"Religionsunterricht"?

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Yeti
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Mittwoch 10. Februar 2016, 19:58

Amanda hat geschrieben:
Yeti hat geschrieben:Interessanter Vorschlag der Bundesvereinigung "Christen in der AfD": Schulfach "Religionsgeschichte" statt "Ethik":
Christen in der AfD hat geschrieben:"Der konfessionelle Religionsunterricht in allen Bundesländern hat für uns größte Bedeutung, denn in ihm besteht noch die Möglichkeit, das in den Familien nicht mehr oder nicht mehr ausreichend vorhandene Glaubenswissen zu vermitteln. Selbstverständlich achten wir die Wahlfreiheit der Eltern oder der Schüler, die die Wahrnehmung nicht glaubensbezogener Ersatzangebote ermöglicht. Anstelle unverbindlicher “Ethik”-Angebote oder vergleichbarer Fächer wäre nach unserer Ansicht die alternative Einrichtung eines Schulfaches “Religionsgeschichte” wünschenswert. Damit könnte dem oben erwähnten Aspekt der großen Bedeutung der christlichen Religion für die Ausbildung der europäischen Kultur Rechnung getragen werden, ohne dass an die Lernenden glaubensbezogene Anforderungen gestellt würden. Dies gilt auch für Kinder nichtchristlicher Bekenntnisse."
Nebenbei ein klares Bekenntnis für den konfessionellen RU an Schulen.

Der erste Satz in dem Zitat, lieber Yeti, ist ja wohl ein Witz... :kugel:
Der Religionsunterricht soll also tatsächlich Glaubenswissen vermitteln? Das hat er bei mir nicht; ich musste mir dieses Wissen andernorts beschaffen.
Ja, das stimmt...ich glaube, das wollte man etwas offiziös ausdrücken, damit es in ein Parteiprogramm hinein kann. Das wäre ein Punkt, den man der Bundesvereinigung "Christen in der AfD" mal schreiben könnte, was ich bei Gelegenheit auch mal tun werde; so ein wenig "Plauderei aus dem Nähkästchen". :)
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Juergen
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Juergen » Freitag 12. Februar 2016, 17:33

Glaubenswissen?

Selbst bei einfachsten Fragen scheitern die Leute heute.
Bald ist Valentinstag… Frag mal die Leute, was es damit auf sich hat und wieso der Tag so heißt. Bei den Antworten mangelt es gewaltig und dennoch werden wie bekloppt Blumen gekauft.
Jüngst hörte ich gar jemanden sagen, daß er gar nicht verstehen könne, warum der Tag in diesem Jahr an einem Sonntag gefeiert würde. Der wäre doch sonst immer am Dienstag. Der hieße ja nicht umsonst Wallen-Dienstag.
Gruß
Jürgen

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Yeti
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Dienstag 5. April 2016, 22:47

