Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

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martin v. tours
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von martin v. tours » Mittwoch 10. August 2016, 11:33

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... m-Tod.html

Ich wäre dafür, christliche Flüchtlinge getrennt von muslimischen unterzubringen. Wenn dann bei den Muslimen etwas Platz wird, sollte man die gehirnamputierten
Vollpfosten vom ZdK dort unterbringen.
Nach dem sie nicht erreicht hat, daß die Menschen praktizieren, was sie lehrt, hat die gegenwärtige Kirche beschlossen, zu lehren, was sie praktizieren.
Nicolás Gómez Dávila

Vir Probatus
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Vir Probatus » Mittwoch 10. August 2016, 12:08

martin v. tours hat geschrieben:http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... m-Tod.html

Ich wäre dafür, christliche Flüchtlinge getrennt von muslimischen unterzubringen. Wenn dann bei den Muslimen etwas Platz wird, sollte man die gehirnamputierten
Vollpfosten vom ZdK dort unterbringen.
Das wäre ein Thema der Bischofskonferenz. Aber da kommt nichts ausser Bla Bla und "Man muss den Muslimen helfen ihre Traumata zu überwinden" (Bischof Hofmann nach dem Anschlag von Ansbach.) Diesem jungen Mann ging es doch hervorragend hier, viel besser als allen anderen die in solchen Lagern hausen.
Wer so etwas macht, der ist nicht depressiv, nicht krank, sondern der kennt nur eines: Hass auf Andersdenkende.
"Die Frau ist für die Kirche unabdingbar und wichtiger als manche Bischöfe." (Papst Franziskus)

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guatuso
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von guatuso » Mittwoch 10. August 2016, 14:36

Yeti hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:Es kommt, wie es kommen musste. Jetzt ist natürlich die Kirche wieder die Böse in der Geschichte: :roll:

Strafanzeige: Kirche will Flüchtlinge in Regensburger Pfarrheim aushungern
Viel Feind, viel Ehr. Die Kirche in Deutschland erlebt derzeit sowas wie einen "Trendwechsel". Kaum ist der Tanz ums goldene Flüchtlingsboot vorbei, beginnen die ersten Bischöfe die Beschäftigung mit der Realität:
Der Schock über den Terror reicht nicht
Doch gewisse Bischöfe halten weiterhin an ihren Steckenpferden fest:
Kardinal Woelki hat geschrieben:Als aktuelles Beispiel zitiert Woelki aus dem AfD-Grundsatzprogramm, wonach die Partei "dem Bruch von Recht und Gesetz, der Zerstörung des Rechtsstaats" nicht tatenlos zusehen wolle. Einer ihrer Vertreter meine sogar zu wissen, dass Jesus "nicht zufällig zur Rechten Gottes" sitze, so der Kardinal weiter: "Solche Anmaßungen eifernder, rechter Sektierer vergiften mit ihrer fanatischen Wahrheitsgewissheit das gesellschaftliche Klima und die nach dem Nazi- und dem SED-Regime bei uns gottlob entwickelte Kultur politischer Mäßigung und menschenfreundlicher Toleranz."
Das könnte auch in einem Grundsatzprogramm der SPD oder der Grünen stehen. Etwas mehr Wahrheitsgewissheit stünde der Kirche hingegen wirklich gut an. Das bedeutet, dass Kardinal Woelki sehr gut verstanden hat, was in diesem Fall die AfD meint. Die Botschaft hört er wohl, allein - ihm fehlt der Glaube.
n-tv hat geschrieben:"Bei CDU und SPD herrscht nackte Angst vor der AfD"
Die wissen doch ganz genau, wen sie da ablösen müssen, damit sich das ändert. Bei der Kirche ist das heute leider schwieriger als früher. Obwohl...
Du vergisst, dass Kardinal Woelki in Berlin ein wirklich guter Freund des Homosexuellen (...und das ist auch gut so....) Oberbuergermeisters Wowereit war. Solche Denkformen faerben dann doch mit der Zeit ab, er sieht halt ueberall den "sprich-mich-nicht-aus", wobei ich mich frage, ob er eigentlich als Kardinal geeignet ist, wenn er bewusst Gesellschaftsspaltende Politik betreibt, anstatt die Aengste der menschen Ernst zu nehmen.

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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Donnerstag 11. August 2016, 22:42

guatuso hat geschrieben:Du vergisst, dass Kardinal Woelki in Berlin ein wirklich guter Freund des Homosexuellen (...und das ist auch gut so....) Oberbuergermeisters Wowereit war. Solche Denkformen faerben dann doch mit der Zeit ab, er sieht halt ueberall den "sprich-mich-nicht-aus", wobei ich mich frage, ob er eigentlich als Kardinal geeignet ist, wenn er bewusst Gesellschaftsspaltende Politik betreibt, anstatt die Aengste der menschen Ernst zu nehmen.
Die Ängste, die diesen hochwürdigsten Herrn bewegen, dürften sehr weltlicher Natur sein (z.B. die Lenkung der staatlichen Geldströme in Richtung Caritas-Säckel). Man kann aber auch dermaßen übers Ziel hinausschießen, dass man meint, es sei auch ursprünglich nicht anvisiert worden: Kardinal vergleicht Lage von Flüchtlingen mit Juden
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umusungu
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von umusungu » Donnerstag 11. August 2016, 23:34

guatuso hat geschrieben:Du vergisst, dass Kardinal Woelki in Berlin ein wirklich guter Freund des Homosexuellen (...und das ist auch gut so....) Oberbuergermeisters Wowereit war. Solche Denkformen faerben dann doch mit der Zeit ab, er sieht halt ueberall den "sprich-mich-nicht-aus", wobei ich mich frage, ob er eigentlich als Kardinal geeignet ist, wenn er bewusst Gesellschaftsspaltende Politik betreibt, anstatt die Aengste der menschen Ernst zu nehmen.
Langsam platzt mir der Kragen.
1. Sind deine Beziehungen in die alte Heimat Berlin so gut, dass Du weißt, dass die beiden Herren gute Freunde sind?
2. Ist eine mögliche Freundschaft eines Priesters zu einem schwulen Mann erwähnenswert und beklagenswert?
3. Welche Denkformen meinst du zu identifizieren, die abfärben könnten?
4. Welch mytische Figur soll der Kardinal überall sehen?
5. Welche gesellschaftsspaltende Politik soll der Herr Kardinal betreiben?
6. Welche Ängste soll der Kardinal abgeblich nicht ernstnehmen?

Ich frage mich langsam, welche Einblicke Du aus deinem Asyl in Costa Rica in die deutsche Gesellschaft hast......

