Verbindlichkeit des II. Vatikanischen Konzils

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Maurus
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Re: Umgang mit Vatikanum II

Beitrag von Maurus » Montag 31. März 2014, 08:47

azs hat geschrieben:
Maurus hat geschrieben:
azs hat geschrieben:Das 2. Vatikanum unterscheidet sich ja besonders darin von anderen Konzilen, dass es ausschließlich pastoral sein möchte. Es wurde kein neuer Lehrsatz verkündet, sondern die katholische Lehre sollte für die Welt von heute dargelegt werden (wenn ich das so richtig verstanden habe). Nun gibt es ja Gruppen wie die FSSPX, welche das Konzil bzw. Teile daraus nicht annehmen. Wenn jemand dies tut, was prangert die Kirche daran an? Prangert sie an, dass man eine Darlegung des Glaubens nicht annimmt, die kein neuen Lehrsatz verkündet hat? Oder wie begründer sie, dass man eine Glaubensdarlegung annehmen muss? Also wenn jemand wie die FSSPX alles glaubt, was bis dahin gelehrt wurde, das Konzil aber gar keinen neuen Lehrsatz verkündet hat...worin genau besteht jetzt das Problem - wenn man von den Bischofsweihen absieht?
Dogmatische Definitionen sind nicht die einzigen Sätze, die in der Kirche Verbindlichkeit beanspruchen.
Es darf auch gern mehr als nur ein Satz geschrieben werden! :daumen-rauf:
Gerne, nur halte ich deine Ausgangsfrage mit diesem Satz im Prinzip für beantwortet. Langfassung: Die Beschlüsse eines Konzils sind nunmal bindend, auf eine dogmatische Definition kommt es in soweit nicht an. Eine dogmatische Definition ist irreversibel, das sind die Konzilsbeschlüsse formal nicht. Daher kann man an den Beschlüssen Kritik üben - dies wird ja auch von "liberaler" Seite nicht versäumt, aber sich einfach nicht an sie zu halten, geht eben nicht.

Auf dem Vatikanum I und in Trient mögen dogmatische Definitionen im Vordergrund und auch sozusagen die "Essenz" des ganzen Konzils ausgemacht haben, auf vielen anderen Konzilien war dis aber nicht der Fall. Sie nahmen zwar auch dogmatische Definitionen vor, diese bildeten aber nicht den Hauptgegenstand auf dem Konzil. So definierte das V. Laterankonzil die Unsterblichkeit der Seele gegen einige aus dem Averroismus hervorgegangene Gegenansichten. Das Konzil an sich beschäftigte sich aber mit der Kirchenreform. Die dogmatische Definition wird in Kurzlehrbüchern zur Kirchengeschichte daher nur am Rande oder überhaupt nicht erwähnt.

azs
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Re: Umgang mit Vatikanum II

Beitrag von azs » Montag 31. März 2014, 15:25

Aber was genau ist denn dann jetzt am Vatikanum II bindend? Eine verbindende Glaubenserklärung oder wie? Was hat das Konzil denn eigentlich jetzt genau gebracht bzw. gewollt?
ad te suspiramus in hac lacrimarum valle

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Maurus
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Re: Umgang mit Vatikanum II

Beitrag von Maurus » Montag 31. März 2014, 22:19

azs hat geschrieben:Aber was genau ist denn dann jetzt am Vatikanum II bindend? Eine verbindende Glaubenserklärung oder wie? Was hat das Konzil denn eigentlich jetzt genau gebracht bzw. gewollt?
Bindend sind die Dokumente in ihrem Wortlaut, insbesondere die dogmatischen Konstitutionen. In der dogmatischen Konstitution hat die Kirche überhaupt einmal (und erstmals) in einem Konzilsdokument ihr Selbstverständnis definiert. Die dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung hat einen Paradigmenwechsel innerhalb des kirchlichen Offenbarungsverständnisses herbeigeführt. Konkret ging es dabei um eine Abkehr vom instruktionstheoretischen Offenbarungsverständnis hin zu einem Verständnis von Gottes Selbstoffenbarung in Jesus Christus. Die Überlegungen waren Ergebnis eines längeren theologischen Prozesses, der im Prinzip schon auf dem I. Vatikanum "dabei" war und dann von der nouvelle théologie aufgegriffen wurde. Nicht unbedeutende Vorgaben hat auch ein gewisser Ratzinger beigesteuert, auf dessen Einfluss beim Entstehen von Dei verbum der Regensburger Bischof Voderholzer erst kürzlich wieder hingewiesen hat.

Etc pp - das ganze füllt Regalkilometer und aberdutzende Bildschirmmeter in diesem Forum...

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Protasius
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Re: Verbindlichkeit des II. Vatikanischen Konzils

Beitrag von Protasius » Montag 24. August 2015, 12:27

Habe auf die Schnelle keinen passenderen Strang gefunden:
Die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium ist in der promulgierten Fassung mit relativ wenigen Fußnoten versehen (42, quasi ausschließlich Bibel und Kirchenväter). Die Fassung, die den Konzilsvätern mit Ausnahme der beiden letzten Sitzungen vorlag, war wesentlich umfangreicher mit Fußnoten versehen und enthielt reichlich Verweise auf die Werke Pius' X. und Pius' XII. In englischer Sprache ist eine Version mit den ursprünglich vorhandenen Fußnoten (und dem endgültig promulgierten Text) veröffentlicht worden, im Adoremus Bulletin. Der dazugehörige Artikel mit dem Titel Footnotes for a Hermeneutic of Continuity - Sacrosanctum Concilium's Vanishing Citations beginnt auf Seite 8, der eigentliche Text kommt ab Seite 10.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Libertas Ecclesiae
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Re: Verbindlichkeit des II. Vatikanischen Konzils

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Mittwoch 26. Juli 2017, 17:39

Wer einen Ritus ändert, verletzt einen Gott.
(Nicolás Gómez Dávila)

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