Verbände weisen Kritik am Reli-Unterricht zurück: Gänswein hatte in einem Interview mit der "Deutschen Welle" bemängelt, dass junge Leute nach der Schule "fast gar nichts" von ihrer Religion wüssten. Ausführlich in diesem Interview (bei ca. Min. 17:45):
Erzbischof Georg Gänswein hat geschrieben:"Da muss sich die Kirche fragen, wo sind Leerstellen in der Verkündigung, in der Katechese, wo muss ich etwas tun...es ist ja sonderbar, in Deutschland haben wir wie fast in keinem anderen Land der Welt Religion als verpflichtendes Fach im Unterricht...oft ist es aber so, dass die jungen Leute nach der Schule von ihrer Religion fast gar nichts wissen und wenn sie nichts wissen, dann können sie mit der Religion auch nichts anfangen...da ist es wichtig, dass man da wirklich Hand anlegt und Abhilfe schafft."
Von den Religionslehrerverbänden erhob sich ein Sturm der Entrüstung:
katholisch.de hat geschrieben:"Die Hinführung zur Teilnahme am kirchlichen Leben ist nicht primär Aufgabe des Religionsunterrichts"
Das hatte der Erzbischof doch gar nicht behauptet. Es ging doch um das Wissen über die eigene Religion.
katholisch.de hat geschrieben:"Nur dem Religionsunterricht aufzutragen, was eine reduzierte Katechese nicht leisten kann, würde nicht nur die Katechese veröden lassen, sondern auch die Anerkennung des Religionsunterrichts in Schule und Gesellschaft gefährden."
Was leistet der Religionsunterricht in seiner jetzigen Form dann überhaupt?
"Er sei ein anerkanntes Fach"
Wo leben die eigentlich?
"und leiste einen wesentlichen Beitrag zur Allgemeinbildung der Schüler."
Aber wenn offenbar das Wissen fehlt, was wird dann vermittelt?
Schauen wir mal:
katholisch.de hat geschrieben:Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, was Jugendliche am Ende ihrer Schullaufbahn über das Christentum - oder besser: über den Katholizismus - gelernt haben müssten. Die Antworten darauf fallen jedoch ebenso unterschiedlich aus, wie das Wissen darüber, was tatsächlich im Unterricht gelehrt wird.
Das ist schon einigermaßen seltsam bei einem Fach, welches wie jedes andere auch verpflichtende Lehrpläne hat.
katholisch.de hat geschrieben:"Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von "einer völligen Fehleinschätzung der Situation" durch Gänswein."
Albert Biesinger hat geschrieben:"Biesinger ist Unterzeichner der "Kölner Erklärung" 1989 und „Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch“."
Noch Fragen?
Aber:
katholisch.de hat geschrieben:"Für den Bochumer Religionspädagogen Bernhard Grümme ist der Vorwurf erst einmal nicht aus der Luft gegriffen. Neuere Forschungen zum Religionsunterricht belegten, dass Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn tatsächlich zu wenig über das Fach wüssten. Allerdings macht Grümme nicht die fehlenden Lehrinhalte dafür verantwortlich, sondern die didaktischen Konzepte, über die auch die Religionspädagogen stritten. Zur Diskussion steht beispielsweise der vom Bundesbildungsministerium angestoßene Paradigmenwechsel von der "Input-Orientierung" der alten Lehrpläne zur neuen "Output-Orientierung". Das Ergebnis ist der sogenannte kompetenzorientierte Unterricht, der mittlerweile deutschlandweit in Schulen Einzug erhalten hat. Die vermittelten Inhalte sind in diesem Konzept eher Mittel zum Zweck, um weitere Fähigkeiten zu erwerben. Zum "Wissen" kommen Aspekte wie Verstehen, Können, Handeln, Erfahrung und Motivation hinzu. Pädagogen sprechen in Bezug auf den Religionsunterricht von Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz. Grümme steht der Kompetenzorientierung mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Zwar wünsche er sich keinen "Bildungskanon" zurück, der alle zu behandelnden Inhalte vorgebe. Allerdings würden durch die neuen, stark vom Konstruktivismus geprägten Methoden teilweise wichtige Unterrichtsinhalte relativiert. "Wenn Schüler 30 Minuten Zeit bekommen, um etwas herauszufinden, das der Lehrer durch einen kleinen Impuls in zwei bis drei Minuten vorgeben kann, dann geht das natürlich auf Kosten eines Wissenszuwachses", erklärt Grümme. Der Theologe beklagt zudem, dass die Kompetenzorientierung das Gefälle hin zu einer Ökonomisierung von Bildung weiter verstärke."
Grümme weiter:
"Doch wie soll das funktionieren, wenn immer weniger junge Menschen eine Anbindung an die Kirchengemeinde haben? Grümme bestätigt, dass der Religionsunterricht durch den "gesellschaftlichen Wandel vor ganz neuen Herausforderungen stehe. Ursprünglich hätten Schüler außerhalb der Schule religiöse Erfahrungen gemacht, die als Grundlage für den Unterricht dienten. Weil das nicht mehr der Fall ist, versuche man nun etwa mit der sogenannten performativen Religionsdidaktik, Religion im Unterricht selbst erlebbar und erfahrbar zu machen. Das sei laut Grümme aber "ein Ritt auf des Messers Schneide". Als Beispiel nennt er den Umgang mit Gebeten wie dem "Vaterunser". Weil es ein zentrales Element des christlichen Glaubens sei, gehöre es durchaus in den Religionsunterricht, so Grümme. Auch könne man den Inhalt des Gebets mit persönlichen Erfahrungen der Schüler verknüpfen. Sobald man das "Vaterunser" aber im Unterricht so einfordere, "dass es auswendig gelernt und persönlich, aus dem Glauben heraus gesprochen wird, dann wurde das eigentliche Ziel verfehlt"."
Dann ist mal wieder das Bildungssystem schuld - klar, irgendeine anonyme Masse...
katholisch.de hat geschrieben:"Und letztlich gebe es auch ein Problem mit dem deutschen Bildungssystem. Statt eines ganzheitlichen Bildungsangebots zu machen, werde der Unterricht nur noch auf einen reinen Nutzen für die Wirtschaft hin ausgerichtet. "Auch deshalb steigt der Druck auf die Schüler und irgendwann sind sie bildungssatt."
So eine blöde Ausrede. Mich hat als Reli-Lehrer noch nie irgendein Wirtschaftsfuzzi von wegen "Ökonomisierung" belämmert. Soll er doch sagen, was wirklich Sache ist: Die Leute der Kirche haben in den Lehrplankommissionen niemand drin, der die Eier hat, auch mal "Nein" zu sagen. Das gelingt ihnen wohl nur, wenn der "Youcat" angeschafft werden soll. Was für widerliche Memmen.
katholisch.de hat geschrieben:"Wie eine bessere religiöse Bildung gestaltet werden könnte? Eine schwierige Frage, meint Reutter. Neben dem Unterricht sei die Schulpastoral eine gute Gelegenheit, um mit den Jugendlichen, die daran Interesse haben, ins Gespräch zu kommen. Dabei könne es durchaus auch um religiöse Themen gehen."
Nennt sich "Compassion"-Projekt. Alles schon durchgenudelt. Bringt nix, weil keine "Compassion" da ist. Warum auch. Da hab ich eher Mitleid mit den Schülern. Außerdem braucht man dazu kein Reli-Unterricht. Das könnte ein Lebenskundeunterricht auch leisten.

Nun gut. Gleichzeitig stellen diese reflexartig seit Jahrzehnten bei Kritik von außen abgespulten Floskeln aber auch einen gewissen Trost dar: Die Leitungen dieser Religionslehrerverbände bestehen ausnahmslos aus kurz vor der Pensionierung stehenden Lehrern. Entweder wir hören also bald neue Floskeln oder - was ich für wahrscheinlicher halte - diese Verbände gehen ein.
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Stephanie
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Stephanie » Mittwoch 6. April 2016, 07:52

Es wäre ja begrüßenswert, wenn das Fach so ernst genommen würde, wie behauptet. Das wird es aber nicht.
Ganz im Gegenteil. Wie ich leider am Rande mitbekomme, werden im Religionsunterricht bei/von manchen Lehrern sogar die absoluten Grundlagen des Glaubens geleugnet und verdreht. So sei Jesus nicht Gottes Sohn sondern ein Prophet, es gäbe keine Auferstehung der Toten usw. usf. Dass daraus keine gläubigen Christen erwachsen können, ist eine Sache, dass es dem Glauben massiven Schaden zufügt noch einmal eine ganz andere.

