500 Jahre Reformation

Rund um Anglikanertum, Protestantismus und Freikirchenwesen.

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500 Jahre Reformation - Grund zur Freude?

Für mich ausnahmslos Grund zur Freude!
12
13%
Für mich nur bedingt ein Grund zur Freude!
7
7%
Für mich kein Grund zur Freude.
54
57%
Es gab gute Gründe, aber ich leide unter der Trennung!
18
19%
Mir egal!
4
4%
 
Abstimmungen insgesamt: 95

Bibelleser
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Bibelleser » Freitag 11. April 2014, 17:21

Pilgerer hat geschrieben: Luthers Beitrag in der christlichen Kirchengeschichte richtete sich vornehmlich gegen diese Extremformen des katholischen Christentums.
Das ist einfach sachlich falsch.

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Pit
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pit » Freitag 11. April 2014, 17:26

Bibelleser,da müsste man erstmal klären,worauf sich Pilgerer genau bezieht.
carpe diem - Nutze den Tag !

Pilgerer
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pilgerer » Montag 14. April 2014, 20:22

Bibelleser hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben: Luthers Beitrag in der christlichen Kirchengeschichte richtete sich vornehmlich gegen diese Extremformen des katholischen Christentums.
Das ist einfach sachlich falsch.
Die Extremform des Katholizismus distanziert den einfachen Christen von Gott, indem er der Reihe nach auf den Priester, den Bischof und den Papst hören muss, um zu wissen, was Gott von ihm will. Er traut sich nicht, Gott selbst zu hören, weil er ja dann die Hierarchie ignorieren würde.
Eigentlich glaube ich jedoch, dass von den Aposteln und Jesus her das Evangelium die persönliche Begegnung zwischen Gott und Mensch schon hier auf Erden vorgesehen ist, in der der Mensch unmittelbar von Gott lernen kann. Ich selbst erfahre es, dass Jesus persönlich mir viel besser etwas beibringen kann als der äußerliche Klang menschlicher Lehre. Es ist, wie Hiob uns zeigt, ein Unterschied, ob wir Gott "vom Hörensagen" kennen oder ob wir ihn selbst hören/sehen.
Letztlich hängt auch die Fähigkeit zu guten Werken von der persönlichen Erlösung durch Gott ab. Je mehr wir Gott in Christus persönlich kennen lernen, desto mehr wächst die Freude des Evangliums und desto mehr versiegt die Neigung zur Sünde. Der "extreme" Katholizismus meidet diese persönliche Begegnung jedoch und geht daher am Willen Gottes vorbei. Die Reformation hat folgendes gelehrt:
„Willst du alle Gebote erfüllen, deine böse Begierde und Sünde los werden, wie die Gebote zwingen und fordern, siehe da, glaube an Christum, in welchem ich dir zusage alle Gnade, Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit; glaubst du, so hast du, glaubst du nicht, so hast du nicht. Denn was dir unmöglich ist mit allen Werken der Gebote, deren viele und doch keines nütze sein müssen, das wird dir leicht und kurz durch den Glauben. Denn ich habe kurz in den Glauben gestellet alle Dinge, daß, wer ihn hat, soll alle Dinge haben und selig sein; wer ihn nicht hat, soll nichts haben. Also geben die Zusagungen Gottes, was die Gebote erfordern, und vollbringen, was die Gebote heißen, auf daß es alles Gottes eigen sei, Gebot und Erfüllung. Er heißet allein, er erfüllet auch allein. Darum sind die Zusagungen Gottes Worte des Neuen Testaments und gehören auch ins Neue Testament.
Diese Art des Glaubens fördert auf intensive Weise das Vertrauen und die Bekanntschaft mit Gott. Denn wenn allein der Glaube an Jesus rettet, wenn das Heil absolut und allein aus Jesus Christus kommt, dann haftet sich das Herz so an Jesus Christus, dass dieser dasselbe erfüllen und mit Seiner Liebe/Seligkeit beschenken kann. Diese persönliche Vertrautheit mit dem HERRN ist natürlich der einen heiligen apostolischen katholischen Kirche schon immer zu eigen. Sie wurde jedoch von der genannten Extremform des römischen Katholizismus erschwert.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von taddeo » Montag 14. April 2014, 20:33

