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Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 01:26
von Petrus
Die "Ortskirchensteuer" stellt sich für mich, wie ich den oben verlinkten Artikeln entnahm, vor allem als innerkirchliches "Kampfgebiet" dar.

Die jeweilige Pfarrei entscheidet, ob Ortskirchensteuer erhoben wird. Das (wohl ziemlich geringe) Ergebnis der Ortskirchensteuer fließt, anders als das Ergebnis der Kirchensteuer, direkt der jeweiligen Pfarrei zu.

Nun aber kommen nur diejenigen Pfarreien, die Ortskirchensteuer erheben, in den Genuß der vollen Zuschüsse der Diözese.

Da ist die Entscheidung nicht ganz einfach, für die Pfarrei. Wollen wir nun Ärger mit den Gläubigen und die vollen Zuschüsse der Diözese, oder Frieden und weniger Geld?

Die Diözese ist da natürlich fein raus - die Pfarrei entscheidet ja ...

Und ausbaden darf das dann das Personal vor Ort. Die In der Zentrale könnnen sich entspannt zurücklehnen.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 01:31
von Caviteño
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
In NRW wäre Erhebung eines Ortskirchengeldes vom Kirchensteuergesetz gedeckt:
§ 2

(1) Kirchensteuern können nach Maßgabe der Steuerordnungen

1. als Diözesankirchensteuer oder Landeskirchensteuer,

2. als Ortskirchensteuer

3. nebeneinander als Diözesankirchensteuer oder Landeskirchensteuer und als Ortskirchensteuer

erhoben werden.

(2) Die Steuerordnungen werden von den Diözesen der Katholischen Kirche und den Evangelischen Landeskirchen erlassen.
http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-nrw.htm

Die Erhebung des oben erwähnten "besonderen Kirchgeldes" wäre auch in NRW möglich (§ 4 I Zif. 5 KiStG NRW).

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 15:03
von HeGe
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 15:09
von Sascha B.
HeGe hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:03
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Im Bistum Regensburg gibt es sie, wobei sie kaum wer bezahlt und die Gemeinden das Geld auch nicht eintreiben.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 15:17
von Niels
So etwas ist auch nicht nötig, sondern führt vermutlich eher zu noch mehr Kirchenaustritten.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 16:27
von taddeo
Sascha B. hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:09
HeGe hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:03
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Im Bistum Regensburg gibt es sie, wobei sie kaum wer bezahlt und die Gemeinden das Geld auch nicht eintreiben.
Offensichtlich ist die Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Kirchensteuer selbst bei praktizierenden Katholiken erheblich. :auweia:

Details kann man zutreffend zB bei Frl. Vicky Pedia nachlesen. Grundsätzlich ist es so, daß die Kirchensteuer in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist. In Bayern und Baden-Würrtemberg beträgt sie 8% der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesändern 9%. Dafür wird in Bayern (von BW weiß ich es nicht) zusätzlich das sogenannte "Kirchgeld" erhoben, das ungeschmälert der Pfarrei zukommt und meist um die 2-3 € pro Person mit eigenem Einkommen beträgt. Eingetrieben wird das nicht, weil der Aufwand es nicht lohnt. Meine Erfahrung ist, daß es die regelmäßigen Kirchgänger gerne zahlen und meist einen deutlich höheren Betrag spenden als verlangt, so daß doch ein schöner Betrag für die Pfarreibelange zusammenkommt.
In den Bundesländern mit dem 9%-Satz wird dafür i. d. R. auf das Kirchgeld verzichtet.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 17:46
von Niels
Für mich schädigt das die Glaubwürdigkeit der Kirche. Besser wäre eine Türkollekte für ortskirchliche Belange.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 22:08
von Libertas Ecclesiae
taddeo hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 16:27
Offensichtlich ist die Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Kirchensteuer selbst bei praktizierenden Katholiken erheblich. :auweia:

Details kann man zutreffend zB bei Frl. Vicky Pedia nachlesen. Grundsätzlich ist es so, daß die Kirchensteuer in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist. In Bayern und Baden-Würrtemberg beträgt sie 8% der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesändern 9%. Dafür wird in Bayern (von BW weiß ich es nicht) zusätzlich das sogenannte "Kirchgeld" erhoben, das ungeschmälert der Pfarrei zukommt und meist um die 2-3 € pro Person mit eigenem Einkommen beträgt. Eingetrieben wird das nicht, weil der Aufwand es nicht lohnt. Meine Erfahrung ist, daß es die regelmäßigen Kirchgänger gerne zahlen und meist einen deutlich höheren Betrag spenden als verlangt, so daß doch ein schöner Betrag für die Pfarreibelange zusammenkommt.
In den Bundesländern mit dem 9%-Satz wird dafür i. d. R. auf das Kirchgeld verzichtet.
Das stimmt so nicht ganz. Das sogenannte Kirchgeld wird durchaus auch in Bundesländern mit dem Neun-Prozent-Satz erhoben, beispielsweise in Hessen und Thüringen. Hier wird sogar ein „besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ verlangt.

