Kunst oder Blasphemie?

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Pit
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Kunst oder Blasphemie?

Beitrag von Pit » Sonntag 4. Dezember 2005, 17:22

Hallo Leute,

wie betrachtet ihr diese Website - bzw. den Kalender, um den es geht?

http://www.bibelkalender.de

Persönlich finde ich es in Ordnung, wenn Jugendliche einen Kalender erstellen, um für einen sozialen Zweck Geld zu sammeln. Es ist auch ok., wenn sie dafür einen Kalender mit biblischen Bildern/Szenen erstellen. Wenn bei diesen Szenen (z.B. Schöpfung, Garten Eden, etc.) Jugendliche nackt zu sehen sind, ist das meiner Überzeugung nach kein Problem, wenn es passt. Aber wieweit darf Kunst gehen ?
Ist Nacktheit in der Kunst per se ein Problem ? Kirchlicherseits ?
Immerhin hat Michelangelo auch Menschen im Adamskostüm auf religiösen Bildern dargestellt (ihm standen teilweise Strassenkinder gegen Kost und Logie nackt Modell).
Und der menschliche Körper ist ein Geschenk Gottes !
Die Ersteller des "Bibelkalenders" haben m.E. nur einen eklatanten Fehler gemacht: Sie haben einige Bilder in der Kirche aufgenommen - und da ist aus meiner Sicht eine Grenze überschritten.

Gruß, Pit
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Linus
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Beitrag von Linus » Sonntag 4. Dezember 2005, 20:40

Gott sei dank war es nur eine protestantische Versammlungshalle und keine kirche.
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HeGe
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Beitrag von HeGe » Montag 5. Dezember 2005, 16:39

Ich habe da gestern auch im Fernsehen einen kurzen Beitrag zu gesehen.

Da stehen manche Bilder dem Playboy ja in nichts nach, auch wenn sie vielleicht mit einer anderen Intention aufgenommen wurden. :nein:

Zugegebenermaßen hängen ja auch im Vatikan einige Nacktbilder aus Renaissance und Barock (es sei denn, sie wurden mit Feigenblättern "entschärft"), aber diesen Kalender kann man wohl kaum mit Michelangelo und Co. vergleichen.
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Pit
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Beitrag von Pit » Montag 5. Dezember 2005, 16:44

Hallo Linus,

Du irrst, es handelte sich um eine Kirche, oder war es etwa ein Kino, eine Kneipe, eine Büchergeschäft, oder was ?
Mit Verlaub, daß Du etwas gegen die evangelisch-lutherischen Christen hast, ist bekannt; daß Du diese Aktion einer (!) evangelischen Gemeinde eventuell auf die EKD im Allgemeinen beziehen könntest (im SInne von: "Da sieht man wieder, wie die Häretiker sind."), ist auch nichts neues.
Aber nichtsdesdotrotz handelte es sich um eine Kirche.

Übrigens:
Würden Katholiken in einer Kirche etwas ähnliches veranstalten, und ein evangelischer Christ würde sagen, daß es ja nur eine katholische Versammlungshalle und keine Kirche war, würdest Du Dich wahrscheinlich (zu recht !) aufregen. Warum sollte man also den evangelischen Christen gegenüber nicht fair sein, und eine lanbdeskirchliche Kirche als Kirche ansehen ?
Davon abgesehen würde mich mehr interessieren, was Du von der Aktion ansich hälst, also von den Bildern in der Kirche abgesehen.

