Kirchengesang

Von Orgelpfeifen, Zimbelspielern und Kantoren.

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heiliger_raphael
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Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Sonnabend 29. März 2014, 13:21

Einen angenehmen Samstag,

hoffentlich ist dieses Forum das richtige für meine Frage.
Meine Frage richtet sich vielleicht eher an die im Erwachsenenalter getauften oder Konvertiten.
Ich habe momentan Probleme, was den Gesang bei der Messe angeht. Bei leisen Gesängen wie gestern bei der Kreuzwegandacht, wo es keine Orgelbegleitung gibt und alle Anwesenden singen, klappt das mittlerweile recht gut.
Problematisch wird es bei den Messen, wo man zwangsläufig etwas lauter zu singen versucht, weil man gegen die Orgel angehen muss. Mir fällt es teilweise schwer, die Töne zu halten, überhaupt auf die hohen Töne zu kommen, mir fehlt dann oft die Luft, die Töne wirken völlig schwach und abgehackt. etc.Vor 20 Jahren hatte ich zwar in Musik ganz gute Noten, aber es ist Ewigkeiten her. Mein Plan, dass es mit dem Mitsingen schon klappen wird, wenn man das eine Weile macht, scheitert teilweise daran, dass am Sa oder So große Teile der Gemeinde gar nicht mitsingen. Ich habe mich deshalb immer der Nähe von jemandem positioniert, der laut und kräftig singt, so komme ich dann etwas aus mir raus und kann auch experimentieren. Trotzdem merke ich, dass mir die Gesangsbasics fehlen und sich das gerade bei höheren und haltenden Tönen bemerkbar macht.
Wie habt Ihr das gehandhabt? Einen direkten Gesangsunterricht für "Neukatholiken" habe ich bisher bei uns im Erzbistum nicht gefunden, Gesangslehrer oder Gesangslehrerin auf privater Basis sind zu teuer.

Danke und Gruss
hr

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Maurus
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Maurus » Sonnabend 29. März 2014, 14:02

heiliger_raphael hat geschrieben:Einen angenehmen Samstag,

hoffentlich ist dieses Forum das richtige für meine Frage.
Meine Frage richtet sich vielleicht eher an die im Erwachsenenalter getauften oder Konvertiten.
Ich habe momentan Probleme, was den Gesang bei der Messe angeht. Bei leisen Gesängen wie gestern bei der Kreuzwegandacht, wo es keine Orgelbegleitung gibt und alle Anwesenden singen, klappt das mittlerweile recht gut.
Problematisch wird es bei den Messen, wo man zwangsläufig etwas lauter zu singen versucht, weil man gegen die Orgel angehen muss. Mir fällt es teilweise schwer, die Töne zu halten, überhaupt auf die hohen Töne zu kommen, mir fehlt dann oft die Luft, die Töne wirken völlig schwach und abgehackt. etc.Vor 20 Jahren hatte ich zwar in Musik ganz gute Noten, aber es ist Ewigkeiten her. Mein Plan, dass es mit dem Mitsingen schon klappen wird, wenn man das eine Weile macht, scheitert teilweise daran, dass am Sa oder So große Teile der Gemeinde gar nicht mitsingen. Ich habe mich deshalb immer der Nähe von jemandem positioniert, der laut und kräftig singt, so komme ich dann etwas aus mir raus und kann auch experimentieren. Trotzdem merke ich, dass mir die Gesangsbasics fehlen und sich das gerade bei höheren und haltenden Tönen bemerkbar macht.
Wie habt Ihr das gehandhabt? Einen direkten Gesangsunterricht für "Neukatholiken" habe ich bisher bei uns im Erzbistum nicht gefunden, Gesangslehrer oder Gesangslehrerin auf privater Basis sind zu teuer.

Danke und Gruss
hr
Vielleicht einmal den Leiter des Kirchenchors ansprechen, falls es einen gibt?

