Rund um die SELK

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

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Bischof
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Rund um die SELK

Beitrag von Bischof » Montag 19. Januar 2015, 21:32

Irgendwie gibt es verschiedene Themen, die in den Bereich der SELK gehören. Vielleicht hilft eine Bündelung zu einem Strang (kann das ein Mod. erledigen?). Dann ist das nicht alles so zerfleddert, wenn man mal was zum Thema sucht.

Also: Aktuell hat deren Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. ein neues Hirtenwort herausgegeben. Es trägt die Überschrift: Flüchtlinge willkommen heißen - Christentum und Islam in Europa

Es ist hier abrufbar: http://lutherisch-in-berlin.de/images/P ... _Voigt.pdf

Alt-Katholik
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Alt-Katholik » Dienstag 20. Januar 2015, 09:48

Wann wird die SELK von den Landeskirchen aufgesaugt? Wenn die Mitgliederzahl bei unter 30000 liegt? Dauert ja nicht mehr lange...

Tinius
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Dienstag 20. Januar 2015, 19:46

Alt-Katholik hat geschrieben:Wann wird die SELK von den Landeskirchen aufgesaugt? Wenn die Mitgliederzahl bei unter 30000 liegt? Dauert ja nicht mehr lange...
Die SELK kann dann wenigstens ihre hässlichen Kirchengebäude abstoßen. Bei 30.000 hätte die SELK aber immer noch doppelt so viele Schäfchen wie die altkatholische Kirche, die dann auch in die EKD könnte, oder?

Alt-Katholik
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Alt-Katholik » Dienstag 20. Januar 2015, 23:56

Tinius hat geschrieben:
Alt-Katholik hat geschrieben:Wann wird die SELK von den Landeskirchen aufgesaugt? Wenn die Mitgliederzahl bei unter 30000 liegt? Dauert ja nicht mehr lange...
Die SELK kann dann wenigstens ihre hässlichen Kirchengebäude abstoßen. Bei 30.000 hätte die SELK aber immer noch doppelt so viele Schäfchen wie die altkatholische Kirche, die dann auch in die EKD könnte, oder?
1. Im Gegensatz zu den Altprottis wachsen wir.
2. Wenn, dann werden wir Anglikaner.

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Plueschmors
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Plueschmors » Donnerstag 22. Januar 2015, 15:12

Hallo Bischof,
Bischof hat geschrieben: Irgendwie gibt es verschiedene Themen, die in den Bereich der SELK gehören...
selbst in evangelischen Foren ist von der SELK nur wenig bis gar nicht die Rede, darum wundert es mich, daß diese sehr kleine Gemeinschaft ausgerechnet in einem katholischen Forum behandelt wird. Gibt es hier womöglich aktive Mitglieder? Da ich selbst eine SELK-Gemeinde vor der Haustür habe, würde es mich natürlich freuen, diesen doch recht seltenen Geschwistern auch online zu begegnen.

:)

Liebe Grüße, Plueschmors.
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Coturnix » Donnerstag 22. Januar 2015, 20:25

Ich bin eigentlich "offiziell" Landeskirchler aber besuche eine SELK Gemeinde, da sie eine anständige Liturgie ohne Wildwuchs und Selbstinszenierung des Pfarrers haben und das Heilige Abendmahl oft und in würdiger Weise feiern.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Amanda » Donnerstag 22. Januar 2015, 21:32

Ich habe schon einiges von der SELK gehört. Sie wird oft als protestantisches Äquivalent zur Priesterbruderschaft St. Pius X. bezeichnet.
"Die Kirche scheint immer der Zeit hinterher zu sein,
obwohl sie doch in Wirklichkeit jenseits der Zeit ist;
sie wartet, bis der letzte Tick seinen letzten Sommer gehabt hat."
Gilbert Keith Chesterton

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Coturnix » Donnerstag 22. Januar 2015, 21:51

