Verhütungslehre der katholischen Kirche

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Protasius
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Protasius » Mittwoch 18. Juli 2012, 12:45

Wir waren zuhause fünf Kinder, auch wenn davon zwei adoptierte Pflegekinder sind. Meine Schwester wohnt unter der Woche wg. des Studiums nicht mehr bei uns, aber dafür kommt meine andere Schwester mit Mann und zwei Kindern zum Mittagessen rüber. Wir kommen Mittags i.d.R. auf mindestens sechs Leute am Tisch; als zwei meiner Großeltern noch zum Mittagessen kamen, waren wir acht, aber die können wg. Pflegebedürftigkeit nicht mehr. Und gegen die Behauptung so große Familien wären stets ein Sozialfall, verwahre ich mich energisch.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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lifestylekatholik
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von lifestylekatholik » Mittwoch 18. Juli 2012, 15:14

Seraphina hat geschrieben:Der Youcat schreibt dazu:
Dass dieses Werk in diesem Bereich Schwachstellen hat, wurde hier bereits thematisiert.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Seraphina
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Mittwoch 18. Juli 2012, 18:03

lifestylekatholik hat geschrieben:
Seraphina hat geschrieben:Der Youcat schreibt dazu:
Dass dieses Werk in diesem Bereich Schwachstellen hat, wurde hier bereits thematisiert.
Beinahe jedes Werk hat Schwachstellen und so schlecht ist der Youcat nun auch nicht, wie einige hier im Forum gerne behaupten. An ein paar Stellen ist er etwas unsauber formuliert, aber wenn man sein Gehirn nicht ausschaltet beim Lesen, kann man genug aus ihm lernen und durchaus auch mal etwas nachschlagen. Ich jedenfalls schätze den Youcat sehr.
(mir fallen übrigens aus dem Stehgreif bloß drei Stellen ein, die im Youcat unsauber bis unklar formuliert sind, keine derer steht im Kontext mit der kirchlichen Sexuallehre/Moral)

Aber du kannst gerne von dir gefundene vermeintliche Schwachstellen in obigem Zitat darlegen, dann kann ich dir vielleicht folgen, worauf du im Kontext unserer Diskussion hinaus möchtest.
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Fridericus
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Fridericus » Mittwoch 18. Juli 2012, 18:18

Der Youcat hat zahlreiche Schwachstellen und ist an vielen Stellen unsauber formuliert. Sofern bessere Katechismen (etwa der Katechismus von Basel oder der "Katechismus der katholischen Lehre" von Pius X.) zur Hand sind ist er sicherlich nicht zu empfehlen.

Ein Verbesserungsvorschlag allein zum obig zitierten 421 hat schon Gamaliel im Strang zum Youcat gemacht (http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php? ... t&start=32)
Einen Verbesserungsvorschlag hätte ich aber bzgl. der Fragestellung von 421 ("Warum sind nicht alle Mittel, die Empfängnis eines Kindes zu verhindern, gleich gut"). Ich würde das Wort "gleich" streichen, da eben die meisten Mittel nicht nur weniger gut, sondern überhaupt nicht gut sind.
Gamaliel hat geschrieben:Einige Beispiele für die fragliche/falsche moralische Orientierung, die der Youcat bietet:

(Ich zitiere nur die wesentlichen Passagen. Wer Zweifel hat, ob die angeführten Abschnitte nicht etwa sinnentstellend zitiert wurden, mag selbst den Zusammenhang im Original nachlesen, da ich hier nicht seitenweise abschreiben kann. Die Fundstellen sind ja angegeben.)


1. Eucharistische Nüchternheit

Zitat:
Frage 22: Wie muß ich vorbereitet sein, um die heilige Eucharistie empfangen zu können?

[…]

Bis vor wenigen Jahren war es üblich, vor einer Eucharistiefeier mindestens drei Stunden nichts zu essen; so wollte man sich auf die Begegnung mit Christus in der Kommunion vorbereiten. Heute empfiehlt die Kirche wenigstens eine Stunde der Nüchternheit.