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Re: Kirchengesang

Beitrag von taddeo » Sonnabend 29. März 2014, 15:19

Sing einfach, wie Dir der Schnabel gewachsen ist. Der Herrgott sucht nicht den Supersänger.
Wenn Du selber merkst, daß Du an manchen Stellen "falsch" singst, dann mußt Du ja bei diesen Gelegenheiten nicht unbedingt brüllen und Deine Umgebung gewaltsam darauf aufmerksam machen. Aber wenn in der Kirche jeder still wäre, der nicht "richtig" singen kann, dann gäb es kaum mehr Volksgesang, und Kirchenchöre auch nur noch als Solistenensembles. Wichtiger als das, was aus dem Mund herauskommt, ist beim Kirchengesang das, was im Herzen klingt. (Übrigens DER Grund, warum die Heilige Cäcilia Patronin der Kirchenmusik geworden ist: Cantantibus organis in corde suo soli Domino decantabat.)
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Apollonia » Sonnabend 29. März 2014, 15:26

Es geht dir jetzt aber nur um das Mitsingen in der Gemeinde, oder? Also keine Tipps als Chorsänger? Dann solltest du einfach bei jeder Gelegenheit zu Hause, im Auto, unter der Dusche singen. Dann wirst du allmählich sicherer. Aber wenn man nicht mehr ganz jung oder nicht geübt ist, passiert das immer mal, dass man beim entscheidenden Ton wegkiekst oder auf dem letzten Loch pfeift. Macht doch nichts. Jeder singt, so gut er kann, er singt ja nicht für sich oder die Gemeinde. Je entspannter du singst, desto besser klappt es.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Sonnabend 29. März 2014, 18:15

heiliger_raphael hat geschrieben: Problematisch wird es bei den Messen, wo man zwangsläufig etwas lauter zu singen versucht, weil man gegen die Orgel angehen muss. ... Gesangslehrer oder Gesangslehrerin auf privater Basis sind zu teuer.
Naja, wenn Du ernsthaft vorhast, Dich gegen die Orgel durchzusetzen, wird Dir Gesangsunterricht nicht erspart bleiben. :D Die professionelle Ausbildung der Sängerformanten, die dazu nötig ist und die es Opern- und Oratoriensängern erlaubt, sich über Orgeln und Orchestern hörbar zu machen, ist den wenigsten Menschen in die Wiege gelegt.
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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 30. März 2014, 09:46

Danke für die vielen guten Ratschläge. Dann werde ich mal den Leiter vom Kirchenchor ansprechen und unter der Dusche üben. Gegen die Orgel ansingen war doof formuliert, ich meinte eher dass ich durch die Orgel viel lauter singe und das bei meiner aktuellen Stimmbildung dann nicht mehr wirklich hinbekomme.
Dass man nicht perfekt singen muss, klar, aber ich habe mit dem Rat, möglichst das, was man tut, für Gott möglichst gut zu tun, gute Erfahrungen gemacht. Es war wohl der Heilige Josémaria, von dem dieser Rat kam. Deshalb möchte ich auch den Gesang verbessern bzw. schlicht gut singen lernen. Meine Eindruck nach ist der Gesang in den Samstag- und Sonntaggottesdiensten schwächer geworden, was ich schade finde. So waren neulich in meinem "Block" nur Leute, die alle nicht gesungen haben. Da war es für mich noch schwerer. Vielleicht kann ich, wenn ich es selbst gut mit dem Singen hinbekomme, auch andere Besucher, die sich vielleicht nicht trauen, mit motivieren. Das ist auch ein Gedanke, den ich dabei habe. Denn ich merke, wieviel Spaß das Singen macht und wie es zu einem erfüllten Gottesdiensterlebnis beiträgt und es schade wäre, wenn es sich immer mehr abbaut.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Sonntag 30. März 2014, 12:34

Dann noch ein paar Ratschläge:

In der Dusche oder Badewanne zu üben wurde schon genannt. Das ist tatsächlich ein sehr guter Platz, erstens weil Badewanne oder Duschkabine gut resoniert, zweitens weil es warm und feucht ist, was der Stimme guttut, drittens weil man da meist recht entspannt ist, was ebenfalls gut fürs Singen ist. Aber sing nicht nur "tralala", sondern versuch wirkliche Lieder oder systematische Stimmübungen.