Gruß, Pit
Linus hat geschrieben:Gott sei dank war es nur eine protestantische Versammlungshalle und keine kirche.
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Beitrag von Pit » Montag 5. Dezember 2005, 16:55

Hallo HeGe,

nun, das sehe ich auch so.
Die Aktion ansich finde (abgesehen von den Bildern in der Kirche) im Prinzip garnicht schlecht. Warum sollte man nicht - auch für einen Kalender - biblische Szenen/Bilder nachstellen, "interpretieren" udn damit evtl. die biblische Botschaft wieder `rüberbringen. Auch, daß dabei Jugendliche unbekleidet zu sehen wären, sähe ich nicht al Problem.
Nur:
Das Verhältnis müsste stimmen. Also Darstellung und eben nicht am Rand der Pornographie.
Übrigens wurden die meisten Bilder von Michelangelo und Co. oft erst im Nachhinein "entschärft".

Gruß, Pit
HeGe hat geschrieben:Ich habe da gestern auch im Fernsehen einen kurzen Beitrag zu gesehen.

Da stehen manche Bilder dem Playboy ja in nichts nach, auch wenn sie vielleicht mit einer anderen Intention aufgenommen wurden. :nein:

Zugegebenermaßen hängen ja auch im Vatikan einige Nacktbilder aus Renaissance und Barock (es sei denn, sie wurden mit Feigenblättern "entschärft"), aber diesen Kalender kann man wohl kaum mit Michelangelo und Co. vergleichen.
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Knecht Ruprecht
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Beitrag von Knecht Ruprecht » Montag 5. Dezember 2005, 17:03

Ich finde um richtig viel Geld für gute Zwecke zu sammeln, hätte die EKD attratkive Pastorinnen für einen biblisch-erotischen Film zusammen trommeln sollen. Da man aber auf bewegte Erotik verzichtet und statt dessen auf Standerotik setzt, nimmt man in kauf, weniger Geld für gute Zwecke einzusammeln, als dies mit einem biblisch-erotischen Film möglich wäre. Das ist dann weniger gut, weil es besser ginge. Auch sollten die Künstlerinnen im Geschlechtsbereich blank rasiert sein und dementsprechend darauf die Kameraführung fixiert werden. Das würde die Einnahmen massiv steigern und kommt letztendlich dem guten Zweck zu gute.

Petra
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Beitrag von Petra » Montag 5. Dezember 2005, 17:51

Knecht Ruprecht hat geschrieben:Ich finde um richtig viel Geld für gute Zwecke zu sammeln, hätte die EKD attratkive Pastorinnen für einen biblisch-erotischen Film zusammen trommeln sollen.
Oder attraktive Pastoren. 8)

Petra
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Beitrag von Petra » Montag 5. Dezember 2005, 17:53

Das "biblisch-künstlerische" ist doch Etikettenschwindel. Sie brauchen Kohle und sex sells.

Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Montag 5. Dezember 2005, 18:54

Petra hat geschrieben:Das "biblisch-künstlerische" ist doch Etikettenschwindel. Sie brauchen Kohle und sex sells.
Amen.

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Pit
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Beitrag von Pit » Montag 5. Dezember 2005, 19:57

Hallo HeGe,

da sind wir exakt der selben Meinung.
Aber wo liegen - konkret - die Grenzen in der Kunst. Daß es ziemlich daneben war, daß die Leute für den Kalender Aktaufnahmen in der Kirche gemacht haben, ist keine Frage. Aber wie sähe die Sache aus, wenn die Bilder nicht am Rand der Pornografie wären, sondern seriöser (um den Begriff mal zu gebrauchen)?
Ist es grundsätzlich in Ordnung, wenn Jugendliche einen Kalender mit "nachgestellten" biblischen Szenen erstellen und verkaufen würden, um z.B. ihr Jugendzentrum zu finanzieren (wenn es kurz vorm Ende ständ) ?
Also wären Deiner Meinung nach solche Fotos o.k., wenn die notwendigen Grenzen eingehalten würden ?
(Aktfotos incl., denn Adam und Eva hatten im Paradies nun mal nichts an.)

Gruß, Pit
HeGe hat geschrieben:Ich habe da gestern auch im Fernsehen einen kurzen Beitrag zu gesehen.

