Verhütungslehre der katholischen Kirche

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Petra
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Beitrag von Petra » Dienstag 7. Februar 2006, 22:06

Genesis, 1,27 hat geschrieben:Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

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Robert Ketelhohn
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Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 7. Februar 2006, 22:10

Offensichtlich ist erst beides zusammen die Wahrheit, Petra. Gen 1,27 und 2,18.
(Aber das Thema war hier eigentlich: »Verhütung oder nicht Verhütung«.)
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von HeGe » Donnerstag 8. Juli 2010, 13:31

Wie ich heute im Bonner General-Anzeiger lesen musste, hat die Caritas in Bonn eine gemeinsame Veranstaltung mit Pro Familia ( :kotz: ) zum Thema "Sommer, Sonne, Safer Sex" durchgeführt. Dort wurden wichtige Fragen beantwortet, wie "Ist es schlimm, wenn man die Einnahme der Pille mal vergisst?". Man konnte mit Bällen auf Dosen werfen, auf denen Dinge notiert waren, die eine Beziehung kaputt machen können, wie beispielsweise "Schwangerschaft".

Manche Dinge sind so zum Heulen, dass kann man kaum noch beschreiben. :nein:
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Marion
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Marion » Donnerstag 8. Juli 2010, 14:39

Warum lässt die Kirche es zu, daß Caritas da mitmacht?
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civilisation
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von civilisation » Donnerstag 8. Juli 2010, 15:03

Marion hat geschrieben:Warum lässt die Kirche es zu, daß Caritas da mitmacht?
Warum läßt die Kirche es zu, daß ihre Priester ungestraft Kondome verteilen dürfen?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von cantus planus » Donnerstag 8. Juli 2010, 15:19

OFF TOPIC
  • Anbei bemerkt kömmt mir der Titel des Threads arg merkwürdig vor. Es gibt keine katholische "Verhütungslehre". Genau das ist ja das Problem, dass es nach außen hin bei diesem Thema ständig so wirkt, als ob sich die Kirche nur um anderer Leute Verhütung sorge.
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Marion
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Marion » Donnerstag 8. Juli 2010, 15:29

civilisation hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Warum lässt die Kirche es zu, daß Caritas da mitmacht?
Warum läßt die Kirche es zu, daß ihre Priester ungestraft Kondome verteilen dürfen?
Das kann ich genausowenig verstehen.
Wenn ein Bischof zulässt daß einer seiner Priester solches tut und nicht einschreitet kann ihm m.E. nicht viel an der Herde liegen die der Herr ihm zum hüten überlassen hat.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Robert Ketelhohn » Donnerstag 8. Juli 2010, 17:12

HeGe hat geschrieben:Man konnte mit Bällen auf Dosen werfen
Aua.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Donnerstag 8. Juli 2010, 17:42

civilisation hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Warum lässt die Kirche es zu, daß Caritas da mitmacht?
Warum läßt die Kirche es zu, daß ihre Priester ungestraft Kondome verteilen dürfen?
Weil die Kirche nichts verhüten kann/darf/will? ;D
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 8. Juli 2010, 17:44

Marion hat geschrieben:Wenn ein Bischof zulässt daß einer seiner Priester solches tut und nicht einschreitet kann ihm m.E. nicht viel an der Herde liegen die der Herr ihm zum hüten überlassen hat.
Und was ist, wenn der Bischof der gleichen Meinung ist, wie seine Priester?

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:nein:

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Donnerstag 8. Juli 2010, 18:06

Gamaliel hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:Wenn ein Bischof zulässt daß einer seiner Priester solches tut und nicht einschreitet kann ihm m.E. nicht viel an der Herde liegen die der Herr ihm zum hüten überlassen hat.
Und was ist, wenn der Bischof der gleichen Meinung ist, wie seine Priester?

