Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

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Pollux
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Pollux » Montag 9. Juni 2014, 11:12

Es gibt eben spezielle Formen, Gott zu loben und zu preisen. So gibt es Familiengottesdienste, die besonders die Kinder mit einbeziehen, es gibt zu Weihnachten das Krippenspiel und es gibt den streng liturgischen Gottesdienst nach alter Tradition.Wenn ich in unserer Stadt entscheide, wohin ich am Sonntag gehe, dann spielt all das eine Rolle. Auch gibt es gute und weniger gute Prediger, dafür sind sie aber stark in Besuchsdiensten. So hat auch jeder Pastor seine eigenen besonderen Begabungen.Früher nahm ich auch an dem Darreichen von Essen und Getränken nach dem Gottesdienst in der Kirche Anstoss.Dazu haben wir hier aber extra eine "offene Kirche", die auch geöffnet ist für Ausstellungen, wovon im Jahr einige erfolgen. Die ev. Kirche kennt nicht die strikte Trennung in sakrale und profane Räumlichkeiten.Gott ist überall dort gegenwärtig, wo ich ihn im Geist der Wahrheit anbete.

Wie hier schon geschrieben wurde, ist es ja auch so, dass die Afrikaner, die wir hier auch in unserer Kirche speziell aus Ghana haben und die in unserer Martin Luther Kirche selbstverständlich anders Gottesdienst feiern als wir kühleren Nordeuropäer es gewohnt sind.
Dann gibt es die Gottesdienste der Pfingstkirchen, die etwas ganz Eigenes darstellen, denen ich aber nicht das Christliche absprechen kann und darf.Also ich plädiere für ein weites Herz in der unterschiedlichen Art und Weise, einen christlichen Gottesdienst zu feiern.

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Kleinwald
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Sonnabend 4. April 2015, 16:21

Die Passions- und Osterzeit bietet ja wieder viel Spielraum zur Selbstverwirklichung. :narr:

Gründonnerstag hätte ich am liebsten die Kirche gleich wieder verlassen, als ich das für eine Bildbetrachtung aufgebaute Equipment aus Leinwand (die natürlich während des Gottesdienstes auf und abgebaut werden muss...) und Beamer mit Laptop (dessen Virenscaner natürlich IMMER wärend der Bildbetrachtung updaten will... :ikb_devil2:) erblickte.

Karfreitag stand mal wieder mehr der Kirchechor im Mittelpunkt als der Gekreuzigte, aber daran hat man sich ja schon gewöhnt :nuckel:

So, genug ausge.. :kotz: Osternacht gibts zur Sicherheit bei Katholens, da muss ich mich wenigstens nicht so aufregen :breitgrins:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

Siard
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Siard » Sonnabend 4. April 2015, 17:32

Kleinwald hat geschrieben:Osternacht gibts zur Sicherheit bei Katholens, da muss ich mich wenigstens nicht so aufregen :breitgrins:
Optimist! ;D

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Sonnabend 4. April 2015, 18:40

Siard hat geschrieben: Optimist! ;D
Zur Not hab ich Bier kaltgestellt :prost:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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berneuchen
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von berneuchen » Montag 6. April 2015, 13:25

Kleinwald hat geschrieben:
Siard hat geschrieben: Optimist! ;D
Nach dem "Genuss " eines TV - Gottesdienstes zum Ostermontag aus einer mittelfränkischen Dorfkiche frage ich mich, ob das noch etwas mit dem Anliegen der Reformation zu tun hat. Der Anschluss an die gemeinsame Überlieferung von gottesdienstlichen Traditionen ist jedenfalls völlig verlorengegangen. Statt eines klaren und nachvollziehbaren Ablaufes ein unerträgliches Aneinanderreihen von poetisch- emphatischen Sprüchen, pädagogischen Fragen mi eingesprenkelten Bibeltexten. Das Ganze aufbereitet mit mittelmäßig dargebotenen Bläserattaken, Osterliedern und anderem. Es ist zum Kovertieren - ganz gleich wohin.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Siard » Montag 6. April 2015, 16:59

