Maria in den Kirchen der Reformation

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

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Marienkind
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marienkind » Freitag 25. Mai 2012, 22:46


>Unser pferdereitender Mitforist Radulf will wohl zum Ausdruck bringen, dass des Marienkultes in unserer Kirche genug sei.
.
>Indessen muss man anerkennen, dass die Marianisierung in den letzten Jahrzehnten doch deutlich abgeschwollen ist. Noch vor zwanzig Jahren gab es jetzt im Monat Mai allerorten sog. Maiandachten, wo bei viel Weihrauch vor Marien-Statuen schwülstige Marienlieder gesungen wurden. Viele Priester, Diakone und Pastoralreferenten weigern sich heute, auch nur eine einzige Maiandacht abzuhalten.
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>Der hochselige Herr Geheimrat Johann Heinrich Jung-Stilling (schon Jörg Erb nahm ihn in das Evangelische Heiligenlexikon auf, und auch bei Joachim Schäfer: Ökumenisches Heiligenlexikon. Leben und Wirken von mehr als 3000 Personen der Kirchengeschichte der katholischen Kirche, der orthodoxen Kirchen, aus den protestantischen und anglikanischen Kirchen wird er den Heiligen beigezählt) äussert sich gelegentlich einer "nachtodlichen Belehrung" am Tage Mariae Himmelfahrt zu Marburg/Lahn zu diesem Thema eindeutig.
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> Der entsprechende Bericht ist kostenlos und anonym downloadbar bei dem URL:
.
http://www.uni-siegen.de/fb5/merk/still ... glaube.pdf
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>Auch der Schutzengel von Jung-Stiling, der ihm schon zu Lebzeiten auf wunderbare Weise zur Seite stand, äussert sich hier zur Marienverehrung.
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anneke6
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von anneke6 » Sonnabend 26. Mai 2012, 19:39

Ich habe schon bestimmt 100 Maiandachten mitgefeiert im Laufe meines Lebens, auf deutsch, auf polnisch, mit Priestern und Laien (allerdings keinen Diakonen). Ich war ein paar Dutzend Male sogar selbst Gebetsleiterin. Ich habe nicht den Eindruck, daß man sich dagegen sträubt. Nun, einige Marienlieder sind aus der Mode gekommen oder umgedichtet worden…aber Maria Maienkönigin ist ein Klassiker, und Rosenkranzkönigin vielerorts auch. Wogegen sich manche Priester sträuben, so habe ich erfahren, ist das Verwenden von Marienliedern nach der hl. Messe außerhalb der Monate Mai und Oktober. Aber es gibt schließlich auch keine Rubrik, die vorschreibt, man müsse nach dem Schlußsegen ein Marienlied singen.
???

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Radulf Thoringi
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Radulf Thoringi » Sonntag 27. Mai 2012, 21:52

Marienkind hat geschrieben:
>Unser pferdereitender Mitforist Radulf will wohl zum Ausdruck bringen, dass des Marienkultes in unserer Kirche genug sei.
Naja, nicht ganz. Eigentlich meinte ich nur, man sollte es weder über- noch untertreiben. Bei Evangelens ist das Problem eher das Untertreiben, wie Clemens auch schrieb. Von Römern, besonders von deren südlicher Spezies, war auch schon das Gegenteil zu bemerken (=>Lutheraner's Berichte).
Habe mit meinem Vergleich wohl nicht so getroffen.
"Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott."
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Pilgerer
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 27. Mai 2012, 21:59

Eine wichtige Frage für Protestanten ist die, ob sie wie zum dreieinigen Gott auch Kontakt zu Maria und anderen Heiligen haben dürfen, oder ob das schon "Totenbeschwörung" ist, was nach Mose strengstens verboten ist. Gibt es für uns Christen nur die diesseitige kirchliche Gemeinschaft oder gibt es für uns auch Zugang zur jenseitigen kirchlichen Gemeinschaft?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Marcus
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marcus » Sonntag 27. Mai 2012, 22:52