The Catholic Bishops and Condoms


:nein:
Mir scheint, dieses (wenngleich aufschlußreiche) Auflistung geht doch ein bißchen an diesem Thema hier vorbei, weil es darin überwiegend um Kondome zum Zweck der AIDS-Prävention geht und nicht um "normale" Verhütung.
Ein Beispiel, das meine Zweifel erläutern kann:
In der Moraltheologie gilt es (auch nach dem KKK) als erlaubt, eine medizinische notwendige Maßnahme zur Heilung einer Schwangeren zu setzen, die womöglich dann auch abtreibend wirkt. Wenn allein der kurative Aspekt beabsichtigt ist, kann der abortive in Kauf genommen werden. - Wäre es da nicht analog auch denkbar, daß der medizinisch indizierte Gebrauch von Kondomen erlaubt sein könnte, wenn ausschließlich die AIDS-verhütende Wirkung beabsichtigt ist und nicht die schwangerschaftsverhütende? Selbst die Einrede, daß Kondome diese erwünschte Wirkung ja nicht 100%ig garantieren, ginge fehl, da keine medizinische Behandlung zu 100% sichere Erfolge verspricht.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von cantus planus » Donnerstag 8. Juli 2010, 18:08

HeGe hat geschrieben:Wie ich heute im Bonner General-Anzeiger lesen musste, hat die Caritas in Bonn eine gemeinsame Veranstaltung mit Pro Familia ( :kotz: ) zum Thema "Sommer, Sonne, Safer Sex" durchgeführt. Dort wurden wichtige Fragen beantwortet, wie "Ist es schlimm, wenn man die Einnahme der Pille mal vergisst?". Man konnte mit Bällen auf Dosen werfen, auf denen Dinge notiert waren, die eine Beziehung kaputt machen können, wie beispielsweise "Schwangerschaft".

Manche Dinge sind so zum Heulen, dass kann man kaum noch beschreiben. :nein:
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 8. Juli 2010, 18:24

taddeo hat geschrieben:Ein Beispiel, das meine Zweifel erläutern kann:
In der Moraltheologie gilt es (auch nach dem KKK) als erlaubt, eine medizinische notwendige Maßnahme zur Heilung einer Schwangeren zu setzen, die womöglich dann auch abtreibend wirkt. Wenn allein der kurative Aspekt beabsichtigt ist, kann der abortive in Kauf genommen werden.
Abgesehen von der geringen Zahl an Fällen in denen diese Situation in der Praxis vorkommt, richtet sich die moralische Beurteilung dieses Beispiels nach den Regeln des "voluntarium in causa". Alle 4 Bedingungen können bei medizinischem Gebrauch eines solchen Präparats erfüllt werden.
taddeo hat geschrieben:Wäre es da nicht analog auch denkbar, daß der medizinisch indizierte Gebrauch von Kondomen erlaubt sein könnte, wenn ausschließlich die AIDS-verhütende Wirkung beabsichtigt ist und nicht die schwangerschaftsverhütende?
Bei diesem Beispiel werden die obigen Bedingungen nicht allesamt erfüllt, weshalb ein "medizinischer Gebrauch" von Kondomen absolut ausgeschlossen ist. (Die gesetzte Handlung ist widernatürlich und damit in sich schlecht, außerdem folgt die gute Wirkung nur aus der bösen Wirkung.)

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Pelikan
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Pelikan » Donnerstag 8. Juli 2010, 18:39

Gamaliel hat geschrieben:außerdem folgt die gute Wirkung nur aus der bösen Wirkung.)
Nur dann, wenn die Viren sich in den Spermien befinden. Andernfalls folgt die Blockade der Viren nicht aus der Blockade der Spermien.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Linus » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:07

Gamaliel hat geschrieben:Abgesehen von der geringen Zahl an Fällen in denen diese Situation in der Praxis vorkommt, richtet sich die moralische Beurteilung dieses Beispiels nach den Regeln des "voluntarium in causa". Alle 4 Bedingungen können bei medizinischem Gebrauch eines solchen Präparats erfüllt werden.
Demnach ist der vorübergehende Gebrauch von Kondomen zur Verhütung einer Schwangerschaft erlaubt, weil die gerade überstandene mittels Notkaiserschnitt beendet wurde und die Ärzte eine "mindestens zweijährige Schwangerschaftspause" verordnet haben, oder?

Ich hatte letztens eine dementsprechende Anfrage, und versprach mich kundig zu machen.

Zu Taddeos beispiel Was ist an der gesetzten Handlung (i.e. der Vermeidung einer Ansteckung mit HI Viren) durch Nutzung eines Kondoms schlecht??
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:12

Linus hat geschrieben:Demnach ist der vorübergehende Gebrauch von Kondomen zur Verhütung einer Schwangerschaft erlaubt, weil die gerade überstandene mittels Notkaiserschnitt beendet wurde und die Ärzte eine "mindestens zweijährige Schwangerschaftspause" verordnet haben, oder?
Die Antwort ist "Nein", aber gehen wir`s langsam an.