berneuchen hat geschrieben:Es ist zum Kovertieren - ganz gleich wohin.
Als ob es woanders besser wäre …
Meines Erachtens haben wir einen großflächigen Zusammenbruch gottesdienstlicher Kultur (überkonfessionell). Zwar gibt es immer wieder Inseln im Meer der Plattitüden, aber es sind schon eher Halligen, als Insel, immer in der Gefahr von der nächsten Mode oder dem nächsten Pfarrer unter einer zerstörerischen Flut zu verschwinden.
In den evangelischen Landeskirchen, in denen die Pfarrer gewählt werden, sind die Zerstörer gerne bereit vor der Wahl ein Fortsetzen des guten Ortsbrauchs zu versprechen – aber nach der Wahl zerstören sie alles innerhalb kurzer Zeit (so etwas habe ich mehrfach beobachten können).

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Kleinwald
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Montag 6. April 2015, 17:51

berneuchen hat geschrieben: Nach dem "Genuss " eines TV - Gottesdienstes
DAS ist auch so ein evangelisches Phänomen: Bei TV-Übertragungen möglichst viele Mätzchen machen. :narr:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Dieter » Montag 6. April 2015, 18:38

Kleinwald hat geschrieben:
berneuchen hat geschrieben: Nach dem "Genuss " eines TV - Gottesdienstes
DAS ist auch so ein evangelisches Phänomen: Bei TV-Übertragungen möglichst viele Mätzchen machen. :narr:


Ich empfinde die ZDF-Fernsehgottesdienste auch als Zumutung. Wenn man diese aber genau verfolgt, wird man feststellen, dass es nicht die Kirchen und Gemeinden sind, die hier etwas falsch machen oder sich mit den falschen Methoden profilieren wollen. Es sind die Vorgaben des ZDF!

Gerade vorgestern gab es hierfür wieder ein Beispiel: Es wurde der Ostergottesdienst aus der St.-Marienkirche in Berlin-Mitte übertragen. Diese Gemeinde kenne ich sehr gut und ich weiß, dass die Gottesdienste am Sonntag Vormittag traditionell und ohne Klamauk ablaufen. Bei der Übertragung hatte das ZDF aber mal wieder die Regieanweisungen gegeben, dass einzelne Gemeindemitglieder aus ihrem Leben erzählen mussten und dabei groß ins Bild gesetzt wurden.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Siard » Montag 6. April 2015, 20:40

Kleinwald hat geschrieben:DAS ist auch so ein evangelisches Phänomen: Bei TV-Übertragungen möglichst viele Mätzchen machen. :narr:
Nö, dös is definitiv überkonfessionell.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Gallus » Montag 6. April 2015, 21:27

Dieter hat geschrieben:Bei der Übertragung hatte das ZDF aber mal wieder die Regieanweisungen gegeben, dass einzelne Gemeindemitglieder aus ihrem Leben erzählen mussten und dabei groß ins Bild gesetzt wurden.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass diese Regieanweisung vom ZDF kommt. Heilige Messen im Fernsehgottesdienst laufen in der Regel ganz normal ab, und selbst traditionellere protestantische Gemeinden schaffen es manchmal, ohne diesen Quatsch ihren Fernsehgottesdienst zu feiern. Andererseits kann ich mich an dieses Erzählen von Schwänken aus dem Leben der Gemeindemitglieder auch noch erinnern, das gab es in meiner fernen evangelischen Zeit hier in den 1980ern auch schon, und zwar ohne Kamera weit und breit.

Tinius
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Tinius » Montag 6. April 2015, 21:46

Gallus hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Bei der Übertragung hatte das ZDF aber mal wieder die Regieanweisungen gegeben, dass einzelne Gemeindemitglieder aus ihrem Leben erzählen mussten und dabei groß ins Bild gesetzt wurden.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass diese Regieanweisung vom ZDF kommt. Heilige Messen im Fernsehgottesdienst laufen in der Regel ganz normal ab, und selbst traditionellere protestantische Gemeinden schaffen es manchmal, ohne diesen Quatsch ihren Fernsehgottesdienst zu feiern. Andererseits kann ich mich an dieses Erzählen von Schwänken aus dem Leben der Gemeindemitglieder auch noch erinnern, das gab es in meiner fernen evangelischen Zeit hier in den 1980ern auch schon, und zwar ohne Kamera weit und breit.
Ich kenne das von unserer evengelisch-reformierten Gemeinde überhaupt nicht. Das ist ja eine furchtbare Idee.