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guatuso
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von guatuso » Freitag 12. August 2016, 01:01

Yeti hat geschrieben:
guatuso hat geschrieben:Du vergisst, dass Kardinal Woelki in Berlin ein wirklich guter Freund des Homosexuellen (...und das ist auch gut so....) Oberbuergermeisters Wowereit war. Solche Denkformen faerben dann doch mit der Zeit ab, er sieht halt ueberall den "sprich-mich-nicht-aus", wobei ich mich frage, ob er eigentlich als Kardinal geeignet ist, wenn er bewusst Gesellschaftsspaltende Politik betreibt, anstatt die Aengste der menschen Ernst zu nehmen.
Die Ängste, die diesen hochwürdigsten Herrn bewegen, dürften sehr weltlicher Natur sein (z.B. die Lenkung der staatlichen Geldströme in Richtung Caritas-Säckel). Man kann aber auch dermaßen übers Ziel hinausschießen, dass man meint, es sei auch ursprünglich nicht anvisiert worden: Kardinal vergleicht Lage von Flüchtlingen mit Juden
Ui, da hat endlich einer ausgesprochen, was wohl die Motive der Merkel sind: Ein neues Dachau/Auschwitz zu verhindern....
Nun sieht man ploetzlich den Transport von russischem Gas nach Europa unter ganz anderem Blickwinkel!
Es geht halt nichts ueber eine gute Nazi-Keule.

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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Freitag 12. August 2016, 15:36

Für 300.000 Euro Gesamtkosten: Laser und Techno-Klänge nachts im Kölner Dom!
"Für 300.000 Euro hätte man vielen Obdachlosen und Flüchtlingen helfen können, Herr Kardinal! So viel kostet eine "Installation" anlässlich der Computerspielemesse "Gamescom" im Kölner Dom."
Seltsam...dabei hatte man kirchlicherseits erhebliche Bedenken bez. der kommenden Silvesterfeier vor dem Dom...
"Die Pläne für ein friedliches Silvesterfest waren auch bei der Kirche auf ein verhaltenes Echo gestoßen. Zwar begrüßte der Kölner Dom- und Stadtdechant Robert Kleine die Idee. Kritisch sieht er aber das Vorhaben, auf sämtlichen Plätzen in Domnähe eine Art Silvester-Kirmes zu etablieren. Zumindest müsste ein Programm auf dem Roncalliplatz Rücksicht nehmen auf den Abendgottesdienst zum Jahresabschluss im Dom, sagte der Domdechant und erinnerte an den Beschuss der Kathedrale mit Silvesterraketen im vergangenen Jahr."
Entweder der hochwürdigste Kardinal Woelki handelt nach der Devise "wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass" (wofür es deutliche Anzeichen gäbe...) oder die Devise lautet: "Wasser predigen und Wein trinken".
Die Welt hat geschrieben:"Um das zu verstehen, empfiehlt der genannte Kirchenfunktionär einen Blick in Woelkis Biografie. Von 1985 bis 2011 war Woelki ein Vierteljahrhundert lang unter Joachim Kardinal Meisner im Kölner Erzbistum aktiv: unter anderem als Meisners persönlicher Sekretär und Weihbischof. Woelki habe "aus größter Nähe erlebt, was es heißt, als Kirche gegen den Mainstream zu stehen". Denn so definierte Kardinal Meisner seine Aufgabe: als vernehmbare Opposition gegen die immer kirchenfernere Gesellschaft. Ob es um Abtreibung, Verhütung, Homosexualität, die Unauflösbarkeit der Ehe oder den wachsenden Islam ging. Und weil sich der Graben zwischen der Meisner-Kirche und der Öffentlichkeit von Jahr zu Jahr vertiefte, reagierte die auch von Jahr zu Jahr hämischer auf den Erzbischof von Köln. Woelki, so sagt der Kirchenfunktionär, habe das geprägt. Er habe "daraus seine Lehre gezogen: Die permanente Konfrontation und öffentliche Häme seien denkbar ungeeignete Bedingungen, um das Evangelium zu verkündigen".
Ich glaube, diese angeblich ungeeigneten Bedingungen hat er bald wieder. Im Allgemeinen gelten viele Bischöfe ab einer gewissen Hierarchiestufe als beratungsresistent. Ich bin mir aber sicher, dass das vom Ausmaß des Leidensdrucks abhängt - und einem Entwicklungsgrad an persönlicher Reife und geistiger Beweglichkeit.
Kreuzknappe hat geschrieben:"Wie gut, dass wir nie erfahren werden, wie viele von den Besuchern später durch dieses Erlebnis derart motiviert worden sind, dass sie im Dom oder anderswo die Heilige Messe besuchen werden! Es ist jedenfalls noch Geld da. Auch das ist eine interessante Nachricht in der Nachricht..."
Es wird immer klarer, dass ein "Verein der Kirchensteuerzahler" sozusagen als externer Rechnungshof der Kirche dringend notwendig wird. So etwas Ähnliches gibt es sogar schon: www.verein-durchblick.de
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Vir Probatus » Sonnabend 13. August 2016, 07:06

Yeti hat geschrieben:Es wird immer klarer, dass ein "Verein der Kirchensteuerzahler" sozusagen als externer Rechnungshof der Kirche dringend notwendig wird. So etwas Ähnliches gibt es sogar schon: www.verein-durchblick.de
Das betrachte ich jetzt aber als bewusste Irreführung der Foranten.
Einfach mal auf die Seite gehen und in die Suchfunktion "Limburg" eingeben.
Wenn die Hauskapelle mit goldenen Dachpfannen gedeckt worden wäre, hätte man auch dafür noch gute Gründe gefunden.
Merke: Es ist in der Kirche nicht wichtig, wofür man Geld rauswirft, sondern nur wer es tut.
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Raphael
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Raphael » Sonnabend 13. August 2016, 08:03

Vir Probatus hat geschrieben:Merke: Es ist in der Kirche nicht wichtig, wofür man Geld rauswirft, sondern nur wer es tut.
[sarkasmus]Wobei es am Ärgerlichsten ist, daß es nicht die IKvU ist, die das kirchliche Vermögen verschleudern darf![/sarkasmus]
Die Welt kann man nur verstehen, wenn man vor dem Kreuz von Golgatha kniet!

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Juergen » Freitag 19. August 2016, 13:38

http://www.erzbistum-paderborn.de/38-Na ... ilfe-.html

Eine Million Euro für Flüchtlingshilfe
Über 20 nachhaltig angelegte Projekte hat der Diözesan-Caritasverband seit einem Jahr im Erzbistum Paderborn gefördert

Paderborn, 18. August 2016 (cpd). Mit rund einer Million Euro hat der Diözesan-Caritasverband seit September 2015 die Flüchtlingsarbeit der örtlichen Caritas- und Fachverbände gefördert. Diese zusätzlichen Mittel sollen den Verbänden helfen, Lücken in der Arbeit mit Flüchtlingen zu schließen und die Aktivitäten bedarfsgerecht auszubauen. Dabei setzt der Diözesan-Caritasverband gezielt auf Nachhaltigkeit, die letztlich nur mit personellen Strukturen zu realisieren ist. „Wir möchten mit diesen Mitteln eine Personalkostenförderung bis zu zwei Jahren ermöglichen“, so Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Freitag 19. August 2016, 15:34

Soll das ein Witz sein? :achselzuck:

Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.

Hier der Finanzbericht 2014

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Juergen » Freitag 19. August 2016, 15:57

Caviteño hat geschrieben:Soll das ein Witz sein? :achselzuck:

Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.

Hier der Finanzbericht 214
In dem Bericht geht es nicht um das Erzbistum Paderborn, sondern um den Caritasverband Paderborn.
Jahresbericht 215: http://www.caritas-paderborn.de/cms/con ... df?d=a&f=o
Gruß
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Freitag 19. August 2016, 17:21

Sorry, hatte ich übersehen.