Amanda hat geschrieben:Ich habe schon einiges von der SELK gehört. Sie wird oft als protestantisches Äquivalent zur Priesterbruderschaft St. Pius X. bezeichnet.
Ohne die Piusbruderschaft jetzt wirklich gut zu kennen, denke ich dennoch sagen zu können, dass das so nicht zutrifft. Wobei das regional sehr unterschiedlich sein dürfte (Es gibt wohl Gebiete in denen die SELK-Gemeinden traditionell konservativer sind als andererorts). Wenn ich mit den SELKianern aus den zwei Gemeinden, die ich bis jetzt besucht habe, über ihre Kirche geredet habe, dann haben sie sich hauptsächlich immer über ihre Unabhängigkeit definiert (Dass sie nicht mit dem Staat verquickt sind und von keiner Kirchensteuer profitieren) und manchmal auch über ihre traditionellere Liturgie. Eine konservativere theologische Ausrichtung schien bei den Leuten (Laien!) mit denen ich bisher im Gespräch war gar nicht mal so eine herausragende Rolle zu spielen, wie man vielleicht vermuten könnte.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Plueschmors » Freitag 23. Januar 2015, 08:45

Hallo Coturnix,
Coturnix hat geschrieben: Ich bin eigentlich "offiziell" Landeskirchler aber besuche eine SELK Gemeinde, da sie eine anständige Liturgie ohne Wildwuchs und Selbstinszenierung des Pfarrers haben und das Heilige Abendmahl oft und in würdiger Weise feiern.
erste Besuche für Landeskirchler sind sicher gewöhnungsbedürftig, weil die Texte etwa des Vaterunsers und des Credos in der SELK noch im alten Wortlaut gesprochen werden, da muß man sich erst mal reinfinden; wenn man sich aber daran gewöhnt hat, ist es wunderbar, das hat ein ganz besonderes Flair, vielleicht ähnlich wie eine lateinische Messe anstatt einer deutschen. Ich wäre da vielleicht auch häufiger, störe mich allerdings noch an gewissen freikirchentypischen Verhaltensweisen der Gemeindeglieder.

Liebe Grüße, Plueschmors.
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Coturnix » Sonnabend 24. Januar 2015, 00:02

Plueschmors hat geschrieben: erste Besuche für Landeskirchler sind sicher gewöhnungsbedürftig, weil die Texte etwa des Vaterunsers und des Credos in der SELK noch im alten Wortlaut gesprochen werden, da muß man sich erst mal reinfinden; wenn man sich aber daran gewöhnt hat, ist es wunderbar, das hat ein ganz besonderes Flair, vielleicht ähnlich wie eine lateinische Messe anstatt einer deutschen.
Das mag sein, dass es für manche Landeskirchler ein "Kulturschock" ist ;) Für mich war dieses Moment aber nicht so stark da, da ich schon länger nciht mehr in einem "normalen" landeskirchlichen Gottesdienst war sondern vor meinem Umzug immer die evangelischen Messen der Michaelsbruderschaft besucht habe, die ja ebenfalls viel Wert auf ihre Liturgie legen und ich mich gewissermaßen schon daran "gewöhnt" hatte. Wegen der anderen Texte: In der ersten SELK Gemeinde in der ich war verwendeten sie tatsächliche eine alte Form des Nicäum-Konstantinopolitanums, das Vater Unser wurde dort sowieso nur vom Pfarrer gesprochen. Hier wo ich jetzt bin sprechen sie das Credo nach der ökumenischen Übersetzung und das Vater Unser wird auch in der vertrauten Übersetzung gesprochen. Liturgische Besonderheiten der SELK sind vor allem die Gemeindebeichte als Bestandteil des Abendmahlsgottesdienstes (die ich in der Form noch nie andererorts erlebt habe) sowie auch den (in meinen Augen schönen) Brauch, nach der Kommunion das Nunc Dimittis anzustimmen. Am meisten gefällt mir die Wertschätzung des Heiligen Abendmahls. Nach meiner bisherigen Erfahrung ist die SELK die einzige Kirche in Deutschland, in der die Mundkommunion im Knien die Norm ist. Was mir sehr gut gefällt ist, dass das Nicäno-Konstantinotpolitanum und das Gloria-Laudamus scheinbar bei jedem Abendmahlsgottesdienst gesprochen bzw. gesungen werden.
Plueschmors hat geschrieben: Ich wäre da vielleicht auch häufiger, störe mich allerdings noch an gewissen freikirchentypischen Verhaltensweisen der Gemeindeglieder.
Was meinst du hiermit genau? Auf mich wirkten sie eigentlich wie gesagt immer recht offen :)
Liebe Grüße
Coturnix