Totenbeschwörung ist das sicherlich nicht. Es wird ja schließlich kein Nekromant damit beauftragt, Kontakt zu Hl. Maria herzustellen, um so Insiderinformationen aus dem Jenseits zu bekommen. Die Hl. Gottesmutter wird von Katholiken, Orthodoxen, Gliedern orientalischer Kirchen und Co. bloß um Bitte um Fürbitte angerufen.
Jesus spricht: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6)

Dieter
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Dieter » Donnerstag 28. Juni 2012, 15:42

Evangelische Marienkirche Berlin (die unter dem Fernsehturm)

Montag, 2.7.2012, 18.00 Uhr

Gottesdienst zu Mariä Heimsuchung

Predigt: Superintendent Dr. Bertold Höcker
Orgel: Daniel Clark

In der Berliner Marienkirche, in der schon Luther predigte, wird seit der Reformation jeden Sonntag die Evangelische Messe gefeiert. Seit einiger Zeit werden auch wieder die Marienfeste verstärkt begangen.

Bischof
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Bischof » Donnerstag 28. Juni 2012, 16:18

Seit bestehen der Evangelisch-Lutherischen St. Mariengemeinde in Berlin-Zehlendorf (SELK) werden die ev.-luth. Marienfeste dort begangen.

Am 2. Juli 212 findet dort um 19. h ein Beichtgottesdienst und im Anschluss eine Luth. Messe mit Bischof Dr. Jobst Schöne statt.

Eine Marienpredigt von dem dortigen Pfarrer Dr. Martens findet man hier: http://lutherisch.de/index.php?option=c ... &Itemid=41

Cornetto
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Cornetto » Donnerstag 28. Juni 2012, 17:10

anneke6 hat geschrieben:IWogegen sich manche Priester sträuben, so habe ich erfahren, ist das Verwenden von Marienliedern nach der hl. Messe außerhalb der Monate Mai und Oktober. Aber es gibt schließlich auch keine Rubrik, die vorschreibt, man müsse nach dem Schlußsegen ein Marienlied singen.
Im Bistum Würzburg ist ein Marienlied zum Abschluss des Gottesdienstes allgemein üblich - zu Maria, der designierten Schutzpatronin Frankens.

Marienkind
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marienkind » Dienstag 7. August 2012, 13:00

Was auch von vielen Theologen gerügt wird, das ist die Tatsache, daß sich an die Marien-Verehrung viel Aberglauben angehängt hat. Seiten wie etwa diese
'
http://www.herzmariens.de/Texte/skapulier/skapulier.htm
'
oder eine Litanei wie diese
'
http://www.marienforum.net/showthread.p ... ermittleri n-aller-Gnaden&s=d97da57fdc9fceac3c97117baf3c567
'
in der Maria zur "Sachwalterin des Fegfeuers" aufgerückt ist, erregen natürlich Ägernis; und es es nachzuempfinden, wenn dann (wie in der von mir in diesem Thread zitierten "nachtodlichen Belehrung" mit dem Geheimrat Johann Heinrich Jung-Stilling) von "Marianisierung der katholischen Kirche" gesprochen wird.
'
Es wird glaubhaft von Gemeinden berichtet, wo an der sonntäglichen Eucharistiefeier kaum dreißig Personen teilnehem. Aber es füllt sich ein Bus mit sechziig Plätzen nur aus dieser Pfarre, wenn es zu irgendeinem der vielen Erscheinungsorte (seit 19 zält man an die 6 Erscheinungen) geht. Im Bus wird "andächtig" der Rosenkranz gebetet. Hier scheint irgend etwas in den Proportionen aus dem Ruder gelaufen zu sein.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Johaennschen » Dienstag 7. August 2012, 14:02