Da stehen manche Bilder dem Playboy ja in nichts nach, auch wenn sie vielleicht mit einer anderen Intention aufgenommen wurden. :nein:

Zugegebenermaßen hängen ja auch im Vatikan einige Nacktbilder aus Renaissance und Barock (es sei denn, sie wurden mit Feigenblättern "entschärft"), aber diesen Kalender kann man wohl kaum mit Michelangelo und Co. vergleichen.
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Sarrha
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Beitrag von Sarrha » Montag 5. Dezember 2005, 22:10

Woher kennt ihr eigentlich die ganzen Bilder? ich sehe immer nur zwei. Ich habe diese Diskussion auf J.de verfolgt. Die Empörung ist enorm hoch. Ich habe den Verdacht, dass da einige Leute Pornos wiedererkennen, von denen sie eigentlich doch gar nichts wissen wollen/können/sollen?


Sarrha

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Pit
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Beitrag von Pit » Montag 5. Dezember 2005, 22:23

Hallo Saarha,

Du hast recht. Ich habe logischerweise nur die beiden bisher veröffentlichten Bilder des Kalenders gesehen, und mich vieleicht sogar etwas in die Sache "verrannt". :(
Und - das dürfte aus meinen Beiträgen vorher klargeworden sein - ich habe auch nichts gegen gutgemachte Aktaufnahmen.
Nur nicht in der Kirche.

Gruß, Pit
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Beitrag von Petra » Montag 5. Dezember 2005, 22:30

Pit hat geschrieben:ich habe auch nichts gegen gutgemachte Aktaufnahmen.
Nur nicht in der Kirche.
Tja, da kann ich dir nicht zustimmen. Meintewegen können Künstler (Fotografen, Theaterleute, Maler) eine ganze Kirche mit Nackten pflastern, um künstlerisch wertvolle oder weniger wertvolle Aktionen zu realisieren. (Naja, eine nicht-katholische Kirche wäre da schon besser.)
Aber der Kalender läuft ja unter "evangelische Jugend" und hat den "Bibel-Anspruch" und das lehne ich ab.
Christinnen sollten es nicht nötig haben, zwecks Geldsammeln oder zur Verkündigung der Frohen Botschaft blankzuziehen.

Besonders wenns nicht "gekonnt" gemacht wird, verkauft nackte Haut nur nackte Haut und nichts anderes.

Petra
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Beitrag von Petra » Montag 5. Dezember 2005, 22:35

Dirk hat geschrieben:
Petra hat geschrieben:Das "biblisch-künstlerische" ist doch Etikettenschwindel. Sie brauchen Kohle und sex sells.
Amen.
Dirk, wir sind ja mal einer Meinung. Das muss gefeiert werden. :ikb_cheers: :D

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Linus
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Beitrag von Linus » Montag 5. Dezember 2005, 23:22

Pit hat geschrieben:Hallo Linus,
Warum sollte man also den evangelischen Christen gegenüber nicht fair sein, und eine lanbdeskirchliche Kirche als Kirche ansehen ?
Davon abgesehen würde mich mehr interessieren, was Du von der Aktion ansich hälst, also von den Bildern in der Kirche abgesehen.
Weil die Versammlungshalle nicht geweiht ist, :mrgreen: kann man von keiner Kirche sprechen.

Aber BOT:
Also die zwei Bilder sind - abgesehen von der intention - künstlerisch grottenschlecht. da haben Playboy Hustler und wie die Hochglanznacktzeitungen (ich rede nicht von den "billignacktzeitungen")alle heißen ja einen direkt künstlerisch erotischen anspruch dagegen.
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Dr. Dirk
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Beitrag von Dr. Dirk » Montag 5. Dezember 2005, 23:24

Petra hat geschrieben:Dirk, wir sind ja mal einer Meinung. Das muss gefeiert werden. :ikb_cheers: :D
Kommt das so selten vor? :hmm:

Na egal, es gibt immer einen Grund zu feiern. Prost! :ikb_drunk:

