EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

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Kleinwald
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 5. April 2016, 09:12

Dieter hat geschrieben:Und wenn auch die SELK eines Tages die FO und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare akzeptiert hat, bleibt den Erzkonservativen noch die Evangelisch-Lutherische Wisconsinsynode, die auch einige Gemeinden in Deutschland hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelis ... sin-Synode
Und der Protestantismus wird sich spalten, bis nix mehr übrig ist :roll: Dann schon lieber heim nach Rom :achselzuck:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

Dieter
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Dieter » Dienstag 5. April 2016, 09:19

Kleinwald hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Und wenn auch die SELK eines Tages die FO und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare akzeptiert hat, bleibt den Erzkonservativen noch die Evangelisch-Lutherische Wisconsinsynode, die auch einige Gemeinden in Deutschland hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelis ... sin-Synode
Und der Protestantismus wird sich spalten, bis nix mehr übrig ist :roll: Dann schon lieber heim nach Rom :achselzuck:

"heim nach Rom"?

Das erinnert mich etwas an "heim ins Reich"....

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Kleinwald
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 5. April 2016, 09:30

Dieter hat geschrieben:Das erinnert mich etwas an "heim ins Reich"....
:panisch: :panisch: :panisch:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Siard » Dienstag 5. April 2016, 09:47

Kleinwald hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:
Kleinwald hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Wer das nicht akzeptieren kann, der hat die Möglichkeit in die SELK zu wechseln. Dort sind konservative Christen willkommen.
Wird dort nicht auch schon die FO diskutiert? :hmm:
Ist eh egal – in 50 Jahren wird es hier keine Christen mehr geben.
So wenig Gottvertrauen? Mt, 16,18!
Das hat mit Gottvertrauen genau nichts zu tun. Diese Zusage besagt ja nicht einmal, daß Rom christlich bleibt.
Sie sagt nur, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden werden.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß es keine Bestandsgarantie für Kirche und Christentum in ehemals zentralen Gebieten gibt.

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Protasius
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Protasius » Dienstag 5. April 2016, 13:30

Siard hat geschrieben:
Kleinwald hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:
Kleinwald hat geschrieben:
Dieter hat geschrieben:Wer das nicht akzeptieren kann, der hat die Möglichkeit in die SELK zu wechseln. Dort sind konservative Christen willkommen.
Wird dort nicht auch schon die FO diskutiert? :hmm:
Ist eh egal – in 50 Jahren wird es hier keine Christen mehr geben.
So wenig Gottvertrauen? Mt, 16,18!
Das hat mit Gottvertrauen genau nichts zu tun. Diese Zusage besagt ja nicht einmal, daß Rom christlich bleibt.
Sie sagt nur, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden werden.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß es keine Bestandsgarantie für Kirche und Christentum in ehemals zentralen Gebieten gibt.
Wohl wahr; man denke nur an das christliche Nordafrika (Cyprian, Augustinus), das unter dem Ansturm der Moslems zusammenbrach.
Der so genannte ‚Geist’ des Konzils ist keine autoritative Interpretation. Er ist ein Geist oder Dämon, der exorziert werden muss, wenn wir mit der Arbeit des Herrn weiter machen wollen. – Ralph Walker Nickless, Bischof von Sioux City, Iowa, 2009

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Kleinwald » Dienstag 5. April 2016, 13:55

Siard hat geschrieben:Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß es keine Bestandsgarantie für Kirche und Christentum in ehemals zentralen Gebieten gibt.
Verzeihung, ich habe im Ursprungsposting das "hier" schlichtweg überlesen. Allem Pessimismus zum trotz glaube ich doch, dass es auch hier mit dem Christentum weitergehen wird. Vielleicht nicht in der heutigen amtskirchlichen Form, aber weitergehen wird es. :streichel:
Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Kleinwald » Sonnabend 9. April 2016, 19:23

Katholischerseits ist darauf hinzuweisen, dass auch eine am Sukzessionsbegriff orientierte Ekklesiologie, wie sie in der katholischen Kirche gilt, keineswegs die Heil schaffende Gegenwart des Herrn im lutherischen Abendmahl leugnen muss.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Bischof » Sonnabend 9. April 2016, 19:33

Die Berlin-Brandenburger "Kirche" hat es beschlossen:

Evangelische Kirche beschließt Gesetz zur Gleichstellung von Gottesdiensten

In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) wird es künftig einen Traugottesdienst für Ehepaare und für Paare in eingetragener Leben¬spartnerschaft geben. Das hat die Landessynode auf ihrer Tagung am 9. April 2016 beschlossen.