:(


Aber das ist der Preis, der dafür gezahlt werden muss, wenn der Staat diese Aufgaben und vor allem die Alimentierung übernimmt. Ich halte dies für grundverkehrt, aber das ist natürlich nur meine Privatmeinung, die zugegebenermaßen niemanden interessieren muss.
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Marcus, der mit dem C
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Marcus, der mit dem C » Mittwoch 6. April 2016, 08:30

Stephanie hat geschrieben:(...)Aber das ist der Preis, der dafür gezahlt werden muss, wenn der Staat diese Aufgaben und vor allem die Alimentierung übernimmt. Ich halte dies für grundverkehrt, aber das ist natürlich nur meine Privatmeinung, die zugegebenermaßen niemanden interessieren muss.
Das Problem sehe ich eher darin, daß der mit den deutschen Diözesen erarbeitete Lehrplan für das Fach kaum noch wirkliche Wissensvermittlung über die Religion enthält.
Das zweite Problem ist, daß die Ausbildung der Religionslehrer in Deutschland zu stark von der Kirche abgekoppelt ist, und dort wo sie es nicht ist, die Kirche
regelhaft versagt, die Disziplin und Qualität aufrecht zu erhalten. Den Umstand alleine, daß die Religionslehrer Deputat vom Staat erhalten sehe ich unkritisch, solange die Kirche
in Lehre und Disziplin handlungsfähig ist.
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Stephanie
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Stephanie » Mittwoch 6. April 2016, 08:42

Naja, aber wenn der Staat Finanzträger ist, dann hat die Kirche auch nur noch bedingt die Möglichkeit bestimmte Grundhaltungen bei ihren "Angestellten" einzufordern. Ich kenne haufenweise Lehrkräfte, die zwar an religiösen Schulen arbeiten wollen, aber auf gar keinen Fall einsehen, weshalb sie da besonderen Bedingungen bzgl. des Lebenswandels usw. unterliegen sollten. Und vor Gericht bekommen sie, meines Wissens nach, Recht, weil es sich eben nicht mehr um eine rein kirchliche Angelegenheit handelt. Und ähnlich scheint dies wohl beim Lehrpersonal für Religionsunterricht zu sein. Ich behaupte jetzt mal ganz frech, dass die Mehrheit (wobei ich natürlich von der Mehrheit, der mir persönlich bekannten Personen spreche) nicht aus Glaubensgründen dieses Fach unterrichtet. Es ist ein bequemes und sicheres Karriereziel zur Verbeamtung, ein korrektur-/leistungsunaufwendiges Fach, dafür hoch bezahlt und sorgt dementsprechend für ein ziemlich entspanntes Leben.
Solange dieses Fach so attraktiv für ... sagen wir... nicht so ganz ernsthaft Gläubige ist, wirst du die falschen Leute anziehen - und es ist ziemlich schwer für die Kirche dagegegen vorzugehen.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Marcus, der mit dem C » Mittwoch 6. April 2016, 09:19

Das Problem liegt aber zuerst im Beamtenrecht bzw. im Recht der Angestellten des öffentlichen Dienstes, daß ein Entzug der missio canonica keine wirklich zu fürchtende Sanktion ist. Im nächsten Schritt wird aber genau jene Sanktion aus Angst vor medialem Widerspruch viel zu selten angewendet. Die Handhabung im Arbeitsrecht folgt dann der Maxime, wenn die Kirche in neun von zehn Fällen den Häretiker, Schismatiker oder Apostat als Religionslehrer nicht diszipliniert, darf sie es im zehnten Fall auch nicht.

Vor allem, da das linke politische Spektrum die Tendenzbetriebe und eh am liebsten abschaffen würde außer den eigenen.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Stephanie » Mittwoch 6. April 2016, 09:32

Marcus, der mit dem C hat geschrieben:Das Problem liegt aber zuerst im Beamtenrecht bzw. im Recht der Angestellten des öffentlichen Dienstes, daß ein Entzug der missio canonica keine wirklich zu fürchtende Sanktion ist. Im nächsten Schritt wird aber genau jene Sanktion aus Angst vor medialem Widerspruch viel zu selten angewendet. Die Handhabung im Arbeitsrecht folgt dann der Maxime, wenn die Kirche in neun von zehn Fällen den Häretiker, Schismatiker oder Apostat als Religionslehrer nicht diszipliniert, darf sie es im zehnten Fall auch nicht.

Vor allem, da das linke politische Spektrum die Tendenzbetriebe und eh am liebsten abschaffen würde außer den eigenen.
Ja, aber ist das eben nicht die Verquickung der Staats- und Kirchenebene oder stehe ich jetzt auf dem Schlauch - was ja häufiger mal vorkommt ;)
Der mangelnde Wille der Kirche sich in der Öffentlichkeit zur Glaubenslehre zu bekennen anstatt der allgemein gefällige Parolen auszugeben ist ohne Zweifel ein riesiges Problem, kein Frage. Und dein letzter Satz bedarf ohnehin keiner Erklärung, jepp, ist leider so.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Stephanie » Mittwoch 6. April 2016, 09:44