Im Bistum Fulda kann die Ortskirchensteuer als festes oder gestaffeltes Kirchgeld erhoben werden, in ländlichen Gemeinden (gestaffelt nach der Höhe der Einkünfte oder Bezüge) sogar bis zu einer Höhe von 400 Euro!

Auch Renter oder Pensionisten sind zur Zahlung des Kirchgelds verpflichtet, normalerweise aber nur bis zu einer Höhe von 40 Euro.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonnabend 11. November 2017, 22:54
von ziphen
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 22:08
Hier wird sogar ein „besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ verlangt.
Das ist üblich. Ich glaube, das gibt es in jeder Landeskirche und jedem Bistum. Das wird statt der Kirchensteuer erhoben, wenn eigentlich nur ein Ehepartner bei gemeinsamer steuerlicher Veranlagung kirchensteuerpflichtig wäre.

In Niedersachsen ist die Ortskirchensteuer übrigens auch generell möglich. Das niedersächsische Kirchensteuerrahmengesetz ermöglicht die Erhebung. Die Hannoversche Landeskirche hat auch aufgrund dessen weitergehende Regelungen dazu in ihrem Kirchensteuerrecht. Gemeinden könnten diese erheben, falls sie wollten und die Landeskirche es genehmigte. Ich weiß nicht, ob das von Gemeinden gemacht wird. Was die Bistümer machen, weiß ich nicht.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonntag 12. November 2017, 09:32
von CIC_Fan
die BRD ist schon ein komisches Land hier gibts den Kirchenbeitrag und sonst nichts

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Montag 13. November 2017, 23:17
von umusungu
Niels hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 17:46
Für mich schädigt das die Glaubwürdigkeit der Kirche. Besser wäre eine Türkollekte für ortskirchliche Belange.
Die meisten Kollekten sind hier bei uns für die Pfarrei.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 14. November 2017, 02:24
von Niels
So kenne ich das auch.

Alles andere ist aus meiner Sicht kontraproduktiv.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 28. November 2017, 21:32
von taddeo
Sascha B. hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:09
HeGe hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:03
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Im Bistum Regensburg gibt es sie, wobei sie kaum wer bezahlt und die Gemeinden das Geld auch nicht eintreiben.
Ein kleiner Nachtrag dazu, weil ich das zufällig grad gelesen habe:

Die Pfarrei Passau-Innstadt (St. Severin und St. Gertraud) hat ca. 4.000 Katholiken, ist also eine mittelgroße Stadtpfarrei. Im jüngsten Pfarrbrief ist zu lesen:
Auch in diesem Jahr haben Pfarrangehörige und Gäste durch großzügige Spenden beim Kirchgeld zur Finanzierung unserer Pfarrei einen wesentlichen Beitrag geleistet. Das Kirchgeld ist ein wesentlicher Pfeiler unser Einnahmen. Bis Ende Oktober 2017 sind bisher 13.575 € eingegangen. Und es „tröpfelt“ immer noch ein wenig weiter. Dafür allen Spendern vielen herzlichen Dank.
So wenig ist das also gar nicht, selbst in einer Stadtpfarrei mit sehr vielen Studenten in der Bevölkerung.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Donnerstag 7. Dezember 2017, 12:16
von Yeti
Wie geht es nach dem Finanzskandal im Freiburger Erzbistum weiter?
Am Freitag und Samstag geht es um den Etat der Erzdiözese Freiburg für die kommenden beiden Jahre. Die Kirchensteuervertretung, ein 40-köpfiges Gremium aus Geistlichen und Laien, wird den Finanzplan beraten – der ist geprägt von gewaltigen Rückstellungen. Denn die Erzdiözese will 160 Millionen Euro bereit halten, um alle möglichen Folgen aus dem im Oktober öffentlich gewordenen Finanzskandal um Sozialbeiträge aufzufangen. Erzbischof Stephan Burger hatte Transparenz und Offenheit auch für die Finanzen seiner Diözese versprochen. Doch davon ist wenig zu verspüren, wenn man derzeit mehr über die näheren Umstände des Finanzskandals wissen will. Auch zwei Monate nach dessen Bekanntwerden heißt es stets: Es gebe keine neuen Erkenntnisse, an der Summe von 160 Millionen Euro mache man deshalb auch keine Abstriche.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Donnerstag 7. Dezember 2017, 14:43
von Petrus
danke, Yeti.

Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde:

es gibt ja in jeder (deutschen) (Erz-)Diözese zwei Haushalte. Der eine ist der veröffentlichte Haushalt, mit Kirchensteueraufkommen, Schaubilder, Grafiken, und so.

Der zweite Haushalt ist der des (erz-)bischöflichen Stuhls.

Hat jemand Ahnung, wie es damit im Erzbistum Freiburg ausschaut?

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Donnerstag 7. Dezember 2017, 14:58
von Yeti
Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 7. Dezember 2017, 14:43
danke, Yeti.

Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde:

es gibt ja in jeder (deutschen) (Erz-)Diözese zwei Haushalte. Der eine ist der veröffentlichte Haushalt, mit Kirchensteueraufkommen, Schaubilder, Grafiken, und so.

Der zweite Haushalt ist der des (erz-)bischöflichen Stuhls.

Hat jemand Ahnung, wie es damit im Erzbistum Freiburg ausschaut?
Das Ganze ist noch viel perfider: Letztendlich haftet anscheinend jede einzelne Pfarrgemeinde für entstandene Schäden selbst:
Badische Zeitung hat geschrieben:Damit stehen am Ende die Stiftungsräte, die offiziell das Vermögen ihrer Gemeinde eigenständig verwalten und über das Personal entscheiden, alleine in der Verantwortung. In Paragraph 21 der Ordnung für die Stiftungsräte heißt es im ersten Satz: "Im Falle einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung haften die Mitglieder des Stiftungsrates der Kirchengemeinde für den dadurch entstandenen Schaden." Will heißen: Pfarrer und engagierte Gemeindemitglieder haften mit ihrem persönlichen Vermögen für Schäden durch unzureichende Rentenzahlungen – auch wenn die unzureichend sind aufgrund der Beratung durch die Verrechnungsstelle. Und vor deren Fehler sie auch der bistumseigene Rechnungshof nicht hat schützen können.
Abzurufen, leider nur bei Registrierung, hier.
Bild

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Donnerstag 7. Dezember 2017, 15:09
von Yeti
Hier findet man den letzten publizierten Haushaltsplan der Erzdiözese Freiburg. Mein Eindruck ist, dass die einzelnen Posten ziemlich allgemein gehalten sind. Um die Finanzströme der realen Buchführung nachvollziehen zu können, sitzen wir vermutlich alle am falschen Platz.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 12. Dezember 2017, 20:10
von Yeti
Erzbistum Hamburg: Massive Reformen notwendig
Das Erzbistum Hamburg hat ein Finanzproblem: Bereits jetzt hat die Diözese Schulden in Höhe von 79 Millionen Euro. Eine Beratungsfirma mahnt Reformen an, denn die Summe wird wachsen. [...] Die Diözese sei überschuldet und habe über ihre Verhältnisse gelebt, heißt es in einem Bericht, den das Erzbistum Hamburg am Montag nach Abschluss eines dreimonatigen Beratungsprozesses auf seiner Homepage veröffentlichte. [...] Selbst mit bereits ergriffenen und geplanten Maßnahmen könnten die Schulden nur um 32 Millionen Euro reduziert werden. Dazu gehört beispielsweise die Zusammenlegung der bestehenden drei Caritasverbände, die Erhöhung des Schulgelds an den katholischen Schulen sowie ein sozialverträglicher Stellenabbau im Generalvikariat.
:klatsch: Ich schlage als ABM solidarisches Koka-Pflanzen-Kauen für bolivianische Anden-Bauern in der Fußgängerzone vor. Das vertreibt auch den Hunger.
Trotz der drastischen Analysen zieht die Diözese ein optimistisches Fazit: "Bei einem gemeinschaftlichen Handeln im Erzbistum Hamburg kann die wirtschaftliche Überschuldung überwunden werden", heißt es am Ende des Berichts.
Bild

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 12. Dezember 2017, 22:00
von Petrus
danke, Yeti.