Diese Anleitung der Jugendlichen zur eucharistischen Frömmigkeit ist insofern falsch, als die Kirche heute nicht eine Stunde Nüchternheit empfiehlt, sondern sie klar und deutlich als Minimum vorschreibt:

Zitat:
Can. 919 — § 1. Wer die heiligste Eucharistie empfangen will, hat sich innerhalb eines Zeitraumes von wenigstens einer Stunde vor der heiligen Kommunion aller Speisen und Getränke mit alleiniger Ausnahme von Wasser und Arznei zu enthalten.




2. Jährliche Beichte

Zitat:
Frage 234: Wann ist man verpflichtet seine schweren Sünden zu beichten? Wie oft soll man beichten?

Mit Erreichen des Unterscheidungsalters ist man verpflichtet, seine schweren Sünden zu beichten. Die Kirche legt den Gläubigen dringend nahe, dies wenigstens einmal jährlich zu tun. […]


Auch hier lehrt die Kirche in den Kirchengeboten (diesbezüglich im Youcat ganz richtig in Frage 345 angegeben) bzw. im Kirchenrecht etwas anderes:

Zitat:
Can. 989 — Jeder Gläubige ist nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet, seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen.

Die jährliche Beichte des Todsünders ist also nicht nur eine dringende Empfehlung, sondern eine strikte Vorschrift. (Ob ihr alle auch tatsächlich nachkommen, ist eine andere Frage, die hier nicht zur Diskussion steht.)



3. Freitagsabstinenz

Zitat:
Frage 345: Wie lauten die fünf Gebote der Kirche?

[…] 4) Einhaltung der Fast- und Abstinenztage (Aschermittwoch und Karfreitag). […]

Diese Antwort ist insofern ganz unzureichend, als durch die Klammerbemerkung den glaubensinteressierten Jugendlichen suggeriert wird, daß sich die Beobachtung des 4. Kirchengebots nur auf diese zwei Tage bezieht.
Tatsächlich umfaßt das Kirchengebot aber auch alle bloßen Abstinenztage, das heißt alle Freitage des Jahres auf die kein Hochfest fällt (vgl. CIC c. 1251 bzw. KKK 243 inkl. Fußnote)



4. Selbstbefriedigung

Zitat:
Frage 49: Ist Selbstbefriedigung ein Verstoß gegen die Liebe?

Selbstbefriedigung ist ein Verstoß gegen die Liebe, weil sie die Erregung der Lust zum Selbstzweck macht und von der ganzheitlichen Entfaltung der Liebe zwischen Mann und Frau abkoppelt. Deshalb ist „Sex mit sich selbst“ ein Widerspruch in sich. [2352]

Die Kirche verteufelt Selbstbefriedigung nicht, aber sie warnt davor, sie zu verharmlosen. […]


Diese Antwort ist in mehrerlei Hinsicht ganz und gar ungenügend bzw. falsch!

Selbstbefriedigung ist nicht einfach nur irgendein Verstoß gegen die Liebe, wie dies auch ein unrechtes Wort oder sonst eine kleine Verfehlung sein kann, sondern sie ist klar und präzise ein schwerer Verstoß gegen die Liebe, d.h. gemäß beständiger kirchlicher Lehre ist Selbstbefriedigung eine Todsünde.
So auch in der im Youcat referenzierten Stelle aus dem KKK, wo es heißt, daß die Masturbation als „eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung zu brandmarken“ ist.
Sehr unglücklich ist das Wort „verteufelt“ gewählt, da es zwar viele Emotionen, aber wenig Erkenntnis verschafft. Was soll denn der theologische Inhalt dieses Wortes bzw. Satzes sein?
Denn selbstverständlich verurteilt, verwirft, verbietet,… die Kirche die Selbstbefriedigung, und zwar unmißverständlich.
Was die Kirche jedoch nicht tut, das ist den Sünder, denjenigen, der sich durch Selbstbefriedigung in schwere Sünde gestürzt hat, aufzugeben und niederzumachen. Ihm bietet sie in der hl. Beichte beständig die Möglichkeit zur Umkehr, zur Vergebung und zum Neustart mit Hilfe der Gnade an. – Doch von dem ist hier ja offensichtlich nicht die Rede, da der Youcat von der Sünde („Selbstbefriedigung“) und nicht vom Sünder („Selbstbefriediger“) spricht.
Und schließlich warnt die Kirche nicht nur vor ihrer Verharmlosung, sondern sie verbietet die Selbstbefriedigung ganz und gar und das Lehramt der Kirche (zuständig in Glaubens- und Sittenfragen) lehrt ihre schwere Sündhaftigkeit.
(Ob dann auch im konkreten Einzelfall jedesmal eine Todsünde vorliegt oder durch Einschränkung des Erkenntnis bzw. des Willens eine leichte oder gar keine Sünde vorliegt, ist hier irrelevant. In vorliegender Frage geht es um die moralische Qualifizierung des "Objekts" der Handlung und nicht um die sonstigen Erfordernisse, die zur Begehung einer jeden beliebigen Todsünde erforderlich sind.)

