Bischofssynode über die Familie 2014-15

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Jorge_
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Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Jorge_ » Freitag 1. November 2013, 20:28

Zu dem Ende Okt. 2013 im Vorfeld der Synode an die Bistümer verschickten Fragebogen hat der ital. Vatikanbeobachter Andrea Tornielli einen Artikel im Vatican Insider veröffentlicht.

„Dokument an die Bischöfe in aller Welt gesandt: Es geht um Formen des Zusammenlebens, Paare ohne Trauschein, gleichgeschlechtliche Partnerschaften.
Die Kirche stellt sich Fragen zu den großen Veränderungen, die das Aussehen der Familie verändert haben.“


Sind sich zum zweiten Mal verheiratete Christen »ihrer irregulären Lage« bewusst?
»Fühlen sie sich an den Rand gestellt und erleben sie die Unmöglichkeit des Empfangs Sakramente als leidvolle Situation?«
Das ist eine der 38 Fragen aus dem Fragebogen, der als Anhang dem kurzen Vorbereitungsdokument für die von Papst Franziskus für Oktober 2014 einberufene außerordentliche Bischofssynode über die Familie beiliegt.

Hier einige übersetzte Passagen:
Andrea Tornielli hat geschrieben: Das Papst möchte die Ortskirchen befragen, um den »Herausforderungen der Familienpastoral« begegnen zu können. In Großbritannien haben die Bischöfe bereits entschieden, den Fragebogen in den Pfarrgemeinden diskutieren zu lassen, und laden alle ein, Vorschläge und Anregungen einzubringen. Schon in den ersten Zeilen wird schwarz auf weiß die neue Vorgehensweise dargelegt, mit der die Arbeit der Synode effizienter und partizipativer gemacht werden soll.
Die erste Etappe wird die außerordentliche Versammlung im Oktober 2014 sein, deren Aufgabe es ist »eine präzisere Bestandsaufnahme vorzunehmen und die Zeugnisse und Vorschläge der Bischöfe zu sammeln.«
Als zweiter Schritt folgt die ordentliche Synode 2015, die »Leitlinien für das pastorale Handeln am Menschen in der Familie suchen« soll.

Das Dokument, das den Bischöfen in aller Welt in diesen Tagen zugegangen ist, beschreibt offen die »unerhörten Problematiken«, die sich in den letzten Jahren verschärft gezeigt haben: immer stärkere Verbreitung nichtehelicher Lebensgemeinschaften, »die keine Ehe eingehen und den Gedanken an eine Heirat manchmal sogar ausdrücklich zurückweisen«; Partnerschaften zwischen Personen des gleichen Geschlechts, »denen bisweilen die Adoption von Kindern gestattet wird«; interreligiös gemischte Ehen; Familien mit allein erziehenden Elternteilen; »Ausdrucksformen eines kirchenfeindlichen Feminismus«; die Ausbreitung des Phänomens der Leihmutterschaft. Vor allem aber sei »im eigentlichen kirchlichen Raum eine Schwächung oder das Abhandenkommen des Glaubens« an das Sakrament der Ehe und an die »therapeutische Kraft« der Beichte zu verzeichnen.