Mein Mitleid in dieser Sache hält sich in Grenzen.

ein Priester des Erzbistums Hamburg wurde (Eigenaussage) zwangspensioniert, weil er sich geweigert hatte, die Pfarrei, in der er gedient hatte, in eine Pfarreiengemeinschaft (sagt man das so?) überführen zu lassen.

nuja.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 12. Dezember 2017, 22:11
von Yeti
Petrus hat geschrieben:
Dienstag 12. Dezember 2017, 22:00
danke, Yeti.

Mein Mitleid in dieser Sache hält sich in Grenzen.

ein Priester des Erzbistums Hamburg wurde (Eigenaussage) zwangspensioniert, weil er sich geweigert hatte, die Pfarrei, in der er gedient hatte, in eine Pfarreiengemeinschaft (sagt man das so?) überführen zu lassen.

nuja.
Dasselbe Phänomen kenne ich aus dem EB Freiburg...da ging der damalige EB Zollitsch sogar so weit, dass er seinen aktiven Priestern einschärfte, den pensionierten Priester nirgendwo die Messe lesen zu lassen. Als er dies dann doch an Sonntagen in der Kapelle eines Altenheims regelmäßig tun konnte, war die kleine Kapelle immer bis in den Flur hinaus gefüllt. Seine (ehem.) Gemeinde war ihm gefolgt.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Mittwoch 13. Dezember 2017, 07:34
von Raphael
Yeti hat geschrieben:
Donnerstag 7. Dezember 2017, 14:58
Petrus hat geschrieben:
Donnerstag 7. Dezember 2017, 14:43
danke, Yeti.

Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde:

es gibt ja in jeder (deutschen) (Erz-)Diözese zwei Haushalte. Der eine ist der veröffentlichte Haushalt, mit Kirchensteueraufkommen, Schaubilder, Grafiken, und so.

Der zweite Haushalt ist der des (erz-)bischöflichen Stuhls.

Hat jemand Ahnung, wie es damit im Erzbistum Freiburg ausschaut?
Das Ganze ist noch viel perfider: Letztendlich haftet anscheinend jede einzelne Pfarrgemeinde für entstandene Schäden selbst:
Badische Zeitung hat geschrieben:Damit stehen am Ende die Stiftungsräte, die offiziell das Vermögen ihrer Gemeinde eigenständig verwalten und über das Personal entscheiden, alleine in der Verantwortung. In Paragraph 21 der Ordnung für die Stiftungsräte heißt es im ersten Satz: "Im Falle einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung haften die Mitglieder des Stiftungsrates der Kirchengemeinde für den dadurch entstandenen Schaden." Will heißen: Pfarrer und engagierte Gemeindemitglieder haften mit ihrem persönlichen Vermögen für Schäden durch unzureichende Rentenzahlungen – auch wenn die unzureichend sind aufgrund der Beratung durch die Verrechnungsstelle. Und vor deren Fehler sie auch der bistumseigene Rechnungshof nicht hat schützen können.
So einfach wird das meiner Einschätzung nach alles nicht sein. :hmm:

Die Fehler sind - so sie denn überhaupt gemacht worden sind - bei der Personalabrechnung vorgekommen. Diese aber macht heutzutage vermutlich keine Pfarrei im EB Freiburg für sich alleine, sondern die Tätigkeit ist - wie man heute so schön sagt - "outgesourct". D.h. irgendwelche ausgelagerten Verwaltungseinheiten nehmen diese Abrechnungen vor. Diese Vorgehensweise hat klare ökonomische Vorteile. Es könnte bspw. sein, daß eine Abteilung im Generalvikariat diese Abrechnungen macht.

Auch wenn also zunächst die Pfarrei für die entstandenen Schäden bei der SV-Versicherung und beim Fiskus haften muß, kann sie Regressansprüche an diese Abrechnungseinheiten - evtl. also das GV - stellen. Diese wiederum dürften in aller Regel gegen solche Regressansprüche versichert sein (Vermögensschadenhaftflichtversicherung).

Auch der Eigentümer der Abrechnungseinheiten selber kann womöglich in Regress genommen werden. Wenn's also das GV wäre, dann würde das EB Freiburg für den Schaden aufkommen müssen und hat daher auch in seinem eigenen Haushalt (!!!) eine Rücklage (präziser wäre da Rückstellung!!! :doktor: ) gebildet.
Davor ist allerdings noch fleißig Sachverhaltsaufklärung zu betreiben und eine Menge an rechtlichen Problemen (Vorsatz, Fahrlässigkeit etc.) zu lösen.