Marienkind hat geschrieben:Es wird glaubhaft von Gemeinden berichtet, wo an der sonntäglichen Eucharistiefeier kaum dreißig Personen teilnehem. Aber es füllt sich ein Bus mit sechziig Plätzen nur aus dieser Pfarre, wenn es zu irgendeinem der vielen Erscheinungsorte (seit 1900 zält man an die 600 Erscheinungen) geht. Im Bus wird "andächtig" der Rosenkranz gebetet. Hier scheint irgend etwas in den Proportionen aus dem Ruder gelaufen zu sein.
Machen die diese Fahrten denn jede Woche? :hmm:
Es gibt keine Dummheit, an die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit nur dem Glauben an Christus ausweicht.
Nicolás Gómez Dávila

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marienkind » Dienstag 7. August 2012, 15:27

Machen die diese Fahrten denn jede Woche?
'
Das glaube ich kaum, freilich kenne ich mich auch sooo genau hier nicht aus.
'
Die lobreiche Frau Himmelsmutter von Sievenich erwartet von ihren Getreuen nur einen einzigen Besuch pro Monat.
'
Wie es bei anderen :ikb_devil2: Marias ist, weiß ich nicht.
'
Aber sicher ist, daß sich ein entsprechendes Er=Lebnis (!) bei einigen lieben Mitchristen weniger oder gar nicht bei der Eucharistiefeier einstellt, sondern gelegentlich irgend einer Erscheinung. Mir sind Leute bekannt, die verzückt (indessen auch fanatisiert) von diesen sog. "Gnadenstätten" heimkehren --- auch (oder erst recht?) wenn es höchst zweifelhafte und vom zuständigen Ortsbischof verurteilte "Erscheinungen" sind.
'

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonnabend 25. August 2012, 23:06

Ein wichtiger Punkt bei Maria wie anderen Heiligen ist, denke ich, dass sie "nur" bestimmte Charakterzüge Gottes widerspiegeln. D.h. Gott hat in sich gewisse Wesenselemente, die das Vorbild für Maria sind. Es ist für ein Geschöpf unmöglich, ausschließlich aus sich selbst heraus etwas Gutes zu bilden, sondern es braucht das göttliche Vorbild in der einen oder anderen Weise. In einem von Gott isolierten Zustand hätte Maria nicht zu der werden können, die sie wurde und ist. Sie brauchte Gott, um ihre Persönlichkeit in voller Blüte zu entwickeln.
Was für Maria gilt, gilt für jeden einzelnen Christen: er braucht Gott, um seine Persönlichkeit zu entfalten und heilig zu werden.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von wigberti » Sonntag 26. August 2012, 12:40

Ich denke, Maria nimmt trotzdem eine Sonderstellung ein - eben nicht nur wie jeder andere Mensch. Sie ist eben die Gottesgebärerin.
Das haben einige in den Reformierten Kirchen erkannt.
http://www.wigberti.de/?page_id=1496
Die Freude am Herrn ist unsere Stärke!

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 26. August 2012, 18:25

Das ist eine Sonderstellung, doch ist sie auch darin ein Ebenbild Gottes statt eines Eigenbildes. D.h. was Maria uns zeigt, zeigt etwas von Gott. Gott ist in gewisser Weise "die" erste "Gottesgebärerin", und Maria ist der Mensch, der diesem Vorbild zum allgemeinen Segen der Menschheit nacheiferte.
In ähnlicher Weise kommt Abraham das Verdienst zu, jenen Bund mit Gott geschlossen zu haben, der zu Jesus führen sollte. In der heiligen Einstellung hatte er Gott als Vorbild, wie wir bei Jesu Gehorsam gegenüber dem Vater sehen. Abraham war in seinem Gehorsam gegenüber Gott ein "Sohn Gottes", so wie Maria in ihrer Einstellung eine "Tochter Gottes" war. Aus diesem Gehorsam kam bei Abraham der "eingeborene" Sohn Isaak (Vorbild für Jesus) und im Fall Marias der "eingeborene" Sohn Gottes.
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von taddeo » Sonntag 26. August 2012, 18:31