Dein Bild vom "römischen Katholizismus" ist schwer deformiert und bedürfte dringendst sachgerechter Reformation.
Der liebe Gott ist ein Masseur mit Händen aus Musik. (Martin Walser)

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Gallus
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Gallus » Montag 14. April 2014, 21:46

Pilgerer hat geschrieben:Die Extremform des Katholizismus distanziert den einfachen Christen von Gott, indem er der Reihe nach auf den Priester, den Bischof und den Papst hören muss, um zu wissen, was Gott von ihm will. Er traut sich nicht, Gott selbst zu hören, weil er ja dann die Hierarchie ignorieren würde.
Schonmal was von eucharistischer Anbetung gehört? Direkter geht's nicht.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von heiliger_raphael » Dienstag 15. April 2014, 07:40

Pilgerer hat geschrieben: Die Extremform des Katholizismus distanziert den einfachen Christen von Gott, indem er der Reihe nach auf den Priester, den Bischof und den Papst hören muss, um zu wissen, was Gott von ihm will. Er traut sich nicht, Gott selbst zu hören, weil er ja dann die Hierarchie ignorieren würde.
Einige Einwände eines theologischen Laien und Neulings:
die Übernatürlichkeit des Katholischen liegt im Dienen, nicht in der Macht.
Dem Lehramt ist zu dienen, wenn es dem Willen Gottes folgt, wenn es selbst dient.
Übt ein Priester persönliche Macht aus und entfernt sich vom Willen Gottes, dann schulde ich ihm auch keinen Gehorsam.
Wenn sich Bischof, Priester oder Papst vom Willen Gottes distanziert, dann bin ich verpflichtet, weiterhin dem Willen Gottes zu dienen und mich von Bischof, Priester oder Papst zu distanzieren.
In Konfliktsituationen entscheidet das Gewissen als direkte Stimme Gottes in mir, wie ich mich zu verhalten habe, auch dann, wenn es gegen das Lehramt entscheidet. Die Gewissensentscheidung ist bindend, es ist das direkte Hören.
Sowohl im Gottesdienst als auch in der eucharistischen Anbetung wird mit dem Priester gemeinsam der Dienst an Gott vollzogen und kein Dienst gegenüber dem Lehramt.
Was vermutlich die Katholiken von Anderen unterscheidet, ist die Bestimmung, was den Willen Gottes angeht: es ist nicht die Annahme, dass in jeder subjektivistischen Betrachtung das Gewissen und damit Gott gehört werden kann, sondern dass es hoch wahrscheinlich ist, dass gemeinsame Erfahrungen der Menschen über Jahrhunderte hinweg, wie sie in der Bibel festgehalten wurden, eher ein Hinweis darauf sind, was der Wille Gottes ist, auch wenn sie mit der eigenen Subjektivität nicht übereinstimmen. Und gerade in der Bibel findet sich im Ringen um Gott eine Vielzahl von Konfliktsituationen, in denen Menschen mit sich und ihrem Gewissen über das Gute und das, was zu unterlassen ist, hadern.
Das heißt, natürlich vertraut der Katholik darauf, direkt zu hören, und kommt hierbei zu bindenden Entscheidungen, nur glaubt er nicht, dass alles, was ein Mensch glaubt oder fühlt, automatisch das Ergebnis der Stimme Gottes ist.

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Florianklaus
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Florianklaus » Freitag 16. Mai 2014, 10:01

Florianklaus hat geschrieben:Interessanter Artikel über Luther mit vielsagenden Originalzitaten: http://starke-meinungen.de/blog/214/4 ... #more-428

Fortsetzung der Debatte: http://starke-meinungen.de/blog/214/5 ... #more-4339

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von TillSchilling » Sonnabend 17. Mai 2014, 09:07

Florianklaus hat geschrieben:Interessanter Artikel über Luther mit vielsagenden Originalzitaten: http://starke-meinungen.de/blog/214/4 ... #more-428
Daraus:
1. Luther ist kein Aufklärer, sondern ein Gegenaufklärer. Er setzt der Renaissance und dem Humanismus einen religiösen Fundamentalismus entgegen.
Wenn der Autor des Buches "Benedikts Kreuzzug: Der Kampf des Vatikans gegen die moderne Gesellschaft" solche Thesen verbreitet, macht Euch das Luther nicht sympathisch?