Warum vermutest Du, daß in diesem Fall eine positive Antwort möglich wäre?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Linus » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:31

1. Die Handlung selbst, ist wenigstens indifferent. Ich tendiere sogar zu gut: die Frau muß sich keine sorgen machen, zu früh schwanger zu werden, und damit ihre Gesundheit zu gefährden, Ebenso ist sie eine stärkung des Ehesakraments der Ehepartner um später wieder (was sie beide so auch kundtun) für weitere Kinder offen zu sein.

2. Die gute Wirkung folgt unmittelbar aus der Handlung und nicht erst aus der bösen Wirkung.
Die Stärkung und die Festigung der Treue der Ehe durch den Beischlaf ist sicher gegeben. Eine böse Wirkung im Gebrauch eines Kondoms kann ich in diesem Fall gar nicht erkennen. (im Sinne des Pkt 3)

3. Die Absicht des Handelnden darf nur auf die gute Wirkung gerichtet sein.
Ja man will eigentlich nicht verhüten (die eigentliche Intention eines Kondoms), sondern nur das Kondom als ein vorübergehendes Hilfsmittel anwenden.

4. Es muß ein hinreichender Grund vorliegen, die böse Wirkung zuzulassen.
Die böse Wirkung (die vorübergehende Verhinderung einer Schwangerschaft) wird nur in Kauf genommen, da andernfalls die Gesundheit der Mutter noch zu leicht zu schädigen wäre.

Schon klar Leben ist ein Fundamentaler Wert bloß, da wird kein bestehendes Leben am leben behindert.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Clemens » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:37

Alle diese Ziele können aber normalerweise auch erreicht werden durch NER.

Das Kondom ist dafür nicht nötig.
Anders wäre es m.E., wenn durch krankheitsbedingt unregelmäßige Zyklen eine NER faktisch unmöglich wäre.
Von allen Gottesgaben ist die Intelligenz am gerechtesten verteilt. Jeder ist zufrieden mit dem, was er hat und freut sich sogar, dass er mehr hat, als die anderen.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Linus » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:44

Die Frau ist ziemlich frisch Mutter (erstgebärend)
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Clemens » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:51

Linus hat geschrieben:Die Frau ist ziemlich frisch Mutter (erstgebärend)
Ist das ein Argument für oder gegen eine der Positionen?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Linus » Donnerstag 8. Juli 2010, 21:56

Tendenziell gegen NER. (die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ist wohl höher solange der Zyklus nicht zyklisch wieder vorhanden ist.)
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 8. Juli 2010, 22:32

@Linus

Zunächst ein Zitat aus "Humanae vitae", das gut die Lehre der Kirche wiedergibt (es könnten noch viele andere Aussagen des Lehramtes zitiert werden):
Unerlaubte Wege der Geburtenregelung

14. [...] Ebenso ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluß an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel.

Man darf, um diese absichtlich unfruchtbar gemachten ehelichen Akte zu rechtfertigen, nicht als Argument geltend machen, man müsse das Übel wählen, das als das weniger schwere erscheine; auch nicht, daß solche Akte eine gewisse Einheit darstellen mit früheren oder nachfolgenden fruchtbaren Akten und deshalb an ihrer einen und gleichen Gutheit teilhaben. Wenn es auch zuweilen erlaubt ist, das kleinere sittliche Übel zu dulden, um ein größeres zu verhindern oder um etwas sittlich Höherwertiges zu fördern, so ist es dennoch niemals erlaubt - auch aus noch so ernsten Gründen nicht -, Böses zu tun um eines guten Zweckes willen: das heißt etwas zu wollen, was seiner Natur nach die sittliche Ordnung verletzt und deshalb als des Menschen unwürdig gelten muß; das gilt auch, wenn dies mit der Absicht geschieht, das Wohl des einzelnen, der Familie oder der menschlichen Gesellschaft zu schützen oder zu fördern. Völlig irrig ist deshalb die Meinung, ein absichtlich unfruchtbar gemachter und damit in sich unsittlicher ehelicher Akt könne durch die fruchtbaren ehelichen Akte des gesamtehelichen Lebens seine Rechtfertigung erhalten.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Marion » Donnerstag 8. Juli 2010, 22:36

taddeo hat geschrieben:Wäre es da nicht analog auch denkbar, daß der medizinisch indizierte Gebrauch von Kondomen erlaubt sein könnte, wenn ausschließlich die AIDS-verhütende Wirkung beabsichtigt ist und nicht die schwangerschaftsverhütende?
Genau das hat der Kurien-Kardinal Javier Lozano Barragan 26 versucht durchzukriegen.