Pilgerer hat geschrieben:D.h. was Maria uns zeigt, zeigt etwas von Gott. Gott ist in gewisser Weise "die" erste "Gottesgebärerin", und Maria ist der Mensch, der diesem Vorbild zum allgemeinen Segen der Menschheit nacheiferte.
Das ist eine etwas abstruse Sicht, denke ich. Sie verwischt zu sehr den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Was Maria uns zeigt, ist nicht, wie Gott ist, sondern wie Gott sich den Menschen gedacht hat. Maria zeigt den Menschen im Urzustand des Paradieses, sie ist die neue Eva, aber ohne deren Sündenfall. Maria ist nicht "Gott nachgeeifert", sie ist einfach vollkommen Mensch gewesen.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marienkind » Sonntag 26. August 2012, 18:51

Bekannte von mir pilgern neuerdings zu einer Maria vom Schloßberg, die sich durch ein "Sonnenwunder" legitimiert, das auch photopgraphisch bezeugt ist:
~
http://www.youtube.com/watch?v=fNvsGDQ_ ... ature=plcp
~
Offenbar scheinen hier viele Menschen mehr Glaube (??) zu erfahren als beim Hören des Evageliums.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 26. August 2012, 18:56

taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:D.h. was Maria uns zeigt, zeigt etwas von Gott. Gott ist in gewisser Weise "die" erste "Gottesgebärerin", und Maria ist der Mensch, der diesem Vorbild zum allgemeinen Segen der Menschheit nacheiferte.
Das ist eine etwas abstruse Sicht, denke ich. Sie verwischt zu sehr den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Was Maria uns zeigt, ist nicht, wie Gott ist, sondern wie Gott sich den Menschen gedacht hat. Maria zeigt den Menschen im Urzustand des Paradieses, sie ist die neue Eva, aber ohne deren Sündenfall. Maria ist nicht "Gott nachgeeifert", sie ist einfach vollkommen Mensch gewesen.
Woher soll diese Vollkommenheit kommen, wenn nicht von Gott? Gott ist es, der die Menschen vollkommen macht, und er ist damit das Vorbild aller Menschen. Gott ist nicht zuletzt deshalb Mensch geworden, um sie wieder zur wahren Brüderlichkeit zu führen. Eigentlich ist es blasphemisch, aber es hat Gott nach dem christlichen Verständnis gefallen, der Bruder der Menschen zu werden, um sie zu erlösen und zu ihrer Bestimmung zu führen. Seine Liebe geht einfach über alles und ist so leidenschaftlich, dass Er Seinen himmlischen Thron verließ und in die verlorene Welt kam, ja und dort sogar wie ein Knecht seinen Jüngern diente. Auch darin ist Gott das Vorbild der Menschen.
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von taddeo » Sonntag 26. August 2012, 19:10

Pilgerer hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:D.h. was Maria uns zeigt, zeigt etwas von Gott. Gott ist in gewisser Weise "die" erste "Gottesgebärerin", und Maria ist der Mensch, der diesem Vorbild zum allgemeinen Segen der Menschheit nacheiferte.
Das ist eine etwas abstruse Sicht, denke ich. Sie verwischt zu sehr den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Was Maria uns zeigt, ist nicht, wie Gott ist, sondern wie Gott sich den Menschen gedacht hat. Maria zeigt den Menschen im Urzustand des Paradieses, sie ist die neue Eva, aber ohne deren Sündenfall. Maria ist nicht "Gott nachgeeifert", sie ist einfach vollkommen Mensch gewesen.
Woher soll diese Vollkommenheit kommen, wenn nicht von Gott? Gott ist es, der die Menschen vollkommen macht, ...
Selbstverständlich. Übrigens ein Punkt, an dem kein Katholik Probleme mit "sola gratia" hat. ;D