Mauritius
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Mauritius » Sonnabend 20. August 2016, 00:30

Sie bekommen Menschen "geschenkt", lehen den Missionsbefehl ("... und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.") aber ab. Die Funktionsträger der Kirchen gehören nicht mehr zur ecclesia. Ganz einfach, Punkt!

Spätestens dann, wenn die Pfarrheime besetzt werden, erfolgt ein Umdenken, denn der Mammon mag keine unkalkulierbaren Kosten!

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offertorium
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von offertorium » Sonnabend 20. August 2016, 16:19

Caviteño hat geschrieben:Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.
1 Million für die Flüchtlingsarbeit sind erstmal gutes Geld. Daran ist nichts auszusetzen. Es soll übrigens noch mehr sozialen Baustellen in Deutschland geben als die Flüchtlingsarbeit. Es ist daher nur vernünftig, seine Gelder entsprechend kalkuliert einzusetzen.

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Juergen
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Juergen » Sonnabend 20. August 2016, 18:26

offertorium hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.
1 Million für die Flüchtlingsarbeit sind erstmal gutes Geld. Daran ist nichts auszusetzen. Es soll übrigens noch mehr sozialen Baustellen in Deutschland geben als die Flüchtlingsarbeit. Es ist daher nur vernünftig, seine Gelder entsprechend kalkuliert einzusetzen.
Nochmals: Es geht um Geld des Diözesancaritasverbands und nicht um Geld des Erzbistums.
Gruß
Jürgen

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 20. August 2016, 19:47

offertorium hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.
1 Million für die Flüchtlingsarbeit sind erstmal gutes Geld. Daran ist nichts auszusetzen. Es soll übrigens noch mehr sozialen Baustellen in Deutschland geben als die Flüchtlingsarbeit. Es ist daher nur vernünftig, seine Gelder entsprechend kalkuliert einzusetzen.
Ich möchte gern einmal wissen, wie hoch denn die Unterstützung des reichsten deutschen Bistums für die sog. "Flüchtlinge" ist; Juergen hat ja darauf hingewiesen, daß die eine Million vom Diözesancaritasverband kommt, also zu Lasten anderer "sozialer Baustellen" umgeschichtet wurde.

So wie sich die Kirche in Sachen "Flüchtlinge" engagiert und ihre Gläubigen zur Mithilfe auffordert, wäre ein solcher Betrag angesichts ihres Vermögens nicht "gutes Geld", sondern ein Fliegensch..ss. In Zeiten, in denen in der öffentl. Diskussion bei diesen Themen die kleinste Recheneinheit eine Milliarde ist, ist eine Million lächerlich.

Sollen etwa die Steuern erhöht werden, um die Kosten für die "Flüchtlinge" zu decken?

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Vir Probatus » Sonntag 21. August 2016, 10:25

Caviteño hat geschrieben:
offertorium hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Das Bistum hat ein Vermögen von 4 Mrden €, macht einen Jahresgewinn von 45 Mil. €, erzielt aus Kapitalanlagen einen Betrag von 57 Mil. € und berichtet, das man mit einer (iW: EINER) Million € die Flüchtlingsarbeit gefördert hat? Das sind Zahlen im Nullpromillebereich des gesamten Vermögens.
1 Million für die Flüchtlingsarbeit sind erstmal gutes Geld. Daran ist nichts auszusetzen. Es soll übrigens noch mehr sozialen Baustellen in Deutschland geben als die Flüchtlingsarbeit. Es ist daher nur vernünftig, seine Gelder entsprechend kalkuliert einzusetzen.
Ich möchte gern einmal wissen, wie hoch denn die Unterstützung des reichsten deutschen Bistums für die sog. "Flüchtlinge" ist; Juergen hat ja darauf hingewiesen, daß die eine Million vom Diözesancaritasverband kommt, also zu Lasten anderer "sozialer Baustellen" umgeschichtet wurde.

So wie sich die Kirche in Sachen "Flüchtlinge" engagiert und ihre Gläubigen zur Mithilfe auffordert, wäre ein solcher Betrag angesichts ihres Vermögens nicht "gutes Geld", sondern ein Fliegensch..ss. In Zeiten, in denen in der öffentl. Diskussion bei diesen Themen die kleinste Recheneinheit eine Milliarde ist, ist eine Million lächerlich.

Sollen etwa die Steuern erhöht werden, um die Kosten für die "Flüchtlinge" zu decken?
Was heisst hier sollen?
Sie werden erhöht werden, resp. werden Dinge, die mal zeitlich begrenzt sein sollten, wie bspw. der Soli von nun an bis in Ewigkeit weitergehen. Es sind ja nicht nur die Flüchtlinge, die kosten. Es sind ja auch die Nebenkosten. 15000 Polizisten kosten im Monat ? Es ist ja nicht nur deren Gehalt.
Die brauchen Ausrüstung, Autos, Büros, Altersversorgung. 100 Mio ? Im Jahr 1,5 Milliarden ?
Ein minderjähriger Flüchtling kostet im Jahr 40000 €. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn man sieht wie der betreut werden muss.
Wie viele haben wir denn ?
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Juergen » Montag 22. August 2016, 15:24

Internetseite zur Flüchtlingshilfe im Erzbistum Paderborn
http://www.fluechtlingshilfe-paderborn.de/
Gruß
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Yeti
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 6. September 2016, 18:04