Nimm Dich auf und hör Dir die Aufnahme an. Deine Stimme wird Dir nicht gefallen (was ganz normal ist, weil die von außen anders klingt als von innen), aber Du kannst gezielt irgendwelche Dinge zu verbessern versuchen, die Dich stören. Ist der beste Weg, um ohne Lehrer weiterzukommen.

Üb, als ob Du keine Nachbarn hättest. Das heißt nicht extra laut, aber schön zurückhaltend und leise singen ist gar nicht so leicht und macht Probleme, die in der Kirche dann gar nicht relevant sind.

Ob sie im Kirchenchor einen Singanfänger reinlassen, hängt vom Chor ab, aber oft ist das Niveau dort nicht so hoch und man freut sich über Zugänge. Vor allem Männer sind oft Mangelware in Chören.
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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Montag 31. März 2014, 21:51

Vielen Dank!

Der Organist in meiner Gemeinde meinte heute, dass er wegen dem neuen Gotteslob jeden Tag vor der Messe ein anderes Lied proben möchte. Eine gute Gelegenheit. Heute habe ich noch geschaut, ob ich Lieder vom neuen GL, die mich ansprechen, bei Youtube finde, dann kann an denen üben. Meine beiden Favoriten sind gerade 'Und suchst du meine Sünde' und 'Fürwahr, er trug unsre Krankheit'. Beides sehr schöne Lieder, wie ich finde.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Sonntag 15. Juni 2014, 15:28

Der normale "Gottesdienstgesang" ist bei mir mit der Zeit mutiger geworden, Danke nochmal für die vielen Hinweise, die mir geholfen haben. Außerdem werde ich wohl regelmäßig bei einer Choralschola mitproben, da mich die Gregorianik in den alten Messen sehr angesprochen hat. Dazu noch einige Basics bei einer Gesangslehrerin und dann wird es wohl mit der Zeit gut werden :)

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Peregrin
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Sonntag 15. Juni 2014, 23:34

Das hört sich doch gut an. :daumen-rauf:
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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Montag 16. Juni 2014, 23:08

Bin mal gespannt, wie es sich entwickelt. Mit der Gregorianik scheine ich mir ja nicht gerade das einfachste "Trainingsobjekt" ausgesucht zu haben :D

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Protasius » Dienstag 17. Juni 2014, 07:06

heiliger_raphael hat geschrieben:Bin mal gespannt, wie es sich entwickelt. Mit der Gregorianik scheine ich mir ja nicht gerade das einfachste "Trainingsobjekt" ausgesucht zu haben :D
Aber das mbMn schönste.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Dienstag 17. Juni 2014, 08:44

Diese Schönheit hat mich auch gefangen. Bei großen Feierlichkeiten, Hochamt, Priesterweihen, Firmungen und Taufe und später bei der Alten Messe hat sie mich mitgerissen.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Dienstag 17. Juni 2014, 19:04

Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
Ich bin der Kaiser und ich will Knödel.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von iustus » Dienstag 17. Juni 2014, 19:15

Peregrin hat geschrieben:Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
:panisch:
„Was den Gegenstand des Glaubens betrifft, hat sich das Konzil nichts Neues ausgedacht, noch hat es Altes ersetzen wollen." (Papst Benedikt XVI.)

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Hubertus
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Hubertus » Dienstag 17. Juni 2014, 19:48

Peregrin hat geschrieben:Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
Tja, aber halt kein Choral. Und es ist halt nunmal eine Choralschola.


Wenn alles nix hilft und die Choralschola von den Taizeisten gekapert wird, hilft nur noch, eine Taize-Schola zu gründen, die dann gregorianischen Choral singt. :ikb_devil2:
Der Kult ist immer wichtiger als jede noch so gescheite Predigt. Die Objektivität des Kultes ist das Größte und das Wichtigste, was unsere Zeit braucht. Der Alte Ritus ist der größte Schatz der Kirche, ihr Notgepäck, ihre Arche Noah. (M. Mosebach)

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Dienstag 17. Juni 2014, 21:11

Peregrin hat geschrieben:Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
Bei uns gibt es nur Männer. Und da es an einer Priesterausbildung dran hängt, braucht man dort auch nicht mit Frauen zu rechnen.