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Plueschmors
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Plueschmors » Sonnabend 24. Januar 2015, 09:08

Hallo Coturnix,
Coturnix hat geschrieben: Wegen der anderen Texte: In der ersten SELK Gemeinde... Hier wo ich jetzt bin...
ja, da gibt es sicher große Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde; die vor meiner Haustür scheint demnach stockkonservativ zu sein, da heißt es noch "niedergefahren zur Hölle" und "erlöse uns von dem Übel". Ich weiß das allerdings zu schätzen, da ich ja auch mit den Texten in der alten Fassung aufgewachsen bin.
Plueschmors hat geschrieben: Ich wäre da vielleicht auch häufiger, störe mich allerdings noch an gewissen freikirchentypischen Verhaltensweisen der Gemeindeglieder.
Coturnix hat geschrieben: Was meinst du hiermit genau? Auf mich wirkten sie eigentlich wie gesagt immer recht offen.
Damit meine ich einfach, viel zu viel Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen, was nicht unbedingt so meine Sache ist. Da ich eher introvertiert bin und im Gottesdienst vor allem Andacht habe, habe ich es nicht so gern, umringt, ausgefragt und eingenommen zu werden; aber das ist auch nur mein persönliches Empfinden, andere werden gerade das zu schätzen wissen. Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich in einer Gemeinde zwar freundlich, aber unaufdringlich begrüßt werde.

Beste Grüße, Plueschmors.
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Bischof
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Bischof » Montag 16. Februar 2015, 13:54

Es gibt wieder etwas, was aus dem Bereich er SELK erwähnt werden sollte.

Die St. Mariengemeinde in Berlin (http://www.lutherisch.de) hat nun einen Ableger in Steglitz (Dreieinigkeitskirche), wo Pfarrer Dr. Gottfried Martens Mission unter Muslimen - vornehmlich aus dem Iran und Afghanistan - betreibt:

Hierzu zwei interessante Links:

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... aehrt.html
http://aktuell.evangelisch.de/artikel/1 ... morgenland

Tinius
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Montag 16. Februar 2015, 16:49

"Einige wurden in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt, die übrigen warten noch auf die Entscheidung im Asylverfahren."

Schön.....Angeblich bleiben dann 90 Prozent nach der Anerkennung der Gemeinde treu.

Tinius
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Dienstag 17. Februar 2015, 23:46

Plueschmors hat geschrieben: selbst in evangelischen Foren ist von der SELK nur wenig bis gar nicht die Rede,
Wo gibt es denn bitte "evangelische Foren" ?

Die SELK hat ihres zugemacht und ansonsten ???