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Mittwoch 18. Juli 2012, 19:15

Klar, Gamaliel hat gesagt, dass man die Frage besser formulieren könnte, aber die Antwort ist dennoch eindeutig. Also sehe ich euer Problem bezüglich der eigentlichen Frage nicht.

Dass es ansonsten einige Unsauberkeiten gibt, weiß ich. Mir waren jetzt besonders im Kopf jene bezüglich der eucharistischen Nüchternheit, eine bezüglich der Erlösung und eine in der es um Mord geht. An die mit der Selbstbefridigung hatte ich nicht mehr gedacht, die beiden anderen beinahe vergessen.
Dass tut aber auch nicht allzuviel zur Sache, da dies hier nicht Thema ist. Ich hatte zum Thema Empfängnisregelung zwei Artikel aus dem Youcat zitiert, es kann gerne jemand von euch einen entsprechenden Artikel aus einem anderen Katechismus zitieren, ich habe aber gerade keinen anderen vorliegen.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Fridericus » Mittwoch 18. Juli 2012, 19:24

Der Youcat eignet sich nicth wirklich zur Darlegung der kath. Lehre. Er mag vielleicht für den Anfang einen einigermaßen guten Überblick geben, aber das tun andere Katechismen, die in ihrem Umfang auch noch kürzer sind, wesentlich besser.

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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Linus » Mittwoch 18. Juli 2012, 19:39

lifestylekatholik hat geschrieben:
Melody hat geschrieben:Insofern verstehe ich nicht ganz, was Dich an Linus' Posting gestört hatte?! :hae?:
Seine eigene kleine, enge Phantasie.

Ich ahnte es. Irgendwann kommt der Tag an dem ich völlig missverstanden werde. Wie man das von mir gegebene und das des Paul Heliosch hier in einen Topf zusammenschmeissen und umrührenb kann ist mir gänzlich schleierhaft.

Linus, auf Anraten des Arztes Lotto spielend, denn der Sechser sei wahrscheinlicher als die erfolgreiche Eigenkindproduktion.

PS. Die Mehrzahl meines Bekanntenkreises beginnt erst ab drei Kindern zu zählen, und ab 5 ist man erst richtig dabei. :breitgrins:
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Mittwoch 18. Juli 2012, 20:27

Fridericus hat geschrieben:Der Youcat eignet sich nicth wirklich zur Darlegung der kath. Lehre. Er mag vielleicht für den Anfang einen einigermaßen guten Überblick geben, aber das tun andere Katechismen, die in ihrem Umfang auch noch kürzer sind, wesentlich besser.
Ich sage es ja: du kannst dir gerne die Mühe machen, einen Artikel zum Thema Empfängnisregelung aus einem anderen Katechismus zu zitieren oder mir zu sagen, was du explizit an der von mir zitierten Stelle auszusetzen hast.
Das Thema Youcat allgemein ist hier nämlich OT, darüber können wir gerne im Youcat-Strang weiterdiskutieren ;-)
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Gamaliel » Mittwoch 18. Juli 2012, 20:53

Seraphina hat geschrieben:Der Youcat schreibt dazu:

420. Darf ein christliches Paar Empfängnisregelung betreiben?

Ja, ein christliches Paar darf und soll verantwortlich mit der Gabe, Leben schenken zu dürfen, umgehen. [2368-2369, 2399]
Wo hast Du denn diesen Text entnommen? In meiner Druckausgabe des „Youcat“ steht da nämlich eine wichtige und notwendige Präzisierung:
420. Darf ein christliches Ehepaar Empfängnisregelung betreiben?