Fragesteller
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Fragesteller » Montag 6. April 2015, 23:12

Dieter hat geschrieben: Gerade vorgestern gab es hierfür wieder ein Beispiel: Es wurde der Ostergottesdienst aus der St.-Marienkirche in Berlin-Mitte übertragen. Diese Gemeinde kenne ich sehr gut und ich weiß, dass die Gottesdienste am Sonntag Vormittag traditionell und ohne Klamauk ablaufen. Bei der Übertragung hatte das ZDF aber mal wieder die Regieanweisungen gegeben, dass einzelne Gemeindemitglieder aus ihrem Leben erzählen mussten und dabei groß ins Bild gesetzt wurden.
Hab da auch schon (Sonntagfrüh zur normalen Uhrzeit) Abendmahl mit Trauben erlebt und Kinder, die Lieder powackelnden Känguruhs sangen. War eine Ausnahme, sicher, ist dort aber offenbar (gerade zu "besonderen Anlässen") nicht prinzipiell ausgeschlossen.

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Jarom1
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Jarom1 » Dienstag 7. April 2015, 09:47

Ich habe über Ostern mal wieder "The Abolition of Britain" von Peter Hitchens (dem Bruder des militanten Atheisten Christopher Hitchens) gelesen. Eines der Kapitel ("Hell freezes over") beschreibt u.a. die Abkehr des anglikanischen Gottesdienstes von King James Bible und Book of Common Prayer, indem moderne Bibelübersetzungen und alternative Gottesdienstbücher verwendet werden. Seiner Meinung nach wird dies nicht von den Gläubigen gefordert, sondern von der anglikanischen Hierarchie durchgesetzt; die Liturgiereform geht also von den kirchlichen Würdenträgern aus und dient dazu, die Liturgie ihrem geänderten Verständnis der Religion anzupassen.
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Kleinwald
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 7. April 2015, 11:41

Mag sein, dass die "Fürze" oft nicht in den Gemeinden selbst geboren werden, sondern beim Fernsehen. Jedoch werden solche Fernsehgottesdienste ja nicht von irgendwelchen kirchenfernen Redakteuren ausgeheckt, sondern von dort für diesen Zweck angestellten oder von den Landeskirchen abgeorderten Pfarrern.
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von ad-fontes » Dienstag 7. April 2015, 16:23

Kleinwald hat geschrieben:
berneuchen hat geschrieben: Nach dem "Genuss " eines TV - Gottesdienstes
DAS ist auch so ein evangelisches Phänomen: Bei TV-Übertragungen möglichst viele Mätzchen machen. :narr:
Bsp.: Am Karfreitag ev. Gd. (ARD) aus Bonn: Kirche voll besetzt, O Haupt voll Blut und Wunden (hörte sich sehr gut an), dann eine Frau und ein Mann (wohl keine Pfarrer), die den Mittelgang entlangschritten, sehe, daß die Frau barfuß ist (was kommt jetzt? ...ah 'ne Tanzeinlage..und tschüß..)

Wenn's interessiert, hier ist der Link:
http://www.ardmediathek.de/tv/Kirchlich ... Id=411271
Christi vero ecclesia, sedula et cauta depositorum apud se dogmatum custos, nihil in his umquam permutat, nihil minuit, nihil addit; non amputat necessaria, non adponit superflua; non amittit sua, non usurpat aliena. (Vincentius Lerinensis, Com. 23, 16)

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Dieter » Dienstag 7. April 2015, 18:58

Diese Tanzanlage am Karfreitag ist garantiert(!) unter der Regie des Fernsehens entstanden.

