Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Allgemein Katholisches.

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Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Sonnabend 26. März 2016, 09:18

Nachfolgestrang für das Thema "Alles zu Bußsakrament/Beichte", das wegen Überlänge geschlossen wurde.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von mtoto » Sonnabend 26. März 2016, 14:42

Mal eine Frage, angenommen man beichtet etwas sehr Schwerwiegendes und der Priester versteht einfach nicht, was man da bekennt, wie soll man damit umgehen?
Vorausgesetzt das Bekenntnis war klar und deutlich und man hat sich redlich bemüht, dem Priester verständlich zu machen, was geschehen ist, jedoch ohne Erfolg. Darf man dann die erhaltene Lossprechung für gültig halten oder ist man verpflichtet, nochmals bei einem anderen Priester zu beichten?

LG Mtoto

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Sonnabend 26. März 2016, 14:46

mtoto hat geschrieben:Mal eine Frage, angenommen man beichtet etwas sehr Schwerwiegendes und der Priester versteht einfach nicht, was man da bekennt, wie soll man damit umgehen?
Vorausgesetzt das Bekenntnis war klar und deutlich und man hat sich redlich bemüht, dem Priester verständlich zu machen, was geschehen ist, jedoch ohne Erfolg. Darf man dann die erhaltene Lossprechung für gültig halten oder ist man verpflichtet, nochmals bei einem anderen Priester zu beichten?

LG Mtoto
Wenn Du die Lossprechung erhalten hast, gilt die für alles, was Du gebeichtet hast. Eine Lossprechung "auf Raten" gibt es nicht; denn wenn der Priester wegen einer Sache die Lossprechung verweigern mußte oder wollte, dann gilt diese Verweigerung auch für alle anderen Sünden. Der Grund ist einfach der, daß dann die notwendige Reue über das Sündenleben insgesamt nicht gegeben ist.

Es steht Dir aber jederzeit frei, eine schwerwiegende Sache bei einem künftigen Beichtgespräch nochmals vorzubringen. Du solltest aber dann auch die Umstände erwähnen, warum Du das tust, also darauf hinweisen, daß Du das schon mal gebeichtet hast, aber Dir nicht sicher warst, ob der damalige Beichtvater das richtig verstanden hat.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von SIMONBLN » Sonnabend 26. März 2016, 15:02

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man darum beten kann, dass alle anderen Sünden bitte mitvergeben werden sollen, wenn man jetzt eine vergessen haben sollte...
Ist auch bisschen einfach gedacht dann oder?
Andererseits ich denke, wenn ein Beichtvater im Beichtgespräch eine grundlegende positive Veränderung im Leben feststellt, dann gilt das denke ich schon für alle allgemein.
Ich denke es geht vor allem um die Wandlung, um das Bemühen des Beichtenden sein leben positiv zu Verändern, dass es gelingt...
Andererseits denke ich auch, man sollte schon (wenn auch nicht im 1000prozentigem Detail) dem Beichtvater erklären was man grundsätzlich meint, damit er zumindest das Thema fassen kann...

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Protasius » Sonnabend 26. März 2016, 15:53

SIMONBLN hat geschrieben:Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man darum beten kann, dass alle anderen Sünden bitte mitvergeben werden sollen, wenn man jetzt eine vergessen haben sollte...
Ist auch bisschen einfach gedacht dann oder?
Andererseits ich denke, wenn ein Beichtvater im Beichtgespräch eine grundlegende positive Veränderung im Leben feststellt, dann gilt das denke ich schon für alle allgemein.
Ich denke es geht vor allem um die Wandlung, um das Bemühen des Beichtenden sein leben positiv zu Verändern, dass es gelingt...
Andererseits denke ich auch, man sollte schon (wenn auch nicht im 1000prozentigem Detail) dem Beichtvater erklären was man grundsätzlich meint, damit er zumindest das Thema fassen kann...
Wenn man versehentlich eine Sünde zu erwähnen vergißt, ist das nicht schlimm. Wenn man sich bemüht hat eine ordentliche Gewissenserforschung zu betreiben und alles dem Beichtvater zu sagen und einem nach der Beichte trotzdem noch etwas einfällt, kann man trotzdem guten Gewissens kommunizieren; man muß die vergessene Sünde aber bei der nächsten Beichte erwähnen.