In der Presse wurde es "Vorboten der Wende zum Thema Kondome" genannt.
Das ist aber wohl nicht durchgegangen.
http://www.tagesschau.de/ausland/meldung89172.html
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 8. Juli 2010, 23:02

Linus hat geschrieben:1. Die Handlung selbst, ist wenigstens indifferent. Ich tendiere sogar zu gut: die Frau muß sich keine sorgen machen, zu früh schwanger zu werden, und damit ihre Gesundheit zu gefährden, Ebenso ist sie eine stärkung des Ehesakraments der Ehepartner um später wieder (was sie beide so auch kundtun) für weitere Kinder offen zu sein.
Hier liegt leider ein Irrtum und zwar ein entscheidender vor. Was lehrt die Kirche über die sittliche Qualität (gut - indifferent -böse) des ehelichen Aktes, der seiner natürlichen Kraft beraubt wird? Dazu ein besonders klares Zitat aus der Enzyklika "Casti connubii":
Aber es gibt keinen auch noch so schwerwiegenden Grund, der etwas innerlich Naturwidriges zu etwas Naturgemäßem und sittlich Gutem machen könnte. Da nun aber der eheliche Akt seiner Natur nach zur Weckung neuen Lebens bestimmt ist, so handeln jene, die ihn bei seinem Vollzug absichtlich seiner natürlichen Kraft berauben, naturwidrig und tun etwas Schimpfliches und innerlich Unsittliches.

Es ist darum auch nicht zu verwundern, daß die Hl. Schrift bezeugt, die göttliche Majestät hasse und verabscheue solch verwerfliches Tun, ja habe es sogar schon mit dem Tode bestraft. Darauf macht auch der hl. Augustinus aufmerksam, wenn er schreibt: „Unerlaubt und unsittlich ist der eheliche Verkehr selbst mit der rechtmäßigen Gattin, wenn dabei die Weckung neuen Lebens verhütet wird. Das hat Onan, des Judas Sohn, getan, und darum hat ihn Gott getötet.“

Da nun noch vor kurzem einige in offenkundiger Abweichung von der in ununterbrochener Folge von Anfang an überlieferten christlichen Lehre geglaubt haben, amtlich und feierlich über solches Tun anders lehren zu sollen, erhebt die katholische Kirche, von Gott selbst zur Lehrerin und Wächterin der Unversehrtheit und Ehrbarkeit der Sitten bestellt, inmitten dieses Sittenverfalls, zum Zeichen ihrer göttlichen Sendung, um die Reinheit des Ehebundes von solch schimpflicher Makel unversehrt zu bewahren, durch Unseren Mund laut ihre Stimme und verkündet von neuem: Jeder Gebrauch der Ehe, bei dessen Vollzug der Akt durch die Willkür der Menschen seiner natürlichen Kraft zur Weckung neuen Lebens beraubt wird, verstößt gegen das Gesetz Gottes und der Natur, und die solches tun, beflecken ihr Gewissen mit schwerer Schuld.

Kraft Unserer höchsten Autorität und wegen der Uns obliegenden Sorge um das Heil aller Menschen ermahnen wir daher die Beichtväter und die übrigen Seelsorger, die ihnen anvertrauten Gläubigen über dieses schwer verpflichtende göttliche Gesetz nicht im Irrtum zu lassen, noch mehr aber, sich selber von derartigen falschen Meinungen freizuhalten und ihnen nicht aus Schwäche nachzugeben. Sollte aber ein Beichtvater oder Seelenhirte, was Gott verhüte, selber die ihm anvertrauten Gläubigen in solche Irrtümer führen oder durch seine Zustimmung oder durch böswilliges Schweigen sie darin bestärken, so möge er wissen, daß er dereinst Gott, dem höchsten Richter, ernste Rechenschaft über den Mißbrauch seines Amtes wird ablegen müssen. Er möge sich das Wort Christi gesagt sein lassen: „Blinde sind sie und Führer von Blinden. Wenn aber ein Blinder einen Blinden führt, fallen beide in die Grube.“[

Aus all dem folgt, daß der Gebrauch eines Kondoms, den ehelichen Akt zu einem in sich schlechten Akt macht, dessen Vornahme unter allen Umständen verboten, weil schwer sündhaft ist.
Aus diesem Grund können auch die Regeln für das "voluntarium in causa" hier nicht angewandt werden, da diese eine gute oder wenigstens indifferente Handlung voraussetzen.