katholisch.de hat geschrieben:Frage: Wie hat sich die katholische Kirche aufgestellt, um ihren Beitrag in der Flüchtlingshilfe zu leisten? Heße: Wir handeln ganz konkret – und das auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens! Die katholische Kirche hat mehr als 112 Millionen Euro allein in 2015 für Hilfe in Deutschland und im Ausland bereitgestellt. Wir haben über den Katholischen Siedlungsdienst Wohnprojekte befördert, vermittelt, unterstützt, Projekte wie "Weißt du, wer ich bin?" gestartet und vieles mehr. Um zusätzlich zu den vielen Initiativen in den Bistümern, Kirchengemeinden und Verbänden auch bundesweit zu einer Weiterentwicklung der kirchlichen Flüchtlingshilfe beizutragen, wurde vor fast genau einem Jahr des Amt des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen geschaffen, das ich gerne übernommen habe. Ich habe einen Arbeitsstab aus Experten und Praktikern gebildet und losgelegt. Im November fand der bundesweit erste Katholische Flüchtlingsgipfel statt, der erstmalig Praktiker, Ehrenamtliche und Experten auf Bundesebene vernetzt hat – Ergebnisse waren auch die "Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge" und die verschiedenen Arbeitsgruppen. In drei Wochen wird der zweite Katholische Flüchtlingsgipfel mit dem Schwerpunkt Integration stattfinden.
www.weisstduwerichbin.de Keine Ahnung, was die da "konkret" tun.
Katholischer Siedlungsdienst Sieht eher nach einer Pipeline für staatliche Subventionsgelder für kirchliche Immobilien aus.
Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge hat geschrieben:Damit Vielfalt und Zusammenhalt keine Gegensätze darstellen, bedarf es gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamer Grundwerte. Trotz mancher Bewährungsproben ist ein gutes Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller, religiöser und weltanschaulicher Prägungen in Deutschland mittlerweile zum selbstverständlichen Alltag geworden. Diese Erfahrung bietet eine solide Grundlage für die Bewältigung der aktuellen und zukünftigen Integrationsaufgaben. Als Katholiken gehören wir einer Kirche aller Sprachen und Völker an. In diesem Bewusstsein wirken wir aktiv an der Gestaltung gesellschaftlicher Integrationsprozesse mit. Außerdem verfügen wir über langjährige Erfahrung in christlich-islamischen Begegnungen und können
Kommunikationsbrücken zwischen säkularen und religiösen Wertvorstellungen bauen.
Liest sich wie die Eigenwerbung einer Dienstleistungsfirma. Widerlich, dieser pseudo-neoliberale Abgreif-Slang, den die Kirche da nachplappert. Dabei kann sie durchaus konkret werden, wenn sie will.
katholisch.de hat geschrieben:Frage: Die rechtspopulistische AfD ist bereits in mehrere Landtage eingezogen, zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern. Auch bei den Wahlen in Niedersachsen (11.9.) und Berlin (18.9.) werden ihr gute Chancen eingeräumt. Wie kann verhindert werden, dass die deutsche Willkommenskultur ins Gegenteil kippt? Was sagen Sie besorgten Katholiken, die die AfD wählen wollen? Heße: Dies ist ja bereits seit über einem Jahr Thema. Wir nehmen alle Ängste sehr ernst. Doch es steht fest: Bis jetzt haben uns die Flüchtlinge nichts "weggenommen". Bestehende Probleme müssen wir offen und ehrlich ansprechen, ohne dabei Ängste zu schüren und heraufzubeschwören. Doch schon im vergangenen Jahr habe ich gesagt: Es gibt eine eindeutige rote Linie: Wo es an Sachlichkeit und am Respekt vor dem anderen fehlt; wo nicht die positiven, sondern die destruktiven Kräfte mobilisiert werden; wo Ressentiments geschürt und Hassparolen skandiert werden – da haben Christen nichts verloren.
Wer macht denn sowas?
Der „moralische Hochmut“ von Parteien und Kirchen
"Die Kirchen im Norden haben vor der Landtagswahl indirekt vor der AfD gewarnt. Sie forderten zu Recht, die politischen Gruppierungen „im Lichte des Evangeliums“ zu beurteilen. Als zentrales Kriterium nannten sie dabei aber im Wesentlichen nur, ob man Fremden vorurteilsfrei begegnet. Doch fordert das Evangelium nicht viel mehr? Wäre nicht z. B. auch die Abtreibung – also die Tötung ungeborener Geschöpfe Gottes, für die vor allem Grüne und Linke eintreten – ein Ausschlusskriterium? Dürfen sich die Kirchen angesichts ihrer einseitigen Aussagen wundern, dass laut jüngster Allensbach-Umfrage ihnen nur noch 36 Prozent der Bürger vertrauen? Sogar den Gewerkschaften, der Bundesregierung und selbst Zeitungen wird mehr Glaubwürdigkeit bescheinigt. Fragen die Kirchen nach den Ursachen? Vertrauen müsste doch für sie ein wichtiges Kapital sein! Auf jeden Fall sind die vielkritisierten Kirchenmitglieder unter den AfD-Sympathisanten biblisch in einem Punkt ihren Kirchenleitungen voraus: in der Nächstenliebe. Denn sie zahlen bisher weiterhin brav ihre Kirchensteuern auch für die, die sie schmähen."
Liegt vielleicht daran, dass der Zaster vom Staat noch größer ist.
katholisch.de hat geschrieben:Frage: Immer wichtiger wird in Zukunft die Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden. Bereits heute hat die Ditib in einigen Bundesländern Einfluss auf islamischen Religionsunterricht. Ist das noch tragbar, nachdem klar wurde, dass der türkische Präsident Erdogan unmittelbar Einfluss auf den Verband hat? Heße: Der Islam in Deutschland wird von verschiedenen Verbänden vertreten – die Struktur ist nicht vergleichbar mit denen der Kirchen. Das heißt für uns: Wenn der interreligiöse Dialog auf Bundesebene gelingen soll, dürfen wir niemanden ausschließen.
NRW tut gerade genau dies. Andere Bundesländer könnten bald folgen. Da hätte doch gefragt werden können:
Frage: Ist die Kirche blöd, Herr Erzbischof Heße? Heße: Nein, denn nur dann, wenn das Geld an die Verbände fließt, egal ob christlich oder was weiß ich, fließt davon auch was in unsere Töpfe. Wenn die Zusammenarbeit heute mit Ditib beendet wird, vielleicht dann morgen auch mit uns?
Und was wäre bei dieser ortskirchlichen Hierarchie so schlimm daran? Die Weihnachtszeit gehört nicht nur den Christen Die Kirchensteuer bitte auch nicht. Ihr stellt wirklich nur Unfug damit an.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Vir Probatus » Dienstag 6. September 2016, 20:53

Unsere eigene Kirchengemeinde hat 3 Eriträer aufgenommen. Sehr nette Leute, ganz ohne Frage. In eine ansonsten kaum zur ortsüblichen Miete vermietbare Kaplanswohnung. Sie bekommt das für meine Begriffe hervorragend bezahlt. Ansonsten wäre die Wohnung kaum zu vermieten.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Sempre » Mittwoch 7. September 2016, 04:29

Yeti hat geschrieben:Der „moralische Hochmut“ von Parteien und Kirchen
"Die Kirchen im Norden haben vor der Landtagswahl indirekt vor der AfD gewarnt. Sie forderten zu Recht, die politischen Gruppierungen „im Lichte des Evangeliums“ zu beurteilen. Als zentrales Kriterium nannten sie dabei aber im Wesentlichen nur, ob man Fremden vorurteilsfrei begegnet. Doch fordert das Evangelium nicht viel mehr? Wäre nicht z. B. auch die Abtreibung – also die Tötung ungeborener Geschöpfe Gottes, für die vor allem Grüne und Linke eintreten – ein Ausschlusskriterium? Dürfen sich die Kirchen angesichts ihrer einseitigen Aussagen wundern, dass laut jüngster Allensbach-Umfrage ihnen nur noch 36 Prozent der Bürger vertrauen? Sogar den Gewerkschaften, der Bundesregierung und selbst Zeitungen wird mehr Glaubwürdigkeit bescheinigt. Fragen die Kirchen nach den Ursachen? Vertrauen müsste doch für sie ein wichtiges Kapital sein! Auf jeden Fall sind die vielkritisierten Kirchenmitglieder unter den AfD-Sympathisanten biblisch in einem Punkt ihren Kirchenleitungen voraus: in der Nächstenliebe. Denn sie zahlen bisher weiterhin brav ihre Kirchensteuern auch für die, die sie schmähen."
Ich kann von einem AfD-Mitglied aus meiner Familie berichten, das Gott-sei-Dank endlich diese Seuche nicht mehr finanziell unterstützt. Leider nicht aus grundsätzlichen Erwägungen sondern bloß wegen der Boots-Aktion und des ätzenden AfD-Mobbings Wölkis.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Montag 12. September 2016, 20:00