Man kann sich die Gottesdienste im letzten Jahr noch einmal in der Mediathek ansehen. Solche Klamaukeinlagen wird man in den entsprechenden Kirchen OHNE Fernaufnahme nicht sehen.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Siard » Dienstag 7. April 2015, 19:09

Dieter hat geschrieben:Solche Klamaukeinlagen wird man in den entsprechenden Kirchen OHNE Fernaufnahme nicht sehen.
Aber ohne die Zustimmung der Gemeinde findet es nicht statt, also trägt diese auch die Verantwortung.

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Kleinwald
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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Mittwoch 8. April 2015, 13:16

https://www.ekd.de/personen/braeuer.html
...ist eine der Aufgaben des Medienbeauftragten und der Senderbeauftragten. Gemeinsam mit einem bewährten Team von zwei Pfarrerinnen und drei Pfarrern werden ZDF-Gottesdienste und das Wort zum Sonntag, die Talksendung „Um Gottes Willen - N24 Ethik“ und die Talkshow „Tacheles“ ebenso wie die Morgenandachten im Deutschlandfunk und im Deutschlandradio Kultur redaktionell begleitet oder selbst erarbeitet...
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Dieter » Donnerstag 9. April 2015, 09:16

Darüber hinaus habe ich schon zahlreiche Briefe an das ZDF geschrieben, in denen ich vorgeschlagen habe, in den Übertragungen der Gottesdienste am Sonntag beim Singen der Lieder Untertitel einzurichten, so wie dies z.B. in den Niederlanden seit Jahrzehnten üblich ist:

https://www.youtube.com/watch?v=q6mC9k-MKXE

https://www.youtube.com/watch?v=wirDzGjVKVU

und zum Teil auch in Großbritannien:

https://www.youtube.com/watch?v=wT4n1hG ... g&index=11

Das ZDF weigert sich jedoch, auf diese Bitte einzugehen. Als Begründung wird nur gesagt, dass man die Lieder ja im Gesangbuch verfolgen könne.

Dies ist natürlich unrealistisch, denn erstens haben die wenigsten Menschen ihr Gesangbuch neben dem Fernseher liegen und zweitens bekommt man das, was man im Fernsehen sehen kann, nur halb mit, wenn man in das Gesangbuch blicken muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Alt-Katholik » Donnerstag 14. Mai 2015, 15:40

War in dem Forum nicht mal für kurze Zeit die Meinung vorherrschend, wenigstens in Sachsen findet man noch einigermaßen eine gescheite Liturgie?

Das ist wohl vorbei:

http://www.ardmediathek.de/tv/Kirchlich ... Id=411271
Zuletzt geändert von Alt-Katholik am Donnerstag 14. Mai 2015, 17:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Siard » Donnerstag 14. Mai 2015, 16:49

Alt-Katholik hat geschrieben:War in dem Forum nicht mal für kurze die Meinung vorherrschend, wenigstens in Sachsen findet man noch einigermaßen eine gescheite Liturgie?
Das ist wohl vorbei:
http://www.ardmediathek.de/tv/Kirchlich ... Id=411271
Das ist keine Liturgie, sondern ein Konzert mit seichter Musik. Das hätte besser in eine Mehrzweckhalle gepaßt.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von ziphen » Sonntag 17. Mai 2015, 15:54

Mutet mir alles sehr alles amerikanisch an. Wenn jemand so übertrieben fröhlich ist, wie die Chorleiterin, dann werde ich immer misstrauisch. Insgesamt scheint mir das mehr ein Konzert des eingeladenen dresdener Gospel-Chores mit Gottesdienstlichen Elementen zu sein.

Singen die in den hinteren Reihen nicht gut genug, dass die keine Mikrophone haben? Die Solisten bekommen beim Solo schließlich immer noch mal ein extra schwarzes Mikro.

"...Dir sei Ähre in Ewigkeit. Amen" :D
Wenn böse Zungen stechen, / mir Glimpf und Namen brechen, / so will ich zähmen mich; /
das Unrecht will ich dulden, / dem Nächsten seine Schulden / verzeihen gern und williglich.