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Siard » Sonnabend 17. Mai 2014, 19:12

TillSchilling hat geschrieben:
1. Luther ist kein Aufklärer, sondern ein Gegenaufklärer. Er setzt der Renaissance und dem Humanismus einen religiösen Fundamentalismus entgegen.
Wenn der Autor des Buches "Benedikts Kreuzzug: Der Kampf des Vatikans gegen die moderne Gesellschaft" solche Thesen verbreitet, macht Euch das Luther nicht sympathisch?
Luther ist mir eh in mancher Hinsicht sympathisch – aber ich teile die Meinung, daß Luther kein Aufklärer war.
Er war ein zutiefst mittelalterlicher Mensch, obwohl er für viele am Beginn der Neuzeit steht. (Das meine ich nicht negativ!)
Ein Sohn des Heiligen Augustinus, aber auch ein Sohn seiner Zeit und seiner Heimat.
Posner irrt aber mMn, wenn er Luther unterstellt, daß er wirklich wollte, was er schrieb – er nannte es selbst ›die Sauglocke läuten‹, er war ein Mensch der derben Ausdrucksweise. Das er aber für Europa (und darüber hinaus) zum Unglück wurde, finde ich auch.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von TillSchilling » Sonntag 18. Mai 2014, 09:06

Siard hat geschrieben: ich teile die Meinung, daß Luther kein Aufklärer war.
Er war ein zutiefst mittelalterlicher Mensch, obwohl er für viele am Beginn der Neuzeit steht. (Das meine ich nicht negativ!)
Martin Luther war ein tief religiöser Mensch, der den biblischen Bericht vom Sündenfall des Menschen und die biblischen Perspektiven auf das Wesen des Menschen ernst nahm. Ob das mittelalterlich ist sei mal dahingestellt. Jedenfalls hat Luther mit der französischen Revolution und deren den Menschen und seinen Verstand vergötzenden Ideologie gar nichts zu tun. Posener hat völlig Recht wenn er Käßmanns Darstellung dass Luther irgendwie ein Vordenker der Revolutionäre von 1789 wäre ablehnt. Die Freiheit eines Christenmenschen, von der Luther sprach, ist die Freiheit der Nachfolger Christi. Nicht die der Anarchisten.

Die durch das Wirken Martin Luthers in Gang gesetzte Reformation mit ihrer Rückbesinnung auf das biblische Wort und natürlich auch die Gegenreformation hat die Kräfte des Rationalismus für einige Jahrhunderte zurückgehalten und ihren Siegeszug verlangsamt. Erasmus von Rotterdam hat das gut erkannt und sich deswegen schmähend gegen Luther gewandt und an seinem "katholischen Glauben", der schon längst kein christlicher mehr war, fest gehalten.

Die römisch-katholische Kirche des 16. Jahrhundert hätte diese Kraft aus sich nicht mehr gehabt und ohne die Reformation hätte der Rationalismus das Christentum im Westen Europas schon längst beendet. Jeder Katholik, der nur ein bisschen intellektuelle Redlichkeit besitzt, wird das zugeben.


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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Florianklaus » Dienstag 20. Mai 2014, 12:11

Die dunkle Seite des "Reformators" : http://www.cicero.de/berliner-republik/ ... tors/5763

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Bibelleser » Dienstag 20. Mai 2014, 13:52

Florianklaus hat geschrieben:Die dunkle Seite des "Reformators" : http://www.cicero.de/berliner-republik/ ... tors/5763
Luther als Berserker, der, je älter desto schlimmer, auf alles eindrischt, was irgendwie ihm nicht gefällt. Man vergleiche in theologischen Fragen einfach seine Wortwahl in Schriften ab 1525 mit denen von Zwingli, Calvin und Bullinger.
Da wird einiges klar. Was Melanchthon für ein Charakter war, der es 28 Jahre als "Freund" an der Seite Luthers auszuhalten vermochte, ist alleine schon rätselhaft.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von overkott » Dienstag 20. Mai 2014, 14:10