Kardinal Woelki attackiert jetzt auch die CSU Eine seltsame Heiligenfigur in schwarz-grün von Merkels Gnaden. Beim "Marsch für das Leben" ist er wahrscheinlich hingegen trotz Einladung nicht dabei. Da sind andere Dinge wohl wichtiger.
Meisner äußerte sich auch kritisch zu den deutschen Bischöfen. Sie beschäftigten sich - «sicher mit Recht» - sehr oft mit der Hilfe für in Not geratene Menschen, aber davon, ungeborene Kinder vor dem sicheren Tod zu schützen, sei wenig zu hören. «Wir haben uns vielleicht auch in der Kirche an das Abtreibungsdebakel so gewöhnt, dass es uns gar nicht mehr auffällt», so der Kardinal. Ungeborene Kinder hätten in der Gesellschaft keine Lobby. «Ist das in der Kirche jetzt auch so?», fragte Meisner in seiner Predigt.
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Juergen
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Juergen » Montag 12. September 2016, 20:09

Aus dem Kath-Net-Artikel.
"Wenn die CSU das Grundgesetz ernst nimmt, kann sie keine Obergrenze verlangen. Das lässt das Asylrecht nicht zu. Und das Asylrecht muss bleiben, wie es ist.“ Für Woelki müsse daher die unsinnige Diskussion aufhören.
Das Asylrecht im Grundgesetz steht in Art 16a
Art 16a

(1) Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

(2) Auf Absatz 1 kann sich nicht berufen, wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist, in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist. Die Staaten außerhalb der Europäischen Gemeinschaften, auf die die Voraussetzungen des Satzes 1 zutreffen, werden durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, bestimmt. In den Fällen des Satzes 1 können aufenthaltsbeendende Maßnahmen unabhängig von einem hiergegen eingelegten Rechtsbehelf vollzogen werden.

(3) Durch Gesetz, das der Zustimmung des Bundesrates bedarf, können Staaten bestimmt werden, bei denen auf Grund der Rechtslage, der Rechtsanwendung und der allgemeinen politischen Verhältnisse gewährleistet erscheint, daß dort weder politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Bestrafung oder Behandlung stattfindet. Es wird vermutet, daß ein Ausländer aus einem solchen Staat nicht verfolgt wird, solange er nicht Tatsachen vorträgt, die die Annahme begründen, daß er entgegen dieser Vermutung politisch verfolgt wird.

(4) Die Vollziehung aufenthaltsbeendender Maßnahmen wird in den Fällen des Absatzes 3 und in anderen Fällen, die offensichtlich unbegründet sind oder als offensichtlich unbegründet gelten, durch das Gericht nur ausgesetzt, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maßnahme bestehen; der Prüfungsumfang kann eingeschränkt werden und verspätetes Vorbringen unberücksichtigt bleiben. Das Nähere ist durch Gesetz zu bestimmen.

(5) Die Absätze 1 bis 4 stehen völkerrechtlichen Verträgen von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften untereinander und mit dritten Staaten nicht entgegen, die unter Beachtung der Verpflichtungen aus dem Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, deren Anwendung in den Vertragsstaaten sichergestellt sein muß, Zuständigkeitsregelungen für die Prüfung von Asylbegehren einschließlich der gegenseitigen Anerkennung von Asylentscheidungen treffen.
Da stimme ich insofern dem Kardinal zu, daß man an dem Gesetz nichts ändern muß.
Allerdings sollte man das Gesetz konsequent anwenden – insbesondere Absatz 2. Dann würden nämlich nur noch solche Flüchtlinge aufgenommen, die per Flugzeug aus ihrem Heimatland kommen oder aber über den Seeweg Deutschland erreichen.
Gruß
Jürgen

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Edi » Dienstag 13. September 2016, 09:17

Juergen hat geschrieben: Da stimme ich insofern dem Kardinal zu, daß man an dem Gesetz nichts ändern muß.
Allerdings sollte man das Gesetz konsequent anwenden – insbesondere Absatz 2. Dann würden nämlich nur noch solche Flüchtlinge aufgenommen, die per Flugzeug aus ihrem Heimatland kommen oder aber über den Seeweg Deutschland erreichen.
Richtig. Das sind im Jahr aber nur einige hundert Menschen. Darüber würde niemand reden. Woelki schwebt in den Wolken, vielleicht heisst er deswegen auch so.
http://kath.net/news/56693
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Dienstag 13. September 2016, 10:23

Schon vor gut zwei Jahren hat das BAMF aber festgestellt, ich finde es gerade nicht, aber es gab sogar Gerichtsurteile dazu, dass Absatz 2 in Bezug auf Flüchtlinge aus Griechenland nicht angewendet werden kann.
Die Kanzlerin und noch deutlicher Altmeyer geben mittlerweile zu, dass es, wenn schon nicht falsch war, sich in Dublin durchgesetzt zu haben, doch spätestens 2004 ausgesprochen kurzsichtig und rücksichtslos, daran gegen Italien, Malta und Griechenland festzuhalten.

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Dienstag 13. September 2016, 16:16

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Schon vor gut zwei Jahren hat das BAMF aber festgestellt, ich finde es gerade nicht, aber es gab sogar Gerichtsurteile dazu, dass Absatz 2 in Bezug auf Flüchtlinge aus Griechenland nicht angewendet werden kann.
Richtig - allerdings dürften die wenigsten "Flüchtlinge" von GR aus auf dem Luftweg nach D. gelangen. Sie haben dann zumindest die EU-Länder Österreich und ggfs. auch Slowenien, Kroatien, Ungarn passiert, die dann zuständig wären.
Lilaimmerdieselbe hat geschrieben: Die Kanzlerin und noch deutlicher Altmeyer geben mittlerweile zu, dass es, wenn schon nicht falsch war, sich in Dublin durchgesetzt zu haben, doch spätestens 2004 ausgesprochen kurzsichtig und rücksichtslos, daran gegen Italien, Malta und Griechenland festzuhalten.
Das ist doch ein Konstruktionsfehler von Schengen.
Sorry, aber jeder kann doch folgendes nachvollziehen: Wenn man die Binnengrenzen aufhebt und dafür die Schengen-Außengrenzen diese Aufgabe übernehmen, muß geregelt werden, wie mit Einreisenden ohne Visum zu verfahren ist. Dies kann nur in die Zuständigkeit des ersten Staates fallen, wo der Einreisende den Schengenraum betritt, denn nur zu dem Zeitpunkt ist eine Einreisekontrolle überhaupt möglich. Danach kann sich die Person im gesamten Schengenraum frei bewegen, ohne erneut eine Grenzkontrolle passieren zu müssen. Wie - bitte schön - soll es anders funktionieren?

Zwar wurden die Visa- und Einreisebestimmungen durch den Schengen-Grenzkodex einheitlich geregelt, für das Asylverfahren fehlt es aber bis heute an einer solchen Übereinkunft. Das Asylrecht ist nicht vereinheitlich, jedes Land hält seine eigene Asyltradition hoch.

Es gab/gibt daher nur zwei Möglichkeiten:
1. Das Asylrecht des Landes, wo der Asylbewerber erstmals Schengen-Boden betritt, ist für das Verfahren zuständig. Danach kann man eine Verteilung der anerkannten Flüchtlinge vornehmen. Auch die Abschiebung der Personen, denen kein Asyl zugesprochen, fiele dann in die Zuständigkeit z.B. von GR oder IT.