Die Synodalen haben das Kirchengesetz zur Gleichstellung von Gottesdiensten zur Segnung zweier Menschen in eingetragener Partnerschaft mit Traugottesdiensten (Partnerschaftsgleich¬stellungs¬gesetz ─ PGG) in zwei Lesungen beraten. 105 Stimmen wurden abgegeben, das Gesetz wurde mit 91 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen beschlossen. Damit wurden auch die Ergänzung zur Trauagende und die Anpassung der kirchlichen Rechtsvorschriften beschlossen.

In seinem Ablauf wird der eine Traugottesdienst wie der bisherige Gottesdienst zur Eheschließung zwischen Mann und Frau aussehen. Es wird ein Trauversprechen und einen Ringwechsel geben. Der Gottesdienst wird durch eine Eintragung ins Kirchenbuch dokumentiert...

Mehr muss man wohl nicht dazu schreiben... Die Alternative kann für Christen in dieser Region, die nicht römisch-katholisch werden möchten, eigentlich nur noch die SELK sein. Aber das wird kaum passieren, schätze ich...

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Dieter » Sonnabend 9. April 2016, 19:55

Die Alternative kann für Christen in dieser Region, die nicht römisch-katholisch werden möchten, eigentlich nur noch die SELK sein.
Es wird keiner daran gehindert, zur SELK zu wechseln.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Gallus » Sonnabend 9. April 2016, 20:01

Der arme Papst Franz. Immer, wenn er dem Zeitgeist hinterher hechelt, sind sie bei Protestantens schon wieder eine Station weiter.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von taddeo » Sonnabend 9. April 2016, 20:10

Gallus hat geschrieben:Der arme Papst Franz. Immer, wenn er dem Zeitgeist hinterher hechelt, sind sie bei Protestantens schon wieder eine Station weiter.
Die haben ja auch 500 499 Jahre Vorsprung.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Tinius » Sonnabend 9. April 2016, 21:05

taddeo hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:Der arme Papst Franz. Immer, wenn er dem Zeitgeist hinterher hechelt, sind sie bei Protestantens schon wieder eine Station weiter.
Die haben ja auch 500 499 Jahre Vorsprung.
Ich stelle mir Luther und Melanchthon gerade bei der Trauzeremonie in Wittenberg vor....

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von taddeo » Sonnabend 9. April 2016, 21:37

Tinius hat geschrieben:
taddeo hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:Der arme Papst Franz. Immer, wenn er dem Zeitgeist hinterher hechelt, sind sie bei Protestantens schon wieder eine Station weiter.
Die haben ja auch 500 499 Jahre Vorsprung.
Ich stelle mir Luther und Melanchthon gerade bei der Trauzeremonie in Wittenberg vor....
:auweia: Wußte nicht, daß die miteinander verheiratet waren. :glubsch: :irritiert:
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Erzengel » Sonnabend 9. April 2016, 22:00

Ich hatte so etwas befürchtet. Allerdings spiegelt dieser Beschluß mit Sicherheit nicht den Mehrheitswillen des Kirchenvolkes wieder, was man aus Gesprächen mit Kirchengliedern schließen kann. Für mich fühlt es sich an, als wenn die EKBO unseren Herrn Jesus Christus zum zweiten Mal ans Kreuz geschlagen hätte. Auch wenn einige Kritiker es wahrscheinlich anders sehen, die evangelische Kirche hat sich vom Gedanken der Ökumene wieder einmal weiter entfernt. Denn die anderen werden uns nicht nacheifern. Weltweit gesehen ist dieser Beschluß eine Marginalie.
In diesem Sinne gesegneten Sonntag und Gott befohlen.
Erzengel

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Tinius » Sonnabend 9. April 2016, 22:15

Erzengel hat geschrieben:Ich hatte so etwas befürchtet. Allerdings spiegelt dieser Beschluß mit Sicherheit nicht den Mehrheitswillen des Kirchenvolkes wieder, was man aus Gesprächen mit Kirchengliedern schließen kann. Für mich fühlt es sich an, als wenn die EKBO unseren Herrn Jesus Christus zum zweiten Mal ans Kreuz geschlagen hätte. Auch wenn einige Kritiker es wahrscheinlich anders sehen, die evangelische Kirche hat sich vom Gedanken der Ökumene wieder einmal weiter entfernt. Denn die anderen werden uns nicht nacheifern. Weltweit gesehen ist dieser Beschluß eine Marginalie.
In diesem Sinne gesegneten Sonntag und Gott befohlen.
Erzengel

Die altkatholische Kirche ist an einer gleichartigen Lösung interessiert.

