"Die Kirche und das liebe Geld"

Allgemein Katholisches.

Moderator: taddeo

Benutzeravatar
Petrus
Beiträge: 526
Registriert: Sonntag 5. Oktober 2003, 20:58

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Petrus » Sonnabend 11. November 2017, 01:26

Die "Ortskirchensteuer" stellt sich für mich, wie ich den oben verlinkten Artikeln entnahm, vor allem als innerkirchliches "Kampfgebiet" dar.

Die jeweilige Pfarrei entscheidet, ob Ortskirchensteuer erhoben wird. Das (wohl ziemlich geringe) Ergebnis der Ortskirchensteuer fließt, anders als das Ergebnis der Kirchensteuer, direkt der jeweiligen Pfarrei zu.

Nun aber kommen nur diejenigen Pfarreien, die Ortskirchensteuer erheben, in den Genuß der vollen Zuschüsse der Diözese.

Da ist die Entscheidung nicht ganz einfach, für die Pfarrei. Wollen wir nun Ärger mit den Gläubigen und die vollen Zuschüsse der Diözese, oder Frieden und weniger Geld?

Die Diözese ist da natürlich fein raus - die Pfarrei entscheidet ja ...

Und ausbaden darf das dann das Personal vor Ort. Die In der Zentrale könnnen sich entspannt zurücklehnen.
amor vincit omnia.
(c) by P. Valentin Rathgeber OSB.

Caviteño
Beiträge: 8062
Registriert: Sonntag 14. März 2010, 02:31
Wohnort: Diözesen Imus und Essen

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Caviteño » Sonnabend 11. November 2017, 01:31

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
In NRW wäre Erhebung eines Ortskirchengeldes vom Kirchensteuergesetz gedeckt:
§ 2

(1) Kirchensteuern können nach Maßgabe der Steuerordnungen

1. als Diözesankirchensteuer oder Landeskirchensteuer,

2. als Ortskirchensteuer

3. nebeneinander als Diözesankirchensteuer oder Landeskirchensteuer und als Ortskirchensteuer

erhoben werden.

(2) Die Steuerordnungen werden von den Diözesen der Katholischen Kirche und den Evangelischen Landeskirchen erlassen.
http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-nrw.htm

Die Erhebung des oben erwähnten "besonderen Kirchgeldes" wäre auch in NRW möglich (§ 4 I Zif. 5 KiStG NRW).

Benutzeravatar
HeGe
Moderator
Beiträge: 12474
Registriert: Montag 6. Oktober 2003, 18:56
Wohnort: Erzbistum Köln

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von HeGe » Sonnabend 11. November 2017, 15:03

umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

Benutzeravatar
Sascha B.
Beiträge: 1604
Registriert: Mittwoch 21. April 2010, 20:25
Wohnort: Bayern

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Sascha B. » Sonnabend 11. November 2017, 15:09

HeGe hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:03
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Im Bistum Regensburg gibt es sie, wobei sie kaum wer bezahlt und die Gemeinden das Geld auch nicht eintreiben.
Um den Frieden von oben und das Heil unserer Seelen lasset zum Herrn uns beten.
Herr, erbarme dich.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21588
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Niels » Sonnabend 11. November 2017, 15:17

So etwas ist auch nicht nötig, sondern führt vermutlich eher zu noch mehr Kirchenaustritten.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Benutzeravatar
taddeo
Moderator
Beiträge: 18238
Registriert: Donnerstag 18. Januar 2007, 09:07
Wohnort: in Superiori Palatinatu

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von taddeo » Sonnabend 11. November 2017, 16:27

Sascha B. hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:09
HeGe hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 15:03
umusungu hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 18:12
Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Freitag 10. November 2017, 15:27
Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Einziehung einer Ortskirchensteuer, auch Kirchgeld genannt, in allen deutschen Bistümern seit langem übliche Praxis ist.
Im Bistum Aachen unbekannt....
Im Erzbistum Köln gibt es das auch nicht, jedenfalls hätte ich noch nie davon gehört.
Im Bistum Regensburg gibt es sie, wobei sie kaum wer bezahlt und die Gemeinden das Geld auch nicht eintreiben.
Offensichtlich ist die Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Kirchensteuer selbst bei praktizierenden Katholiken erheblich. :auweia:

Details kann man zutreffend zB bei Frl. Vicky Pedia nachlesen. Grundsätzlich ist es so, daß die Kirchensteuer in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist. In Bayern und Baden-Würrtemberg beträgt sie 8% der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesändern 9%. Dafür wird in Bayern (von BW weiß ich es nicht) zusätzlich das sogenannte "Kirchgeld" erhoben, das ungeschmälert der Pfarrei zukommt und meist um die 2-3 € pro Person mit eigenem Einkommen beträgt. Eingetrieben wird das nicht, weil der Aufwand es nicht lohnt. Meine Erfahrung ist, daß es die regelmäßigen Kirchgänger gerne zahlen und meist einen deutlich höheren Betrag spenden als verlangt, so daß doch ein schöner Betrag für die Pfarreibelange zusammenkommt.
In den Bundesländern mit dem 9%-Satz wird dafür i. d. R. auf das Kirchgeld verzichtet.
nemini parcetur