Es sei daher »dringend vonnöten«, dass das Weltepiskopat seine Aufmerksamkeit auf diese Probleme richte. »Denkt man zum Beispiel allein an die Tatsache«, so lautet ein wichtiger Absatz, »dass im gegenwärtigen Kontext viele aus irregulären Ehen geborene Kinder und Jugendliche ihre Eltern niemals beim Empfang der Sakramente erleben, so versteht man die Dringlichkeit der Herausforderungen, denen sich die Evangelisierung in der aktuellen Situation gegenüber sieht (...). Diese Realität findet ihr passgenaues Gegenstück in der breiten Aufnahme, auf die in unseren Tagen die Lehre von der göttlichen Barmherzigkeit und die Weisung zur zärtlich mitfühlenden Sorge für innerlich und äußerlich verletzte Menschen erfährt: Die Erwartungen, die sich daraus für die pastoralen Wege im Blick auf die Familie ergeben, sind außergewöhnlich weitreichend.« Damit spricht das Dokument, das eindeutig die Handschrift des Papstes trägt, von großen Erwartungen, die in eine erneuerte Pastoral gegenüber den »verletzten Menschen« gesetzt werden. Es werden weder Türen geschlossen, noch beschränkt man sich auf die einfache Auflistung der bereits bekannten doktrinären Positionen.
Andrea Tornielli hat geschrieben: Im zweiten Teil des Dokuments werden auf drei Seiten die biblischen und lehramtlichen Grundlagen zum Thema Ehe und Familie zusammengefasst. Schließlich werden 38 Fragen aufgelistet. Darin wird um Auskünfte über die Verbreitung und Aufnahme der Lehre der Kirche zu dieser Materie gebeten; man fragt, auf welche Schwierigkeiten ihre Umsetzung in der Praxis stößt und ob diese Lehre auf allen Ebenen Eingang in die pastoralen Planungen und Programme findet. Ebenso wird um Auskunft gebeten, welche Punkte außerhalb des kirchlichen Milieus am stärksten angegriffen oder zurückgewiesen werden.
Einige Fragen beziehen sich auf das so genannte »Naturrecht«.
Andrea Tornielli hat geschrieben:Die Synode will wissen, ob beispielsweise »nicht praktizierende oder sich als nichtgläubig bezeichnende Getaufte die kirchliche Eheschließung verlangen« und wie »die pastoralen Herausforderungen bewältigt werden, die sich daraus ergeben.« Anschließend wird auf Fragen der Familienpastoral und der Begleitung von Paaren in Krisensituationen eingegangen. In Bezug auf »schwierige Situationen des Ehelebens«, mit denen sich zahlenmäßig die meisten Fragen beschäftigen, wird etwa gefragt, wie stark das nichteheliche Zusammenleben von Paaren verbreitet ist, ob es freie Partnerschaften gibt, oder wie relevant die Problematik getrennt lebender und geschiedener Partner ist, die neue Verbindungen eingehen: »Auf welche Weise wird diese Wirklichkeit in dazu geeigneten pastoralen Programmen angegangen?«

Und weiter: »Wie erleben die Getauften ihre regelwidrige Lage? Sind sie sich ihrer bewusst? Zeigen sie sich schlicht indifferent? Fühlen sie sich an den Rand gestellt und erleben sie die Unmöglichkeit des Empfangs Sakramente als leidvolle Situation?«

Außerdem: »Welche Anfragen richten wieder verheiratete Geschiedene bezüglich der Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung an die Kirche? Wie viele der Personen, die sich in einer solchen Lage befinden, erbitten den Empfang dieser Sakramente?«

Besonders wichtig ist die Frage zur Ehenichtigkeit: »Könnte eine Beschleunigung des kanonischen Verfahrens zur anerkannten Feststellung der Nichtigkeit des Ehebandes einen wirklich positiven Beitrag zur Lösung der Problematik bieten, in der sich die Betroffenen befinden? Und wenn ja, wie ist das zu erreichen?«
Dieser Weg, nämlich die Beschleunigung von Annullierungsverfahren, war zuvor bereits von Benedikt XVI. und später auch von Franziskus selbst in dem Interview angesprochen worden, das er der Presse auf seinem Rückflug von Rio de Janeiro gab. Bei dieser Gelegenheit hatte der Papst auch die in den orthodoxen Kirchen geltende Praxis erwähnt. Dort können Zweitehen in einigen Fällen nach einem Weg der Buße gesegnet werden.

»Gibt es eine pastorale Lösung, um solchen Fällen zu begegnen? Wie wird den getrennt lebenden und geschiedenen Personen, die erneut geheiratet haben, die Barmherzigkeit Gottes verkündet, und wie wird die Unterstützung ihres Glaubensweges durch die Kirche konkret umgesetzt?«
Zur Frage der Homoehe:
Andrea Tornielli hat geschrieben: Der Fragebogen befasst sich auch mit Partnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts. »Welche pastorale Betreuung ist gegenüber jenen Personen möglich, die sich entschieden haben, in derartigen Verbindungen zu leben?« Und dann: »Welche pastorale Vorgehensweise ist im Falle der Partnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts, die Kinder adoptiert haben, im Hinblick auf die Weitergabe des Glaubens zu wählen?«
Humanae vitae und der Ausblick:
Andrea Tornielli hat geschrieben: Schließlich wird auch auf Fragen zur Lehre der Enzyklika »Humanae vitae« von Paul VI. und zur Empfängnisverhütung eingegangen. So wird etwa gefragt, ob die Lehre von Papst Montini bekannt ist und akzeptiert wird.
Und: »Wie kann eine gegenüber der Entstehung des Lebens offenere Mentalität gefördert werden?«
Tornielli berichtet, zuletzt werde nach möglichen zusätzlichen Themen und Vorschlägen gefragt, die im Zusammenhang mit diesen als dringlich bezeichneten Herausforderungen stehen und von den Empfängern eingebracht werden sollen, falls sie in dem Fragebogen nicht angesprochen wurden.