Mit Vorsatz eine Sünde zu verschweigen ist etwas anderes. Bewußt eine schwere Sünde zu verschweigen läuft auf Erschleichen der Lossprechung und damit ein Sakrileg hinaus. Bei einer läßlichen Sünde wäre das nicht der Fall, denn man muß ja nur alle schweren Sünden unbedingt bekennen.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von mtoto » Sonnabend 26. März 2016, 16:17

Nun, es ging zum Glück nur um diese eine Sache, so dass sich hier nicht die Frage nach den anderen gebeichteten Sünden stellt...
Nee, 100% erklären muss nicht sein, das sehe ich auch so.
Aber ohne jetzt hier etwas zu veröffentlichen, mal exemplarisch umgemünzt: Jemand bekennt ein Auto geklaut zu haben und der Priester fragt, ob man doch sicher nur versehentlich das Auto verwechselt hat...? :hae?: Antwort: Nein, war Absicht. Und er dann fragt, was denn jetzt die eigene Schuld wäre...? :achselzuck:

Aber ok, ich lass es jetzt mal so. Tadeo und Marion Danke für Eure Antworten. :)
Gott weiß drum und mal sehen, ob es nochmal zur Sprache kommen muss.

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Montag 28. März 2016, 16:12

Domkapitular, Dechant und Pfarrer Fischer zum Bußsakrament
http://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/ ... rview.html

Wozu heute noch beichten? Paderborner Dechant im Interview
"Vergebung vor Gott gibt es einfach so"

Paderborn. Wer sündigt muss beichten? Was früher selbstverständlich war, ist heute nicht mehr alltäglich. Viele Beichtstühle bleiben leer - doch kurz vor Ostern wollen einige Menschen wieder Vergebung vor Gott erfahren. Im Interview nw.de redet Benedikt Fischer, Dechant des Dekanates Paderborn und Pfarrer der beiden Paderborner Pfarreien St. Julian und St. Liborius, Klartext und spricht über die Gründe für ausbleibende Beichten. Und er stellt den Stellenwert der Beichte für die Katholische Kirche heraus.
Gruß
Jürgen

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Gallus » Montag 28. März 2016, 17:10

Das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen kann auch ohne Beichte auf einer guten Ebene sein, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Ist das inzwischen so? Wo kann ich das denn nachlesen?

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Montag 28. März 2016, 17:17

Gallus hat geschrieben:
Das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen kann auch ohne Beichte auf einer guten Ebene sein, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Ist das inzwischen so? Wo kann ich das denn nachlesen?
Die Beichtpflicht besteht nur für schwere Sünden.
Wenn Du keine schweren Sünden begehst, brauchst Du auch nicht zu beichten.

Viel interessanter an dem Text ist, daß die Beichte inzwischen offenbar als „Therapiestunde“ genutzt wird. Wenn das so ist und den Leuten so vermittelt wird, dann wundere ich mich auch nicht, wenn die Zahl der Beichten zurückgeht. Nicht jeder wünscht so eine Therapie.
Schaut man sich das Beichtverhalten in anderen Ländern an, dann dauert dort eine Beichte oft nur wenige Augenblicke. Da braucht's auch keine gemütlichen Beichtzimmer.
Gruß
Jürgen

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Gallus » Montag 28. März 2016, 17:42

Juergen hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
Das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen kann auch ohne Beichte auf einer guten Ebene sein, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Ist das inzwischen so? Wo kann ich das denn nachlesen?
Die Beichtpflicht besteht nur für schwere Sünden.
Aber die alte Daumenregel, daß eine schwere Sünde bei einem bewußt begangenen Verstoß gegen eines er 10 Gebote vorliegt, gilt schon noch, oder? Falls natürlich nur noch Mord und Totschlag als schwere Sünde gelten, dann ist es kein Wunder, daß kaum noch jemand beichten geht.

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Montag 28. März 2016, 17:56

Gallus hat geschrieben:
Juergen hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:
Das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen kann auch ohne Beichte auf einer guten Ebene sein, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.
Ist das inzwischen so? Wo kann ich das denn nachlesen?
Die Beichtpflicht besteht nur für schwere Sünden.
Aber die alte Daumenregel, daß eine schwere Sünde bei einem bewußt begangenen Verstoß gegen eines er 1 Gebote vorliegt, gilt schon noch, oder? Falls natürlich nur noch Mord und Totschlag als schwere Sünde gelten, dann ist es kein Wunder, daß kaum noch jemand beichten geht.
Grundsätzlich bedarf es für eine schwere Sünde
- Das Wissen um die Sündhaftigkeit des Tuns
- Der Wille zum sündigen
- eine schwerwiegende Sache
Und der letzte Punkt ist nicht mehr so klar definiert. Wenn Du in den KKK (1854ff.) schaust, dann ist das heute alles etwas „Wischi-Waschi“. Ich würde allerdings auch sagen, daß die 1 Gebote und die 5 Kirchengebote schon eine schwerer Sache darstellen. Wer dagegen gehandelt hat, dem schadet es zumindest nichts, wenn er zu Beichte geht.
KKK hat geschrieben:1857 Damit eine Tat eine Todsünde ist, müssen gleichzeitig drei Bedingungen erfüllt sein: „Eine Todsünde ist jene Sünde, die eine schwerwiegende Materie zum Gegenstand hat und die dazu mit vollem Bewußtsein und bedachter Zustimmung begangen wird" (RP 17).