2. Bei Ankunft wird nach einem Schlüssel sofort entschieden, in welches Land der Asylbewerber verlegt wird und dieses Land wäre dann auch für das gesamte Asyl- und ggfs. Abschiebeverfahren zuständig. Ein solches Verfahren wäre aufgrund der unterschiedlichen Asyltraditionen der Länder des Schengenraumes ein Lotteriespiel für den Asylbewerber. So liegt z.B. die Anerkennungsquote für Eritreer in der Schweiz (gehört zum Schengenraum und ist daher mit von der Partie) höher als in D. Während eine Person in Schweden vielleicht gute Chancen hätte, wären seine Chancen in Ungarn, Rumänien oder Zypern u.U. erheblich geringer. Daher wäre ein solches Verfahren nicht praktikabel.

Ebenfalls scheidet eine vollständige Zuständigkeit der EU aus, weil diese weder über die personellen Ressourcen noch über die entsprechende rechtliche Grundlage (einheitliches europ. Asylrecht) verfügt.

Die heute praktizierte Form (s. Möglichkeit 1) ist daher - ggfs. ergänzt um eine Verteilung der anerkannten Asylanten - die einzige praktische Möglichkeit. Daran ändern auch Aussagen von Herrn Altmaier oder der Kanzlerin nichts. Der Fehler wurde bereits mit dem Schengenvertrag gemacht. So einen Vertrag hätte man ohne entsprechende Regelungen zum Asylrecht nicht schließen dürfen. Aber es ging der Politik ja vor allem um den Meilenstein "Freies Reisen ohne Kontrollen in Europa".

Im übrigen sollte man nicht immer nur auf IT, GR oder Malta schauen. Spanien hat das Problem der illegal Einreisenden durch die Operation Seepferdchen in den Griff bekommen - trotz zweier Exklaven, die in Afrika liegen und vorrangiges Ziel der Migranten sind.
Mir ist ebenfalls unverständlich, warum die EU nicht tätig wird, um Rückführungsabkommen mit den Herkunfsländern auszuhandeln. Wenn GR, IT oder selbst D. dafür zu schwach sind, muß es eben die EU machen, die wahrscheinlich über andere Druckmittel verfügt - wenn sie will. Das sie sich auf diesem Gebiet kaum bewegt, macht schon nachdenklich und läßt nach den Gründen fragen..... :hmm:

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Dienstag 13. September 2016, 16:22

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Schon vor gut zwei Jahren hat das BAMF aber festgestellt, ich finde es gerade nicht, aber es gab sogar Gerichtsurteile dazu, dass Absatz 2 in Bezug auf Flüchtlinge aus Griechenland nicht angewendet werden kann.
Richtig - allerdings dürften die wenigsten "Flüchtlinge" von GR aus auf dem Luftweg nach D. gelangen. Sie haben dann zumindest die EU-Länder Österreich und ggfs. auch Slowenien, Kroatien, Ungarn passiert, die dann zuständig wären.
Lilaimmerdieselbe hat geschrieben: Die Kanzlerin und noch deutlicher Altmeyer geben mittlerweile zu, dass es, wenn schon nicht falsch war, sich in Dublin durchgesetzt zu haben, doch spätestens 2004 ausgesprochen kurzsichtig und rücksichtslos, daran gegen Italien, Malta und Griechenland festzuhalten.
Das ist doch ein Konstruktionsfehler von Schengen.
Sorry, aber jeder kann doch folgendes nachvollziehen: Wenn man die Binnengrenzen aufhebt und dafür die Schengen-Außengrenzen diese Aufgabe übernehmen, muß geregelt werden, wie mit Einreisenden ohne Visum zu verfahren ist. Dies kann nur in die Zuständigkeit des ersten Staates fallen, wo der Einreisende den Schengenraum betritt, denn nur zu dem Zeitpunkt ist eine Einreisekontrolle überhaupt möglich. Danach kann sich die Person im gesamten Schengenraum frei bewegen, ohne erneut eine Grenzkontrolle passieren zu müssen. Wie - bitte schön - soll es anders funktionieren?

Zwar wurden die Visa- und Einreisebestimmungen durch den Schengen-Grenzkodex einheitlich geregelt, für das Asylverfahren fehlt es aber bis heute an einer solchen Übereinkunft. Das Asylrecht ist nicht vereinheitlich, jedes Land hält seine eigene Asyltradition hoch.

Es gab/gibt daher nur zwei Möglichkeiten:
1. Das Asylrecht des Landes, wo der Asylbewerber erstmals Schengen-Boden betritt, ist für das Verfahren zuständig. Danach kann man eine Verteilung der anerkannten Flüchtlinge vornehmen. Auch die Abschiebung der Personen, denen kein Asyl zugesprochen, fiele dann in die Zuständigkeit z.B. von GR oder IT.

2. Bei Ankunft wird nach einem Schlüssel sofort entschieden, in welches Land der Asylbewerber verlegt wird und dieses Land wäre dann auch für das gesamte Asyl- und ggfs. Abschiebeverfahren zuständig. Ein solches Verfahren wäre aufgrund der unterschiedlichen Asyltraditionen der Länder des Schengenraumes ein Lotteriespiel für den Asylbewerber. So liegt z.B. die Anerkennungsquote für Eritreer in der Schweiz (gehört zum Schengenraum und ist daher mit von der Partie) höher als in D. Während eine Person in Schweden vielleicht gute Chancen hätte, wären seine Chancen in Ungarn, Rumänien oder Zypern u.U. erheblich geringer. Daher wäre ein solches Verfahren nicht praktikabel.

Ebenfalls scheidet eine vollständige Zuständigkeit der EU aus, weil diese weder über die personellen Ressourcen noch über die entsprechende rechtliche Grundlage (einheitliches europ. Asylrecht) verfügt.

Die heute praktizierte Form (s. Möglichkeit 1) ist daher - ggfs. ergänzt um eine Verteilung der anerkannten Asylanten - die einzige praktische Möglichkeit. Daran ändern auch Aussagen von Herrn Altmaier oder der Kanzlerin nichts. Der Fehler wurde bereits mit dem Schengenvertrag gemacht. So einen Vertrag hätte man ohne entsprechende Regelungen zum Asylrecht nicht schließen dürfen. Aber es ging der Politik ja vor allem um den Meilenstein "Freies Reisen ohne Kontrollen in Europa".