Insgesamt lasse sich ein umfassender und partizipativer Ansatz erkennen. Es zeige sich der klare Wille, Antworten zu finden „angesichts des stummen Schismas immer zahlreicherer Getaufter, die von den Sakramenten ausgeschlossen sind, weil sie mit einem Partner unverheiratet zusammenleben oder als Geschiedene noch einmal geheiratet haben.“
Zuletzt geändert von Jorge_ am Freitag 1. November 2013, 21:03, insgesamt 3-mal geändert.
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Stefan
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Stefan » Freitag 1. November 2013, 20:33

Fr. Dr. theol. Walter Volz, Rom hat geschrieben:Bei dem Fragebogen handelt es sich nicht um eine Meinungsumfrage unter Katholiken über Ehe, Familie und Sexualität. Er wendet sich vielmehr an die Seelsorger, die über ihre Aktivitäten, Erfahrungen und Schwierigkeiten in der Vermittlung der diesbezüglichen kirchlichen Lehre berichten sollen. Das Thema der kommenden Bischofssynode: Pastorale Schwierigkeiten (challenges) hinsichtlich der Familie im Kontext der Evangelisierung. Im begleitenden Schreiben an die Bischöfe liest man zudem, dass besonders Paul VI. mit seiner Enzyklika 'Humanae Vitae' die Lehre der Kirche über Ehe und Familie bereichert hat. Worum es Papst Franziskus geht, ist ein neuer, von Verständnis und Wohlwollen getragener pastoraler Ansatz, nicht eine Änderung der kirchlichen Lehre. Was nicht heißt, dass bisher alles falsch gemacht wurde, aber vielleicht öffnet sich dem Geist Gottes diesmal eine Tür, die sonst verschlossen blieb!
Fr. Dr. theol. Walter Volz, Rom

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Jorge_
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Jorge_ » Freitag 1. November 2013, 20:41

Der Fragebogen richtet sich an die Bischöfe und dient schlicht und einfach der Vorbereitung der Synode, das geht aus Torniellis Artikel ja klar hervor. Wie die Bischöfe bei der Beantwortung vorgehen (ob sie bspw. wie in England offb. vorgesehen eine Art "Dialogprozess" in den Gemeinden daran aufhängen), bleibt ihnen überlassen.
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Maurus
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Maurus » Freitag 1. November 2013, 21:50

Jorge_ hat geschrieben: Humanae vitae und der Ausblick:
Andrea Tornielli hat geschrieben: Schließlich wird auch auf Fragen zur Lehre der Enzyklika »Humanae vitae« von Paul VI. und zur Empfängnisverhütung eingegangen. So wird etwa gefragt, ob die Lehre von Papst Montini bekannt ist und akzeptiert wird.
Und: »Wie kann eine gegenüber der Entstehung des Lebens offenere Mentalität gefördert werden?«
Dafür brauchen die einen Fragebogen? Oh wei...

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Gamaliel
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Gamaliel » Freitag 23. Mai 2014, 11:22

Kardinal Tagle gibt sich schockiert darüber, daß er und zahlreiche seiner Mitbrüder ihre Amtspflichten jahre- und jahrzehntelang offenbar schwer vernachlässigt haben:

Kardinal ‚schockiert’ über Ergebnisse der Umfrage zur Familie

Daraus:
Er sei über die Ergebnisse der vatikanischen Umfrage zur Lehre der Kirche über die Familie „schockiert“, sagte Luis Antonio Kardinal Tagle, der Erzbischof von Manila, gegenüber dem Catholic News Service.