Mir ist gerade aufgefallen, dass meine Beiträge missverständlich formuliert sind. Daher ein kleiner Nachtrag:
Ich behaupte keineswegs, dass alle Religionslehrer Opportunisten seien, oder ihren Glauben oder ihren Auftrag nicht ernst nähmen. Ich sprach nur von einer erscheckend hohen Anzahl an Personen mit solch einer Haltung, die mir während meiner Unizeit und auch später im Leben begegnet sind. Das mag jetzt auch mein persönliches Pech sein und daher ein falscher Eindruck bei mir entstanden sein. Yeti kann da sicherlich mehr dazu berichten. Ich behaupte auch keineswegs, dass eine tatsächliche Glaubensunterrichtung irgendwie pillepalle sei - ganz im Gegenteil, es ist höchst anspruchsvoll und anstrengend. Ich behaupte allerdings, dass eben oben genannte Personen, dieses Fach meist nicht aus ernsthafter Glaubensüberzeugung unterrichten, sondern aus ganz anderen Gründen gewählt haben und ihnen dies zu leicht gemacht wird, weshalb oftmals die falschen Leute angezogen werden. Das Ganze ist jetzt eine Frage der Zahlen - wie groß ist der Anteil an Opportunisten, Unwissenden, Uninteressierten, Irrgläubigen... in diesem Bereich. Mein Eindruck: zu hoch.

Ich hoffe meine Eindrücke sind jetzt etwas klarer geworden. PC-Kommunikation scheint überhaupt nicht meine Stärke zu sein :| , weshalb ich eigentlich mich besser zurückhalten sollte und mir dies manchmal sogar gelingt ;)

Jedenfalls ist in orthodoxen Kreisen der Religionsunterricht oder auch der Aufbau einer orthodoxen Schule immer wieder mal Thema, weshalb ich es wichtig finde zu verstehen, woher diese Fehlentwicklungen herrühren.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Marcus, der mit dem C » Mittwoch 6. April 2016, 10:00

Mir geht es in erster Linie darum, daß das Problem nicht dadurch gelöst wird, daß die Kirche die Lehrer selbst bezahlt, sondern das Problem weiterbesteht und als neues Problem die Frage der Finanzierung im Raum steht. Ansonsten stimmen wir in persönlicher Erfahrung und Einschätzung recht weitgehend überein, denke ich. :)
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von siena16 » Mittwoch 6. April 2016, 16:39

Stephanie hat geschrieben:Mir ist gerade aufgefallen, dass meine Beiträge missverständlich formuliert sind. Daher ein kleiner Nachtrag:
Ich behaupte keineswegs, dass alle Religionslehrer Opportunisten seien, oder ihren Glauben oder ihren Auftrag nicht ernst nähmen. Ich sprach nur von einer erscheckend hohen Anzahl an Personen mit solch einer Haltung, die mir während meiner Unizeit und auch später im Leben begegnet sind. Das mag jetzt auch mein persönliches Pech sein und daher ein falscher Eindruck bei mir entstanden sein. Yeti kann da sicherlich mehr dazu berichten. Ich behaupte auch keineswegs, dass eine tatsächliche Glaubensunterrichtung irgendwie pillepalle sei - ganz im Gegenteil, es ist höchst anspruchsvoll und anstrengend. Ich behaupte allerdings, dass eben oben genannte Personen, dieses Fach meist nicht aus ernsthafter Glaubensüberzeugung unterrichten, sondern aus ganz anderen Gründen gewählt haben und ihnen dies zu leicht gemacht wird, weshalb oftmals die falschen Leute angezogen werden. Das Ganze ist jetzt eine Frage der Zahlen - wie groß ist der Anteil an Opportunisten, Unwissenden, Uninteressierten, Irrgläubigen... in diesem Bereich. Mein Eindruck: zu hoch.

Ich hoffe meine Eindrücke sind jetzt etwas klarer geworden. PC-Kommunikation scheint überhaupt nicht meine Stärke zu sein :| , weshalb ich eigentlich mich besser zurückhalten sollte und mir dies manchmal sogar gelingt ;)

Jedenfalls ist in orthodoxen Kreisen der Religionsunterricht oder auch der Aufbau einer orthodoxen Schule immer wieder mal Thema, weshalb ich es wichtig finde zu verstehen, woher diese Fehlentwicklungen herrühren.

DAS sehe ich leider auch so. Wer "fromm" und authentisch katholisch ist, wird in manch Diözese nicht eingestellt. Man bevorzugt laue Opportunisten, die sind schließlich einfacher zu führen. Ergo, nota bene: nur nix selber denken oder gar glauben :panisch:

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von PascalBlaise » Montag 11. April 2016, 13:27

Heute würde ich auch sagen, dass der Religionsunterricht wenig gebracht hat. Mit einer Ausnahme: In der 10. oder 11. Klasse hatten wir einen Lehrer, bei dem wir jede Stunde mit einem Gebet (ich glaube Vaterunser) begannen. Wir mussten Rosenkranzgeheimnisse lernen :breitgrins:
Die Klasse hat ihn nach drei Wochen abgrundtief gehasst. Es war ein Krieg für den Rest des Jahres. Jeder musste ein Referat zu einem Heiligen machen. Einer hat sich den Hl. Bruno herausgesucht und dann 30 Minuten relativ gut über Giordano Bruno gesprochen. Der Lehrer hat keine Miene verzogen, ihn aussprechen lassen und am ende eine sechs gegeben wg. Themaverfehlung...
Jede Stunde gab's heftige Diskussionen über alle möglichen heißen Themen, Verhütung, Pränataldiagnostik, Kreuzzüge, was weiß ich. Stand bestimmt nicht im Lehrplan. Der Lehrer gegen die Klasse. Naja er war nicht lange an unserer Schule
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von overkott » Mittwoch 29. Juni 2016, 00:24

Die Guten bekamen bei einem Religionslehrer aus Essen eine zwei, die weniger Aufmerksamen eine drei.