Bibelleser hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:Die dunkle Seite des "Reformators" : http://www.cicero.de/berliner-republik/ ... tors/5763
Luther als Berserker, der, je älter desto schlimmer, auf alles eindrischt, was irgendwie ihm nicht gefällt. Man vergleiche in theologischen Fragen einfach seine Wortwahl in Schriften ab 1525 mit denen von Zwingli, Calvin und Bullinger.
Da wird einiges klar. Was Melanchthon für ein Charakter war, der es 28 Jahre als "Freund" an der Seite Luthers auszuhalten vermochte, ist alleine schon rätselhaft.
War er melanchtonisch?

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Jarom1 » Dienstag 20. Mai 2014, 15:25

overkott hat geschrieben:
Bibelleser hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:Die dunkle Seite des "Reformators" : http://www.cicero.de/berliner-republik/ ... tors/5763
Luther als Berserker, der, je älter desto schlimmer, auf alles eindrischt, was irgendwie ihm nicht gefällt. Man vergleiche in theologischen Fragen einfach seine Wortwahl in Schriften ab 1525 mit denen von Zwingli, Calvin und Bullinger.
Da wird einiges klar. Was Melanchthon für ein Charakter war, der es 28 Jahre als "Freund" an der Seite Luthers auszuhalten vermochte, ist alleine schon rätselhaft.
War er melanchtonisch?
:kugel:
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Pilgerer
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pilgerer » Freitag 30. Mai 2014, 19:35

Wie evangelisch ist die EKD eigentlich noch? Wenn ich mir die Geisteshaltung in Gestalt der Bekenntnisse, Liturgien und Lieder von 1520 bis ca. 1960 ansehe, dann ist die EKD heute von einem völlig anderen Charakter geprägt als damals. Der ganze Reichtum der evangelischen Tradition scheint nur noch der Hülle oder dem Äußeren nach zu existieren, aber sonst scheint sie verflüchtigt zu sein.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Bibelleser » Freitag 30. Mai 2014, 20:38

Pilgerer hat geschrieben:Wie evangelisch ist die EKD eigentlich noch? Wenn ich mir die Geisteshaltung in Gestalt der Bekenntnisse, Liturgien und Lieder von 1520 bis ca. 1960 ansehe, dann ist die EKD heute von einem völlig anderen Charakter geprägt als damals. .
Die Medizin und der Sozialstaat haben sich auch weiterentwickelt.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Siard » Freitag 30. Mai 2014, 21:16

Pilgerer hat geschrieben:Wie evangelisch ist die EKD eigentlich noch? Wenn ich mir die Geisteshaltung in Gestalt der Bekenntnisse, Liturgien und Lieder von 1520 bis ca. 1960 ansehe, dann ist die EKD heute von einem völlig anderen Charakter geprägt als damals. Der ganze Reichtum der evangelischen Tradition scheint nur noch der Hülle oder dem Äußeren nach zu existieren, aber sonst scheint sie verflüchtigt zu sein.
Das gilt nicht nur für die EKD, in unterschiedlichem Grad scheint mir diese Entwicklung weit verbreitet.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Alt-Katholik » Freitag 30. Mai 2014, 21:29

Siard hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Wie evangelisch ist die EKD eigentlich noch? Wenn ich mir die Geisteshaltung in Gestalt der Bekenntnisse, Liturgien und Lieder von 1520 bis ca. 1960 ansehe, dann ist die EKD heute von einem völlig anderen Charakter geprägt als damals. Der ganze Reichtum der evangelischen Tradition scheint nur noch der Hülle oder dem Äußeren nach zu existieren, aber sonst scheint sie verflüchtigt zu sein.
Das gilt nicht nur für die EKD, in unterschiedlichem Grad scheint mir diese Entwicklung weit verbreitet.
Eben. Gilt für alle Kirchen dieser Welt. In noch mal 500 Jahren wird es Menschen geben, die genauso rummotzen wie du und sich die Verhältnisse von heute zurückwünschen. Aus welchem Grund auch immer.