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Peregrin
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Dienstag 17. Juni 2014, 23:51

Hubertus hat geschrieben:
Peregrin hat geschrieben:Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
Tja, aber halt kein Choral. Und es ist halt nunmal eine Choralschola.
Es erweist sich leider, daß dieses Argument bei Frauen nicht so zündet, wie man es sich als Mann denkt. :D
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Lacrimosa
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Lacrimosa » Mittwoch 18. Juni 2014, 08:58

Peregrin hat geschrieben:
Hubertus hat geschrieben:
Peregrin hat geschrieben:Unsere Choralschola kommt nicht so recht vom Fleck. Für jeden Mann, der sich gemeldet hat, sind fünf Frauen eingesickert, die jetzt ständig nur Taizelieder singen wollen, weil "ist ja auch auf Latein" - das halten sie bereits für ein großes Zugeständnis.
Tja, aber halt kein Choral. Und es ist halt nunmal eine Choralschola.
Es erweist sich leider, daß dieses Argument bei Frauen nicht so zündet, wie man es sich als Mann denkt. :D
Das betrifft dann aber nur Frauen und Männer deines speziellen Umfelds. Um zu begreifen, dass der Gregorianische Choral eine geistbewegte und anspruchsvolle Kunstform ist, gehört mehr dazu als ein Argument. Wenn ich hier lese, dass man sich in diesem Zusammenhang auf Kosten von Frauen prächtig amüsiert, frage ich mich, auf wen es eigentlich zurückfällt, dass Argumente nicht zünden. :/
Lasst in eurem Miteinander Platz, dass der Hauch des Himmels zwischen euch spielen kann. (Khalil Gibran)

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Re: Kirchengesang

Beitrag von TeDeum » Mittwoch 18. Juni 2014, 11:45

Raphael, meine Frau und ich kennen als relativ frische Konvertiten dein Problem. Wir waren jetzt bisher auch keine großen Sänger vor dem Herren. Was bei uns geholfen hat, war einfach öfter singen. Es ist nämlich tatsächlich Übungssache, vor allem die Atmung. Wie mir ein Bekannter mit begnadeter Stimme mal berichtete, ist guter Gesang einfach sehr viel Training und weit weniger "Talent" als das häufig suggiert wird.

Wie wir geübt haben? Meine Frau und ich haben uns eine PlayStation 3 mit dem Karaoke-Spiel "Singstar" gekauft. Da hat man dann auch einen kleinen spielerischen Anreiz möglichst 'richtig' zu singen und zu zweit im Duet macht das schon Spaß einen alten Tony Bennett Hit zu trällern. :)

Nicht ganz billig, wenn man das Gerät nicht hat, aber vielleicht kommst du ja günstig ran. Gibt ja jetzt schon ein Nachfolgegerät und da verkaufen viele ihre Altgeräte relativ günstig ...

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Mittwoch 18. Juni 2014, 12:34

TeDeum hat geschrieben:Raphael, meine Frau und ich kennen als relativ frische Konvertiten dein Problem. Wir waren jetzt bisher auch keine großen Sänger vor dem Herren. Was bei uns geholfen hat, war einfach öfter singen. Es ist nämlich tatsächlich Übungssache, vor allem die Atmung. Wie mir ein Bekannter mit begnadeter Stimme mal berichtete, ist guter Gesang einfach sehr viel Training und weit weniger "Talent" als das häufig suggiert wird.
Danke für Deinen Zuspruch und natürlich Glückwünsche zur Konversion :)
Vorhin war ich bei der Gesangslehrerin, die mit meinem Fall eher "überfordert" ist. Sie hat mir zwar eine gute Stimme bescheinigt, meinte aber, dass sie vom gregorianischen Choral kaum etwas weiß, sie kannte z.b. nicht einmal die Notation. Da sie mit den Leuten in der Richtung übt, die sie auch singen wollen, wäre das für sie schwierig, weil sie mich nicht korrigieren könnte.
Hat mir noch den einen oder anderen Atemtip gegeben, den ich dann praktisch probieren werde (habe wohl immer zuviel Luft genommen und dadurch entstand eine Spannung), aber sie hat mir da ganz klar gesagt, dass sie nicht der richtige Ansprechpartner für mich ist.
Nicht ganz billig, wenn man das Gerät nicht hat, aber vielleicht kommst du ja günstig ran. Gibt ja jetzt schon ein Nachfolgegerät und da verkaufen viele ihre Altgeräte relativ günstig ...
Eigentlich eine witzige und kreative Idee, damit zu üben :)