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Kleinwald
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Kleinwald » Mittwoch 18. Februar 2015, 07:26

Gibt es eigentlich eine (historische?) Erklärung dafür, dass die SELK in Bayern so gut wie nicht existent ist?
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

Bischof
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Bischof » Mittwoch 18. Februar 2015, 09:01

@ Kleinwald:
Ja, es gibt eine historische Erklärung. Bekanntlich setzt sich die SELK in ihrer heutigen Gestalt aus verschiedenen Vorgängerkirchen zusammen, die alle im 19. Jahrhundert entstanden sind.

a) Nach Einführung der Union 1817/1830 in Preußen, Hessen, Baden und anderen Ländern mit der Entstehung der "Altlutheraner"
b) In Reaktion auf liberale Strömungen innerhalb lutherischer Landeskirchen, z.B. in Sachsen, bzw.
c) gleichzeitiger (lutherisch-pietistischer) Erweckungsbewegung z.B. in Niedersachen (Stichwort: Louis Harms in Hermannsburg)

In Bayern war die dortige Landeskirche zu Beginn bis Mitte des 19. Jahrhunderts ebenfalls eher liberal - bis Wilhelm Löhe in Neuendettelsau auf den Plan trat. Löhe führte die Bayerische Landeskirche auf einen guten konfessionell-lutherischen Weg. Folglich sah sich dort niemand genötigt unabhängige lutherische Gemeinden zu gründen. Eine Union zwischen Reformierten und Lutheranern war ebenfalls von niemanden angedacht. Dieser konfessionell-lutherische Weg hielt bis sich zur Mitgliedschaft in der Bayern in der EKD 1949.

Die Altlutheraner und die bayerische Landeskirche standen sogar bis 1949 in voller Kirchen- und Abendmahlsgemeinschaft! Nach 1949 als die Bayerische Landeskirche immer liberaler wurde - bis zu ihrem heutigen Punkt, sind keine Gemeinden der Bayerischen Landeskirche aus- und in die SELK eingetreten. Auch sind mir keine größeren Gruppen von Gemeindegliedern bekannt, die Wechseln wollen, sodass die SELK ein Pfarramt irgendwo neu eröffnen könnte.

Darum gibt es in Bayern kaum Kirchengemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Ich hoffe, dass ich die Frage beantworten konnte.

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Kleinwald
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Kleinwald » Mittwoch 18. Februar 2015, 09:27

Danke Bischof! :klatsch:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

Dieter
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Dieter » Donnerstag 9. April 2015, 09:01

"Während die meisten landeskirchlichen Gemeinden schrumpfen, wächst die Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Leipzig. Von idea-Redakteur Matthias Pankau

Leipzig (kath.net/idea) Die St. Trinitatis-Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Leipzig erlebt das, was in der EKD seit Jahren angestrebt und was nahezu gebetsmühlenartig wiederholt wird: Sie wächst gegen den Trend – wenn auch auf niedrigem Niveau. 16 Mitglieder hat die Gemeinde derzeit, etwa ein Drittel davon sind Konvertiten – ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, vor allem Iraner. (...)

kath.net

Fortsetzung:

http://www.kath.net/news/584

Tinius
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Donnerstag 9. April 2015, 14:03

Dieter hat geschrieben: 16 Mitglieder hat die Gemeinde derzeit, etwa ein Drittel davon sind Konvertiten – ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, vor allem Iraner. (...)
Tut mir Leid. Ich kann diesen Käse mit den Iranern, die Christen geworden sind (ausgerechnet bei der SELK) nicht mehr hören. Offensichtlich wird hierdurch eine vom deutschen Recht gedeckte Nichtabschiebbarkeit auch bei Ablehnung eines Asylantrags konstruiert.
Da der Iran zu den wenigen islamischen Staaten gehört, die wirklich Konvertieten hinrichten, ist das augenfällig.

http://christineschirrmacher.info/tag/k ... ristentum/

Doro173
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Doro173 » Montag 13. April 2015, 14:16

Tinius hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben: 16 Mitglieder hat die Gemeinde derzeit, etwa ein Drittel davon sind Konvertiten – ehemalige Muslime, die Christen geworden sind, vor allem Iraner. (...)
Tut mir Leid. Ich kann diesen Käse mit den Iranern, die Christen geworden sind (ausgerechnet bei der SELK) nicht mehr hören. Offensichtlich wird hierdurch eine vom deutschen Recht gedeckte Nichtabschiebbarkeit auch bei Ablehnung eines Asylantrags konstruiert.
Da der Iran zu den wenigen islamischen Staaten gehört, die wirklich Konvertieten hinrichten, ist das augenfällig.