Erzengel
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Erzengel » Sonnabend 9. April 2016, 23:23

@ Tinius
Du sprichst hier von einer Kirche mit knapp 70.000 Gliedern. Ich spreche von knapp 2 Milliarden Christen weltweit. Wer ist die EKBO oder die AKK im Vergleich dagegen. Das ist eher ein Kaninchenzüchterverein, denn eine Kirche.
Erzengel

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Raphael » Sonntag 10. April 2016, 07:13

Muß spannend sein, wenn Jeder macht, was er will, und keiner, was er kann! :zirkusdirektor:
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von TillSchilling » Sonntag 10. April 2016, 13:53

taddeo hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:Der arme Papst Franz. Immer, wenn er dem Zeitgeist hinterher hechelt, sind sie bei Protestantens schon wieder eine Station weiter.
Die haben ja auch 500 499 Jahre Vorsprung.
Damals war das mit dem Zeitgeist hinterher hecheln aber eher auf eurer Seite. In dieser - ekelerregenden - Intensität, in der wir es jetzt erleben, läuft das doch erst seit ein paar Jahrzenten. UND: vorwiegend bei den europäischen und teilweise nordamerikanischen Protestanten.

Also: nur keine Angst. Den Vorsprung holt ihr mit dem Franzel und seinem Nachfolger ganz schnell wieder auf!!

Aus englischer Sicht empfehle ich folgendes Gegengift: schwarz-afrikanische Einwanderung. Das hilft der Remissionierung.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Dieter » Sonntag 10. April 2016, 16:29

Aus englischer Sicht empfehle ich folgendes Gegengift: schwarz-afrikanische Einwanderung. Das hilft der Remissionierung.
Dann fangt am besten mit Kardinal Sarah an.

Tinius
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Tinius » Sonntag 10. April 2016, 16:49

Dieter hat geschrieben:
Aus englischer Sicht empfehle ich folgendes Gegengift: schwarz-afrikanische Einwanderung. Das hilft der Remissionierung.
Dann fangt am besten mit Kardinal Sarah an.
Unerträglich und geradezu widerlich ist die totale Diskriminierung von Frauen bei Führungspositionen der 20 Landeskirchen der EKD.
Da gibt es 18 Männchen als "Bischöfe" oder mit der Ersatzbezeichnung als oberste Leitungskraft.
Die "Männerquote" ( also heterosexuelle Männer) muss da im ersten Schritt auf 9 runter......

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Siard » Montag 11. April 2016, 09:55

Tinius hat geschrieben:Die "Männerquote" ( also heterosexuelle Männer) muss da im ersten Schritt auf 9 runter......
Der postulierte Zusammenhang erschließt sich mir nicht.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Jarom1 » Montag 11. April 2016, 12:23

10 Counterfeit Christ Figures We Should Stop Worshiping

http://www.faithstreet.com/onfaith/2015 ... worshiping
Consciousness of sin, certainty of faith, and the testimony of the Holy Spirit

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Matthäus
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Matthäus » Sonntag 17. April 2016, 11:33

Vor Kurzem hat der Deutschlandfunk mit Martin Urban, Wissenschaftspublizist aus einer Theologenfamilie, über sein neues Buch "Ach Gott, die Kirche! – Protestantischer Fundamentalismus und 500 Jahre Reformation" geredet.
Teil 1 - Teil 2

Er plädiert dafür, dass sich die EKD von allem "Rückwärtsgewandtem" befreien und sich im Sinne der Wissenschaft "reformieren" solle.