Siard
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Siard » Sonnabend 31. Mai 2014, 07:29

Alt-Katholik hat geschrieben: Eben. Gilt für alle Kirchen dieser Welt. In noch mal 500 Jahren wird es Menschen geben, die genauso rummotzen wie du und sich die Verhältnisse von heute zurückwünschen. Aus welchem Grund auch immer.
1) In 500 Jahren ist diese Zeit vermutlich eine weniger wichtige Episode der Kirchengeschichte.
2) Ich habe nicht gemotzt.

Pollux
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pollux » Sonnabend 31. Mai 2014, 11:08

Das Alte nicht verachten, aber offen sein für Neues und die gemeinsame Wurzel nicht verleugnen.Das erscheint mir hilfreich zu sein. Toleranz und gegenseitiger Respekt gehören auch dazu.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Alt-Katholik » Sonnabend 31. Mai 2014, 11:11

Siard hat geschrieben:
Alt-Katholik hat geschrieben: Eben. Gilt für alle Kirchen dieser Welt. In noch mal 500 Jahren wird es Menschen geben, die genauso rummotzen wie du und sich die Verhältnisse von heute zurückwünschen. Aus welchem Grund auch immer.
1) In 500 Jahren ist diese Zeit vermutlich eine weniger wichtige Episode der Kirchengeschichte.
2) Ich habe nicht gemotzt.
Ich bezog mich auf den User "Pilgerer"...

Meinst du das? In einer Zeit, in der Homosexuelle endlich heiraten dürfen, Frauen Pfarrerinnen werden können etc.? Also ich empfinde das schon als Umbruch, der Kreuzgang und seine konservative Entourage bestätigen das ja.

Pilgerer
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonnabend 31. Mai 2014, 11:32

Alt-Katholik hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:
Alt-Katholik hat geschrieben: Eben. Gilt für alle Kirchen dieser Welt. In noch mal 500 Jahren wird es Menschen geben, die genauso rummotzen wie du und sich die Verhältnisse von heute zurückwünschen. Aus welchem Grund auch immer.
1) In 500 Jahren ist diese Zeit vermutlich eine weniger wichtige Episode der Kirchengeschichte.
2) Ich habe nicht gemotzt.
Ich bezog mich auf den User "Pilgerer"...

Meinst du das? In einer Zeit, in der Homosexuelle endlich heiraten dürfen, Frauen Pfarrerinnen werden können etc.? Also ich empfinde das schon als Umbruch, der Kreuzgang und seine konservative Entourage bestätigen das ja.
Ich meine das sehnende Aufschauen zu Gott und zur Erlösung, was die evangelische Kirche seit der Reformation prägte. Im Gegensatz dazu sehe ich in den letzten Jahrzehnten mehr eine anthropozentrische Kirche, die den menschlichen Willen ins Zentrum stellt, gleichzeitig aber auch die göttliche Kraft an den Rand drängt, die der Kirche eigentlich immer die Lebendigkeit gab.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von asderrix » Sonnabend 31. Mai 2014, 12:06

Bibelleser hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Wie evangelisch ist die EKD eigentlich noch? Wenn ich mir die Geisteshaltung in Gestalt der Bekenntnisse, Liturgien und Lieder von 1520 bis ca. 1960 ansehe, dann ist die EKD heute von einem völlig anderen Charakter geprägt als damals. .
Die Medizin und der Sozialstaat haben sich auch weiterentwickelt.
Ja, die EKD hat sich aber weiter(vom Willen Gottes weg)entwickelt.
Jedes Gedächtnismahl sagt: Das Beste kommt noch!

