in der Praxis gewachsen, an Schreibtischen entworfen und durch eine kirchliche Bürokratie durchgesetzt. Andere fühlen sich von der Art und Weise abgestoßen, wie der neue Ritus vieler-orts gefeiert wird, können seine Belie-bigkeit, wie auch die Verdrängung der liturgischen Sprachen und der Gregoria-nik aus der Liturgie nicht akzeptieren. Martin Mosebach läßt beide Motive erkennen. Der Titel seines Buches

Martin Mosebach, Häresie der Form-losigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind. Karolinger Verlag, Wien 2002, 157 S. 15.- €.

läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und erinnert an die prägnanten Formulierungen von Carl Schmitt. Die Texte des Buches sind dennoch keine juristischen oder scholastischen Überle-gungen. Mosebach erhebt auch nicht „den Anspruch theologischer Deutung, es ist die Betrachtung Christi und seiner Werke aus einer bestimmten Lebenser-fahrung heraus“. Neben der inhaltlichen Argumentation macht vor allem die Form, die Sprache, das Buch zu einem Lesegenuß – denn Martin Mosebach ist Schriftsteller. Der Inhalt der meist schon andernorts publizierten Texte ist die katholische Liturgie, deren Reform nach dem II. Vaticanum in Anspruch und Wirklichkeit für ihn weit hinter dem vorkonziliaren Ritus zurückbleibt. „Wir haben mit sprachlosem Entsetzen gese-hen, daß die oberste katholische Autori-tät die ganze Macht, die ihrem Amt in Jahrtausenden zugewachsen ist, dazu verwandt hat, die Gestalt der Kirche, die Liturgie auszulöschen und etwas anderes an ihre Stelle zu setzen.“

Zweifellos empfiehlt sich der Frankfur-ter Schriftsteller mit solchen Sätzen nicht als Vortragsredner in Katholischen Akademien oder auf Priesterkonferen-zen. Dennoch könnten seine Betrach-tungen näher an Romano Guardinis „Geist der Liturgie“ liegen als manche Priester oder Laien, die sich im ver-meintlichen „Geiste des Konzils“ um die „Verständlichkeit“ ihrer Gottesdienste sorgen und deshalb die Liturgie mit belehrenden und unterhaltenden Elementen verunstalten. Die Lektüre von Guardinis Schriften und ihr Vergleich mit der heutigen liturgischen Praxis legt nahe, daß die Anliegen der Liturgiebe-wegung der ersten Hälfte des 20. Jahr-hunderts nur bedingt Früchte getragen haben. Guardinis Anliegen liturgischer Bildung dürfte inzwischen noch drin-gender sein als zu seiner Zeit; doch „die Aussichten auf ein liturgisches Christen-tum sind schlecht. Das Zukunftsmodell der christlichen Religion scheint, von heute aus betrachtet, die nordamerikani-sche Sekte zu sein, das schrecklichste Gesicht, das die Religion auf der Welt angenommen hat.“

Mosebach lehnt die Liturgiereform prinzipiell ab und bezeichnet sie als Iko-noklasmus. Er beruft sich auf Basilius den Großen, der die Liturgie wie die Heilige Schrift als Offenbarung verstand, die deshalb nicht angetastet wer-den dürften. Zwar habe sich die Liturgie im Laufe der Jahrhunderte verändert und weiter entwickelt, doch „diese Änderun-gen geschahen organisch, unbewußt, unbeabsichtigt, ohne theologisches Kon-zept, sie wuchsen aus der kultischen Praxis hervor, wie sich eine Landschaft durch Wind und Wasser in Jahrtausen-den umformt“. Die Liturgiereform habe dagegen zu einer „grundsätzlichen Be-schädigung der Brücke des Menschen zu Gott“ geführt. Sprachlicher und musika-lischer Kitsch, der Kitsch in Malerei und Architektur hätten das Erscheinungsbild der öffentlichen Akte der Kirche voll-kommen überflutet. „Das Modell der neuen Liturgie ist der Vorstandstisch bei einer Partei- oder Vereinsversammlung mit Mikrophon und Papieren, links steht eine Ikebana-Schale ...“