1858 Was eine schwerwiegende Materie ist, wird durch die zehn Gebote erläutert, entsprechend der Antwort Jesu an den reichen Jüngling: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen ... ehre deinen Vater und deine Mutter" (Mk 1,19). Sünden können mehr oder weniger schwer sein: ein Mord wiegt schwerer als ein Diebstahl. Auch die Eigenschaft der Personen, gegen die man sich verfehlt, ist zu berücksichtigen: eine Gewalttat gegen die Eltern wiegt schwerer als die gegen einen Fremden.
:roll:

Vgl. auch den Erwachsenenkatechismus der DBK, Band 2
http://www.alt.dbk.de/katechismus/scrip ... r=&band=2

Bei der wichtigen Sache geht es um das größere oder geringere Gewicht eines objektiv negativen Tatbestandes oder Sachverhaltes (materia gravis - materia levis). Das Apostolische Schreiben "Reconciliatio et paenitentia" von Papst Johannes Paul II. (1984) betont, "daß einige Sünden, was ihre Materie betrifft, von innen her schwer und todbringend sind. Das heißt, es gibt Handlungen, die durch sich selbst und in sich, unabhängig von den Umständen, immer schwerwiegend unerlaubt sind wegen ihres objektiven Inhaltes. Wenn solche Handlungen mit hinreichender Bewußtheit und Freiheit begangen werden, stellen sie immer eine schwere Schuld dar" (17). Es kann im Einzelfall auch ein geringfügiger Sachverhalt von großer Bedeutung sein. Es gibt aber Verhaltensweisen, die nahezu immer schweren Schaden anrichten oder schweres Leid zufügen. In ihnen ist die wichtige Sache gegeben, die eine schwere Sünde ausmacht. Oft ist eine wichtige Sache eindeutig festzustellen,

etwa Glaubensabfall, Mord oder Ehebruch. In der frühen Kirche erfolgte bei diesen Tatsünden ein Ausschluß aus der Kirchengemeinschaft. Manchmal können aber auch Zweifel daran bestehen, ob ein bestimmter Sachverhalt so bedeutend ist, wie das für eine schwere Sünde vorauszusetzen ist. Solche Zweifel sind nie nur durch den Verweis auf den äußeren Sachverhalt zu lösen, sondern es muß die Frage einbezogen werden, wieweit eine klare Erkenntnis und eine volle Zustimmung vorhanden sind. Schon in der Grundeinstellung kann es tiefgehende Fehler geben. Papst Gregor der Große (+ 64) bezeichnet solche schlechten Grundeinstellungen als Wurzelsünden: Überheblichkeit, Neid, Zorn, Geiz, Unkeuschheit, Unmäßigkeit, Trägheit. Petrus Lombardus (+ 116) nennt als Hauptsünden: Vermessenheit, Verzweiflung, Ablehnung der erkannten Wahrheit, Neid über die Begnadung anderer, Verstocktheit und Unbußfertigkeit.

Gruß
Jürgen

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 21. Juni 2016, 22:09

Der Beichtstuhl muss keine Folterkammer sein.

http://www.erzbistum-paderborn.de/38-Na ... in%93.html
Bei seiner Antrittsvorlesung hat sich Professor Dr. Stefan Kopp, neuer Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn, am Montag, 30. Mai, für eine Wiederbelebung des Bußsakraments und eine Neuausrichtung bei seiner liturgischen Verortung ausgesprochen.
Ob ein Beichtstuhl zur Folterkammer wird, das hängt sicher mit vielen Dingen zusammen.
Ob ein Behandlungsraum in der Zahnarztpraxis zur Folterkammer wird, hängt von der Behandlung, der Erkrankung, der Narkose und dem behandelnden Arzt und seinen Assistentinnen ab. Es gibt da Besuche, die sind fast angenehm. Bei anderen Gelegenheiten ist es dann die Folterkammer.