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Siard » Sonnabend 31. Mai 2014, 13:54

Alt-Katholik hat geschrieben:
Siard hat geschrieben:In 500 Jahren ist diese Zeit vermutlich eine weniger wichtige Episode der Kirchengeschichte.
Meinst du das? In einer Zeit, in der Homosexuelle endlich heiraten dürfen, Frauen Pfarrerinnen werden können etc.? Also ich empfinde das schon als Umbruch, der Kreuzgang und seine konservative Entourage bestätigen das ja.
Für die Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland vielleicht, aber ob es die dann noch gibt?
Für die gesamte Kirchengeschichte kann es sich um eine Episode handeln, an die man sich zwar erinnert, die aber die für die Gegenwart kaum Bedeutung hat.
Es kann aber natürlich ganz anders sein und als eine wesentliche Umwälzung gewertet werden – aber radikale Umwälzungen hab diese Bedeutung nur selten erlangt.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Edi » Sonnabend 31. Mai 2014, 14:16

Pilgerer hat geschrieben: Ich meine das sehnende Aufschauen zu Gott und zur Erlösung, was die evangelische Kirche seit der Reformation prägte. Im Gegensatz dazu sehe ich in den letzten Jahrzehnten mehr eine anthropozentrische Kirche, die den menschlichen Willen ins Zentrum stellt, gleichzeitig aber auch die göttliche Kraft an den Rand drängt, die der Kirche eigentlich immer die Lebendigkeit gab.
Dein erster Satz ist doch ein wenig arg übertrieben. In Teilen der Kirche ist das schon richtig gewesen, aber schon ein gewisser Luther war eher Reformator als Gottsucher, von der weiteren Entwicklung mal ganz abgesehen. Gottesfreunden z.B. wie einem Tersteegen ist die offizielle ev. Kirche nicht gerade freundlich begegnet.
Die ev. Kirche ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten anthropozentrisch geworden, das hat schon weit früher angefangen. Nur sieht man das jetzt eben noch viel, viel deutlicher.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pollux » Sonnabend 31. Mai 2014, 14:51

Edi hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben: Ich meine das sehnende Aufschauen zu Gott und zur Erlösung, was die evangelische Kirche seit der Reformation prägte. Im Gegensatz dazu sehe ich in den letzten Jahrzehnten mehr eine anthropozentrische Kirche, die den menschlichen Willen ins Zentrum stellt, gleichzeitig aber auch die göttliche Kraft an den Rand drängt, die der Kirche eigentlich immer die Lebendigkeit gab.
Dein erster Satz ist doch ein wenig arg übertrieben. In Teilen der Kirche ist das schon richtig gewesen, aber schon ein gewisser Luther war eher Reformator als Gottsucher, von der weiteren Entwicklung mal ganz abgesehen. Gottesfreunden z.B. wie einem Tersteegen ist die offizielle ev. Kirche nicht gerade freundlich begegnet.
Die ev. Kirche ist nicht erst in den letzten Jahrzehnten anthropozentrisch geworden, das hat schon weit früher angefangen. Nur sieht man das jetzt eben noch viel, viel deutlicher.
Mensch, seid doch nicht so engherzig.Natürlich war Luther ein Gottsucher und er musste die Kirche reformieren,aber er wollte ursprünglich keine Loslösung. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Das war die Frage, die ihn umtrieb.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Edi » Sonnabend 31. Mai 2014, 15:38

Pollux hat geschrieben: Mensch, seid doch nicht so engherzig.Natürlich war Luther ein Gottsucher und er musste die Kirche reformieren,aber er wollte ursprünglich keine Loslösung. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Das war die Frage, die ihn umtrieb.
Ja, zu Anfang war es so. Der ältere Luther aber war anders.
Es lebt der Mensch im alten Wahn.
Wenn tausend Gründe auch dagegen sprechen,
der Irrtum findet immer freie Bahn,
die Wahrheit aber muss die Bahn sich brechen.

Die meisten Leute werden immer schmutziger je älter sie werden, weil sie sich nie waschen.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pilgerer » Sonnabend 31. Mai 2014, 23:31

Edi hat geschrieben:
Pollux hat geschrieben: Mensch, seid doch nicht so engherzig.Natürlich war Luther ein Gottsucher und er musste die Kirche reformieren,aber er wollte ursprünglich keine Loslösung. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Das war die Frage, die ihn umtrieb.
Ja, zu Anfang war es so. Der ältere Luther aber war anders.
Er hat sich mit der Zeit, vielleicht aufgrund seiner Bedeutung, zu wichtig genommen. Das ist für niemanden gut. Der Kurfürst hätte ihn nicht zu ernst nehmen dürfen. Jedoch war auch schon die Reaktion auf die Exkommunikation unangemessen. Denn gerade in einem solchen Fall ist es geboten, mit christlicher Liebe (+ Respekt) auf eine unliebsame Handlung zu antworten.