Extreme Noten gab es nicht.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von christian12 » Mittwoch 29. Juni 2016, 11:06

Ich habe im vergangenen Jahr an einem kirchlichen Gymnasium 6er und 11er unterrichtet und ich habe das wirklich aus meinem Glauben getan, versucht den Schülern etwas mitzugeben und auf einem hohen reflexiven Niveau unterrichtet. Und ich habe bei allen meiner Reli-Kollegen ein wirklich hohes Engagement weit über ihre unterrichtlichen Verpflichtungen hinaus erlebt!! Ich bin sehr beeindruckt davon, wie die das machen und es fällt mir schwer so manche Posts hier nachzuvollziehen.
overkott hat geschrieben:Die Guten bekamen bei einem Religionslehrer aus Essen eine zwei, die weniger Aufmerksamen eine drei.

Extreme Noten gab es nicht.
Dazu: In meinen Klassenarbeiten gab es fast das ganze Spektrum: von 1 bis 5 (Notendurchschnitt einmal 3,5, einmal 3,2). Aber man muss dann auch für die Endnoten die mündlichen Noten und die sonstigen Mitarbeitsnoten (Hausaufgaben, Mappenführung) mit einbeziehen. Weil tendenziell die mit schlechten Klassenarbeitsnoten im Unterricht wirklich gut mitgemacht haben und die mit sehr guten Klassenarbeitsnoten stille Mäuschen sind, ergaben sich nur Zeugnisnoten zwischen 2+ und 3- (außer bei den 11ern, da gab es auch 4+ (6 Punkte)). Das wirkt vom Ergebnis irgendwie so, als würde man einfach 2 und 3 verteilen (würfeln), aber rechnerisch hat sich das echt so ergeben.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Sonnabend 2. Juli 2016, 15:15

christian12 hat geschrieben:Ich habe im vergangenen Jahr an einem kirchlichen Gymnasium 6er und 11er unterrichtet und ich habe das wirklich aus meinem Glauben getan, versucht den Schülern etwas mitzugeben und auf einem hohen reflexiven Niveau unterrichtet. Und ich habe bei allen meiner Reli-Kollegen ein wirklich hohes Engagement weit über ihre unterrichtlichen Verpflichtungen hinaus erlebt!! Ich bin sehr beeindruckt davon, wie die das machen und es fällt mir schwer so manche Posts hier nachzuvollziehen.
Eine Schule mit kirchlichem Schulträger ist etwas ganz anderes. Man kann mit Recht davon ausgehen, dass Religion dort auch eine ganz andere Rolle spielt. In staatlichen Schulen führt Reli meist ein Nischendasein und die Notwendigkeit der Unterrichtserteilung in diesem Fach wird nicht von allen Schulleitern und Stundenplanern so gesehen. Was glaubst du, wie sich das auf die Dauer mit der Motivation der Religionslehrer auswirkt, in ihrem Fach auch was rüberzubringen? (Stichwort Anerkennung) Die Schulabteilungen der Ordinariate tun hier eindeutig zu wenig. Dort hat man eher Angst, dass die Anliegen der Kirche gar nicht mehr berücksichtigt werden, wenn sie zu oft protestieren. Für den Reli-Unterricht ein ziemlich tödlicher Kreislauf, denn wenn niemand protestiert, kann ich's ja als Stundenplaner einfach ausfallen lassen. Fachlehrermangel hilft als Argumentation fast immer.
christian12 hat geschrieben:Dazu: In meinen Klassenarbeiten gab es fast das ganze Spektrum: von 1 bis 5 (Notendurchschnitt einmal 3,5, einmal 3,2). Aber man muss dann auch für die Endnoten die mündlichen Noten und die sonstigen Mitarbeitsnoten (Hausaufgaben, Mappenführung) mit einbeziehen. Weil tendenziell die mit schlechten Klassenarbeitsnoten im Unterricht wirklich gut mitgemacht haben und die mit sehr guten Klassenarbeitsnoten stille Mäuschen sind, ergaben sich nur Zeugnisnoten zwischen 2+ und 3- (außer bei den 11ern, da gab es auch 4+ (6 Punkte)). Das wirkt vom Ergebnis irgendwie so, als würde man einfach 2 und 3 verteilen (würfeln), aber rechnerisch hat sich das echt so ergeben.
So ist das eben. Ich sag immer: Ich stelle die Noten nur fest, aber ihr (Schüler) macht sie. Selbst ein Schulleiter kann dich lediglich darum bitten, deine Notenentscheidung noch einmal zu überdenken. Ausnahme: Hessen. Dort kann ein Schulleiter "vermitteln", also aus zwei Leistungsgutachten das Mittel feststellen oder gleich zum Oberschulamt weiterleiten.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Montag 26. Dezember 2016, 18:31

Stärkere Zusammenarbeit mit Protestanten
Für Lehrer eine große Herausforderung
Die Schülerzahlen im Religionsunterricht sind stark rückläufig. Die deutschen Bischöfe empfehlen deshalb nun stärkere Kooperationen mit der evangelischen Kirche. Aber was bedeutet das für den Unterricht? Ein Interview mit der Direktorin des Freiburger "Instituts für Religionspädagogik", Maria Jakobs.
Daraus:
Frage: Wo kommt der kooperative Religionsunterricht an seine Grenzen? Jakobs: Er darf nicht zu einem religionskundlichen Unterricht werden. Das ist auch den Bischöfen wichtig. Die katholische Religionslehrkraft, die vor der Klasse steht, muss als solche erkennbar sein – "konfessionsbewusst und konfessionssensibel" wie es die Bischöfe formulieren. Die Schüler müssen sich mit den Lehrenden als authentischen Zeugen ihres Glaubens auseinandersetzen, sich mit ihnen identifizieren oder sich auch an ihnen reiben können. Das trägt dazu bei, dass sie ihren eigenen Standpunkt entwickeln können.
Hinweis: Um dieses Dokument der DBK geht es.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Siard » Montag 26. Dezember 2016, 19:37