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Reinhard
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Reinhard » Mittwoch 18. Juni 2014, 17:18

heiliger_raphael hat geschrieben:Vorhin war ich bei der Gesangslehrerin, die mit meinem Fall eher "überfordert" ist. ...
Die arme Frau ! - woher sollte sie auch in der Gregorianik zu Hause sein ... ;D

Wenn Du "Gregorianik" nicht als Kunstform erlernen willst (das gibt es nämlich auch, sogar ganze Chöre davon ! - und das ist für mein Gefühl ein recht gruseliges Kapitel, sowohl der Haltung als auch dem Ergebnis nach), dann wäre es wohl eher sinnvoll, wenn Du mal den (Kloster-) Kantor Deines Vertrauens fragtest, irgend so etwas.
Denn wenn das wirklich Gebet sein soll (und ich glaube, das sollte es), dann kannst Du es ohnehin nur von jemandem erlernen, der es selber als solches praktiziert.

Die Gesangstechnik kannst Du von jedem Vollprofi lernen. Der Stil ist da erstmal Nebensache: das ist sowieso zuerst "Handwerk", den Ausdruck wirst Du dann damit selber hinein legen. (wenn Du weißt, was Du ausdrücken willst !)

So ähnlich halte ich selber es auch derzeit: das musikalische Training bekomme ich beim "Muttichor" der örtlichen Musikschule, bei einem hervorragenden Gesangslehrer (ja, bei uns ist die Musikschule voll mit echten Vollmusikern ...!), und das stimmliche Know-how nehme ich dann von dort mit in den Kirchenchor und das Stundengebet, die musikalisch eher schwach sind.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Mittwoch 18. Juni 2014, 22:10

Reinhard hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Vorhin war ich bei der Gesangslehrerin, die mit meinem Fall eher "überfordert" ist. ...
Die arme Frau ! - woher sollte sie auch in der Gregorianik zu Hause sein ... ;D
wobei ich das auch gar nicht erwartet hatte, weil ich davon ausging, dass die Technik erstmal unabhängig von der Stilistik ist :D
Wenn Du "Gregorianik" nicht als Kunstform erlernen willst (das gibt es nämlich auch, sogar ganze Chöre davon ! - und das ist für mein Gefühl ein recht gruseliges Kapitel, sowohl der Haltung als auch dem Ergebnis nach), dann wäre es wohl eher sinnvoll, wenn Du mal den (Kloster-) Kantor Deines Vertrauens fragtest, irgend so etwas.
Dort hatte man mir auch den Hinweis gegeben, einfach auch begleitend bei einem Gesangslehrer nachzufragen. Werde mal meine Erlebnisse schildern und vielleicht gibt es da noch einen weiteren Weg.
Die Gesangstechnik kannst Du von jedem Vollprofi lernen. Der Stil ist da erstmal Nebensache: das ist sowieso zuerst "Handwerk", den Ausdruck wirst Du dann damit selber hinein legen. (wenn Du weißt, was Du ausdrücken willst !)
Das dachte ich ja auch, weshalb ich die Gesangslehrerin aufsuchte. Aber offensichtlich sieht ihr Konzept kein bloßes Beseitigen von technischen Schwächen vor, sondern eine Komplettbegleitung in bestimmten Musikrichtungen, weshalb es ihr offenbar nicht möglich schien, rein technischen Unterricht bei jemandem zu geben, der eine ihrem Repertoire unbekannte Richtung singen will.
Sie bemängelte zb beim Alleluja-Vorsingen, dass es so getragen wäre und die Töne nicht gehalten würden, sie hätte wohl etwas mit mehr Freude erwartet (wohl Gospel oder so, naja ;))
So ähnlich halte ich selber es auch derzeit: das musikalische Training bekomme ich beim "Muttichor" der örtlichen Musikschule, bei einem hervorragenden Gesangslehrer (ja, bei uns ist die Musikschule voll mit echten Vollmusikern ...!), und das stimmliche Know-how nehme ich dann von dort mit in den Kirchenchor und das Stundengebet, die musikalisch eher schwach sind.
ich schau jetzt erstmal, was ich beim regelmäßigen Schola-Proben rausholen kann, und werde nebenbei immer mal schauen, ob ich noch den einen oder anderen brauchbaren Tip einheimse.