Für das von Dir erwähnte Ehepaar mag das eine sehr schwierige Stuation sein, aber daran ist nicht zu rütteln.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Linus » Freitag 9. Juli 2010, 23:25

Danke für die Info
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Donnerstag 23. September 2010, 11:01

Bischof Klaus Küng (St. Pölten) hält weiter an seinen irrigen Ansichten fest:

Die Aussagen in Humanae Vitae betreffen Eheleute

Daraus:
Andererseits habe ich festgehalten, dass es -nach der gleichen kirchlichen Lehre- erlaubt sein kann, Kondome an Personen abzugeben, die nicht bereit sind, auf die Lehre der Kirche zu hören, z.B. Drogenanabhängige.
Wenn z.B. der Mann HIV- positiv ist und darauf besteht, unbedingt Geschlechtsverkehr zu haben, und im Falle der Verweigerung große Probleme entstehen: in solch einem Fall kann/darf m.E. die Frau darauf bestehen, dass er ein Kondom benützt.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Berolinensis » Montag 29. November 2010, 16:21

Auf Dauer überfrachtet das Thema vielleicht doch den Strang zum Papst-Seewald-Buch und ist hier besser aufgehoben.

Viele Apologeten, besonders sog. Neocons (nicht, daß ich solche Begriffe schätze, aber um anzudeuten, worum es geht), verteidigen nun das, was sie für die Aussage des Hl. Vaters halten - was aber m.E., und nach den Erläuterungen von Card. Burke, Erzbischof Chaput etc., gar nicht Aussage des Hl. Vaters war -, nämlich daß Kondomgebrauch nicht zum Zwecke der Empfängnisverhütung, sondern (nur) zum Zwecke der Ansteckungsvermeidung gerechtfertigt sein könne mit dem Argument, in sich schlecht sei nur die Kondomverwendung zum Zwecke der Verhütung (vgl. etwa http://www.catholicweekly.com.au/articl ... 2National oder http://opuscula.blogspot.com/21/11/so ... ality.html).

Läuft das nicht darauf hinaus, den Unterschied zwischen finis operis und finis operantis zu verwischen und damit letztlich den Begriff der in sich schlechten Handlung jeden Inhalts zu entleeren? Oder kann man wirklich sagen, die Kondomverwendung hat im Falle, daß es nur um die Vermeidung von Ansteckungen geht, tatsächlich ein anderes finis operis?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Montag 29. November 2010, 16:42

Berolinensis hat geschrieben:Oder kann man wirklich sagen, die Kondomverwendung hat im Falle, daß es nur um die Vermeidung von Ansteckungen geht, tatsächlich ein anderes finis operis?
Die Aussage, ein Kondomgebrauch sei grundsätzlich eine "in sich schlechte" Handlung, kann nur für den Fall gelten, daß das Kondom ausschließlich als Verhütungsmittel angesehen wird.
Nun ist die Sache aber nicht so simpel, denn ein Kondom kann ja von seinen technischen Eigenschaften her durchaus auch für was anderes verwendet werden, und sei es als makabrer Luftballon. Es dürfte außer Frage stehen, daß das dann keine "in sich schlechte" Handlung sein wird, da sie das Objekt seiner originären Bestimmung zweckentfremdet.
Wenn man nun das eigentliche Verhütungsmittel technisch zweckentfremdet als Seuchenprophylaktikum, müßte eigentlich dasselbe gelten wie bei der Pille, die vom Frauenarzt als Hormontherapeutikum verschrieben wird, obwohl sie dem Grundsatz nach ein Verhütungsmittel ist und auch so wirkt.
Denke ich mal. :hmm:
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Berolinensis » Montag 29. November 2010, 16:50