Paul Gerhardt: O Welt, sieh hier dein Leben

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 5. April 2016, 13:32

Auch so eine Unsitte ist das Weglassen des Sündenbekenntnis. Aber die Sünde wurde ja ohnehin abgeschafft... :hmm:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Dieter » Dienstag 5. April 2016, 13:53

Kleinwald hat geschrieben:Auch so eine Unsitte ist das Weglassen des Sündenbekenntnis. Aber die Sünde wurde ja ohnehin abgeschafft... :hmm:


Warum kehrst du nicht vor deiner eigenen Tüt?

Du bist doch katholisch und dies ist die KLausnerei.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 5. April 2016, 13:56

Dieter hat geschrieben:Warum kehrst du nicht vor deiner eigenen Tüt?

Du bist doch katholisch und dies ist die KLausnerei.
Meine Lohnsteuerkarte sagt was anderes :daumen-runter:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Mellon » Dienstag 12. April 2016, 10:44

Dieter hat geschrieben: Warum kehrst du nicht vor deiner eigenen Tüt?

Du bist doch katholisch und dies ist die KLausnerei.
Sind wir denn nicht alle eine große, überglückliche Familie ... oder so ähnlich?

:breitgrins:
Er kennet seine Scharen / am Glauben, der nicht schaut / und doch dem Unsichtbaren, als säh er ihn, vertraut;
der aus dem Wort gezeuget / und durch das Wort sich nährt / und vor dem Wort sich beuget / und mit dem Wort sich wehrt.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Doro173 » Dienstag 7. Juni 2016, 13:02

In unserer letzten Sonntagspredigt (SELK-Gottesdienst) wurde gerade eine "Unsitte" angesprochen: die Begrüßung der Gemeinde durch den Pastor zu Beginn. In der SELK gibt es allerdings eine Reihe von Pfarrern, die dies regelmäßig praktizieren. In besagter Predigt wurde das Begrüßungsritual abgeleht mit der Begründung, der Pfarrer wäre ja nicht der Gastgeber - nein: Die Gemeinde kommt vielmehr zu jedem Gottesdienst in "ihrem" Haus zusammen, und Gastgeber ist natürlich Gott selber! Eine plausible Gedankenführung. Es fragt sich nur: Was sollte ein Pastor zu Beginn stattdessen sagen, falls ihm die Eingangsliturgie zu "unpersönlich" erscheint oder wenn zu Beginn des Gottesdienstes irgendwelche notwendigen Dinge anzusagen sind?

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von taddeo » Dienstag 7. Juni 2016, 13:36

Doro173 hat geschrieben:Es fragt sich nur: Was sollte ein Pastor zu Beginn stattdessen sagen, falls ihm die Eingangsliturgie zu "unpersönlich" erscheint oder wenn zu Beginn des Gottesdienstes irgendwelche notwendigen Dinge anzusagen sind?
Ein Papst hat sein Pontifikat mal begonnen mit "Fratelli e sorelle, buona sera" ... :pfeif:
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Tinius » Dienstag 7. Juni 2016, 14:59

Doro173 hat geschrieben:In unserer letzten Sonntagspredigt (SELK-Gottesdienst) wurde gerade eine "Unsitte" angesprochen: die Begrüßung der Gemeinde durch den Pastor zu Beginn. In der SELK gibt es allerdings eine Reihe von Pfarrern, die dies regelmäßig praktizieren. In besagter Predigt wurde das Begrüßungsritual abgeleht mit der Begründung, der Pfarrer wäre ja nicht der Gastgeber - nein: Die Gemeinde kommt vielmehr zu jedem Gottesdienst in "ihrem" Haus zusammen, und Gastgeber ist natürlich Gott selber! Eine plausible Gedankenführung. Es fragt sich nur: Was sollte ein Pastor zu Beginn stattdessen sagen, falls ihm die Eingangsliturgie zu "unpersönlich" erscheint oder wenn zu Beginn des Gottesdienstes irgendwelche notwendigen Dinge anzusagen sind?
Ganz einfach: Hat der Pfarrer nicht den berühmten Ladestock im Ar.....sagt er einfach: "Liebe Gemeinde, heute vorab noch eine wichtige Information......"

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Kleinwald » Mittwoch 8. Juni 2016, 08:40

Ganz allgemein wird im evangelischen Gottesdienst zu viel gequasselt, zur Begrüßung und anderswo.