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21588
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Niels » Sonnabend 11. November 2017, 17:46

Für mich schädigt das die Glaubwürdigkeit der Kirche. Besser wäre eine Türkollekte für ortskirchliche Belange.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Benutzeravatar
Libertas Ecclesiae
Beiträge: 1595
Registriert: Montag 15. Juni 2009, 10:46

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonnabend 11. November 2017, 22:08

taddeo hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 16:27
Offensichtlich ist die Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Kirchensteuer selbst bei praktizierenden Katholiken erheblich. :auweia:

Details kann man zutreffend zB bei Frl. Vicky Pedia nachlesen. Grundsätzlich ist es so, daß die Kirchensteuer in Deutschland je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist. In Bayern und Baden-Würrtemberg beträgt sie 8% der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesändern 9%. Dafür wird in Bayern (von BW weiß ich es nicht) zusätzlich das sogenannte "Kirchgeld" erhoben, das ungeschmälert der Pfarrei zukommt und meist um die 2-3 € pro Person mit eigenem Einkommen beträgt. Eingetrieben wird das nicht, weil der Aufwand es nicht lohnt. Meine Erfahrung ist, daß es die regelmäßigen Kirchgänger gerne zahlen und meist einen deutlich höheren Betrag spenden als verlangt, so daß doch ein schöner Betrag für die Pfarreibelange zusammenkommt.
In den Bundesländern mit dem 9%-Satz wird dafür i. d. R. auf das Kirchgeld verzichtet.
Das stimmt so nicht ganz. Das sogenannte Kirchgeld wird durchaus auch in Bundesländern mit dem Neun-Prozent-Satz erhoben, beispielsweise in Hessen und Thüringen. Hier wird sogar ein „besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ verlangt.

Im Bistum Fulda kann die Ortskirchensteuer als festes oder gestaffeltes Kirchgeld erhoben werden, in ländlichen Gemeinden (gestaffelt nach der Höhe der Einkünfte oder Bezüge) sogar bis zu einer Höhe von 400 Euro!

Auch Renter oder Pensionisten sind zur Zahlung des Kirchgelds verpflichtet, normalerweise aber nur bis zu einer Höhe von 40 Euro.
Wer einen Ritus ändert, verletzt einen Gott.
(Nicolás Gómez Dávila)

Benutzeravatar
ziphen
Beiträge: 1316
Registriert: Donnerstag 26. August 2010, 18:44

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von ziphen » Sonnabend 11. November 2017, 22:54

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 22:08
Hier wird sogar ein „besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ verlangt.
Das ist üblich. Ich glaube, das gibt es in jeder Landeskirche und jedem Bistum. Das wird statt der Kirchensteuer erhoben, wenn eigentlich nur ein Ehepartner bei gemeinsamer steuerlicher Veranlagung kirchensteuerpflichtig wäre.

In Niedersachsen ist die Ortskirchensteuer übrigens auch generell möglich. Das niedersächsische Kirchensteuerrahmengesetz ermöglicht die Erhebung. Die Hannoversche Landeskirche hat auch aufgrund dessen weitergehende Regelungen dazu in ihrem Kirchensteuerrecht. Gemeinden könnten diese erheben, falls sie wollten und die Landeskirche es genehmigte. Ich weiß nicht, ob das von Gemeinden gemacht wird. Was die Bistümer machen, weiß ich nicht.
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

CIC_Fan
Beiträge: 5396
Registriert: Donnerstag 24. April 2014, 14:08

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von CIC_Fan » Sonntag 12. November 2017, 09:32

die BRD ist schon ein komisches Land hier gibts den Kirchenbeitrag und sonst nichts

Benutzeravatar
umusungu
Beiträge: 4658
Registriert: Donnerstag 1. Januar 2004, 13:30

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von umusungu » Montag 13. November 2017, 23:17

Niels hat geschrieben:
Sonnabend 11. November 2017, 17:46
Für mich schädigt das die Glaubwürdigkeit der Kirche. Besser wäre eine Türkollekte für ortskirchliche Belange.
Die meisten Kollekten sind hier bei uns für die Pfarrei.

Benutzeravatar
Niels
Beiträge: 21588
Registriert: Donnerstag 2. Oktober 2003, 11:13
Kontaktdaten:

Re: "Die Kirche und das liebe Geld"

Beitrag von Niels » Dienstag 14. November 2017, 02:24

So kenne ich das auch.

Alles andere ist aus meiner Sicht kontraproduktiv.
"Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche." (Joseph Kardinal Ratzinger)

Antworten Vorheriges ThemaNächstes Thema