Der Pfarrer und sein liebes Geld:

Verfasst: Mittwoch 13. Dezember 2017, 18:08
von Petrus
"Das Erzbistum Freiburg hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen einen ehemaligen Dekan und Pfarrer erstattet. [...] Die Staatsanwaltschaft Mannheim ließ daraufhin an diesem Dienstag (12. Dezember) die Diensträume des Beschuldigten durchsuchen. Das Amtsgericht Mannheim hat am 13. Dezember gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr erlassen und in Vollzug gesetzt."

Quelle, und ganzer Artikel:
http://www.ebfr.de/html/aktuell/aktuell ... fault=true

Re: Der Pfarrer und sein liebes Geld:

Verfasst: Mittwoch 13. Dezember 2017, 19:29
von Yeti
Petrus hat geschrieben:
Mittwoch 13. Dezember 2017, 18:08
"Das Erzbistum Freiburg hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen einen ehemaligen Dekan und Pfarrer erstattet. [...] Die Staatsanwaltschaft Mannheim ließ daraufhin an diesem Dienstag (12. Dezember) die Diensträume des Beschuldigten durchsuchen. Das Amtsgericht Mannheim hat am 13. Dezember gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr erlassen und in Vollzug gesetzt."

Quelle, und ganzer Artikel:
http://www.ebfr.de/html/aktuell/aktuell ... fault=true
Krass. Oder, um mit Asterix & Obelix zu sprechen: "Crassus Vampus". Das Ende des Artikels hat mich aufhorchen lassen:
Das Erzbistum nimmt seine Prüf- und Kontrollaufgaben durch die institutionellen Veränderungen, die seit dem Amtsantritt Burgers umgesetzt wurden, konsequent wahr. Erzbischof Burger betreibt seit seinem Amtsantritt eine stringente Evaluation und Neuorganisation des Erzbistums nach modernen Management-Prinzipien. „Wir gehen sorgfältig und überlegt vor“, so Erzbischof Stephan Burger, „und handeln konsequent und transparent. Es gilt, unsere diözesane Organisation und Struktur zu modernisieren und für die Zukunft auszurichten. Das ist meine Absicht.“ Dekanate, Kirchengemeinden, Caritas und ihre Institutionen sind rechtlich unabhängig. Erzbischof Burger möchte die Menschen und Institutionen daher ermutigen, den Weg in die Zukunft gemeinsam zu gehen.
Was das für die Amtszeit seines Vorgängers heißt, kann man sich vorstellen. Nix Gutes auf jeden Fall. Gerüchten zufolge soll Zollitsch auch nicht gerade ein Freund von Burger sein...vielleicht schwante ihm ja was. Mir gefällt auf jeden Fall die Art, wie EB Burger das Ordinariat in ein "Dienstleistungsbetrieb" ändern will (d.h. vor allem die dort bislang offenbar herrschende Mentalität von "Kirchenbeamtentum"). Ein neuer Wind... :)

Aber diese neue Geschichte hat ja m.W. nichts mit den Rentenbeiträgen zu tun, oder? Kommt da noch mehr???

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Mittwoch 13. Dezember 2017, 20:25
von Petrus
mir gefällt die Art, wie Erzbischof Burger agiert, auch sehr gut.

Wenn ich nicht schon im Ruhestand wäre, würde ich den sofort anstellen. In welcher Position auch immer.

ich vermute mal, der hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Sumpf, von dem zumindest ich keinerlei Ahnung hatte, auszutrocknen. Und auch gehört zu den Aufgaben eines Bischofs.

Und: er hat Flagge gezeigt, und ein Signal gesetzt.

ad multos annos, Stephan Burger.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Freitag 15. Dezember 2017, 14:14
von HeGe

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Sonntag 17. Dezember 2017, 22:41
von Niels
Daraus:
Laut Kirchenrechtler Thomas Schüller sollen auch Magdeburg, Essen, Hildesheim und Mainz finanzielle Probleme haben.
Das ist mir als Quelle etwas zu dünn.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Montag 18. Dezember 2017, 08:10
von Raphael
Niels hat geschrieben:
Sonntag 17. Dezember 2017, 22:41
Daraus:
Laut Kirchenrechtler Thomas Schüller sollen auch Magdeburg, Essen, Hildesheim und Mainz finanzielle Probleme haben.
Das ist mir als Quelle etwas zu dünn.
Wobei die Quelle selber durchaus fett sein kann, aber nicht muß! ;D

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Montag 18. Dezember 2017, 09:28
von Petrus
Niels hat geschrieben:
Sonntag 17. Dezember 2017, 22:41
Daraus:
Laut Kirchenrechtler Thomas Schüller sollen auch Magdeburg, Essen, Hildesheim und Mainz finanzielle Probleme haben.
Das ist mir als Quelle etwas zu dünn.
Da hast Du sicher recht.