Ganz schlimm sind die ständigen Erklärungen: "Wir singen jetzt das angeschlagene Lied Nr. 0815, die Verse 1-3" - Ja was sollen wir denn sonst machen?; "Wir hören aus dem Evangelium, wie Jesus dies und jenes tut" - Ja, das hören wir dann tatsächlich :hmm: :achselzuck:

Die Krönung des Gequassels ist dann die 2. und 3. Predigt, landläufig noch als "Abkündigungen" und "Fürbitten" bezeichnet.
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Raphael » Mittwoch 8. Juni 2016, 09:04

Kleinwald hat geschrieben:Ganz allgemein wird im evangelischen Gottesdienst zu viel gequasselt, zur Begrüßung und anderswo.

Ganz schlimm sind die ständigen Erklärungen: "Wir singen jetzt das angeschlagene Lied Nr. 0815, die Verse 1-3" - Ja was sollen wir denn sonst machen?; "Wir hören aus dem Evangelium, wie Jesus dies und jenes tut" - Ja, das hören wir dann tatsächlich :hmm: :achselzuck:

Die Krönung des Gequassels ist dann die 2. und 3. Predigt, landläufig noch als "Abkündigungen" und "Fürbitten" bezeichnet.
Das Gänsegleichnis

Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle 7 Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben. Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen.

Die Gänse sind tief beeindruckt.

Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat. Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich.

Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht, denn das Korn ist gut, und der Hof ist sicher.
(Sören Kierkegaard, protestantischer Philosoph)
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: Unsitten im evangelischen Gottesdienst

Beitrag von Sempre » Donnerstag 9. Juni 2016, 04:11

Raphael hat geschrieben:Das Gänsegleichnis [...] (Sören Kierkegaard, protestantischer Philosoph)
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter beschreibt die Situation in Kierkegaards Gänsegleichnis besser. Ein Mann begab sich auf die Straße, die die tausend Höhenmeter vom himmlischen Jerusalem hinab zum unterirdischen, unter Normal Null liegenden Jericho führt, und fiel unter die Räuber. Der Mann ist Adam, der Mensch an sich.

Bei Kierkegaard ist Adam die sportliche Gans, die wie ein Adler die Erdkugel überfliegt. Kierkegaard sieht den Menschen wie einen Herrscher, der von oben, von seiner hohen Burg aus, sein Reich überblickt. Gänse aber sind keine Adler, sie ziehen tatsächlich nur aus Bequemlichkeit wegen der kalten Jahreszeit auf eine Insel im Südchinesischen Meer um, wo es im nächsten Sommer dann für die Fettschicht wieder zu heiß sein wird.

Nach Kierkegaard war der Herrscher Adam eher wie ein Adler, der im Laufe der Zeit fett und unsportlich geworden ist, und damit unfähig, einen respektablen Herrscher abzugeben, der die Feinde vertreiben kann. So ein miserabler heruntergekommener Adam mißfällt Kierkegaard, denn er gleicht keiner griechischen Statue. Das Christentum ist schuld an allem, vor allem daran, dass der Herrscher so heruntergekommen ist.

Tatsächlich aber geht die fette Gans das Tal der Tränen hinab und wird von Räubern überfallen. Räubern, die ihr die Freiheit und das ewige Leben rauben. Hochmut, Fettsucht usf., der Teufel und seine Dämonen überfallen die Gans, die im Straßengraben landet, und die den vorbeikommenden Kierkegaard kommentieren lässt: So eine zerfledderte fette Gans. Ein widerlicher Anblick.

Dank sei Gott kommt aber auch der barmherzige Samariter vorbei, der die arme fette Gans aus dem Straßengraben holt, sie behandelt und pflegt, sie zum guten Hirten in die Kirche zum guten Wirt bringt und die Zeche zahlt, auch für zukünftige Aufwendungen, damit ihr ein Leben nicht im Jammertal sondern im Himmelreich vergönnt sei.
Die Lehren der Kirche zu glauben mag manch einem Schwierigkeiten bereiten. Sie aber nach eigenem Gutdünken nachzubessern und das Resultat dann für wahr zu halten, ist infantil.

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