Ja, ein christliches Ehepaar darf und soll verantwortlich mit der Gabe, Leben schenken zu dürfen, umgehen. [2368-2369, 2399]

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Mittwoch 18. Juli 2012, 21:10

Gamaliel hat geschrieben:
Seraphina hat geschrieben:Der Youcat schreibt dazu:

420. Darf ein christliches Paar Empfängnisregelung betreiben?

Ja, ein christliches Paar darf und soll verantwortlich mit der Gabe, Leben schenken zu dürfen, umgehen. [2368-2369, 2399]
Wo hast Du denn diesen Text entnommen? In meiner Druckausgabe des „Youcat“ steht da nämlich eine wichtige und notwendige Präzisierung:
420. Darf ein christliches Ehepaar Empfängnisregelung betreiben?

Ja, ein christliches Ehepaar darf und soll verantwortlich mit der Gabe, Leben schenken zu dürfen, umgehen. [2368-2369, 2399]
Entschuldige bitte. Ich habe unsauber abgeschrieben. Mea culpa.
Wie mir das auch noch zweimal direkt hintereinander passieren kann, weiß ich nicht. :tuete:
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Raphael
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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Raphael » Donnerstag 19. Juli 2012, 10:03

Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Hallelujah singen!

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Katholik43 » Freitag 20. Juli 2012, 02:33

Gelobt sei Jesus Christus!

Die Zitate aus dem Youcat sind z.T. falsch wiedergegeben oder veraltet (es hat ein paar Präzisierungen im Youcat gegeben).
Gamaliel hat geschrieben:4. Selbstbefriedigung

Zitat:
Frage 49: Ist Selbstbefriedigung ein Verstoß gegen die Liebe?

Selbstbefriedigung ist ein Verstoß gegen die Liebe, weil sie die Erregung der Lust zum Selbstzweck macht und von der ganzheitlichen Entfaltung der Liebe zwischen Mann und Frau abkoppelt. Deshalb ist „Sex mit sich selbst“ ein Widerspruch in sich. [2352]
Vgl http://www.youcat.org/de/glauben/frage- ... liebe.html -> "*schwerer* Verstoß"
Gamaliel hat geschrieben:1. Eucharistische Nüchternheit

Zitat:
Frage 22: Wie muß ich vorbereitet sein, um die heilige Eucharistie empfangen zu können?

[…]

Bis vor wenigen Jahren war es üblich, vor einer Eucharistiefeier mindestens drei Stunden nichts zu essen; so wollte man sich auf die Begegnung mit Christus in der Kommunion vorbereiten. Heute empfiehlt die Kirche wenigstens eine Stunde der Nüchternheit.
Das soll präzisiert worden sein in Richtung Pflicht, hieß es auf dem Katholikentag. (Ich habe keinen aktuellen Youcat zur Hand, kann daher die exakte Fassung nicht genau zitieren)
Zuletzt geändert von Katholik43 am Freitag 20. Juli 2012, 04:47, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Vir Probatus » Freitag 20. Juli 2012, 03:55

Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Nein.
Es genügt, wenn ich das sage! (Bischof Gerhard Ludwig Müller und das Kirchenrecht)

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Raphael
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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Raphael » Freitag 20. Juli 2012, 06:54

Vir Probatus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Nein.
Warum nicht? :hmm:
Der Mensch ist eine leiblich-seelische Einheit, da kann er doch auch Hilfestellungen von der Kirche in beiderlei Hinsicht erwarten ......
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Senensis » Freitag 20. Juli 2012, 09:26