Das wäre dann wohl das Ende des konfessionell katholischen Religionsunterrichts.
Die evangelischen Religionslehrer, die ich kenne, sind durch die Bank konfessionell profilierter, als die katholischen. Die sind ihrer Konfession eher unsicher – falls sie überhaupt noch christlichen Religionsunterricht machen.
Aber vielleicht ist es ja überall sonst anders. Hoffentlich.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von martin v. tours » Montag 26. Dezember 2016, 19:45

Hoffen kannst Du ja :roll:
Ich kenne nur ein paar Religionslehrer(innen) persönlich.
Mein Fazit: Hätte ich Kinder im Schulalter, ich würde sie vom Religionsunterricht abmelden.
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Gallus » Montag 26. Dezember 2016, 21:38

martin v. tours hat geschrieben:Hoffen kannst Du ja :roll:
Ich kenne nur ein paar Religionslehrer(innen) persönlich.
Mein Fazit: Hätte ich Kinder im Schulalter, ich würde sie vom Religionsunterricht abmelden.
Wenn Eltern und Kinder gute Nerven und ein gesundes Selbstvertrauen haben: Die Kinder zuhause katholisch fit machen und dann mit großer Klappe in den Religionsunterricht schicken. Als Schüler war ich noch protestantisch, da hatten wir tatsächlich einen in der Klasse, der aus einer engagierten freikirchlichen Familie kam und der den Religionslehrer (dem an fernöstlicher Weisheit mehr lag als am Christentum) konsequent mürbe gemacht hat, letztlich mit Erfolg.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Niels » Dienstag 27. Dezember 2016, 01:57

Yeti hat geschrieben:Stärkere Zusammenarbeit mit Protestanten
Für Lehrer eine große Herausforderung
Die Schülerzahlen im Religionsunterricht sind stark rückläufig. Die deutschen Bischöfe empfehlen deshalb nun stärkere Kooperationen mit der evangelischen Kirche. Aber was bedeutet das für den Unterricht? Ein Interview mit der Direktorin des Freiburger "Instituts für Religionspädagogik", Maria Jakobs.
Daraus:
Frage: Wo kommt der kooperative Religionsunterricht an seine Grenzen? Jakobs: Er darf nicht zu einem religionskundlichen Unterricht werden. Das ist auch den Bischöfen wichtig. Die katholische Religionslehrkraft, die vor der Klasse steht, muss als solche erkennbar sein – "konfessionsbewusst und konfessionssensibel" wie es die Bischöfe formulieren. Die Schüler müssen sich mit den Lehrenden als authentischen Zeugen ihres Glaubens auseinandersetzen, sich mit ihnen identifizieren oder sich auch an ihnen reiben können. Das trägt dazu bei, dass sie ihren eigenen Standpunkt entwickeln können.
Hinweis: Um dieses Dokument der DBK geht es.
Yeti hat geschrieben:Stärkere Zusammenarbeit mit Protestanten
Für Lehrer eine große Herausforderung
Die Schülerzahlen im Religionsunterricht sind stark rückläufig. Die deutschen Bischöfe empfehlen deshalb nun stärkere Kooperationen mit der evangelischen Kirche. Aber was bedeutet das für den Unterricht? Ein Interview mit der Direktorin des Freiburger "Instituts für Religionspädagogik", Maria Jakobs.
Daraus:
Frage: Wo kommt der kooperative Religionsunterricht an seine Grenzen? Jakobs: Er darf nicht zu einem religionskundlichen Unterricht werden. Das ist auch den Bischöfen wichtig. Die katholische Religionslehrkraft, die vor der Klasse steht, muss als solche erkennbar sein – "konfessionsbewusst und konfessionssensibel" wie es die Bischöfe formulieren. Die Schüler müssen sich mit den Lehrenden als authentischen Zeugen ihres Glaubens auseinandersetzen, sich mit ihnen identifizieren oder sich auch an ihnen reiben können. Das trägt dazu bei, dass sie ihren eigenen Standpunkt entwickeln können.
Hinweis: Um dieses Dokument der DBK geht es.
Wenn das Wirklichkeit werden sollte, dann: Gute Nacht! Das verstößt aber gegen das Konkordat.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Niels » Dienstag 27. Dezember 2016, 02:01

Die DBK-Herrschaften sägen also freiwillig, munter und lustig den Ast ab, auf dem sie sitzen, und merken nichts?
Das ist kaum zu glauben.
Ich empfehle einen lustigen interreligiösen "Unterricht" mit den Mohammedanern. :turban:
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Yeti » Dienstag 27. Dezember 2016, 23:41