Ich zitiere hier nur einen seiner Gedanken:
Martin Urban hat geschrieben:Jesus ist auch nicht Gott geworden, sondern Jesus ist ein gottbegnadeter Mensch gewesen, der alles das entwickelt und uns erklärt hat, was unsere humanistischen Vorstellungen ausmacht. Er war derjenige, der uns deutlich machte, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, dass die fundamentalistischen Vorstellungen seiner jüdischen Umwelt, der Mensch ist für den Sabbat da, und der gesagt hat, nein der Sabbat ist für den Menschen da.
:irritiert:
Zuletzt geändert von ziphen am Sonntag 17. April 2016, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitatfunktion
"Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat." [Joh 15,18]

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Gallus » Sonntag 17. April 2016, 13:53

Matthäus hat geschrieben:Ich zitiere hier nur einen seiner Gedanken:
Martin Urban hat geschrieben:Jesus ist auch nicht Gott geworden, sondern Jesus ist ein gottbegnadeter Mensch gewesen, der alles das entwickelt und uns erklärt hat, was unsere humanistischen Vorstellungen ausmacht. Er war derjenige, der uns deutlich machte, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, dass die fundamentalistischen Vorstellungen seiner jüdischen Umwelt, der Mensch ist für den Sabbat da, und der gesagt hat, nein der Sabbat ist für den Menschen da.
:irritiert:[/blocksatz]
Das müsste man gar nicht in der Klausnerei diskutieren, dieses Denken ist in beiden großen Kirchen schon sehr weit verbreitet und im Prinzip Mainstream. Man muß sich nur mal anschauen, was (auch in katholischen) Osterpredigten teils für ein Eiertanz aufgeführt wird, um bloß das Thema der leiblichen Auferstehung Christi zu umgehen. Ist ja dem "modernen, selbst-denkenden" Kirchensteuerzahler nicht wirklich zuzumuten, sowas.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Matthäus » Sonntag 17. April 2016, 14:54

Gallus hat geschrieben:Das müsste man gar nicht in der Klausnerei diskutieren, dieses Denken ist in beiden großen Kirchen schon sehr weit verbreitet und im Prinzip Mainstream
Verstehe ich das richtig, dass man also dann zum Mainstream des Christentums gehört (egal ob katholisch oder protestantisch), wenn man die Gottessohnschaft Jesu und seine leibliche Auferstehung leugnet? Wenn also jemand an diese Inhalte wirklich glaubt, so wäre derjenige damit sofort konservativer oder gar fundamentalistischer Christ? Ich würde ja eher meinen, dass solche Leute, die wesentliche Inhalte des Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses (dass ja allgemein von allen christlichen Konfessionen bezeugt wird) leugnen, vielleicht eher überhaupt nicht mehr dem Christentum zuzuordnen sind.

Jesus als guten Menschen und Weisheitslehrer zu bezeichen macht doch einen Menschen nicht zum Christen, machen dies doch mitunter auch Atheisten. Das unterscheidende Merkmal ist doch, insbesondere im Protestantismus, der Glaube (sola fide) an Jesus Christus (solus Christus) gemäß der Schrift (sola scriptura) und die damit einhergehende Gnade Gottes (sola gratia).
"Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat." [Joh 15,18]

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Gallus » Sonntag 17. April 2016, 15:29

Matthäus hat geschrieben:
Gallus hat geschrieben:Das müsste man gar nicht in der Klausnerei diskutieren, dieses Denken ist in beiden großen Kirchen schon sehr weit verbreitet und im Prinzip Mainstream
Verstehe ich das richtig, dass man also dann zum Mainstream des Christentums gehört (egal ob katholisch oder protestantisch), wenn man die Gottessohnschaft Jesu und seine leibliche Auferstehung leugnet? Wenn also jemand an diese Inhalte wirklich glaubt, so wäre derjenige damit sofort konservativer oder gar fundamentalistischer Christ? Ich würde ja eher meinen, dass solche Leute, die wesentliche Inhalte des Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses (dass ja allgemein von allen christlichen Konfessionen bezeugt wird) leugnen, vielleicht eher überhaupt nicht mehr dem Christentum zuzuordnen sind.
Würde ich auch meinen. :ja: Aber diese Leute, die Jesus nur als "gottbegabten Menschen" oder "Weisheitslehrer" oder was auch immer verehren, würden es natürlich empört zurückweisen, wenn man ihnen das Christsein abspräche. Sie halten das vielmehr für eine moderne, zeitgemäße, für "aufgeklärte" Postmodernisten eigentlich einzig mögliche Form des Christseins.