taddeo hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:Oder kann man wirklich sagen, die Kondomverwendung hat im Falle, daß es nur um die Vermeidung von Ansteckungen geht, tatsächlich ein anderes finis operis?
Die Aussage, ein Kondomgebrauch sei grundsätzlich eine "in sich schlechte" Handlung, kann nur für den Fall gelten, daß das Kondom ausschließlich als Verhütungsmittel angesehen wird.
Nun ist die Sache aber nicht so simpel, denn ein Kondom kann ja von seinen technischen Eigenschaften her durchaus auch für was anderes verwendet werden, und sei es als makabrer Luftballon. Es dürfte außer Frage stehen, daß das dann keine "in sich schlechte" Handlung sein wird, da sie das Objekt seiner originären Bestimmung zweckentfremdet.
Dann wird es aber nicht beim Geschlechtsakt verwendet.
Wenn man nun das eigentliche Verhütungsmittel technisch zweckentfremdet als Seuchenprophylaktikum, müßte eigentlich dasselbe gelten wie bei der Pille, die vom Frauenarzt als Hormontherapeutikum verschrieben wird, obwohl sie dem Grundsatz nach ein Verhütungsmittel ist und auch so wirkt.
1. Wer sagt denn, daß die Einnahme der Pille in diesem Fall erlaubt ist?
2. Darüber hinaus sind die beiden Fälle insofern nicht vergleichbar, als die Einnahme der Pille in diesem Fall eine Wirkung ohne jeden Geschlechtsakt hat, was bei der Kondomverwendung gerade nicht der Fall ist.
3. Es bleibt meine Grundfrage: Genügt nicht der Umstand, daß die Kondomverwendung den Geschlechtsakt in jedem Fall künstlich unfruchtbar macht, und daß dies der Zweck eines Verhütungsmittels ist, um zu sagen, daß hierin das finis operis liegt und damit eben doch die Verwendung in sich schlecht ist?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Marion » Montag 29. November 2010, 19:03

Berolinensis hat geschrieben:
1. Wer sagt denn, daß die Einnahme der Pille in diesem Fall erlaubt ist?


Hier wird das reininterpretiert:
Humanae Vitae hat geschrieben:Erlaubtheit therapeutischer Mittel

15. Die Kirche hält aber jene therapeutischen Maßnahmen, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, nicht für unerlaubt, auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt. Voraussetzung dabei ist, daß diese Verhinderung nicht aus irgendeinem Grunde direkt angestrebt wird (19).
http://www.vatican.va/holy_father/paul_ ... ae_ge.html
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Berolinensis » Montag 29. November 2010, 19:32

Marion hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
1. Wer sagt denn, daß die Einnahme der Pille in diesem Fall erlaubt ist?


Hier wird das reininterpretiert:
Humanae Vitae hat geschrieben:Erlaubtheit therapeutischer Mittel

15. Die Kirche hält aber jene therapeutischen Maßnahmen, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, nicht für unerlaubt, auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt. Voraussetzung dabei ist, daß diese Verhinderung nicht aus irgendeinem Grunde direkt angestrebt wird (19).
http://www.vatican.va/holy_father/paul_ ... ae_ge.html
Das müßte ich mir näher ansehen. Zunächst scheint es mir hier nicht um "Anti-Baby-Pillen" zu gehen, sondern, wie Pius XII. in der Ansprache von 1958, auf die Humanæ Vitæ Bezug nimmt, ausführt, um "pilules utilisées comme remèdes aux réactions exagérées de l'utérus et de l'organisme", und die nur auch einen sterilisierenden Effekt haben. Die Medikamenteneinnahme ist hier auch jedenfalls sittlich neutral, da Pius XII. ja das Prinzip der doppelten Wirkung anwendet. Ob dies für eine Pille, die eigens auf die Wirkung der Empfängnisverhütung berechnet ist, auch gelten kann, ist fraglich.

In jedem Fall war das ja nur der erste Punkt; die genannten Unterschiede zwischen Medikamenteneinnahme und Kondomverwendung bleiben.
Zuletzt geändert von Berolinensis am Montag 29. November 2010, 19:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Montag 29. November 2010, 19:34

Marion hat geschrieben:
Berolinensis hat geschrieben:
1. Wer sagt denn, daß die Einnahme der Pille in diesem Fall erlaubt ist?


Hier wird das reininterpretiert:
Humanae Vitae hat geschrieben:Erlaubtheit therapeutischer Mittel

15. Die Kirche hält aber jene therapeutischen Maßnahmen, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, nicht für unerlaubt, auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt. Voraussetzung dabei ist, daß diese Verhinderung nicht aus irgendeinem Grunde direkt angestrebt wird (19).
http://www.vatican.va/holy_father/paul_ ... ae_ge.html
Ich will Dir ja wirklich nicht zu nahetreten, Marion - aber mußt Du überall mitreden, ob Du was davon verstehst oder nicht? :hmm:
Ich interpretiere da nirgends was rein. Und "Humanae Vitae" ist auch nicht das einzige lehramtliche Dokument, das es gibt.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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