In fast allen Teilen der Welt würden die Menschen nicht wirklich verstehen, was die Kirche zur Familie sage. Dies sei aus der Auswertung der Fragebögen zu erkennen, welche der Vatikan im Vorfeld der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie ausgesandt hat.

koukol
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Re: Vatikanumfrage zur Familienpastoral

Beitrag von koukol » Donnerstag 26. Juni 2014, 12:41

Instrumentum laboris zur Bischofssynode in Rom veröffentlicht
http://www.dbk.de/presse/details/?press ... d5a444c7d9

Der Artikel enthält die Erklärung von Karl. Marx.

Das Dokument selbst ist auf den Seiten des Vatikans abrufbar:
http://www.vatican.va/roman_curia/synod ... ia_ge.html

CIC_Fan
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Bischofssynode 2014

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 10:39

Gestern wurde das Arbeitspapier zur Bischofssynode 214 veröffentlich und ich muß gestehen ich war sehr überrascht als ich es heute morgen gelesen habe
zum ersten mal spricht ein Instrumentum laboris Probleme konkret und deutlich an
http://www.vatican.va/roman_curia/synod ... ia_ge.html
somit kann das Votum der Synode als auch das nachsynodale Schreiben des Papstes nicht undeutlicher sein es ist die erste Weltbischofssynode die offenbar spannend wird und konkrete Auswikungen haben könnte

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overkott
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 11:38

Das Instrumentum Laboris entwickelt zurecht aus der biblischen Botschaft und den kirchlichen Dokumenten einen bleibenden Maßstab für die Kirche in der Welt von heute. Behutsam bewerten die Bischöfe die vielfältigen Problemfelder der Familienpastoral. Dabei lassen sie nicht nach, die Gläubigen im Guten zu bestärken und in der Krise, Möglichkeiten zur Umkehr aufzuzeigen. Auch sprachlich bemühen sich die Bischöfe um Erneuerung, wenn sie etwa "beim großen Geheimnis" ( IL 3 ) dem Sprachgebrauch der Vulgata folgen.

Allerdings erstaunen die Schwierigkeiten mit dem Naturrecht. ( Vgl. IL 21ff. ) Der heilige Bonaventura ermutig über die Jahrhunderte die Bischöfe, das Naturrecht von der Bibel her zu verstehen, um dann erst den Dialog mit den Philosophen zu suchen. Konkret bedeutet dies zunächst, mit dem Apostel Paulus das Verhältnis von mosaischem Sittengesetz und dem Sittengesetz anderer Völker zu verstehen. Die Idee des Apostels ist dabei, Hebräer und Hellenisten in der Kirche in Rom zu versöhnen. Er will damit sagen, dass Gottes Gebote nicht nur den Hebräern offenbart, sondern Menschen auch von Natur aus ins Herz eingeschrieben sind. Paulus leistet damit einen Beitrag zum Verhältnis von Glaube und Vernunft. Von dieser Warte her können die Bischöfe den Dialog mit Naturwissenschaftlern suchen, um die theologischen und philosophischen Grundlagen aller Wissenschaft und die Unterschiede der jeweiligen Fachbereiche weiter aufzuklären. Auch im Hinblick auf die Menschenrechte gilt die Einladung, diese wieder einmal zu lesen. Schon Art. 1 der Menschenrechtscharta weist die Menschenrechte mit dem Begriff der angeborenen Rechte als Naturrecht aus.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 11:57

wo siehst du in dem Text ein Problem mit dem Naturrecht?

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overkott
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 12:14

Willst du dich veräppeln?

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 12:35

ich hab dich schlicht falsch verstanden
es ist einfach schlicht so daß das Naturecht heute nicht mehr als allgemein gültige Norm angesehen wird und das haben viele Leute noch nicht eingesehen und daher nützt eben die Antwort "aber das ist naturrecht" schlicht nichts

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overkott
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 12:48

"In der überwiegenden Mehrheit der Antworten und Bemerkungen erscheint heute in den verschiedenen kulturellen Kontexten das Konzept des „Naturrechts” als solches sehr schwierig, wenn nicht gar unverständlich." ( IL 21 )