@ Seraphina: Lange Zeit gab es in der Kirche die Meinung, daß überhaupt keine Form der Empfängnisregelung erlaubt sei. Man müsse Kinder einfach so nehmen, wie sie kommen. Bereits im 19. Jahrhundert haben aufmerksame Priester, die die Not einfacher Familien kannten, die Fortschritte der Wissenschaft beobachtet und selbst geforscht, und zwar hinsichtlich der Eingrenzung der fruchtbaren Zeiten der Frau. Auch Prof. Dr. Josef Rötzer, auf den die klassische Form der Natürlichen Empfängnisregelung zurückgeht (er hat die sympto-thermale Methode mit ihrer hohen Verläßlichkeit erfunden und dafür einen päpstlichen Orden bekommen) hat als junger Gynäkologe den entscheidenden Hinweis, sich damit zu befassen, von einem befreundeten Priester bekommen. Der erste Papst, der sich eindeutig für die Methode der "Zeitwahl" ausgesprochen hat, war Pius XII. in seiner berühmten Ansprache an die Hebammen von 1951. Mutter Teresa lehrte ebenfalls diese Methode: "Natural Familiy Planning is self-control out of love."
Die Begründung, warum es erlaubt ist, die fruchtbaren Zeiten zu berücksichtigen, ist einfach: Wenn Gott uns die Möglichkeit gibt, die fruchtbaren Zeiten ohne Manipulation zu bestimmen, dann dürfen wir dieses Wissen auch nutzen; ja, wir sind sogar dazu aufgerufen, es verantwortet zu nutzen. Ein Bauer darf ja auch den Rhythmus der Natur beobachten und muß nicht fatalistisch alles so nehmen, wie es wächst. (Ungefähr das sagt auch der Youcat.)
Ehepaare, die mit der NER leben, sind allgemein glücklicher, und die Frauen sind gesünder. Wenn eine Frau im Einklang mit ihrer Fruchtbarkeit leben kann, bedeutet das sehr viel für ihr seelisches Gleichgewicht. Da hat dann auch der Mann mehr davon.
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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von HeGe » Freitag 20. Juli 2012, 10:13

Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Nein.
Warum nicht? :hmm:
Der Mensch ist eine leiblich-seelische Einheit, da kann er doch auch Hilfestellungen von der Kirche in beiderlei Hinsicht erwarten ......
Für einen modernen Menschen des 21. Jahrhunderts, wie unser Herr Probatus einer ist, ist eben nur der eigene Wille Gott. Ein Hurra auf die Aufklärung! :roll:
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Vir Probatus » Freitag 20. Juli 2012, 16:56

Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Nein.
Warum nicht? :hmm:
Der Mensch ist eine leiblich-seelische Einheit, da kann er doch auch Hilfestellungen von der Kirche in beiderlei Hinsicht erwarten ......
Nach Hilfestellung war aber nicht gefragt, und darum geht es wohl auch nicht.
Selbstverständlich sollte sich jeder Hilfestellung jederzeit holen und holen können. Nur die Entscheidung darüber, wie er sein Leben führen will, die muss er mit seinem Ehegatten fällen können.
Es genügt, wenn ich das sage! (Bischof Gerhard Ludwig Müller und das Kirchenrecht)

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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von lifestylekatholik » Freitag 20. Juli 2012, 17:24

Vir Probatus hat geschrieben:Nur die Entscheidung darüber, wie er sein Leben führen will, die muss er mit seinem Ehegatten fällen können.
War mir bisher noch nicht bekannt, dass die Kirche allen Katholiken einen Chip einoperiert, um dann deren Entscheidungen funkfernsteuern zu können. Ts, ts, ts, man lernt eben nie aus.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Sonnabend 21. Juli 2012, 19:24

Die Entscheidung, nach der Lehre der Kirche zu leben oder es zu lassen, liegt immer bei einem selbst.
Si Deus nobiscum, quis contra nos?

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Sonnabend 21. Juli 2012, 19:31

Seraphina hat geschrieben:Die Entscheidung, nach der Lehre der Kirche zu leben oder es zu lassen, liegt immer bei einem selbst.
Nicht ganz. Sobald Du verheiratet bist, kommst Du unweigerlich in die Situation, daß zur "Entscheidung, nach der Lehre der Kirche zu leben oder es zu lassen", zwangsläufig ZWEI gehören. Sobald Du bestimmte Dinge nur für Dich allein entscheidest, funktionieren sie nicht mehr ganz nach der Lehre der Kirche.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Nachrichten zum Thema Lebensschutz