Im übrigen sollte man nicht immer nur auf IT, GR oder Malta schauen. Spanien hat das Problem der illegal Einreisenden durch die Operation Seepferdchen in den Griff bekommen - trotz zweier Exklaven, die in Afrika liegen und vorrangiges Ziel der Migranten sind.
Mir ist ebenfalls unverständlich, warum die EU nicht tätig wird, um Rückführungsabkommen mit den Herkunfsländern auszuhandeln. Wenn GR, IT oder selbst D. dafür zu schwach sind, muß es eben die EU machen, die wahrscheinlich über andere Druckmittel verfügt - wenn sie will. Das sie sich auf diesem Gebiet kaum bewegt, macht schon nachdenklich und läßt nach den Gründen fragen..... :hmm:

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Yeti » Dienstag 13. September 2016, 17:12

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Schon vor gut zwei Jahren hat das BAMF aber festgestellt, ich finde es gerade nicht, aber es gab sogar Gerichtsurteile dazu, dass Absatz 2 in Bezug auf Flüchtlinge aus Griechenland nicht angewendet werden kann.
Das war weniger eine politische Entscheidung als vielmehr ein Folgen der deutschen Politik der europäischen Rechtsprechung, wie es für den Regierungsstil Merkels allgemein üblich ist (re-agieren statt regieren) und betrifft das Selbsteintrittsrecht im Asylrecht (einfach googeln):
Angela Merkel hat geschrieben:"Deutschland hat die Zuständigkeitsprüfungen im Rahmen der Dublin-Verordnung zu keiner Zeit ausgesetzt, sondern vom sogenannten Selbsteintrittsrecht Gebrauch gemacht. Deutschland wendet das Dublin-Verfahren aktuell für alle Herkunftsländer und alle Mitgliedstaaten (außer Griechenland) an. Das gilt auch für syrische Staatangehörige, für die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit dem 21. 0ktober 2015 nicht mehr grundsätzlich von dem Selbsteintrittsrecht Gebrauch macht."
Selbsteintritt im Asylrecht
"Im europäischen Asylrecht wird von Selbsteintritt gesprochen, wenn ein Staat, in dem ein Asylbewerber ein Schutzgesuch stellt, aufgrund der Regelungen der Dublin-III-Verordnung für die Bearbeitung des Schutzgesuchs eigentlich nicht zuständig wäre, aber auf die Überstellung des Migranten an den zuständigen Staat gemäß Art. 17 Dublin-III-Verordnung verzichtet und das Asylverfahren selbst durchführt. [...] Verzichte auf Überstellungen beruhen zumeist auf den Verhältnissen in den an und für sich zuständigen Staaten, deren Aufnahmesysteme sogenannte systemische Mängel im Sinne der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs aufweisen, oder auf Praktikabilitätserwägungen. Deutschland hat von der Möglichkeit des Selbsteintritts bisher systematisch im Falle von Schutzsuchenden, die über Griechenland eingereist waren, und generell bei syrischen Schutzsuchenden Gebrauch gemacht."
Die juristische Begründung dafür liegt in einem Urteil des EuGH vom 10. Dezember 2013 (auch einfach googeln u. den Fußnoten bei der Quelle "Selbsteintritt im Asylrecht" folgen):
"Art. 19 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist, ist dahin auszulegen, dass in einem Fall, in dem ein Mitgliedstaat der Aufnahme eines Asylbewerbers nach Maßgabe des in Art. 10 Abs. 1 der Verordnung niedergelegten Kriteriums zugestimmt hat, d. h. als der Mitgliedstaat der ersten Einreise des Asylbewerbers in das Gebiet der Europäischen Union, der Asylbewerber der Heranziehung dieses Kriteriums nur damit entgegentreten kann, dass er systemische Mängel des Asylverfahrens und der Aufnahmebedingungen für Asylbewerber in diesem Mitgliedstaat geltend macht, die ernsthafte und durch Tatsachen bestätigte Gründe für die Annahme darstellen, dass er tatsächlich Gefahr läuft, einer unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union ausgesetzt zu werden."
Soweit die Rechtsprechung, die aber in einer parlamentarischen Demokratie gewöhnlich der Legislative folgt und folgen muss, wenn die Exekutive ihre Richtlinienkompetenz tatsächlich ausübt. Übrigens nicht nur juristisch eine interessante Frage, inwiefern BGH, BVG und das EuGH in die Lage kommen konnten, der demokratisch gewählten Legislative eines Staates die Arbeit abzunehmen. Eine bedenkliche Entwicklung, gerade weil die parteipolitische Mitbestimmung der Richterkandidaten eine politische Sklerose nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern geradezu wünscht und bezweckt; schon lange vor Merkel, seit ihr aber im Stadium der apathischen Vollendung.
Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Die Kanzlerin und noch deutlicher Altmeyer geben mittlerweile zu, dass es, wenn schon nicht falsch war, sich in Dublin durchgesetzt zu haben, doch spätestens 2004 ausgesprochen kurzsichtig und rücksichtslos, daran gegen Italien, Malta und Griechenland festzuhalten.
Das ist jetzt die politische Gretchenfrage. So ganz "rücksichtslos" und "kurzsichtig" behandelte Kandidaten waren und sind Griechenland, Italien etc. nicht, da sie speziell zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms viel Geld erhielten und erhalten:
"EU-Kommissionssprecher Antony Gravili ließ Alfano am Dienstag abblitzen. „Frontex ist eine kleine Agentur mit einem kleinen Budget. Sie hat keine Küstenwache und keine Boote.“ Und Italien habe in den vergangenen fünf Jahren 500 Millionen Euro zur Überwachung des Mittelmeers erhalten. Bis 2020 werde es mit weiteren 315 Millionen größter Empfänger dieser EU-Mittel sein."
Und es war auch keineswegs vorher so, dass "das arme Italien" die ganze Last des Flüchtlingsstroms alleine trug bzw. trägt: Mit 500 Euro und AufenthaltspapierenItalien schickt Flüchtlinge nach Deutschland Natürlich trugen auch so manche halbgaren und halbseidenen Praktiken z.B. in Italien nicht wirklich zur von der EU bezahlten Problemlösung bei, sondern vielmehr zur "Verdünnisierung" der Dublin-II- und -III-Betroffenen in Richtung Norden. Ich halte es also für ein mindestens naives, wenn nicht gar ein mit bewusstem Kalkül gestreutes Gerücht, dass Merkel "moralisch" gewissermaßen "gezwungen" war, Tür und Tor zu öffnen. Dass Teile der Kirche, namentlich Kardinal Woelki, dieses Geschäft solcher politischen Finsterlinge betreiben, wird ihnen ganz gewiss dereinst schwerstens auf die Füße fallen. Wer Woelki und Merkel darin unterstützt, weiß genau was er tut. Vollständige Argumente kommen von dieser Seite auch selten, meist fehlen Beleg und Beispiel. Es wird emotionalisiert und auf die Tränendrüse gedrückt, selbst mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelzitaten werden nur Empfindungen angesprochen - übrigens ja ein klassisches Merkmal modernistischer Theologie.
Caviteño hat geschrieben:Richtig - allerdings dürften die wenigsten "Flüchtlinge" von GR aus auf dem Luftweg nach D. gelangen. Sie haben dann zumindest die EU-Länder Österreich und ggfs. auch Slowenien, Kroatien, Ungarn passiert, die dann zuständig wären.
Diese Möglichkeit hat Merkel ja durch den Selbsteintritt ja leider großzügig aus der Hand gegeben.
Caviteño hat geschrieben:Es gab/gibt daher nur zwei Möglichkeiten:
1. Das Asylrecht des Landes, wo der Asylbewerber erstmals Schengen-Boden betritt, ist für das Verfahren zuständig. Danach kann man eine Verteilung der anerkannten Flüchtlinge vornehmen. Auch die Abschiebung der Personen, denen kein Asyl zugesprochen, fiele dann in die Zuständigkeit z.B. von GR oder IT.