http://christineschirrmacher.info/tag/k ... ristentum/
Hallo Tinius,

1. Dass ausgerechnet in die SELK so viele ehemalige Muslime aus dem Iran und Afganistan strömen, liegt hauptsächlich am sog. "Schneeballprinzip": Erst waren es nur sehr wenige, die aber unter Verwandten und Freunden in ihrer Heimat sowie ihren Landsleuten in Deutschland das Evangelium bezeugt haben, so dass immer mehr hinzukamen. Man kann ganz getrost von einer richtigen "Erweckungsbewegung" sprechen, so, wie man sie sich für die Deutschen nur wünschen würde. Manche Muslime wurden auch von Jesus im Traum an die Hand genommen und in eine Kirche geführt. Das haben mehrere völlig unabhängig voneinander erfahren, so dass ich denke, dass dies wahr ist. Erstaunlich, wie Gott auch und gerade in den Ländern wirkt, wo man nicht so einfach in jedem Buchladen die Bibel kaufen oder in einer Kirche eine Predigt hören kann ...

2. Wenn Menschen getauft werden wollen und sich dazu einem mehrmonatigen Taufunterricht unterziehen mit der daran geknüpften Auflage, regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen - eine gewisse Herausforderung, wenn man nur marginale Deutschkenntnisse hat und die Predigt nicht übersetzt wird! - ist erst einmal davon auszugehen, dass diese Menschen das auch ernsthaft wollen. Ob sie dann auch später noch bei der Kirche ausharren, auch wenn diese nicht alle ihre irdischen Hoffnungen erfüllen kann oder will, ist dann wieder eine andere Frage. Darüber wird aber letztlich einmal kein menschliches Gericht sein Urteil fällen. Der biblische Sämann ist ja auch aufgefordert, den Samen mit vollen Händen großzügig auszustreuen und sich keine Sorgen zu machen, was davon vielleicht doch auf den Felsen oder in die Dornen gerät ...

Viele Grüße

Doro

Dieter
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Dieter » Montag 13. April 2015, 14:57

In diesem Punkt würde ich Tinius Recht geben.

Wer als Iraner vom Islam abfällt, den erwartet die Todesstrafe.

Deutschland schiebt aber keine Menschen in ein Land ab, in denen auf Religionswechsel die Todesstrafe steht.

Die Iraner in der SELK brauchen also gar nicht mehr in einem langen Verwaltungsverfahren um den Aufenthalt in Deutschland kämpfen, denn der ist ihnen sicher.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Doro173 » Montag 13. April 2015, 15:12

Dieter hat geschrieben:Deutschland schiebt aber keine Menschen in ein Land ab, in denen auf Religionswechsel die Todesstrafe steht.

Die Iraner in der SELK brauchen also gar nicht mehr in einem langen Verwaltungsverfahren um den Aufenthalt in Deutschland kämpfen, denn der ist ihnen sicher.
Das Problem ist das Dublin-II-Abkommen: Danach können Flüchtlinge aus Deutschland in das europäische Land abgeschoben werden, in dem sie zuerst registriert wurden. Und: Nein, die Todesstrafe droht ihnen da nicht. Dafür aber anderes, z.B.:

- Haft in Bulgarien - ein Flüchtling hat dabei 40 kg abgenommen
- Unweigerliche Abschiebung aus Norwegen in die Heimat, da dort Konversion zum Christentum kein Grund auf Asyl ist
- Übernachten unter Brücken in Italien, da die Flüchtlingsunterkünfte dort hoffnungslos überfüllt sind