Darin kommt ein hermeneutisches Problem von Liebe und Lust zum Ausdruck oder von volonté générale und volonté de tous, das auch im Unterschied zwischen Rechtsstaat und Demokratie einen sichtbaren Ausdruck findet. Analog geht es um die allgemeinen Menschenrechte im Sinne der volonté générale im Unterschied zu den Wertvorstellungen der Einzelnen im Sinne der volonté de tous. Die allgemeinen Menschenrechte als Naturrecht können durchaus dem "natürlichen" Empfinden Einzelner oder einzelner Kulturen entgegen stehen. Dafür steht etwa das Beispiel des Kannibalismus.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 12:53

konkret können wir darüber gerne debattieren wenn die Synode im gange ist
worum es mir geht das zum ersten mal die Situation klar gesehen wird und findet auch in dem Dokument niederwschlag

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 12:57

Man sollte das Instrumentum Laboris als Arbeitsmittel sehen, dass die Weichenstellung durch die Betrachtung von Gottes Wort her im Licht der Bibel und der Dokumente der Kirche in der Welt von heute prinzipiell richtig gestellt hat.

Als Arbeitsmittel bietet es eine gute Diskussionsgrundlage, die für weitere Verbesserungen offen ist.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 13:08

Ja natürlich und so gut wie dieses Arbeitsinstrument war eben noch keines

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 13:21


Öffö öffö.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von taddeo » Freitag 27. Juni 2014, 13:27

CIC_Fan hat geschrieben:Ja natürlich und so gut wie dieses Arbeitsinstrument war eben noch keines
taddeo hat geschrieben:Ich würde mich inzwischen gar nicht mehr wundern, wenn etwa bei den Familien-Bischofssynoden so ein Ergebnis rauskäme wie seinerzeit bei "Humanae vitae", daß die Berater "hü" sagen und der Papst am Ende "hott".
nemini parcetur

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 13:36

oder es könnte auch umgekehrt sein, wobei ich mir nicht virstellen kann daß papst und Synode zu verschiedenen Ergebnissen kommen da der Papst ja eine Aufwertung der Synode will, aber es kann eben nichts verwaschenes sein und das halt ich eben für so gut an dem Papier
Zuletzt geändert von CIC_Fan am Freitag 27. Juni 2014, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 13:37

taddeo hat geschrieben:
CIC_Fan hat geschrieben:Ja natürlich und so gut wie dieses Arbeitsinstrument war eben noch keines
taddeo hat geschrieben:Ich würde mich inzwischen gar nicht mehr wundern, wenn etwa bei den Familien-Bischofssynoden so ein Ergebnis rauskäme wie seinerzeit bei "Humanae vitae", daß die Berater "hü" sagen und der Papst am Ende "hott".
Natürlich bringen Verbesserungen in Details auch Veränderungen mit sich, wenn auch im Dienst einer überzeugenderen Verkündigung und nicht um ihrer selbst willen.

Der Papst wird kaum die ganze Welt befragen und die Bischöfe zur Synode einladen, um anschließend zu verkünden: L'église c'est moi.

Das wäre jedenfalls pastoral unklug.
Zuletzt geändert von overkott am Freitag 27. Juni 2014, 15:43, insgesamt 1-mal geändert.

Ralf
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Ralf » Freitag 27. Juni 2014, 14:40

C'est moi bitte.
Hier im Kreuzgang-Forum ist es weit verbreitet, Gericht über die Bischöfe als Hirten der Kirche zu halten. Manch einer dünkt sich besonders schlau und autoritativ. Man sollte das nicht allzu ernst nehmen.

Kirchenjahr
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Kirchenjahr » Freitag 27. Juni 2014, 15:16

INSTRUMENTUM LABORIS bringt die Schwierigkeiten zwischen Kirche und Gesellschaft sehr deutlich auf den Punkt: Das was die Kirche lange Zeit als Naturrecht vorausgesetzt hat wird in der heutigen Gesellschaft als solches überhaupt nicht mehr verstanden. Das ist nicht nur bei Ehe und Familie so.

Die Revolution des Rechts kriegt man in die Köpfe so schnell wohl nicht hinein. Was kann man denn Eurer Meinung nach dieser Erkenntnis jetzt machen?

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 27. Juni 2014, 15:19

Ich versteh nicht was Du mit "Revolution des Rechtes " meinst

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von overkott » Freitag 27. Juni 2014, 15:57

Stell doch mal bitte näher dar, was du unter Naturrecht verstehst. Beziehst du dich auf Paulus an die Kirche in Rom? Oder auf spätere Entwicklungen? Inwieweit war die spanische Spätscholastik allen Paella-Brätern bekannt? War die Naturrechtsdebatte nicht vielmehr eine akademische?