Beitrag von Raphael » Sonnabend 21. Juli 2012, 20:00

Vir Probatus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
Vir Probatus hat geschrieben:Ich möchte mich hiermit dann gegen Paul Heliosch, Linus und alle wenden, die glauben, im 21. Jahrhundert stünde es der Kirche zu, die "Verkehrsregelung" im ehelichen Schlafgemach Ihrer Mitglieder zu betreiben.
Würdest Du denn der Kirche zugestehen wollen, daß sie sich Gedanken darüber machen darf, wie das geschlechtliche Miteinander der Menschen geordnet werden kann bzw. geordnet werden könnte? :hmm:
Nein.
Warum nicht? :hmm:
Der Mensch ist eine leiblich-seelische Einheit, da kann er doch auch Hilfestellungen von der Kirche in beiderlei Hinsicht erwarten ......
Nach Hilfestellung war aber nicht gefragt, und darum geht es wohl auch nicht.
Selbstverständlich sollte sich jeder Hilfestellung jederzeit holen und holen können. Nur die Entscheidung darüber, wie er sein Leben führen will, die muss er mit seinem Ehegatten fällen können.
Selbstverständlich war nach Hilfestellung gefragt!

Das, was Du als "Verkehrsregelung" diffamiert hast, sind genau diese Hilfestellungen, die die Kirche für die Glieder im Leibe Christi bereitstellt.
Wenn Du deswegen die Vorstellung entwickelst, ein Priester stünde mit der Trillerpfeife neben dem Ehebett und regelt den geschlechtlichen Verkehr zwischen den Eheleuten, dann solltest Du 'mal dein Vorstellungsvermögen von unabhängiger Seite überprüfen lassen .........
Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Hallelujah singen!

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Seraphina » Sonntag 22. Juli 2012, 13:05

taddeo hat geschrieben:
Seraphina hat geschrieben:Die Entscheidung, nach der Lehre der Kirche zu leben oder es zu lassen, liegt immer bei einem selbst.
Nicht ganz. Sobald Du verheiratet bist, kommst Du unweigerlich in die Situation, daß zur "Entscheidung, nach der Lehre der Kirche zu leben oder es zu lassen", zwangsläufig ZWEI gehören. Sobald Du bestimmte Dinge nur für Dich allein entscheidest, funktionieren sie nicht mehr ganz nach der Lehre der Kirche.
Ja, schon klar, dann sind es zwei, aber was ich meinte, ist das, was Raphael auch geschrieben hat: es steht keiner von der Kirche daneben und passt auf, dass auch alle Kirchenmitglieder brav die Lehre der Kirche befolgen. Die Kirche verkündet ihre Lehre, aber die Umsetzung liegt bei den Gläubigen.
Dass natürlich ein Ehepaar in gewissen Dingen eine Einheit bildet ist dabei selbstverständlich.
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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Katholik43 » Sonntag 22. Juli 2012, 17:47

Gelobt sei Jesus Christus!
Seraphina hat geschrieben:Ja, schon klar, dann sind es zwei
Nach der Lehre der katholischen Kirche - und der Erfahrung vieler katholischer Ehepaare - sind es aber mindestens drei. Die katholische Ehe ist ein Sakrament, in dem Gott seine unverbrüchliche Liebe zeigt!

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 22. Juli 2012, 18:48

Katholik43 hat geschrieben:Gelobt sei Jesus Christus!
Seraphina hat geschrieben:Ja, schon klar, dann sind es zwei
Nach der Lehre der katholischen Kirche - und der Erfahrung vieler katholischer Ehepaare - sind es aber mindestens drei. Die katholische Ehe ist ein Sakrament, in dem Gott seine unverbrüchliche Liebe zeigt!
Epheser 5,21-33 zeigt gut den christlichen Kontext der Ehe. Die Ehe spiegelt das Verhältnis von Christus und Kirche im Kleinen wieder.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von Senensis » Montag 23. Juli 2012, 09:25

Katholik43 hat geschrieben:Gelobt sei Jesus Christus!
Seraphina hat geschrieben:Ja, schon klar, dann sind es zwei
Nach der Lehre der katholischen Kirche - und der Erfahrung vieler katholischer Ehepaare - sind es aber mindestens drei. Die katholische Ehe ist ein Sakrament, in dem Gott seine unverbrüchliche Liebe zeigt!
Schon. Aber Gott muß sich nicht dafür oder dagegen entscheiden, nach der Lehre der Kirche zu leben. :roll:
et nos credidimus caritati