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Peregrin » Mittwoch 18. Juni 2014, 23:25

heiliger_raphael hat geschrieben:
Reinhard hat geschrieben:
heiliger_raphael hat geschrieben:Vorhin war ich bei der Gesangslehrerin, die mit meinem Fall eher "überfordert" ist. ...
Die arme Frau ! - woher sollte sie auch in der Gregorianik zu Hause sein ... ;D
wobei ich das auch gar nicht erwartet hatte, weil ich davon ausging, dass die Technik erstmal unabhängig von der Stilistik ist :D
...
Das dachte ich ja auch, weshalb ich die Gesangslehrerin aufsuchte. Aber offensichtlich sieht ihr Konzept kein bloßes Beseitigen von technischen Schwächen vor, sondern eine Komplettbegleitung in bestimmten Musikrichtungen, weshalb es ihr offenbar nicht möglich schien, rein technischen Unterricht bei jemandem zu geben, der eine ihrem Repertoire unbekannte Richtung singen will.
Beim Gesangsunterricht muß man halt auch irgendwas singen, und da lassen sich Interpretationsfragen nicht einfach ausklammern. Man könnte das grundsätzlich wahrscheinlich auch anders angehen, aber die interpretationslastige Arbeit mit richtigen Stücken entspricht eindeutig dem Zeitgeist und dem Trend, der von den Musikhochschulen vorgegeben wird.

Aber natürlich läßt sich die einmal erlernte Technik dann übertragen. Ich denke, mit Belcanto und Barockmusik vor allem schüfe man sich eine gute Grundlage auch für Gregorianik und damit sollten auch gregorianikunbeleckte Gesangslehrer was anfangen können. Sag der Gesangslehrerin, Du willst "Arie antiche" im Unterricht singen. Klassik und Romantik und Heavy Metal würde ich dagegen eher meiden.
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Lacrimosa » Donnerstag 19. Juni 2014, 10:07

Reinhard hat geschrieben:Wenn Du "Gregorianik" nicht als Kunstform erlernen willst (das gibt es nämlich auch, sogar ganze Chöre davon ! - und das ist für mein Gefühl ein recht gruseliges Kapitel, sowohl der Haltung als auch dem Ergebnis nach), dann wäre es wohl eher sinnvoll, wenn Du mal den (Kloster-) Kantor Deines Vertrauens fragtest, irgend so etwas. Denn wenn das wirklich Gebet sein soll (und ich glaube, das sollte es), dann kannst Du es ohnehin nur von jemandem erlernen, der es selber als solches praktiziert.
Kunstform deswegen, Reinhard, weil der Choral nie Volksgesang für den „normalen Kirchenbesucher“ war, weil die spirituelle Haltung für den lebendigen Vollzug der Gregorianik im Vordergrund stand und mit einer klerikalen oder monastischen Lebensweise verknüpft war. (Mir ging es gerade nicht um den modernen Musikbetrieb und die Popularisierung des Mönchgesangs). Da der Choral eine kontemplative Angelegenheit ist, wird man nicht umhin kommen, sich mit der inneren Botschaft der Gregorianik und den theoretischen Spezifika wie die Entwicklung oder die Notation zu beschäftigen. Am besten man lernt es mit Gleichgesinnten in Workshops, Wochenendkursen oder Projektchören: http://www.aiscgre.de/gregorianik/KURS.html; http://www.gregorianik.org/.
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Reinhard » Donnerstag 19. Juni 2014, 13:16

Wenn ich eine bestimmte "Gregorianik" als Kunstereignis abgekanzelt habe, dann denke ich an sowas wie das hier ... - das gibt's nämlich auch, und das hat mit Spiritualität rein gar nichts zu tun.