Belastbare Zahlen habe ich nicht, aber ich fürchte, wenn man unter Kirchensteuerzahlern eine Umfrage über Glaubensinhalte macht, dann wird dabei herauskommen, daß die deutliche Mehrheit zentrale Glaubenssätze wie die Gottessohnschaft Christi und seine leibliche Auferstehung nicht teilt, von noch spezielleren Sachen wie dem Glauben an die Eucharistie ganz zu schweigen. Wie gesagt, offizielle Zahlen habe ich nicht, aber ich habe inzwischen eine ganze Reihe von Gemeinden mit ganz unterschiedlichen sozio-demographischen Zusammensetzungen von innen kennengelernt, und es ist eigentlich überall gleich.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Matthäus » Sonntag 17. April 2016, 16:13

Gallus hat geschrieben:Belastbare Zahlen habe ich nicht, aber ich fürchte, wenn man unter Kirchensteuerzahlern eine Umfrage über Glaubensinhalte macht, dann wird dabei herauskommen, daß die deutliche Mehrheit zentrale Glaubenssätze wie die Gottessohnschaft Christi und seine leibliche Auferstehung nicht teilt, von noch spezielleren Sachen wie dem Glauben an die Eucharistie ganz zu schweigen.
Dann kann man es als gläubiger Christ eigentlich nur begrüßen, dass die Gemeinden als Kollektiv der Kirchenangehörigen (egal ob EKD oder RKK) sich selbst auflösen. Wenn in den Gemeinden der Unglaube vorherrscht, so subsistiert die wahre Kirche Christi ohnehin nicht in diesen Kirchen. Dann gäbe es auch keinen Grund zu trauern, wenn die sichtbaren verfassten Kirchen untergehen.

Ich will jetzt keinesfalls das Kind mit dem Bade ausschütten, aber entscheidend sind dann doch ohnehin nur die einzelnen versprengten Gläubigen, die den Glauben an Jesus Christus gemäß der Schrift (bei den Protestanten bzw. bei der RKK zusätzlich gemäß der Tradition) bewahrt haben. Entscheidend ist dann doch allein die unsichtbare Kirche, also die ecclesia spiritualis.
"Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat." [Joh 15,18]

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Coturnix » Sonntag 17. April 2016, 21:09

Gallus hat geschrieben:Belastbare Zahlen habe ich nicht, aber ich fürchte, wenn man unter Kirchensteuerzahlern eine Umfrage über Glaubensinhalte macht, dann wird dabei herauskommen, daß die deutliche Mehrheit zentrale Glaubenssätze wie die Gottessohnschaft Christi und seine leibliche Auferstehung nicht teilt, von noch spezielleren Sachen wie dem Glauben an die Eucharistie ganz zu schweigen. Wie gesagt, offizielle Zahlen habe ich nicht, aber ich habe inzwischen eine ganze Reihe von Gemeinden mit ganz unterschiedlichen sozio-demographischen Zusammensetzungen von innen kennengelernt, und es ist eigentlich überall gleich.

Hier ein Link dazu, der deinen Verdacht leider bestätigt:
http://www.reimbibel.de/statistik.htm

Und hier eine Statistik aus Hessen, die auch Muslime mit einbezieht:
https://www.google.ro/url?sa=t&rct=j&q= ... 2g&cad=rja

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von umusungu » Sonntag 17. April 2016, 22:29

Matthäus hat geschrieben:Ich will jetzt keinesfalls das Kind mit dem Bade ausschütten, aber entscheidend sind dann doch ohnehin nur die einzelnen versprengten Gläubigen, die den Glauben an Jesus Christus gemäß der Schrift (bei den Protestanten bzw. bei der RKK zusätzlich gemäß der Tradition) bewahrt haben. Entscheidend ist dann doch allein die unsichtbare Kirche, also die ecclesia spiritualis.
Entscheidend ist die Kirche, die sich jeden Sonntag - einmal Monat - zu besonderen Festemn wie der Erstkommunion zum Gottesdienst versammelt.