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Re: Verhütungslehre der katholischen Kirche

Beitrag von taddeo » Montag 23. Juli 2012, 09:38

Senensis hat geschrieben:
Katholik43 hat geschrieben:Gelobt sei Jesus Christus!
Seraphina hat geschrieben:Ja, schon klar, dann sind es zwei
Nach der Lehre der katholischen Kirche - und der Erfahrung vieler katholischer Ehepaare - sind es aber mindestens drei. Die katholische Ehe ist ein Sakrament, in dem Gott seine unverbrüchliche Liebe zeigt!
Schon. Aber Gott muß sich nicht dafür oder dagegen entscheiden, nach der Lehre der Kirche zu leben. :roll:
Richtig. Daß die katholische Ehe eine ménage à trois ist, stimmt schon - aber für die rechte Lebensform entscheiden müssen sich nur zwei davon. Gott hat seine Entscheidung schon längst getroffen, bevor die anderen beiden das merken.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Die Pille

Beitrag von taddeo » Donnerstag 6. April 2017, 13:43

Dieser Beitrag stammt aus dem Strang "Die Pille" im Brauhaus. -HeGe

HeGe hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:31
PascalBlaise hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:20
Jeder meint, es geht ihn etwas an, wie andere das handhaben.
Die Entscheidung liegt allein beim betreffenden Paar - mit allen Konsequenzen.
Die Entscheidung über den Einsatz von Verhütungsmitteln liegt schon bei jedem Einzelnen im Hinblick auf sein ewiges Seelenheil.
HeGe, das kann man so nicht sagen. Die Ehe hat die Besonderheit, daß alle mit ihr zusammenhängenden Fragen grundsätzlich von BEIDEN Partnern gelöst und verantwortet werden müssen, auch zB die Frage der Verhütung, und AUCH die Fragen, die das ewige Seelenheil betreffen. Das ist eine Konsequenz, daß die Ehe "totius vitae consortium" ist.
Es ist mit einer katholischen Ehe schlechterdings unvereinbar, wenn zB die Frau sagen würde "ich will weder dauernd Kinder kriegen noch Verhütungsmittel nehmen" und damit ihren Partner zur weitgehenden Enthaltsamkeit zwingen oder die Verhütung auf ihn abwälzen würde. Umgekehrt natürlich genauso, wenn das der Mann tut. In so einem Fall ist das Seelenheil BEIDER Partner betroffen, nicht bloß des einen, der tatsächlich das (unerlaubte) Verhütungsmittel anwendet.
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Re: Die Pille

Beitrag von HeGe » Donnerstag 6. April 2017, 13:51

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:43
HeGe, das kann man so nicht sagen. Die Ehe hat die Besonderheit, daß alle mit ihr zusammenhängenden Fragen grundsätzlich von BEIDEN Partnern gelöst und verantwortet werden müssen, auch zB die Frage der Verhütung, und AUCH die Fragen, die das ewige Seelenheil betreffen. Das ist eine Konsequenz, daß die Ehe "totius vitae consortium" ist.
Es ist mit einer katholischen Ehe schlechterdings unvereinbar, wenn zB die Frau sagen würde "ich will weder dauernd Kinder kriegen noch Verhütungsmittel nehmen" und damit ihren Partner zur weitgehenden Enthaltsamkeit zwingen oder die Verhütung auf ihn abwälzen würde. Umgekehrt natürlich genauso, wenn das der Mann tut. In so einem Fall ist das Seelenheil BEIDER Partner betroffen, nicht bloß des einen, der tatsächlich das (unerlaubte) Verhütungsmittel anwendet.
Eigentlich wollte ich das Thema ja nicht unter Glaubensgesichtspunkten diskutieren, aber dann doch noch eine Antwort. Du sagst, es sei eine gemeinsame Entscheidung. Gut, das man darüber spricht, halte ich für völlig richtig. Aber ein an der kirchlichen Lehre gebildetes Gewissen kann ja nur zu einer Entscheidung in dieser Frage kommen. Und wenn einer der beiden Ehepartner die Verhütung ablehnt, der andere sie haben möchte, was dann? Zwingen können sich die Ehepartner gegenseitig zu nichts, also bleibt es letztendlich eine Entscheidung des Einzelnen.
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Re: Die Pille