Dies klingt schon hart bis unzumutbar für gesunde, psychisch stabile Menschen innerhalb des gewohnten Sprach- und Kulturkreises. Man stelle sich jetzt aber Menschen vor, die ihre Heimat fluchtartig verlassen mussten, da ihnen dort der Tod drohte, die vielleicht noch als halbe Kinder in Afghanistan an die Waffen gezwungen werden sollten, die ihre Familien, ihre Sprache, ihre Freunde zurürcklassen mussten; die vielleicht sogar den gewaltsamen Tod ihrer nächsten Angehörigen hilflos ansehen mussten; die schwer traumatisiert endlich in Deutschland ankommen und eigentlich intensive seelische Betreuung bräuchten ... nur um dann zu erfahren, dass sie auch hier durchaus nicht willkommen sind, dass sie hier lange ohne Arbeit in Heimen herumsitzen müssen, immer in der Angst, dass morgen ihr letzter Tag in diesem Land sein könnte .... Wenn dies alles schließlich nicht nur irgendwelche wildfremden Menschen, sondern die eigenen Gemeindeglieder betrifft, mit denen man jeden Sonntag zusammen zum Heiligen Abendmahl geht und die Bibelstunden besucht, bekommt man schließlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge ...
Zuletzt geändert von ziphen am Dienstag 14. April 2015, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat repariert

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Montag 13. April 2015, 17:09

Doro173 hat geschrieben: Wenn dies alles schließlich nicht nur irgendwelche wildfremden Menschen, sondern die eigenen Gemeindeglieder betrifft, mit denen man jeden Sonntag zusammen zum Heiligen Abendmahl geht und die Bibelstunden besucht, bekommt man schließlich eine ganz andere Sicht auf die Dinge ...
Dass Muslime von Jesus im Traum an die Hand genommen und in eine Kirche geführt werden.....das ist mit Verlaub gesagt "leicht unglaubwürdig."
Das sind auswendig gelernte Geschichten, falls man mal gefragt wird, warum man gerade als Asylbewerber plötzlich Christ wird.
Die Geschichte mit Norwegen stimmt so nicht. Es gibt keine Abschiebungen in den Iran, wenn dort die Todesstrafe droht. Und das Regime lässt dort gerne an Kränen aufhängen....

Anzumerken ist noch, dass gerade bei den Schiiten die klare Erlaubnis und Tradition der Verschleierung und Lüge erlaubt ist, wenn man in Lebensgefahr ist.
Man sollte sich auch Realitäten stellen, die eben so sind.
Als Perser in Deutschland würde ich es ebenso machen. Klar, warum auch nicht?

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Doro173 » Montag 13. April 2015, 17:22

Tinius:

Ich kann Dich nur ermutigen: "Komm und höre/sieh selbst!"
Besuch doch einmal eine der Missionsgemeinden, unterhalte Dich mit verschiedenen Menschen dort, tauche in ihr Leben ein ... viele hatten in ihrer Heimat gute Jobs und auch einen gewissen Wohlstand. Das mussten sie alles um ihres Glaubens willen aufgeben und in Deutschland wieder ganz von unten anfangen. Einige Eltern haben auch ihre Kinder wegen ihres Glaubenswechsels verstoßen. All das gibt man doch nur dann auf, wenn man einen sehr, sehr triftigen Grund dafür hat ...

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Montag 13. April 2015, 17:25

Ich wohne im Süd-Westen Deutschlands. Wo gibt es denn da solche Gemeinden?