Der Autor verfolgt mit der Publikation seiner Texte kein missionarisches An-liegen; entstanden ist vielmehr ein Buch der Trauer und des Verlustes. Vermut-lich empfindet eine nennenswerte Min-derheit der Katholiken heute diesen Verlust ähnlich; viele werden ihn nicht artikulieren, einige bleiben ganz weg. Man-che der im kirchennahen Bereich Täti-gen lesen dieses „Kultbuch“ (Christian Geyer am 19. April in der FAZ) „heim-lich“, stimmen dem Autor zu oder schüt-teln über „diesen Unsinn“ den Kopf. Einen offenen Dialog über diese The-men gibt es in der katholischen Kirche zur Zeit nicht: „Es scheint so, als lebten in der Kirche inzwischen zwei verschie-dene Menschentypen, die sich nicht mehr miteinander verständigen können, auch wenn beide guten Willens wären.“
Die Einwände der Reformer gegen seine Position kennt und nennt der Autor. Zum Beispiel den Vorwurf des Ästheti-zismus, der den Liebhabern feierlicher Messen oder den Kritikern mancher Exponate moderner Kunst in Kirchen ent-gegengehalten wird. An vielen Stellen geht er auf diese Einwände ein und versucht sie zu entkräften, freilich ohne Hoffnung, etwas zu bewirken. Resig-niert bezeichnet er sich deshalb als „Steinzeitmenschen“, dem es nicht gelinge, intellektuelle Einsichten mit „tief im Physischen wurzelnden Grundüber-zeugungen in Übereinstimmung zu bringen“.

Was erwartet nun dieser Steinzeit-mensch, wenn er eine Kirche zum Got-tesdienst betritt? „Ich will in der Heili-gen Messe das Glück eines Mannes aus dem neuen Testament finden, der am Wegrand sitzt und Christus vorüberge-hen sieht.“ Ob diese Glückserfahrung ausschließlich im alten oder im neuen Ritus möglich ist oder in beiden, mag jeder anhand seiner Erfahrungen selbst beurteilen; daß sie ein Erkennungsmerkmal einer tatsächlichen „göttlichen Li-turgie“ ist, muß dem Autor zugestanden werden.
http://www.die-neue-ordnung.de/Nr52003/ ... ungen.html

Hat jemand von Euch das Buch von Mosebach schon gelesen?
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Geronimo

Beitrag von Geronimo » Freitag 6. Februar 2004, 11:30

Nein, hört sich aber interessant. Und sollten vielleich auch viele andere tun.
Ich meine, es ist wirklich nötig, denjenigen, die die Liturgiereform vehehment ablehnen, mit mehr Interesse zu begegnen und die Körnchen Wahrheit in ihren Aussagen zu wahrzunehmen.
Es sind Verletzungen entstanden (unbeabsichtigt), die man wahrnehmen muss. Außerdem ist nicht alles falsch, nur weil es von jemandem gesagt wird, der der Liturgiereform ablehnend gegenüber steht. Auch von dort können richtige Argumente kommen.
Wir müssen bedenken, dass die vehemente Ablehnung sehr oft aus tiefer Sorge entsteht um die Kirche. Wenn das nicht mehr bedacht wird (und so ist es momentan), dann lässt man die Leute im Regen stehen mit ihrer Bstürzung, ihrem Entsetzen und ihrer Enttäuschung über eine Kirche, die i.E. holter-di-polter so vieles über Bord gekippt hat.
Ich bin kein Gegner der Liturgiereform, wenn sie dann richtig verstanden wird, aber ich finde den Umgang mit den Gegnern dieser Reform mehr als fragwürdig.
Das Buch werde ich also lesen.

Geronimo

Gast

Ist mir gerade wieder in die Finger gefallen

Beitrag von Gast » Dienstag 17. Februar 2004, 15:07

Zuletzt geändert von Gast am Sonnabend 5. Februar 2005, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.

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