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HeGe
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Beitrag von HeGe » Dienstag 6. Dezember 2005, 11:17

Pit hat geschrieben:Hallo HeGe,

da sind wir exakt der selben Meinung.
Aber wo liegen - konkret - die Grenzen in der Kunst. Daß es ziemlich daneben war, daß die Leute für den Kalender Aktaufnahmen in der Kirche gemacht haben, ist keine Frage. Aber wie sähe die Sache aus, wenn die Bilder nicht am Rand der Pornografie wären, sondern seriöser (um den Begriff mal zu gebrauchen)?
Ist es grundsätzlich in Ordnung, wenn Jugendliche einen Kalender mit "nachgestellten" biblischen Szenen erstellen und verkaufen würden, um z.B. ihr Jugendzentrum zu finanzieren (wenn es kurz vorm Ende ständ) ?
Also wären Deiner Meinung nach solche Fotos o.k., wenn die notwendigen Grenzen eingehalten würden ?
(Aktfotos incl., denn Adam und Eva hatten im Paradies nun mal nichts an.)

Gruß, Pit
Gegen Verkauf von Kalendern, auch zur Finanzierung eines Jugendzentrums, allgemein habe ich nichts. Ansonsten könnten viele Wallfahrtsorte Insolvenz anmelden, bei dem was da alles verkauft wird.

Ob man da eine klare Grenze ziehen kann weiß ich nicht. Für mich ist einerseits die Intention entscheidend. Will ich wirklich biblische Szenen darstellen? Steht das für mich im Vordergrund? Dann kann man bei paradiesischen Szenen sicher auch mal etwas mehr Haut zeigen. Wenn aber die nackte Haut in den Vordergrund rückt und den ganzen Kalender durchzieht, ist die Grenze überschritten. Andererseits muss man aber auch auf den Blickwinkel der Empfänger achten, also wie die das Bild beim ersten Anblick interpretieren. Und da muss man sich als Jugendlicher der heutigen Zeit im Hinblick auf ältere Leute, die da noch etwas gesitteter sind, etwas zurückhalten.

Wenn die nackte Haut nur Werbe- und Provokationszwecken dient, stimmt die Intention jedenfalls auch nicht.
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Beitrag von Dr. Dirk » Dienstag 6. Dezember 2005, 15:21

Wie wär's statt dessen damit?

Uwe Schmidt
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Beitrag von Uwe Schmidt » Mittwoch 7. Dezember 2005, 01:19

Die evangelische Jugend will damit aber sicher auch demonstrieren, dass sie "nicht so prüde" ist, um damit mehr Leute anzuziehen. Ich halte das aber natürlich trotzdem für den falschen Weg.

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Sarrha
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Beitrag von Sarrha » Mittwoch 7. Dezember 2005, 09:10

Dirk hat geschrieben:Wie wär's statt dessen damit?


Ein Schelm wer Arges dabei denkt.

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Pit
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Beitrag von Pit » Mittwoch 7. Dezember 2005, 20:01

Hallo HeGe,

ich habe wegen dem Bibelkalender mal den Verantwortlichen angemailt - und eine Antwort erhalten.
Er schreibt, daß auf den Bildern des Kalenders nirgends der Schambereich der Jugendlichen zu erkennen ist.
Die Bilder der beteiligten Jugendlichen würden lediglich aus Gründen der Persönlichkeitsrechte nicht im www veröffentlicht, und - es wären nur Bilder, deren "Darsteller" (mein Begriff) auch auf Bildern der Alten Meister so (nackt) dargestellt worden wären.

Gruß, Pit
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Beitrag von HeGe » Donnerstag 8. Dezember 2005, 12:34

In dem Fernsehbericht, den ich erwähnt habe, war auch etwas mehr zu sehen.