Im Prinzip ist das keine revolutionäre Umwälzung, sondern nur eine Anpassung an ohnehin seit langem gegebene schulische Realität. Ein Blick in beide Lehrpläne (ev./kath.) für die Sekundarstufe in allen Bundesländern zeigt, dass es dort schon seit einigen Jahren kaum Unterschiede gibt. Der Knackpunkt ist dieser:
Die Zukunft des konfessionellen Religionsunterrichts, S. 17 hat geschrieben:"...weil die Zahl der katholischen oder der evangelischen Schülerinnen und Schüler unterhalb der für die Einrichtung von Lerngruppen vorgeschriebenen Mindestgröße liegt."
D.h., wenn z.B. eine Religionsklasse oder -Gruppe zu wenig Schüler hat, kann sie gar nicht erst eingerichtet werden, was aber nicht sein darf, weil jedem Schüler Reliunterricht angeboten werden muss. Ich empfehle besonders die Lektüre ab S. 16 ("Die veränderte Situation des Religionsunterrichts"). Spannend wird es hingegen für die Umsetzung dieser Empfehlungen für die Sekundarstufe II, in welcher es schon ekklesiologische und dogmatische Unterschiede in den Lehrplänen gibt. All dies sagt natürlich überhaupt nichts über die Qualität eines Religionsunterrichts aus. Ein gemischt-konfessioneller Unterricht muss nicht schlechter sein. Und schließlich ist Religionsunterricht auch kein Mittel der Katechese. Wenn man vom Lehrer aber nur was über Buddha, Meditation etc. hört, oder nur Filme ansieht, ist das sicher ein schlechter Unterricht, das hat aber mit gemischt-konfessionell oder nicht nix zu tun.
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Irmgard
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Irmgard » Freitag 6. Januar 2017, 12:10

Yeti hat geschrieben:Und schließlich ist Religionsunterricht auch kein Mittel der Katechese.
So sehe ich das auch. Man kann schon zufrieden sein, wenn es überhaupt guten Religionsunterricht gibt. Zu dem für mich auch die Auseinandersetzung mit anderen Konfessionen und Religionen gehört.

Für die Sek II mache ich mir gar nicht so große Sorgen. Man kann da ja wählen. Und macht das auch, meist nach Lehrer. Ich habe mich damals für den evangelischen Religionsunterricht entschieden. Der war (ist ja primär personenabhängig) so unendlich viel besser als der katholische. Eines meiner Kinder hat sich ob der (wenig guten) Angebote vom Religionsunterricht ganz abgemeldet und macht nun Philosophie.

Die katholische Prägung kommt durchs Elternhaus und Kontakt zu aktiven Gemeinden und Gemeinschaften, oder eben gar nicht. Der schulische Religionsunterricht hat da eher wenig Einfluss, ist mein Eindruck.

Gruß
Irmgard

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Hubertus
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Hubertus » Freitag 6. Januar 2017, 12:43

Irmgard hat geschrieben:Für die Sek II mache ich mir gar nicht so große Sorgen. Man kann da ja wählen. Und macht das auch, meist nach Lehrer. Ich habe mich damals für den evangelischen Religionsunterricht entschieden. Der war (ist ja primär personenabhängig) so unendlich viel besser als der katholische. Eines meiner Kinder hat sich ob der (wenig guten) Angebote vom Religionsunterricht ganz abgemeldet und macht nun Philosophie.
Bei uns (BY) geht das gar nicht, es sei denn, man "tritt aus" voher.
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Irmgard
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Irmgard » Freitag 6. Januar 2017, 14:25

Hubertus hat geschrieben:Bei uns (BY) geht das gar nicht, es sei denn, man "tritt aus" voher.
Das scheint dann ja wieder (Bildung eben) Bundesland-abhängig zu sein.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Fragesteller » Freitag 6. Januar 2017, 14:55

@Yeti: Du scheinSt ja ein sehr klares und auch erfolgreiches Konzept von Religionsunterricht zu haben - wie genau sieht es denn aus? "Kein nur religionskundlicher Unterricht" einerseits, "kein Mittel der Katechese" andererseits - wie muss man sich den von Dir praktizierten Mittelweg konkret vorstellen?

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von PascalBlaise » Freitag 8. September 2017, 09:18

http://katholisch.de/aktuelles/aktuelle ... t-das-ziel

"Der Religionsunterricht würde sich aus meiner Sicht ins Abseits manövrieren, wenn er sich zu einer Form der Katechese zurückentwickeln würde." :hmm:

"Was soll der Religionsunterricht denn grundsätzlich leisten?
Englert: Im Wesentlichen soll er einen Beitrag zur religiösen Orientierungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen leisten. Ganz besonders soll er die religiöse Pluralitätsfähigkeit fördern. " :hmm:

Unabhängig davon, ob das gut oder schlecht ist, verstehe ich, dass man aus personellen/organisatorischen Gründen Konfessionen zusammenlegt. Dann nenne ich das ganze halt nicht mehr kath./ev. Religionslehre, sondern meinetwegen christliche Religionslehre. Was ich nicht begreife:
Wieso kann man in einer solchen "gemischten" Klasse nicht vorrangig dezidiert christlichen Inhalte vermitteln?
Bei allen Differenzen mit unseren reformierten Freunden:
Viele zentrale Punkte werden ja doch geteilt. Es wäre ja schon ein großer Erfolg, wenn die Kinder nach einigen Jahre Religionsunterricht Bescheid wüssten zumindest über die Inhalte des Glaubensbekenntnisses und des neuen Testaments. In den höheren Jahrgängen könnte man ja durchaus die Unterschiede ev./kath. vergleichend gegenüberstellen.
– et lux in tenebris lucet et tenebrae eam non comprehenderunt –

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 8. September 2017, 09:31

Der Religionsunterricht hat sich in jeder Hinsicht was die bekannte Form betrifft überlebt
erst am Mittwoch sagte mir ein Schuldirektor daß sich an seiner Schule alle höheren Klassen geschlossen vom Religionsunterricht abgemeldet haben
ich denke man sollte den Ethik und Sozialkunde Unterricht ausbauen, wo jede Religion sich präsentieren kann und sonst den Religionsunterricht den Religionsgemeinschaften in ihren jeweiligen Räumen überlassen
(ich äußere mich hier nur zu den österreichischen Verhältnissen)

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Petrus » Freitag 8. September 2017, 12:03

CIC_Fan hat geschrieben:
Freitag 8. September 2017, 09:31
Der Religionsunterricht hat sich in jeder Hinsicht was die bekannte Form betrifft überlebt
erst am Mittwoch sagte mir ein Schuldirektor daß sich an seiner Schule alle höheren Klassen geschlossen vom Religionsunterricht abgemeldet haben
ich denke man sollte den Ethik und Sozialkunde Unterricht ausbauen, wo jede Religion sich präsentieren kann und sonst den Religionsunterricht den Religionsgemeinschaften in ihren jeweiligen Räumen überlassen
(ich äußere mich hier nur zu den österreichischen Verhältnissen)
nun,

ich habe mich nicht ab-gemeldet vom Religionsunterricht damals, nur mich um-gemeldet. Vom evang.-luth. zum röm.-kath. Religionsunterricht.