Der Rest Deiner Folgerungen allerdings ist mir etwas zu schwammig. Gott hat nicht einfach "seinen Thron verlassen", er ist schon dort geblieben, als er seinen Sohn in die Welt sandte. Wie Du das schreibst, klingt es fast nach göttlicher Sedisvakanz.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Montag 27. August 2012, 16:12

taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:D.h. was Maria uns zeigt, zeigt etwas von Gott. Gott ist in gewisser Weise "die" erste "Gottesgebärerin", und Maria ist der Mensch, der diesem Vorbild zum allgemeinen Segen der Menschheit nacheiferte.
Das ist eine etwas abstruse Sicht, denke ich. Sie verwischt zu sehr den Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Was Maria uns zeigt, ist nicht, wie Gott ist, sondern wie Gott sich den Menschen gedacht hat. Maria zeigt den Menschen im Urzustand des Paradieses, sie ist die neue Eva, aber ohne deren Sündenfall. Maria ist nicht "Gott nachgeeifert", sie ist einfach vollkommen Mensch gewesen.
Woher soll diese Vollkommenheit kommen, wenn nicht von Gott? Gott ist es, der die Menschen vollkommen macht, ...
Selbstverständlich. Übrigens ein Punkt, an dem kein Katholik Probleme mit "sola gratia" hat. ;D

Der Rest Deiner Folgerungen allerdings ist mir etwas zu schwammig. Gott hat nicht einfach "seinen Thron verlassen", er ist schon dort geblieben, als er seinen Sohn in die Welt sandte. Wie Du das schreibst, klingt es fast nach göttlicher Sedisvakanz.
Es wurde zwar "nur" der Sohn Mensch, aber er ist der gleiche Gott wie der Vater. Darum lässt es sich tatsächlich sagen, dass Gott in Jesus Mensch wurde, was eigentlich gegen seine Würde ist, aber was Er aus Seiner Souveränität und Liebe heraus dennoch getan hat. Wahrscheinlich ist der Sohn sogar das Vorbild für die Erschaffung der Menschen, d.h. er war seit seiner Zeugung das Bildnis Gottes. Dies göttliche Vorbild für den Menschen bedeutet auch, dass Gott (der Sohn) das Vorbild für jeden einzelnen Menschen und seine Persönlichkeit ist. Diese Persönlichkeit ist durch die Erbsünde entfremdet, kann aber durch Gottvertrauen wieder geheilt (siehe Abraham, David, Maria, Petrus) werden.
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von lifestylekatholik » Montag 27. August 2012, 16:19

Pilgerer hat geschrieben:Wahrscheinlich ist der Sohn sogar das Vorbild für die Erschaffung der Menschen, d.h. er war seit seiner Zeugung das Bildnis Gottes.
Das verstehe ich nicht. Was meinst du mit "Bildnis Gottes"? Welcher der katholischen orthodoxen Schriftsteller verwendet diese Formulierung?
»Was muß man denn in der Kirche ›machen‹? In den Gottesdienſt gehen und beten reicht doch.«

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Montag 27. August 2012, 16:30

lifestylekatholik hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Wahrscheinlich ist der Sohn sogar das Vorbild für die Erschaffung der Menschen, d.h. er war seit seiner Zeugung das Bildnis Gottes.
Das verstehe ich nicht. Was meinst du mit "Bildnis Gottes"? Welcher der katholischen orthodoxen Schriftsteller verwendet diese Formulierung?
Der Vater ist unsichtbar, ewig, nicht in ein Bild zu formen. Der Sohn dagegen ist sichtbar und hat eine Gestalt. Im Sohn sehen die Engel und vollendeten Heiligen zugleich den Vater. Er ist in Jesus Mensch geworden, damit auch die Sünder den Sohn und durch Ihn zugleich den Vater sehen können.
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Dieter » Donnerstag 13. September 2012, 15:09