2. Bei Ankunft wird nach einem Schlüssel sofort entschieden, in welches Land der Asylbewerber verlegt wird und dieses Land wäre dann auch für das gesamte Asyl- und ggfs. Abschiebeverfahren zuständig. Ein solches Verfahren wäre aufgrund der unterschiedlichen Asyltraditionen der Länder des Schengenraumes ein Lotteriespiel für den Asylbewerber. So liegt z.B. die Anerkennungsquote für Eritreer in der Schweiz (gehört zum Schengenraum und ist daher mit von der Partie) höher als in D. Während eine Person in Schweden vielleicht gute Chancen hätte, wären seine Chancen in Ungarn, Rumänien oder Zypern u.U. erheblich geringer. Daher wäre ein solches Verfahren nicht praktikabel.
Richtig, dafür müsste eine deutsche Regierung aber ihre Richtlinienkompetenz ausüben - also eine Idee haben, was sie eigentlich will. Der Dämmerschlaf der Merkel-Union und ihrer jetzigen und künftigen Koalitionspartner aber steht für einen machtpolitischen status quo.
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Dienstag 13. September 2016, 18:58

Yeti hat geschrieben:
Caviteño hat geschrieben:Richtig - allerdings dürften die wenigsten "Flüchtlinge" von GR aus auf dem Luftweg nach D. gelangen. Sie haben dann zumindest die EU-Länder Österreich und ggfs. auch Slowenien, Kroatien, Ungarn passiert, die dann zuständig wären.
Diese Möglichkeit hat Merkel ja durch den Selbsteintritt ja leider großzügig aus der Hand gegeben.
Wobei sich bei einer solchen Entscheidung schon folgende Fragen stellen:
1. Mußte dann nich trotzdem eine Grenzsicherung erfolgen, denn der sog. "Selbsteintritt" galt ja nur für Flüchtlinge aus Syrien. Der Selbsteintritt bzgl. GR war ja lt. Meldung des Bundesinnenministerium ab 2011 auf ein Jahr beschränkt.

2. Bei einer Zuwanderung in der bekannten Größe - also über ein Million sog. "Flüchtlinge" - kann mE die Regierung nicht selbst entscheiden, sondern hätte das Parlament fragen bzw. zumindest hören müssen - s. Wesentlichkeitstheorie.
Die Wesentlichkeitstheorie wurde vom Bundesverfassungsgericht entwickelt und besagt, dass im Bereich der untergesetzlichen Normsetzung „wesentliche Entscheidungen“ durch das Parlament selbst getroffen werden müssen.
(...)
Grundlage der Theorie ist die Lehre vom Vorbehalt des Gesetzes, wonach auch außerhalb der grundrechtlichen Gesetzesvorbehalte bestimmte Maßnahmen der staatlichen Gewalt der Ermächtigung in einem förmlichen [Parlaments]Gesetz bedürfen, das wiederum selbst verfassungsmäßig sein muss, sowie das Demokratieprinzip. Gesetze müssen auch hinreichend bestimmt gefasst sein.
In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, daß der Bundestag hier vor vollendete Maßnahmen gestellt wurde und er es nicht für nötig befand, die Regierungschefin und den Innenminister in dieser Angelegenheit zu zwingen, vor dem Parlament Rede und Antwort zu stehen. So stellt man sich die Kontrolle der Regierung durch das Parlament vor. :D

Frage: Wäre das auch geschehen, wenn die AfD in der letzten Wahl über 5% gekommen wäre und im Parlament säße? :neinfreu:

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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Dieter » Donnerstag 15. September 2016, 13:51

Schönborn: Europa hat sein christliches Erbe "verschleudert"
Auszüge aus der Predigt von Kardinal Schönborn bei der Mariä-Namen-Feier am 11. September 216 im Wiener Stephansdom

Wien, 13.9.216 (KAP) Für ein großes mediales Echo hat Kardinal Christoph Schönborn mit seiner Predigt bei der Mariä-Namen-Feiern am vergangenen Sonntag im Wiener Stephansdom gesorgt. Dabei war der Wiener Erzbischof in seiner Predigt u.a. auf den historischen Ursprung des kirchlichen Festes "Mariä Namen" eingegangen, das als Dank für die Befreiung Wiens vor den Osmanen vor 333 Jahren eingeführt wurde. Europa habe sein christliches Erbe "verschleudert", klagte der Kardinal und stellte die Frage in den Raum, ob es einen erneuten Versuch einer "islamischen Eroberung Europas" geben werde.
http://www.kathpress.at/goto/meldung/14 ... schleudert

Caviteño
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Re: Die Kirche und die Flüchtlingsfrage

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 15. September 2016, 15:16

Dieter hat geschrieben:
Schönborn: Europa hat sein christliches Erbe "verschleudert"
Auszüge aus der Predigt von Kardinal Schönborn bei der Mariä-Namen-Feier am 11. September 216 im Wiener Stephansdom

Wien, 13.9.216 (KAP) Für ein großes mediales Echo hat Kardinal Christoph Schönborn mit seiner Predigt bei der Mariä-Namen-Feiern am vergangenen Sonntag im Wiener Stephansdom gesorgt. Dabei war der Wiener Erzbischof in seiner Predigt u.a. auf den historischen Ursprung des kirchlichen Festes "Mariä Namen" eingegangen, das als Dank für die Befreiung Wiens vor den Osmanen vor 333 Jahren eingeführt wurde. Europa habe sein christliches Erbe "verschleudert", klagte der Kardinal und stellte die Frage in den Raum, ob es einen erneuten Versuch einer "islamischen Eroberung Europas" geben werde.
http://www.kathpress.at/goto/meldung/14 ... schleudert
(Hervorhebung von mir)

Die kirchliche Antwort darauf war früher eine ganz andere als heute.
Als Türkenglocken bzw. Türkenläuten wurde das Läuten der Kirchenglocke zur Mittagszeit Ende des 15. Jh. n.Chr. bezeichnet.

Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurden in Westeuropa in den Kirchen Predigten abgehalten, die die Gefährlichkeit und Niederträchtigkeit der Muslime verbreiten sollten, die sich in Richtung Norden ausbreiteten. Der Begriff "Türken" stand für Muslime. Das Türkenläuten wurde mit kirchlichen Synoden dekretiert, zunächst regional, erstmals in Prag 1386. Das Läuten mit anschließender Predigt wurde von Papst Kalixt III. im Jahre 1456 zwei Jahre vor seinem Ableben per päpstlicher Anordnung täglich zwischen den Stundengebeten Non und Vesper (also gegen 17. Uhr) vorgeschrieben. Spätere Päpste haben das Türkenläuten immer wieder neu angeordnet und die Uhrzeit vorverschoben.

Was einst eingeführt wurde, um für den Sieg über die Osmanen zu beten, wurde auch nach dem militärischen Sieg beibehalten. Aus dem "Gebetsruf gegen die Türkengefahr" wurde der Begriff Türkenläuten bzw. Türkenglocke abgeleitet.

Beim Läuten der Türkenglocken musste jeder seine Tätigkeit unterbrechen - auch auf der Straße - kniend und mit entblößtem Haupt wenigstens drei Vaterunser und drei Ave Maria beten.
http://www.eslam.de/begriffe/t/tuerkenglocke.htm

Man muß halt mit der Zeit gehen - aber ob der neue Weg erfolgreich sein wird, die Frage darf man schon stellen. :breitgrins:

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