Dessenungeachtet sind die klassischen lutherischen Pfarrer Respektpersonen in der Gemeinde gewesen. Sie waren starke Vaterfiguren der Gemeinde. Eine derartige familiäre Stellung zur Kirche macht einen wesentlichen Teil des christlichen Pfarrdienstes aus. Daher entfremdet es das Pfarramt, wenn der Pfarrer nicht mehr diese familiäre Beziehung zu seiner Gemeinde sucht, sondern seinen Dienst als normalen Beruf betreibt. Es wäre durchaus möglich gewesen, ordinierte Pfarrerinnen in eine solche familiäre Position zur Gemeinde zu bringen, sei es als Mutter, "Frau" oder "Tochter" der Gemeinde. All diese Rollen wurden von den Pfarrerinnen jedoch abgelehnt. Damit haben sie sich bewusst selbst geschadet, indem sie ihre Schöpfung als Familienmenschen verleugneten.
In der EKD gibt es immer noch Elemente der traditionellen "evangelischen Kirche". Es steht in der Eigenverantwortung der Einzelnen, diese zu suchen oder selber zu werden und zu vermehren.
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Bibelleser » Sonnabend 31. Mai 2014, 23:48

Pilgerer hat geschrieben: Es wäre durchaus möglich gewesen, ordinierte Pfarrerinnen in eine solche familiäre Position zur Gemeinde zu bringen, sei es als Mutter, "Frau" oder "Tochter" der Gemeinde. All diese Rollen wurden von den Pfarrerinnen jedoch abgelehnt. Damit haben sie sich bewusst selbst geschadet, indem sie ihre Schöpfung als Familienmenschen verleugneten.
Sehr pathetisch geschrieben.....nicht mit Herzblut sondern mit viel triefendem Fett.....schmalzig.
Da kommt kein Realitätsbezug zur modernen Welt mehr auf.

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von lutherbeck » Montag 9. Juni 2014, 19:28

"Ich bin nur ein einfacher demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn".

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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Pollux » Dienstag 10. Juni 2014, 05:55

Du kannst doch die Emanzipation nicht leugnen, die auch die Ehefrau des Pfarrers betrifft. Heute haben Pastorenfrauen einen ganz normalen Beruf erlernt, sind meistens Akademikerinnen und so eine Person kannst Du nicht mehr gleichsetzen mit der Zeit vor 100 Jahren und ihr eine Verhaltensweise oktroyieren, die du selber nicht leben möchtest.Was mir heute heftigen Probleme bereitet, sind doch die Tendenzen, auch ein schwules Gespann könne einen Pastorenhaushalt bilden.Ich gebe zu, das erregt auch meinen heftigen Protest.Aber es gibt geschiedene Pastoren, über die sollte man nicht den Stab brechen in der Nachfolge Jesu Christi, der sagte :"Was siehtst Du den Splitter in Auge deines Nächsten und siehst nicht den Balken in deinem eigenen Auge?"Und wer unter euch ohne Sünde sei, der hebe den ersten Stein."Und wer kann für sich schon sicher sein, dass seine Ehe gelingt und nicht geschieden wird???

Fragesteller
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Re: 500 Jahre Reformation

Beitrag von Fragesteller » Dienstag 10. Juni 2014, 11:23

Edi hat geschrieben:Gottesfreunden z.B. wie einem Tersteegen ist die offizielle ev. Kirche nicht gerade freundlich begegnet.
[...]
Kennst Du Hintergründe zu Tersteegen? Ich schätze mal, dass das wegen seiner privaten, von verfasster Kirchlichkeit tendentiell losgelösten Religiosität war - das wäre ja ein Grund, den Du auch unterschreiben könntest.

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