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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 16. September 2012, 21:11

Nach Luther kommt es darauf an, dass Jesus nicht allein in Bethlehem, sondern auch "in dir" geboren werde. Hierin kann ein evangelischer Christ also Maria darin nachfolgen, dass er im Heiligen Geist "schwanger" wird und Christus gebiert. Das ist eine Deutung des Wiedergeburts-Gedanken, dass nämlich der Christ durch die Wiedergeburt zu einem völlig neuen Wesen in und mit Christus werde.
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Raphaela » Sonntag 16. September 2012, 21:11

Ich habe jetzt die 40 Seiten nicht gelesen, hoffe daher, dass die folgende Frage nicht schon irgendwo beantowortet ist:

Würden evanglelische Christen je ein Marienlied (egal in welcher Sprache) singen, in dem es heißt: Heilige Maria, bitte für uns? -> Habe ich heute in einem ökumenischen Gottesdienst erlebt - und mir ganz genau das Gesicht der Pfarrerin in dieser Situation angesehen, das hat Bände gesprochen....
Ich bin gerne katholisch, mit Leib und Seele!

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von asderrix » Sonntag 16. September 2012, 21:27

Raphaela hat geschrieben:Ich habe jetzt die 40 Seiten nicht gelesen, hoffe daher, dass die folgende Frage nicht schon irgendwo beantowortet ist:

Würden evanglelische Christen je ein Marienlied (egal in welcher Sprache) singen, in dem es heißt: Heilige Maria, bitte für uns? -> Habe ich heute in einem ökumenischen Gottesdienst erlebt - und mir ganz genau das Gesicht der Pfarrerin in dieser Situation angesehen, das hat Bände gesprochen....
Wenn es da auch evangelische Christen gab in dem Gottesdienst, und sie das mitgesungen haben, kannst du dir das ja selbst beantworten.

Ich, und niemand anderes kann für "die" evangelischen Christen sprechen, ich und viele die ich kenne würden so etwas nicht singen.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonntag 16. September 2012, 21:30

Raphaela hat geschrieben:Ich habe jetzt die 40 Seiten nicht gelesen, hoffe daher, dass die folgende Frage nicht schon irgendwo beantowortet ist:

Würden evanglelische Christen je ein Marienlied (egal in welcher Sprache) singen, in dem es heißt: Heilige Maria, bitte für uns? -> Habe ich heute in einem ökumenischen Gottesdienst erlebt - und mir ganz genau das Gesicht der Pfarrerin in dieser Situation angesehen, das hat Bände gesprochen....
Dazu als Antwort Lied 346 aus dem ev. Gesangsbuch:
1. Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedach soll sein, auf Christus sich zu gründen. Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden. 2. Such wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdroben. Uns wird das heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben. 3. Ach sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr, und keiner mehr, der euch das Heil gewähret ...
(von Georg Weissel, 1642)

Die Bedeutung Jesu darf in keiner Weise durch Heiligen- oder Marienverehrung relativiert werden. Was meiner Ansicht nach aber damit vereinbar ist, ist die Gebetsgemeinschaft mit den Heiligen oder Maria, durch die das Herz des Sünders eine gesunde Haltung vor Gott annimmt. Oft ist das Herz unrein, aber die Gemeinschaft mit einem Heiligen schenkt uns für den Moment des Gebets die Herzensreinheit des Heiligen. Am wirksamsten ist aber immer noch die Gebetsgemeinschaft mit Jesus, der uns vor dem Vater vertritt, wie es sonst kein Heiliger vermag.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von adelphe » Mittwoch 19. September 2012, 15:36

Raphaela hat geschrieben:Würden evanglelische Christen je ein Marienlied (egal in welcher Sprache) singen, in dem es heißt: Heilige Maria, bitte für uns? -> Habe ich heute in einem ökumenischen Gottesdienst erlebt - und mir ganz genau das Gesicht der Pfarrerin in dieser Situation angesehen, das hat Bände gesprochen....
Mir persönlich fiele es schwer. Weil ich selber damit das Gefühl verbinden würde, Gott zu betrügen. Wenn ich schon bete, dann kann ich doch auch direkt zu ihm kommen. Und ich denke den meisten anderen ev. würde es ähnlich ergehen.