In meinem Theologiestudium habe ich gelernt, dass ich zunächst alle mir verfügbaren Quellen mir zugänglich machen soll, und dann einsortieren, usw. ...

so.

Ausgangspunkt für mich in diesem Fall ist der Bericht von kathnet, der auf ORF referenziert:

ORF: http://religion.orf.at/stories/2883932/

ORF referenziert auf KNA.

Hier der KNA-Bericht, in mehreren Bistumsblättern:

http://www.bistumspresse.de/content/deu ... zproblemen
https://www.domradio.de/themen/bist%C3% ... zproblemen
https://www.kirche-und-leben.de/artikel ... iell-geht/
http://www.tag-des-herrn.de/content/deu ... zproblemen

ich halte die Quellenlage für einigermaßen stabil.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Dienstag 19. Dezember 2017, 03:29
von Caviteño
Ich habe mir das mal für das Bistum Essen angeschaut. Das Problem sind dort wohl die Pensionsverpflichtungen. In dem verlinkten Artikel heißt es dazu:
Essen macht eine große Deckungslücke bei der Altersversorgung zu schaffen.
http://www.tag-des-herrn.de/content/deu ... zproblemen

Die Versorgungverpflichtungen sind im Bistum Essen in einen Versorgungsfonds ausgelagert. Der ist für die Versorgung der Geistlichen, der beamtenähnlich Beschäftigten (Lehrer und Laienbedienstete) sowie für die Zusatzversorgung der Haushälterinnen zuständig.
Dem Fond macht die Nullzinspolitik der EZB zu schaffen.
Die gesamte Deckungsverpflichtung belief sich danach zum 31. Dezember 2016 auf 178,3 Mio. Euro
(entsprechend auch das Treuhandvermögen). Dieser Berechnung liegt u. a. die vom Gesetzgeber vorgegebene Annahme zugrunde, dass das (im Wesentlichen in Wertpapieren) angelegte Kapital pro Jahr zu 4,01 % verzinst. Vor dem Hintergrund des bereits über einen längeren Zeitraum beobachtbaren Trends zu niedrigen Zinsen erscheint diese Vorgabe zu hoch.
https://www.bistum-essen.de/fileadmin/r ... t_2016.pdf

Insofern nichts Außergewöhnliches, denn das Problem haben alle kapitalgedeckten Vorsorgeeinrichtungen.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Freitag 22. Dezember 2017, 06:23
von Vir Probatus
http://www.kath.net/news/62151
Ausgerechnet der oberste Papstberater, Kardinal Maradiaga, soll jahrelang von seiner katholischer Universität ein monatliches (!) Gehalt von etwa 35.000 Euro erhalten haben. Bei Finanzspekulation soll er 1 Million Euro verloren haben.
Bei solchen Summen spielt es dann schon eine untergeordnete Rolle, welches Auto ein Pfarrer fährt oder was der Umbau eines Bischofshauses kostet.
Es ist wirklich wohltuend, daß solche Dinge heutzutage bekannt werden.

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Freitag 22. Dezember 2017, 06:50
von Caviteño
Vir Probatus hat geschrieben:
Freitag 22. Dezember 2017, 06:23
Es ist wirklich wohltuend, daß solche Dinge heutzutage bekannt werden.
Wurde der Kardinal vor dem Konklave nicht auch als "papabile" gehandelt?

Ich meine mich so dunkel erinnern zu können und wenn ich mir den Strang Nachfolger auf dem Stuhl Petri anschaue wurde er als einer der Topkandidaten gehandelt.

Gut, das wir uns geirrt haben.....

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Verfasst: Freitag 22. Dezember 2017, 11:43
von Niels
Abwarten. Das nächste Konklave kommt bestimmt.
Vir Probatus hat geschrieben:
Freitag 22. Dezember 2017, 06:23
Es ist wirklich wohltuend, daß solche Dinge heutzutage bekannt werden.
In der Tat!