Das der Kalender keine Pornographie zeigt, d.h. keine Geschlechtsteile, habe ich mir schon gedacht. Aber auch die Posen, an die ich mich erinnern kann, gingen über das hinaus, was zur Darstellung einer biblischen Szene nötig ist. Und letzteres soll ja wohl das Ziel gewesen sein.

M.E. ist man mit diesem Kalender weit über das Anständige hinausgeschossen.
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Nietenolaf
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Beitrag von Nietenolaf » Donnerstag 8. Dezember 2005, 12:50

HeGe hat geschrieben:M.E. ist man mit diesem Kalender weit über das Anständige hinausgeschossen.
Der gefönte Weichling allein, den sie da als Samson verkaufen, spottet jeder Beschreibung. 8)

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Marion
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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Marion » Dienstag 29. Dezember 2009, 13:22

Vor 5 Jahren: Maler Daniele da Volterra wird geboren

Nach fast zehnjähriger Arbeit enthüllt Michelangelo 1541 im Vatikan sein "Jüngstes Gericht". Ein monumentales Fresko, das
die knapp 2 Quadratmeter große Altar-Stirnwand der Sixtinischen Kapelle vollständig ausfüllt. Im Zentrum steht ein fast
nackter, vitaler Christus, ohne Bart und Wundmale, verewigt wie ein tänzelnder Apoll. Nie zuvor wurde der Sohn Gottes
derart skandalös dargestellt. Dazu tummeln sich rund um den Weltenrichter 39 Figuren, von denen viele unbekleidet und in
vermeintlich anstößigen Posen dargestellt sind. Papst Paul IV. schäumt vor Wut, spricht von Ketzerei und verlangt von
Michelangelo, das Skandal-Gemälde zu vernichten ...
... Wo immer es die Sittlichkeit gebietet, eine Blöße zu bedecken, fügt er ein schmales Tuch, einen dunklen Schatten oder
einen Lendenschurz ein. Zwei Gestalten muss er komplett von der Wand schlagen. Zu innig neigt sich der nackte St. Blasius,
die Folterwerkzeuge in der Hand, über die ebenfalls völlig unbekleidete Heilige Katharina. Doch bis auf diese eine Szene, die
da Volterra in der verlangten Schicklichkeit völlig neu "al fresco", also in den frischen, feuchten Putz malt, bleibt das "Jüngste
Gericht" von dauerhaften Beschädigungen verschont. 1565 vollendet Daniele da Volterra seine berühmteste Arbeit und geht
dafür als "Braghettone", als "Hosenmaler" in die Kunstgeschichte ein ...
Klick hier: WDR-Stichtag

Und hier ist das Bild: http://de.academic.ru/pictures/dewiki/7 ... richt4.jpg
Christus vincit - Christus regnat - Christus imperat

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Bernado
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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Bernado » Dienstag 29. Dezember 2009, 13:54

Marion hat geschrieben:
Vor 500 Jahren: Maler Daniele da Volterra wird geborenIm Zentrum steht ein fast nackter, vitaler Christus, ohne Bart und Wundmale, verewigt wie ein tänzelnder Apoll. Nie zuvor wurde der Sohn Gottes derart skandalös dargestellt.
Und das ist das eigentliche Problem. Damit wurde die bis dahin "kanonische" Darstellung Christi aufgebrochen und der Raum für die moderne Subjektivität geöffnet - erst in der Bildenden Kunst, später auch in der Theologie.

Wobei Michelangelo nicht der Verursacher, sondern nur der Ausdruck einer übermächtigen Tendenz war.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von overkott » Montag 4. Januar 2010, 20:30

Bernado hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:
Vor 500 Jahren: Maler Daniele da Volterra wird geborenIm Zentrum steht ein fast nackter, vitaler Christus, ohne Bart und Wundmale, verewigt wie ein tänzelnder Apoll. Nie zuvor wurde der Sohn Gottes derart skandalös dargestellt.
Und das ist das eigentliche Problem. Damit wurde die bis dahin "kanonische" Darstellung Christi aufgebrochen und der Raum für die moderne Subjektivität geöffnet - erst in der Bildenden Kunst, später auch in der Theologie.