Im übrigen sollte der Herr Professor sagen, wie er seine Vorhaben umzusetzen gedenkt: Zwangsbeichte beim Ortsgeistlichen oder kommen nach den WoGoFeier-Leitern, Beauftragten Lektoren, Kommunionspendebeauftragten und Beerdigungsbeauftragten noch die Beichtbeauftragten ?
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Dienstag 21. Juni 2016, 22:19

Vir Probatus hat geschrieben:Im übrigen sollte der Herr Professor sagen, wie er seine Vorhaben umzusetzen gedenkt: Zwangsbeichte beim Ortsgeistlichen oder kommen nach den WoGoFeier-Leitern, Kommunionbeauftragten und Beerdigugsbeauftragten noch die Beichtbeauftragten ?
Weder das eine noch das andere ist überhaupt möglich, das weißt Du.
Aber Dein Zahnarzt-Vergleich kann Dir die Antwort geben. Überleg mal, wieviele Zahnärzte es gibt, und wieviele Beichtgelegenheiten? Wenn Du mit akuten Beschwerden zum Zahnarzt gehst, wird Dich normalerweise keiner abweisen, sondern dich in möglichst kurzer Zeit dazwischenschieben. Wenn Du heute spontan beichten willst, mußt Du schon Glück haben, einen Beichtvater zu finden. Da gibt es keine "Notaufnahmen". - Die erste Initiative für eine Stärkung der Beichte müßte es sein, mehr Gelegenheiten anzubieten. Wo es die gibt (ich denke da zB an die Karmeliterkirche in Regensburg oder Mariahilf in Passau, oder auch an Altötting), werden sie auch gerne und stark frequentiert.
Und wie kommt man zu einem Beichtvater? Da ist es auch wie beim Zahnarzt. Der eine geht zum nächstliegenden, oder zum einzig verfügbaren, oder zu dem, der schon immer die ganze Familie behandelt hat - das wäre beim Beichten der Ortspfarrer. - Andere hören sich um, welcher empfehlenswert ist, welcher moderne Methoden verwendet, bei wem es vielleicht nicht so archaisch-foltermäßig zugeht. Das kann (und sollte) man beim Beichten ruhig auch tun, und durchaus mehrere Beichtväter ausprobieren, bis man den richtigen findet.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Sonnabend 16. Juli 2016, 16:50

Aus nämlicher Richtlinie von 1961:

Bild

Das wäre heute kein Problem mehr. Ob nun in einer kleinen Kapelle keiner vor dem Beichtstuhl wartet oder ob es keiner in einer großen Kirche tut, bleibt sich gleich.
Gruß
Jürgen

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Sonnabend 16. Juli 2016, 17:13

Juergen hat geschrieben:Aus nämlicher Richtlinie von 1961:

Bild

Das wäre heute kein Problem mehr. Ob nun in einer kleinen Kapelle keiner vor dem Beichtstuhl wartet oder ob es keiner in einer großen Kirche tut, bleibt sich gleich.
Stimmt nicht überall:

Bild
Das sind die neuen Beichtstühle in der Karmelitenkirchen in Regensburg. Die stehen schon seit ich denken kann in einer "Beichtkapelle", und sie sind wahrscheinlich die bestbesuchten in ganz Regensburg. Derzeit (wegen des Heiligen Jahres) ganz besonders.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Amanda » Sonnabend 16. Juli 2016, 18:27

Sehen so ein bisschen wie Saunakabinen aus...
"Die Kirche scheint immer der Zeit hinterher zu sein,
obwohl sie doch in Wirklichkeit jenseits der Zeit ist;
sie wartet, bis der letzte Tick seinen letzten Sommer gehabt hat."
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Sonnabend 16. Juli 2016, 18:36

Amanda hat geschrieben:Sehen so ein bisschen wie Saunakabinen aus...
Vielleicht sind sie deswegen so beliebt. :hmm:
Gruß
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Sascha B. » Sonnabend 16. Juli 2016, 18:41

Juergen hat geschrieben:
Amanda hat geschrieben:Sehen so ein bisschen wie Saunakabinen aus...
Vielleicht sind sie deswegen so beliebt. :hmm:
Die Sünde ausschwitzen bzw eine heiße Mahnung an die Hölle :D
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Sonnabend 16. Juli 2016, 22:27