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Doro173 » Montag 13. April 2015, 17:44

Im Südwesten kenne ich mich leider nicht aus. Innerhalb der SELK kann ich Dir drei Gemeinden mit größeren Zahlen ehemaliger Muslime nennen: Berlin-Steglitz, Leipzig, Braunschweig. Also, falls Du Dich mal in Richtung Nordosten begeben solltest ...
Ansonsten findest Du hier eine Presseschau zum Thema:
http://www.lutherisch-in-berlin.de/inde ... resseschau

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tritonus » Montag 13. April 2015, 20:45

Übertritte größerer Gruppen gibt es nicht nur in SELK-, sondern auch in bestimmten EKD-Gemeinden, in denen zunächst kleine, dann (vielleicht infolge verwandtschaftlicher Bindungen) immer größer werdende Gruppen von Ex-Moslems getauft werden. Die Gemeinden hängen einzelne Taufen aus verschiedenen Gründen eher selten an die große Glocke, und so sind öffentliche Ankündigungen wie diese eine echte Rarität im Netz:
In der Gedächtniskirche in Speyer feiert die Gemeinde am Karsamstag die Osternacht nach alter christlicher Tradition mit Osterkerzen und Osterlob. [...] werden in diesem Gottesdienst – nach einem achtwöchigen Taufkurs – drei iranische Taufbewerber getauft.

( https://www.evkirchepfalz.de/aktuelles- ... presse_pi1[item]=1753&cHash=6251478b36d5e575e455af28d193c9d7 )
Bei der oben erwähnten Osternachtsfeier in der Gedächtniskirche (der ev. Hauptkirche in Speyer), die ich auf eine Einladung hin auch miterlebt habe, waren jedenfalls so viele Iraner anwesend, dass der Pfarrer beschloss, das Osterevangelium nicht nur auf Deutsch, sondern auch (von einem Iraner) in Farsi vorlesen zu lassen.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Schwenkelpott » Montag 13. April 2015, 20:59

Tinius hat geschrieben:Ich wohne im Süd-Westen Deutschlands. Wo gibt es denn da solche Gemeinden?
http://www.selk.de/index.php?option=com ... &Itemid=45
Der Katholik steht und will stehen in Allem auf historischem Boden; nur das Erdreich der Überlieferung gibt ihm Festigkeit und Nahrung; nur was sich an Überliefertes anschließt, gedeiht und treibt zu neuen Blüten und neuem Samen.
H. Bone, Cantate! 1847

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von umusungu » Montag 13. April 2015, 21:46

Tritonus hat geschrieben:Bei der oben erwähnten Osternachtsfeier in der Gedächtniskirche (der ev. Hauptkirche in Speyer), die ich auf eine Einladung hin auch miterlebt habe, waren jedenfalls so viele Iraner anwesend, dass der Pfarrer beschloss, das Osterevangelium nicht nur auf Deutsch, sondern auch (von einem Iraner) in Farsi vorlesen zu lassen.
große Klasse!
Vor 25 Jahren habe ich das Evangelium auch auf Vietnamesisch vorlesen lassen.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Montag 13. April 2015, 21:47

Schwenkelpott hat geschrieben:
Tinius hat geschrieben:Ich wohne im Süd-Westen Deutschlands. Wo gibt es denn da solche Gemeinden?
http://www.selk.de/index.php?option=com ... &Itemid=45
Die Frage lautete nach "solchen" Gemeinden und nicht nach Gemeinden.
Die Taufe der SELK hat (nebenher gesagt) auch den Vorteil, nicht dem staatlichen Kirchensteuerzwangssystem zu unterliegen.

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Re: Rund um die SELK

Beitrag von umusungu » Montag 13. April 2015, 21:52

Tinius hat geschrieben:Die Taufe der SELK hat (nebenher gesagt) auch den Vorteil, nicht dem staatlichen Kirchensteuerzwangssystem zu unterliegen.
scheint für dich DIE entscheidende Frage zu sein.

Tinius
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Re: Rund um die SELK

Beitrag von Tinius » Montag 13. April 2015, 21:55

umusungu hat geschrieben:
Tinius hat geschrieben:Die Taufe der SELK hat (nebenher gesagt) auch den Vorteil, nicht dem staatlichen Kirchensteuerzwangssystem zu unterliegen.
scheint für dich DIE entscheidende Frage zu sein.
Quatsch. Doch nicht für mich, sondern für den Iraner, der eine Nichtabschiebung braucht.

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