(ich wurde natürlich in meinem Abitur-Zeugnis ein bißchen bestraft: in meinem Abiturzeugnis steht "Note 2", beim Fach "Religion".

Aber das war's mir wert.

Peter.

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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von PascalBlaise » Freitag 8. September 2017, 12:24

Eher positiv war für mich der Reli-Unterricht in der Grundschule.
Lehrer war unser Pfarrer, ich denke, von den 15-20 Kindern waren sowieso alle katholisch,
ich habe erst ab der fünften Klasse so richtig begriffen, dass es noch andere Konfessionen und Religionen gibt.
Er hat uns vor allem verschiedene Gebete beigebracht, wir haben auch Bilder mit biblischen Szenen mit Buntstiften ausgemalt und er hat etwas dazu erzählt.
Er konnte aber nicht mit Kindern umgehen, überhaupt kein Draht, der Unterricht war sehr anstrengend für ihn,
das haben wir Kinder auch gemerkt.
Er hat ein paar Mal zu meiner Mutter gemeint, ich wäre doch ein guter Kandidat für das Seminar ,
soviel zum Thema rekrutieren :D
Hat mich aber keineswegs interessiert, ich wollte nicht einmal ministrieren.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Melody » Freitag 8. September 2017, 12:46

Hubertus hat geschrieben:
Freitag 6. Januar 2017, 12:43
Irmgard hat geschrieben:Für die Sek II mache ich mir gar nicht so große Sorgen. Man kann da ja wählen. Und macht das auch, meist nach Lehrer. Ich habe mich damals für den evangelischen Religionsunterricht entschieden. Der war (ist ja primär personenabhängig) so unendlich viel besser als der katholische. Eines meiner Kinder hat sich ob der (wenig guten) Angebote vom Religionsunterricht ganz abgemeldet und macht nun Philosophie.
Bei uns (BY) geht das gar nicht, es sei denn, man "tritt aus" voher.
Wie jetzt? In Bayern kann man sich nicht vom Religionsunterricht abmelden? Gilt das auch für den evangelischen Religionsunterricht???

Ich war ja früher evangelisch, und in der 1. und 2. Klasse Grundschule fand ich den evangelischen Religionsunterricht auch noch gut, denn dort habe ich ja als Ungetaufte überhaupt erstmals von Jesus gehört. Ich glaube, auch 3. und 4. Klasse waren noch gut.

Aber auf dem Gymnasium fing es dann an, dass der Religionsunterricht völlig andere Inhalte hatte als unseren christlichen Glauben. Soweit ich mich erinnere, konnte man sich ab dem Alter von 14 Jahren abmelden. Ich hatte als einziger meiner Klasse noch relativ lange durchgehalten, aber in der 10. Klasse hab ich dann auch das Handtuch geworfen und lieber eine Freistunde gehabt. Dabei war ich durchaus interessiert und bin ja auch noch regelmäßig zur Kirche gegangen, aber der evangelische Religionsunterricht war für die Tonne.

Selbiges gilt allerdings in gleicher Weise auch für die Zeit des Konfirmationsunterrichts bei dem evangelischen Pfarrer.

Ob das bei den Katholiken damals anders war, was den Schulunterricht und die außerschulische Vorbereitung auf die Firmung betrifft, weiß ich natürlich nicht.
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Re: "Religionsunterricht"?

Beitrag von Hubertus » Freitag 8. September 2017, 13:23

Melody hat geschrieben:
Freitag 8. September 2017, 12:46
Hubertus hat geschrieben:
Freitag 6. Januar 2017, 12:43
Irmgard hat geschrieben:Für die Sek II mache ich mir gar nicht so große Sorgen. Man kann da ja wählen. Und macht das auch, meist nach Lehrer. Ich habe mich damals für den evangelischen Religionsunterricht entschieden. Der war (ist ja primär personenabhängig) so unendlich viel besser als der katholische. Eines meiner Kinder hat sich ob der (wenig guten) Angebote vom Religionsunterricht ganz abgemeldet und macht nun Philosophie.
Bei uns (BY) geht das gar nicht, es sei denn, man "tritt aus" voher.
Wie jetzt? In Bayern kann man sich nicht vom Religionsunterricht abmelden? Gilt das auch für den evangelischen Religionsunterricht???
Doch. Was nicht geht, ist, daß man als konfessionell Gebundener den Religionsunterricht einer anderen Richtung besucht, sofern an der eigenen Schule von der eigenen Konfession RU angeboten wird. Also konkret, für Katholiken: entweder K oder Eth, für Protestanten Ev oder Eth. Sollte es an einer Schule z.B. keinen ev. Religionsunterricht geben, dann ein Protestant auch am kath. RU teilnehmen.

Wobei ich das etwas revidieren muß: Auf Antrag geht das schon, muß dann aber ggf. vom Ordinariat genehmigt werden.
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