Inwieweit setzt sich die Naturrechtsdebatte in der Menschenrechtsdebatte fort? In welchem Artikel sind die Menschenrechte im Hinblick auf Ehe und Familie erklärt? Inwieweit sind die Menschenrechte nicht allein Individualrechte? Inwieweit entsprechen sie in ihrem Verständnis von Freiheit und Gleichheit der Bibel?

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Kirchenjahr » Freitag 27. Juni 2014, 21:32

CIC_Fan hat geschrieben:Ich versteh nicht was Du mit "Revolution des Rechtes " meinst
"Man" hat das Naturrecht auf den Kopf gestellt, die Menschen entwurzelt, die Grundordnung des Rechts beseitigt. Das meine ich mit "Revolution". Bitte sieh nach, dass ich mich mißverständlich ausgedrückt habe.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von gc-148 » Freitag 27. Juni 2014, 21:41

Ralf hat geschrieben:C'est moi bitte.
wohl kaum!

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von HeGe » Donnerstag 3. Juli 2014, 14:03

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Pilger » Donnerstag 10. Juli 2014, 15:04

Die Frage der Zulassung von wiederverheiratet geschiedener zur Kommunion kann die Bischofssynode nur mit einen für oder wieder beantwortet werden. Ein sowohl als auch schließt sich von der Natur der Sache und unter Beachtung der 10 Gebote und der eindeutig klaren Aussage von Jesus aus. Keine spitzfindige „barmherzige“ Kasperei also eine weltliche Interpretation des Willen Gottes im Sinne der Menschen des 21. Jahrhunderts kann das Sakrament der Ehe aushebeln. Zudem ist das eigentlich nur ein Randproblem der katholischen Kirche, das nur sehr wenige wenn auch vielfach Prominente Katholiken betrifft. Wir Katholiken müssen uns von den Gedanken verabschieden dass sich die katholische Kirche durch „Reformen“ der Welt anpassen muss, muss sie nicht ganz im Gegenteil. Wir glaubt das er diese Anpassung durch medialen Druck erzwingen muss stürzt die katholische Kirche in die schwerste Krise seit der Reformation und nimmt billigend ein weiteres Kirchenschisma in Kauf. Wir sind eben nicht Kirche, sondern Gläubige. Wir müssen dem Herrn nachfolgen auf den engen steilen und schmalen Weg auf den wir von der Welt angegriffen werden. so sei es > Amen
Komm bald Herr Jesu
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach,
der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren;
und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden."

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Gamaliel » Freitag 25. Juli 2014, 21:31

Kardinal Baldisseri, Sekretär der Synode, gibt Auskunft über diverse Modalitäten und Neuerungen im (organisatorischen) Ablauf der bevorstehenden Bischofssynode:

Changes in synod process designed to increase discussion, cardinal says

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von taddeo » Freitag 15. August 2014, 09:07

Oster: Familiensynode könnte positive Stimmung für Papst kippen
Die Bischofssynode zur Familienpastoral im Oktober im Vatikan könnte nach Ansicht des Passauer Bischofs Stefan Oster ein Einschnitt sein in Bezug auf die positive Stimmung gegenüber Papst Franziskus. Viele Menschen erwarteten sich entscheidende Reformen. «Aber die Kirche wird nicht die Schritte gehen können, die die Mehrheit der Menschen erwartet», sagte Oster der «Augsburger Allgemeinen» (Donnerstag).
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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 15. August 2014, 12:43

das glaube ich nicht ich wette gerne daß die bisherigen Positionen und die sie vertretenten Synodenväter sich in der selben Position sehen werden wie der Coutus internationalis Patrum nach 1963 am Konzil
schaun wir jetzt mal wer dem von den Bischöfen zu Synodenväter gewählt werden und vor allem wem der Papst selbst beruft

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von Athanasius0570 » Freitag 15. August 2014, 13:33

Das wird ja spannend. Danach wird hoffentlich klarer sein, wer den Papst "richtiger" interpretiert.
In una fide nil officit ecclesiae consuetudo diversa. Gregorius Magnus Papa.

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Re: Bischofssynode über die Familie 2014-15

Beitrag von CIC_Fan » Freitag 15. August 2014, 13:47

das wissen wir erst wenn der hl. Vater dann das nachsynodale Schreiben vorlegt

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