Ich kenne aber einen Pastor der sagen würde: Warum, du bittest ja auch andere Menschen für dich zu beten, dann kannst du auch Maria bitten.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Marienkind » Freitag 27. September 2013, 22:20

Ich kenne aber einen Pastor der sagen würde: Warum, du bittest ja auch andere Menschen für dich zu beten, dann kannst du auch Maria bitten.


Dazu wäre zu sagen: wenn doch der Herr uns allezeit nahe ist, und wir ihm uns jederzeit in Vertrauen ansprechen dürfen, warum bedarf es dann des Umwegs über eine Drittperson?

Irgendwie scheint es mir schon logisch, was der reformierte Gelehrte Johann Heinrich Jung-Stiling gelegentlich einer "nachtodlichen Belehrung"


http://www.wiwi.uni-siegen.de/merk/stil ... glaube.pdf

dazu sagt.

Dort in Anmerkung 12 übrigens auch viel über eine "Botschaft Mariens an ihre zudringlichen Verehrer" aus dem Jahr 1674.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Kleinwald » Mittwoch 2. Oktober 2013, 09:38

Das Luthertum täte gut daran, einmal ehrlich zu ergründen, warum manche "Sachen" schlicht abhanden gekommen sind. Sind es wirklich theologische Bedenken oder ist der wahre Grund doch die Abgrenzung zum Katholizismus?

Und das betrifft nicht nur die Marien- und Heiligenverehrung, auch simple Sachen wie das Kreuzschlagen, Knien, liturgische Bräuche, Rosenkranz etc...
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von berneuchen » Sonntag 6. Oktober 2013, 22:06

Kleinwald hat geschrieben:Das Luthertum täte gut daran, einmal ehrlich zu ergründen, warum manche "Sachen" schlicht abhanden gekommen sind. Sind es wirklich theologische Bedenken oder ist der wahre Grund doch die Abgrenzung zum Katholizismus?

Und das betrifft nicht nur die Marien- und Heiligenverehrung, auch simple Sachen wie das Kreuzschlagen, Knien, liturgische Bräuche, Rosenkranz etc...
Die Gründe bzw. DER Grund ist klar: die Lutherische Kirche in ihrer heutigen Gestalt ist viel mehr ein Produkt der Aufklärung als ein Ergebnis der Reformation. Das heißt aber nicht, dass sie hinter die Aufklärung zurück müsste- sie muss darüber hinaus wachsen. Anzeichen dafür gibt es leider wenige- aber es gibt sie.

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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Kleinwald » Montag 7. Oktober 2013, 09:12

berneuchen hat geschrieben:Anzeichen dafür gibt es leider wenige- aber es gibt sie.
Wo? Und welche Anzeichen meinst Du genau?
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Radulf Thoringi
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Re: Maria in den Kirchen der Reformation

Beitrag von Radulf Thoringi » Montag 7. Oktober 2013, 12:25

Kleinwald hat geschrieben:Das Luthertum täte gut daran, einmal ehrlich zu ergründen, warum manche "Sachen" schlicht abhanden gekommen sind. Sind es wirklich theologische Bedenken oder ist der wahre Grund doch die Abgrenzung zum Katholizismus?

Und das betrifft nicht nur die Marien- und Heiligenverehrung, auch simple Sachen wie das Kreuzschlagen, Knien, liturgische Bräuche, Rosenkranz etc...
Das ist auch aus meiner (lutherischer) Sicht so.
Also wie war das mit dem Strang zu den GKR-Wahlen ;-) .
"Der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott."
Werner Heisenberg

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