Lacrimosa, genau wie Du auch sagst: die Rückbindung an das Gebet ist absolut entscheidend !
(ob nun "monastisch" oder nicht, da wäre ich nicht so kleinlich - klar ist es in den Klöstern entstanden ...)

Was Du da verlinkt hast, sieht mir schon recht ordentlich aus !

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Fragesteller » Donnerstag 19. Juni 2014, 14:15

Reinhard hat geschrieben:[...]
Lacrimosa, genau wie Du auch sagst: die Rückbindung an das Gebet ist absolut entscheidend !
(ob nun "monastisch" oder nicht, da wäre ich nicht so kleinlich!
!!! Christozentrik kann, muss aber nicht an eine bestimmte Lebensform oder spirituelle Praxis gebunden sein.
Reinhard hat geschrieben:- klar ist es in den Klöstern entstanden ...)
Sicher? Wikipedia spricht von einer in Rom ansässigen "schola cantorum" als "Uraufführungsensemble"; das sieht eher nach Weltklerus aus, oder?

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Re: Kirchengesang

Beitrag von taddeo » Donnerstag 19. Juni 2014, 18:09

heiliger_raphael hat geschrieben:Und da es an einer Priesterausbildung dran hängt, braucht man dort auch nicht mit Frauen zu rechnen.
Wenn Du Dich da nur mal nicht täuschst. :pfeif: ;D
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Donnerstag 19. Juni 2014, 22:47

taddeo hat geschrieben: Wenn Du Dich da nur mal nicht täuschst. :pfeif: ;D
Nein, ich glaube die sind in vernünftiger Weise reformresistent ;)

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Re: Kirchengesang

Beitrag von heiliger_raphael » Donnerstag 19. Juni 2014, 23:08

Reinhard hat geschrieben:Wenn ich eine bestimmte "Gregorianik" als Kunstereignis abgekanzelt habe, dann denke ich an sowas wie das hier ... - das gibt's nämlich auch, und das hat mit Spiritualität rein gar nichts zu tun.
Oder Gregorian, die diverse Rock- und Popsongs covern. Sicher nicht uninteressant, verliert aber seinen Reiz, hingegen gewinnt der gregorianische Choral für mich erst seine Tiefe im Kontext der Liturgie. Dort wird er auch nicht langweilig, weil er auf einer ganz anderen Ebene greift. Bei Gregorian habe ich nach ner halben Stunde Kopfschmerzen ;)

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Irmgard
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Re: Kirchengesang

Beitrag von Irmgard » Freitag 20. Juni 2014, 22:18

Peregrin hat geschrieben:Es erweist sich leider, daß dieses Argument bei Frauen nicht so zündet, wie man es sich als Mann denkt. :D
Was kennst du denn für Frauen?

Im Ernst: gregorianischer Choral gehört zu dem Besten, was ich in der Kirchenmusik kenne und ich singe das auch sehr gerne. Gerne auch aus der Neumen-Notation. Und ich kenne viele Frauen, die das ganz ähnlich sehen und halten. Wobei ich auch nichts gegen Taizé-Gesänge habe. Alles zu seiner Zeit...

Gruß

Irmgard

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Re: Kirchengesang

Beitrag von Juergen » Dienstag 1. November 2016, 18:42

Heute wurde auf „Ihr Freunde Gottes allzugleich“ verzichtet. Es wäre ja noch schöner, wenn die Leute auch noch mitsingen würden. Da wählt man doch lieber 548 (Für alle Heilgen in der Herrlichkeit) aus. Das kann wenigstens keiner. – Erst ein paar Strophen zu Beginn und dann noch ein paar nach der Kommunion.
:kotz:

Naja, ich habe mich nach einer Strophe Eingangslied entschieden, die Messe nur noch still zu hören… Das Kirchengebot sag ja nichts von einer Mitmachpflicht.
Gruß
Jürgen

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