Wobei Michelangelo nicht der Verursacher, sondern nur der Ausdruck einer übermächtigen Tendenz war.
Diese Sichtweise ist bibelfern. Denn die Subjektivität gehört zur Botschaft Jesu: Sauberes Herz statt sauberer Becher.

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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Bernado » Montag 4. Januar 2010, 22:05

overkott hat geschrieben:
Bernado hat geschrieben:
Marion hat geschrieben:
Vor 500 Jahren: Maler Daniele da Volterra wird geborenIm Zentrum steht ein fast nackter, vitaler Christus, ohne Bart und Wundmale, verewigt wie ein tänzelnder Apoll. Nie zuvor wurde der Sohn Gottes derart skandalös dargestellt.
Und das ist das eigentliche Problem. Damit wurde die bis dahin "kanonische" Darstellung Christi aufgebrochen und der Raum für die moderne Subjektivität geöffnet - erst in der Bildenden Kunst, später auch in der Theologie.

Wobei Michelangelo nicht der Verursacher, sondern nur der Ausdruck einer übermächtigen Tendenz war.
Diese Sichtweise ist bibelfern. Denn die Subjektivität gehört zur Botschaft Jesu: Sauberes Herz statt sauberer Becher.
Doppelter Irrtum. Moderne Subjektivität und Subjektivität sind nicht das gleiche, und wenn Jesus auch nichts zum Spülen der Becher gesagt hat, so doch zur Sauberkeit von Festgewändern: Wer ohne dem zum Festmahl kommt, muß damit rechnen, an Händen und füßen gebunden und dorthin ausgestoßen zu werden, wo Heulen und Zähneknirschen herrscht.

Tatsächlich hat Michelangelo sogar die Subjektivität Christi, die ikonografische Individualität des Christus des Volto Santo, den jeder auf jedem Bild und auf jeder Ikone sofort erkennt, negiert und - aufgrund seiner eigenen subjektiven Sicht der Dinge - ersetzt durch einen Christus, den er nicht aus dem Kanon genommen, sondern sich selbst ausgedacht hat.

Wobei er natürlich ebenfalls einem Irrtum unterlag: Er dachte, er hätte sich diesen Christus selbst ausgedacht, er stand in der Illusion eigener Subjektivität - in Wirklichkeit hat er den Typus der griechisch-römischen Götterdarstellung übernommen. Das ist der eigentliche Skandal des Bildes und nicht ein paar unbedeckte Genitalien.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von lifestylekatholik » Montag 4. Januar 2010, 22:12

@Bernado: Bravo! :klatsch:
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Stephen Dedalus » Montag 4. Januar 2010, 22:26

Man kann es freilich auch anders sehen:

Indem Michelangelo sich der klassischen Ikonographie verweigert und keinen ikonographisch-idealisierten Christus malt, sondern einen, der in seiner Körperlichkeit greifbar und nicht mehr nur Typus ist, sondern ganz subjektiv betrachtet ein Mensch - ein Mann! - lenkt er den Blick wieder auf einen Aspekt der Christologie, der durch die verfestigte Bildsprache der mittelalterlichen Ikonographie verloren zu gehen drohte: Jesus war ganz Mensch. Weil das so ist, hat Kunst - christliche Kunst zumal - das Recht, ihn subjektiv, also der konkreten Vorstellungskraft eines einzelnen Künstlers frei verfügbar - als Mensch darzustellen.

Das ist in der Tat ein Skandal, nämlich das Skandalon der Inkarnation: Weil Gott in Christus ganz Mensch wurde, kann Michelangelo so malen.