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Raphael » Montag 18. April 2016, 07:17

Martin Urban hat geschrieben:Jesus ist auch nicht Gott geworden, sondern Jesus ist ein gottbegnadeter Mensch gewesen, der alles das entwickelt und uns erklärt hat, was unsere humanistischen Vorstellungen ausmacht. Er war derjenige, der uns deutlich machte, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind, dass die fundamentalistischen Vorstellungen seiner jüdischen Umwelt, der Mensch ist für den Sabbat da, und der gesagt hat, nein der Sabbat ist für den Menschen da.
Der gute Mann kommt mehr als zweihundert Jahre zu spät, denn das hatten die Aufklärer auch schon so erkannt und nur in zugegebenermaßen verklausulierterer Weise öffentlich geäußert! :|
JESUS CHRISTUS ist ein guter Lehrer:
Erst führt ER die Schüler an ihre Grenzen und dann darüber hinaus!

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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Jarom1 » Montag 18. April 2016, 11:02

Matthäus hat geschrieben: Verstehe ich das richtig, dass man also dann zum Mainstream des Christentums gehört (egal ob katholisch oder protestantisch), wenn man die Gottessohnschaft Jesu und seine leibliche Auferstehung leugnet? Wenn also jemand an diese Inhalte wirklich glaubt, so wäre derjenige damit sofort konservativer oder gar fundamentalistischer Christ? Ich würde ja eher meinen, dass solche Leute, die wesentliche Inhalte des Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses (dass ja allgemein von allen christlichen Konfessionen bezeugt wird) leugnen, vielleicht eher überhaupt nicht mehr dem Christentum zuzuordnen sind.

Jesus als guten Menschen und Weisheitslehrer zu bezeichen macht doch einen Menschen nicht zum Christen, machen dies doch mitunter auch Atheisten. Das unterscheidende Merkmal ist doch, insbesondere im Protestantismus, der Glaube (sola fide) an Jesus Christus (solus Christus) gemäß der Schrift (sola scriptura) und die damit einhergehende Gnade Gottes (sola gratia).
Richtig. Entscheidend ist das Verständnis der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und dass diese Erlösung nur durch die Gnade Gottes erfolgen kann. Das Christentum ist eben nicht in erster Linie eine Morallehre. Jesus zu einem reinen Weisheitslehrer abzustempeln ist reinster Pelagianismus. Es würde einigen sogenannten Christen gut tun, gelegentlich mal die Glaubensbekenntnisse und die Katechismen zu studieren.
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Re: EKD - Geistliche und moralische Selbstauflösung

Beitrag von Tinius » Montag 18. April 2016, 12:53

Jarom1 hat geschrieben: Es würde einigen sogenannten Christen gut tun, gelegentlich mal die Glaubensbekenntnisse und die Katechismen zu studieren.
Gestern war ich kindergartentechnisch "genötigt" an einem "Kreativ-Gottesdienst" einer württembergischen landeskirchlichen Gemeinde teilzunehmen. Lutherisch also und man macht einmal im Monat einen "Kreativgottesdienst".

Diemal mit Kindergartenliedern UND (Überraschung) einer Taufe. Die 18 Mann und Frau der Taufgesellschaft wollten sich am anschließend kostenfrei gereichtem Mittagessen laben....Selbstkostenpreis der Gemeinde ca. 4 Euro..."Die wollen sparen", sagt eine vom Kirchengemeinderat leicht unzufrieden.
Kirchenferne Taufgesellschaft (Fastfoodmilliööööööö.....), kirchenferne Eltern der Kindergartenkinder.

Der eine Taufpate soll die Taufkerze an der "Osterkerze" anzünden. Gleich stürzen alle zum Taufbecken...

"Moment----......", raunt der Pfarrer...."erst kommt noch das Glaubensbekenntnis..." :panisch: :panisch: :panisch:

"Das Glaubensbekenntnis finden sie hinten EINGEKLEBT ins Gesangbuch..."

Dumm, dass viele gar kein Gesangbuch mit in die Bank genommen haben und sogar manche die nachträglich gereichten freundlich ablehnten...

Da ich als einer der wenigen das Glaubensbekenntnis auswenig gersagen kann, werde ich wie ein Unikum unverhohlen bestaunt.
Die Kindergarteneltern hinter mir fragen mich: "Das kennen sie auswendig? Wir kennen das gar nicht."

Offensichtlich gelte ich nun als Hardcore-Christ......... :vogel: :vogel: :vogel: :vogel: :vogel:

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