Amanda hat geschrieben:Sehen so ein bisschen wie Saunakabinen aus...
Die hat das Bistum den Karmelitern spendiert, soviel ich weiß. Anläßlich des Jubeljahres, um bei dem Andrang das Beichtgeheimnis besser zu schützen. Die alten Beichtstühle waren da nicht ganz up to date, und auch schon ziemlich abgenutzt. Die Karmelitenkirche ist schon lange DIE Beichtkirche in Regensburg. Ich habe von einem Priester gehört, der dort regelmäßig mit aushilft, daß die Beichtväter derzeit so frequentiert sind wie lange nicht.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Amanda » Sonnabend 16. Juli 2016, 22:57

taddeo hat geschrieben:
Amanda hat geschrieben:Sehen so ein bisschen wie Saunakabinen aus...
Die hat das Bistum den Karmelitern spendiert, soviel ich weiß. Anläßlich des Jubeljahres, um bei dem Andrang das Beichtgeheimnis besser zu schützen. Die alten Beichtstühle waren da nicht ganz up to date, und auch schon ziemlich abgenutzt. Die Karmelitenkirche ist schon lange DIE Beichtkirche in Regensburg. Ich habe von einem Priester gehört, der dort regelmäßig mit aushilft, daß die Beichtväter derzeit so frequentiert sind wie lange nicht.

Wow, also das sind doch mal gute und ermutigende Nachrichten! Da freue ich mich wirklich. Von wegen, Beichte sei out...
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von guatuso » Sonntag 17. Juli 2016, 18:47

In die Kirche, in die ich gehe, gibt es keinen Beichtstuhl. In weiteren Kirchen, die ich kenne, gibt es auch keinen Beichtstuhl.
Der Priester sitzt auf einem Stuhl vor dem Alter, man kniet neben ihm, und der Rest der Suender wartet in den Baenken.
Mag sein dass wir auch Kirchen mit Beichtstuehlen haben - leider weiss ich nicht wo.
Ich beneide euch.

So bitte nicht!

http://deinbeichtstuhl.com/wp-content/u ... 6/2_1.png

http://deinbeichtstuhl.com/wp-content/u ... 6/2_2.png

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Niels » Montag 19. September 2016, 10:41

"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von ar26 » Montag 19. September 2016, 11:12

Die im Artikel wiedergegebenen Fakten stützen den pessimistischen Grund Tenor nicht. 5 Leute in 2 Stunden ist bei 15 min pro Beichte eine passable Quote. Kein Verkäufer in der Wirtschaft würde sein Produkt derart schlecht reden.
...bis nach allem Kampf und Streit wir dich schaun in Ewigkeit!

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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Niels » Montag 19. September 2016, 12:36

Doch. Wenn man nicht will, dass gebeichtet wird, oder zu faul ist, oder beides, dann redet man das schlecht - wie in dem von mir verlinkten Artikel getan.

Meine Erfahrung - ich kenne die Anbetungskirche und das "Umfeld" ziemlich gut - ist das nicht. Da wurde und wird immer viel gebeichtet - auch von Jüngeren.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von PascalBlaise » Montag 19. September 2016, 12:42

Es scheint ein Phänomen der letzten 20 Jahre zu sein. In meiner Familie/Bekanntenkreis gingen noch um die Jahrtausendwende die meisten mehr oder weniger regelmäßig zur Beichte. Heute ist das - so weit ich das mitbekomme - praktisch Null. Es ist einfach kein Thema mehr. Wenn man darüber spricht, dass man beichten war, ist die Reaktion meistens ein "brav!" als wäre es eine (unnötige) Fleißleistung. Es liegt m.E. zu 95% an mangelnder Katechese.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Amanda » Montag 19. September 2016, 15:43

Der Westen hat geschrieben:Michael Dörnemann glaubt, dass der Niedergang der Beichte anhält: Spontan zu beichten, sei künftig wohl nur noch im Dom, an Wallfahrtsorten oder in Kirchen in Stadtzentren möglich. Schon jetzt bedürfe es in kleinen Kirchen eines konkreten Termins: Beichte nur noch nach Vereinbarung. Alles andere lohne sich nicht.
Und so wird das Angebot weiter reduziert... und die Nachfrage noch weiter gedrückt... und jene, die noch beichten wollen, werden entmutigt und abgeschreckt. Toll, liebe Kirche, ganz toll.
:angewidert: :daumen-runter:
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von PascalBlaise » Montag 19. September 2016, 16:06