Beitrag von PascalBlaise » Donnerstag 6. April 2017, 13:52

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:43
Die Ehe hat die Besonderheit, daß alle mit ihr zusammenhängenden Fragen grundsätzlich von BEIDEN Partnern gelöst und verantwortet werden müssen, auch zB die Frage der Verhütung, und AUCH die Fragen, die das ewige Seelenheil betreffen.
Also betrifft die Frage der Verhütung in keinem Fall das ewige Seelenheil?
Frage wegen des großgeschriebenen "AUCH".
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Re: Die Pille

Beitrag von taddeo » Donnerstag 6. April 2017, 15:39

PascalBlaise hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:52
taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:43
Die Ehe hat die Besonderheit, daß alle mit ihr zusammenhängenden Fragen grundsätzlich von BEIDEN Partnern gelöst und verantwortet werden müssen, auch zB die Frage der Verhütung, und AUCH die Fragen, die das ewige Seelenheil betreffen.
Also betrifft die Frage der Verhütung in keinem Fall das ewige Seelenheil?
Frage wegen des großgeschriebenen "AUCH".
Im Gegenteil, die Frage der Verhütung betrifft in jedem Fall das ewige Seelenheil - aber nicht eines Partners, sondern immer beider. In der Ehe gilt nun mal: Verheiratet sein kann man nicht allein, Geschlechtsverkehr haben kann man nicht allein, verhüten kann man nicht allein, selig werden kann man nicht allein. Man ist in vielen Punkten des Zusammenlebens immer für das mitverantwortlich, was der andere tun oder lassen kann. Das kann dazu führen, daß man Mitschuld trägt, obwohl man formal nichts Unerlaubtes tut (zB selber kein verbotenes Verhütungsmittel benutzt, aber das vom Partner erwartet oder ihm irgendwie "aufzwingt"), und auch, daß die eigene Schuld zumindest gemindert wird, obwohl man formal etwas Unerlaubtes tut (zB wenn sich der Partner kategorisch weigert, erlaubte Verhütung zu praktizieren, aber auf regelmäßigem Sex besteht).
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Re: Die Pille

Beitrag von taddeo » Donnerstag 6. April 2017, 15:45

HeGe hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 13:51
Und wenn einer der beiden Ehepartner die Verhütung ablehnt, der andere sie haben möchte, was dann? Zwingen können sich die Ehepartner gegenseitig zu nichts, also bleibt es letztendlich eine Entscheidung des Einzelnen.
In einer Beziehung gibt es auch sowas wie einen "moralischen Zwang". Und gerade bei diesem Thema kommt der viel öfter vor, als du vielleicht annimmst. Viele Ehepartner würden schlichtweg ihre ganze Ehe aufs Spiel setzen, wenn sie in puncto Verhütung nicht auf die "Wünsche" ihres Partners eingehen.
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Re: Die Pille

Beitrag von HeGe » Donnerstag 6. April 2017, 15:57

taddeo hat geschrieben:
Donnerstag 6. April 2017, 15:45
In einer Beziehung gibt es auch sowas wie einen "moralischen Zwang". Und gerade bei diesem Thema kommt der viel öfter vor, als du vielleicht annimmst. Viele Ehepartner würden schlichtweg ihre ganze Ehe aufs Spiel setzen, wenn sie in puncto Verhütung nicht auf die "Wünsche" ihres Partners eingehen.
Dazu dann eine für mich interessante Rückfrage. Nehmen wir also an, wir haben einen katholischen Ehepartner, der sagt, er lehne jede Form von künstlicher Verhütung ab. Der andere Ehepartner, sei er katholisch oder nicht, besteht aber darauf und droht, wie du es aufzeigst, mit einem Ende der Ehe. Darf der katholische Ehepartner dann unter diesen Umständen dem von dir genannten moralischen Zwang nachfolgen und hier vor einer Beendigung der Ehe dann die Verhütung erlaubt als "kleineres Übel" wählen? Oder müsste er die Ehe sozusagen für den katholischen Glauben den Märtyrertod sterben lassen?
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