;)
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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von lifestylekatholik » Montag 4. Januar 2010, 22:31

Stephen Dedalus hat geschrieben:lenkt er den Blick wieder auf einen Aspekt der Christologie, der durch die verfestigte Bildsprache der mittelalterlichen Ikonographie verloren zu gehen drohte: Jesus war ganz Mensch.
Verzeihung, aber das stimmt schlicht nicht.

Außerdem geht das an Bernados Argumentation vorbei: Jesus ist ganz Mensch geworden, und wir wissen sogar, wie er aussah! -- Der, den Michelangelo gemalt, ist aber ein anderer.
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Stephen Dedalus » Montag 4. Januar 2010, 22:40

lifestylekatholik hat geschrieben:
Stephen Dedalus hat geschrieben:lenkt er den Blick wieder auf einen Aspekt der Christologie, der durch die verfestigte Bildsprache der mittelalterlichen Ikonographie verloren zu gehen drohte: Jesus war ganz Mensch.
Verzeihung, aber das stimmt schlicht nicht.

Außerdem geht das an Bernados Argumentation vorbei: Jesus ist ganz Mensch geworden, und wir wissen sogar, wie er aussah! -- Der, den Michelangelo gemalt, ist aber ein anderer.
Nun wissen wir leider eben nicht, wie er aussah. Und daher ist es eine notwendige Folge der Christologie, daß eben jede Darstellung Christi als Mensch (Mann) künstlerisch und theologisch eine Berechtigung hat. Einschränken würde ich freilich, daß Darstellungen, die von der Wahrheit der Person Christi wegführen, diese Berechtigung natürlich nicht haben.

Im Prinzip haben wir es hier mit einer Ausweitung der Frage des jüdischen Bilderverbotes zu tun. Weil Gott in Christus Fleisch angenommen hat, hat er sich auch unseren menschlichen Bildern (Imagination) verfügbar gemacht.

Die Frage hier wäre also: Leugnet Michelangelo in seiner Darstellung die Göttlichkeit Christi?
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Re: Kunst oder ketzerisch ?

Beitrag von Bernado » Montag 4. Januar 2010, 23:31

Die Überlieferung der Kirche ist da ganz eindeutig: Christus sah so aus, wie ihn die frühen Ikonen und Fresken zeigen. Ob das volto santo (in welcher Variante auch immer) nach diesem Typ angefertigt wurde oder tatsächlich das Vorbild abgab, ist demgegenüber eher zweitrangig.

Auch die körperliche Menschlichkeit Jesu mußte nicht erst wieder entdeckt werden: Das völlig nackte Jesuskind in den Armen der Gottesmutter, bei der Begrüßung der drei Weisen, beim Spiel mit dem Vetter Johannes verkündete auch die Botschaft: Das ist ein richtiger natürlicher Mensch, mit allem drum und dran. (Amida Buddha hat noch nicht mal einen Bauchnabel.) Und die gleiche Botschaft verkündeten dann auch die Darstellungen des Gekreuzigten. Nur eine kurze Zeit wurde der Cruzifixus in einer würdevollen Albe dargestellt, die dem Körper schon wieder die Haltung des verklärten Auferstandenen verlieh, dann drängte sich die gequälte und zerschlagene Natur des Schmerzensmannes vor bis zu den fast unerträglichen Darstellungen der Gotik - lange vor Michelangelo.

Michelangelo war mit seiner nahe an die Blasphemie gehenden Darstellung Christi als Apoll übrigens voll im Stil der Zeit. Da gab es Mariengebete, in denen die Gottesmutter als Athene angesprochen wurde und ähnliches mehr. Nicht mehr die göttliche Offenbarung, sondern das ererbte Wissen der Vorfashren bildete den Maßstab, an dem man sich orientierte. Es war die Zeit, in der der klassische Humanismus seine große Blüte erlebte - und nur noch mühsam überdecken konnte, daß er sich von den Bindungen des Menschen an den Schöpfer innerlich bereits befreit hatte.
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