Amanda hat geschrieben:
Der Westen hat geschrieben:Michael Dörnemann glaubt, dass der Niedergang der Beichte anhält: Spontan zu beichten, sei künftig wohl nur noch im Dom, an Wallfahrtsorten oder in Kirchen in Stadtzentren möglich. Schon jetzt bedürfe es in kleinen Kirchen eines konkreten Termins: Beichte nur noch nach Vereinbarung. Alles andere lohne sich nicht.
Und so wird das Angebot weiter reduziert... und die Nachfrage noch weiter gedrückt... und jene, die noch beichten wollen, werden entmutigt und abgeschreckt. Toll, liebe Kirche, ganz toll.
:angewidert: :daumen-runter:
Wem bringt es irgend etwas, wenn der Priester auf Pönitenten wartet, die nicht kommen?
Das ist nicht in erster Linie eine Frage von Angebot und Nachfrage.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Amanda » Montag 19. September 2016, 16:24

PascalBlaise hat geschrieben:
Amanda hat geschrieben:
Der Westen hat geschrieben:Michael Dörnemann glaubt, dass der Niedergang der Beichte anhält: Spontan zu beichten, sei künftig wohl nur noch im Dom, an Wallfahrtsorten oder in Kirchen in Stadtzentren möglich. Schon jetzt bedürfe es in kleinen Kirchen eines konkreten Termins: Beichte nur noch nach Vereinbarung. Alles andere lohne sich nicht.
Und so wird das Angebot weiter reduziert... und die Nachfrage noch weiter gedrückt... und jene, die noch beichten wollen, werden entmutigt und abgeschreckt. Toll, liebe Kirche, ganz toll.
:angewidert: :daumen-runter:
Wem bringt es irgend etwas, wenn der Priester auf Pönitenten wartet, die nicht kommen?
Das ist nicht in erster Linie eine Frage von Angebot und Nachfrage.
Das sehe ich anders. Es ist wichtig, das Angebot weiter vorzuhalten, und zwar so niedrigschwellig wie möglich. Wer im Beichten nicht geübt und - im positiven Sinne - routiniert ist, für den kann es eine große Hürde darstellen, erst einmal einen extra Termin vereinbaren zu müssen. Da kostet es deutlich weniger Überwindung, das Beichtzimmer aufzusuchen zu den Zeiten, von denen man sicher weiß, dass es auch besetzt ist. Statt die Beichtangebote noch weiter auszudünnen, sollten Bischöfe und Priester sich um entsprechende Katechese bemühen. Und darüber hinaus sollten sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Ich erinnere an diese erschreckende Studie!
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von taddeo » Montag 19. September 2016, 16:49

PascalBlaise hat geschrieben:Wem bringt es irgend etwas, wenn der Priester auf Pönitenten wartet, die nicht kommen?
Das ist nicht in erster Linie eine Frage von Angebot und Nachfrage.
Doch, in diesem Fall schon. Die Erfahrung zeigt, daß dort, wo es ein regelmäßiges Beichtangebot gibt, dies auch genutzt wird. Wenn man aber erst umständlich einen Termin ausmachen muß, schreckt das viele potentielle Gelegenheits-Pönitenten zunächst ab. Das ist mehr was für regelmäßige Beichtgänger.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Ecce Homo » Montag 19. September 2016, 16:59

Wobei - spricht ein sehr regelmäßiger = wöchentlicher Beichtgänger - ich würde mich hüten, wo zu gehen, wo ich jede Woche einen Termin erst "ausmachen" muss. Das schreckt auch so ab, grundsätzlich mal unabhängig von der Frage, ob der Pönitent häufiger geht oder nicht.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von PascalBlaise » Montag 19. September 2016, 17:27

Amanda hat geschrieben:Statt die Beichtangebote noch weiter auszudünnen, sollten Bischöfe und Priester sich um entsprechende Katechese bemühen.
Im Prinzip sind wir uns - glaube ich - ohnehin einig.
Ich denke nur, dass ohne entsprechende Katechese das Beibehalten des Angebots sinnlos ist.
Von nichts kommt nichts, da kann man niedrigschwellig sein wie man will.
Das sollte vollkommen einsichtig sein.
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Re: Alles zu Bußsakrament/Beichte 2.0

Beitrag von Juergen » Montag 19. September 2016, 17:30

taddeo hat geschrieben:…Wenn man aber erst umständlich einen Termin ausmachen muß, schreckt das viele potentielle Gelegenheits-Pönitenten zunächst ab…
Zudem wollen viele anonym beichten.
Gruß
Jürgen

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